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Schüsse peitschen durch die Nacht – Was wäre der Western ohne seine Charakterdarsteller?

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Showdown at Abilene

Von Ansgar Skulme

Western // Der Amerikanische Bürgerkrieg ist gerade vorüber – manch einer weiß noch nicht einmal etwas davon. Jim Trask (Jock Mahoney) zieht es zurück in seine Heimatstadt Abilene, denn er hofft, dass seine Peggy (Martha Hyer) dort auf ihn wartet. Auf dem Heimweg trifft er seinen alten Freund Chip Tomlin (Grant Williams) wieder, der für die Gegenseite gekämpft hat und daher schon bald auf Probleme stößt, in die auch Trask hineingezogen wird. Der gerissene Dave Mosely (Lyle Bettger) hält mit Hilfe des brutalen Sheriffs Claudius (Ted de Corsia) die Stadt unter seiner Kontrolle. Man kommt den beiden besser nicht in Quere – doch Claudius verfolgt auch eigene Ambitionen.

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Dieser Blick verheißt selten Gutes

Jock Mahoney arbeitete nach Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst als Stuntman beim Film, wobei er vor allem als Double der Hauptfigur in der „The Durango Kid“-Filmreihe mit Charles Starrett zum Einsatz kam und schließlich auch vermehrt als Nebendarsteller eingesetzt wurde. Als Starretts Vertrag auslief, plante man, ihn durch Mahoney zu ersetzen. Ein erster Film wurde gedreht, aber nicht veröffentlicht, stattdessen entschloss sich Columbia Pictures kurzfristig, die „Durango Kid“-Reihe 1952 zu beenden. Schon 1951 bekam Mahoney außerdem eine eigene Westernserie im Fernsehen: „The Range Rider“ lief rund zwei Jahre lang. Erst 1954 war Mahoney in „Overland Pacific“ erstmals als Hauptdarsteller und Star eines eigenständigen Kinofilms zu sehen – das Genre blieb dabei, wie gewohnt, der Western. Nach dieser United-Artists-Produktion zog es ihn bald zu Universal, wo er ab 1956 nicht nur den Sektor Western als weiterer Star neben Recken wie Jeff Chandler, Rory Calhoun und Lex Barker verstärkte, aber vor allem in diesem Genre in Hauptrollen besetzt wurde. „Schüsse peitschen durch die Nacht“ war Mahoneys zweiter Universal-Western nach dem bereits durchaus gelungenen „Stunden des Terrors“ (1956), wo allerdings noch Dale Robertson an erster Stelle des Vorspanns genannt worden war. Erst mit „Schüsse peitschen durch die Nacht“ wurde Jock Mahoney somit als eigenständiger Held im Universal-Western etabliert.

Es sind die kleinen Dinge …

Auf den ersten Blick ist dieser Western formell sehr durchschnittlich. Er bietet viele typische Versatzstücke und Charaktere: den Helden, das Mauerblümchen, einen die Stadt kontrollierenden Schurken, fiese Handlanger und einen zwischen die Fronten geratenden Freund des Helden. Visuell und zunächst auch strukturell sieht das alles nach typischem B-Westernkino der ersten Hälfte der 50er aus. Doch ein paar Details sind hier eher ungewöhnlich und machen den Film besonders. Da ist das Trauma, das der Held mit sich herumschleppt. Dieses macht ihn nicht nur verwundbar, sondern offenbart ihn schließlich auch als Person mit Schuld, als greifbaren Menschen und nicht als perfekten Gewinner. Die Abkehr vom Strahlemann im Sattel, der das Kind schon schaukeln wird, tut dem Film gut. Natürlich wäre es zu einfach, so zu tun, als wären alle Helden im Western der 50er immer moralisch perfekte Cowboys mit weißem Hut gewesen und die Schurken hätten stets Schwarz getragen, aber wie weit es „Schüsse peitschen durch die Nacht“ mit der Demontage seines Helden immerhin treibt, ist dann wiederum auch nicht der Regelfall. Damit nicht genug, überrascht der Film auch mit einer interessanten Konstellation auf der anderen Seite: Der auf den ersten Blick sehr plakativ erscheinende Mosely – mitsamt seiner fehlenden Hand, an deren Stelle eine Art schwarzer Handschuh den verbliebenen Stummel kaschiert, was ein wenig an spätere James-Bond-Schurken wie Dr. No und Tee Hee erinnert –, entpuppt sich im Laufe der Zeit als weitaus interessantere Figur, die weit über den bloßen Despoten hinausgeht, der seine Handlanger steuert und am Ende typischerweise das alles entscheidende Duell mit dem Helden bestreitet. In seinem tiefsten Inneren plagen Mosely Sorgen und Herausforderungen, mit denen man kaum rechnet und die erst unter der stereotyp scheinenden Oberfläche zum Vorschein kommen. Hinzu kommt, dass in „Schüsse peitschen durch die Nacht“ etwas passiert, das in Western der damaligen Zeit vergleichsweise selten vorkommt: Auf der Seite der Schurken findet im Laufe des Films eine Machtverschiebung statt.

Ein Kino der Typen und Gesichter

Rückblickend kann man es als durchaus genialen Schachzug bezeichnen, dass dieser Mosely dann auch noch mit Lyle Bettger besetzt wurde – einem Schauspieler der des Öfteren Schurken verkörperte, die von Anfang bis Ende so konsequent verschlagen rüberkommen wie hier allerdings nur in der ersten Hälfte des Films. Unvergleichlich sein zähnefletschendes, falsches Lächeln, das auch auf einem der diese Veröffentlichung begleitenden Promo-Bilder sehr schön zu sehen ist. Die Rolle ist also nicht nur ungewöhnlich, gerade Bettger traut man ihre Entwicklung im Verlauf des Films umso weniger zu. Als Vergleich empfiehlt sich beispielsweise sein weitaus geradlinigerer Schurkenpart in „Der große Aufstand“ (1953) – dieser sehr unterhaltsame Universal-Western wurde bereits vor geraumer Zeit als 12. Teil der „Edition Western Legenden“ ebenfalls von Koch Media (heute Koch Films) auf DVD veröffentlicht. Schauspieler wie Lyle Bettger oder Ted de Corsia in „Schüsse peitschen durch die Nacht“ sind es, deretwegen man im Englischen von „Typecasting“ spricht und die den B-Western durch ihre Präsenz immer wieder veredelten. Kerle mit kantigen Gesichtern, Typen mit eindrücklicher Präsenz und Wiedererkennungswert, die selbst die eindimensionalsten Rollen unterhaltsam zu vermitteln wussten – mochten sie nun Schurken spielen oder die besten Kumpels des Helden sein. Jedes der damaligen einigermaßen kapitalkräftigen Hollywood-Studios hatte einen gewissen Grundstock solcher Darsteller unter Vertrag und buchte sich von Film zu Film weitere hinzu. Auch bestimmte Regisseure hatten ihre jeweiligen Vorlieben, mit welchen Charakterdarstellern sie immer wieder zusammenarbeiten. Man könnte im selben Atemzug wie Bettger und de Corsia beispielsweise auch Ward Bond, Lee Van Cleef, Emile Meyer, Alex Nicol, Neville Brand, Elisha Cook Jr., Hank Worden und viele andere mehr nennen, was nur die 50er-Jahre anbetrifft.

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Trask kämpft mit seinen inneren Dämonen

An den begrenzten schauspielerischen Möglichkeiten des Hauptdarstellers Jock Mahoney wird zuweilen Kritik laut. Sogar der Regisseur Charles Haas behauptete in einem Interview über 50 Jahre nach dem Dreh, er habe den späteren Serienstar David Janssen („Richard Diamond, Privatdetektiv“, „Auf der Flucht“, „Harry O“), der hier eine Nebenrolle als Hilfssheriff spielt, im Film des Öfteren an eine Tür lehnend gezeigt, damit dieser Mahoney in gemeinsamen Szenen nicht ständig die Show stahl. Die Kritik an Mahoney ist im Allgemeinen sicher etwas übertrieben und gerade in den Momenten von „Schüsse peitschen durch die Nacht“, wenn die psychischen Probleme der Figur zum Vorschein kommen, ist er überraschend überzeugend – Würze und Charisma erhält der Film aber trotzdem erst durch seine Charakterdarsteller. Problematisch ist vor allen Dingen, dass die Liebesgeschichte absolut nicht überzeugt und damit auch die Glaubhaftigkeit des Helden leidet, was allerdings weniger an Mahoney denn an der enttäuschenden Martha Hyer liegt, die ihre ohnehin schon völlig oberflächliche Rolle leider sehr schwach spielte.

Verwirrungen um das Bildformat

Die DVD von Koch Films bietet, wie üblich, ein schickes Technicolor-Bild und der Ton lässt keine Wünsche offen. Das Bonusmaterial ist solide und entspricht dem Standard der „Edition Western Legenden“, bei der das Booklet schon immer das Herzstück der Extras war. Etwas irritierend ist lediglich das Bildformat 4:3 (andere Schreibweise: 1,33:1), da der Film ursprünglich im Format 2,00:1 gedreht worden sein soll. Dies passt auch besser zum Veröffentlichungsjahr 1956, da ab 1953/1954 das Breitwand-Kino Einzug hielt und einigermaßen große Studios sich bei ihren Produktionen in der Folge recht schnell und konsequent vom heute sogenannten „Vollbild“ abwandten – auch wenn sehr breite Formate wie 2,35:1 oder 2,55:1 trotzdem immer noch das andere Extrem darstellten und sich die meisten Filme irgendwo in der Mitte zwischen Vollbild und CinemaScope trafen.

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Das schmückende Beiwerk, um das sich trotzdem alle reißen

Leider fällt zuweilen auf, dass der Bildinhalt rechts und links offenbar etwas beschnitten wurde. Besonders deutlich wird dies in einer Szene, in der sich Lyle Better in der Bildmitte in einem Spiegel zeigt, während rechts und links von diesem Spiegel der Held und seine Angebetete zu sehen sind, Jock Mahoney dabei aber nicht (mehr) voll im Bild ist. Da es bis in die 90er leider durchaus üblich war, Filme beispielsweise für ihre Fernsehausstrahlungen derartig zu beschneiden, um die Fernsehbildschirme voll auszufüllen und schwarze Balken am oberen und unteren Bildrand zu vermeiden, mag es allerdings sein, dass von diesem Film auch tatsächlich kein anderes Bild-Master mehr zu bekommen war, das gleichzeitig auch noch restauriert vorliegt. Man kann Koch Films hier wahrscheinlich keinen Vorwurf machen, denn in der Regel treiben die Labels für solche DVD-Veröffentlichungen die Original-Kinoformate auf, auch wenn im deutschen Fernsehen Vollbild-Fassungen solcher Western aus der zweiten Hälfte der 50er liefen.

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Sieht so echte Liebe aus?

Die „Edition Western Legenden“ von Koch Films:

01. Die weiße Feder (White Feather, 1955)
02. Rache für Jesse James (The Return of Frank James, 1940)
03. Der letzte Wagen (The Last Wagon, 1956)
04. Union Pacific (Union Pacific, 1939)
05. Rio Conchos (Rio Conchos, 1964)
06. Schieß zurück Cowboy (From Hell to Texas, 1958)
07. Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, 1948)
08. Die schwarze Maske (Black Bart, 1948)
09. Ritt zum Ox-bow (The Ox-Bow Incident, 1943)
10. 100 Gewehre (100 Rifles, 1969)
11. Shoot Out – Abrechnung in Gun Hill (Shoot Out, 1971)
12. Der große Aufstand (The Great Sioux Uprising, 1953)
13. Der Tag der Vergeltung (Untamed Frontier, 1952)
14. Duell mit dem Teufel (The Man from Bitter Ridge, 1955)
15. Grenzpolizei Texas (The Texas Rangers, 1936)
16. El Perdido (The Last Sunset, 1961)
17. Trommeln des Todes (Apache Drums, 1951)
18. Drei Rivalen (The Tall Men, 1955)
19. Quantez, die tote Stadt (Quantez, 1957)
20. Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, 1950)
21. Die Höhle der Gesetzlosen (Cave of Outlaws, 1951)
22. Western Union (Western Union, 1941)
23. Ritt in den Tod (Walk the Proud Land, 1956)
24. Vorposten in Wildwest (Two Flags West, 1950)
25. Santiago der Verdammte (The Naked Dawn, 1955)
26. Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, 1953)
27. Vom Teufel verführt (The Rawhide Years, 1955)
28. Der große Bluff (Destry Rides Again, 1939)
29. Gold aus Nevada (The Yellow Mountain, 1954)
30. Rivalen im Sattel (Bronco Buster, 1952)
31. Feuer am Horizont (Canyon Passage, 1946)
32. Noch heute sollst du hängen (Star in the Dust, 1956)
33. Frisco Express (Wells Fargo, 1937)
34. Schieß oder stirb (Gun for a Coward, 1957)
35. Der große Minnesota Überfall (The Great Northfield, Minnesota Raid, 1972)
36. Mit roher Gewalt (The Spoilers, USA 1955)
37. Die Welt gehört ihm (The Mississippi Gambler, USA 1953)
38. Rebellen der Steppe (Calamity Jane and Sam Bass, USA 1949)
39. Der Vagabund von Texas (Along Came Jones, USA 1945)
40. Auf verlorenem Posten (The Lone Hand, USA 1953)
41. California (California, USA 1947)
42. Der blaue Mustang (Black Horse Canyon, USA 1954)
43. Die Meute lauert überall (Raw Edge, USA 1956)
44. Rächer der Enterbten (The True Story of Jesse James, USA 1957)
45. Schüsse peitschen durch die Nacht (Showdown at Abilene, USA 1956)

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Das Blatt wendet sich – der Schurke kommt ins Schwimmen

Veröffentlichung: 2. März 2017 als DVD

Länge: 77 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch & Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Showdown at Abilene
USA 1956
Regie: Charles F. Haas
Drehbuch: Berne Giler, nach einer Kurzgeschichte von Clarence Upson Young
Besetzung: Jock Mahoney, Martha Hyer, Lyle Bettger, David Janssen, Ted de Corsia, Grant Williams, Harry Harvey, Dayton Lummis, Richard H. Cutting, Robert Anderson
Zusatzmaterial: Bildergalerie, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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Gold in Neuguinea – Die Essenz des Abenteuerfilms

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Crosswinds

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Der Aussteiger Steve Singleton (John Payne) schippert mit seinem Boot durch die Gewässer Neuguineas. Auf der Suche nach neuen Abenteuern in der Südsee ist einer immer an seiner Seite: der treue Bumidai (Frank Kumagai). Eines Tages lernt Singleton den Geschäftemacher „Jumbo“ Johnson (Forrest Tucker) kennen, der ihn zu einer Expedition überredet. Dieses Abenteuer kostet Singleton sein Boot, doch während er noch auf der Suche nach dem Verantwortlichen ist, lernt er schon die nächsten Abenteurer (Alan Mowbray, John Abbott) kennen und sticht mit deren Boot zu einer Goldsuche in See. Die Spur zum Gold führt über die Witwe Katherine (Rhonda Fleming), vorbei an mordlustigen Eingeborenen – und da wo es was zu holen gibt, ist auch „Jumbo“ Johnson nicht weit.

„Gold in Neuguinea“ wurde von Pine-Thomas Productions realisiert; der Hauptdarsteller John Payne stand bei Pine-Thomas als Star unter Vertrag. Die Filme dieser Produktionsfirma wurden regelmäßig von Paramount in die Kinos gebracht und gelangten so an ein großes Publikum. John Payne legte besonderen Wert darauf, dass seine Filme in Farbe produziert wurden, und der vorliegende Streifen ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie viel das ausmachen konnte, gerade wenn es um Abenteuergeschichten aus exotischen Regionen der Erde geht. Zwar setzte man die herrliche Natur der Südsee ersatzweise in Florida in Szene, doch wenn die Flusslandschaften, umrandet von sattem Grün, in Technicolor erstrahlen, vergisst man schnell alles andere und wird in die Ferne entführt.

Ein Autorenfilm der etwas anderen Art

Wertet man es als Kriterium für einen Autorenfilm, dass Drehbuchautor und Regisseur ein und dieselbe Person waren, so ist „Gold in Neuguinea“ eine Art Autorenfilm: Zwar basiert er auf dem Roman „New Guinea Gold“ von Thomson Burtis, welcher ihn offenbar auch höchstselbst für diesen Film adaptierte, die weitere Arbeit vom Drehbuch bis zum fertigen Film lag dann allerdings in den Händen von Lewis R. Foster. Foster war bei den Dreharbeiten für den Western „El Paso – Die Stadt der Rechtlosen“ (1949) mit John Payne zusammengetroffen und inszenierte binnen nur zwei Jahren vier weitere Filme mit ihm – mit Ausnahme von „Käpt’n China“ (1950) alle in Farbe. „Gold in Neuguinea“ war nach den Western „Der Rebell von Mexiko“ (1950) und „Die Faust der Vergeltung“ (1951) der letzte dieser fünf Filme, markiert in der Filmografie Fosters gleichzeitig aber auch den Beginn einer Reihe von vier in direkter Folge erschienenen Abenteuern an exotischen Schauplätzen – alle in Farbe! Für „Hongkong“ (1952) und „Tropische Abenteuer“ (1953) arbeitete Foster erneut mit Rhonda Fleming zusammen, wobei statt John Payne nun Ronald Reagan den männlichen Hauptpart übernahm, als vierter Film folgte schließlich „Weiße Herrin auf Jamaica“ (1953) mit Ray Milland und Arlene Dahl. Bei sämtlichen der besagten Filme verfasste Foster auch selbst die Drehbücher, wenngleich nicht immer ohne Mitstreiter.

Fosters Abenteuer in Technicolor kommen, wenn nötig, mit recht einfachen filmischen Mitteln aus. Es ist ein wenig, als würde man in einen Groschenheft-Roman fallen wie Alice ins Wunderland und davon nicht mehr losgelassen. Fosters Filme zeigen aufs Wesentliche reduziert, warum Hollywood eine Traumfabrik war, und „Gold in Neuguinea“ ist das wahrscheinlich eindrucksvollste Beispiel unter seinen Abenteuerproduktionen, da der Film in mehrerlei Hinsicht auf ein Minimum reduziert scheint und seine Geschichte trotzdem stilsicher zu Ende erzählt.

Da werden Männerträume wahr – Frauenträume vielleicht auch!

In „Gold in Neuguinea“ treten nur sieben namentlich genannte Darsteller auf, viel mehr Rollen mit Dialog gibt es auch nicht. Im Grunde beschränkt sich die Bewegung der Figuren im Film darauf, dass Singleton zweimal den Fluss hinauf- und einmal auch wieder hinunterfährt, aber es steckt viel, viel mehr dahinter. Die Geschichte vereint etliche Motive, die Sehnsüchte nach Abenteuern deutlich werden lassen. Alle Charaktere sind Aussteiger, fernab der Zivilisation, selbst die Frau verstößt als Trinkerin gegen eine Grundregel des guten Geschmacks. Für Singleton ist der Traum vom Leben auf einem Boot Wirklichkeit geworden, an Land ist er nur noch ab und an. Er hat es geschafft – wenn man so will.

Zum Motiv des Aussteigers kommt die Abenteuerlust, die Risikofreude, sich in der Nähe gefährlicher Eingeborener und wilder Tiere herumzutreiben, obwohl es sich anderswo viel sicherer leben ließe. Diesen positiven Leichtsinn teilen alle im Film auftauchenden Figuren. Dann ist da ein Steckenpferd, ein großes Hobby, eine Passion – für Singleton ist es sein Boot, dessen Verlust ihn mehr trifft als ihn alles andere hätte treffen können, für Bumidai ist es die bedingungslose Treue und Freundschaft zu seinem Chef. Freundschaft – ein unverzichtbares Gut bei jedem Abenteuer und am liebsten besteht man seine Abenteuer schließlich gemeinsam mit seinen besten Freunden. Freundschaft entsteht in diesem Film aber auch unter ehemaligen Feinden und Gegner raufen sich zusammen, um gemeinsam ihr Ziel zu erreichen. Die Umstände in der Wildnis lassen die Menschen über sich hinauswachsen und über ihre Schatten springen – ein die Gemeinschaft würdigendes und stärkendes Motiv. Dazu gibt es waghalsige Kämpfe über Wasser und heikle Tauchmissionen unter Wasser. Egal in welche Richtung man schaut, ob nach oben zum Flugzeug am Beginn des Films oder später nach unten in die Gewässer, nach rechts oder links zu korrupten Amerikanern oder den noch gefährlicheren Eingeborenen – überall lauert das Abenteuer. Und nicht zuletzt findet sich das uralte Motiv der Schatzsuche in doppelter Ausfertigung, erst eine Suche nach Perlen, dann nach Gold.

Ein Kammerspiel als Freilichttheater – ganz ohne Bühne

Kurzum: „Gold in Neuguinea“ ist wie ein Abenteuerurlaub, der sinngemäß alles bietet, was man sich als junger Teenager immer an Abenteuer gewünscht und als Erwachsener (möglicherweise völlig zu Recht) nicht mehr getraut hat. Kein Kinderfilm, sondern ein Film für das Kind im Erwachsenen – eine Art Abenteuermärchen gewissermaßen. So ein Film braucht auch keine auffälligen Kameraeinstellungen, genauso wenig wie ein Märchenfilm nach den Gebrüdern Grimm sie nötig hat. Entscheidend sind Handlung, Figuren und Schauplätze, die unsere Abenteuerlust ansprechen müssen. Dass dieser Film zudem mit so einem kleinen Schauspielerensemble auskommt, welches den kompletten dramaturgischen Konflikt der Story gewissermaßen unter sich ausmacht, lässt das Gesehene umso griffiger erscheinen. Die wenigen Protagonisten sind sehr charismatisch, teilweise nah an Figuren aus einer Fabel – ein durchaus wichtiger Aspekt für so ein Abenteuermärchen. Eine Überzeichnung der Figuren darf hier sein, muss es bei so einer Geschichte vielleicht sogar.

Durch die kammerspielartige Figurenkonstellation und die Tatsachen bedingt, dass der Film über weite Strecken auf einem Boot bzw. an Anlegeplätzen oder in deren Nähe spielt, hat der Film etwas von Theater. Mag er von den filmischen Stilmitteln her noch so einfach wirken, so kann man die Erzählweise dennoch als ähnlich der eines Theaterstücks sehen, das allerdings die Fesseln der Bühne gesprengt hat und statt Kulissen echte Natur zeigt. Wohlgemerkt: All das würde nicht annähernd so gut wirken, hätte man den Film nicht in Farbe gedreht, denn erst dadurch wird der kindliche Traum vom Abenteuer in der Traumfabrik filmische Wirklichkeit für Erwachsene. Und auch die Spielfreude der Darsteller macht gerade bei einem kleinen Ensemble ohne Zweifel viel aus. Der Film schafft es, dass man am Ende zu jedem hält, egal wie negativ sich manch einer zuvor verhalten hat – das Abenteuer hat gestandene Menschen aus allen Schatzsuchern gemacht. Ohne überzeugende Schauspielerleistungen würde das nicht funktionieren, Sympathie mit den Figuren kommt nicht von allein. Besonders unterhaltsam und ziemlich ungewöhnlich sind selbstredend Alan Mowbray und John Abbott als äußerst ungleiches Galgenvogel-Duo auf der Jagd nach dem Gold; die Geschichte allerdings steuert beide auf eine durchaus überraschende Eskalation zu. Vorhersehbar ist der Film beim besten Willen nicht immer, schnörkellos allerdings bleibt er konsequent.

Exotisch, bunt, eskapistisch

Wer an den Technicolor-Abenteuerfilmen von Lewis R. Foster Gefallen findet, dieser stets schnörkellos erzählten, farbenfrohen Reise in exotische, ferne Kulturen, die fantasievoll mit Hilfe der Studios und heimischer Natur zum Leben erweckt wurden, der sollte sich auch einmal die farbigen Genrebeiträge von Edward Ludwig ansehen. Ludwigs Filmografie weist in der ersten Hälfte der 50er-Jahre einige Parallelen zu Fosters Filmografie auf. Seine Filme „Piraten von Macao“ (1951) mit Jeff Chandler, „Die Geliebte des Korsaren“ (1952) mit John Payne und „Der Schatz der Jivaro“ (1954) mit Fernando Lamas bewegen sich stilistisch und inhaltlich auf einer vergleichbaren Ebene wie Foster. Ferner drehte Ludwig mit Payne auch das Waldbrand-Abenteuer „Flucht vor dem Feuer“ (1952) und den Western „Geknechtet“ (1953) – bei beiden war Lewis R. Foster einer der Drehbuchautoren. Derartige Regisseure bilden die Essenz des B-Abenteuerfilms in den 50er-Jahren, da sie es verstanden, die Einfachheit und simple Faszination von Groschenheft-Romanen und damit vergleichbaren Geschichten in äquivalentes filmisches Erzählen zu übertragen. Das ist Unterhaltungskino in Reinkultur, bei dem der Regisseur letztlich ganz im Dienst der Geschichte und der erzählten Welt steht – sogar wenn er selbst das Drehbuch verfasst hat. Je mehr man vergisst und träumt und je weniger man durch immer wiederkehrende Stilmittel daran erinnert wird, wer der Regisseur ist, desto besser sind diese Filme. Die Regisseure treten sehr weit hinter die Geschichte zurück, was das Eintauchen für den Zuschauer umso einfacher macht, denn die Bilder, die Schauspieler, die Handlungs- und Drehorte sowie die Klänge sind genug, um in den Geschichten wandeln zu können. Es handelt sich hierbei nicht um Kunst zweiter Klasse, sondern um ein filmisches Erzählen der eher demütigen Art – Filme, in denen es eigentlich nur um die Geschichte mitsamt ihrer Figuren und Schauplätze geht und bei denen die Farbe an sich ein Stilmittel ist, das den Exotismus befördert. Alle anderen Aspekte, seien sie stilistisch oder künstlerisch motiviert, ordnen sich dem unter.

Eine Rarität mit Perspektive, eine zu bleiben

Da Paramount seit einigen Jahren keine Klassiker mehr in Deutschland veröffentlicht, allerdings auch keine Rechte an andere Labels abtritt, steht in den Sternen, wann es dieser Film einmal zu uns schaffen wird – nur im Pay-TV wurde er hin und wieder gezeigt. Auch in den USA ist „Gold in Neuguinea“ lediglich über „Amazon Video“ abrufbar, aber nicht als DVD zu erwerben. Die deutsche Synchronfassung mit Curt Ackermann als Sprecher von John Payne, Hans Hinrich in der Rolle des „Jumbo“ Johnson und einem seine Stimme ungewöhnlich tief drückenden Erich Fiedler – besser bekannt als jahrelange deutsche Stimme von Robert Morley –, der mit tiefer Stimmlage das Gewicht von Alan Mowbray erst einmal herstellen musste, ist sehr gelungen. Sie macht das Abenteuer auch auf Deutsch zu einem träumerischen, nicht nur nostalgischen Erlebnis.

Länge: 95 Min. (Kino)
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Crosswinds
USA 1951
Regie: Lewis R. Foster
Drehbuch: Lewis R. Foster, nach einem Roman von Thomson Burtis
Besetzung: John Payne, Rhonda Fleming, Forrest Tucker, Alan Mowbray, John Abbott, Robert Lowery, Frank Kumagai
Verleih: Paramount Pictures

Copyright 2016 by Ansgar Skulme

 

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Sensation am Sonnabend – Wenn Gewalt, dann ehrlich

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Violent Saturday

Von Ansgar Skulme

Thriller // Eine Kleinstadt in Arizona mit nur wenigen Tausend Einwohnern: Im Umland wird in der Mine von Boyd Fairchild (Richard Egan) und dessen Vater (Raymond Greenleaf) erfolgreich Kupfer abgebaut, Shelley Martin (Victor Mature) ist einer ihrer besten Mitarbeiter. Nur privat läuft es nicht gut beim jungen Fairchild. Das Bankkonto ist prall gefüllt, doch die Ehe steht auf der Kippe. Seine Frau Emily (Margaret Hayes) trifft sich mit dem smarten Gil Clayton (Brad Dexter), Fairchild lernt indessen die attraktive Krankenschwester Linda (Virginia Leith) kennen, doch auf die hat auch der Geschäftsführer einer großen örtlichen Bank, Harry Reeves (Tommy Noonan), ein Auge geworfen. Wenn er nur wüsste, dass drei Gangster unter Federführung eines gewissen Harper (Stephen McNally) ein Auge auf seine Bank geworfen haben und schon bald wie ein großes Unwetter über die Alltagsprobleme der Stadt hereinbrechen werden.

„Violent Saturday“ machte seinem Originaltitel für damalige Verhältnisse alle Ehre. Die Kritiker störten sich an den Gewaltdarstellungen, obwohl es im Film derer eigentlich nicht viele gibt und sie zudem auch nicht gleichmäßig über die Handlung hinweg verteilt vorzufinden sind, sondern sich hauptsächlich gen Ende konzentrieren. Jedoch war es das Publikum der 50er-Jahre schlichtweg nicht gewohnt, dass in einem Film die von den Geschossen einer Flinte getroffenen Figuren durch die Wucht des Aufpralls nach hinten geworfen werden und umfallen wie nasse Säcke, die man beiseite wirft. Heute sind solche Darstellungen Standard, damals waren sie mutig und richtungsweisend. Richard Fleischer inszenierte die Brutalität, wie sie bei einem Raubüberfall und in dessen Folge glaubhaft erscheint, weder ausschweifend noch verharmlosend. Was lange aussieht wie ein Thriller mit dramenhaften, teils melodramatischen Dialogen, kippt plötzlich in einen Actionthriller. Damit ist ihm ein recht realistischer Banküberfall-Film gelungen, bei dem es im Gegensatz zu einigen anderen Einbruchsstreifen nicht darum geht, die Geschichte eines besonders spektakulären, nahezu übermenschlich gut geplanten Raubes zu erzählen, sondern vielmehr darum, wie plötzlich ein solches Verbrechen in den Alltag Ahnungsloser dringt und ihr Leben verändert. Der Überfall selbst nimmt nur einen recht kleinen Teil der Handlung ein, wurde zwischen ausführlich aufbereiteten Vorgeschichten und einem gepfefferten Finale verortet, für das man sich ebenfalls genügend Zeit genommen hat.

Die Premiere von „Violent Saturday“ sollte ursprünglich in Lancaster (Pennsylvania) stattfinden, da diese Stadt als Hochburg der Amischen galt und eine Familie dieser Glaubensgemeinschaft eine wichtige Rolle für die Handlung spielt. Der Bürgermeister untersagte die Aufführung jedoch, da er den Film zu brutal und hinsichtlich der Darstellung der Beziehungen zu offenherzig fand. Das mag ihm zur Begründung gereicht haben, aber was er wohl dazu gesagt hätte, dass die Amischen in der im selben Jahr entstandenen deutschen Synchronfassung als „Sekte“ bezeichnet werden und sich im Dialog sogar selbst als einer Sekte zugehörig bezeichnen? Wie unverblümt die deutsche Version in dieser Hinsicht daherkommt, ist durchaus überraschend, wenn man heutige Maßstäbe politischer Korrektheit anlegt.

Eine Sensation ist die Besetzung

Für die Handlung des Films, der zu großen Teilen in Bisbee (Arizona) gedreht wurde, wirkt der deutsche Titel „Sensation am Sonnabend“ reichlich vorsichtig und klingt eher nach Rummelplatz und Jahrmarktsattraktionen. Der Alternativtitel „Tod am Samstag“ ist zwar banal, aber immerhin etwas passender. In Spanien, Italien und Portugal verweist der Titel auf einen tragischen Samstag – das trifft es ziemlich auf den Punkt. Sensation am Sonnabend oder nicht: Die Besetzung des Films kann man durchaus als kleine Sensation werten. Mit Victor Mature, Richard Egan und Stephen McNally fährt der Thriller gleich drei Stars auf, die allesamt in den 50ern zu diversen Hauptrollen in Hollywood kamen. Dazu gibt es den späteren Topstar Lee Marvin und Ernest Borgnine, der für seine Titelrolle in „Marty“, welcher in den US-Kinos im selben Monat wie „Sensation am Sonnabend“ startete, im Folgejahr den Oscar gewinnen sollte. Außerdem konnte man mit Sylvia Sidney für die eher kleine, emotional aber sehr intensive Rolle der Elsie Braden eine Schauspielerin gewinnen, die in den 30ern für ein paar Jahre zu den ganz Großen in Hollywood zählte. Sie hatte mit Alfred Hitchcock, William Wyler und Fritz Lang gearbeitet, war ab den 40ern aber kaum noch in Filmen zu sehen.

Dazu gab es fürs Eintrittsgeld noch den versierten Charakterdarsteller J. Carrol Naish, der das Gangster-Trio mit McNally und Marvin komplettiert und im Fernsehen wenig später der neue Meisterdetektiv Charlie Chan wurde. Beim Film aber machte er schon seit vielen Jahren auf sich aufmerksam; gerade erst hatte er die Titelrolle in dem Western „Sitting Bull“ (1954) gespielt. Naish war von 1930 bis Anfang der 70er-Jahre in fast 200 Kinofilmen und zudem etlichen TV-Rollen zu sehen. Brad Dexter, der in „Sensation am Sonnabend“ den Liebhaber der Ehefrau gibt, wurde später einer der glorreichen Sieben in dem berühmten Western von 1960. Damit nicht genug, spendierte dieser „Violent Saturday“ dem eigentlich eher dem Comedy-Bereich zuzuordnenden Tommy Noonan noch eine interessante dramatische Rolle als zugeknöpfter, schüchterner Spießer, der seine Gefühle zu unterdrücken versucht und sich heimlich nachts um die Häuser schleicht. In diesem Zusammenhang nimmt der Film auch kein Blatt vor den Mund, als der Spanner schließlich mit seinem Tun konfrontiert wird – nur einer der vielen Aspekte, hinsichtlich derer sich das Werk um eine ehrliche Darstellung verdient macht. Dass die angenehm souverän und natürlich aufspielende, mit einer außergewöhnlichen, schönen Stimme gesegnete Virginia Leith nur eine äußert kurze Filmkarriere mit weniger als zehn Rollen dieser Größenordnung hatte, ist sehr schade. Sie bildet ein hervorragendes Pendant zu der hin und her gerissenen Margaret Hayes, deren Rolle die wohl tragischste im gesamten Film ist. Hayes‘ Besetzung kam, genau wie auch die von Virginia Leith, für so einen Film eher überraschend. Der nur wenige Wochen zuvor in den Kinos gestartete „Die Saat der Gewalt“ (1955) war der erste Kinofilm der 50er, in dem man Margaret Hayes hatte sehen können.

Besondere Produktionsumstände

Der Film markiert also ein Zusammentreffen vieler bereits etablierter und angehender Stars mit neu- und wiederentdeckten Schauspielern. Ebenso zeigte 20th Century Fox mit dieser Produktion gleichzeitig ein altes und ein neues Gesicht. Da ist zum einen der Faktor, dass dem Film rückblickend der eher zweifelhafte Ruf zukommt, einer der am niedrigsten budgetierten Filme gewesen zu sein, die in dem von Fox dominierten CinemaScope-Verfahren und zudem mit Farbe von De Luxe gedreht wurden. Mit anderen Worten: Der Film sah teuer aus, man durfte neueste technische Equipments nutzen und die Schauspieler dürften auch einiges an Geld gekostet haben, ansonsten jedoch war Sparen angesagt. Haushalten musste man auch damit, dass der zunächst veranschlagte Kameramann Charles G. Clarke Ende 1954 während der Produktion erkrankte und durch Milton Krasner ersetzt wurde – den Credit für die Kameraarbeit behielt allerdings Clarke. Gleichzeitig war „Sensation am Sonnabend“ aber auch ein Prestigeprojekt für Buddy Adler, der damit, nach seiner Zeit bei Columbia Pictures, zum ersten Mal einen Fox-Film produzierte und ab 1956, als Nachfolger des berühmten Darryl F. Zanuck, die Geschicke des gesamten Studios übernahm – wenngleich ihm bis zu seinem Tod nur noch wenige Jahre vergönnt waren. Von Columbia war Adler das Arbeiten mit niedrigen Budgets bereits gewohnt und er dürfte seinen Anteil daran haben, dass der vorliegende Film mit eher wenig Geld in der Hinterhand trotzdem sehr ansehnlich geworden ist. Für den Hauptdarsteller Victor Mature hingegen standen die Zeichen auf Abschied. Es war sein letzter Film für Fox – unter dem Strich hatte er, unterbrochen vom Krieg und einigen Leihen an andere Studios, etwa 15 Jahre für Fox gearbeitet.

Kritik fällt schwer

So ganz nebenbei schafft es der Film auch noch, kurz und knapp eine recht gute, zum Schluss durchaus ans Herz gehende Vater-Sohn-Geschichte um den von Mature verkörperten Shelley Martin zu erzählen, in der es um Heldenhaftigkeit und die manchmal nicht einfache Anforderung an einen Vater geht, glaubhaftes Vorbild für sein Kind zu sein. Dieser Shelley Martin ist überhaupt eine interessante „Hauptrolle“, taucht erst nach etlichen Minuten – eher spät für jemanden, der in einem Hollywood-Film der damaligen Zeit an erster Stelle des Vorspanns genannt ist – in der Story auf und seine Geschichte wird auf Augenhöhe mit den anderen Charakteren im Film, aber nicht im Vordergrund erzählt. Er wird im Grunde erst im Finale zum Protagonisten inmitten des breitgefächerten Schauspieleraufgebots. Dass der Film nicht auf einen von vornherein wie ein späterer Sieger wirkenden Helden setzt, macht die Erzählung umso glaubwürdiger. Fast noch bemerkenswerter allerdings ist, dass Richard Fleischer einen Schauspieler wie Victor Mature, von dem man genau einen solchen wie der sichere Sieger wirkenden Heldenpart durchaus erwarten mochte, so gekonnt in dieser Rolle in Szene setzte, dass er tatsächlich wie ein fürsorglicher, ganz normaler Familienvater wirkt, der unglücklich und zufällig in die Geschehnisse stolpert und erst aus der absoluten Not heraus über sich hinaus wächst.

Fleischer bewies mit dieser Regiearbeit rundum, dass er unter den Großen Hollywoods angekommen war. „Sensation am Sonnabend“ war sein erster Film nach dem berühmten „20.000 Meilen unter dem Meer“ und hat ebensolche Blockbuster-Qualitäten. Für Richard Fleischer war „Sensation am Sonnabend“ in gewisser Weise aber auch die wohlverdiente Veredelung seiner eigenen filmischen Wurzeln. Er hatte seine Regielaufbahn mit Kurzfilmen, Dokumentationen und eigenen Kompilationen von Stummfilmen begonnen, seine Regiearbeit „Design for Death“ (1947) gewann sogar den Oscar als beste Dokumentation – es sollte sein einziger bleiben. Seinen Durchbruch im Bereich abendfüllender Spielfilme feierte er dann jedoch Ende der 40er, Anfang der 50er mit einigen Film noirs, wie etwa dem fast komplett in einem Zug spielenden „Um Haaresbreite“ (1952), der in der Kategorie „Beste Originalgeschichte“ für den Oscar nominiert war. Dem Film noir hatte er vieles zu verdanken und „Sensation am Sonnabend“ war nun der erste Genrebeitrag, den er in Farbe und der erste, den er in CinemaScope drehen durfte.

Alle Weichen für eine gute deutsche Veröffentlichung gestellt

Da Pidax Film in den vergangenen Jahren schon diverse 20th-Century-Fox-Filme aus den 50ern veröffentlicht hat – darunter auch mehrere ansehnliche CinemaScope-Produktionen in Farbe – sollte man, was eine Veröffentlichung dieses Films auf dem deutschen Markt anbelangt, seine Hoffnungen wohl vor allem in dieses Label setzen. In den USA und Großbritannien gibt es „Violent Saturday“ mittlerweile sowohl als Blu-ray als auch als DVD. Die deutsche Synchronfassung ist trotz des eingangs erwähnten, aus heutiger Sicht eher kuriosen Umgangs mit den Amischen absolut gelungen. Für Victor Mature gibt es dessen Stammsprecher Curt Ackermann zu hören – der zwar einige Stars sehr gut vertonte, aber für niemanden so ideal passte wie für Mature und Jeff Chandler. Für Richard Egan ist Horst Niendorf zu hören, der ihn 1955 noch in mehreren anderen Filmen sprach. Außerdem ist auch Günter Pfitzmann wieder dabei, der in Fleischers „20.000 Meilen unter dem Meer“ gerade erst Kirk Douglas in der Hauptrolle synchronisiert hatte und hier nun für Lee Marvin zu hören ist. Dazu gesellen sich charismatische Stimmen wie der spätere erste „Asterix“ Hans Hessling als Sprecher von J. Carrol Naish, der erste „Fred Feuerstein“-Stammsprecher Eduard Wandrey für Ernest Borgnine und der erste „Winnetou“-Sprecher der Horst-Wendlandt-Ära Herbert Stass als Stimme von Tommy Noonan. Ein zeitloser Film aus einem nach wie vor höchst beliebten Genre, mit richtungsweisenden Actionszenen, einer recht glaubwürdig erzählten Story voller interessanter Figuren, mit Stars gespickt, in Farbe und für die volle Breitwandpracht fotografiert, dazu eine hochwertige Synchronisation und alles in nur 90 Minuten auf den Punkt gegart – beste Voraussetzungen für eine Veröffentlichung bei uns! Mit „Die Spinne“ („Black Widow“, 1954) wäre auch schnell ein zweiter in Scope und in Farbe von De Luxe gedrehter Noir aus dem Hause Fox gefunden, der eine ganz andere Geschichte erzählt, aber sich als weiteres Beispiel für die im Allgemeinen eher seltenen Noirs in Farbe gut parallel veröffentlichen ließe.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ernest Borgnine, Lee Marvin und/oder Victor Mature sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung USA: 8. Juli 2014 als Blu-ray, 12. April 2011 als DVD
Veröffentlichung Großbritannien: 28. April 2014 als Dual Format Edition (Blu-ray & DVD)

Länge: 90 Min. (Kino)
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Violent Saturday
Deutscher Alternativtitel: Tod am Samstag
USA 1955
Regie: Richard Fleischer
Drehbuch: Sydney Boehm, nach einem Roman von William L. Heath
Besetzung: Victor Mature, Richard Egan, Stephen McNally, Virginia Leith, Tommy Noonan, Lee Marvin, Margaret Hayes, J. Carrol Naish, Sylvia Sidney, Ernest Borgnine
Verleih: 20th Century Fox
Vertrieb: Twilight Time (USA), Eureka (GB)

Copyright 2016 by Ansgar Skulme
Packshots: © 2014 Twilight Time (US-Blu-ray), Eureka (GB-Blu-ray)

 
 

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