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American Pie – Wie ein heißer Apfelkuchen: Hemmungslos pubertär (herrlich!)

American Pie

Von Volker Schönenberger

Komödie // Ja, ich gestehe es: Obwohl ich beim deutschen Kinostart im Jahr 2000 längst kein Teenager mehr war, gar schon die 30 überschritten hatte, hat mich „American Pie – Wie ein heißer Apfelkuchen“ trotz – oder wegen? – seiner zahlreichen Körperflüssigkeits-Gags äußerst amüsiert. Das gilt mit ein paar Abstrichen auch für die drei Fortsetzungen. Die unter dem Titel „American Pie präsentiert“ veröffentlichten Direct-to-Video-Ableger kenne ich allerdings nicht. Macht mir das Original auch heute noch Spaß? Die Neuveröffentlichung des ersten Films durch Pidax Film gibt Gelegenheit zum Selbstversuch. Und siehe da: Es macht! Ähem, wir Knilche können unseren pubertären Humor wohl nie ablegen.

Wie mag sich das anfühlen? Jim will’s wissen

Obgleich die Teenie-Komödie ein Ensemblefilm ist, sticht doch einer der Jungs als Hauptfigur heraus: Jim (Jason Biggs), der mit „linkischer Tollpasch“ noch milde umschrieben ist. Gleich in der ersten Szene versucht er sich an einer gepflegten Masturbation vor dem verschlüsselten Bild eines pornografischen Bezahl-TV-Senders. Klar, dass er von seinen Eltern (Molly Cheek, Eugene Levy) in flagranti erwischt wird.

Mit der Softie-Tour in den Chor

Nicht ganz so unbeholfen, aber ebenso unbeholfen bei ihren Versuchen, das andere Geschlecht ins Bett zu kriegen: seine drei Kumpels. Oz (Chris Klein) versucht’s beim lauschigen Date im Auto, versaut es aber, weil er glaubt, die Aufforderung, ihm einen zu blasen, mache ihn unwiderstehlich. Also tritt er in den Schulchor ein, denn: Hör mal, die kennen mich nicht. Ich meine, hier kann ich gut die Softie-Tour durchziehen, verstehst du? Darauf steht so ’ne Chormaus. Besonders die hübsche Heather (Mena Suvari) passt perfekt in sein Beuteschema, glaubt er.

Papa unterstützt Sohnemann

Kevin (Thomas Ian Nicholas) hat mit Vicky (Tara Reid) sogar schon eine Freundin. Nur den letzten Schritt sind die beiden noch nicht gegangen, und Kevin ist langsam mit seinem Latein am Ende. Vierter im Bunde ist Finch (Eddie Kaye Thomas), der mit seinem intellektuell-blasierten Gehabe aber auch nicht gerade als Herzensbrecher durchgeht und sich obendrein als „Heimscheißer“ beharrlich weigert, das große Geschäft auf der Schultoilette zu erledigen. Als der selbsternannte „Sherminator“ Sherman (Chris Owen) damit prahlt, „es“ getan zu haben, schließt das Quartett einen Pakt, den Kevin in Worte fasst: Wir werden alle noch vor dem Schulabschluss vögeln. Mit gegenseitiger Unterstützung werden sie das Kind schon schaukeln.

Das Gespött der Highschool

Doch wie mag sich diese „Phase 3“ wohl anfühlen? Genau: wie warmer Apfelkuchen! Als Jim zufällig in der heimischen Küche einen von seiner Mutter gerade gebackenen American Pie entdeckt, kann er der Versuchung nicht widerstehen, seinen … Ihr wisst schon. Klar, dass ihn Papa Noah entdeckt, aber der ist glücklicherweise überaus verständnisvoll: Wir sagen deiner Mutter einfach, dass wir alles aufgegessen haben. Überhaupt Jims Dad: Der kanadische Komiker und mehrfache Emmy-Preisträger Eugene Levy („Schitt’s Creek“) stiehlt jede Szene – Pech für Jim-Darsteller Jason Biggs, mit dem Levy die meisten gemeinsamen hat. Aber er kommt anderweitig zum Zuge, etwa wenn Jim in seinem Jugendzimmer die scharfe tschechische Austauschschülerin Nadia (Shannon Elizabeth) empfängt, damit er ihr in Geschichte hilft. Über diese lange Fremdschäm-Szene decke ich lieber den Mantel des Schweigens, um denjenigen unter unseren Leserinnen und Lesern, die den Film noch nicht kennen, nicht das Vergnügen zu nehmen. Weshalb er sich damit zum Gespött der gesamten Highschool macht –findet es selbst heraus, es lohnt sich! Im Anschluss an Nadia trifft Jim auf Michelle (Alyson Hannigan), deren Und einmal, im Ferienlager-Geschichten sich zum geflügelten Wort entwickeln.

Auf Stiflers Party trifft Finch auf Stiflers Mom

Herrlich, dieser Körperflüssigkeiten-Humor. Damit kommt als Erster der großspurige Stifler (Seann William Scott) in leckere Berührung, als er bei seiner eigenen Party einen tiefen Schluck aus genau dem Bierbecher nimmt, in den kurz zuvor Kevin … Ihr merkt schon, hier soll es jugendfrei bleiben.

Der aufblasbare Dino

Wer all das für infantil hält, hat völlig recht. Aber egal, warum nicht mal hemmungslos der Infantilität frönen? Der Film mag seine Protagonisten,auch wenn er speziell Jim gelegentlich bloßstellt. Auch Finch bekommt sein Fett weg, dafür trifft er am End auf Stiflers Mom (Jennifer Coolidge)! Und weil ich jetzt sowieso schon am Spoilern bin, erzähle ich auch meine Lieblingsszene nach: Michelle schnappt sich ihren Abschlussball-Partner Jim für eine heiße Liebesnacht. Am nächsten Morgen erwacht er – mit einem aufblasbaren Dinosaurier im Arm. Michelle hat sich davongemacht, Jim war für sie nur ein One-Night-Stand. Er ist entsetzt: Ich wurde benutzt! Doch im nächsten Moment ist er begeistert: Ich wurde benutzt!

Vom Teenie-Klamauk zu „Star Trek“

In einer kleinen Nebenrolle als Mitschüler: John Cho, der später in „Star Trek“ (2009),
Star Trek – Into Darkness“ (2013) und „Star Trek – Beyond“ (2016) als „Enterprise“-Steuermann Sulu reüssierte. „American Pie – Wie ein heißer Apfelkuchen“ hat sich das Prädikat „Guilty Pleasure“ redlich verdient. Manche können mit derlei Teenie-Klamauk überhaupt nichts anfangen, was völlig in Ordnung ist. Bin ich verklemmt, wenn ich mich an diesem Schenkelklopfer-Humor erfreuen kann?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tara Reid haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit John Cho unter Schauspieler.

Michelle behält das Heft in der Hand

Veröffentlichung: 24. November 2020 und 3. September 2008 als Blu-ray, 4. September 2008 als DVD, 18. Juli 2000 als 2-Disc Platinum Edition DVD, diverse Veröffentlichungen in Kombination mit den Sequels

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: American Pie
USA 1999
Regie: Paul Weitz
Drehbuch: Adam Herz
Besetzung: Jason Biggs, Chris Klein, Seann William Scott, Eddie Kaye Thomas, Alyson Hannigan, Mena Suvari, Tara Reid, Shannon Elizabeth, Natasha Lyonne, Eugene Levy, Chris Owen, Jennifer Coolidge,Clyde Kusatsu,Thomas Ian Nichols
Zusatzmaterial 2020: Making-of, Interviews, Blick hinter die Kulissen, Outtakes, Die Band „Tonic“; entfernte Szenen, Spotlight on Location
Label 2020: Pidax Film
Vertrieb 2020: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2008/2000: Constantin Film (Universal)

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Pidax Film

 
 

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Sex on the Beach 2 – Lahmer Zweitaufguss einer tollen Serie

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The Inbetweeners 2

Kinostart: 30. Oktober 2014

Teenagerkomödie // Eine Gruppe männlicher Teenager will unbedingt dazugehören und beim anderen Geschlecht landen, tritt dabei aber von einem Fettnäpfchen ins andere, das Ganze wird garniert mit Zoten und Körperflüssigkeiten-Gags – zugegeben: Aus dem Alter für diese Art Film sollte ich eigentlich vor langer Zeit rausgewachsen sein. Aber die „American Pie“-Reihe beispielsweise ist überaus gelungen und randvoll mit brüllend komischen Szenen und geht bei aller Fremdscham doch sehr liebevoll mit ihren Protagonisten um.

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Kann Will bei Katie landen?

Very british, aber ebenso unterhaltsam: die englische TV-Serie „The Inbetweeners – Unsere jungfräulichen Jahre“, die 2011 mit „Sex on the Beach“ eine Kinoumsetzung erfahren hat. Einer Adaption fürs US-Fernsehen war nur eine Lebensdauer von einer Staffel beschieden. Nun kommt „Sex on the Beach 2“ in die Kinos und ist leider nur so lala geraten.

„Inbetweeners“ bezeichnet das Mittelstück der sozialen Hierarchie an der Schule – sie sind zwar nicht die extremen Nerd-Außenseiter, aber weit davon entfernt, zu den angesagten Kids zu gehören. Die vier Hauptfiguren aus der Serie haben mittlerweile die Schule hinter sich. Jay (James Buckley) hat es nach Australien verschlagen. Seinen Freunden Will (Simon Bird), Neil (Blake Harrison) und Simon (Joe Thomas) schwärmt er vom süßen Leben und den willigen Frauen Down Under vor. Das hört man gern, die drei Freunde reisen sogleich zu ihrem vierten Kumpel. Kaum angekommen, bemerkt das Trio, dass Jay etwas geflunkert hat und immer noch derselbe Loser ist wie vorher.

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Vier Freunde unterwegs im Outback

Schon „Sex on the Beach“ reichte bei Weitem nicht an den englischen Charme der Fernsehserie heran, auch der zweite Kinoaufguss ist davon ein gutes Stück entfernt. Wer die Serie kennt und mag, hat die vier Protagonisten ins Herz geschlossen, was immerhin dazu führt, dass man mit ihnen bangt, hofft und leidet. Wer „Sex on the Beach 2“ ohne vorherige Sichtung der Serie schaut, wird wenig Identifikationspotenzial vorfinden. Auch die Story dümpelt eher vor sich hin, die Handlung wirkt episodenhaft und unzusammenhängend.

Über den einen oder anderen Gag darf geschmunzelt werden, ein paar Mal sind’s der Körperflüssigkeiten etwas zu viele. Über die komplette Länge des Films sind echte Lacher leider zu rar gesät. Das ist schade, hat doch die TV-Vorlage gezeigt, dass derlei Humor auch „Made in Britain“ funktionieren kann.

Zum Ende gibt’s einen – zu kurzen – Gastauftritt des gestrengen Lehrers Mr. Gilbert (Greg Davies). Seine Figur auszubauen, wäre vielleicht hilfreich gewesen, aber sei’s drum. Wer die Serie mag und dem ersten Kinofilm etwas abgewinnen konnte, darf bei „Sex on the Beach 2“ einen Blick riskieren. Allen anderen sei eher die Serie ans Herz gelegt – und die „American Pie“-Filme.

Länge: 96 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Inbetweeners 2
GB 2014
Regie: Damon Beesley, Iain Morris
Drehbuch: Damon Beesley, Iain Morris
Besetzung: Simon Bird, James Buckley, Blake Harrison, Joe Thomas, Emily Berrington, Belinda Stewart-Wilson, Tamla Kari, Freddie Stroma, Greg Davies
Verleih: SquareOne Entertainment / Universum Film

Copyright 2014 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 SquareOne Entertainment / Universum Film

 

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