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Greyzone – No Way Out: Staffel 1 – Skandinavischer Drohnen-Terror

Greyzone

Von Volker Schönenberger

Thriller-Serie // Im Hafen von Göteborg kontrollieren Eva Forsberg (Tova Magnusson-Norling) vom schwedischen Geheimdienst Säpo und ein Zollbeamter einen deutschen Lastwagen, der per Fähre aus Dänemark eingetroffen ist. Als sich die Agentin gerade im Laderaum befindet, erschießt einer der Insassen des Fahrzeugs den Zöllner. Forsberg kann den Schützen ausschalten, doch obwohl sie auch den Fahrer verwundet, gelingt dem die Flucht. Die Durchsuchung des Lkws fördert einen voll funktionstüchtigen Raketensprengkopf zutage, konventionell bestückt, aber von gewaltiger Detonationskraft. Einer von zwei Sprengköpfen, die vor einiger Zeit von einer NATO-Basis gestohlen worden sind. Schweden muss offenbar mit einem schweren Terroranschlag rechnen. Oder wird Dänemark zum Ziel? Eva Forsberg wird Teil einer vom dänischen Geheimdienstler Henrik Dalum (Lars Ranthe) geleiteten dänisch-schwedischen Anti-Terror-Einheit, die die Säpo in Kooperation mit dem dänischen Nachrichtendienst PET bildet.

Victoria präsentiert eine Neuentwicklung der Drohnen-Antriebstechnik

In einen zweiten Handlungsstrang lernen wir die dänische Software-Ingenieurin Victoria Rahbek (Birgitte Hjort Sørensen, „Automata“) kennen, die gerade auf einer internationalen Konferenz in Frankfurt am Main einen neuartigen Drohnenantrieb vorgestellt hat. Dort trifft sie auf Iyad Adi Kassar (Ardalan Esmaili), mit dem sie vor Jahren in Lund studiert hat. Ihr Ex-Kommilitone gibt vor, für ein Technik-Magazin als Journalist zu arbeiten, und bittet Victoria um ein Interview. Sie stimmt zu, doch zurück in ihrer Wohnung in Kopenhagen überwältigt Iyad sie, nimmt auch ihren fünfjährigen Sohn Oskar (Virgil Katring-Rasmussen) als Geisel. Er will Victoria zwingen, eine Drohne zu programmieren, und zwar so, dass sie auch Flugverbotszonen ansteuern kann. Zu diesem Zweck muss die Ingenieurin aus den Räumlichkeiten ihres Arbeitgebers sensible Daten und Gerätschaften entwenden. Ein mehr als heikles Unterfangen …

Binge-Watching an einem Tag?

„Greyzone – No Way Out“ ist wendungsreich und packend inszeniert worden – so packend, dass man zügig wissen will, wie es denn weitergeht. Wer Gelegenheit zum Binge-Watching hat, wird sich wundern, wie schnell die zehn knapp dreiviertelstündigen Folgen weggeatmet sind. Dabei hält die Serie das gewohnt hohe Niveau der Krimi- und Thriller-Serien aus Skandinavien – angesichts der großen Auswahl in diesem Bereich kann es sich auch kaum eine Produktion erlauben zu schwächeln. Ortswechsel werden oft mit einer Luftaufnahme eingeleitet, was gut zum Sujet des bevorstehenden Drohneneinsatzes durch die Terroristen passt. Wo soll die Rakete einschlagen? Die Frage gewinnt allerdings erst in der letzten Folge an Bedeutung.

Iyad setzt seinen Plan in die Tat um

Das sogenannte Stockholm-Syndrom wird Thema – die emotionale Annäherung zwischen Entführer und Entführungsopfer in der Ausnahmesituation auf engem Raum. Victoria wird von der Angst um ihr Überleben und das ihres Sohnes angetrieben. Dafür würde sie alles tun, dafür zeigt sie Stärke, was hinreichend belegt wird, wenn sie allein nach Stockholm fliegt, um im Büro der Firma „Besorgungen“ zu erledigen, die für Iyads Mission unerlässlich sind. Hier verlassen sich die Terroristen meines Erachtens zu sehr darauf, dass ihrer Geisel ihre riskanten Beutezüge im Büro gelingen. Mehrfach kommt Victoria nur durch Zufall davon, derlei Zufälle müsste ein derart ausgeklügelter Plan an sich ausgeschlossen haben, denn nur ein kleines Scheitern bringt alles zum Einsturz. Aber okay, vielleicht bin ich bei der Glaubwürdigkeitsfrage in solchen Details auch etwas päpstlich, Hochspannung bringen diese Szenen jedenfalls.

Eva und Jesper ermitteln auf Hochtouren

Die Figuren sind charakterlich gut und differenziert ausgeleuchtet, wir entwickeln als Zuschauer Beziehungen zu ihnen. Das gilt auch für die Ermittler um Eva Forsberg, darunter Jesper Lassen (Joachim Fjelstrup, „9. April – Angriff auf Dänemark“), den sein Boss Henrik Dalum erst einmal wieder rekrutieren muss, weil er die besten Kontaktleute kennt, den Geheimdienst aber vor einiger Zeit aufgrund eines besonderen Vorfalls verlassen hat. Dieser Vorfall offenbart sich uns nach einigen Episoden und passt gut ins Bild. Weniger gut passt ein familiäres Problem, das Eva mit sich herumträgt. Es soll vermutlich den immensen Druck und Stress dokumentieren, dem Agenten wie sie ausgesetzt sind, und ihrer Figur Tiefe geben, wird dafür aber allzu nebensächlich thematisiert und treibt die Handlung auch nicht voran. Zugegeben, ich jammere da auf hohem Niveau, an den Charakterzeichnungen gibt es an sich nichts auszusetzen. Auch Geiselnehmer Iyad ist mehrschichtig gezeichnet und nicht der verblendete islamistische Terrorist, als der er charakterisiert werden könnte. Seine Spießgesellen sind da deutlich einseitiger porträtiert, aber hier weiter in die Tiefe zu gehen, hätte irgendwann den Rahmen gesprengt. Der Fokus des Handlungsstrangs um Victoria liegt ohnehin auf ihr und Iyad, und diese beiden lernen wir sehr gut kennen, was völlig ausreicht. Ein paar anderweitige Klischees lassen sich da gut tolerieren. Als Drahtzieher des geplanten Anschlags ist Kida Khordr Ramadan zu sehen, Hauptdarsteller der hochgelobten deutschen Gang-Serie „4 Blocks“.

Die Angst vor dem Terror

Während meiner Sichtung habe ich mich gefragt, ob realitätsnah inszenierte und authentisch wirkende Filme und Serien wie diese nicht allzu sehr die Angst vor Terror schüren und somit Anlass zur Kritik geben. Zu einem abschließenden Schluss bin ich nicht gekommen. Ganz von der Hand weisen lässt sich das sicher nicht, aber deswegen in der Fiktion auf Terroristen-Szenarien gänzlich zu verzichten, kann auch keine Lösung sein. Wichtig ist eine ausgewogene Darstellung, und in dieser Hinsicht punktet „Greyzone – No Way Out“. Zum einen müssen die Ermittler schwerwiegende Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auf die Menschen haben, die sie beschützen sollen, ja müssen. Diesen Konflikt arbeitet die Serie sehr gut heraus, gerade Rückkehrer Jesper Lassen fungiert hier als Gewissen und Mahner, der an seiner Arbeit leidet, wenn nicht gar zerbricht. Zum anderen erfahren wir in Rückblenden, wie Iyad zu dem wurde, der er ist. Er ist nicht einfach ein fundamentalistischer Muslim, der den gesamten Westen hasst, nach und nach entfalten sich sein Schicksal und seine Motive.

Kann die Anti-Terror-Einheit den Anschlag verhindern?

„Greyzone – No Way Out“ lief bereits beim Spartensender ZDFneo, auf dem das Zweite Deutsche Fernsehen durchaus mutig mit neuen Formaten experimentiert und der die Serie auch mitfinanziert hat. Besonderer Mut gehörte in diesem Fall allerdings nicht dazu, die Serie hat das Niveau, auch auf dem Mutterkanal Quote zu bringen. In der Kombination aus linearer TV-Ausstrahlung, Bereitstellung zur kostenlosen Sichtung in der ZDF-Mediathek (derzeit alle Folgen verfügbar!) und DVD-Auswertung erhält sie hoffentlich die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Ob eine zweite Staffel geplant ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Wer Serien wie „Homeland“ und „Countdown Copenhagen“ oder auch „Der Adler – Die Spur des Verbrechens“ mag, wird auch an „Greyzone – No Way Out“ Gefallen finden. Hochkarätige Thriller-Unterhaltung in Reinkultur mit einem hervorragendem Ensemble.

Der Drahtzieher des Terrors

Die zehn Episoden der ersten Staffel:

01. Die Vereinbarung (En aftale)
02. Die erste Mission (Første mission)
03. Oskar (Hjemkomst)
04. Der Code (En chance)
05. Kontakt (Rekrutteret)
06. Doppelagent (Dobbelagent)
07. Zugriff (Ofret)
08. Überleben (Overlevelse)
09. Simone (Simone)
10. Eine neue Welt (En ny verden)

Victoria muss dem enormen Druck standhalten

Veröffentlichung: 12. Oktober 2018 als 3-DVD-Box

Länge: 10 x 45 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Dänisch, Schwedisch
Untertitel:
Originaltitel: Greyzone
DK/SWE 2018
Regie: Jesper W. Nielsen
Drehbuch: Rasmus Thorsen, Morten Dragsted, Oskar Söderlund, Mikkel Bak Sørensen
Besetzung: Birgitte Hjort Sørensen, Ardalan Esmaili, Tova Magnusson, Joachim Fjelstrup, Lars Ranthe, Johan Rabaeus, Virgil Katring-Rasmussen, Christopher Wollter, Özlem Saglanmak, Karin Franz Körlof, Kida Khordr Ramadan, Olaf Højgaard
Zusatzmaterial: Interviews mit Cast & Crew
Label/Vertrieb: Edel Germany GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2018 Edel Germany GmbH

 

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Von und mit Robert Redford: The Company You Keep – Die Akte Grant

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The Company You Keep

Kinostart: 25. Juli 2013

Von Volker Schönenberger

Thriller-Drama // 30 Jahre nach einem Banküberfall mit tödlichem Ausgang nimmt das FBI eine der Täterinnen fest: Sharon Solarz (Susan Sarandon), seinerzeit Mitglied der radikalen Gruppierung „Weather Underground“, die den Abzug der US-Truppen aus Vietnam erzwingen wollte. Ein probates Mittel schien den Aktivisten, den Krieg mittels Terroranschlägen in die USA zu tragen, wenn auch ohne die Absicht, Menschen zu töten. Doch der Banküberfall kostete einen Wachmann das Leben, Sharon tauchte wie einige ihrer Mitstreiter unter und verbarg sich jahrezehntelang erfolgreich vor ihren Fahndern.

Weshalb gibt sich eine 30 Jahre verborgene Ex-Terroristin die Blöße und lässt sich unvermittelt festnehmen? Ben Shepard (Shia LaBoeuf), ehrgeiziger Nachwuchsreporter bei der Albany SunTimes, wittert eine Enthüllungsgeschichte. Er entdeckt eine Verbindung Solarz’ zum Rechtsanwalt Jim Grant (Robert Redford), der mit fadenscheinigen Gründen die Verteidigung der Inhaftierten ablehnt. Shepard findet heraus, dass Grant tatsächlich Nick Sloan heißt und wegen mutmaßlicher Beteiligung an dem Banküberfall ebenfalls seit damals gesucht wird. Shepard zögert keine Sekunde, diese Enthüllung in der Albany SunTimes zu veröffentlichen, was Sloan zur Flucht mit seiner zwölfjährigen Tochter zwingt.

Oscars, Oscars, wir wollen Oscars! Mit Julie Christie (1966 für „Darling“), Susan Sarandon (1996 für „Dead Man Walking“), Chris Cooper (2003 für „Adaption“) und nicht zuletzt Robert Redford (1981 für die Regiearbeit „Eine ganz normale Familie“ sowie Ehren-Oscar 2002) bietet der Film satte vier Oscar-Preisträger auf, zudem mit Anna Kendrick, Terrence Howard, Richard Jenkins, Nick Nolte und Stanley Tucci fünf weitere Akteure mit Academy-Award-Nominierungen. Da verwundert es nicht, dass an der gezeigten Schauspielkunst an sich nichts auszusetzen ist. Schwer nachvollziehbar wirkt hauptsächlich, weshalb einige beteiligte Figuren überhaupt mit dem jungen Reporter reden. Speziell im letzten Drittel des Films bleiben die Motive einiger Figuren unschlüssig, was allerdings an dieser Stelle nicht weiter thematisiert werden kann, ohne zu viel zu verraten. Womöglich ist der Blogger auch spitzfindig, sodass sich andere Konsumenten des Films daran gar nicht stören werden.

Bei all diesen Schauspielgrößen fällt die Figur des ehrgeizigen Reporters Shepard etwas negativ auf. Tut man dem immerhin von vielen Seiten hochgelobten Shia LaBeouf damit Unrecht? Oder ist die Rolle einfach zu unausgegoren? Als zentrale Figur, die immerhin die Handlung und die Jagd auf Sloan vorantreibt, wirkt Shepard überraschend unsympathisch, obwohl nicht der Eindruck entsteht, dass das die Absicht von Regisseur Robert Redford gewesen ist. Sei’s drum, Robert Redford ist viel zu versiert, um einen schlechten Film zu machen. Mit banger Erwartung verfolgt man Sloans Flucht, die lange Zeit offen lässt, wohin es ihn eigentlich treibt.

Terror ist Thema, jedoch gibt Regisseur Redford keinen Kommentar zu aktuellen Bedrohungen durch religiöse Fundamentalisten ab, ihm geht es offenbar um die Vergangenheitsbewältigung einer Generation, die zu weiten Teilen ihre Ideale verloren hat. Das ist sehenswert, obgleich Handlung und Inszenierung etwas altbacken wirken und deshalb nicht dazu angetan sind, die ganz große Begeisterung zu entfachen. Dem bald 77 Jahre alten Redford sieht man obendrein sein Alter deutlich an, was einige Laufeinheiten seiner Figur sowie die völlige Selbstverständlichkeit einer zwölfjährigen Tochter etwas absurd wirken lässt.

Die Untergrundorganisation der Weathermen gab’s tatsächlich. Eine ausführliche Darstellung ihrer Geschichte ist 2010 in Deutschland unter dem Titel „Weather Underground – Stadtguerilla in den USA“ erschienen, eine weitere im Folgejahr unter dem Titel „Kampf im Herzen der Bestie – Militanter Widerstand in den USA“.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Susan Sarandon haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Brendan Gleeson, Nick Nolte, Robert Redford und Stanley Tucci unter Schauspieler.

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: The Company You Keep
USA 2012
Regie: Robert Redford
Drehbuch: Lem Dobbs, nach dem Roman von Neil Gordon
Besetzung: Robert Redford, Shia LaBeouf, Julie Christie, Susan Sarandon, Nick Nolte, Chris Cooper, Stanley Tucci, Brendan Gleeson, Sam Elliott, Brit Marling
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Trailer: © 2013 Concorde Filmverleih GmbH

 

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