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Horror für Halloween (XVII): Das Kabinett des Schreckens – Todesnacht in der Geisterbahn

The Funhouse

Von Volker Schönenberger

Horror // Eine junge Frau steht unter der Dusche. Eine dunkle Gestalt dringt ins Badezimmer ein, reißt den Duschvorhang zur Seite, hebt ein Messer – und sticht zu. Mit dieser Hommage an Alfred Hitchcocks „Psycho“ beginnt „Das Kabinett des Schreckens“ von 1981. Sie kann auch als Reminiszenz an John Carpeners „Halloween – Die Nacht des Grauens“ gesehen werden. Schön, dass Tobe Hooper („The Texas Chainsaw Massacre“, 1974) auf diese Weise zwei Kollegen huldigt.

„Psycho“ lässt grüßen

Ein Jahrmarkt ist in der Stadt. Paul Harper (Jack McDermott) warnt seine Tochter Amy (Elizabeth Berridge) zwar, als der fahrende Vergnügungspark im vergangenen Jahr in einem anderen Bezirk gastiert habe, seien dort zwei junge Mädchen tot aufgefunden worden, die junge Frau kann ihren neuen Freund Buzz (Cooper Huckabee) aber nicht überzeugen, stattdessen ins Kino zu gehen. Mit dem befreundeten Pärchen Liz (Largo Woodruff) und Richie (Miles Chapin) geht’s also doch zum Jahrmarkt. „Hau den Lukas“, eine Freak Show mit missgebildeten Tieren, ein Magier, die Wahrsagerin Madame Zena (Sylvia Miles) – mit ein wenig Pot in den Lungen bringt sich das Quartett in Laune für die recht billigen Attraktionen. Sogar eine Stripshow hat das Gelände zu bieten. Heimlich schleicht sich auch Amys Bruder Joey (Shawn Carson) aus dem Elternhaus und auf den Jahrmarkt.

Gruseliges in der Freak Show

Nun wartet die Geisterbahn „Funhouse“. Richie hat eine tolle Idee: „Let’s spend the night. In the funhouse.“ Ob es wirklich Spaß machen kann, eine Nacht in einer abgehalfterten Geisterbahn zu verbringen? Egal – gesagt, getan! Aber Spaß ist das letzte, was Amy, Buzz, Liz und Richie in den kommenden Stunden erwartet …

Die vier beobachten etwas Schreckliches

Tobe Hooper und sein Ausstattungsteam versetzen das Kinopublikum mit ihrem durch die Provinz tingelnden Jahrmarkt von Anfang an in eine leicht unbequeme Stimmung. Die Attraktionen und Schausteller haben allesamt schon bessere Tage gesehen, schmierige Anheizer locken die Besucherinnen und Besucher in ihre ordinären Einrichtungen. Ein wenig fühlt man sich wie in einer Freak Show: Wir wollen nicht hinsehen, uns diese unangenehmen Typen nicht anschauen, tun es aber doch.

Das Funhouse wird zur Todesfalle

„I don’t know what that thing is, but we’re gonna be a hell of a lot safer if we stay together, OK?“ Hier wird nicht das dumme Klischee schlechter Horrorfilme bemüht, dass sich eine Gruppe junger Leute in bedrohlicher Lage aufteilt und auf diese Weise zur umso leichteren Beute wird. Tobe Hooper lädt das Geschehen mit Spannung auf, die in kurzen Gewaltspitzen kulminiert. Die blutrünstige Meute der Extremhorror-Fans auf der Suche nach dem nächsten Splatterexezess wird gelangweilt abwinken – ausgesprochen drastische Szenen sind Mangelware. Die grausamsten Tötungsszenen spielen sich außerhalb des Bildes ab. Tobe Hooper wollte anscheinend keine zu hohe Altersfreigabe riskieren. Daran werden sich aber nur die erwähnten Gorehounds stören. Großer Erfolg an den Kinokassen war „Das Kabinett des Schreckens“ seinerzeit nicht beschieden, dennoch gilt: Wer fesselndem, räudigem Horror auch ohne Splatter etwas abgewinnen kann, ist bei Hooper an der richtigen Adresse. Sein Kameramann Andrew Laszlo („The Warriors“) findet in der Enge der Geisterbahn-Kulissen einige schöne Einstellungen und Perspektiven.

25 Jahre auf dem Index – dann FSK 16

„The Funhouse“ stand bis 2008 25 Jahre lang auf dem Index – warum auch immer. Zu VHS-Zeiten war der Horrorfilm in Deutschland in einer um zwei Szenen gekürzten Fassung erschienen. Zensiert wurde allerdings lächerlicherweise lediglich der Konsum von Marihuana. Nach der Listenstreichung der ungeschnittenen Fassung folgte dann auch die völlig berechtigte FSK-Einstufung ab 16 Jahren. Schon eine Weile auf Blu-ray und DVD erhältlich, hat Koch Films „Das Kabinett des Schreckens“ nun ein Mediabook spendiert. Die Screener-Disc zeigt den Film in sehr guter Bild- und Tonqualität. Das Endprodukt lag mir zur Inaugenscheinnahme leider nicht vor, weshalb ich über die Aufmachung der Edition nichts schreiben kann, aber da die bisher in die Hände gelangten Mediabooks des Labels sorgfältig editiert sind, wird das wohl auch für dieses gelten. Koch Films zieht zwar Kritik von manchen Mediabook-Fans auf sich, weil der Publisher ein eigenes – kleiner, dafür dicker – Format geschaffen hat, aber die beinharten Mediabook-Fanatiker sind ohnehin ein eigenes Völkchen. Man kann es nicht jedem Nerd recht machen. Da ich kein Mediabook-Komplettist bin, bin ich mit meiner englischen Blu-ray aus dem Hause Arrow Video zufrieden (siehe die drei unteren Fotos), aber wer schöne Editionen mag und auf deutsche Synchronisation Wert legt, macht mit der Koch-Veröffentlichung nichts falsch. Mit Tobe Hoopers Film ohnehin nicht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Tobe Hooper sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 26. Juli 2018 als Mediabook (Blu-ray & 2 DVDs), 27. Januar 2012 als Blu-ray, 18. Februar 2010 als DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Funhouse
USA 1981
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Lawrence J. Block
Besetzung: Elizabeth Berridge, Shawn Carson, Jeanne Austin, Jack McDermott, Cooper Huckabee, Largo Woodruff, Miles Chapin, Sylvia Miles, Davin Carson, Sonia Zomina, Kevin Conway, Herb Robins, Wayne Doba, William Finley
Zusatzmaterial Mediabook: Trailer, TV- und Radiospots, 4 Audiokommentare u. a. von Regisseur Tobe Hooper, dem Effektteam und Produzent Derek Power, „Carnage at the Carnival“ (Interview mit Tobe Hooper, 16 Min.), „Miles of Mayham“ (Interview mit Darsteller Miles Chapin, 21 Min.), „The Barker Speaks“ (Interview mit Darsteller Kevin Conway, 11 Min.), „A Trilogy of Terror“ (Interview mit Effekt-Künstler Craig Reardon), „Masterclass of Horror“ (Interview mit Mick Garris), „Something Wicked this Way Comes“ (Interview mit Produzent Mark L. Lester, 9 Min.), Audiointerview mit Schauspieler William Finley (3 Min.), geschnittene Szenen (6 Min.), Q&A mit Tobe Hooper (21 Min.), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Label/Vertrieb Mediabook: Koch Films
Label/Vertrieb 2010/2012: MIG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Mediabook: © 2018 Koch Films

 
 

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