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The Disaster Artist – So famos spielt man einen miesen Schauspieler

The Disaster Artist

Kinostart: 1. Februar 2018

Von Matthias Holm

Komödie // „The Room“ gilt als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Dennoch hat sich der Streifen über die Jahre eine treue Anhängerschaft erarbeitet, die den Film trotz oder genau wegen seiner Mängel immer wieder guckt. Die Person, die „The Room“ 2003 inszeniert hat, gibt immer noch Rätsel auf. Denn Tommy Wiseau hat zum Beispiel bis heute nicht verraten, aus welchem Land er eigentlich stammt. So ein Mensch ist natürlich ein gefundenes Fressen für ein Biopic. Insofern passt es gut, dass Greg Sestero, der andere männliche Hauptdarsteller in „The Room“, über die Entstehungsgeschichte des Films das Buch „The Disaster Artist“ geschrieben hat, dessen Verfilmung nun ins Kino kommt.

Einfach einen eigenen Film machen

Gespielt wird Greg Sestero von Dave Franco. Dieser nimmt 1998 Schauspielunterricht, doch so ganz will er nicht aus sich herausgehen. Ganz anders hingegen Tommy Wiseau (James Franco). Der ist in der gleichen Klasse, neigt aber zum gnadenlosen Overacting. Sestro fasziniert das, die beiden freunden sich an und beschließen, gemeinsam nach Los Angeles zu ziehen, um in Hollywood Karriere zu machen. Und auch wenn Greg die eine oder andere kleine Rolle ergattert, auf Tommy scheint man nicht gewartet zu haben. Die Lösung des Problems liegt aber auf der Hand: Dann schreibt man eben einfach seinen eigenen Film. Zwar gelingt es Tommy Wiseau, sämtliches Equipment und eine komplette Crew zu finanzieren, ein Drehbuchautor ist an ihm allerdings nicht verloren gegangen. Hinzu kommen Eifersucht und einige wirklich unangenehme Marotten, schon ist Chaos am Set programmiert.

Tommy hält sich für ein Genie, allerdings …

So einfach es gewesen wäre, hier Figuren bloßzustellen – „The Disaster Artist“ zelebriert seine Protagonisten zu jeder Zeit. Auch wenn es in erster Linie eine Komödie ist, gehen die Witze nie auf Kosten anderer, sondern man lacht immer mit ihnen. Das liegt vor allem daran, dass die Drehbuchautoren Scott Neustadter und Michael H. Weber es schaffen, sämtliche Perspektiven abzudecken. So verbringt der Zuschauer einen großen Teil des Films nur mit Greg und Tommy, wodurch man diese beiden Figuren deutlich besser versteht – gerade der Beginn ist ein intimes Porträt einer ungewöhnlichen Freundschaft. So kommen einem manche Eskapaden – und davon gibt es einige – immer noch seltsam vor, aber man ist nicht ganz so verständnislos wie alle umstehenden Menschen.

Golden Globe? Zu Recht

Einen Bärenanteil an dieser differenzierten Darstellung trägt vor allem James Franco, der im Übrigen auch auf dem Regiestuhl saß. Ein Schauspieler, der perfekt einen schlechten Schauspieler spielt – das klingt auf mehreren Ebenen verwirrend, ist aber die unterhaltsamste Performance des noch jungen Jahres. Gerade wenn am Ende Szenen aus „The Disaster Artist“ neben das Pendant aus „The Room“ geschnitten werden, merkt man, wie nah Franco am Original ist. Die Belohnung war dafür ein Golden Globe. Schade nur, dass sein Name jüngst in Verbindung mit den Missbrauchs-Skandalin Hollywood auftauchte. Das mag ihn die Oscar-Nominierung gekostet haben.

… sieht seine Crew das anders

Doch „The Disaster Artist“ ist nicht nur eine One-Man-Show. Auch alle anderen Darsteller sind voll dabei. Dave Franco als gutmütiger Greg Sestero bildet das Bindeglied zwischen dem Zuschauer und Tommy Wiseau, Seth Rogen versucht als Sandy, den Wahnsinn beim Dreh wenigstens einigermaßen einzudämmen und es gibt eine ganze Menge Gastauftritte und Cameos. Am Anfang kommen noch einige prominente Fans zu Wort, darunter die Regisseure J. J. Abrams und Kevin Smith, im Film selbst geben sich Melanie Griffith, Sharon Stone, Bob Odenkrik, Zach Braff und andere die Klinke in die Hand.

Am Ende kann man als Zuschauer nur zufrieden sein. „The Disaster Artist“ ist ein enorm unterhaltsames Biopic mit fantastischen Schauspielleistungen und so vielen Gags, dass man ihm die eine oder andere kleine Länge gerne verzeiht. Vor allem aber macht der Film auf eine Sache Lust: eine weitere Sichtung von „The Room“.

Die große Premiere

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit James Franco sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Disaster Artist
USA 2018
Regie: James Franco
Drehbuch: Scott Neustadter, Michael H. Weber, nach einem Buch von Greg Sestero und Tom Bissell
Besetzung: Dave Franco, James Franco, Seth Rogen, Ari Graynor, Alison Brie, Jacki Weaver, Paul Scheer
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 A24 / New Line Cinema

 

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The Room – „Oh, hi Mark!“

The Room

Von Matthias Holm

Drama // Wenn Filme besonders verehrt werden, bekommen sie schnell den Stempel „Kultfilm“. Das trifft auch auf Streifen zu, die an den Kinokassen vorerst nicht erfolgreich waren – ein Beispiel dafür ist die „Rocky Horror Picture Show“, die durch zahllose Wiederaufführungen ihren heutigen Status erreichte. Doch um als Kult zu gelten, muss ein Film nicht immer gut sein, wie man bestens an „The Room“ erkennen kann – für manche der schlechteste Film aller Zeiten.

Die Handlung dreht sich grob um Johnny (Tommy Wiseau). Der ist unsterblich in seine Verlobte Lisa (Juliette Danielle) verliebt. Diese hat jedoch die Faxen dicke und flüchtet sich in die Arme von Mark (Greg Sestero), Johnnys besten Freund. Und dann ist da eine ganze Reihe an Nebenfiguren, die auch hin und wieder durch das Bild laufen und unsinnige Dialoge führen.

Krebs? Halb so wild

Genau hier liegt die Faszination für „The Room“ – es stimmt einfach absolut nichts. Das fängt bei den Figuren und ihren Geschichten an. In einer der unfassbar repetitiven Unterhaltungen zwischen Lisa und ihrer Mutter Claudette (Carolyn Minnot) erzählt Letztgenannte, sie habe Krebs. Diese schockierende Nachricht wird von Lisa nur mit einem saloppen „Es wird schon alles gut“ quittiert – und spielt im weiteren Verlauf keine Rolle.

Immerhin hat Claudette auch eine der besten Zeilen im Film: Als Lisa und sie nach einer Shopping-Tour nach Hause kommen und dort Mike (Mike Scott) und Michelle (Robyn Paris), Freunde von Tommy und Lisa, wild knutschend auf dem Sofa vorfinden, fragt sie „What are these characters doing here?“ Eine absolut berechtigte Frage, denn so viele Figuren in dem Film sind schlichtweg überflüssig – sie tauchen einmal auf und verschwinden danach sofort für immer, ohne auch nur irgendetwas Relevantes beigesteuert zu haben.

Schauspielgott Tommy Wiseau

Das absolute Highlight des Films ist aber Tommy Wiseau. Dieser Mann, dessen Herkunft bis heute weitgehend ungeklärt ist und der wie auch immer ein Vermögen verdient hat und so einen eigenen Film auf die Beine stellen konnte, liefert die wohl schönste schlechte Performance, die je auf Film gebannt wurde. In den besten Fällen ist sein Text durch seinen merkwürdigen Akzent unverständlich, ansonsten sitzt nicht eine Intonation richtig – und zwischenmenschliche Interaktion scheint sein Johnny auch nicht zu verstehen, da wird auf die Geschichte einer verprügelten Frau mit einem schallenden Lachen reagiert.

Wo bleibt die deutsche DVD oder Blu-ray?

Das alles – und noch viel mehr – ergibt zusammen ein unvergleichliches Filmerlebnis. Ja, dieser Film ist, wenn er ernst genommen wird, absolut furchtbar. Aber genau das macht ihn so unfassbar faszinierend. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da, denn ähnlich wie die eingangs erwähnte „Rocky Horror Picture Show“ gibt es bei Special Screenings von „The Room“ spezielle Regeln, die das Publikum involvieren. Also bitte nicht wundern, wenn bei der Sichtung plötzlich die Plastiklöffel tief fliegen. Es wird allmählich Zeit, dass der Film auch in Deutschland ohne Probleme erhältlich ist, zumal gerade dessen Entstehungsgeschichte unter dem Titel „The Disaster Artist“ in die Kinos kommt.

Natürlich ist „Die Nacht der lebenden Texte“ nicht die erste Seite, die sich mit „The Room“ auseinandersetzt. Eine große Empfehlung geht hier an die entsprechende Episode des Nostalgia Critic, der den Film komplett auseinandernimmt. Oder aber, wer es lieber musikalisch mag, sollte sich diesen Song vom YouTube-Kanal schmoyoho zu Gemüte führen, der die berühmtesten Sätze des Films aufgreift.

Veröffentlichung (USA): 28. Dezember 2012 als Blu-ray, 17. Dezember 2005 als DVD

Länge: 99 Min.
Originaltitel: The Room
USA 2003
Regie: Tommy Wiseau
Drehbuch: Tommy Wiseau
Besetzung: Tommy Wiseau, Greg Sestero, Juliette Danielle, Phillip Haldiman, Carolyn Minnot, Robyn Paris, Mike Scott, Dan Janjigian

Copyright 2018 by Matthias Holm
Filmplakat: Fair Use

 

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