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The Trench – Das Grauen in Bunker 11: Im Ersten Weltkrieg ist der Wurm drin

Trench 11

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // ein klaustrophobischer thriller zwischen „das ding“ und „the descent“ – so urteilt eine gewisse Georgia Streight auf dem Backcover der Blu-ray über „The Trench – Das Grauen in Bunker 11“. Das Zitat findet sich sogar auf ihrem Online-Portal (was nicht immer der Fall ist), wobei sie tatsächlich Straight heißt. So oder so hohe Vorschusslorbeeren, die Tiberius Film dem in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs angesiedelten Untoten-Schocker da angedeihen lässt. Ob der Film sie einhalten kann?

Ein Gefangener warnt vergeblich

Anfang November 1918 stellt der britische Militärgeheimdienstler Major Jennings (Ted Atherton) einen Trupp für einen Spezialauftrag zusammen: Es gilt, einen unterirdischen Bunker der Deutschen zu finden und zu sichern. Angeblich hat der Feind dort mit Nervengas und anderen schmutzigen Kriegswaffen experimentiert. Wichtigster Mann der kleinen Einheit: der kanadische Tunnelbauer Lieutenant Berton (Rossif Sutherland), der dafür von seinem ersten Fronturlaub überhaupt abgezogen wird – er hatte sich drei Monate zuvor über zwölf Tage selbst aus einem verschütteten Tunnel ausgegraben. Einige US-Soldaten unter Captain Cooper (Luke Humphrey) dienen als Geleitschutz, der britische Militärarzt Dr. Priest (Charlie Carrick) soll als Fachmann die Fundstücke untersuchen.

Manche Türen bleiben besser geschlossen

Die Männer erreichen ihr Ziel und lassen sich auch nicht von einem draußen liegenden Stapel von Leichen deutscher Soldaten davon abhalten, in den unterirdischen Komplex einzudringen. Sie entdecken einen dort verbliebenen Mann, der sie beschwört, eine mit Brettern vernagelte Tür auf keinen Fall zu öffnen. Der Deutsche zieht es sogar vor, sich einen Kopfschuss verpassen zu lassen, als er einsieht, dass man nicht auf ihn hören wird.

Reiner übertreibt gern etwas

2002 verband „Deathwatch“ mit Jamie Bell die Schützengräben des Ersten Weltkriegs mit handfestem Horror (wobei der Krieg an sich schon Horror genug bietet). „The Trench – Das Grauen in Bunker 11“ feierte seine Weltpremiere im Sommer 2017 beim Fantasy Filmfest in Deutschland. An beiden Filmen hatte ich meine Freude, leider entsinne ich mich nicht mehr ausreichend an meine lange zurückliegende Sichtung von „Deathwatch“, um zu bewerten, welcher mir besser gefallen hat. Der neuere Streifen punktet mit einem Parasiten, einem dünnen weißen Wurm, der seine Wirte zu blutrünstigen Wüterichen macht. Wer diese Variation des Zombiegenres für wenig originell hält, liegt richtig, aber eine schöne Prise Ekel gleicht das wieder aus. Die FSK winkte die ungeschnittene Fassung mit einer Freigabe ab 16 Jahren durch. Splatter-Fans können sich dennoch auf ein paar kernige Szenen mit handgemachten Effekten freuen.

Dr. Priest entdeckt …

Die Story liefert das, was wir von einem solchen Plot erwarten, das reicht auch völlig aus. Die Figuren sind eher eindimensional gezeichnet, auch das führt nicht zur Abwertung. Immerhin wünschen wir dem Tunnelbauer Berton, er möge überleben. Bei Hauptdarsteller Rossif Sutherland handelt es sich übrigens um den Sohn von Donald und Halbbruder von Kiefer.

Deplatziert, aber erfreulich: Robert Stadlober

Eine ungewöhnlich deplatziert wirkende, den Film gleichwohl bereichernde Figur bildet der vom deutschen Schauspieler Robert Stadlober („Crazy“) verkörperte sadistische deutsche Offizier Reiner, Beiname „Prophet“, Hauptverantwortlicher für die im Bunker 11 ausgeführten Experimente. Stadlober spielt ihn mit Wonne und Lust an der Übertreibung, fast wirkt es, als hätten wir es mit einem Nazi aus dem Zweiten Weltkrieg zu tun.

… Entsetzliches

Die nervenzerfetzende klaustrophobische Spannung von Neil Marshalls „The Descent – Abgrund des Grauens“ (2005) erreicht „The Trench – Das Grauen in Bunker 11“ natürlich nicht, und John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) ist ohnehin eine Referenz, die kaum jemals zu toppen sein wird. Aber das wusste ich vorher. Einen Hauch spektakulärer hätte die Regiearbeit des meist fürs Fernsehen tätigen Leo Scherman ausfallen können, es mangelt etwas an Höhepunkten. Insgesamt ist dem Londoner aber kurzweiliger Infizierten-Horror gelungen, der das abliefert, was wir uns davon erhoffen können.

Wird Berton die Flucht vor dem Grauen gelingen?

Veröffentlichung: 4. Juli 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Trench 11
KAN 2017
Regie: Leo Scherman
Drehbuch: Matt Booi, Leo Scherman
Besetzung: Rossif Sutherland, Robert Stadlober, Charlie Carrick, Shaun Benson, Ted Atheron, Luke Humphrey, Jeff Strome, Adam Hurtig, Karine Vanasse, John B. Lowe, Werner Artinger, Andrew Cecon, John Bluethner, Scott Johnson, Johann Gietzel
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2019 Tiberius Film

 

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