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Wenn ich bleibe – Die Liebe zwischen Leben und Tod

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If I Stay

Von Matthias Holm

Melodram // Was passiert mit Menschen, die im Koma sind? Schlafen sie tatsächlich nur? In „Wenn ich bleibe“ ist die Antwort klar. Nach einem Autounfall liegt die junge Cellistin Mia (Chloë Grace Moretz) im Koma. Doch sie durchstreift das Krankenhaus als eine Art Geist. Durch etwas, dass eine Krankenschwester sagt, wird Mia klar, warum sie sich in diesem körperlosen Zustand befindet: Sie muss sich entscheiden, ob sie in dieser Welt bleiben will oder weiterzieht. Und so erinnert sich Mia an die vergangenen eineinhalb Jahre – an ihre Beziehung zum Musiker Adam (Jamie Blackley).

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Klassik …

Kitsch wird vermieden

Auch wenn sich die Inhaltsangabe wie ein klassischer „Tearjerker“ liest: „Wenn ich bleibe“ löst zum Glück keinen akuten Taschentuch-Alarm aus. Es gibt unfassbar traurige Szenen, doch sie bleiben die Ausnahme. Der Film konzentriert sich vielmehr auf die Beziehung der beiden Teenager und vermeidet dabei fast jeden Kitsch.

Hierbei spielt die Musik eine zentrale Rolle. Sie ist der Antrieb für die beiden, allerdings legt sie dem jungen Glück auch immer wieder Steine in den Weg. Während Mia mit dem Cello schöne klassische Stücke zaubert, ist die Musik von Adams Band „Willamette Stone“ feinster Indie-Rock, der zum Tanzen einlädt – so wie der gesamte Soundtrack. Moretz und Blackley geben ein schönes Pärchen ab, speziell Moretz als Teenager zwischen Leben und Sterben weiß mal wieder zu gefallen.

Stacy Keach als trauriger Großvater

Auch der restliche Cast ist schön besetzt. Vor allem Mias Eltern (Mireille Enos, Joshua Leonard) sind als ehemalige Punker, die sich den elterlichen Pflichten beugen mussten, immer wieder für einen Schmunzler zu haben. Die stärkste Szene des Films gehört jedoch Stacy Keach. Als Großvater sitzt er am Bett seiner Enkelin und schüttet ihr sein Herz aus. Das ist wunderbar traurig und emotional.

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… verliebt sich in Rock

In den USA war der Film ein Hit. Bei einem Budget von rund elf Millionen Dollar hat er allein in den Vereinigten Staaten mehr als 50 Millionen Dollar eingespielt. Es ist schön zu sehen, dass auch ein solch kleiner, feiner Film Beachtung erhält. Denn die hat „Wenn ich bleibe“ auf jeden Fall verdient.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Chloë Grace Moretz haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Stacy Keach unter Schauspieler.

Veröffentlichung:
22. Januar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 126 Min. (Blu-ray), 122 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: If I Stay
USA 2014
Regie: R. J. Cutler
Drehbuch: Shauna Cross, nach einem Roman von Gayle Forman
Besetzung: Chloë Grace Moretz, Mireille Enos, Jamie Blackley, Joshua Leonard, Stacy Keach, Liana Liberato, Gabrielle Rose, Jakob Davies, Ali Milner
Zusatzmaterial: Musikvideo „I Never Wanted to Go“, Musikvideo „Never Coming Down“, Die Entstehung des Films, Die Liebe zur Musik, Vom Buch zum Film, Eine außerkörperliche Erfahrung, Kommentar von R. J. Cutler and Alison Greenspan, Buchhandlung, Krankenhaus-Kapelle, Filmmusik-Kommentar von R. J. Cutler
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

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Mia geistert durchs Krankenhaus

Copyright 2015 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2015 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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Wenn die Gondeln Trauer tragen – Düstere Symbolik und Rätselhaftigkeit

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Don’t Look Now

Von Simon Kyprianou

Horrordrama // „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ ist ein ungewöhnlicher Film, er ist mysteriös, lässt sich nie in die Karten schauen. Er verhüllt und versteckt seine Intentionen hinter einem unentwirrbaren Geflecht aus Metaphorik und Symbolik. Nicolas Roeg konfrontiert den Zuschauer dauerhaft mit dem Unbekannten und dem Geheimnisvollen, ohne es je klar darzustellen. Weder auf der inhaltlichen noch auf der visuellen Ebene wird der eigentliche Schrecken und Horror deutlich. Er wird weder gezeigt noch ausgesprochen, doch er unterfüttert den Film auf bedrohliche Art und Weise, ist immer spürbar und doch nie sichtbar.

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Der Tod kennt keine Gnade

Mit dem Tod beginnt es, mit dem Tod endet es

Am Anfang läuft in einer ätherischen Szene ein Mädchen in einem hypnotisch roten Mantel durch einen englischen Garten. Die Kleine ertrinkt in einem Teich, die Eltern John (Donald Sutherland) und Laura (Julie Christie) können sie nicht mehr retten, obgleich John eine Ahnung hatte – doch zu spät. Vor dem Schmerz flieht das Paar nach Venedig, wo John die Aufgabe übernimmt, die Restaurierung einer Kirche zu leiten. Die Gewalt ihrer Trauer verfolgt Laura und John jedoch überall hin. Oft streiten die beiden, auch wenn eine dieser Auseinandersetzungen in eine der intensivsten Sexszenen der Filmgeschichte mündet.

Es bleibt dem Zuschauer am Ende gänzlich selbst überlassen die düsteren Bilderwelten von Roeg mit Bedeutung auszufüllen – sie zu reflektieren und sich zu fragen, ob all die grausamen Begebenheiten symbolisch für die gescheiterte Trauerverarbeitung eines im tiefsten Innern leidenden und verstörten Paares mit Schuldkomplex waren oder ob alles einfach nur eine unglückliche Koinzidenz gewesen ist.

In den Gassen von Venedig lauert das Verderben

In der Darstellung von Venedig verbinden sich schwelgerisch schöne und unheilvoll düstere Bilder mit Pino Donaggios romantisch-abgründigem Soundtrack zu einer geisterhaften Albtraumkulisse. Durch diese lässt Roeg Donald Sutherland und Julie Christie wandeln, während in den allgegenwärtigen dunklen Gassen stets das Unheil zu lauern scheint.

Das Finale rundet das filmische Rätsel dann ab, schockiert und ängstigt. Das Ende gibt keine Antworten, sondern wirft nur noch mehr Fragen auf, über die man noch lange nachdenken wird.

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Wenn die Gondeln Trauer tragen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Donald Sutherland sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. Februar 2013 als Blu-ray, 17. November 2011 als Blu-ray in der Blu Cinemathek, 27. März 2001 als DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Don’t Look Now
GB/IT 1973
Regie: Nicolas Roeg
Drehbuch: Alan Scott, Chris Bryant, nach einem Roman von Daphne Du Maurier
Besetzung: Donald Sutherland, Julie Christie, Hilary Mason, Clelia Matania, Massimo Serato, Renato Scarpa, Giorgio Trestini, Leopoldo Trieste, David Tree, Ann Rye
Zusatzmaterial: Trailer, nur Blu-ray: Audiokommentar von Nicolas Roeg, Featurette „Ein Blick zurück“, komprimierte Fassung des Films, erstellt von Danny Boyle, Interviews
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

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Ein intensiver Moment des Vergessens

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2011/2013 Studiocanal Home Entertainment

 

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Gähn: Into the Dark

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Gastrezension von Matthias Holm

Mystery-Drama // Nach dem Tod ihres Vaters verfällt Sophia (Mischa Barton) in Depressionen. Erst sechs Monate zuvor war bereits ihre Mutter gestorben, nun hatte ihr der zuvor tief gläubige Vater kurz vor seinem eigenen Ableben gestanden, nicht mehr an ein Leben nach dem Tod zu glauben.

Die erste Person, die nach längerer Zeit wieder zu Sophia vordringen kann, ist die Zufallsbekanntschaft Adam (Ryan Eggold). Die beiden werden schnell ein Paar. Doch eines Nachts verschwindet Adam spurlos, auf seinem Bett finden sich Blutspuren. Fest entschlossen, ihr frisch gewonnenes Glück nicht zu verlieren, macht sich Sophia auf die Suche.

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Welche Taschenlampe hat wohl vorzeitig den Geist aufgegeben?

In der ersten Szene sieht man die Protagonistin vor einer Tür hocken, nur um zehn Sekunden später ein „Sechs Monate zuvor“ einzublenden. Was dieser Vorgriff soll, ist völlig unverständlich, er bietet dem Zuschauer keinerlei nennenswerte Informationen. Und leider zieht sich das durch den gesamten Film. Welche Emotionen Drehbuchautor und Regisseur Mark Edwin Robinson mit all seinen stilistischen Mitteln hervorrufen wollte, bleibt im Dunkeln.

Vieles zieht den Film unnötig in die Länge: diverse Liebesszenen, die zwischendurch eingeblendet werden, sowie Sequenzen, in denen Sophia einfach nur durch die Gegend geht oder bedeutungsvoll ins Nichts blickt. Bis der Mystery-Plot um Geister in Fahrt kommt, vergeht viel zu viel Zeit. Und dann ist das Mysterium noch nicht einmal gut durchdacht. Etliche auffällige Anschlussfehler im Schnitt trüben ebenfalls den Filmgenuss.

Einzig die Atmosphäre bewahrt beim Schauen von „Into the Dark“ vor völliger Langeweile. Die spärliche Beleuchtung und die abgewrackten Zimmer des Hauses bilden eine schöne Kulisse – zu der man aber viel zu spät kommt. Um eine halbe Stunde kürzer wäre aus dem Film vielleicht ein akzeptabler Mystery-Streifen geworden. So aber ist „Into the Dark“ eher zum Einschlafen als zum wohligen Gruseln.

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Buh!

Veröffentlichung:
6. März 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: I Will Follow You Into The Dark
USA 2012
Regie: Mark Edwin Robinson
Drehbuch: Mark Edwin Robinson
Besetzung: Mischa Barton, Ryan Eggold, Leah Pipes, Jaz Martin
Zusatzmaterial: Trailer
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2014 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2014 Tiberius Film

 

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