RSS

Schlagwort-Archive: Toho

Krieg im Weltenraum – Kampf gegen die Aliens auf dem Mond

Uchû daisensô

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Vergesst den „Krieg der Sterne“ und den „Krieg der Welten“, lasst den „Kampfstern Galactica“ links liegen, entfernt das „Raumschiff Enterprise“ aus eurem Fundus – hier kommt der „Krieg im Weltenraum“! Und es geht gleich zu Beginn in die Vollen: Eine fliegende Untertasse lässt in Japan eine ganze Eisenbahnbrücke in die Höhe schweben. Der heranrasende Zug kann nicht mehr bremsen und stürzt in die Tiefe. Anschließend senkt sich die Brücke wieder herab. Ein Reporter aus Amerika berichtet dem japanischen Fernsehpublikum weitere ungeheuerliche Phänomene: Ein Frachter im Panama-Kanal sei „von einer ungeheuren Springflut in die Luft geschleudert“ und dabei völlig zerstört worden. Eine ähnliche Springflut hat Venedig verwüstet.

Bedrohliche Ereignisse versetzen die Nationen in Angst

Die Weltengemeinschaft setzt sich zusammen und debattiert die Möglichkeit eines Angriffs Außerirdischer. Mit Unterstützung der anderen Nationen hat Japan Raumschiffe und ein Hitzestrahlengeschütz entwickelt, das Doktor Adachi (Koreya Senda) den UNO-Delegierten im japanischen Weltraumforschungszentrum vorstellt. Der Iraner Dr. Achmed (Malcolm Pearce) ist zuvor unter den Einfluss der Aliens vom Planeten Natal geraten und versucht, die Waffe zu stehlen. Es stellt sich heraus, dass die Aggressoren eine Basis auf dem Mond errichtet haben, von wo sie offenbar die Invasion der Erde angehen wollen. Doktor Adachi und sein Kollege Doktor Richardson (Len Stanford) übernehmen das Kommando zweier Raumschiffe, die zum Erdtrabanten aufbrechen sollen.

Kann das neue Strahlengeschütz helfen?

Nach „Das Grauen schleicht durch Tokio“ (1958) beschert uns Anolis Entertainment mit dem ein Jahr später entstandenen „Krieg im Weltenraum“ zum zweiten Mal einen japanischen Beitrag zu den beliebten „Galerie des Grauens“-Reihen. Regie führte auch dabei Akira-Kurosawa-Weggefährte Ishirō Honda, wohl der wichtigste Regisseur des Filmstudios Tōhō – er drehte etliche der Tōhō-Filme, darunter „Godzilla“ (1954) und „Die fliegenden Monster von Osaka“ (1956).

Zwei Raketen machen sich zum Mond auf

Außerirdische mit finsteren Absichten waren im Kino Ende der 1950er-Jahre keine neue Erscheinung mehr, wie beispielsweise „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) und „Die Dämonischen“ (1956) belegen. 1953 tobte der „Kampf der Welten“, 1959 kam Ed Wood mit der Mutter aller Trashfilme um die Ecke: „Plan 9 aus dem Weltall“. Neu an „Krieg im Weltenraum“ war die Verlegung der Auseinandersetzung ins Weltall. Und diese Auseinandersetzung kann sich sehen lassen.

Die Astronauten der Mondmission …

Klar, nach Maßstäben heutiger Tricktechnik wirken die Miniaturkulissen und Modelle etwas veraltet, aber sie sind einfallsreich, mit Liebe zum Detail gestaltet und haben seinerzeit in den Kinosälen zweifellos das Publikum beeindruckt. Ein paar Mal habe ich mich an Sequenzen in einigen „James Bond“-Filmen erinnert gefühlt, und die schauen wir alle ja heute auch noch gern. Es braucht also nur ein klein wenig Wohlwollen, um mit großem Genuss auch in den „Krieg im Weltenraum“ zu versinken.

… kämpfen mit allen Mitteln …

Die Spannungskurve steigt bis zum explosiven Finale stetig an. Daran ändert auch nichts, dass die Aliens in ihren Raumanzügen eher putzig aussehen. Wenn sich in der abschließenden Schlacht die irdischen Weltraum-Abfangjäger unter großen Opfern todesmutig der Alien-Flotte stellen, Raumtorpedos auf die Erde niedergehen und wunderbare Miniaturkulissen von New York City und der Golden Gate Bridge zerstört werden, bleibt kein Auge trocken.

… gegen die Aggressoren

Die Doppel-Disc-Edition der achten Veröffentlichung der „Die Rache der Galerie des Grauens“-Reihe lässt wieder keine Wünsche offen, was Bild- und Tonqualität und Bonusmaterial (siehe unten) angeht. Im schön gestalteten und üppig bebilderten Booklet erfährt man viel über die Entstehung des Films und seine Besetzung. Eine gewohnt schöne Veröffentlichung aus dem Hause Anolis Entertainment. Bei allen altersbedingten Unzulänglichkeiten ist „Krieg im Weltenraum“ doch Pflichtprogramm für Freunde gepflegter Weltraumschlachten. Ein gewisser George Lucas wird das sicher gern bestätigen. Und vielleicht sollten wir es auch tatsächlich mal mit einer außerirdischen Bedrohung zu tun bekommen, damit die irdischen Konflikte sich in Luft auflösen und sich die Nationen vereinen. Wenn es doch nur so einfach wäre …

Die Menschheit rückt zusammen

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. ???
10. ???

Auch New York City wird in Mitleidenschaft gezogen

Veröffentlichung: 18. August 2017 als 2-Disc Edition (Blu-ray & DVD)

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Uchû daisensô
Deutscher TV-Titel: Duell in der Galaxis
Internationale Titel: The Great Space War / Battle in Outer Space
JAP 1959
Regie: Ishirō Honda
Drehbuch: Shin’ichi Sekizawa, Jôjirô Okami
Besetzung: Ryô Ikebe, Kyôko Anzai, Minoru Takada, Koreya Senda, Len Stanford, Harold Conway, Elise Richter, Hisaya Itô, Yoshio Tsuchiya, Nadao Kirino, Kôzô Nomura, Fuyuki Murakami
Zusatzmaterial: japanische Fassung sowie amerikanische und deutsche Kinofassung wählbar, Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner, Audiokommentar von Steve Ryfle und Ed Godziszewski, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassung, deutscher und amerikanischer Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerie, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Jörg M. Jedner und Jo Steinbeck
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Anolis Entertainment GmbH

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Shin Godzilla – Der König ist zurück

Shin Gojira

Kinostart: 3. Mai 2017

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // 2004 wollten die Japaner ihre Riesenechse mit „Godzilla – Final Wars“ eigentlich abhaken. Bereits seit 1954 trieb Godzilla sein Unwesen in den Kinos, hatte Städte niedergetrampelt und ebenbürtige Gegner bezwungen. Doch anscheinend schaut man im Land der aufgehenden Sonne auch auf den Weltmarkt – Gareth Edwards‘ mit kräftiger Unterstützung der japanischen Produktionsfirma Tōhō entstandenes 2014er-Reboot „Godzilla“ belegte, dass es nicht nur in Japan nach wie vor enormes Interesse an der überdimensionalen Kreatur gibt.

Rando muss sich behaupten

Das dachte sich wohl auch Hideaki Anno, seines Zeichens Schöpfer der „Evangelion“-Saga. Also setzte sich Anno hin, schrieb ein Drehbuch für einen Neustart des japanischen Ursprungsfilms und führte auch direkt Regie. Und die Zeichen wurden richtig gedeutet: „Shin Godzilla“ war im Jahr 2016 der erfolgreichste Realfilm in den japanischen Kinos. Nun hat splendid dem Film einen eingeschränkten Kinostart in Form von Special Screenings spendiert. Und als Fan der alten Godzilla-Streifen sollte man das auf keinen Fall verpassen.

Kein Unterwasser-Vulkan, ein Unterwasser-Monster

Merkwürdige Eruptionen erschüttern Tokio. Was anfangs wie ein Vulkanausbruch unter Wasser wirkt, stellt sich schnell als lebendiger Organismus heraus, der bald das Festland heimsucht. Der Katastrophenstab ist redlich bemüht, das Monster aufzuhalten, allerdings entwickelt sich Godzilla, wie das Biest getauft wird, rasend schnell weiter. Doch eine kleine Gruppe von Spezialisten rund um Rando Yaguchi (Hiroki Hasegawa) hat einen Plan, wie man das Ungetüm stoppt.

Die Stimmung im Krisenstab ist angespannt

Hideaki Anno besinnt sich mit seinem Drehbuch auf Godzillas Ursprünge. Hier gibt es keinen großen Kampf mit anderen Monstern oder gar einen Baby-Godzilla. Die Echse verkörpert die Antwort auf den Schaden, den die Menschheit sich selbst und der Natur zugefügt hat – das gnadenlose Zurückschlagen eben dieser Natur. War der Ursprungsfilm ein Kommentar auf die Atombomben-Abwürfe über Hiroshima und Nagasaki, ist „Shin Godzilla“ eine Verkörperung des Tōhuku-Erdbebens von 2011. Sobald das Monster auftritt, bringt es mit Flutwellen und Strahlung Tod und Verderben, wie die Tsunamis und die Reaktorkatastrophe in Fukushima.

Immer mehr Menschen fliehen vor …

Interessant dabei ist, dass es Anno in seinem Film eher auf die Politiker abgesehen hat: Ein Großteil des Films spielt sich in Konferenzsälen ab. Dort wird darüber debattiert, wie man gegen das Monster vorgeht, wo evakuiert wird, all das, was bei einer Naturkatastophe passiert. Ein Großteil des Beraterstabes des Premierministers besteht allerdings aus alteingesessenen Veteranen, die sich strikt ans Protokoll halten – und damit die Lage meist eher verschlimmern. Querdenker wie der Protagonist Rando Yaguchi sollen nur still dabei sein und nicken. Sobald er einen Vorschlag äußert, wird dieser kategorisch abgelehnt – er sitzt eh nur dabei, da seine Verwandten gute Beziehungen haben. Anno prangert die Politiker und ihre Sturheit an, der nächsten Generation keine Beachtung zu schenken.

… Godzilla!

Im Film kulminiert das in einem Angriff Godzillas, der enorm viele Opfer fordert – darunter auch hochrangige Stabschefs. Sie haben sich ihr Grab selbst geschaufelt und ihre Nachfolger müssen die Suppe auslöffeln. So offensichtlich diese Botschaft inszeniert ist – wer sich nicht für das Land Japan und dessen Politik interessiert, der wird dem Leinwandgeschehen nur mit einem Fragezeichen im Gesicht folgen können. Denn obwohl man aus der Grundaussage etwas Universelles hätte machen können, fokussiert sich Anno komplett auf Japan, mit allen Gepflogenheiten, Sitten und Bräuchen. Wer sich „Shin Godzilla“ also nur für die Monster-Action anschaut, wird über die Hälfte der Zeit keinen wirklichen Spaß daran haben.

Endlich wieder handgemachte Figuren

Wenn es dann aber mal zu einer Attacke kommt, ist das Katastrophen-Kino auf ganz hohem Niveau. Inszenatorisch kann das mit Hollywood-Pendants wie „Deepwater Horizon“ natürlich nicht mithalten, dafür versprüht der Film aber eine Menge Charme. Denn das Monster ist diesmal eine Puppe, die über eine Fernbedienung bewegt wird. Das sieht in vielen Fällen vollkommen absurd aus, ist aber eine wundervolle Hommage an die alten Zeiten, in denen Schauspieler in Gummianzügen Miniaturstädte kaputtgemacht haben. Und auch hier geht einiges zu Bruch. Je weiter sich Godzilla entwickelt und je mehr er in die Innenstadt Tokios eindringt, desto mehr Kollateralschäden entstehen. Wenn dann auch noch bestimmte Wiedererkennungsmerkmale Einzug in den Film halten, geht jedem Kaijū-Fan das Herz auf.

Auch schweres Gerät hilft nicht gegen …

Für eine abschließende Empfehlung ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, worauf man sich einlässt. Für eine Monster-Party bietet der Film eben zu wenig Monster – zwar deutlich mehr als der Gareth-Edwards-Film von 2014, aber eben nicht durchgängig. Der Politik- und Forschungs-Anteil nimmt viel Zeit in Anspruch und sollte man das langweilig finden, wird einem „Shin Godzilla“ auch eher wenig gefallen. Trotzdem ist es ein äußerst gelungenes Reboot geworden, von dem wir gern mehr sehen würden.

… das riesige Monster

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Shin Gojira
JAP 2016
Regie: Hideaki Anno, Shinji Higuchi
Drehbuch: Hideaki Anno
Besetzung: Hiroki Hasegawa, Yutaka Takenouchi, Satomi Ishihara, Ren Ôsugi, Akira Emoto, Kengo Kôra
Verleih: splendid film

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 splendid film

 
3 Kommentare

Verfasst von - 2017/04/29 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Das Grauen schleicht durch Tokio – Ein Blob als Warnung vor der nuklearen Katastrophe

Bijo to ekitai ningen

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // Es ist soweit: Erstmals in seiner bereits fast acht Jahre andauernden Geschichte schaut Anolis mit der „Galerie des Grauens“-Reihe in Richtung Fernost. Die Monsterfilme aus den 50er- und 60er-Jahren des japanischen Filmstudios Tōhō sind legendär und längst nicht nur aufs Kaijū-Genre beschränkt. Ähnlich wie das Aufkommen des Kalten Krieges in den US-Genrewerken jener Zeit prägte die japanischen Science-Fiction- und Horrorfilme die Angst vor einer realen Bedrohung: der Atombombe. Die Bilder der Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki waren noch allgegenwärtig und hatten sich tief ins kollektive Bewusstsein der Bevölkerung gebrannt. Gleichzeitig waren weitere Atomtests auf abgelegenen Inseln im Pazifischen Ozean an der Tagesordnung. So ist es nicht verwunderlich, dass zahlreiche Drehbuchautoren schockierende Spekulationen über mögliche Spätfolgen der nuklearen Explosionen anstellten, um damit das Publikum in Atem zu halten.

Was ist auf dem Geisterschiff „Ryujin Maru II“ geschehen?

Allerdings war Regisseur Ishirō Honda wie viele seiner Kollegen gar nicht daran interessiert, das Thema reißerisch auszubeuten. Er wollte vielmehr den warnenden Zeigefinger erheben und daran erinnern, dass die Natur irgendwann zurückschlagen wird – sei es in Form eines Monsters wie in seinem Klassiker „Godzilla“ (1954) oder als schleimiger Flüssigmensch, wie in „Das Grauen schleicht durch Tokio“. Denn die Ursache allen Übels, das über die Menschheit kommt, bleibt immer noch der Mensch höchstselbst.

Spurlos verschwunden in Tokio

In der japanischen Hauptstadt schüttet es in Strömen – ob es saurer Regen ist? Vor einem Gebäude wartet der Gangster Uchida (Makoto Satô) in einem Auto auf seinen Kumpanen Misaki (Hisaya Itô). Als der Drogenschmuggler schließlich erscheint, gebärdet er sich plötzlich panisch. Er schreit, schießt wild um sich, rennt los und wird von einem Taxi tödlich erfasst. Aber ist er wirklich tot? Die Polizei findet keine Leiche, nur Misakis Kleidungsstücke sind am Unfallort zurückgeblieben.

Ein Tänzchen im Nachtclub

Inspector Tominaga (Akihiko Hirata) untersucht den Fall und vermutet zunächst einen Bandenkrieg in der Unterwelt Tokios. Auch Misakis Freundin, die Nachtclubsängerin Chikako Arai (Yumi Shirakawa), gerät ins Visier der Ermittlungen. Doch bald häufen sich Nachrichten über weitere spurlos verschwundene Personen in der Metropole. Die Polizei steht vor einem Rätsel: Zeugen wollen zuvor eine schleimartige Masse und ein grün leuchtendes Wesen gesehen haben. Wissenschaftler Dr. Masada (Kenji Sahara) sieht bald eine Verbindung zu dem Geisterschiff „Ryujin Maru II“, welches im Südpazifik treibt. Dessen Besatzung ist ebenfalls nicht mehr auffindbar …

Das nukleare Schicksal der „Glücklicher Drache V“

Bevor das Geschehen in die Straßen von Tokio wechselt, beginnt Honda seinen Film mit der Einstellung eines riesigen Atompilzes. Darauf folgen Zeitungsschlagzeilen, die berichten, dass im Pazifischen Ozean ein Nukleartest durchgeführt worden ist, dem ein Fischkutter – das besagte Geisterschiff – wohl zu nahe gekommen ist. Das Schicksal ist von den Drehbuchautoren wohl nicht zufällig gewählt. 1954 wurde das Fischerboot „Glücklicher Drache V“ samt Besatzung kontaminiert, obwohl sie etwa 150 Kilometer von dem nuklearen Testareal entfernt waren. Dies beweist, wie ernsthaft sich Honda des Themas annahm.

Inspector Tominaga (l.) rätselt: Nur die Kleidung der Opfer bleibt zurück

Diese Ernsthaftigkeit überträgt sich auch auf die Geschichte und ihre Figuren. Honda vermischt Elemente aus dem Gangster-, Horror- und Science-Fiction-Film gekonnt zu einer düsteren Vision. Dabei erstrahlt „Das Grauen schleicht durch Tokio“ als eine der ersten Tōhō-Produktionen überhaupt in bunten Farben und Cinemascope. Für Auflockerung sorgen die Gesangseinlagen von Nachtclubsängerin Chikako, die allerdings zusammen mit einigen Dialogszenen für etliche Längen im Mittelteil sorgen. Hatten dies die amerikanischen Verleiher ebenfalls bemerkt und deswegen diese Szenen für die internationale Fassung drastisch gekürzt?

Der „Blob“ lässt grüßen

Etwa sieben Minuten fehlen im Gegensatz zur japanischen Langfassung. Beide sind auf der 2-Disc-Edition von Anolis enthalten. Damals nicht synchronisierte Szenen sind im Original belassen und mit deutschen Untertiteln versehen. Vergleicht man die beiden Fassungen – einen ausführlichen Schnittbericht gibt es hier – haben die Straffungen dem Film zumindest in Teilen durchaus gutgetan. Allerdings fielen auch einige Sequenzen der Schere zum Opfer, in denen der Tōhō-Spezialeffekte-Meister Eiji Tsuburaya sein Können demonstriert: So wurde etwa die Tötung einer Frau durch das Flüssigmonster entfernt, da sie damals als zu grausam eingestuft wurde. Auch die Miniatur des brennenden Hafens von Tokio wurde dem internationalen Publikum bisher vorenthalten. Bei Tsuburayas Glibbermonster schießen natürlich sofort Parallelen zum amerikanischen „Blob – Schrecken ohne Namen“ (1958) mit Steve McQueen in den Kopf. Dass einer bei dem anderen die Idee kopiert hat, dürfte allerdings auszuschließen sein. Beide Filme entstanden etwa zur gleichen Zeit.

Misakis Freundin Chikako gerät ins Visier der Ermittlungen

Im großen Finale wird noch einmal ordentlich an der Spannungsschraube gedreht. Bei der Jagd nach dem Flüssigmonster durch die Kanalisation von Tokio werden sogar Erinnerungen an „Der dritte Mann“ (1949) wach. Anolis ist es zu verdanken, dass diese Tōhō-Genrestück den deutschen Fans erstmals ungeschnitten präsentiert wird. Die zwei von höchstem Fachwissen zeugenden Audiokommentare und das Booklet runden die sechste Veröffentlichung der „Die Rache der Galerie des Grauens“-Reihe hervorragend ab.

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. ???
10. ???

Veröffentlichung: 17. März 2017 als 2-Disc-Edition (Blu-ray und DVD)

Länge: 87 Min. (Japanische Langassung, Blu-ray), 82 Min. (amerikanische/deutsche Kinofassung, Blu-ray), 79 Min. (Japanische Langfassung, DVD), 76 Min. (amerikanische/deutsche Kinofassung, DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch, Englisch (nur amerikanische/deutsche Kinofassung)
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Bijo to ekitai ningen
JAP 1958
Regie: Ishirō Honda
Drehbuch: Takeshi Kimura, Hideo Unagami
Besetzung: Yumi Shirakawa, Kenji Sahara, Akihiko Hirata, Eitarô Ozawa, Koreya Senda, Makoto Satô, Hisaya Itô, Machiko Kitagawa
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner, Audiokommentar von Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Alexander Iffländer, Deutscher Kinotrailer. Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerie, 16-seitiges Booklet geschrieben von Jörg M. Jedner, Wendecover
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Anolis Entertainment GmbH

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: