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George A. Romero (I): Bruiser – Der Mann ohne Gesicht: Prügelknabe auf Rachetrip

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Bruiser

Dass der Blogger diesen Regisseur sehr schätzt, erkennt man schon am Namen des Blogs. Der Schöpfer des modernen Zombiefilms hat ganz sicher eine Retrospektive verdient.

Von Andreas Eckenfels

Horrordrama // Es war eine harte Zeit für Romero-Fans: Stolze sieben Jahre mussten sie auf neuen Stoff warten, bis der Horrormeister endlich wieder auf dem Regiestuhl Platz nahm. Die Schaffenspause zwischen „Stephen King’s Stark“ (1993) und „Bruiser“ (2000) bezeichnete Romero in einem Interview im Nachhinein als frustrierendste Zeit seines Lebens. Doch der Regisseur hatte keinesfalls eine kreative Pause eingelegt, verdiente laut eigener Aussage in diesen Jahren sogar so viel Geld wie nie zuvor.

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Verlierer Henry ergeht sich in Tagträumen

Obwohl er mit der US-Produktionsfirma New Line Cinema einen Vertrag geschlossen hatte und gleichzeitig unter anderem für Fox und Universal Drehbücher schrieb, war er zutiefst unzufrieden. Sein gesamtes Material – darunter ein abgelehntes „Resident Evil“-Skript – blieb stets in der Entwicklungsphase hängen. Keiner wollte ihm Geld geben, damit er einen neuen Film inszenieren konnte. Schließlich ging Romero nach Toronto und drehte dort „Bruiser“. Das bescheidene Budget von knapp fünf Millionen US-Dollar wurde größtenteils von der französischen Produktionsfirma Studio Canal+ finanziert. Es war sein erster Film, der nicht zum größten Teil in Pittsburgh realisiert wurde.

Unterdrückte Wut bricht aus

Henry Creedlow (Jason Flemyng) hat es nicht leicht: Seine Frau (Nina Garbiras) geht fremd, sein angeblich bester Freund (Andrew Tarbet) bestiehlt ihn und sein sexistischer Boss (Peter Stormare) macht ihn vor versammelter Mannschaft zur Schnecke. Nur die Fotografin Rosemary (Leslie Hope) hält zu dem Prügelknaben, der alle Gemeinheiten dieser Welt ohne Widerworte schluckt.

Doch eines Tages ändert sich dies: Henry erwacht mit einer konturlosen, weißen Maske, welche offenbar fest mit seinem Gesicht verwachsen ist. Durch diese anonyme Identität fühlt sich Henry plötzlich so stark wie nie zuvor. Seine über Jahre unterdrückte Wut erwacht zum Leben. Er geht auf einen blutigen Rachefeldzug, bei dem alle Übeltäter dran glauben sollen, die ihn einst gedemütigt haben.

Gesellschaftskritik und Humor

Auch nach der langen Pause hat Romero seine pessimistische Weltsicht beibehalten: Die Figuren sind besessen von Macht, Geld und Sex. Sensationsgeil wird in einer Radiosendung über den Selbstmord eines Anrufers berichtet. Es wird klar: Brave Menschen wie Henry haben in der modernen Gesellschaft keine Chance.

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Miles wird nach einem von Henrys begangenen Morden von der Polizei ohne Hose erwischt

Der typische morbide Humor des Regisseurs kommt in „Bruiser“ ebenfalls nicht zu kurz. In Tagträumen stellt sich Henry vor, wie er seine ihn quälenden Mitmenschen umbringt. Diese Eigenschaft hat er mit einer Figur aus dem Horrorepisodenfilm „Die unheimlich verrückte Geisterstunde“ (1982) gemein, bei dem Romero die Regie führte und Stephen King die Drehbücher lieferte: Hal Holbrook verkörpert darin in der Folge „Expedition ins Tierreich“ ebenfalls einen unterdrückten Verlierer mit dem Vornamen Henry, der seine Frau (Adrienne Barbeau) am liebsten umbringen will.

Eine weitere Parallele findet sich in „Bruiser“ zu Romeros bisheriger Filmografie: In „Martin“ (1977) wissen wir nicht, ob der blutsüchtige Protagonist wirklich ein Vampir ist oder sich alles nur einbildet. Ebenso verhält es sich mit Henry: Klebt die angsteinflößende Maske in seinem Gesicht – oder ist sie nur ein Hirngespinst? Wie Romero im Audiokommentar berichtet, inspirierte ihn der französische Horrorklassiker „Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff“ (1960) zum Aussehen der Maske.

Unspannend und blutarm

Jason Flemyng („Bube Dame König grAs“) ist es zu verdanken, dass die Zuschauer durchaus Mitleid mit dem armen Henry verspüren. Dagegen ist Peter Stormares Darstellung als abgedrehter und sexgeiler Chef, der seinen Angestellten auch mal sein bestes Stück präsentiert, völlig übertrieben geraten.

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Der Mann ohne Gesicht schlägt wieder zu

Nach dem gelungenen Einstieg verliert Romero leider seine eigene Geschichte aus den Augen. Sobald Henrys Gewaltfantasien Wirklichkeit werden, rückt die gelungene Gesellschaftskritik zunehmend in den Hintergrund. „Bruiser“ wandelt in der zweiten Hälfte auf den Pfaden eines herkömmlichen Rache-Slashers, dem es dazu sowohl an Spannung als auch an Blut mangelt. Das Ganze gipfelt im Finale in einer verrückten Underground-Party bei der die Punkband „Misfits“ einen Autritt hat und ein todbringender Laser zum Einsatz kommt.

Nach der langen Pause konnte der halbgare „Bruiser“ die hohen Erwartungen der Romero-Fans nicht erfüllen. Sie sollten schließlich fünf weitere Jahre auf seine nächste Regiearbeit warten müssen. Mit „Land of the Dead“ (2005) kehrte der Filmemacher wieder zu seinen Wurzeln zurück und gab der Horrorgemeinde endlich das, wonach sie sich zwei Jahrzehnte lang gesehnt hatte: haufenweise blutgierige Romero-Zombies. Welcher Romero-Film ist euer absoluter Favorit?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von George A. Romero sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme von oder mit Jason Flemyng und mit Peter Stormare unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 8. September 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray/DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Bruiser
USA/KAN/F 2000
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Besetzung: Jason Flemyng, Peter Stormare, Leslie Hope, Nina Garbiras, Andrew Tarbet, Tom Atkins, Jonathan Higgins
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Musikvideo von den Misfits, Starinfos, Trailer
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Tiberius Film

 
 

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John Carpenter (IX): Halloween III – Die Nacht der Entscheidung: Besser als sein Ruf

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Halloween III – Season of the Witch

Von Volker Schönenberger

Horror // An sich keine schlechte Idee, die John Carpenter nach „Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück“ hatte: jedes Jahr zum Tag vor Allerheiligen einen neuen Horrorfilm mit einer neuen Halloween-Geschichte zu produzieren. Dumm nur, dass die Zuschauer nach Carpenters Slasher-Meisterstück von 1978 und dem auch noch anständigen Erfolg der ersten Fortsetzung von 1981 mit Halloween mittlerweile nur noch Michael Myers verbanden. Mit dem Wüterich hatte die Geschichte des zweiten Sequels gar nichts mehr zu tun (er taucht nur kurz in einem Trailer auf, der in einem Fernseher einer Kneipe zu sehen ist). So lief „Halloween III – Die Nacht der Entscheidung“ an den Kinokassen im Vergleich zu den Vorgängern eher mickrig, bei vielen Michael-Myers-Fans ist Teil 3 dann auch nicht unbedingt wohlgelitten.

80er-Horror – gar nicht so schlecht

Das ist bedauerlich, denn wenn man sich mit dem Fehlen von Michael Myers abfindet, entfaltet „Halloween III – Die Nacht der Entscheidung“ von Anfang an eine schauerliche und bedrohliche Atmosphäre, auch wenn der Film visuell sehr in den 80er-Jahren verhaftet ist. Schlechter als „Halloween 4“ und die weiteren Sequels ist das ganz sicher nicht. Carpenter selbst agierte mit seiner bewährten Partnerin Debra Hill als Produzent und übte großen Einfluss aufs Drehbuch aus. Als Regisseur engagierte er den Debütanten Tommy Lee Wallace, der 1990 immerhin den gelungenen Zweiteiler „Stephen Kings Es“ inszenierte, weitere Highlights aber nicht zu Buche stehen hat.

Die Masken des Grauens

Die Handlung setzt acht Tage vor Halloween ein: Am 23. Oktober wird ein Mann spätabends gejagt. Auf einer Baustelle wird er von einem Mann im Anzug zum ersten Mal gestellt, aber noch kann er entkommen. Ein Tankwart bringt ihn ins Krankenhaus, doch dort ist Schluss mit lustig: Einer seiner Jäger dringt in die Klinik ein und tötet den Mann auf grausamste Weise. Danach setzt sich der Täter regungslos ins Auto, übergießt sich mit Benzin und zündet sich vor den Augen des diensthabenden Arztes Dr. Dan Challis (Tom Atkins) an. In Begleitung von Ellie Grimbridge (Stacey Nelkin), der Tochter des Ermordeten, versucht Challis das Geheimnis der Bluttat zu lüften. Das Opfer hatte eine Jack-O’Lantern-Maske bei sich, produziert von Silver Shamrock Novelties, einem Spielzeughersteller, der gerade mit einer landesweiten Marketing-Kampagne Horrormasken zu Halloween unter die Leute bringt.

Wussten wir’s doch: Anzugträger sind gefährlich

Die gefühllos agierenden Anzugträger vom Beginn des Films spielen auch weiterhin eine prägende, Furcht einflößende Rolle. Auch die ominösen Masken und ihr Zweck inklusive des rabenschwarzen Finales sind angetan, Erschrecken zu verbreiten, auch wenn die dahintersteckende Verschwörung arg selbstzweckhaft wirkt. Der passende Elektro-Score von John Carpenter und Alan Howarth unterstreicht das gut. Der schreckliche Halloween-Werbe-Jingle von Silver Shamrock Novelties nervt zwar gewaltig, aber er gehört ja nun mal zur Handlung. Da kann man nichts machen.

Erst auf dem Index, dann FSK 16

Ein Vierteljahrhundert befand sich „Halloween III – Die Nacht der Entscheidung“ auf dem Index. Nach der 2012 erfolgten Listenstreichung ergab die Neuprüfung der ungeschnittenen Fassung durch die FSK zwei Jahre später eine Altersfreigabe ab 16 Jahren. Die 2014er-Neuauflage von Tiberius Film liegt mir allerdings weder auf DVD noch auf Blu-ray vor, sodass ich keine Angaben über die Bildqualität machen kann. Testet es einfach selbst aus – wann ist dazu schon die beste Gelegenheit, wenn nicht zu Halloween?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 2. Oktober 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Halloween III – Season of the Witch
USA 1982
Regie: Tommy Lee Wallace
Drehbuch: Tommy Lee Wallace
Besetzung: Tom Atkins, Stacey Nelkin, Dan O’Herlihy, Michael Currie, Ralph Strait
Zusatzmaterial: Audiokommentare, Making-of, Featurette, Bildergalerie, Trailer, TV Spots
Vertrieb: Tiberius Film

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Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Packshots: © 2014 Tiberius Film

 
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Verfasst von - 2015/10/31 in Blu-ray/DVD, Film

 

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Auf Blu-ray/DVD: Die Nacht der Creeps – Director’s Cut

Night of the Creeps

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Schickt die Freundin los, zwei Kästen Bier und einige Chipstüten zu kaufen, komplimentiert sie anschließend höflich raus, ladet ein paar Kumpels ein und macht’s euch auf der Couch gemütlich! Zeit für „Die Nacht der Creeps“. Nachdem dieses Kleinod des 80er-Jahre-Horror-Trashs schon 2009 in den USA als Blu-ray erschienen war, ist der Director’s Cut nun endlich in Deutschland auf den Markt gekommen.

Ob das wirklich der richtige Tanzpartner ist?

Damit jeder Zuschauer von Anfang an weiß, wohin die Reise geht – ins Land des Trashs –, laufen im Prolog ein paar wie ultrahässliche Babys aussehende Alien-Gnome durch ihr im Weltall kreuzendes Raumschiff. Einer der Gnome befördert einen länglichen Behälter nach draußen, der offenbar das Resultat eines gefährlichen Experiments enthält. Der Behälter landet im Jahr 1959 in einer US-Provinzstadt. Dort treibt sich gerade ein aus der Anstalt entflohener geisteskranker Massenmörder mit einer Axt herum. Ein verliebtes Pärchen hat beim Schmusen den Behälter aus dem All niedergehen sehen. Während er als ganzer Kerl im Wald danach sucht, nähert sich der Holden der Killer mit der Axt. Schnitt ins Jahr 1986, wo die beiden Außenseiter Chris (Jason Lively) und J.C. (Steve Marshall) nach Anschluss suchen. Um in eine angesagte Verbindung aufgenommen zu werden, wollen die beiden Teenager einen Leichnam aus dem Leichenschauhaus entfernen. In einem Labor entdecken sie einen tiefgekühlten Toten …

Das zu Beginn der Haupthandlung eher gemächliche Erzähltempo nimmt im weiteren Verlauf Fahrt auf und mündet in ein ebenso exzessives wie blutiges Finale. Die Besetzung ist dem Genre angemessen bescheiden. Stets ein Quell der Freude ist der unverwüstliche Tom Atkins, den wir seit „The Fog – Nebel des Grauens“ (1980) immer wieder gern in Genreproduktionen sehen, etwa 1988 in „Maniac Cop“ und 2009 im Remake von „My Bloody Valentine“.

Cameron mag die Creeps nicht

Regisseur und Drehbuchautor Fred Dekker war auf dem Regiestuhl keine lange Karriere beschieden: Nach seinem Debüt „Die Nacht der Creeps“ inszenierte er 1987 „Monster Busters“ („The Monster Squad“), in dem er die berühmten Universal-Schauergestalten Graf Dracula, Frankensteins Monster, Wolfman und die Mumie einer Frischzellenkur unterzog. Der auch eher trashige Streifen genießt in Fankreisen ebenfalls einen guten Ruf als Spaßgranate. Nach einer 1990er-Arbeit für die TV-Serie „Geschichten aus der Gruft“ war mit „RoboCop 3“ 1993 Dekkers Regielaufbahn beendet.

Die Blu-ray enthält sowohl Kinofassung (1:28:11) als auch Director’s Cut (1:29:52). Nicht von der FSK-16-Freigabe abschrecken lassen – der Film erstrahlt mit etlichen platzenden Köpfen und feiner HD-Umsetzung in seiner ganzen Splatterpracht. Zeit fürs erste Bier also.

Veröffentlichung: 7. Juni 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: ca. 90 Min. (Blu-ray), ca. 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Night of the Creeps
USA 1986
Regie: Fred Dekker
Drehbuch: Fred Dekker
Besetzung: Jason Lively, Steve Marshall, Jill Whitlow, Tom Atkins
Zusatzmaterial: Making-of, Featurette Tom Atkins, Audiokommentar mit Regisseur Fred Dekker (Englisch ohne Untertitel), Audiokommentar mit Schauspielern Jason Lively, Steve Marshall, Jill Whitlow, Tom Atkins (Englisch ohne Untertitel), Deleted Scenes, Original Kinoende Trailer (Deutsch, Englisch), Trivia-Untertitel, Wendecover mit alternativem Motiv ohne FSK-Logo
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshot: © 2013 Winkler Film

 

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