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Early Man – Steinzeit bereit: Am Anfang war der Fußball

Early Man

Von Lutz R. Bierend

Puppentrick-Steinzeit-Abenteuer // In Zeiten, in denen sich Disney schon lange vom Zeichentrick zugunsten computergestützter Animation verabschiedet hat, halten Nick Park und Peter Lord mit ihrer Firma Aardman immer noch an ihren Plastilin-Animationen fest. Zwar haben sie unter Beibehaltung der Knetfigurenoptik mit „Flutsch und weg“ (2006) auch einen überzeugenden Versuch im CGI-Bereich abgeliefert, aber Nick Park bleibt oldschool, und jetzt kommt sein pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 fertiggestellter Film „Early Man – Steinzeit bereit“ auch für die Heimkinos auf den Markt.

Raquel Welch hatte recht

Die Geschichte muss neu geschrieben werden. Wie schon im Raquel-Welch-Vehikel „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ (1966) teilten sich unsere vorgeschichtlichen Ahnen bereits mit den Dinosauriern diese Welt. Und der Meteor, der die Dinosaurier von der Erde fegte, brachte den Menschen ihr größtes Heiligtum: den Fußball. Da der Meteoritensplitter zu heiß zum Anfassen war, mussten die primitiven Urmenschen den Fels mit den Füßen kicken – im Nullkommanix war das Fußballspiel erfunden.

Ein duftes Team: Steinzeitmensch mit Steinfreund

Diese Kulturerrungenschaft ist sogar in Höhlenmalereien verewigt. Einige Epochen später weiß jedoch niemand mehr, was diese Bilder bedeuten. Der Steinzeitstamm von Dug (Originalsprecher: Eddie Redmayne, deutsche Stimme: Friedrich Mücke) interpretiert die Bilder der Vorväter so, dass sie nur kleine Tiere wie Hasen und Kaninchen jagen sollen, um sich über Wasser zu halten, was schon schwer genug wäre, selbst wenn das Kaninchen nicht cleverer wäre als der ganze Steinzeitstamm. Als Dug seinem Stammesältesten Bobnar (Timothy Spall / Uli Krohm) vorschlägt, lieber mal etwas Großes wie ein Mammut zu jagen, wird er als Träumer abgetan, denn das habe man schließlich noch nie getan.

Der Nachrichtenvogel hat offensichtlich Spaß an seinem Job

Doch dann bricht die Bronzezeit an. Lord Nooth (Tom Hiddleston / Kaya Yanar) erobert mit seinen zivilisierten Männern und Kampfmammuts das Tal und vertreibt die Bewohner in die kargen Badlands. In ihrem Tal gibt es Erze und bei deren Abbau stören die primitiven Höhlenmenschen nur. Stolz verkündet Lord Nooth, die Steinzeit sei beendet, die Bronzezeit habe begonnen. Doch Dug will sich damit nicht abfinden. Bei seinem Versuch der Gegenwehr verliert er allerdings das Bewusstsein und landet in der Zivilisation der Bronzezeit – ausgerechnet in einer Fußball-Arena, was ihn veranlasst, Lord Nooth herauszufordern: Dugs Steinzeitmannschaft tritt gegen das Eliteteam der Bronzezeit an. Wenn sie gewinnen, bekommen sie ihr Tal zurück, wenn nicht, arbeiten sie bis ans Lebensende für Lord Nooth in den Minen.

Da ist die Welt noch in Ordnung

Zum Glück kann Dug die fußballbegeisterte Goona (Maisie Williams / Palina Rojinski) für seine Idee begeistern. Obwohl sie in der Bronzestadt lebt, ist ihr Traum, einmal in der Arena das entscheidende Tor zu schießen, unerreichbar fern. Denn Fußball ist ein Männersport, Frauen sind auf dem Platz verboten. So modern ist das Bronzezeitalter dann halt doch nicht. Da kommt ihr Dug gerade recht. Jetzt muss Goona nur noch aus dem primitiven Stamm eine Mannschaft formen.

Selbst ist die Frau, die Torjägerin werden will

So brillant komisch und verwegen absurd die Kurzfilme von Nick Park sind, seine Langfilme „Chicken Run – Hennen rennen“ (2000) und „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ (2005) konnten mich nie überzeugen. Es erfordert einfach eine andere Dramturgie als bei einem 20-Minuten-Film, eine Geschichte und ihre Figuren über anderthalb Stunden interessant zu halten. Für mich wirkte es ein wenig, als seine seine Knetfiguren und all die großartigen Gags, welche die Wallace-und-Gromit-Kurzfilme auszeichnen, und die originellen Ideen wie bei der aus einem Oscar-gekrönten Kurzfilm hervorgegangenen Serie „Creature Comforts“ (2003–2006) nicht für einen abendfüllenden Spielfilm gemacht. Zum Glück ist diese Kritik bei „Early Man“ komplett unangebracht, denn der Film weiß von der ersten bis zur letzten Minute zu überzeugen. Die Charaktere werden über die gesamte Dauer von 89 Minuten nicht langweilig, und Park feuert ausreichend Gags und optische Gimmicks ab, um einen schönen Film für die ganze Familie zu servieren. Und dafür muss man nicht einmal Fußballfan sein.

Vom vierfachen Oscar-Preisträger Nick Park

Klar werden die Kleinen nicht jedes Ray-Harryhausen-Zitat verstehen, aber es zeichnet einen guten Familienfilm schließlich aus, dass jede Altersgruppe ihre eigenen Lacher hat. Park erschafft eine Gruppe an liebenswerten Figuren, die mit dem Hauskeiler Hognob, der zum Schluss auch als Torwart einspringen darf, und dem cleveren Hasen deutlich machen, weswegen Nick Park bereits vier Oscars verdient hat – drei davon für Kurzfilme, den vierten 2006 für „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“.

Dribbel-Training auf dem Vulkan

Parks Plastilinfiguren haben liebenswerten Charakter, der süchtig nach mehr macht und wenn man noch Fingerabdrücke auf der einen oder anderen Nase erkennt, dann ist das keine Schludrigkeit, sondern ein überzeugtes Statement, dass der Kampf von Altertum gegen Moderne, der sich auch im Fußballspiel des Films widerspiegelt, auch in der Machart ausgefochten wird. Wenn man im Making-of zu sehen bekommt, wie 1.000 Fußballfans ins Stadion strömen, um die klassischen Stadionschlachtrufe moderner Fußballfans Bronzezeit-gerecht aufzunehmen, kann man den Stolz der Macher und ihrer Helfer verstehen, denn sie haben eine entzückende Geschichte mit Liebe zum Detail umgesetzt. So etwas kann man sich ruhig öfter ansehen.

Das vielseitige Hausschwein: Wachhund, Torwart und sogar Masseur

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tom Hiddleston und Eddie Redmayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Unsere Vorfahren haben auch nur diese kleinen runden Dinger gejagt

Veröffentlichung: 20. September 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Early Man
USA/GB/F 2018
Regie: Nick Park
Drehbuch: Mark Burton, James Higginson
Originalsprecher: Eddie Redmayne, Tom Hiddleston, Maisie Williams, Timothy Spall, Miriam Margolyes, Rob Brydon, Kayvan Novak, Richard Ayoade, Johnny Vegas, Mark Williams, Gina Yashere
Deutsche Sprecher: Friedrich Mücke, Uli Krohm, Kaya Yanar, Palina Rojinski
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Nick Park, Making-of, Featurette Stadionatmosphäre, Wendecover
Label/Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Szenenbilder, Packshot & Trailer: © 2018 Studiocanal Home Entertainment

 

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Thor – Tag der Entscheidung: Jetzt wird es albern

Thor – Ragnarok

Kinostart: 31. Oktober 2017

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Thor war immer ein wenig das Problemkind bei Marvel. Während alle anderen Helden mindestens einen Film im Kino-Universum haben, den die Mehrheit mindestens gut findet, ist man sich bei den beiden Solo-Abenteuern des Donnergottes uneins. Der erste Film erzählt zwar eine schöne Geschichte über Verantwortung und das Lernen von Reue, nimmt sich dafür aber enorm viel Zeit. „The Dark Kingdom“ hingegen wollte ein düsterer Science-Fiction-Film sein, sodass die Slapstick-Einlagen deplatziert wirkten und ein enorm unrunder Film entstand. Dieses Problem hat „Thor – Tag der Entscheidung“ nicht. Mit Taika Waitit („5 Zimmer, Küche, Sarg“) nimmt ein Komödienspezialist auf dem Regiestuhl Platz – und der verbannt gleich mal allen möglichen Pathos.

Thor trifft auf den Hulk

Thor (Chris Hemsworth) kehrt nach Hause zurück. In Asgard trifft er auf seinen tot geglaubten Bruder Loki (Tom Hiddleston), mit dem er sich auf die Suche nach seinem Vater Odin (Anthony Hopkins) macht. Kaum haben sie ihn gefunden, erscheint das nächste Problem: Hela (Cate Blanchett), Göttin des Todes, will den Platz als Herrscherin von Asgard einnehmen. Beim Kampf mit ihr wird Thor aus dem Bifröst geschleudert und landet auf dem Planeten Sakaar. Dort herrscht der Grandmaster (Jeff Goldblum), der seine Untertanen mit einer Gladiatorenarena bei Laune hält. Thor muss dort direkt gegen den Champion antreten – zufällig sein alter Freund: der Hulk (Mark Ruffalo). Zusammen schmieden sie einen Plan, um von Sakaar zu fliehen und Hela zu besiegen.

Schräger Despot: der Grandmaster

Bereits die Intro-Sequenz macht klar, in welche Richtung der Film geht. Thors Kampf gegen das Lava-Monster Surtur (Stimme: Clancy Brown) ist schön anzusehen und jagt von einem Gag zum nächsten. Ob Thor seine flapsigen Sprüche zum falschen Zeitpunkt bringt oder einen fiesen Drachen besonders kreativ aufhält – hier bleibt kein Auge trocken. Dies zieht sich durch den ganzen Film, die Witze sind zwar selten besonders kreativ oder subversiv, aber der Großteil der Pointen sitzt.

Keine Zeit für Emotionen

So einen starken Fokus auf Albernheiten gab es bei Marvel noch nie – und das will was heißen. So bleiben auch eigentlich emotionale Szenen eher Mangelware, eine gemeinsame Szene der dauernd streitenden Brüder mit Odin oder Thors Entscheidung im Finale hätten ruhig mehr berühren können. Doch der Film will lieber schnell zum nächsten Gag kommen, da ist keine Zeit für schwere Gemüter. Auch fallen die Effekte etwas negativ auf. Waititi bemüht sehr überstilisierte Bilder. In Zeitlupe sieht Helas Kostüm zum Beispiel noch schick aus, wenn sie aber in Echtzeit in Action ist, wirkt das doch alles enorm künstlich.

Thor muss in der Arena …

Die Schauspieler hingegen sind sichtlich mit Spaß bei der Sache. Hemsworth hat Spaß daran, seinen Thor nicht mehr ernst geben zu müssen, sondern seinen spitzbübischen Charme stärker ausspielen zu können. Und doch scheint immer wieder durch, dass er bei all den Abenteuern, die er inzwischen durchleben musste, dazugelernt hat. Cate Blanchett ist als Antagonistin hervorragend, genauso wie Tom Hiddleston, der seine Rolle als Täuscher inzwischen perfekt beherrscht. Hervorheben muss man auch Jeff Goldblum. Sein Grandmaster ist zwar ein Bösewicht, behält aber immer die Balance zwischen Größenwahn und einem charismatischen, schlagfertigen Anführer.

Gefundenes Fressen für Kritiker

All jenen, die Marvel fehlende Tiefe und zu viele Albernheiten vorwerfen, spielt dieser Film komplett in die Karten. Er ist weder tiefgründig noch sonderlich spannend in seiner Geschichte. Aber er macht einfach extrem viel gute Laune, ein großer Teil der Gags zündet wie geplant und darauf konzentriert sich der Film auch. Dazu kommen noch diverse Querverweise auf ältere Filme des MCUs, die allen Fans mehr als nur ein Grinsen ins Gesicht treiben werden. So ist „Thor – Tag der Entscheidung“ der bislang beste Einzelfilm über den hammerschwingenden Helden.

… gegen den Hulk antreten

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Cate Blanchett sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Benedict Cumberbatch, Jeff Goldblum, Chris Hemsworth, Anthony Hopkins und Tom Hiddleston unter Schauspieler.

Auch Loki mischt wieder mit

Länge: 130 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Thor – Ragnarok
USA 2017
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: Eric Peasron, Craig Kyle, Christopher Yost
Besetzung: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett, Idris Elba, Jeff Goldblum, Tessa Thompson, Karl Urban, Mark Ruffalo, Anthony Hopkins, Benedict Cumberbatch, Taika Waititi, Rachel House, Clancy Brown
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Marvel Studios

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2017/10/28 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Kong – Skull Island: Gib dem Affen Zucker

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Kong – Skull Island

Kinostart: 9. März 2017

Von Matthias Holm

Action-Abenteuer // Schon wieder ein King-Kong-Film? Der letzte ist doch erst – oh, doch bereits zwölf Jahre her. Dennoch mag man auf den ersten Blick nicht erahnen, weshalb der König der Affen nun wieder aus der Versenkung geholt wird. Doch bald schon mehrten sich die Meldungen, nach denen man Kong gegen den Godzilla aus dem jüngsten US-Reboot der Riesenechse antreten lassen will – Franchising lautet das Stichwort. Einen Solo-Film über den radioaktiven Fluch der japanischen Großstädte gibt es also schon, nun will man Kong einen würdigen Einstand geben. Wir haben für diese Rezension übrigens auf die Einbindung eines Trailers verzichtet, weil darin mal wieder viel zu viel gezeigt wird. Also spart euch die Trailer und bewahrt euch einige Überraschungen für den Kinobesuch auf!

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Packard und seine Crew helfen beim Anflug

1973 organisiert der Wissenschaftler Bill Randa (John Goodman) eine Expedition zu einer Insel im Südpazifik. Sie birgt ihm zufolge einige bedeutsame Geheimnisse, ist bislang unentdeckt und somit unerforscht, da sie von einem permanenten Sturm umfangen wird. Im Team sind unter anderem der Soldat Preston Packard (Samuel L. Jackson) mitsamt seines Helikopter-Bataillons, die gerade aus Vietnam nach Hause wollten, der britische Ex-Soldat James Conrad (Tom Hiddleston) als Fährtensucher und die Fotografin Mason Weaver (Brie Larson). Doch bereits bei ihrer Ankunft wird die Forschertruppe von einem gigantischen Affen aufgerieben. Verstreut auf verschiedene Teile der Insel versuchen die Überlebenden, innerhalb von drei Tagen zum vereinbarten Abholpunkt zu gelangen – und dabei die gefährliche Flora und Fauna zu überleben.

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Ab in den Sturm

„Kong – Skull Island“ ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen hat man die Optik. Eines modernen Action-Blockbusters mit fantastischen Elementen gebührend ist der Film sehr hübsch geworden. In den Landschaftsaufnahmen kann man sich verlieren und man schaut den menschlichen Darstellern gern zu, wie sie durch diese Wildnis streunen. Die Computereffekte wirken auf den ersten Blick etwas künstlich und reihen sich qualitativ hinter dem technisch brillantem The Jungle Book ein, aber man gewöhnt sich schnell daran und akzeptiert die Monster als Teil der Filmwelt.

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Maschine gegen Affe – wer da wohl gewinnt?

Und die sind dann auch das große Highlight. Neben Kong gibt es noch einige weitere Wesen, die auf Skull Island hausen. Und jedes für sich ist interessanter als die menschlichen Figuren. So freut man sich, wenn man wieder zu sehen bekommt, wie ein übergroßes Büffelwesen die Protagonisten beobachtet oder sich Kong kurz eine Riesenkrake als Mittags-Snack schnappt. Generell kommt der Affe weitaus grimmiger rüber als in seinen vorherigen Filmauftritten. Das wird gleich zu Beginn deutlich, wenn Kong den Helikopterschwarm auf ziemlich gnadenlose Weise vom Himmel holt.

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Hier ein Hinweis darauf

Die Liebesgeschichte zur weißen Frau wurde vollends gestrichen. Es gibt leichte Andeutungen, dass Kong etwas für die Figur von Brie Larson übrig hat, mehr als ein Augenzwinkern ist dies aber nicht. Dafür darf Kong ordentlich hinlangen. Ob das jetzt die Menschen sind, die mit Getöse in sein Territorium eindringen, oder anderes Getier, das ihn stört – wo der Affe hinschlägt, wächst so bald kein Gras mehr. Das resultiert in einem ziemlich hohen Gewaltgrad. Wenn Menschen sterben, geht das zwar viel zu schnell, als dass es blutig sein könnte, aber wenn einem Spinnenwesen die Beine abgehackt und der Bauch aufgeschlitzt werden, fließt einiges an Schleim. Daraus resultiert ein diebischer Spaß, wenn es mal wieder zu einer Konfrontation zwischen den Monstern kommt, denn dann weiß der Zuschauer, dass die Fetzen fliegen werden.

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Vom Himmel geholt

Aber so schön das alles ist – „Kong – Skull Island“ ist kein guter Film. Dass die Geschichte nicht über ein „Die Helden müssen von A nach B“ hinauskommt, ist bei einem Film dieses Kalibers zu verschmerzen. Aber „Kong“ zeigt dabei Ansätze für tiefer gehende Themen, wie zum Beispiel in der Figur von Samuel L. Jackson. Sein Packard ist erbost darüber, dass sich die USA aus Vietnam zurückziehen, und scheint nur noch von der Sucht nach Konflikten getrieben zu sein. Hier hätte man vor allem mit den anderen Figuren schöne Dialoge schreiben können, doch da dem Drehbuch eingefallen ist, die Gruppe zu trennen, geht einiges an Zündstoff verloren.

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Wasserbüffel hatten wir kleiner in Erinnerung

Auch fällt es dem Zuschauer schwer, richtig mitzufiebern. Ständig wird zwischen den Gruppen hin und her gewechselt, ohne dass man mehr von den Figuren erfahren hätte – sie sind nur da, damit erklärt wird, wie Skull Island funktioniert. Dieser Umstand ist umso ärgerlicher, als man mit Jackson, Tom Hiddleston, Oscar-Preisträgerin Brie Larson und John Goodman schauspielerische Schwergewichte verpflichtet hat. Die haben leider nicht mehr zu tun als mit einem Gesichtsausdruck durch die Gegend zu rennen.

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James Conrad und sein Trupp geraten in Bedrängnis

Platte Figuren sind zwar immer ärgerlich, aber im Blockbuster-Kino nichts Neues. Was hingegen den Film beinahe alle Sympathien kostet, ist die Inkohärenz seiner Szenen. Wenn in der bereits beschriebenen Sequenz, in der die Hubschrauber auf Kong treffen, gerade im Hintergrund die Sonne untergeht, macht das natürlich ein tolles Bild. Wenn dann allerdings in den Innenansichten der Helikopter wild zwischen hellstem Tageslicht und Abenddämmerung gewechselt wird, ergibt das wenig Sinn. Und so ein Lapsus passiert nicht nur einmal. So verschwinden blutende Wunden wie von Zauberhand oder auf einmal tauchen abgestürzte Helikopter auf, die an dem jeweiligen Platz gar nicht sein können.

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Sieht wütend aus

Außerdem muss Kong der schnellste Affe der Welt sein – oder Skull Island ist kleiner, als man glaubt. Denn jede Gruppe, die man verfolgt, bekommt den Herren der Insel mehrfach zu sehen und das bereits am ersten Tag. Generell ist der Unterschied zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit immens. Werden für die Vorbereitung und den ersten Tag auf Skull Island mehr als drei Viertel des Films verwendet, ist der restliche Teil samt des Finales nur noch Beiwerk, das schnell abgehandelt werden muss. So wirken viele Szenen, als ob sie separat gedreht wurden und man im Schnittraum nicht aufgepasst hat, ob nun auch wirklich alles genau zusammenpasst. Regisseur Jordan Vogt-Roberts schien nur Augen dafür gehabt zu haben, was nun toll aussieht – fast alle Einstellungen aus dem Film könnte man als Bildschirmhintergründe nehmen.

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Manche Grabstätten sind etwas größer geraten

Doch warum verzeiht man „Kong – Skull Island“ seine Makel so gern? Weil man sehen will, wie ein Riesenaffe den Kopf eines Monsters an eine Felswand klatscht, das ist der Grund! Und in der inzwischen obligatorischen Abspannszene wird nicht nur das Aufeinandertreffen mit Godzilla angekündigt – an dieser Stelle soll aber nicht mehr verraten werden. „Kong – Skull Island“ ist aufgrund seiner verpassten Chancen und massigen Filmfehler ärgerlich. Und doch freut man sich auf ein Wiedersehen mit diesem großen, haarigen Monster.

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Die Friedhofsruhe wird empfindlich gestört

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brie Larson sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit John Goodman, Tom Hiddleston und/oder Samuel L. Jackson unter Schauspieler.

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Kong – Skull Island
USA 2017
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Drehbuch: Dan Gilroy, Max Borenstein, Derek Connolly
Besetzung: Tom Hiddleston, Brie Larson, Samuel L. Jackson, John Goodman, John C. Reilly, Corey Hawkins, John Ortiz, Shea Whigham, Thomas Mann, Tian Jing
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2017 by Matthias Holm
Filmplakat & Fotos: © 2016 Warner Bros. Entertainment Inc.

 

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