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Ad Astra – Zu den Sternen: Im postfaktischen Weltraum hört dich keiner schreien

Ad Astra

Kinostart: 19. September 2019

Von Florian Schneider

Weltraum-Abenteuer // Nachdem der Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) die Havarie einer orbitalen Weltraumantenne auf Grund einer mächtigen Energiewelle durch Geistesgegenwart und Nervenstärke – sein Pulsschlag erhöhte sich trotz Lebensgefahr nur unwesentlich – überlebte, wird er von seinen Vorgesetzten für eine heikle Mission ausgewählt. Es besteht der Verdacht, dass McBrides Vater Clifford (Tommy Lee Jones), der vor 20 Jahre zu einer Weltraummission aufbrach und seit einigen Jahren spurlos verschwunden ist, nicht nur noch am Leben ist, sondern vom Planeten Neptun aus der Auslöser des Energieschlags gegen die Erde war. Roy soll sich daher mit Zwischenstopp auf dem Mond bis zum Mars begeben und dort versuchen, per Funk mit seinem Vater Kontakt aufzunehmen. Auf seiner Reise wird Roy begleitet von Colonel Pruitt (Donald Sutherland), einem alten Freund seines Vaters. Dieser erzählt ihm von einem dunklen Geheimnis, das die Mission umgibt.

Der psychologische Schnellcheck gehört für Astronaut Roy McBride zur Alltagsroutine

Die Filme von Regisseur James Gray („Die versunkene Stadt Z“, 2016) sind oftmals kleine, aber unreine Diamanten. Zu nennen sind hier hauptsächlich „Little Odessa“ (1994) und „The Yards – Im Hinterhof der Macht“ (2000). Bereits bei diesen Frühwerken konnte Gray mit ordentlich Starpower aufwarten; und die Stars lieferten auch beachtliche Leistungen ab. Doch vor allem bei Zweitgenanntem verhinderte eine unterdurchschnittliche Geschichte den ganz großen Erfolg. Die Konzentration auf den Rhythmus des Filmes, auf das Zwischenmenschliche, auf die Figuren und auf das Milieu können die Drehbuchschwächen nicht völlig ausgleichen. Dennoch funktionieren die Filme hauptsächlich durch ihre klare Positionierung als dialogstarke Dramen, die Actionmomente eher spärlich aufweisen.

Ein „Space Cowboy“ (l.) will’s noch einmal wissen

Auch „Ad Astra – Zu den Sternen“ erzählt im Kern eine Vater-Sohn-Geschichte, ist mehr Beziehungsdrama als Science-Fiction-Abenteuer. Dieser Kern ist außerordentlich gelungen: Brad Pitt liefert eine grandiose Leistung als zurückgewiesener Sohn, der sich letztlich nur nach väterlicher Liebe sehnt und lernen muss, loszulassen und sich abzunabeln. Erzählt wird dieser innere Prozess in einem größtenteils meditativen Rhythmus als analoge Reise durch die Weiten des Weltalls. Wer sich nun an Joseph Conrads Erzählung „Herz der Finsternis“ und damit an Francis Ford Coppolas wahnwitziges Kriegsdrama „Apocalypse Now“ (1979) erinnert fühlt, tut gut daran. Doch wo Coppola gleichsam dem Wahnsinn Vietnams ein brutales Denkmal schafft, bleiben die Actionszenen in „Ad Astra – Zu den Sternen“ lediglich visuelle Schauwerte ohne Bindung zur Geschichte und ohne jegliche innere und äußere Logik. Und auch die schlussendliche Konfrontation zwischen Vater und Sohn vermag nicht zu überzeugen, kulminiert in küchenpsychologischem Niedrigwasser, als Roy metaphorisch die Nabelschnur zu seinem Vater (sic!) kappt.

„Wohin wird mich die Suche nach meinem Vater führen …“

Alfonso Cuarón mit „Gravity“ (2013) und Christopher Nolan mit „Interstellar“ (2014), haben vorgemacht, wie man das Weltraum-Setting durchdachter einsetzt. Auch Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (2015) hat mehr drauf.

„… und warum hat er mich verlassen?“

Mag das postmoderne Kino in seiner Fortschreibung der vergangenen 30 Jahre inzwischen im postfaktischen Zeitalter angekommen sein, so erweisen sich die inhaltlosen Zitationen kinetischer und cineastischer Sternstunden (etwa ein völlig sinnloses „Mad Max“-Verfolgungsrennen auf dem Mond) gepaart mit einer Prise „Space Cowboys“ (wäre James Garner noch Leben, hätte er sicherlich auch eine Rolle bekommen) sowie zahllosen Logiklöcher als das eigene Todesurteil. Aus dem Nichts kommender Menschenaffen-Horror sei noch erwähnt, so schnell vorbei, wie er begonnen hat, und ohne jeden Bezug zu irgendwas. Schade, denn mit seinem Retroschick und einer originellen Neuinterpretation von Conrads/Coppolas Verortung und Auslotung des modernen Subjekts hätte Gray ein großer Wurf gelingen können. Hätte, hätte, Fahrradkette …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Gray sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Tommy Lee Jones, Brad Pitt und Donald Sutherland unter Schauspieler.

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ad Astra
BRA/USA/CHN 2019
Regie: James Gray
Drehbuch: James Gray, Ethan Gross
Besetzung: Brad Pitt, Liv Tyler, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Ruth Negga, Anne McDaniels, John Ortiz, Loren Dean, Kimberly Elise, Greg Bryk, Halszka Kuza, Kimmy Shields, John Finn, LisaGay Hamilton
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Florian Schneider

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Twentieth Century Fox

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/09/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Shock and Awe – Krieg der Lügen: Saddam Hussein und seine Atomwaffen

Shock and Awe

Von Volker Schönenberger

Politthriller // Der Ausdruck „Shock and Awe“ (dt. etwa: Schrecken und Einschüchterung) bezeichnet eine Taktik der militärischen Kriegsführung, bei welcher die Angriffsmacht den Gegner zu Beginn mit massiver Feuerkraft überzieht. Ziel ist zum einen die Ausschaltung von Verteidigungsmaßnahmen, mehr noch zum anderen aber die Verunsicherung des Gegners bis hin zur Lähmung, um bei folgenden Angriffen – etwa durch Bodentruppen – die Verluste zu reduzieren. Auch die Demoralisierung der Zivilbevölkerung kann das ausgelobte Ziel sein, man denke an den Bombenkrieg der Deutschen gegen England und in der Folge der Alliierten gegen das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg, wobei das trotz hoher Opferzahlen in beiden Fällen nicht klappte.

Die Investigativjournalisten Strobel (l.) und Landay erhalten …

In der Folge der Terroranschläge des 11. September 2001 unterstellen US-Präsident George W. Bush und seine Regierung dem irakischen Diktator Saddam Hussein eine Verbindung mit dem Terrornetzwerk al-Qaida des Osama bin Laden. Dies und Saddams angebliche Massenvernichtungswaffen dient als Vorwand, den Irak zum Feind zu erklären. Stehen Saddam gar Atomwaffen zur Verfügung? Mit Bombardierungen des Regierungsviertels von Bagdad und weiterer vermuteter Aufenthaltsorte des Diktators durch US-Streitkräfte und Verbündete beginnt in der Nacht zum 20. März 2003 der Irakkrieg. Die US-Öffentlichkeit und -Massenmedien sehen keinen Anlass, an den Behauptungen der Bush-Administration zu zweifeln. Den beiden dem etliche Tageszeitungen zuliefernden „Knight Ridder“-Konsortium zugehörigen Reportern Jonathan Landay (Woody Harrelson) und Warren Strobel (James Marsden) allerdings stoßen bei ihren Recherchen auf ein Geflecht aus Lügen und Irreführungen. Ihre auf Anonymität bestehenden Quellen in Regierungskreisen und beim Geheimdienst führen an, im Irak gebe es keinerlei Hinweise auf Massenvernichtungswaffen.

Saddam und bin Laden – wer’s glaubt …

Die meisten Kriegsgründe der Regierung ergaben überhaupt keinen Sinn, insbesondere die Behauptung, Saddam Hussein sei mit Osama bin Laden begründet. Vor allem dabei läuteten bei uns alle Glocken – ein säkularer arabischer Diktator konspiriert mit einem radikalen Islamisten, der die Absicht verfolgt, säkulare Diktatoren zu stürzen, um ein Kalifat zu errichten? Je mehr wir das untersuchten, desto mehr stank es zum Himmel. (zitiert nach: Iraq war 10th anniversary: A dark mark for news media) So John Walcott, damaliger Bürochef von Knight Ridder in Washington. Für die Rolle war Alec Baldwin vorgesehen, der jedoch kurz vor Drehbeginn ausstieg, weshalb Regisseur Rob Reiner („LBJ“) persönlich einsprang. In weiteren Rollen sind „Resident Evil“-Star Milla Jovovich als Jonathan Landays Ehefrau Vlatka und Jessica Biel („Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“) als Warren Strobels Freundin Lisa Mayr zu sehen. Tommy Lee Jones spielt Joseph L. Galloway, einen Kriegsberichterstatter, der schon während des Vietnamkriegs aktiv war und den Walcott als Berater gewinnt. Galloway wurde in dem auf seinem Buch beruhenden „Wir waren Helden“ (2002) mit Mel Gibson von Barry Pepper verkörpert.

… Rückendeckung von ihrem Chef Walcott

Große Namen, eine packende Story aus dem wahren Leben – was ist dabei herausgekommen? Ein fesselnder, allerdings etwas generischer Politthriller. Alan J. Pakulas „Die Unbestechlichen“ („All the President’s Men“, 1976) mit Dustin Hoffman und Robert Redford bleibt unerreichte Referenz in diesem Filmsegment um eine Verschwörung aufdeckende Journalisten, „Shock and Awe“-Regisseur Rob Reiner und -Drehbuchautor Joey Hartstone dürften das Vorbild geschaut haben.

Ehefrau Vlatka gibt Landay ein paar Denkanstöße

Die echten John Walcott, Jonathan Landay und Warren Strobel wirkten als Berater an der Produktion mit. An der Schauspielkunst gibt es nichts auszusetzen. Leider mangelt es „Shock and Awe – Krieg der Lügen“ etwas an einer sogartigen Wirkung, die uns in die Story hineinzieht und mitfiebern lässt. Die Leistung akribisch recherchierender und einen Riesenskandal aufdeckender Journalisten zu würdigen, war offenbar eine der Absichten der Macher. Das kann als gelungen bezeichnet werden, ist seinerzeit aber auch Alan J. Pakula gelungen – und das mit Bravour.

Souverän: James Marsden und Woody Harrelson

So überzeugend speziell James Marsdens Auftritt als Investigativjournalist gerät – auf Woody Harrelson ist ohnehin stets Verlass –, so fehl am Platz wirkt Strobels aufkeimende Romanze mit der von Jessica Biel verkörperten Nachbarin. Sie bringt die Story zu keinem Zeitpunkt voran. Den Widerspruch zwischen den Recherche-Ergebnissen von Landay und Strobel und der einhelligen, der Bush-Regierung folgenden Berichterstattung nahezu aller anderen großen Polit-Medien hätte Rob Reiner ruhig noch etwas dramatischer inszenieren können. So bleibt „Shock and Awe – Krieg der Lügen“ eine sorgfältig inszenierte und authentisch wirkende Dokumentierung wackeren Reportertums, aber leider weniger im Gedächtnis hängen, als es diese wichtige Story verdient hätte. Die Titelschöpfung „Shock and Awe“ wirkt dabei etwas willkürlich.

Strobel findet Ungeheuerliches heraus

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jessica Biel und Milla Jovovich sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Woody Harrelson und James Marsden unter Schauspieler.

Walcott (l.) heuert den Vietnamveteranen Joe Galloway an

Veröffentlichung: 23. Oktober 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Shock and Awe
USA 2017
Regie: Rob Reiner
Drehbuch: Joey Hartstone
Besetzung: Woody Harrelson, James Marsden, Tommy Lee Jones, Rob Reiner, Jessica Biel, Milla Jovovich, Richard Schiff, Luke Tennie, Terence Rosemore, Margo Moorer, Michael Harding
Zusatzmaterial: Hinter den Kulissen (12:06, OmdU), Trailer
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2018 EuroVideo Medien GmbH

 
 

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Gewinnspiel: 2 x Volcano als Mediabook

Verlosung

1997 stemmten sich Tommy Lee Jones und Anne Heche in „Volcano“ durch Los Angeles strömenden Lavamassen entgegen. FilmConfect Home Entertainment hat uns von Mick Jacksons („Bodyguard“) Katastrophen-Actioner zwei Blu-rays im Mediabook zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen oder Gewinner!

Teilnahmebedingungen

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 2. Dezember 2018, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf das Mediabook. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Eins noch: Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 2,60 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Gewonnen haben

– Till Bamberg,
– Philipp Mourner.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Volcano“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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