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Sturmgewehr – Auch die Schweizer mögen Snuff

Sturmgewehr

Von Marco Kraus

Horror // Der August 2019 stand im Hause Kraus alias Grindhouse fast schon unter dem Motto „Schweizer Wochen“. Dies lag aber nicht daran, dass ich mich den kulinarischen Freuden der Schweiz gewidmet hätte, (was aber sicherlich auch seine Reize gehabt hätte und definitiv auf meiner To-Do-Liste steht), sondern daran, das ich nach der Sichtung von „Nutshot“ direkt den nächsten Schweizer Film als Screener für eine Rezension zur Verfügung gestellt bekam. Die Rede ist von „Sturmgewehr“, dem neuesten, 60-minütigen Streich des kontroversen Schweizer Filmemachers Juval Marlon, Anhängern des Undergrounds bestens bekannt durch seine Kurzfilme „Torture Fetish“ (2015) und „Strychnin“ (2017) sowie „Torture Fetish 2“ (2018) aus dem Jahr 2018.

Harte Gangart ist programmiert

Wer die bisherigen Werke Marlons kennt, weiß sofort, auf was er sich einlässt. Hier werden keine Gefangenen gemacht, sondern es steht die harte Gangart an der Tagesordnung. So war es bei den beiden „Torture Fetish“-Filmen und bei „Strychnin“, warum also sollte „Sturmgewehr“ eine Ausnahme darstellen? Auch wenn Ausnahmen gelegentlich die Regel bestätigen, so ist das hier nicht der Fall. Wer nach seichter Unterhaltung sucht, den muss ich enttäuschen, die findet man hier garantiert nicht.

Dora-Flair in der Eröffnungssequenz

Beginnen wir mit der Eröffnungssequenz: Düstere Musik, Bilder von Tierskeletten am Strand verleihen ihr ein gewisses Flair, das mich tatsächlich ein wenig an die Werke von Marian Dora erinnert hat. Auch gelingt es Marlon, dem Zuschauer mittels schneller Schnitte gekonnt das Unbehagen beziehungsweise die Tendenz zu vermitteln, in welche Richtung es letztlich gehen wird: Wir bekommen Bilder von der Nordsee (ich hoffe, dass sie es gewesen ist) zu sehen, wechseln ohne Vorwarnung zu einer jungen Frau (Maria V.), die gefesselt in einer Badewanne liegt und mit einem Messer bearbeitet wird.

Ein schmieriger Geschäftsmann

Im Anschluss lernen wir gleich drei wichtige Charaktere des Films kennen: Zum einen ist da ein Mann namens Brand (hervorragend dargestellt von Thomas Goersch), der einem zwielichtigen Geschäftsmann gleicht und zwei anderen Männern telefonisch einen Auftrag erteilt. Dass dieser Auftrag nichts Gutes verheißt, sollte an dieser Stelle schon jedem bewusst sein. Die Männer sollen in einem Heim für Behinderte ein Schein-Interview mit einer Praktikantin (Rahina) durchführen und diese dann kidnappen. Hierfür bekommen sie von ihrem Auftraggeber eine nicht unbeträchtliche Summe in Aussicht gestellt.

Weniger ist manchmal mehr

Gesagt, getan. Alles ist perfekt getarnt und vobereitet, und wir werden Zeugen des Interviews, welches – und hier kommen wir zu einem Kritikpunkt – in meinen Augen ein wenig zu sehr in die Länge gezogen ist. Gut, wir bekommen den Charakter der Praktikantin bis ins kleinste Detail vermittelt, unter anderem erfahren wir, dass sie im vierten Monat schwanger ist, aber alles in allem hätte eine kürzere Dauer es auch getan. Egal. im Verlauf des Gesprächs lernen wir Tabea (Tanja) kennen, die zum einen gehörlos ist und zum anderen gelähmt. Tabea reagiert kaum auf ihre Umwelt und kann sich, da ihre Stimmbänder total kaputt sind, akustisch gar nicht mehr bemerkbar machen. Na, wenn das nicht ein gefundenes Opfer ist.

Von Do-It-Yourself-Piercings zum Sturmgewehr

Natürlich kommt es, wie es kommen muss: Während des Interviews wird die Praktikantin betäubt, beide Frauen werden in ein Waldstück verschleppt. Und jetzt stellt sich heraus, welchen Auftrag die beiden Männer verfolgen. Die beiden Damen sollen die Stars in einem Snuff-Movie werden. Von nun an geht es dann auch zur Sache. Da wird eine Zunge herausgeschnitten, eine andere noch im Mund der Besitzerin verweilend an ein Brett genagelt, Beine werden abgetrennt und Nadeln durch Nasen und Lippen gestochen (bitte nicht zu Hause nachmachen, denn ich glaube nicht, dass diese Bilder zum vernünftigen Do-It-Yourself-Piercen reichen). Und endlich zeigt sich auch das titelgebende Sturmgewehr im Einsatz. Wir lernen, dass eine solche Schusswaffe nicht nur zum Schießen oder Schlagen verwendet werden, sondern speziell der Lauf auch anderen Zwecken dienen kann. Wieder einmal sind während der Tortur der beiden Frauen der Grausamkeit keine Grenzen gesezt. Jedoch kommt es während des Drehs zu leichten Spannungen zwischen den beiden Männern mit nicht unerheblichen Folgen fürs Finale.

Hoffentlich ist die Schere steril

„Sturmgewehr“ braucht einige Zeit, bis er in Fahrt kommt und man letzlich merkt, auf welche Reise uns Juval Marlon mitnehmen will. Lange bleiben wir im Unklaren darüber, welche Absichten der geheimnisvolle Auftraggeber verfolgt. Dies ist auf der einen Seite vollkommen in Ordnung, da uns die Charaktere der Opfer in den Interviewszenen sehr intensiv nahegebracht werden, auf der anderen Seite sind viele Dialoge während des Interviews für den weiteren Handlungsverlauf unwichtig, hier wäre eine Straffung auf das Wesentliche sicherlich zu wünschen gewesen.

Durchhalten wird belohnt

Hat man das Interview allerdings erst einmal hinter sich gebracht, wird man als Splatterfan reichlich belohnt. Die Effekte wirken durch die Bank sehr realistisch und selbst ich musste bei einer Szene einmal kurz die Luft anhalten – und, liebe Männer, wenn auch ihr das tut, so kann ich das durchaus nachvollziehen. Die Darsteller machen ihre Sache recht ordentlich, an dieser Stelle sei noch einmal Thomas Goerschs Part besonders hervorgehoben.

Alles in allem ist Juval Marlon mit „Sturmgewehr“ ein trotz einiger Längen solides und unterhaltsames Werk gelungen, auf das man ruhig mal einen Blick riskieren kann. Fans des Underground-Films werden damit ihre Freude haben, wohingegen sich der geneigte Mainstream-Freund wohl eher kopfschüttelnd abwenden wird. Die DVD von „Sturmgewehr“ kann vorerst nur über die Facebook-Seite von Beheading Films geordert werden.

Was man mit einem Sturmgewehr wohl alles anstellen kann?

Veröffentlichung: 7. September 2019 als DVD

Länge: 60 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Sturmgewehr
CH 2019
Regie: Juval Marlon
Drehbuch: Juval Marlon
Besetzung: Thomas Goersch, Navarro, Tanja, Maria V., Rahina
Zusatzmaterial: Kurzfilm „STGW90“, Trailer
Vertrieb: Beheading Films

Copyright 2019 by Marco Kraus
Szenenfotos & Plakat: © 2019 Beheading Films

 
 

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Torture Fetish 2 – Aus den Tiefen des Schweizer Untergrunds hervorgekramt

Torture Fetish 2

Von Volker Schönenberger

Kurzfilm-Horror // Ein diesiger Morgen an irgendeiner Bergstraße. Ein maskierter Typ scheint zu viel Zeit zu haben. Doch schnell wechselt die Szenerie in einen düsteren Raum, in dem eine mit den Händen auf dem Rücken gefesselte, spärlich bekleidete Frau am Boden liegt. Jemand klapst ihr wiederholt auf die blanken, bereits blutigen Pobacken, sie stöhnt vor Schmerz, liegt dort offenbar schon eine Weile.

Morgenstimmung

Zwei Maskierte vertreiben sich die Zeit, sprayen Nazisymbole an Wände, zermatschen einen toten Welpen, ein Gartenstuhl wird zertrümmert, sie streiten. Als einer der beiden ihre Begleiterin mit einem langen Messer attackiert, erschießt ihn der andere. Nun liegt es an der jungen Frau, als Lockvogel einen Passanten zu ködern. Der Bedauernswerte ist schnell gekidnappt und wird nun ein wenig gequält – und ein wenig mehr. Ein nächstes Opfer wird kurzerhand in der Badewanne ertränkt.

Bedauernswert

Keine Erklärung, keine Erlösung. Der Schweizer Underground-Kurzfilmer Juval Marlon gibt uns mit seiner jüngsten Arbeit „Torture Fetish 2“ wenig, an dem wir uns entlanghangeln können. Die Tonspur wirkt wenig bearbeitet, auf musikalische Untermalung verzichtet Marlon völlig, den roten Erzählfaden müssen wir uns selbst suchen. Die Handlung springt vermeintlich unentschlossen von einer Szenerie zur nächsten, doch das scheint System zu haben – nur welches?

Das Zauberwort heißt Snuff

Der Kurztrailer des Vorgängers „Torture Fetish“ von 2015 ist leider zu kurz geraten, um uns wirklich Aufschluss über die Intention hinter dem Folterfetisch zu bringen, aber Halt: In einer erneuten Lockvogel-Szene findet sich darin der Satz „the first ever SNUFF film from Switzerland“. Marlon spielt also mit dem Snuff-Mythos, wonach Menschen Filme drehen, in denen andere Menschen ermordet werden. Nun denn.

Zorn

Die Entführung eines Folteropfers bekommen wir nicht zu sehen, vielleicht erkannte Marlon, dass die Ausarbeitung und der Dreh dieser Szene ihn für einen Kurzfilm an die Grenzen des Machbaren gebracht hätten. Das Gezeigte wirkt natürlich amateurhaft – ist es ja auch, das versucht „Torture Fetish 2“ gar nicht erst zu verbergen. Die Make-up-Effekte – viele wurden nicht benötigt – funktionieren aber, speziell eine Taschenmesser-Tötungsszene wirkt echt und äußerst schmerzhaft. Die – jawohl – Friss-Fäkalien-Sequenz hingegen hinterlässt ein wenig den Eindruck, mit Nutella gedreht worden zu sein.

Das Gegenteil von Mainstream

Was wird aus der gefesselten Frau? Am Ende sehen wir sie zwar noch einmal, aber die mit oben erwähnter Szene geschürte Erwartungshaltung erfüllt Juval Marlon nicht. Wie gemein von ihm! Auf eine sonderbare, nicht recht erklärbare Weise passt das aber zum Gesamtbild. Die DVD von „Torture Fetish 2“ kann auf der Facebook-Seite von Marlons Produktionsfirma Beheading Films geordert werden. Interessierte sollten sich sputen, die Auflage ist nahezu out of print. Wie so oft bei so speziellen Filmsegmenten wie einem Underground-Horror-Kurzfilm kann ich weder eine Empfehlung aussprechen noch davon abraten. Wer krudem Underground-Horror etwas abgewinnen kann, darf zuschlagen, viele Mainstream-Gucker von Blumhouse-Produktionen und Filmen wie „Conjuring“ dürften sich angewidert abwenden. Snuff als Zeitvertreib für Gelangweilte ist angetan, Horrorfans zu verstören. So auch in diesem Fall. Danach erst mal unter die Dusche.

Spott

Veröffentlichung: 24. November 2018 als DVD

Länge: 16:17 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Torture Fetish 2
CH 2018
Regie: Juval Marlon
Drehbuch: Juval Marlon
Besetzung: Juval Marlon
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Beheading Films

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Beheading Films

 

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Extremity – Geh an deine Grenzen: Terror im Spukhaus

Extremity

Von Lucas Knabe

Horror // Der Besuch einer Geisterbahn oder eines Spukhauses kann zeitweilig ein aufregendes und amüsantes Unterfangen darstellen. Man begibt sich meist zu Fuß oder auf Schienen auf den Weg durch die Attraktionen, während links und rechts mehr oder minder unliebsame Schockeffekte warten, die so manch zartbesaitetes Gemüt gehörig erschrecken. Für diejenigen, die nach solch einer Attraktion blaue Augen, Platzwunden, Knochenbrüche und ein adrenalingeladenes Zittern des eigenen Körpers verlangen, bietet das sogenannte „Haunted Entertainment“ die passende Gelegenheit, um seine Grenzen und Ängste auszuloten – kein Ort für die Therapie einer psychisch labilen Frau, sollte man meinen. Doch genau dieses Experiment wagte der begabte Regisseur Anthony DiBlasi („Her Last Will“) in seinem neuen Film „Extremity – Geh an deine Grenzen“: Er stellt die psychologischen und gewaltsamen Erfahrungen einer bereits stark traumatisierten Frau in voyeuristischer und weiterführender Weise in den Kontext.

Die „perfekte“ Kandidatin

Die junge Allison (Dana Christina) entschließt sich, den ultimativen Horror am eigenen Leib zu erfahren. Nachdem sie sich als geeignete Bewerberin erweist, fährt sie zum abgelegenen Ort des Höllen-Erlebnisses. Gemeinsam mit dem ihr bis dahin fremden Teilnehmer Zachary (Dylan Sloane) soll sie in den kommenden Stunden eine Tortur zwischen Folter und Terror bestreiten. Schnell finden sich die beiden Halb-Masochisten in einem präparierten Gebäudekomplex umringt von Dreck, Dunkelheit, beklemmender Atmosphäre und grobschlächtigen Peinigern wieder. Während das alternative Wellnessprogramm seine Register zieht, merkt man allerdings, dass die Motive Allisons, einer solchen Pein beizuwohnen, tiefgreifender sind als eine bloße Grenzerfahrung des psychisch und physisch Ertragbaren. Die sogenannte „Perdition“ versetzt die suizidale Allison zurück in die Lage des hilflosen Opfers und soll ihr im Angesicht des erlebten Terrors und der Qualen einen Kampf gegen ihre inneren Dämonen ermöglichen, welche sie seit Kindheitstagen verfolgen. Dieses selbstgewählte Behandlungsverfahren der psychischen Entgiftung bringt an Allison jedoch ungeahnte Facetten zum Vorschein, welche das Projekt ins Wanken bringen.

Ob Allison ihren Aufenthalt bereuen wird?

Der Regisseur nimmt sich dabei das reale und in Südkalifornien ansässige „McKamey Manor“ zum Vorbild. Ein Horrorhaus, das nach dem Unterschreiben einer 40-seitigen Verzichtserklärung alles bietet, was man sich unter käuflicher Folter vorstellen kann. Die kursierenden Vorher-Nachher-Selfies der Besucher sind erschreckend und stellen die tatsächliche Sinnhaftigkeit solch einer Erfahrung beträchtlich in Frage.

„Saw“ für Freiwillige

Isolation, zuckendes grelles Licht in den ansonsten dunklen und dreckigen Themen-Räumen, grobe Griffe und Schläge maskierter Personen, individuelle Foltermethoden und der eine oder andere Blutspritzer bestimmen die Schauplätze von „Extremity – Geh an deine Grenzen“. Optisch macht der Schocker einen sehr soliden Eindruck: Das Zusammenspiel von verschiedenen Lichtquellen und größtenteils guter Kameraarbeit zwischen Nahaufnahmen, Unschärfe und Handkamera erzeugt in den authentisch präparierten Schauplätzen des Films eine kuriose B-Movie-Atmosphäre, welche sich aus bekannten Elementen in unerwarteter Kombination zusammensetzt. Der künstlerischen Fantasie sind in solchen Häusern kaum Grenzen gesetzt, auch wenn der erfahrene Horrorfan schnell Anleihen aus gestandenen „Torture Porns“ erkennen kann, sei es die roboterähnliche Stimme aus dem Off der Folter-Regie, Kameraüberwachung in den einzelnen Räumen oder der maskierte Guru (Chad Rook) des Unternehmens – ein kleines rotes Dreirad konnte ich glücklicherweise nicht entdecken.

Die schauspielerischen Höhepunkte beschränken sich auf die Hauptdarstellerin Dana Christina, welche sich getrieben von Folter und ihren Dämonen zwischen Verzweiflung, Angst, Schmerz und Wut aufhält. Der restliche Cast wirkt recht ersetzbar, auch wenn mit Chad Rook („Planet der Affen – Survival“) ein erfahrener Schauspieler installiert wurde, welcher jedoch als suspekter Anführer keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ebenso misslingt der Stilbruch, welcher nach circa 75 Minuten eher schlecht als recht innerhalb des Horrorgenre von Psycho zu Splatter umschlägt. Zwar wird Gore-Fans im Finale mittels handgemachter Effekte eine Prise Entschädigung gegönnt, doch abseits dessen verspielt der Film durch ungeschickte Inszenierung und einem an den Haaren herbeigezogenen Twist die psychoanalytische Konstruktion seiner Hauptdarstellerin, welche den Höhepunkt des Films darstellt.

Dramaturgisches Understatment

Durch das Setting und die versatzstückartige Aufklärung der Beweggründe und Ziele Allisons, gelingt es „Extremity – Geh an deine Grenzen“ ansatzweise, die Tür zu einer Metaebene und dekonstruierenden Selbstreferenzialität zu öffnen, indem er selbst die Fragen „Warum tut man sich sowas an?“, „Was steckt hinter den ,Perditions‘ in Film und Realität?“ und „Wie kann Horror entstehen?“ aufwirft und partiell beantwortet. Ein bisher von mir nicht genanntes und cleveres Element des Regisseurs leistet zur Beantwortung dieser Fragen einen wichtigen Beitrag: Während Allisons Aufenthalt ist auch ein unabhängiges japanisches Reporterteam (Ami Tomite, Yoshihiro Nishimura) vor Ort, das einen Blick hinter die Kulissen werfen darf. Dieses Reporterteam trägt durch investigativen Journalismus dazu bei, die Wirren des Horrorhauses und die Motive der Mitarbeiter zu erhellen. Inwieweit man diese Erkenntnisse allerdings auf die Realität übertragen kann, ist fragwürdig. Ferner besteht immer wieder reger Kontakt zwischen Allison und Chad. Die Dialoge ergründen die inzestuöse Vergangenheit Allisons und bestätigen durch schemenhafte Rückblenden ihre wahren Ängste. Parallel dazu gelingt es dem Film, selbstreferenziell die aktuellen Ängste und Methoden des Horrorgenres am eigenen Werk skizzenhaft darzustellen, ähnlich den „Scream“-Filmen der 90er-Jahre.

Vertauschte Rollen: Allison ist am Drücker

Trotz dieser interessanten Denkansätze, fern des Mainstreams, verzettelt sich der Film in den Untiefen der Horror-Subgenres und ist weder ein echter Psycho-Horrorfilm, knallharter Splatterstreifen oder Terrorfilm noch ein gelungenes Konglomerat aus jenen. Es fehlen außer dem atmosphärischen Setting auch Spannung, Brutalität und Stringenz, die Filme wie „Martyrs“, „Hostel“, „Saw“ und „High Tension“ brillant ausreizen, denn genau zwischen diesen Filmen versucht sich „Extremity – Geh an deine Grenzen“ mit seinem kritischen Plot einzuordnen. Rob Zombies „Haus der 1000 Leichen“ sei als Referenz ebenfalls genannt. Mutige Bestrebungen und die Aktualität der darin verflochtenen Thematik reichen allerdings nicht aus, um bei diesem experimentellen und hierzulande ungeschnitten mit FSK-18-Freigabe versehenen Film von einem echten Geheimtipp zu sprechen.

Veröffentlichung: 2. Mai 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Extremity
KAN 2018
Regie: Anthony DiBlasi
Drehbuch: David Bond, Rebecca Swan (als Scott Swan)
Besetzung: Chad Rook, Dana Christina, J. LaRose, Dylan Sloane, Ashley Smith, Chantal Perron, Paul Braaten, Mark Kandborg, Kensely Andries, Cam Damage
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Lucas Knabe
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Tiberius Film

 

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