RSS

Schlagwort-Archive: Trash

Moor-Monster! Bestie oder Wischmopp?

Moor-Monster!

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Im Spätsommer 2013 begaben sich mehrere Gruppen von Touristen in eine abgelegene Moorgegend im Staat Kentucky.

Echt jetzt!

Total gruselig!

Ein Jahr später fand man dieses Videomaterial …

Im Anschluss an diese verheißungsvolle Ankündigung per Texttafel sehen wir Found-Footage-Aufnahmen einer dreiköpfigen Familie, die im Wohnmobil unterwegs ist. Vaddern ist ganz begeistert von der Landschaft, Mudder und Tochter nörgeln. Glücklicherweise folgt alsbald eine weitere Texteinblendung:

Aber das Videomaterial ist stinklangweilig! Deshalb zeigen wir Ihnen stattdessen diesen Film hier.

Ein schöner Gag zum Einstieg, der Sinn für Humor verrät – ob feingeistig oder grobschlächtig, möge jede/r selbst entscheiden. Zum nun wirklich folgenden Auftakt von „Moor-Monster“ versenken zwei Typen ein Fass Atommüll in einem Moorteich. Der eine fühlt sich beobachtet, aber womöglich leidet er nur an Anatidaephobie – der Angst von einer Ente beobachtet zu werden.

Sheriff Cohen sorgt für Recht und Ordnung – oder so

Drahtzieher und Auftraggeber der beiden Umweltverschmutzer ist Gangsterboss Frank Corman (Jürgen Lill), der sich vorzugsweise im heimischen Wellness-Bereich lümmelt, sprich: an seinem Pool. Die illegale Müllverklappung hat allerdings die Entstehung einer fiesen Kreatur zur Folge – genau: das titelgebende Moor-Monster, das sicher auch eine Karriere als Wischmopp anstreben könnte. In der Folge metzelt sich das humanoide Biest durch eine Underground-Nummernrevue, die sich gewaschen hat und für keinen Gag und keine Anspielung zu schade ist. Dabei kommen auch Freunde nackter Tatsachen auf ihre Kosten. Wird Sheriff Cohen (Thomas Brandl) der Bedrohung Herr werden? Immerhin hat er die Großwildjäger Jack Wood (Thomas Pill) und Jackie Franco (Monika Brandl) als Unterstützung, das Trio kann aber ein Moor-Monster-Massaker in einem Drive-in-Kino nicht verhindern.

Eine zünftige Kissenschlacht darf nicht fehlen

Eine überdimensionale Ente im Trenchcoat (also doch berechtigte Anatidaephobie!) will unter dem Decknamen „Duck Throat“ (sehr schön!) geheime Informationen über die illegale Giftmüllentsorgung an den Mann bringen, wird aber von zwei Killern daran gehindert – eben jenen Fass-Versenkern vom Auftakt. Anderswo werden „die üblichen Verdächtigen“ verhaftet – mit zahlreichen Anspielungen wie diesen verraten die Macher von „Moor-Monster!“ ein profundes filmisches Wissen. Sie zu entdecken, macht viel Spaß. Auch im Slasher-Kino der 80er bewegen sie sich sicher.

Underground-Trash mit Laiendarstellern

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir haben es mit Underground-Trash in Reinkultur und Laiendarstellerinnen und -darstellern zu tun. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ein solches Nischenprodukt zielt ohnehin nicht auf ein Millionenpublikum. Die Besetzungsliste ist im Vergleich zu manchen anderen Undergroundfilmen recht groß, wenn ich das richtig einschätze, da sollte allein der Familien- und Freundeskreis aller Beteiligten einen gewissen Absatz der DVD sichergestellt haben.

Duck Throat will ein Geheimnis enthüllen

Für Kostüme und Ausstattung plünderten die Produzenten von Brandl Films zweifellos hemmungslos überall, wo sie passende Requisiten und Klamotten finden konnten, und sei es in der Besenkammer der Eltern Brandl. Die Produktionsfirma ist das Projekt der Geschwister Monika, Günther und Helmut Brandl, die bereits seit 1998 gemeinsam Filme drehen, mittlerweile mit einem motivierten Stamm-Team. Die Filmografie umfasst bereits mehr als 50 Produktionen, beachtlich für ein solches Independent-Familienprojekt. Der Vertrieb erfolgt über den hauseigenen Online-Shop – auch „Moor-Monster!“ befindet sich im Sortiment. Brandl Pictures kann sogar für die Produktion von Hochzeits-Videos gebucht werden, wie ein Werbefilm zu Beginn der DVD offenbart. Dass sie ein paar visuelle Tricks drauf haben, zeigen die Brandls in „Moor-Monster!“. Wer traut sich?

Hier wird anderes enthüllt

Die kleine, aber feine deutsche Underground-Szene (oder ist sie gar nicht so klein?) scheint gut vernetzt zu sein: Günther Brandl ist mir bei meinen wenigen Ausflügen in den teutonischen No-Budget-Film mehrfach über den Weg gelaufen, so in „Weakness of a Sick Mind“ mit einer Gastrolle und in „Antithese“, wo er die Hauptfigur spielt.

Wann taucht das Moor-Monster wieder auf?

„Moor-Monster!“ wirkt gelegentlich wie der ausgelassene Karnevals-Ausflug einer überkandidelten Freundes-Clique, aber etwas mehr Blut, Schweiß und Tränen wird wohl doch dahinterstecken, wobei es sich um Lachtränen gehandelt haben dürfte – über andere Körperflüssigkeiten wagen wir nicht zu spekulieren. Keine Darstellerin und kein Darsteller sind sich für irgendeine Albernheit zu schade. Der rote Handlungsfaden geht bei all dem Klamauk ab und zu ein wenig verloren, eine Weile fragte ich mich, wann denn endlich mal wieder die titelgebende Kreatur in Erscheinung tritt.

Das Moor-Monster schlägt zu

Langeweile kommt nicht auf, dennoch scheint mir „Moor-Monster!“ zu lang geraten zu sein. Zwar gibt es keine Längen (das wäre dann ja doch Langeweile gewesen), aber mir reichen bei einer Horrorparodie – und damit haben wir es zu tun – doch knackige knapp anderthalb Stunden wie etwa bei „Scary Movie“. Vermutlich sprudelten die Geschwister Brandl bei ihren Drehbuch-Sessions nur so vor Ideen – ein wenig Alkohol mag dabei auch gesprudelt sein. Ein paar Einfälle hätten sie sich natürlich auch für „Moor-Monster 3“ aufsparen können, denn „Moor-Monster 2“ gibt es seit 2017 bereits. Auf der streng limitierten und möglicherweise bereits nicht mehr erhältlichen Blu-ray „P.S.Y.C.H.O. Productions Film Festival #1“ findet sich unter den zehn dort versammelten Underground-(Kurz-)Filmen auch eine 68 Minuten lange Fassung von „Moor-Monster!“. Dass der Film in der Zweistundenfassung zu lang ist, ist meine höchst subjektive Wahrnehmung, anderen mag er genau so die perfekte Dauer haben – man kann ja für den Filmabend auch einfach einen Kasten Bier mehr kaufen. Der Spaß an der Sache ist den Darstellern von „Moor-Monster!“ jedenfalls in jeder Szene anzusehen, und er hat sich auch auf mich übertragen. Das gelingt manch „großer“ deutscher Komödie schon lange nicht mehr. Merkt’s euch, Til, Matthias, Elyas und Bully!

Weil’s so schön ist – einfach nur so

Veröffentlichung: 12. November 2014 als DVD

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Moor-Monster
D 2014
Regie: Günther Brandl, Helmut Brandl, Monika Brandl
Drehbuch: Günther Brandl, Helmut Brandl, Monika Brandl
Besetzung: Thomas Pill, Monika Brandl, Katharina Buchberger, Günther Brandl, Christian Meilhammer, Romy Glasel, Jürgen Lill, Nicole Silvia Abl, Vicky Vampire
Zusatzmaterial: Outtakes (7:29), Behind the Scenes (2:06), 20 (!) geschnittene Szenen, Bildergalerie, Musikvideo „Them“: „Maneating Mutant Monster“, der Autokino-Film (3:29), Fake-Trailer „Angriff der Riesenschnecke“, Trailershow, züchtiges Wendecover
Label/Vertrieb: Brandl Pictures

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos: © 2018 Brandl Pictures

Werbeanzeigen
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

She – Eine brutale Reise in die Zukunft: Trash-Göttin im kunterbunten Endzeit-Chaos

She

Von Volker Schönenberger

SF-Action // „Irrsinnsfilm starten“, „Genauso bekloppt!“, „Sprachen vom Film“, „Damals war alles besser“ – schon das DVD-Menü verspricht ein herrlich trashiges Vergnügen. Ob „She – Eine brutale Reise in die Zukunft“ das einhalten kann? Auf „Mad Max“ (1980) folgten in den 80ern bekanntermaßen etliche Endzeit-Action-Epigonen, da durfte das Italo-Exploitationkino nicht außen vor bleiben.

She!

In Earth and Skie and Sea Strange Thynges Ther Be. So zitiert es zu Beginn eine Texttafel aus Henri Rider Haggards Roman „She – A History of Adventure“. Die Handlung setzt 23 Jahre nach einem Ereignis ein, das als „Cancellation“ („Auslöschung“) bezeichnet wird – eine Katastrophe, die den Untergang der Zivilisation herbeigeführt hat. Der blonde Muskelprotz Tom (David Goss) und sein drahtiger Kumpel Dick (Harrison Muller) ziehen durchs Land. Auf einem Markt werden sie in den Angriff der faschistoiden Bande der Norks unter ihrem ruchlosen Anführer Hector (Gordon Mitchell) verwickelt, die Toms Schwester Hari (Elena Wiedermann) entführen. Zwar können sich die beiden retten, bald jedoch finden sie sich in der Gewalt der Amazone She (Sandahl Bergman), die mit ihrer blutrünstigen Frauenschar und ihrer rechten Hand Shanda (Quin Kessler) gottgleich über ihre Anhänger herrscht.

Werwölfe und ein Ballettkostüm

Ob sich Henri Rider Haggard ob dieser vermutlich recht freien Adaption seines Romans im Grabe umdrehen oder ins Fäustchen lachen würde? Die Kostüme sind anscheinend eine Mischung aus allem, was der Fundus hergab, von Mönchskutten über römische Togas bis hin zu Nazi-Kostümen, von denen ein paar ein wenig an American-Football-Klamotten und anderen Unfug erinnern. Auch Ritterrüstungen kommen zum Tragen. An skurrilen Handlungsideen mangelt es ebenfalls nicht, Religion und die Frauenbewegung bekommen ihr Fett weg, und halbnackte Frauen gibt es ausgiebig zu bestaunen. Da darf natürlich ein zünftiges Auspeitschen im Folterkeller nicht fehlen. Gekämpft wird mit allerlei Waffen, von der Keule über die Armbrust bis zur Axt. Zack! Urplötzlich kommen sogar Werwölfe ins Spiel, später der vollbärtige Kraftmeier Rudolph (Mario Pedone) im Tutu. Wer denkt sich sowas aus? Und wenn Tom eine Brücke überqueren will und sich ihm ein vermeintlich putziger Wächter in den Weg stellt, hat das sogar etwas vom anarchischen Monty-Python-Humor. Aber das schaut Ihr euch am besten selbst an. Später verschlägt es Tom und Dick in eine Gladiatorenarena.

Die Göttin sucht sich einen Gefährten für die Nacht aus

Der enorme Trash-Faktor wird in der deutschen Fassung mit einer im Original nicht zu hörenden Stimme aus dem Off noch gesteigert, wenn das überhaupt möglich ist. Die süffisanten Kommentare sind mit zeitgenössischen Anspielungen auf die Emanzipation gewürzt – sogar die „Emma“ wird erwähnt. Ohnehin gibt sich die Original-Sprachfassung deutlich wortkarger. Ob deutsche oder englische Fassung – wer eine politisch unkorrekte Haltung zu Frauen vermutet, liegt völlig richtig. Obwohl: Sie sind schon stark, die Frauen von „She“. So oder so, ernst nehmen darf man das nicht, aber mit Humor – und einer guten Portion Kopfkratzen und Stirnrunzeln.

Bald wird ihr übel mitgespielt

Hauptdarstellerin Sandahl Bergman kann mit ihren Rollen in „Conan, der Barbar“ (1982) und „Red Sonja“ (1985) einschlägige Genre-Erfahrung an der Seite von Arnold Schwarzenegger vorweisen. Ihr Part in erstgenanntem Fantasy-Epos brachte ihr sogar einen Golden Globe als bester weiblicher Nachwuchsstar des Jahres ein, der im letztgenannten dafür im Gegenzug eine Nominierung für die Goldene Himbeere – der Kelch ging allerdings an ihr vorüber. Regisseur Avi Nesher zeichnete unter anderem auch für „Nameless – Total Terminator“ („Timebomb“, 1991) und den inoffiziellen „Tales from the Crypt“-Spielfilm „Das Ritual – Im Bann des Bösen“ („Ritual“, 2002) verantwortlich.

DVD auf 1.000 Exemplare limitiert

Angesichts dessen, dass der Text auf der Rückseite des Covers von „She – Eine brutale Reise in die Zukunft“ mies lektoriert ist, überraschen die solide Bild- und Tonqualität etwas. Ein paar kurze Sequenzen sind seinerzeit offenbar nicht synchronisiert und somit im Original belassen worden. Untertitel gibt es allerdings keine. Einem Coveraufdruck zufolge ist die DVD auf 1.000 Exemplare limitert. Also haltet euch ran!

Auch Shanda muss leiden

Filme wie dieser entziehen sich herkömmlichen Bewertungskriterien. Trash-Fans werden frohlocken, Cineasten ohne Humor sich mit Grausen abwenden. Bier in mehr als handelsüblichen Mengen hilft bei der Sichtung ungemein. Wer es etwas weniger trashig mag, darf sich an den Roman-Adaptionen „She – Herrscherin einer versunkenen Welt“ (1935) mit Helen Gahagan und Randolph Scott sowie „Herrscherin der Wüste“ (1965) mit Ursula Andress, Peter Cushing und Christopher Lee versuchen. Bleibt mir, mit meinem Lieblingszitat aus „She – Eine brutale Reise in die Zukunft“ zu schließen: Bring sie in mein Schlafgemach! Ich will ihre Seele erforschen. Hach – Sektenführer müsste man sein.

Der Brückenwächter sieht harmlos aus …

Veröffentlichung: 7. September 2017 als auf 1.000 Exemplare limitierte DVD

Länge: 100 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: She
IT 1984
Regie: Avi Nesher
Drehbuch: Avi Nesher, nach einem Roman von H. Rider Haggard
Besetzung: Sandahl Bergman, Harrison Muller, David Goss, Quin Kessler, Elena Wiedermann, Gordon Mitchell, Laurie Sherman, David Brandon, Susan Adler, Gregory Snegoff, Mario Pedone
Zusatzmaterial: Wendecover
Label/Vertrieb: SchröderMedia HandelsgmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 SchröderMedia HandelsgmbH

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

The Disaster Artist – So famos spielt man einen miesen Schauspieler

The Disaster Artist

Kinostart: 1. Februar 2018

Von Matthias Holm

Komödie // „The Room“ gilt als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Dennoch hat sich der Streifen über die Jahre eine treue Anhängerschaft erarbeitet, die den Film trotz oder genau wegen seiner Mängel immer wieder guckt. Die Person, die „The Room“ 2003 inszeniert hat, gibt immer noch Rätsel auf. Denn Tommy Wiseau hat zum Beispiel bis heute nicht verraten, aus welchem Land er eigentlich stammt. So ein Mensch ist natürlich ein gefundenes Fressen für ein Biopic. Insofern passt es gut, dass Greg Sestero, der andere männliche Hauptdarsteller in „The Room“, über die Entstehungsgeschichte des Films das Buch „The Disaster Artist“ geschrieben hat, dessen Verfilmung nun ins Kino kommt.

Einfach einen eigenen Film machen

Gespielt wird Greg Sestero von Dave Franco. Dieser nimmt 1998 Schauspielunterricht, doch so ganz will er nicht aus sich herausgehen. Ganz anders hingegen Tommy Wiseau (James Franco). Der ist in der gleichen Klasse, neigt aber zum gnadenlosen Overacting. Sestro fasziniert das, die beiden freunden sich an und beschließen, gemeinsam nach Los Angeles zu ziehen, um in Hollywood Karriere zu machen. Und auch wenn Greg die eine oder andere kleine Rolle ergattert, auf Tommy scheint man nicht gewartet zu haben. Die Lösung des Problems liegt aber auf der Hand: Dann schreibt man eben einfach seinen eigenen Film. Zwar gelingt es Tommy Wiseau, sämtliches Equipment und eine komplette Crew zu finanzieren, ein Drehbuchautor ist an ihm allerdings nicht verloren gegangen. Hinzu kommen Eifersucht und einige wirklich unangenehme Marotten, schon ist Chaos am Set programmiert.

Tommy hält sich für ein Genie, allerdings …

So einfach es gewesen wäre, hier Figuren bloßzustellen – „The Disaster Artist“ zelebriert seine Protagonisten zu jeder Zeit. Auch wenn es in erster Linie eine Komödie ist, gehen die Witze nie auf Kosten anderer, sondern man lacht immer mit ihnen. Das liegt vor allem daran, dass die Drehbuchautoren Scott Neustadter und Michael H. Weber es schaffen, sämtliche Perspektiven abzudecken. So verbringt der Zuschauer einen großen Teil des Films nur mit Greg und Tommy, wodurch man diese beiden Figuren deutlich besser versteht – gerade der Beginn ist ein intimes Porträt einer ungewöhnlichen Freundschaft. So kommen einem manche Eskapaden – und davon gibt es einige – immer noch seltsam vor, aber man ist nicht ganz so verständnislos wie alle umstehenden Menschen.

Golden Globe? Zu Recht

Einen Bärenanteil an dieser differenzierten Darstellung trägt vor allem James Franco, der im Übrigen auch auf dem Regiestuhl saß. Ein Schauspieler, der perfekt einen schlechten Schauspieler spielt – das klingt auf mehreren Ebenen verwirrend, ist aber die unterhaltsamste Performance des noch jungen Jahres. Gerade wenn am Ende Szenen aus „The Disaster Artist“ neben das Pendant aus „The Room“ geschnitten werden, merkt man, wie nah Franco am Original ist. Die Belohnung war dafür ein Golden Globe. Schade nur, dass sein Name jüngst in Verbindung mit den Missbrauchs-Skandalin Hollywood auftauchte. Das mag ihn die Oscar-Nominierung gekostet haben.

… sieht seine Crew das anders

Doch „The Disaster Artist“ ist nicht nur eine One-Man-Show. Auch alle anderen Darsteller sind voll dabei. Dave Franco als gutmütiger Greg Sestero bildet das Bindeglied zwischen dem Zuschauer und Tommy Wiseau, Seth Rogen versucht als Sandy, den Wahnsinn beim Dreh wenigstens einigermaßen einzudämmen und es gibt eine ganze Menge Gastauftritte und Cameos. Am Anfang kommen noch einige prominente Fans zu Wort, darunter die Regisseure J. J. Abrams und Kevin Smith, im Film selbst geben sich Melanie Griffith, Sharon Stone, Bob Odenkrik, Zach Braff und andere die Klinke in die Hand.

Am Ende kann man als Zuschauer nur zufrieden sein. „The Disaster Artist“ ist ein enorm unterhaltsames Biopic mit fantastischen Schauspielleistungen und so vielen Gags, dass man ihm die eine oder andere kleine Länge gerne verzeiht. Vor allem aber macht der Film auf eine Sache Lust: eine weitere Sichtung von „The Room“.

Die große Premiere

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit James Franco sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Disaster Artist
USA 2018
Regie: James Franco
Drehbuch: Scott Neustadter, Michael H. Weber, nach einem Buch von Greg Sestero und Tom Bissell
Besetzung: Dave Franco, James Franco, Seth Rogen, Ari Graynor, Alison Brie, Jacki Weaver, Paul Scheer
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 A24 / New Line Cinema

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: