RSS

Schlagwort-Archive: Trash

She – Eine brutale Reise in die Zukunft: Trash-Göttin im kunterbunten Endzeit-Chaos

She

Von Volker Schönenberger

SF-Action // „Irrsinnsfilm starten“, „Genauso bekloppt!“, „Sprachen vom Film“, „Damals war alles besser“ – schon das DVD-Menü verspricht ein herrlich trashiges Vergnügen. Ob „She – Eine brutale Reise in die Zukunft“ das einhalten kann? Auf „Mad Max“ (1980) folgten in den 80ern bekanntermaßen etliche Endzeit-Action-Epigonen, da durfte das Italo-Exploitationkino nicht außen vor bleiben.

She!

In Earth and Skie and Sea Strange Thynges Ther Be. So zitiert es zu Beginn eine Texttafel aus Henri Rider Haggards Roman „She – A History of Adventure“. Die Handlung setzt 23 Jahre nach einem Ereignis ein, das als „Cancellation“ („Auslöschung“) bezeichnet wird – eine Katastrophe, die den Untergang der Zivilisation herbeigeführt hat. Der blonde Muskelprotz Tom (David Goss) und sein drahtiger Kumpel Dick (Harrison Muller) ziehen durchs Land. Auf einem Markt werden sie in den Angriff der faschistoiden Bande der Norks unter ihrem ruchlosen Anführer Hector (Gordon Mitchell) verwickelt, die Toms Schwester Hari (Elena Wiedermann) entführen. Zwar können sich die beiden retten, bald jedoch finden sie sich in der Gewalt der Amazone She (Sandahl Bergman), die mit ihrer blutrünstigen Frauenschar und ihrer rechten Hand Shanda (Quin Kessler) gottgleich über ihre Anhänger herrscht.

Werwölfe und ein Ballettkostüm

Ob sich Henri Rider Haggard ob dieser vermutlich recht freien Adaption seines Romans im Grabe umdrehen oder ins Fäustchen lachen würde? Die Kostüme sind anscheinend eine Mischung aus allem, was der Fundus hergab, von Mönchskutten über römische Togas bis hin zu Nazi-Kostümen, von denen ein paar ein wenig an American-Football-Klamotten und anderen Unfug erinnern. Auch Ritterrüstungen kommen zum Tragen. An skurrilen Handlungsideen mangelt es ebenfalls nicht, Religion und die Frauenbewegung bekommen ihr Fett weg, und halbnackte Frauen gibt es ausgiebig zu bestaunen. Da darf natürlich ein zünftiges Auspeitschen im Folterkeller nicht fehlen. Gekämpft wird mit allerlei Waffen, von der Keule über die Armbrust bis zur Axt. Zack! Urplötzlich kommen sogar Werwölfe ins Spiel, später der vollbärtige Kraftmeier Rudolph (Mario Pedone) im Tutu. Wer denkt sich sowas aus? Und wenn Tom eine Brücke überqueren will und sich ihm ein vermeintlich putziger Wächter in den Weg stellt, hat das sogar etwas vom anarchischen Monty-Python-Humor. Aber das schaut Ihr euch am besten selbst an. Später verschlägt es Tom und Dick in eine Gladiatorenarena.

Die Göttin sucht sich einen Gefährten für die Nacht aus

Der enorme Trash-Faktor wird in der deutschen Fassung mit einer im Original nicht zu hörenden Stimme aus dem Off noch gesteigert, wenn das überhaupt möglich ist. Die süffisanten Kommentare sind mit zeitgenössischen Anspielungen auf die Emanzipation gewürzt – sogar die „Emma“ wird erwähnt. Ohnehin gibt sich die Original-Sprachfassung deutlich wortkarger. Ob deutsche oder englische Fassung – wer eine politisch unkorrekte Haltung zu Frauen vermutet, liegt völlig richtig. Obwohl: Sie sind schon stark, die Frauen von „She“. So oder so, ernst nehmen darf man das nicht, aber mit Humor – und einer guten Portion Kopfkratzen und Stirnrunzeln.

Bald wird ihr übel mitgespielt

Hauptdarstellerin Sandahl Bergman kann mit ihren Rollen in „Conan, der Barbar“ (1982) und „Red Sonja“ (1985) einschlägige Genre-Erfahrung an der Seite von Arnold Schwarzenegger vorweisen. Ihr Part in erstgenanntem Fantasy-Epos brachte ihr sogar einen Golden Globe als bester weiblicher Nachwuchsstar des Jahres ein, der im letztgenannten dafür im Gegenzug eine Nominierung für die Goldene Himbeere – der Kelch ging allerdings an ihr vorüber. Regisseur Avi Nesher zeichnete unter anderem auch für „Nameless – Total Terminator“ („Timebomb“, 1991) und den inoffiziellen „Tales from the Crypt“-Spielfilm „Das Ritual – Im Bann des Bösen“ („Ritual“, 2002) verantwortlich.

DVD auf 1.000 Exemplare limitiert

Angesichts dessen, dass der Text auf der Rückseite des Covers von „She – Eine brutale Reise in die Zukunft“ mies lektoriert ist, überraschen die solide Bild- und Tonqualität etwas. Ein paar kurze Sequenzen sind seinerzeit offenbar nicht synchronisiert und somit im Original belassen worden. Untertitel gibt es allerdings keine. Einem Coveraufdruck zufolge ist die DVD auf 1.000 Exemplare limitert. Also haltet euch ran!

Auch Shanda muss leiden

Filme wie dieser entziehen sich herkömmlichen Bewertungskriterien. Trash-Fans werden frohlocken, Cineasten ohne Humor sich mit Grausen abwenden. Bier in mehr als handelsüblichen Mengen hilft bei der Sichtung ungemein. Wer es etwas weniger trashig mag, darf sich an den Roman-Adaptionen „She – Herrscherin einer versunkenen Welt“ (1935) mit Helen Gahagan und Randolph Scott sowie „Herrscherin der Wüste“ (1965) mit Ursula Andress, Peter Cushing und Christopher Lee versuchen. Bleibt mir, mit meinem Lieblingszitat aus „She – Eine brutale Reise in die Zukunft“ zu schließen: Bring sie in mein Schlafgemach! Ich will ihre Seele erforschen. Hach – Sektenführer müsste man sein.

Der Brückenwächter sieht harmlos aus …

Veröffentlichung: 7. September 2017 als auf 1.000 Exemplare limitierte DVD

Länge: 100 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: She
IT 1984
Regie: Avi Nesher
Drehbuch: Avi Nesher, nach einem Roman von H. Rider Haggard
Besetzung: Sandahl Bergman, Harrison Muller, David Goss, Quin Kessler, Elena Wiedermann, Gordon Mitchell, Laurie Sherman, David Brandon, Susan Adler, Gregory Snegoff, Mario Pedone
Zusatzmaterial: Wendecover
Label/Vertrieb: SchröderMedia HandelsgmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 SchröderMedia HandelsgmbH

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

The Disaster Artist – So famos spielt man einen miesen Schauspieler

The Disaster Artist

Kinostart: 1. Februar 2018

Von Matthias Holm

Komödie // „The Room“ gilt als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Dennoch hat sich der Streifen über die Jahre eine treue Anhängerschaft erarbeitet, die den Film trotz oder genau wegen seiner Mängel immer wieder guckt. Die Person, die „The Room“ 2003 inszeniert hat, gibt immer noch Rätsel auf. Denn Tommy Wiseau hat zum Beispiel bis heute nicht verraten, aus welchem Land er eigentlich stammt. So ein Mensch ist natürlich ein gefundenes Fressen für ein Biopic. Insofern passt es gut, dass Greg Sestero, der andere männliche Hauptdarsteller in „The Room“, über die Entstehungsgeschichte des Films das Buch „The Disaster Artist“ geschrieben hat, dessen Verfilmung nun ins Kino kommt.

Einfach einen eigenen Film machen

Gespielt wird Greg Sestero von Dave Franco. Dieser nimmt 1998 Schauspielunterricht, doch so ganz will er nicht aus sich herausgehen. Ganz anders hingegen Tommy Wiseau (James Franco). Der ist in der gleichen Klasse, neigt aber zum gnadenlosen Overacting. Sestro fasziniert das, die beiden freunden sich an und beschließen, gemeinsam nach Los Angeles zu ziehen, um in Hollywood Karriere zu machen. Und auch wenn Greg die eine oder andere kleine Rolle ergattert, auf Tommy scheint man nicht gewartet zu haben. Die Lösung des Problems liegt aber auf der Hand: Dann schreibt man eben einfach seinen eigenen Film. Zwar gelingt es Tommy Wiseau, sämtliches Equipment und eine komplette Crew zu finanzieren, ein Drehbuchautor ist an ihm allerdings nicht verloren gegangen. Hinzu kommen Eifersucht und einige wirklich unangenehme Marotten, schon ist Chaos am Set programmiert.

Tommy hält sich für ein Genie, allerdings …

So einfach es gewesen wäre, hier Figuren bloßzustellen – „The Disaster Artist“ zelebriert seine Protagonisten zu jeder Zeit. Auch wenn es in erster Linie eine Komödie ist, gehen die Witze nie auf Kosten anderer, sondern man lacht immer mit ihnen. Das liegt vor allem daran, dass die Drehbuchautoren Scott Neustadter und Michael H. Weber es schaffen, sämtliche Perspektiven abzudecken. So verbringt der Zuschauer einen großen Teil des Films nur mit Greg und Tommy, wodurch man diese beiden Figuren deutlich besser versteht – gerade der Beginn ist ein intimes Porträt einer ungewöhnlichen Freundschaft. So kommen einem manche Eskapaden – und davon gibt es einige – immer noch seltsam vor, aber man ist nicht ganz so verständnislos wie alle umstehenden Menschen.

Golden Globe? Zu Recht

Einen Bärenanteil an dieser differenzierten Darstellung trägt vor allem James Franco, der im Übrigen auch auf dem Regiestuhl saß. Ein Schauspieler, der perfekt einen schlechten Schauspieler spielt – das klingt auf mehreren Ebenen verwirrend, ist aber die unterhaltsamste Performance des noch jungen Jahres. Gerade wenn am Ende Szenen aus „The Disaster Artist“ neben das Pendant aus „The Room“ geschnitten werden, merkt man, wie nah Franco am Original ist. Die Belohnung war dafür ein Golden Globe. Schade nur, dass sein Name jüngst in Verbindung mit den Missbrauchs-Skandalin Hollywood auftauchte. Das mag ihn die Oscar-Nominierung gekostet haben.

… sieht seine Crew das anders

Doch „The Disaster Artist“ ist nicht nur eine One-Man-Show. Auch alle anderen Darsteller sind voll dabei. Dave Franco als gutmütiger Greg Sestero bildet das Bindeglied zwischen dem Zuschauer und Tommy Wiseau, Seth Rogen versucht als Sandy, den Wahnsinn beim Dreh wenigstens einigermaßen einzudämmen und es gibt eine ganze Menge Gastauftritte und Cameos. Am Anfang kommen noch einige prominente Fans zu Wort, darunter die Regisseure J. J. Abrams und Kevin Smith, im Film selbst geben sich Melanie Griffith, Sharon Stone, Bob Odenkrik, Zach Braff und andere die Klinke in die Hand.

Am Ende kann man als Zuschauer nur zufrieden sein. „The Disaster Artist“ ist ein enorm unterhaltsames Biopic mit fantastischen Schauspielleistungen und so vielen Gags, dass man ihm die eine oder andere kleine Länge gerne verzeiht. Vor allem aber macht der Film auf eine Sache Lust: eine weitere Sichtung von „The Room“.

Die große Premiere

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit James Franco sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Disaster Artist
USA 2018
Regie: James Franco
Drehbuch: Scott Neustadter, Michael H. Weber, nach einem Buch von Greg Sestero und Tom Bissell
Besetzung: Dave Franco, James Franco, Seth Rogen, Ari Graynor, Alison Brie, Jacki Weaver, Paul Scheer
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 A24 / New Line Cinema

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

The Room – „Oh, hi Mark!“

The Room

Von Matthias Holm

Drama // Wenn Filme besonders verehrt werden, bekommen sie schnell den Stempel „Kultfilm“. Das trifft auch auf Streifen zu, die an den Kinokassen vorerst nicht erfolgreich waren – ein Beispiel dafür ist die „Rocky Horror Picture Show“, die durch zahllose Wiederaufführungen ihren heutigen Status erreichte. Doch um als Kult zu gelten, muss ein Film nicht immer gut sein, wie man bestens an „The Room“ erkennen kann – für manche der schlechteste Film aller Zeiten.

Die Handlung dreht sich grob um Johnny (Tommy Wiseau). Der ist unsterblich in seine Verlobte Lisa (Juliette Danielle) verliebt. Diese hat jedoch die Faxen dicke und flüchtet sich in die Arme von Mark (Greg Sestero), Johnnys besten Freund. Und dann ist da eine ganze Reihe an Nebenfiguren, die auch hin und wieder durch das Bild laufen und unsinnige Dialoge führen.

Krebs? Halb so wild

Genau hier liegt die Faszination für „The Room“ – es stimmt einfach absolut nichts. Das fängt bei den Figuren und ihren Geschichten an. In einer der unfassbar repetitiven Unterhaltungen zwischen Lisa und ihrer Mutter Claudette (Carolyn Minnot) erzählt Letztgenannte, sie habe Krebs. Diese schockierende Nachricht wird von Lisa nur mit einem saloppen „Es wird schon alles gut“ quittiert – und spielt im weiteren Verlauf keine Rolle.

Immerhin hat Claudette auch eine der besten Zeilen im Film: Als Lisa und sie nach einer Shopping-Tour nach Hause kommen und dort Mike (Mike Scott) und Michelle (Robyn Paris), Freunde von Tommy und Lisa, wild knutschend auf dem Sofa vorfinden, fragt sie „What are these characters doing here?“ Eine absolut berechtigte Frage, denn so viele Figuren in dem Film sind schlichtweg überflüssig – sie tauchen einmal auf und verschwinden danach sofort für immer, ohne auch nur irgendetwas Relevantes beigesteuert zu haben.

Schauspielgott Tommy Wiseau

Das absolute Highlight des Films ist aber Tommy Wiseau. Dieser Mann, dessen Herkunft bis heute weitgehend ungeklärt ist und der wie auch immer ein Vermögen verdient hat und so einen eigenen Film auf die Beine stellen konnte, liefert die wohl schönste schlechte Performance, die je auf Film gebannt wurde. In den besten Fällen ist sein Text durch seinen merkwürdigen Akzent unverständlich, ansonsten sitzt nicht eine Intonation richtig – und zwischenmenschliche Interaktion scheint sein Johnny auch nicht zu verstehen, da wird auf die Geschichte einer verprügelten Frau mit einem schallenden Lachen reagiert.

Wo bleibt die deutsche DVD oder Blu-ray?

Das alles – und noch viel mehr – ergibt zusammen ein unvergleichliches Filmerlebnis. Ja, dieser Film ist, wenn er ernst genommen wird, absolut furchtbar. Aber genau das macht ihn so unfassbar faszinierend. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da, denn ähnlich wie die eingangs erwähnte „Rocky Horror Picture Show“ gibt es bei Special Screenings von „The Room“ spezielle Regeln, die das Publikum involvieren. Also bitte nicht wundern, wenn bei der Sichtung plötzlich die Plastiklöffel tief fliegen. Es wird allmählich Zeit, dass der Film auch in Deutschland ohne Probleme erhältlich ist, zumal gerade dessen Entstehungsgeschichte unter dem Titel „The Disaster Artist“ in die Kinos kommt.

Natürlich ist „Die Nacht der lebenden Texte“ nicht die erste Seite, die sich mit „The Room“ auseinandersetzt. Eine große Empfehlung geht hier an die entsprechende Episode des Nostalgia Critic, der den Film komplett auseinandernimmt. Oder aber, wer es lieber musikalisch mag, sollte sich diesen Song vom YouTube-Kanal schmoyoho zu Gemüte führen, der die berühmtesten Sätze des Films aufgreift.

Veröffentlichung (USA): 28. Dezember 2012 als Blu-ray, 17. Dezember 2005 als DVD

Länge: 99 Min.
Originaltitel: The Room
USA 2003
Regie: Tommy Wiseau
Drehbuch: Tommy Wiseau
Besetzung: Tommy Wiseau, Greg Sestero, Juliette Danielle, Phillip Haldiman, Carolyn Minnot, Robyn Paris, Mike Scott, Dan Janjigian

Copyright 2018 by Matthias Holm
Filmplakat: Fair Use

 

Schlagwörter: , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: