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Dragged Across Concrete – Cop-Duo plant riskanten Coup

Dragged Across Concrete

Von Andreas Eckenfels

Thrillerdrama // Wenn man der Geschichte Glauben schenken mag – und warum sollte man auch nicht? – überzeugte Vince Vaughn während der gemeinsamen Dreharbeiten zu „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ Mel Gibson davon, dass der an seiner Seite eine der Hauptrollen in S. Craig Zahlers dritter Regiearbeit „Dragged Across Concrete“ übernehmen sollte. Zahler hatte Vaughn zuvor sein Vertrauen geschenkt, nun konnte er dies zurückzahlen. Der „Bone Tomahawk“-Regisseur besetzte ihn als bulligen Kriminellen Bradley Thomas, der im knallharten Knast-Kracher „Brawl in Cell Block 99“ sein eigenes „Dantes Inferno“ erlebt, komplett gegen sein Image. Allein Vaughns enorme Präsenz haute einen um. So hatte man den „Hochzeits-Crasher“ noch nie gesehen. Wobei man bei ihm gern mal vergisst, dass er besonders zu seinem Karrierebeginn in der Tragikomödie „Swingers“ (1996), im Drama „Für das Leben eines Freundes“ (1998) und sogar im „Psycho“-Remake (1998) als Norman Bates sein Können bewiesen hat – bevor er in den folgenden Jahren seinen Comedy-Autopiloten einschaltete. Erst mit der zweiten Staffel von „True Detective“ wandelte sich Vaughn langsam wieder zum ernst zu nehmenden Schauspieler. Das kann gern so bleiben.

Ohne Ausweg

Brett Ridgeman (Mel Gibson) hat die Schnauze voll: Der 59-jährige Cop hat mit seinem jüngeren Partner Anthony Lurasetti (Vince Vaughn) gerade einen Drogendealer geschnappt, da werden beide bis auf Weiteres suspendiert. Als Grund nennt ihnen Chief Lieutenant Calvert (Don Johnson) – ausgerechnet Bretts Ex-Partner –, sie seien bei der Verhaftung etwas zu ruppig vorgegangen; ein Nachbar hat das Duo im Einsatz mit dem Smartphone gefilmt. Nun stürzen sich die Medien auf den Mitschnitt. Weil sich Brett sonst nirgends die Miete leisten kann, lebt er mit seiner an Multipler Sklerose erkrankten Frau Melanie (Laurie Holden) und Teenager-Tochter Sara (Jordyn Ashley Olsen) bereits in einem miesen Viertel. Da die kommenden Gehaltsschecks nun ausbleiben werden, sieht er keinen anderen Ausweg mehr und plant mit Anthony einen riskanten Coup: Sie wollen einer Bankräuber-Bande die Beute abjagen. Gar nicht so einfach, denn besonders deren Anführer Lorentz Vogelmann (Thomas Kretschmann) erweist sich als eiskalter Psychopath, der ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen geht.

Abschied vom Amerikanischen Traum

Wie schon bei seinen ersten beiden Filmen scheut Regisseur S. Craig Zahler keine lange Laufzeit: Stolze 160 Minuten dauert „Dragged Across Concrete“! Unruhige Zuschauer, die alle fünf Minuten ihre Actionszenen brauchen, sind hier fehl am Platz. Zahlers ruhige Erzählweise macht sich auch durch die Kameraarbeit bemerkbar: Bis auf wenige Ausnahmen bewegt sich die Kamera nur, wenn sich auch die szenenspezifische Figur bewegt. Wenn Brett und Anthony die Gang aus ihrem parkenden Auto heraus für lange Zeit observieren, passiert nun mal nicht so viel – dennoch sind diese Szenen wichtig, weil durch die starken Dialoge die loyale Beziehung der Arbeitskollegen und deren privaten Probleme weiter ausgelotet werden. Gleichzeitig erkennt man auch, dass Brett und Anthony ihren lausigen Job trotz allen Frusts mit Akribie ausüben, auch wenn sie nicht immer nach den Regeln spielen, was in dieser kriminellen Welt eben auch für einen Cop nicht immer möglich ist.

Brett kann mit seinem kargen Lohn als Cop kaum seine Familie über Wasser halten

Dass das grimmige und sehr realistisch wirkende Thrillerdrama keine Sekunde langweilig ist, liegt auch daran, dass sich Zahler erneut als exzellenter Geschichtenschreiber erweist. Wieder einmal erzählt er vom Scheitern des Amerikanischen Traums. Nur dreht er diesmal die Perspektive um. Während in „Brawl in Cell Block 99“ der Kriminelle trotz aller Bemühungen daran scheiterte, ehrbar zu werden, schaffen es hier die beiden Cops trotz ihrer erfolgreichen Arbeit nicht, dass sie beruflich aufsteigen und ihre Familie versorgen können. So stürzt Zahler seine Protagonisten in ein moralisches Dilemma: Um über die Runden zu kommen, müssen sich Brett und Anthony gegen das Gesetz wenden.

Anthony (l.) und Brett können sich aufeinander verlassen

Dabei versuchen sie ihre Zweifel dadurch zu legitimieren, dass sie „nur“ Ganoven überfallen und sonst niemand zu Schaden kommen wird. Spätestens, wenn sie Vogelmanns Raubzug in aller Ruhe beobachten und später erst erfahren, dass einige Bankangestellte getötet wurden, fällt ihre fadenscheinige Legitimation zusammen: Denn hätten sie wenigstens rechtzeitig die Polizei gerufen, hätte es vielleicht einige Opfer weniger gegeben. Spätestens dann erkennen Brett und Anthony, dass es von nun an keinen Weg zurück mehr gibt – sie müssen ihren Plan umsetzen. Koste es, was es wolle.

Shotgun Safari

Eine dritte Hauptfigur hatte ich bislang nicht erwähnt: Der afroamerikanische Kleinkriminelle Henry Johns (Tory Kittles) ist frisch aus dem Knast entlassen worden. Auch er wollte eigentlich nicht wieder gegen das Gesetz verstoßen, doch er hat ähnliche Beweggründe wie Brett, um bei Vogelmanns Bande als Fahrer anzuheuern: Als Henry nach Hause kommt, erfährt er, dass seine Mutter als Prostituierte arbeitet, während sein jüngerer, gehbehinderter Bruder im Nachbarzimmer Videospiele spielt. Eines seiner Lieblingsspiele ist „Shotgun Safari“ – eine Großwild-Jagd, bei der in der Savanne an jeder Ecke Löwen und andere Raubtiere lauern, die getötet werden müssen, wenn man überleben will. Eine passende Parallele zur Welt, in der Brett, Anthony und Henry leben. Interessanterweise zeigt hier der ehemalige Heavy-Metal-Schlagzeuger Zahler nach „Brawl in Cell Block 99“ wieder seine Vorliebe für Soul-Musik: Er schrieb den Abspannsong „Shotgun Safari“, welcher von der besonders in den 1970er-Jahren erfolgreichen Band The O’Jays eingesungen wurde.

Figuren aus Fleisch und Blut

Die Haupthandlung unterbricht Zahler immer wieder kurz für kleine Zwischenepisoden: Vogelmann überfällt einen Lebensmittelladen und holt den extra bestellten, schusssicheren Transporter ab, den er für den Überfall nutzen will. Bretts Tochter Sara wird kurz vor ihrem Zuhause auf der Straße von Jugendlichen mit einem Getränk übergossen – und dann ist da noch die junge Mutter Kelly (Jennifer Carpenter), die nach ihrer verlängerten Babypause ihren ersten Arbeitstag hat, aber große Probleme damit hat, sich von ihrem Nachwuchs zu lösen. All diese Szenen bringen uns die Charaktere und ihre Hintergründe präzise näher, ohne, dass es große Erklärungen braucht. Sie werden zu Figuren aus Fleisch und Blut. Das ist meisterlich und auf den Punkt genau von Zahler geschrieben und wird durch eine großartige Besetzung getragen. Dabei kann sich der Regisseur nicht nur auf das perfekte Zusammenspiel von Vince Vaughn und Mel Gibson verlassen. Er vertraute auch neben Vaughn erneut in kleinen Rollen auf Don Johnson, Jennifer Carpenter, Udo Kier und Fred Melamed, die bereits in Zahlers früheren Filmen dabei waren.

Henry (l.) vertreibt den Freier seiner Mutter aus der Wohnung

Wer „Bone Tomahawk“, „Brawl in Cell Block 99“ oder „Puppet Master – Das tödlichste Reich““, für den Zahler das Drehbuch schrieb, gesehen hat, weiß dass der Regisseur nicht zimperlich mit blutigen Szenen umgeht. „Dragged Across Concrete“ ist dabei sein erster Film, der in Deutschland nicht mindestens eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten hat. Hier schraubt er die Gewalt zwar deutlich zurück – dennoch setzt er sie treffsicher und völlig unerwartet ein, was für den Zuschauer dann umso mehr durch Mark und Bein geht. Für die beteiligten Figuren bleibt aber keine Zeit für Trauer oder Triumph, denn sie alle wissen, dass die Großwild-Jagd noch lange nicht vorbei ist. An jeder Ecke kann ein weiteres, hungriges Raubtier lauern, das ebenfalls ums Überleben kämpft.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von S. Craig Zahler sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Mel Gibson und Vince Vaughn unter Schauspieler.

Kellys Bank wird von Vogelmann und seiner Bande überfallen

Veröffentlichung: 23. August 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 163 Min. (Blu-ray), 159 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dragged Across Concrete
USA 2018
Regie: S. Craig Zahler
Drehbuch: S. Craig Zahler
Besetzung: Mel Gibson, Vince Vaughn. Don Johnson, Tory Kittles, Jennifer Carpenter, Michael Jai White, Laurie Holden. Fred Melamed, Thomas Kretschmann, Udo Kier
Zusatzmaterial: Featurettes „Moral Conflict”, „Elements of Crime Part 1-3“, Trailer
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 Universum Film

 

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Puppet Master – Das tödlichste Reich: Nazi-Puppen greifen an

Puppet Master – The Littlest Rich

Von Volker Schönenberger

Horror // Asche auf mein Haupt: Mit der 1989 mit „Puppet Master“ gestarteten Reihe von Charles Bands Produktionsfirma Full Moon Features bin ich nie in Berührung gekommen – warum auch immer. Insofern kann ich auch keine Auskunft darüber geben, ob der 13. Teil „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ das Franchise würdig fortsetzt.

Was geht in André Toulon vor?

Nach seiner Scheidung quartiert sich Edgar Easton (Thomas Lennon) vorerst wieder bei seinen Eltern ein – seine Mutter Suzanne (Laurie Guzda) freut sich, sein Vater Tom (James Healy Jr.) weniger. Für den stellt der in einem Comicladen arbeitende und selbst Comics zeichnende Sohn eine Enttäuschung dar, erst recht, weil er seine Ehefrau ziehen ließ, die sich nach Toms Ansicht als Mutter gut geeignet hätte. Im Zimmer seines verstorbenen Bruders entdeckt Eddie eine morbide schwarze Puppe mit Totenkopfgesicht. Er findet heraus, dass in Kürze eine Convention stattfindet, auf der mehrere solcher Puppen versteigert werden sollen. Anlass der Veranstaltung: der 30. Jahrestag einer grausamen Mordserie durch den Erbauer der Puppen. Mit seiner Jugendfreundin Ashley (Jenny Pellicer) und seinem Boss und Kumpel Markowitz (Nelson Franklin) bricht er zu dem Ereignis auf.

Mit Udo Kier und Michael Paré

Kenner der Reihe werden es wissen: Der Puppenbauer heißt André Toulon. In „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ verkörpert ihn Udo Kier, der nach wie vor oft im Genrefilm anzutreffen ist. Offenbar muss man ihn nur fragen. Aber er adelt jeden Film, auch diesen, wenn auch leider denkbar kurz und lediglich im Prolog. Michael Paré („Straßen in Flammen“) ist mir als Police Detective nicht groß aufgefallen. Ebenfalls dabei: Barbara Crampton, seinerzeit schon bei „Der Re-Animator“ (1985) und „From Beyond – Aliens des Grauens“ (1986) am Start und auch in den gelungenen „You’re Next“ (2011) und „The Lords of Salem“ (2012) zu sehen. Eine echte Genrefilm-Expertin also, die auch schon im ersten, im Fahrwasser von „Chucky – Die Mörderpuppe“ (1988) produzierten „Puppet Master“ in einer kleinen Rolle mitgewirkt hat. Im neuen Teil spielt Crampton Officer Carol Doreski, die die Convention-Teilnehmer durch das Haus André Toulons führt. Bald darauf erwachen die Puppen zum Leben und richten mit ihren mörderischen Klingen ein blutiges Gemetzel an.

Ashley und Eddie kommen einander näher

Besonders im Gedächtnis bleibt mir eine an den Tod von John Hurts Figur in „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) erinnernde Sequenz, wenn ihr versteht, was ich meine. Die animatronischen Puppen sind angetan, Gorehounds viel Freude zu bereiten. Das sieht natürlich alles etwas trashig aus, ist aber CGI-Splatter allemal vorzuziehen. Ab und zu kann man auch mal wieder freigelegte Brustkörbe und aus Bäuchen hervorquellende Gedärme sehen. Einige offenherzige Sexszenen gibt es ebenfalls zu bewundern. Die FSK fand das nicht ganz so amüsant und verweigerte die Freigabe, sodass das Label Pierrot le Fou „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ mit dem SPIO/JK-Siegel für keine schwere Jugendgefährdung veröffentlicht.

Luft nach oben

Wenn die Puppen rauskriegen, wo wir sind, sind wir geliefert. Sätze wie dieser machen deutlich, wie ernst „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ zu nehmen ist: überhaupt nicht. Wer mit der Reihe vertraut ist, wird einige Puppen aus vorherigen Filmen identifizieren können, ich spare mir die Nennung von Namen, die ich doch nur irgendwo abgeschrieben hätte. Was ich mitbekommen habe: Bei „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ handelt es sich offenbar um ein Reboot, das in einer anderen Realität angesiedelt ist als die Vorgänger. Das erklärt, weshalb André Toulon diesmal nationalsozialistisches Gedankengut hegt und seine Puppen die Jagd auf Juden, Schwarze und andere eröffnen lässt. Diese politisch potenziell unkorrekte Prämisse reizt der Film allerdings überhaupt nicht aus, da es letztlich um eine Aneinanderreihung unterhaltsamer Tötungssequenzen geht. Das Regisseursduo Sonny Laguna und Tommy Wiklund („Vittra“, „We Are Monsters“) verpasst die große Gelegenheit, daraus viel schwarzen Humor zu generieren, zumal die Puppen zwar ansprechend gestaltet ausfallen, aber stets nur kurz in Aktion treten und daher keine individuellen Merkmale entwickeln. Da ist in mancherlei Hinsicht noch massig Luft nach oben. Das Geschehen krankt obendrein etwas am Schlaftabletten-Charisma des Hauptdarstellers Thomas Lennon, aber wer sieht sich einen „Puppet Master“-Film schon in der Erwartung großer Schauspielkunst an?

Eine tödliche Puppe

„Puppet Master – Das tödlichste Reich“ feierte seine Deutschlandpremiere im Sommer 2018 beim Fantasy Filmfest. Das Drehbuch schrieb S. Craig Zahler, der als Drehbuchautor und Regisseur zuvor mit „Bone Tomahawk“ (2015) und „Brawl in Cell Block 99“ (2017) auf sich aufmerksam gemacht hatte. Eine Fortsetzung von „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ ist angedacht. Bereits fertig, aber hierzulande noch ohne Premieren- oder Veröffentlichungstermin: „Puppet Master – Blitzkrieg Massacre“, der aber nicht im selben Universum anzusiedeln ist wie dieser Film, wenn ich das richtig sehe. Wer sich auf einen Schlag alle elf dem offiziellen Kanon der Reihe zugehörigen Teile der Reihe zulegen will und das nötige Kleingeld übrig hat, kann bei Wicked-Vision Media zuschlagen: Dort erscheint im Oktober die auf 333 Exemplare limitierte Puppet Master Collection (Ultimate TRUNK Collection).

Werden die Fans der „Puppet Master“-Reihe bedient?

Ich vermute, dass „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ seine Freunde finden wird und auch schon gefunden hat. Ein Blick auf Rotten Tomatoes zeigt bei der Kritikerwertung Tomatometer anständige 67 Prozent, die Publikumswertung Audience Score liegt bei 54 Prozent, der gleiche Wert findet sich in der User-Wertung der IMDb (Stand Juli 2019). Ob Fans der gesamten Reihe angetan sind, kann ich nicht wirklich einschätzen, nehme es aber an.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Udo Kier und Michael Paré sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Und noch eine

Veröffentlichung: 12. Juli 2019 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, limitiert auf 2.000 Exemplare)

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Puppet Master – The Littlest Rich
GB/USA 2018
Regie: Sonny Laguna, Tommy Wiklund
Drehbuch: S. Craig Zahler
Besetzung: Thomas Lennon, Jenny Pellicer, Nelson Franklin, Charlyne Yi, Michael Paré, Barbara Crampton, Udo Kier, Alex Beh, Matthias Hues, Anne Beyer, Victoria Hande, Betsy Holt, James Healy Jr., Laurie Guzda
Zusatzmaterial: Interviews, Drehtagebuch, Die Ankunft der Killerpuppen, Trailer, Poster, Booklet
Label: Pierrot le Fou
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Pierrot le Fou

 

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Iron Sky – The Coming Race: Wenn der Adolf auf dem T. Rex reitet

Iron Sky – The Coming Race

Kinostart: 21. März 2019

Von Volker Schönenberger

SF-Action-Parodie // Spätestens seit „Iron Sky“ (2012) wissen wir es ganz sicher: Nazis leben hinterm Mond. Das Kinodebüt des finnischen Regisseurs Timo Vuorensola macht viel Freude, erst recht im 20 Minuten längeren Director’s Cut. Sicher, ein gewisses Faible für oder zumindest Toleranz gegenüber Trash ist dabei hilfreich, der Geschichte um die nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf die dunkle Seite des Mondes emigrierten deutschen Nazis etwas abzugewinnen. Und trotz des schmalen Budgets wirkten die Tricks und der Look von „Iron Sky“ überhaupt nicht trashig, visuell gibt es daran überhaupt nichts auszusetzen.

Renate Richter hält die Mondkolonie zusammen

All das gilt glücklicherweise auch für die Fortsetzung „Iron Sky – The Coming Race“, welche die selbst schon absurde Story des Vorgängers ins Irrwitzige fortführt. 20 Jahre später haben sich in der ehemaligen Nazi-Mondbasis die Überreste der Menschheit zusammengefunden – der Heimatplanet Erde war im nuklearen Armageddon zerstört und unbewohnbar geworden. Renate Richter (Julia Dietze), ehemalige Englischlehrerin des Nazi-Nachwuchses, hat die Führung über die Kolonie der Überlebenden übernommen.

Wolfgang Kortzfleisch ist wieder da!

Ihrer Tochter Obi (Lara Rossi), deren Vater der schwarze Kosmonaut James Washington (Christopher Kirby) ist, gelingt es mit Müh und Not, die alte und baufällige Siedlung in Schuss zu halten und speziell bei den gelegentlichen Mondbeben vor dem Untergang zu bewahren. Eine kleine Gruppe streng religiöser Sektierer bringt obendrein Unruhe: die von Donald (Tom Green) geleiteten Jobsisten (sic!), bei denen man auch schon mal per App exkommuniziert wird – und zwar endgültig. Als ein notdürftig zusammengebautes Raumschiff mit russischen Überlebenden unter der Führung des großmäuligen Piloten Sasha (Vladimir Burlakov) auftaucht, verkompliziert sich die Lage. Bald erscheint auch der alte Feind Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) auf der Bildfläche.

Auch Obi Washington hat alle Hände voll zu tun

Der weitere Verlauf von „Iron Sky – The Coming Race“ gestaltet sich derart wunderbar hanebüchen, dass ich geneigt bin, viel mehr zu verraten. Aber ich will euch einige Überraschungen bewahren, auch wenn andernorts deutlich mehr gespoilert wird, daher erlaube ich mir nur noch ein paar Andeutungen: Der auf einem Tyrannosaurus Rex reitende Adolf Hitler stellt ja ein zentrales Motiv der Werbekampagne zum Film dar, ihn zu erwähnen, schadet sicher nicht. In der Folge nimmt die Komödie Anleihen bei Jules Vernes „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, auch Leonardo da Vinis „Das Abendmahl“ bekommt seine Referenz. Mit US-Präsidentin Sarah Palin (Stephanie Paul) gibt es ein Wiedersehen, in dessen Folge wir darüber aufgeklärt werden, wer tatsächlich unsere Welt beherrscht.

Gottesdienst bei den Jobsisten

Gelegentlich fühlte ich mich bei der Sichtung von „Iron Sky – The Coming Race“ visuell an vergangene Zeiten erinnert, als Filme wie „Masters of the Universe“ (1987) und „Mom und Dad retten die Welt“ (1992) das Science-Fiction- und das Fantasy-Genre aufs Korn nahmen. Ein paar Mal scheint mir Regisseur Vuorensola Anspielungen auf die „Krieg der Sterne“-Saga eingebaut zu haben. Noch stärker als beim Vorgänger kommt die Kritik an unseren gesellschaftlichen und politischen Zuständen zu ihrem Recht, und das gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit – allerdings heftigem – Augenzwinkern. Die Verschwörungstheoretiker unserer Zeit bekommen jedenfalls eine ganz lange Nase gezeigt.

Schlechter Start in Finnland

Dank des wie immer gut aufgelegten Udo Kier, insbesondere auch Julia Dietze („Montrak“) sowie der auf wie erwähnt demselben hohen Niveau angesiedelten Schauwerte ist der Wiedererkennungswert hoch. In Finnland und den skandinavischen Staaten startete „Iron Sky – The Coming Race“ bereits im Januar und Februar in den Kinos. Die dortigen Kritiken fielen durchwachsen aus, um es milde zu formulieren. Für mich unverständlich – ich habe mich während der Pressevorführung blendend unterhalten gefühlt.

Großspuriger Russe: Sasha

Der Vorgänger hat nicht zuletzt dank Crowdfunding und der Einbeziehung im Vorfeld eine eingeschworene Fanmeute um sich geschart – das Crowdfunding der Fortsetzung fiel sogar deutlich erfolgreicher aus. Die Fans dürften auch am Sequel ihre Freude haben, auch wenn sich Steve Jobs im Grabe umdreht. Wer mit Trash in all seinen Facetten umgehen kann, darf bei „Iron Sky – The Coming Race“ mehr als ein Auge riskieren. Und wer weiß, ob mit „Iron Sky – The Coming Race“ schon das Ende der Fahnenstange erreicht ist? Das Universum gibt einiges her …

Wolfgang Kortzfleisch ist wieder da

Nachtrag: Da wie erwähnt eine gewisse Sarah Palin als US-Präsidentin in Erscheinung tritt, hat es Donald Trump nicht in den Film geschafft. Seine erboste Reaktion darauf wurde von Unbekannten im Video festgehalten und geleakt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Udo Kier sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Das Abendmahl

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Iron Sky – The Coming Race
FIN/D/BEL 2019
Regie: Timo Vuorensola
Drehbuch: Dalan Musson, Timo Vuorensola
Besetzung: Lara Rossi, Vladimir Burlakov, Kit Dale, Udo Kier, Julia Dietze, Tom Green, Edward Judge, Emily Atack, Martin Swabey, Stephanie Paul, John Flanders
Verleih: splendid film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2019 splendid film

 

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