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Nocta – Sein 40. Geburtstag oder Der falsche Partygast

Nocta

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Licht über Licht. Der Gott führt zu seinem Licht, wen er will. Und der Gott führt den Menschen die Gleichnisse an. Und der Gott weiß über alle Dinge Bescheid. Dieser Ausschnitt aus dem Lichtvers des Korans leitet „Nocta“ ein, die 2019er-Produktion aus dem Hause P.S.Y.C.H.O. Productions. Die rührigen Filmemacher („Das Geheimnis der Zauberpilze“, „Der König der Kannibalen“ und andere) erfreuen sich unter Freunden des deutschen Undergrounds anhaltender Beliebtheit. Vorfreude auf „Nocta“ war in der Gemeinde somit vorhanden.

Till, Shabbi und Ernst (v. l.) trauen ihren Augen nicht

Ernst Lichtenbusch (Jim Aal) wird bald 40 Jahre alt, lebt aber in seiner eigenen, vom fanatisch katholischen Vater geprägten Welt. Freunde hat er keine, eine Freundin schon mal gar nicht. Sein Bekannter Till (Sebastian Zeglarski) überredet ihn, den Geburtstag mit einer zünftigen Fete im Keller zu begehen. Das Organisatorische übernimmt Till mit seinem muslimischen Kumpel Shabbi (Raping Ras), der sich selbst als Afrogermane bezeichnet. Auch um ausreichend Gäste will sich Till kümmern.

Nocta richtet …

Vor allem die vom Organisator in Aussicht gestellte Option, Ernst mit einem Weibe in Kontakt zu bringen, lässt den Naivling frohlocken und dem Abend in gebannter Erwartung entgegensehen. Als die Sause ihren Lauf nimmt, ist er zwar von der obskuren Musik, dem vielen Alkohol, anderen Drogen und dem exzessiven Benehmen etlicher Gäste alles andere als angetan; auch die Bekleidung speziell der weiblichen Gäste missfällt dem Guten: Die Frauen sind alle angezogen wie babylonische Huren. Aber da er sich in die holde Nocta (Resa Elstner) verguckt hat, will er wohl mal ein Auge zudrücken. Doch es kommt alles ganz anders, denn Nocta hütet ein düsteres Geheimnis und blutige Vorlieben. Bald geht es untot zu.

Blut, Gedärme, offene Wunden

Feingeister werden angesichts diverser Körperausscheidungen jeglicher Art die Nase rümpfen, aber für die haben die Regisseure – und P.S.Y.C.H.O.-Productions-Gründer – Crippler Criss, Master W „Nocta“ auch nicht gemacht. Hier wird gesplattert, dass sich die Balken biegen! Blutfontänen, Gedärme, offene Wunden noch und nöcher – handgemacht, ist ja klar. Und das sieht insgesamt gar nicht mal schlecht aus. Etwaige Unzulänglichkeiten kaschieren die beiden mit überzeugenden Licht- und Schattenwechseln, Perspektiven und dem Schnitt. Gedreht wurde größenteils – logisch – im Keller. Hoffen wir für den Eigentümer, dass er für die Wände ohnehin einen roten Anstrich in Planung hatte. Der Humor ist simpel, zotig bis an den Rand des Fäkalen und darüber hinaus gehend – ich will mir hinterher nicht vorwerfen lassen, nicht gewarnt zu haben. Ein paar schräge Gesangseinlagen verflüssigen den Ohrenschmalz.

… einiges Unheil an

Die Leistungen der Darsteller/innen und die Dialogregie hinken da erwartungsgemäß hinterher. Der Underground lebt eben von Laien, die gern mal vor die Kamera treten, sei es aus der Lust am Schauspiel oder weil der Kumpel aus der Schulzeit zum Amateurdreh bittet. Damit können all jene, die dem Underground huldigen, in aller Regel sehr gut umgehen. Und wer das nicht kann, möge diesem Segment der Filmkunst besser fernbleiben.

So hatte sich Ernst sein erstes Date nicht vorgestellt

Wer das turbulente Treiben im Keller aufmerksam verfolgt, wird mit ein paar feinen – oder groben, je nach Sichtweise – Anspielungen belohnt. Peter Jackson („Braindead“) und Ridley Scott („Alien“) lassen grüßen. Und dass zwei Nazis gehörig etwas abbekommen, bringt natürlich Sympathiepunkte. Blu-ray und DVD von „Nocta“ können über die Facebook-Seite von P.S.Y.C.H.O. Productions sowie per E-Mail an shop(at)psychoproductions.com bestellt werden. Die 90 Minuten sind reichlich gefüllt und vergehen dank temporeicher Inszenierung wie im Fluge. Längen habe ich keine zu bemängeln, das ist im Underground-Segment durchaus bemerkenswert. Natürlich ist die Gewalt repetitiv bis redundant, um es weniger bildungsbürgerlich zu beschreiben: Ein paar Mal wiederholt es sich. Aber das haben Splatterspektakel nun mal so an sich, erst recht brachiale wie dieses. Empfehlenswert! Aber was hat nun der zu Beginn thematisierte Lichtvers aus dem Koran mit dem blutrünstigen Treiben zu tun? Womöglich fällt das in die Kategorie: Seltsam? Aber so steht’s geschrieben … Wer entdeckt „Die Nacht der lebenden Texte“-Autor Marco Kraus alias Marco Grindhouse unter den Partygästen?

Die Partygäste haben sich verändert

Veröffentlichung: 23. November 2019 als Blu-ray und Doppel-DVD

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Nocta
D 2019
Regie: Crippler Criss, Master W
Drehbuch: Master W
Produktion: Crippler Criss
Visuelle Effekte: Sebastian Zeglarski
Besetzung: Resa Elstner, Jim-Aal, Sebastian Zeglarski, Raping Ras, Meta Morphosia, Marco Klammer, Jens Schütte, Marc Gore, Uwe Choroba, Marco Kraus
Zusatzmaterial: Audiokommentare, Making-of, „Im Keller des Entsaftens“, Interviews, Bloopers, Jim Aal-Spezial, Musikvideos, Trailer
Label/Vertrieb: P.S.Y.C.H.O. Productions

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshots: © 2019 P.S.Y.C.H.O. Productions

 
 

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Töte mich noch einmal – Experimentelles aus dem deutschen Underground

Töte mich noch einmal

Von Volker Schönenberger

Kurzfilm-Drama // Epilepsiewarnung! Stroboskopeffekte können Kopfschmerzen und Anfälle auslösen! Im Anschluss an diese Texteinblendung läuft zu dissonanten Quietsch- und Rauschtönen der Vorspann von „Töte mich noch einmal“. Der Schriftsteller Michele (Antonio Putignano) hat gerade eine Lese- und Signierstunde beendet und sein Publikum verabschiedet, einzig der vermeintliche Fan Clemens (Thomas Goersch) bleibt noch in dem kleinen Lokal zurück. Und bezichtigt ihn aus heiterem Himmel, ein Mörder zu sein. Genauer: Vor zehn Jahren habe Michele ihn bereits ermordet, zumindest den Teil von ihm, der Saphira hieß. Und er verlangt: Töte mich noch einmal!

Die Fans warten auf …

Besagte Saphira (Shirley Hermanick) sehen wir in den letzten acht Minuten des 21-Minüters ziellos in der freien Natur lustwandeln. Mit der Handlung scheint diese Sequenz nichts mehr zu tun zu haben. „Töte mich noch einmal“ lässt sich mit üblichen Sehgewohnheiten kaum fassen. Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Daniel Hadrović ging es womöglich gerade darum, herkömmliche Bahnen eines Spielfilms weitgehend zu verlassen. Das beginnt bereits mit der Visualisierung – streckenweise wirkt das Bild wie die Kopie einer Kopie einer abgenudelten VHS-Kassette. Das strengt an und soll es offenbar auch, denn auch das Gegreine von Clemens bereitet beim Zuschauen und Anhören keine Freude. Obendrein lässt das Geschehen Fragen offen – das mögen viele Filmfans überhaupt nicht.

Mit Antonio Putignano und Thomas Goersch

Gedreht wurde in Frankfurt/Main und Duisburg. Mit dem unter anderem aus „Marienhof“ bekannten Antonio Putignano konnte Hadrović einen erfahrenen Fernsehdarsteller für eine der beiden Hauptrollen gewinnen, auch Thomas Goersch („Tal der Skorpione“) bringt viel Routine mit, auch durch seine Rollen im deutschen Undergroundfilm. Beide Besetzungen heben den Experimentalfilm somit über Amateurniveau. Offenheit für den Underground muss man als Zuschauer allerdings mitbringen, und lieblicher Filmgenuss sieht anders aus. Wer sich darauf einlässt, bekommt einen zwar kurzen, aber intensiven Blick über den filmischen Tellerrand geboten.

… Schriftsteller Michele

„Töte mich noch einmal“ feierte seine Premiere im November 2019 beim Berufsverband Bildender Künstler in Frankfurt am Main. Hadrović würde sich über weitere Präsentationen seines Filmdebüts freuen, derzeit gibt es aber keine Termine – dafür aber die Nachricht, dass ein neunminütiger „Maggot Cut“ des Werks im Bonusmaterial des Films „Opening the Mind“ auftaucht, den das US-Undergroundlabel Maggot Films veröffentlicht. Dort wird „Töte mich noch einmal“ im deutschen Original mit englischen Untertiteln versehen sein. Eine Veröffentlichung der 21-minütigen Fassung bei einem deutschen Label ist geplant, aber noch nicht in trockenen Tüchern.

Was ist mit Saphira geschehen?

Veröffentlichung: offen

Länge: 21 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Töte mich noch einmal
D 2019
Regie: Daniel Hadrović
Drehbuch: Daniel Hadrović
Besetzung: Antonio Putignano, Thomas Goersch, Shirley Hermanick

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Plakat: © 2019 Daniel Hadrović

 

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Nutshot – Die Schweiz, Zombies, Hustenbonbons und Schokolade

Nutshot

Von Marco Kraus

Horror-Action // Im Rahmen meiner Tätigkeit als Jurymitglied für den von Mike Blankenburg ins Leben gerufenen Dead Ends Award auf dem House of Horrors in Oberhausen durfte ich mir den Screener zum Schweizer Zombie Kracher „Nutshot“ zu Gemüte führen. Moment?! Zombies und die Schweiz, passt das überhaupt? Verbindet man die Schweiz nicht eher mit berühmten Hustenbonbons, verschwiegenen Bankiers und guter Schokolade? Diese Frage stellte ich mir auch. Und an alle Skeptiker, ich kann die Frage mit ja beantworten; die Konstellation Zombies aus der Schweiz passt – und wie …

Ruhig mal einen Blick riskieren!

Bei „Nutshot“ handelt es sich um den neuen Film vom Alexander Kuster und König Heiko Muuss, der in der Schweizer Horrorszene kein unbeschriebenes Blatt ist. Diverse Kurzfilme wie „Projekt Fleisch“ gehen auf auf sein Konto. Ebenfalls war Muuss mit seiner „Psyko Horror Show“ auf dem Sender Star TV präsent – etliche Folgen davon findet ihr auf seinem YouTube-Kanal. In Zusammenarbeit mit Don Philippo, Andi Bösch, Miss Evi-L, Claudia von Rotten und vielen mehr entstand nun der erste Langfilm „Nutshot“.

Von Waffenhandel und Pleitegeiern

Zwei, ja nennen wir sie ruhig sympathische Gauner (Heiko Muuss, Alexander Kuster) glauben, mit Waffenhandel schnell ans große Geld kommen zu können. An sich keine schlechte Idee, wenn man zum einen nicht der Sorte von Mensch angehört, die sich ihren Lebensunterhalt durch eine herkömmliche berufliche Tätigkeit verdient, und man zum anderen leider auch finanziell arg gebeutelt ist und dies die letzte Chance darstellt, einen nicht gern gesehenen Vogel, den sogenannten Pleitegeier, noch einmal in die Rubrik der vom Aussterben bedrohten Tierarten zu verbannen. Aber leider ist es wie immer getreu dem Motto: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ Was auf diese wohl jedem bekannte Floskel folgt – jedenfalls nichts Gutes. Und wenn unsere zwei Helden den Spruch bis dato noch nicht kannten, so werden sie schon bald mit dieser Weisheit konfrontiert werden.

Die Auswirkung von Chemikalien auf Tote

Zu Anfang scheint alles nach Plan zu verlaufen. Abnehmer für der Ware sind schnell gefunden, doch der vereinbarte Übergabeort erweist sich als altes Fabrikgelände, das mittlerweile zur Entsorgung allerlei wunderbarer Chemikalien mit der einen oder anderen nicht geplanten Nebenwirkung dient. Eine dieser minimalen Nebenwirkungen ist, dass Tote wieder zum Leben erwachen. Die Untoten sind alles andere als begeistert von dem Treiben um sie herum – und das wollen sie unsere beiden Möchtegern-Waffenhändler spüren lassen.

Splatterfans werden ihre Freude haben

Ab jetzt geht es dann auch herrlich zur Sache und jeder Splatterfan sollte an den Blutfontänen, Eingeweiden und rollenden Köpfen seine helle Freude haben. Den Zombies wird genretypisch in jeder erdenklichen, mal mehr, mal weniger kreativen, dafür aber effektiven Art und Weise der Garaus gemacht.

Nicht nur Vögel, auch Blut und Gedärme fliegen tief

Wer eine tiefgehende, nie dagewesene Story erwartet, der sei an dieser Stelle gewarnt: Lasst die Finger von dem Film, denn das bietet „Nutshot“ definitiv beides nicht. Muss er auch gar nicht. Vielmehr stehen hier der Splatter und damit der Spaßfaktor im Vordergrund. Die Effekte sind durch die Bank gut gemacht, die Darsteller sind liebenswert und machen ihre Sache recht ordentlich. Auch kommt der Humor, welcher zugegeben nicht jedermanns Sache sein wird, ebenfalls nicht zu kurz – meinen Nerv hat er gut getroffen. Dies alles macht „Nutshot“ zu einem herrlich trashigen Partyfilm, den ich jedem Splatterliebhaber und Freund etwas derben Humors nur ans Herz legen kann.

Sympathische Schweizer Zombie-Jäger

Veröffentlichung: 20. Dezember 2019 als DVD

Länge: 70 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Nutshot
CH 2019
Regie: Heiko „Psyko“ Muuss, Alexander Kuster
Drehbuch: Heiko „Psyko“ Muuss, Alexander Kuster
Besetzung: Heiko „Psyko“ Muuss, Alexander Kusterm Don Philippo, Andi Bösch, Miss Evi-L, Claudia von Rotten
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer
Vertrieb: Heiko „Psyko“ Muuss

Copyright 2019 by Marco Kraus
Szenenfotos & Plakat: © 2019 Heiko „Psyko“ Muuss

 

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