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Vetala – Untote in indischer Netflix-Serie

Betaal

Von Volker Schönenberger

Horror-Miniserie // In der indischen Mythologie bezeichnet Vetala oder Betaal einen Wiedergänger, also einen aus dem Jenseits zurückgekehrten Toten, einen wiederbelebten Leichnam. Das erinnert natürlich nicht zuletzt an die guten alten Zombies. Mit der gleichnamigen vierteiligen indischen Miniserie erhält das arg überstrapazierte Untotengenre eine reizvolle neue Facette.

Lasst den Tunnel zu!

Zu Beginn der ersten Folge bekommen wir per Texteinblendung den letzten Eintrag des Tagebuchs von Colonel Lynedoch (Richard Dillane) zu lesen, der vom 17. Juni 1857 datiert: We came to help these people. But they resist. The mutiny has reached us. How dare they? I will use their own guardians against them. I will harness the Betaal’s curse, and grind these savages into the dirt … It seems there are rebels in the tunnel. I must go … Der britische Kolonial-Offizier beklagt sich also darüber, dass die Menschen, denen er helfen wollte, Widerstand leisten. Der Aufstand sei nah, nun werde er gegen die Rebellen ihre eigenen Wächter einsetzen, den Fluch Betaals entfachen und die Wilden zu Staub zermalmen. Anscheinend haben sich Rebellen im Tunnel verschanzt.

Der indische Aufstand von 1857

Eine etwas später gezeigte Gedenktafel verrät, dass Lynedoch der „90th Taunton Volunteers“ der East India Company angehörte, die während des Indischen Aufstands von 1857 spurlos verschwand. Im Hier und Heute Zentralindiens will das Bauunternehmen Surya Development erwähnten Tunnel für eine bedeutsame Verkehrstrasse erschließen. Doch das unbeugsame Dorf Nilja leistet Widerstand, wehrt sich nach Kräften gegen das Projekt. Die Zeit drängt, weil sich der Ministerpräsident persönlich zur Einweihung angekündigt hat. Ajay Mudhalvan (Jitendra Joshi), leitender Angestellter des Konzerns, gerät unter Druck und beauftragt die von Kommandantin Tyagi (Suchitra Pillai) geleitete „Baaz Squad“ der Polizeieinheit CIPD mit der Räumung von Dorf und Tunnel.

Die Baaz Squad eröffnet das Feuer

Das CIPD steht gerade unter besonderer Beobachtung, weil ein vorangegangener Einsatz der Baaz Squad zu Toten geführt hatte. Der Spezialeinheit wird brutales Vorgehen und sogar Mord vorgeworfen. Tyagi kennt dann auch diesmal keine Gnade und befiehlt ihrem Unteroffizier Vikram Sirohi (Viineet Kumar) sogar, das Feuer auf die Dörfler zu eröffnen, die den Eingang des verbarrikadierten Tunnels blockieren. Weil Sirohi zögert, lässt Mudhalvan einen eigens zu diesem Zweck vorbereiteten Sprengsatz detonieren, um die Eskalation herbeizuführen. Das gelingt, und nach kurzem Feuergefecht dringt die Baaz Squad in den Tunnel vor. Dort erwartet die Einsatzkräfte eine unheimliche Begegnung der mörderischen Art. Doch es sind nicht die erwarteten maoistischen Naxaliten-Rebellen, die sich dort verschanzt haben – Tote erheben sich …

Systemkritik und koloniales Erbe

Sowohl Kapitalismuskritik als auch Anspielungen auf die Kolonialgeschichte Indiens in Zombie-, Verzeihung: Vetala-Horror zu verpacken – Respekt! Allein damit hat es sich „Vetala“ bereits verdient, ein großes internationales Publikum zu erreichen. Der Widerstand der Dörfler gegen die Umsiedlung ist natürlich zum Scheitern verurteilt. Geld regiert eben auch in Indien die Welt, ein paar Tote sind als Kollateralschäden zu verschmerzen. Das bekommt in der ersten Episode „Der Tunnel“ breiten Raum. Speziell Ajay Mudhalvan erweist sich als besonders skrupelloses Exemplar der kapitalistischen Gattung.

Little Drummer Boy schlägt den tödlichen Takt

In der zweiten Folge „Die Baracken“ verbarrikadieren sich die Baaz Squad und einige andere Überlebende in einer alten Kaserne der Briten und harren der Dinge, die da kommen. Die Zombies, so wir die Wiedergänger denn so nennen dürfen, schlurfen nicht langsam in Verwesung begriffen wie bei George A. Romero, sie sind schnell – sehr schnell. Ab und zu marschieren sie auch recht diszipliniert, der militär-kolonialen Vergangenheit des britischen Empires geschuldet. Und ein untoter Soldat schlägt die Trommel dazu. Kostümierung und Szenenbild haben mir gut gefallen, in den alten Militär-Räumlichkeiten der Briten haben mich einige Sets sogar ein wenig an das Videospiel und dessen Verfilmung „Silent Hill“ erinnert. Das bringt Atmosphäre, und für Hochspannung ist jederzeit gesorgt.

Shah Rukh Khan und Blumhouse

„Vetala“ ist ein Projekt von Red Chillies Entertainment, der Produktionsfirma, die der indische Superstar Shah Rukh Khan und seine Ehefrau Gauri Khan 2003 gegründet haben. Vermutlich mangels eigener Horror-Erfahrung, holte man sich diese in Gestalt von Blumhouse Productions hinzu, seit der Jahrtausendwende mit etlichen Genrewerken erfolgreich, darunter die Reihen „Paranormal Activity“, „The Purge“ und „Insidious“. Auch bei Jordan Peeles außergewöhnlichem Rassismus-Horrortrip „Get Out“, Spike Lees Ku-Klux-Klan-Drama „BlacKkKlansman“ und M. Night Shyamalans Mystery-Thriller „Glass“ handelt es sich um Blumhouse-Produktionen. Das Unternehmen war 2018 auch an der Entstehung von „Ghul“ beteiligt, der ersten Horror-Miniserie von „Vetala“-Schöpfer Patrick Graham, die bislang ebenfalls exklusiv bei Netflix zu sehen ist. Der nicht gerade indische Name fällt auf, und in der Tat handelt es sich bei Graham um einen Briten, der in Mumbai arbeitet. Seiner IMDb-Biografie zufolge ist er einer der wenigen westlichen Autoren und Regisseure, die in der indischen Filmindustrie tätig sind.

Gegen die Untoten muss schon …

„Vetala“ ist bislang nicht deutsch synchronisiert worden und kann in englischer Tonspur mit beispielsweise deutschen oder englischen Untertiteln geschaut werden. Ich empfehle aus atmosphärischen Gründen die Original-Fassung in Hindi mit zahlreichen englischen Einschüben. Das koloniale Erbe Indiens erwacht mit „Vetala“ auf clevere Weise zu neuem, untotem Leben. Die üblichen Zombies herkömmlicher Machart bringen mittlerweile kaum noch neue Impulse, da lohnt der Blick auf dem südasiatischen Subkontinent umso mehr.

Lucio Fulci lässt grüßen

Ganz am Ende der letzten Episode „Der Oberst“ gönnt sich „Vetala“ eine schöne Hommage an Lucio Fulcis „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ (1979) auch unter den Titeln „Zombi 2“ und „Zombie Flesh Eaters“ bekannt. Zombies in Indien hat es im Übrigen bereits 2014 in „The Dead 2“ gegeben, dabei handelt es sich aber nicht um eine indische Produktion, sondern um eine britische. Sogar eine Fortsetzung von „Vetala“ erscheint möglich, wenn auch nicht unbedingt wahrscheinlich. So oder so kann es jedenfalls mit indischem Horror gern weitergehen.

Die vier Episoden:

Der Tunnel (The Tunnel, 45:44)
Die Baracken (The Barracks, 49:47)
Der Kampf (The Battle, 46:57)
Der Oberst (The Colonel, 45:33)

… großes Kaliber aufgefahren werden

Veröffentlichung: 24. Mai 2020 bei Netflix

Länge: 188 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Hindi (mit Englisch), Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Hindi, Französisch, Russisch
Originaltitel: Betaal
IND 2020
Regie: Patrick Graham, Nikhil Mahajan
Drehbuch: Patrick Graham, Adhir Bhat, Suhani Kanwar
Besetzung: Viineet Kumar, Aahana Kumra, Suchitra Pillai, Jatin Goswami, Siddharth Menon, Manjiri Pupala, Jitendra Joshi, Syna Anand, Meenal Kapoor, Ankur Vikal, Richard Dillane
Streaming-Plattform: Netflix

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, Plakate & Trailer: © 2020 Netflix

 
 

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Endzeit – Die Zombieapokalypse: Überleben in Thüringen

Endzeit – Die Zombieapokalypse

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Eine Seuche hat die Erde heimgesucht. Nur in zwei Städten haben Menschen überlebt. In Weimar werden Infizierte sofort getötet. In Jena forscht man nach einem Heilmittel. Niemand darf die Städte verlassen. Zwei Orte in Thüringen sind als letzte Refugien nach der Zombieapokalypse natürlich so gut wie jede andere Stadt auf der Welt. Mit behelfsmäßigen Zäunen und Mauern haben sich die Überlebenden darin eingeigelt. Nicht immer gehen die Ausbesserungsarbeiten an den Außengrenzen ohne Opfer ab.

Am Zaun ist’s brandgefährlich

Als ein unbemannter Versorgungszug auf freier Strecke stehenbleibt, finden sich die beiden blinden Passagiere Vivi (Gro Swantje Kohlhof) und Eva (Maja Lehrer) plötzlich ungeschützt in der feindlichen Außenwelt wieder.

Die Untoten aus Deutschland

Bei Zombiefilmen aus deutschen Landen muss man eine Weile nachdenken. Das durchaus gelungene Berlin-Kammerspiel „Rammbock“ (2010) kommt in den Sinn, auch Uwe Bolls Videospiel-Verfilmung „House of the Dead“ sei genannt. 2015 gab’s den ausgelassenen Splatter-Spaß „Caedes – Die Lichtung des Todes“, der mit amateurhafter Anmutung eher bei Trash-Fans Anklang fand. In dem Zuge sei auch die österreichische Zombiekomödie „Angriff der Lederhosenzombies“ von 2016 genannt. Denken wir etwas länger nach, fällt uns ein, dass auch die „Resident Evil“-Reihe deutsche Produktionswurzeln hat. Das war es dann aber auch schon, wenn man von diversen Underground-Produktionen absieht.

Vivi kämpft ums Überleben …

„Endzeit“ scheint sich als Independent-Produktion mit zumindest mir unbekannten Darstellerinnen und Darstellern in der Nähe von „Caedes – Die Lichtung des Todes“ zu platzieren, doch weit gefehlt: Das gänzlich ohne Humor auskommende Werk hat mit Trash nichts am Hut und wirkt professionell in Szene gesetzt, auch wenn man ihm das schmale Budget jederzeit ansieht. Bei den Untoten handelt es sich hier um die rasenden Wüteriche moderner Machart, und nicht um die langsam schlurfenden Gesellen à la Romero. Und wenn Eva und Vivi unvermittelt auf eine sonderbar missgestaltete Gärtnerin (Trine Dyrholm) treffen, verlässt „Endzeit“ auf wohltuende Weise ausgetretene Zombiepfade und dringt in mystische Gefilde vor. Das ist sicher nicht perfekt umgesetzt, manch ein Zombiefan wird es womöglich als albern abtun, aber es verdient Anerkennung, etwas Eigenständiges schaffen zu wollen.

Nach einer Vorlage von Olivia Vieweg

Bemerkenswert die Konsequenz, mit der „Endzeit“ vor und hinter der Kamera auf Frauen setzt: Das Drehbuch stammt von Olivia Vieweg (* 1987) aus Weimar, die damit ihren eigenen, 72-seitigen Comic adaptierte, den sie 2011 als Diplomarbeit für die Bauhaus-Universität in Weimar erschaffen hatte. Aus dem Skript zum Film schuf Vieweg zudem eine Graphic Novel, die 2018 vom Carlsen Verlag veröffentlicht worden ist. Regie führte die in Berlin lebende Schwedin Carolina Hellsgård („Wanja“), weitere bedeutsame Funktionen hinter der Kamera sind ebenfalls weiblich besetzt, etwa die Kamera, der Schnitt, das Produktionsdesign und das Kostümdesign. Die stimmungsvolle und mit angemessener Zurückhaltung eingesetzte Musik stammt von Franziska Henke, und die Produktion teilten sich drei Frauen mit einem Mann. Bedeutsame männliche Rollen im Film sind obendrein keine zu finden. Ein paar Statisten als Überlebende zu Beginn, unter den Zombies natürlich zu Genüge – das war es auch schon. Bemerkenswert auch, dass sich mit Trine Dyrholm („Love Is All You Need“) eine namhafte dänische Schauspielerin für einen kurzen Auftritt gefunden hat. Diese geballte Weiblichkeit ist angetan, den üblichen Horrorfan-Macho in die Flucht zu schlagen, aber wer sich als Mann etwas gelassener ans Gender-Thema wagt und keine Berührungsängste gegenüber weiblicher Dominanz hat, erlebt vielleicht eine angenehme Überraschung. Auch Frauen können Zombies, und warum auch nicht? Da haben wir im Indie-Horror schon ganz andere männliche Produktionen krepieren sehen.

Beim Toronto International Film Festival gezeigt

Dank einiger Festivalauftritte, darunter beim Toronto International Film Festival 2018 und dem Filmfestival Max Ophüls Preis 2019, hat „Endzeit“ bereits verdiente Aufmerksamkeit und sogar begrenzte Kinoauswertung erfahren. Das Horrordrama endet anders als viele andere Zombie-Endzeitfilme. Es gibt Hoffnung, aber auf denkbar ungewöhnliche Weise. Hoffnung für den deutschen Horrorfilm gibt es ebenfalls. Schade nur, dass die deutsche Blu-ray und DVD ohne jedes Bonusmaterial daherkommen.

… und sucht ihr Heil in der Flucht

Veröffentlichung: 24. Januar 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 89 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Endzeit – Die Zombieapokalypse
D 2018
Regie: Carolina Hellsgård
Drehbuch: Olivia Vieweg, nach ihrem eigenen Comic
Besetzung: Gro Swantje Kohlhof, Maja Lehrer, Trine Dyrholm, Barbara Philipp, Yûho Yamashita, Marco Albrecht
Zusatzmaterial: Wendecover
Label/Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2020 Lighthouse Home Entertainment

 

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Nocta – Sein 40. Geburtstag oder Der falsche Partygast

Nocta

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Licht über Licht. Der Gott führt zu seinem Licht, wen er will. Und der Gott führt den Menschen die Gleichnisse an. Und der Gott weiß über alle Dinge Bescheid. Dieser Ausschnitt aus dem Lichtvers des Korans leitet „Nocta“ ein, die 2019er-Produktion aus dem Hause P.S.Y.C.H.O. Productions. Die rührigen Filmemacher („Das Geheimnis der Zauberpilze“, „Der König der Kannibalen“ und andere) erfreuen sich unter Freunden des deutschen Undergrounds anhaltender Beliebtheit. Vorfreude auf „Nocta“ war in der Gemeinde somit vorhanden.

Till, Shabbi und Ernst (v. l.) trauen ihren Augen nicht

Ernst Lichtenbusch (Jim Aal) wird bald 40 Jahre alt, lebt aber in seiner eigenen, vom fanatisch katholischen Vater geprägten Welt. Freunde hat er keine, eine Freundin schon mal gar nicht. Sein Bekannter Till (Sebastian Zeglarski) überredet ihn, den Geburtstag mit einer zünftigen Fete im Keller zu begehen. Das Organisatorische übernimmt Till mit seinem muslimischen Kumpel Shabbi (Raping Ras), der sich selbst als Afrogermane bezeichnet. Auch um ausreichend Gäste will sich Till kümmern.

Nocta richtet …

Vor allem die vom Organisator in Aussicht gestellte Option, Ernst mit einem Weibe in Kontakt zu bringen, lässt den Naivling frohlocken und dem Abend in gebannter Erwartung entgegensehen. Als die Sause ihren Lauf nimmt, ist er zwar von der obskuren Musik, dem vielen Alkohol, anderen Drogen und dem exzessiven Benehmen etlicher Gäste alles andere als angetan; auch die Bekleidung speziell der weiblichen Gäste missfällt dem Guten: Die Frauen sind alle angezogen wie babylonische Huren. Aber da er sich in die holde Nocta (Resa Elstner) verguckt hat, will er wohl mal ein Auge zudrücken. Doch es kommt alles ganz anders, denn Nocta hütet ein düsteres Geheimnis und blutige Vorlieben. Bald geht es untot zu.

Blut, Gedärme, offene Wunden

Feingeister werden angesichts diverser Körperausscheidungen jeglicher Art die Nase rümpfen, aber für die haben die Regisseure – und P.S.Y.C.H.O.-Productions-Gründer – Crippler Criss, Master W „Nocta“ auch nicht gemacht. Hier wird gesplattert, dass sich die Balken biegen! Blutfontänen, Gedärme, offene Wunden noch und nöcher – handgemacht, ist ja klar. Und das sieht insgesamt gar nicht mal schlecht aus. Etwaige Unzulänglichkeiten kaschieren die beiden mit überzeugenden Licht- und Schattenwechseln, Perspektiven und dem Schnitt. Gedreht wurde größenteils – logisch – im Keller. Hoffen wir für den Eigentümer, dass er für die Wände ohnehin einen roten Anstrich in Planung hatte. Der Humor ist simpel, zotig bis an den Rand des Fäkalen und darüber hinaus gehend – ich will mir hinterher nicht vorwerfen lassen, nicht gewarnt zu haben. Ein paar schräge Gesangseinlagen verflüssigen den Ohrenschmalz.

… einiges Unheil an

Die Leistungen der Darsteller/innen und die Dialogregie hinken da erwartungsgemäß hinterher. Der Underground lebt eben von Laien, die gern mal vor die Kamera treten, sei es aus der Lust am Schauspiel oder weil der Kumpel aus der Schulzeit zum Amateurdreh bittet. Damit können all jene, die dem Underground huldigen, in aller Regel sehr gut umgehen. Und wer das nicht kann, möge diesem Segment der Filmkunst besser fernbleiben.

So hatte sich Ernst sein erstes Date nicht vorgestellt

Wer das turbulente Treiben im Keller aufmerksam verfolgt, wird mit ein paar feinen – oder groben, je nach Sichtweise – Anspielungen belohnt. Peter Jackson („Braindead“) und Ridley Scott („Alien“) lassen grüßen. Und dass zwei Nazis gehörig etwas abbekommen, bringt natürlich Sympathiepunkte. Blu-ray und DVD von „Nocta“ können über die Facebook-Seite von P.S.Y.C.H.O. Productions sowie per E-Mail an shop(at)psychoproductions.com bestellt werden. Die 90 Minuten sind reichlich gefüllt und vergehen dank temporeicher Inszenierung wie im Fluge. Längen habe ich keine zu bemängeln, das ist im Underground-Segment durchaus bemerkenswert. Natürlich ist die Gewalt repetitiv bis redundant, um es weniger bildungsbürgerlich zu beschreiben: Ein paar Mal wiederholt es sich. Aber das haben Splatterspektakel nun mal so an sich, erst recht brachiale wie dieses. Empfehlenswert! Aber was hat nun der zu Beginn thematisierte Lichtvers aus dem Koran mit dem blutrünstigen Treiben zu tun? Womöglich fällt das in die Kategorie: Seltsam? Aber so steht’s geschrieben … Wer entdeckt „Die Nacht der lebenden Texte“-Autor Marco Kraus alias Marco Grindhouse unter den Partygästen?

Die Partygäste haben sich verändert

Veröffentlichung: 23. November 2019 als Blu-ray und Doppel-DVD

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Nocta
D 2019
Regie: Crippler Criss, Master W
Drehbuch: Master W
Produktion: Crippler Criss
Visuelle Effekte: Sebastian Zeglarski
Besetzung: Resa Elstner, Jim-Aal, Sebastian Zeglarski, Raping Ras, Meta Morphosia, Marco Klammer, Jens Schütte, Marc Gore, Uwe Choroba, Marco Kraus
Zusatzmaterial: Audiokommentare, Making-of, „Im Keller des Entsaftens“, Interviews, Bloopers, Jim Aal-Spezial, Musikvideos, Trailer
Label/Vertrieb: P.S.Y.C.H.O. Productions

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshots: © 2019 P.S.Y.C.H.O. Productions

 
 

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