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Vidar the Vampire – Blowjob für den Heiland

VampyrVidar

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Schon als Knirps muss Vidar Hårr (Ruben Jonassen) widerwillig früh aufstehen und auf dem Bauernhof seiner gottesfürchtigen Mutter (Marit Sanden) mit anpacken. Genau genommen ist er sogar für die gesamte Landarbeit zuständig, weil seine Mutter vorzugsweise im Bett liegt. Mit Mädchen klappt es schon mal gar nicht, sexuelle Erfüllung muss er sich mit Playboy-Heften verschaffen.

Jesus!

Als 33-Jähriger hat Vidar (Thomas Aske Berg) genug von diesem elenden Dasein. Ein an den Heiland gerichtetes Gebet soll Abhilfe schaffen. Ich will saufen, ficken, mich schlagen. Und siehe da: Jesus Christus (Brigt Skrettingland) erscheint ihm tatsächlich. Zwar mit recht spitzen Zähnen, aber was soll’s? Der Messias macht sich zügig nackig und bietet seinem Jünger seinen Leib dar, sprich: Vidar darf – oder muss? – dem Heiland erst mal einen blasen. Danach verfügt Vidar immerhin über besondere Fähigkeiten. Die Fähigkeiten eines Vampirs …

Jesus offeriert ewiges Leben

Blasphemie! Ja, der beseelende Blowjob an Jesus findet statt. Wer damit nicht umgehen kann, möge zum Lachen in den Kirchenkeller gehen. Die Haupthandlung von „Vidar the Vampire“ entfaltet sich in Rückblenden, während Vidar einem Psychiater die Ereignisse berichtet – oder beichtet, wenn man so will. Der Seelenklempner wird dabei zusehends nervöser.

Vorsicht vor Sonnenstrahlen

Sein neues Dasein bringt für den Landwirt aber nicht nur die ersehnten Freuden mit sich, sondern auch eine Menge Probleme. Dass Sonnenlicht ihm schwere Verbrennungen zufügt, erfährt Vidar auf die schmerzhafte Art. Es bringt ihn sogar in den Sarg, aus dem er ausgerechnet auf seiner Trauerfeier aufersteht. Zum Glück leistet ihm Jesus fortan gern Gesellschaft, die eine oder andere Zechtour inklusive.

Nimm meinen Leib – nun ja …

Der Name Vidar dürfte eher ironisch gewählt sein, da es sich um den Namen eines starken nordischen Gottes handelt, eines Sohns von Odin. Vidar, der Vampir ist alles andere als stark, sondern linkisch und schüchtern – die Superkräfte eines Vampirs gehen ihm ab. Unbeholfen versucht er, sich dem anderen Geschlecht zu nähern, das gelingt mehr schlecht als recht, selbst als Blutsauger.

Wenig Geld, viel Arbeit

„Vidar the Vampire“ atmet Independent aus allen Poren und nähert sich bisweilen auch dem Trash. Viel Geld stand den Drehbuchautoren und Regisseuren Thomas Aske Berg und Fredrik Waldeland für ihren ersten gemeinsamen Film und ihr Langfilm-Regiedebüt nicht zur Verfügung. Im Interview mit „Variety“ verriet Aske Berg, die umgerechnet 50.000 US-Dollar Budget von Erbschaften, Ersparnissen und elterlichen Investitionen zusammengetragen zu haben. Zudem hätten endlose Stunden unentgeltlicher Arbeit der Crew die Produktion ermöglicht. Diverse an der Entstehung Beteiligte übernahmen zudem gleich mehrere Aufgaben. Berg und Waldeland produzierten „Vidar the Vampire“ im Verbund mit John Iver Berg, der wiederum auch als Kameramann tätig war und die Spezialeffekte schuf. Für Make-up, Make-up-Effekte, Szenenbild und Produktionsassistenz zeichnete Kaisa Mari Berg verantwortlich (die drei Bergs sind aber nicht miteinander verwandt). Thomas Aske Berg zeichnete auch für die Musik verantwortlich und übernahm das Casting, bei dem er kurzerhand sich selbst die Hauptrolle verpasste. Keine schlechte Entscheidung, den unbeholfenen Landwirt und bald Vampir nimmt man dem Schlaks problemlos ab.

Ich bin die Auferstehung und das Leben

Unzweifelhaft als parodistische Komödie angelegt, hätte „Vidar the Vampire“ eine größere Gagdichte gut zu Gesicht gestanden. So schleichen sich gelegentlich ein paar Längen ein, obwohl der Film die Anderthalbstundenmarke sogar knapp verfehlt. Am Timing und Pacing hapert es etwas, das mag der mangelnden Erfahrung geschuldet sein, bei Indie-Nachwuchs-Filmemachern ist das häufig zu beobachten. Die Grundidee funktioniert zwar gut, aber sie wird etwas blutarm mit Leben erfüllt, und das im Doppelsinn: Der Horror in Form blutiger Bissigkeit kommt deutlich zu kurz.

Schlüpfrig und melancholisch

Insgesamt fällt mein Fazit dennoch positiv aus, da der Film seinen eigenen Weg beschreitet, der originell genug bis hin zur Absurdität ausgefallen ist. Ein paar Schlüpfrigkeiten garnieren die Handlung, das wird manchen gefallen, anderen missfallen. Allen kann man es sowieso nie recht machen. Am Ende schlägt „Vidar the Vampire“ einen sentimentalen Bogen zu einem Erlebnis des jungen Vidar mit dem weiblichen Geschlecht zu Beginn, das schließt die Horrorkomödie auf melancholische Weise passend ab. Nach zahlreichen Festival-Auftritten seit August 2017, im September beispielsweise beim deutschen Fantasy Filmfest und im Oktober beim Unabhängigen FilmFest Osnabrück, hat „Vidar the Vampire“ es hierzulande nun auch auf Blu-ray und DVD geschafft. Besser spät als nie.

Vidar (l.) freut sich – mit Jesus geht’s ins Striplokal

Veröffentlichung: 26. Februar 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Norwegisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: VampyrVidar
NOR 2017
Regie: Thomas Aske Berg, Fredrik Waldeland
Drehbuch: Thomas Aske Berg, Fredrik Waldeland
Besetzung: Thomas Aske Berg, Brigt Skrettingland, Kim Sønderholm, Henrik Rafaelsen, Marit Sanden, Espen Hana, Isabelle Cau, Sigve Aasland, Balder Scheen Jacobsen, Ruben Jonassen
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit den Regisseuren Thomas Aske Berg und Fredrik Waldeland, deutscher Trailer, Originaltrailer, Bildergalerie, Wendecover
Label: Donau Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 Donau Film

 

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Horror für Halloween (XLVI): The Last Man on Earth – Vincent Price ist Legende

The Last Man on Earth

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Über einer menschenleer wirkenden Stadt erhebt sich die Sonne. Es herrscht Totenstille, kein lebendes Wesen ist zu sehen. Überall liegen Leichen herum. In einer Wohnung klingelt ein Wecker. Another day to live through, better get started. Ein weiterer Tag, den es zu überleben gilt. Ich sollte aufstehen. Dr. Robert Morgan (Vincent Price) erhebt sich für sein seit drei Jahren immer gleiches Tagwerk. Er verlässt sein verbarrikadiertes Haus, prüft noch den an der Tür hängenden Knoblauch.

Tagsüber hat Dr. Morgan freie Bahn

1965 hatte eine weltweite Seuche die Menschheit dahingerafft. Doch die Toten erhoben sich als Vampire aus ihren Gräbern. Es dürstet sie nach Morgans Blut. Bei Tageslicht müssen sie sich im Dunkeln verbergen, vor Knoblauch und Spiegeln schrecken sie zurück. Systematisch durchkämmt der Überlebende tagsüber die Stadt, um die Kreaturen aufzuspüren und zu vernichten, nimmt sich Block für Block, Viertel für Viertel vor. Zu diesem Zweck fertigt er spitze Pfähle an, um sie den Vampiren ins Herz zu treiben. Ihre Körper fährt er zu einer riesigen Grube, die die Regierung seinerzeit ausgehoben hatte, wirft sie hinein und verbrennt sie. Stets muss er darauf bedacht sein, rechtzeitig wieder daheim zu sein, um vor den Vampiren in Sicherheit zu sein, die ihn ebenso jagen wie er sie.

Vergeblicher Wettlauf gegen die Zeit

In Rückblenden erfahren wir von der Zeit als die Pandemie sich auf dem Erdball ausbreitete. Morgan war damit beschäftigt, den Erreger zu erforschen. Mit seiner Ehefrau Virginia (Emma Danieli) hatte er eine gemeinsame Tochter, Kathy (Christi Courtland), die bald erkrankte. Der Wettlauf mit der Zeit war für die Wissenschaftler nicht zu gewinnen. Weshalb Dr. Morgan gegen das vampirische Virus immun ist, äußert er irgendwann als Theorie.

Der Wissenschaftler ist zum Vampirjäger geworden

Wenn sich Morgan im Dunkeln der langsam schlurfenden Vampire erwehrt, erkennt der erfahrene Horrorfilm-Gucker sofort: Von diesem Szenario hat sich ein paar Jahre später ein gewisser George A. Romero zu seinem wegweisenden Zombieschocker „Die Nacht der lebenden Toten“ („Night of the Living Dead“, 1968) inspirieren lassen. Der Regisseur hat daraus auch nie ein Hehl gemacht, so etwa in einem Interview mit dem Entertainment-Portal „CinemaBlend“ im Jahr 2008. Die Kreaturen, hüben Vampire, drüben Zombies, entfalten die gleiche bedrohliche Atmosphäre, wenngleich Romero zu dem Zeitpunkt den apokalyptischen Aspekt noch außen vor ließ, weil er seinen Film auf ein Gebiet rund um ein belagertes Haus begrenzte (die Endzeit folgte bei ihm erst 1978 mit „Zombie“). Romero äußerte, die Idee der Romanvorlage entnommen zu haben, aber er wird auch die Verfilmung mit Price gekannt haben, als er sich an den Dreh von „Die Nacht der lebenden Toten“ machte.

Der Leichtsinn des Dr. Morgan

Im Roman sind die Vampire im Übrigen viel beweglicher. Bei diesen Szenen in „The Last Man on Earth“ bin ich auch bei meinen einzigen Kritikpunkten: Zwar wird recht schnell deutlich, dass Morgan den Vampiren körperlich überlegen ist – sie wirken sehr geschwächt, sind ja immerhin von den Toten auferstanden und leiden an Nahrungsmangel; dennoch wirkt die Art und Weise, wie er sich gegen sie zur Wehr setzt und vor ihnen in seinem Haus verbarrikadiert, leichtsinnig und nicht glaubhaft, erst recht nicht angesichts dessen, dass er dieses Leben seit drei Jahren führt. Offenbar kommen sie zielgerichtet des Nachts zu seinem Haus, um ihn hervorzulocken oder dort einzudringen, versuchen permanent, die behelfsmäßige Verbarrikadierung mit ein paar Brettern zu zerstören. Kaum anzunehmen, dass ihnen das in all der Zeit nicht gelungen sein kann. Morgan wiederum läuft in einer Szene, in der er allzu sorglos draußen Zeit vertrödelt hat und sogar eingedöst ist, viel zu siegessicher in eine Schar von Vampiren hinein. Das mag damit erklärt sein, dass er sich für stark genug hält, sie abzuwehren und mit ihnen fertig zu werden, es bleibt dennoch ein zu großes Risiko, das nicht recht zu Morgans Überlebenskampf passt. Hier wurde die Logik ein wenig zugunsten einer stimmungsvollen Atmosphäre vernachlässigt. Vielleicht zu Recht, denn diese Szenen sind wunderbar gruselig anzuschauen, aber das hätte man wohl auch anders hinbekommen.

Seine Opfer wirft er in eine Grube …

Ein paar die Einsamkeit zerstörenden Filmfehlern zum Trotz wirkt die Einsamkeit des Tages ganz so, wie sie wirken soll – wunderbar endzeitlich. Dass man das gut hinbekommen kann, haben ja auch andere Filme bewiesen, etwa der neuseeländische „The Quiet Earth – Das letzte Experiment“ (1985). Auch das menschenleere London zu Beginn von Danny Boyles „28 Days Later“ (2002) muss hier unbedingt erwähnt werden. „The Last Man on Earth“ hat hier ebenfalls starke Passagen zu bieten.

Erst nach der Jahrtausendwende deutsch synchronisiert

Einiges erfahren wir zu Beginn mit Morgans aus dem Off ertönenden Gedanken, denn Gesprächspartner hat er zu diesem Zeitpunkt ja nicht. Vincent Prices markante Stimme eignet sich dafür vorzüglich, und würde ich bei englischsprachigen Filmen nicht ohnehin die Original-Tonspur bevorzugen, täte ich das bei Vincent-Price-Filmen auf jeden Fall. „The Last Man on Earth“ hat es in Deutschland nie ins Kino geschafft, weshalb der Film erst 2008 für eine geplante DVD-Veröffentlichung synchronisiert wurde. 2017 erfolgte eine zweite Synchronisation mit neuen Sprechern. Für beide Sprecher der Hauptfigur – 2008 Hans Bayer, 2017 Martin Schäfer – war es die bislang einzige Vincent-Price-Synchronisation. Dem Vernehmen nach genießt die erste deutsche Tonfassung des Films keinen allzu guten Ruf, was mir in diesem Fall herzlich gleichgültig ist.

… und verbrennt sie

1954 veröffentlichte der Schriftsteller Richard Matheson (1926–2013) seinen Debütroman „Ich bin Legende“ („I Am Legend“), hierzulande auch unter dem Titel „Ich, der letzte Mensch“ erschienen. Die Rechte an der Verfilmung seines Zweitlings „Die seltsame Geschichte des Mr. C.“ (1956 „The Shrinking Man“) verkaufte er unter der Prämisse, selbst das Drehbuch zu schreiben. Der Erfolg der Adaption „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ (1957) von Jack Arnold ermöglichte es ihm, sich in Hollywood als Drehbuchautor zu etablieren.

Von Price über Heston zu Smith und Dacascos

Am Skript dieser ersten „I Am Legend“-Verfilmung „The Last Man on Earth“ (1964) schrieb er mit. 1971 entstand mit „Der Omega-Mann“ mit Charlton Heston in der Hauptrolle die zweite Kino-Umsetzung des Romans. 2007 übernahm Will Smith in der dritten Adaption „I Am Legend“ die Hauptrolle. Die Mockbuster-Spezialisten von The Asylum nutzten die Gelegenheit, im selben Jahr mit „I Am Omega“ kurzerhand ein Rip-off zu produzieren, das immerhin mit Mark Dacascos („John Wick – Kapitel 3“, „Pakt der Wölfe“) als Hauptdarsteller aufwartet.

Eines Tages trifft er auf …

Ursprünglich sollte Mathesons Roman erstmals in England von Hammer Films fürs Kino umgesetzt werden. Dazu kam es nicht, den Grund verrät das Booklet des „The Last Man on Earth“-Mediabooks: Die britischen Zensoren lehnten das Skript wegen zu bildlicher Gewaltdarstellung ab. So gelangten die Filmrechte in die USA zur kleinen Produktionsfirma Associated Producers Inc., die man aufgrund ihres Kürzels API schnell mal mit Samuel Z. Arkoffs und James H. Nicholsons American International Pictures (AIP) verwechseln mag, für die Roger Corman als Produzent und Regisseur tätig war. API jedenfalls tat sich mit den Italienern von Produzioni La Regina zusammen – auch kein wirklich namhaftes Studio. Gedreht wurde in den Randbezirken von Rom, das somit für Los Angeles herhielt, wobei ich im Film keine Erwähnung von Los Angeles bemerkt habe (ich mag sie übersehen oder überhört haben). Die Regie übernahm zum einen ein gewisser Ubaldo Ragona, dem im Filmgeschäft keine große Karriere beschieden war; zum anderen zeichnete auch der US-Regisseur Sidney Salkow für die Regie verantwortlich. Dessen Laufbahn auf dem Regiestuhl für Kino und Fernsehproduktionen dauerte zwar immerhin 30 Jahre, ein Begriff war er mir allerdings ebenso wenig. Wie die Zusammenarbeit von Ragona und Salkow aussah, ob der Amerikaner überhaupt an die italienischen Sets kam und weshalb zwei Regisseure genannt sind, konnte ich nicht ermitteln. Am Ende hielt der Name Sidney Salkow womöglich nur her, um internationales Flair zu suggerieren. Wer Näheres weiß, möge mich gern per Kommentar aufklären.

Das beste Finale hat …

Welche der drei Umsetzungen man bevorzugt, mag Geschmackssache sein. Ich halte „The Last Man on Earth“ für die beste, was daran liegen mag, dass ich Vincent Price gegenüber Charlton Heston vorziehe, denn „Der Omega-Mann“ hat ebenfalls große Qualität. Die Adaption mit Will Smith kommt modernen Sehgewohnheiten logischerweise mehr entgegen und wartet in den Szenen im menschenleeren New York City mit toller Endzeit-Atmosphäre auf, driftet dann aber in Mainstream-Horror-Gefilde ab und mündet in ein religiös verbrämtes Finale, das mir zuwider ist. Das alternative Ende des Director’s Cuts – auch alternative Kinofassung genannt – führt die Geschichte zu einem konsequenten Abschluss, ist die bessere Wahl und letztlich sogar besser als die Finals der anderen Filme.

Mediabook von Ostalgica

Nach einigen eher lieblosen deutschen Veröffentlichungen von „The Last Man on Earth“ hat sich 2017 das kleine Label Ostalgica des Films angenommen und ihn in anständiger Qualität auf Blu-ray in ein Mediabook gepackt und auch gleich die Farbfassung sowie die italienische Schnittfassung hinzugefügt, beide für Komplettisten sicher interessant. Bezüglich der Unterschiede zwischen der herkömmlichen und der italienischen Fassung verweise ich auf den Schnittbericht. Im Bonusmaterial auf der Blu-ray sowie einer DVD finden sich feine Extras, darunter eine zwölfminütige Analyse des Films (nur Audio) sowie der fürs Fernsehen produzierte 24-minütige Kurzfilm „The Christmas Carol“ von 1949 nach Charles Dickens, bei der Vincent Price als Erzähler/Vorleser auftritt. Obendrein auf der DVD: Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ in ungekürzter Originalfassung. Von dem Zombiefilm-Klassiker gibt es zwar keine Beschaffungsprobleme, dennoch ein schönes Gimmick. Komplettiert wird das Ostalgica-Mediabook von einer CD mit der kompletten Filmmusik von „The Last Man on Earth“.

… Ruth Collins

Autor Richard Matheson war von „The Last Man on Earth“ nicht besonders angetan, wie er 2004 in einem Interview mit William P. Simmons offenbarte: I was disappointed in The Last Man on Earth, even though they more or less followed my story. I think Vincent Price, whom I love in every one of his pictures that I wrote, was miscast. I also felt the direction was kind of poor. Er sei enttäuscht gewesen, obwohl der Film mehr oder weniger seiner Story folgt. Er empfinde Vincent Price als Fehlbesetzung, auch wenn er ihn in jedem anderen Film liebe, zu dem er das Drehbuch beigesteuert habe. Auch die Regie halte er für armselig. Ein hartes Urteil aus berufenem Munde, dem ich mich aber überhaupt nicht anschließen kann. Für mich gehört „The Last Man on Earth“ zu den Highlights des Endzeit-Horrors im klassischen Kino.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Vincent Price haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. April 2017 als 3-Disc Edition Mediabook (Blu-ray, Bonus-DVD & Soundtrack-CD, limitiert auf 1.000 Exemplare), 29. Juli 2011 als Blu-ray, 21. August 2015 und 9. Mai 2008 als DVD, 14. August 2009 als DVD (kolorierte Fassung)

Länge: 89 Min. (Blu-ray, italienische Fassung), 87 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Last Man on Earth
IT/USA 1964
Regie: Ubaldo Ragona, Sidney Salkow
Drehbuch: Ubaldo Ragona, Sidney Salkow, Richard Matheson, William F. Leicester, nach Mathesons Roman „I Am Legend“
Besetzung: Vincent Price, Franca Bettoia, Emma Danieli, Giacomo Rossi Stuart, Umberto Raho, Christi Courtland, Antonio Corevi, Ettoe Ribotta
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar (zur Schwarz-Weiß-Fassung, englisch), Interview mit Synchronsprecher Martin Schäfer, auf Bonus-DVD: US-Trailer, 2 US-TV-Spots, alternatives Ende der US-TV-Fassung (55 Sek.), italienischer Trailer, Audio-Film-Analyse (12 Min., englisch), Bildergalerie, „A Christmas Carol“ (24 Min., 1949), Vincent-Price-Trailer, Ostalgica-Trailer, Bonusfilm „Night of the Living Dead“ (92 Min., englisch)
Label 2017: Ostalgica
Vertrieb 2017: Media Target Distribution GmbH
Label/Vertrieb 2015: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2011: Savoy Film / Intergroove
Label/Vertrieb 2009 & 2008: Sunfilm Entertainment (später: Tiberius Film)

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Packshots: © diverse (siehe Label)

 

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Horror für Halloween (XXXIII): Circus der Vampire – Blutsauger und Gaukler gegen Dörfler

Vampire Circus

Von Volker Schönenberger

Horror // Im frühen 19. Jahrhundert beobachtet der Schulmeister Albert Müller (Laurence Payne) eines Abends unweit des Städtchens Stetl, wie seine Frau Anna (Domini Blythe) die kleine Jenny Schilt (Jane Derby) aus dem Ort ins Schloss des Grafen Mitterhaus (Robert Tayman) lockt. Müller alarmiert die Bürger und dringt mit einigen von ihnen ins Gemäuer ein. Der kleine Trupp kommt zu spät, um das Kind noch zu retten. Der Adlige ist ein Vampir und hat bereits das Blut des Mädchens gesoffen, um anschließend mit der unter seinem Bann stehenden Anna zu schlafen. Es gelingt den Männern, den Grafen zu überwältigen, und Müller treibt ihm einen hölzernen Pflock durchs Herz. Kurz vor seinem Ableben verflucht Mitterhaus noch das Städtchen und all seine Einwohnerinnen und Einwohner. Und mit seinen letzten Atemzügen bedeutet er Anna, sie möge den „Zirkus der Nacht“ und des Grafen Cousin Emil (Anthony Higgins) aufsuchen.

Die kleine Jenny gerät …

15 Jahre später wird Stetl von einer mysteriösen Seuche heimgesucht, die viele Menschen tötet und nicht einmal vor den Priestern des Orts Halt macht. Aus Angst vor Ansteckung haben die umliegenden Siedlungen Blockaden rund um Stetl errichtet, auf Blockadebrecher wird geschossen. Doktor Kersch (Richard Owens) wagt es dennoch, um zur nächsten großen Stadt zu gelangen und dort Hilfe zu erbitten. Derweil trifft ein Trupp fahrender Gaukler in Stetl ein – genau: der „Zirkus der Nacht“.

Der Karnstein-Trilogie auf dem Fuße gefolgt

Vor „Circus der Vampire“ hatten sich die ehrwürdigen Hammer-Studios bereits mit der aus „Gruft der Vampire“ (1970), „Nur Vampire küssen blutig“ (1971) und „Draculas Hexenjagd“ (1971) bestehenden Karnstein-Trilogie dem Zeitgeist angenähert, Sexualität deutlicher zu zeigen und auch den Grad an expliziter Gewalt zu erhöhen. Dies setzte sich nun fort, wie bereits der wunderbare Prolog eindrucksvoll demonstriert. Dass Vampire besonders ihre weiblichen Objekte der Begierde in den Bann zu ziehen verstehen, ist kein neues Motiv. Neu ist hier der eindeutige Verweis auf sexuelle Hörigkeit.

Zu wenig Pestilenz

Etwas bedauerlich: Die Pest-artige Seuche bekommt nur zu Beginn der Haupthandlung Raum und dient letztlich nur dem Zweck, zu erklären, weshalb das Örtchen abgeschottet ist und die Bürgerinnen und Bürger den Vampiren ausgeliefert sind. Hier verschenkten Drehbuchautor Jud Kinberg („Von allen Hunden gehetzt“) und Regie-Debütant Robert Young („Eichmann“, „Wilde Kreaturen“) Potenzial – es hätte einiges hergegeben, deutlicher zu zeigen, wie sich die Krankheit parallel zu den Blutsaugern über das Dorf senkt.

… in die Fänge des Vampirs Graf Mitterhaus

Arztsohn Anton Kersch (John Moulder-Brown) und seine Verlobte Dora (Lynne Frederick) fungieren als Identifikationsfiguren, was sich aber nur schwierig herauskristallisiert, da letztlich alle Dörfler als Zielpersonen der Vampire herhalten müssen. Die Charakterisierung von „Circus der Vampire“ als Ensemblefilm wirft in der Hinsicht ein paar Probleme auf. Aber auch nicht mehr als ein wenig, denn folgen können wir den Figuren jederzeit.

Einfach tierisch

Die Darbietungen der Zirkusartisten hatten das Potenzial für psychedelisch-surreale Bilder, etwa mit diversen Verwandlungen von Tier zu Mensch und umgekehrt. Das verhindert leider die suboptimale Tricktechnik. Mal erfolgt die Verwandlung schlicht außerhalb des Bildes, wobei man sich wundern kann, weshalb die Dörfler dabei nicht stutzig werden – sie müssten ja mehr als das sehen, was das Filmpublikum vorgesetzt bekommt; mal flattern Fledermäuse empor, die nachträglich ins Bild eingefügt wurden. Bedauerlich, denn ansonsten entwickelt die Atmosphäre durchaus einen gewissen delirienden oder gar hypnotischen Sog, so man sich denn darauf einlassen mag. Ich jedenfalls mochte das, und in solchen Fällen sehe ich über den einen oder anderen Makel bei den Effekten auch gern hinweg.

Stelldichein von Darth Vader

An Starpower vom Schlage Peter Cushing und Christopher Lee mangelt es, mir hat sie aber gar nicht gefehlt. Als Kraftprotz „Strongman“ tritt ein gewisser David Prowse in Erscheinung, der ab 1977 mit schwarzer Kostümierung und Maske bekannt wurde, obwohl sein Gesicht kaum einmal zu sehen war: als Darth Vader in den ersten drei „Star Wars“-Filmen.

Ein Kreuz bietet Schutz

Der „Allmovie“-Rezensent Cavett Binion hat sogar einen Bezug von „Circus der Vampire“ zu den erotischen Vampirfilmen eines Jean Rollin hergestellt. Das ist nachvollziehbar, gleichwohl strahlt Robert Youngs Regiedebüt ausreichend Hammer aus. Die Katholiken vom Lexikon des internationalen Films entlarvten sich mal wieder selbst: Verworrener, stilistisch uneinheitlicher Horrorfilm mit einigen gelungenen, aber auch etlichen blutrünstigen Szenen. Blutrünstig als Gegensatz von gelungen zu nennen und den Film mit der Begründung abzuwerten – ich weiß nicht recht. Konnte der Rezensent am Ende einfach kein Blut sehen? Wenn Vampire und Gaukler ein Dorf heimsuchen, ist die stilistische Uneinheitlichkeit nicht von der Hand zu weisen, verworren allerdings geht es meines Erachtens nicht zu. Welchen Status „Circus der Vampire“ heute insgesamt innerhalb der Hammer-Horrorfilme einnimmt, kann ich schwer einschätzen. Bei einigen gilt er vielleicht sogar als „Kult“ (man verzeihe mir diese ausgelutschte Zuschreibung), andere folgen womöglich eher den katholischen Kritikern. Die zeitgenössische Kritik hatte jedenfalls größere Probleme mit dem Film als spätere Rezensenten. Meine Hammer-Favoriten sind zwar andere, dennoch habe ich mich beim Schauen von „Circus der Vampire“ prächtig unterhalten gefühlt. Ich mag auch diese Phase von Hammer, als das Studio Anfang der 1970er-Jahre nicht so recht zu wissen schien, wohin die Reise geht.

Mediabook bereits vergriffen

Die Veröffentlichung der Hammer-Spezialisten von Anolis Entertainment ist wieder mal rundum gelungen, was Bild- und Tonqualität und Bonusmaterial gleichermaßen angeht. Sowohl die drei Covermotive des Mediabooks als auch die Blu-ray im herkömmlichen Softcase sind im Neuwaren-Handel bereits vergriffen, auf dem Sammlermarkt zwar zu finden, dort aber mit der Tendenz zur Preissteigerung. Wohl dem, der sich sein Exemplar rechtzeitig gesichert hat. „Circus der Vampire“ gehört auf jeden Fall ins Hammer-Regal.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Veröffentlichung: 11. Oktober 2019 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten à 444 Exemplare) und Blu-ray, 6. Mai 2011 als Blu-ray und DVD, 26. November 2003 als DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Vampire Circus
GB 1972
Regie: Robert Young
Drehbuch: Jud Kinberg
Besetzung: Adrienne Corri, Thorley Walters, Anthony Higgins (als Anthony Corlan), Laurence Payne, John Moulder-Brown, Lynne Frederick, Richard Owens, Elizabeth Seal, Robin Hunter, Domini Blythe, Robert Tayman, John Bown, Mary Wimbush, Jane Derby
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen & Volker Kronz, Making Vampire Circus (33 Min.), Gallery of Grotesqueries (15 Min.), House of Hammer (10 Min.), britischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassung (24 Min.), französischer Werberatschlag, holländischer Werberatschlag, deutsches Presseheft, deutsche Comic-Adaption (12 Min.), Bildergalerie, 32-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen & Lars Dreyer-Winkelmann
Label/Vertrieb 2019: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb 2011 & 2003: Koch Media

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, 3er-Packshot & Blu-ray-Packshot unten rechts: © 2019 Anolis Entertainment GmbH,
Blu-ray-Packshot unten links: © 2011 Koch Media

 

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