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Horror für Halloween (IX): Dracula und seine Bräute – Dann eben nicht, Christopher Lee!

The Brides of Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // Erinnern wir uns: Am Ende von „Dracula“ (1958) war es Dr. Van Helsing (Peter Cushing) gelungen, den Vampirfürsten zu bezwingen – vom Sonnenlicht getroffen, zerfiel der Blutsauger zu Staub. Zwei Jahre später legten Hammer Films und Regisseur Terence Fisher nach und schufen mit „Dracula und seine Bräute“ den nächsten Vampirfilm, der durchaus als direkte Fortsetzung verstanden werden kann.

Im Gasthaus trifft die junge Lehrerin Marianne …

Der Titel führt dabei allerdings in die Irre, denn mit Dracula bekommt es Van Helsing diesmal nicht zu tun, obendrein handelt es sich bei den in Erscheinung tretenden Blutsaugerinnen nicht mal um Draculas Gespielinnen, ein anderer steckt dahinter. Das ursprüngliche Drehbuch sah die Auferstehung Draculas vor, dies ließ sich allerdings nicht realisieren, weil Christopher Lee das Skript dem Vernehmen nach missbilligte und er daher sein Mitwirken ablehnte. Daher wurde sein Part kurzerhand hinausgeschrieben, zu Draculas Wiederkehr kam es somit erst 1966 in „Blut für Dracula“ („Dracula – Prince of Darkness“) – ebenfalls unter der Regie von Fisher.

… auf die schroffe Baronin Meinster

Aber bleiben wir bei „Dracula und seine Bräute“. Die junge Lehrerin Marianne Danielle (Yvonne Monlaur) befindet sich auf dem Weg von Paris ins transsylvanische Badstein, wo sie eine Stelle im Mädchenpensionat Lang antreten will. Doch während sie in einem Gasthaus auf ihr Essen wartet, zieht ihr Kutscher mit seinem Gefährt von dannen. Die vermeintliche Lösung der misslichen Situation naht alsbald in Gestalt der herrischen Baronin Meinster (Martita Hunt), die sie auf ihr nahegelegenes Schloss einlädt und ihr eine Bettstatt für die Nacht anbietet. In dem hochherrschaftlichen Gemäuer entdeckt Marianne in einem ihrem Zimmer gegenüberliegenden Trakt einen jungen Mann, dessen Bewegungsradius eine silberne Kette einschränkt. Er stellt sich ihr als Baron Meinster (David Peel) vor, den seine Mutter grundlos gefangen halte …

Dr. Van Helsing greift ein

In der Folge trifft Marianne Danielle auf Van Helsing, der sich einmal mehr als wackerer Vampirjäger erweist. Und trotz Draculas Abwesenheit lässt sich konstatieren, dass „Dracula und seine Bräute“ ausgesprochen gruselig geraten ist. Das beginnt schon mit der wilden Kutschfahrt durch den Wald, bei der während eines kurzen Stopps aufgrund eines Hindernisses bereits damit zu rechnen ist, dass das Unheil über den Kutscher und seine Passagierin hereinbricht. Auch der Aufenthalt der jungen Lehrerin auf Schloss Meinster lässt wohltuenden Schauder über die Zuschauer rieseln. Danach sinkt der Gruselfaktor etwas, um sich beim grandiosen Windmühlenfinale wieder in ungeahnte Höhen zu erheben.

Weshalb ist der Sohn der Baronin angekettet?

Das Vampir-Personal kann natürlich nicht mit jenem in den „Dracula“-Filmen mit Christopher Lee mithalten, an dessen Charisma kommt kaum jemand vorbei. Größter Kritikpunkt ist in meinen Augen aber die Personalie der „Damsel in Distress“ Marianne Danielle. Die junge Lehrerin ist mit „naiv“ noch harmlos beschrieben. Ob das an Yvonne Monlaurs Darstellung, der Charakterisierung ihrer Figur im Skript oder Terence Fishers Regieanweisungen lag, lässt sich schwer beantworten, vielleicht spielte von jedem etwas hinein. Einige Aspekte sind Monlaur jedenfalls nicht anzulasten. Eine große Karriere war ihr nicht beschieden, im Kino war sie letztmalig 1966 in dem französisch-deutschen Jerry-Cotton-Krimi „Die Rechnung – eiskalt serviert“ zu sehen. Nach zwei kurzen TV-Serienauftritten im selben Jahrzehnt endete ihre Karriere.

Bewährte Qualität von Hammer und Anolis

Farbgebung, Kostümierung, Beleuchtung und die herrlichen Studiokulissen (gepaart mit ein paar Freiluft-Drehorten) entsprechen dem hohen Standard, den wir von Hammer-Films-Produktionen aus jener Zeit gewohnt sind und schätzen. Da kann man über Christopher Lees Fehlen in einem Hammer-Vampirfilm locker hinwegsehen. Peter Cushing reißt mit seiner gewohnt beherzten Performance ohnehin locker alles wieder heraus und macht die Schwächen vergessen. Freda Jackson („Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, 1965) als undurchsichtige Schlossdienerin Greta gibt dem Geschehen eine unheilvolle Note.

Dr. Van Helsing greift wieder zum Hammer

Was für das Niveau der Produktion gilt, lässt sich ebenso für das des Mediabooks von Anolis Entertainment anführen: Das Label hält den hohen Qualitätsstandard. Die Edition von 2015 ist bereits seit einiger Zeit vergriffen und gesucht, auch das hat sie mit diversen Vorgängern und Nachfolgern gemein. Im Booklet erfahren wir etwas über die Unstimmigkeiten, mit denen die Produktion bereits im Vorfeld geplagt war – das Drehbuch wurde wiederholt umgeschrieben, was man dem fertigen Film auch anmerkt. Aber vielleicht sollte Anolis seinen Booklet-Autoren auf den Weg geben, ihre Texte miteinander abzustimmen, wenn man schon ein Booklet von drei Schreibern füllen lässt. Wenn drei Autoren nach eigenem Ermessen unabhängig voneinander über ein und dieselbe Produktion schreiben, lassen sich Dopplungen kaum vermeiden. Dennoch ist das Mediabook natürlich ein Schmuckstück jeder gut sortierten Vampirfilm-Sammlung – und in solche gehört „Dracula und seine Bräute“ definitiv hinein.

Die Vampirbräute sind auf Ärger aus

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Peter Cushing unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 13. November 2015 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten) und Blu-ray, 18. November 2016 als Blu-ray, 24. August 2007 als DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Brides of Dracula
GB 1960
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Jimmy Sangster, Peter Bryan, Edward Percy
Besetzung: Peter Cushing, Martita Hunt, Yvonne Monlaur, Freda Jackson, David Peel, Miles Malleson, Henry Oscar, Mona Washbourne, Andree Melly, Victor Brooks, Fred Johnson, Michael Ripper
Zusatzmaterial 2015: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, Making-of, Interview mit Yvonne Monlaur (Manchester 2004), britischer, amerikanischer und deutscher Kinotrailer, deutsche Titelsequenz, Comic-Adaption, deutscher Werberatschlag, Filmprogramme, Bildergalerie, nur Mediabook: 36-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Uwe Huber
Label/Vertrieb Mediabook & Blu-ray: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb DVD: Koch Media

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2015 Anolis Entertainment GmbH

 

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Die Gruft des Grauens – Vampir als Vergewaltiger

Grave of the Vampire

Von Volker Schönenberger

Horror // Des Nachts auf einem nebelumwobenen Friedhof. Wir sehen eine massive Gruft, der Name Croft ist erkennbar. Dann hebt sich langsam der Deckel … Ein junges Pärchen hält nach einer Party auf dem Heimweg noch auf eben diesem Friedhof – warum auch immer die beiden das tun. Leslie Hollander (Kitty Vallacher) und ihr Freund Paul (Jay Scott) unterhalten sich, im Auto kommen sie einander näher. Doch Caleb Croft (Michael Pataki) steigt aus seinem Grab, tötet Paul und saugt ihm das Blut aus dem Leib. Dann widmet er sich Leslie, zieht die junge Frau in ein frisch gegrabenes Grabloch und vergewaltigt sie. Als der Morgen graut, sucht der Vampir in einem baufälligen Haus einen Unterschlupf, der ihm Schutz vor der Sonne bietet.

Bald darauf erfährt Leslie, dass sie schwanger ist. Sie ist erfreut, glaubt, es sei Pauls Baby. Ihr Hausarzt aber warnt sie: Was sie in ihrem Leib trage, sei kein normales menschliches Wesen, sondern ein Parasit. Doch die junge Frau lässt sich nicht beirren. Derweil frönt Caleb Croft weiter seinem unersättlichen Blutdurst. Neun Monate nach dem grausigen Ereignis auf dem Friedhof bringt Leslie einen Jungen zur Welt, den sie mit ihrem Blut ernährt. Der Knabe wächst zu einem stattlichen jungen Mann heran: James Eastman (William Smith), der sich als Student auf die Suche nach seinem Vater begibt, um ihn zu töten.

Beinahe ein Oscar für John Hayes

Regisseur John Hayes war sogar mal für einen Oscar nominiert: 1959 für den von ihm produzierten Kurzfilm „The Kiss“, zu dem er auch das Drehbuch geschrieben hatte. Als Filmemacher kam er über den Sektor der B-Movies und Exploitationfilme nicht hinaus, drehte bisweilen sogar Pornos. „Die Gruft des Grauens“ ist natürlich weit davon entfernt, zu den Großtaten des Vampirfilms aufzuschließen. In nur elf Tagen mit einem Budget von 50.000 US-Dollar gedreht, hat das Werk allerdings auch wenig mit Trash-Machwerken vom Schlage des ein Jahr früher entstandenen „Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein“ zu tun. Das geringe Budget sieht man dem Indie-Schocker natürlich an, aber er hat doch seine gruseligen Momente.

Paul muss dran glauben

Vampir Caleb Croft ist gar nicht schlecht geraten. Seine anfangs arg billig wirkende Maskerade ist bald darauf glücklicherweise nicht mehr notwendig, da sich der Vampir dank ausreichend oraler Blutzufuhr sichtlich verjüngt. Etwas fehlbesetzt erscheint allerdings William Smith als Protagonist, der seinen vampirischen Neigungen nicht folgen und stattdessen mit seinem Vater abrechnen will. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits über 30 Jahre alt, habe ich ihm den jungen Studenten einfach nicht abgenommen. Seine Motivation wirkt auch nicht unbedingt schlüssig, sein Wesen wirkt undurchdacht: Ist er nun ein Vampir oder nicht? Weshalb will er seinen Vater töten? Und woher weiß er, wie er ihn finden kann? Vielleicht ist mir einiges entgangen, aber es tun sich doch ein paar Logiklöcher auf – natürlich keine Seltenheit bei Produktionen wie dieser. Die Kamera findet einige stimmungsvolle Bilder und Einstellungen. Bis zum Showdown im Anschluss an eine Séance mangelt es etwas an Höhepunkten, die interessante Story macht den Streifen aber doch sehenswert.

Nach 25 Jahren vom Index entfernt

1982 indiziert, wurde „Die Gruft des Grauens“ 2007 turnusmäßig nach 25 Jahren von der Liste gestrichen. Rechtzeitig zur Veröffentlichung der deutschen DVD durch Studio Hamburg Enterprises im Januar 2019 erhielt der Horrorfilm von der FSK eine Altersfreigabe ab 16 Jahren für die ungeschnittene Fassung, was angemessen erscheint. Das Label hat dennoch das rote FSK-18-Logo aufs Cover gepackt, warum auch immer – ob als Köder für hartgesottene Horrorfans oder aufgrund eines Trailers mit 18er-Freigabe in der Trailershow. Laut Vermerk auf dem Backcover der DVD handelt es sich um eine neue Abtastung aus dem Jahr 2017. Hohen qualitativen Ansprüchen genügt sie nicht, was auch für die deutsche und englische Tonspur gilt. In den USA hat „Shout! Factory“ den Film kürzlich sogar als Blu-ray veröffentlicht. Da „Die Gruft des Grauens“ in den USA als Public Domain eingestuft ist, kann er sogar kostenlos und völlig legal im Internet Archive angeschaut und heruntergeladen werden. Das mag manchen Vampirfans für diesen Film vielleicht sogar reichen.

Caleb Croft ist wieder da

Veröffentlichung: 18. Januar 2019 als DVD

Länge: 86 Min.
Altersfreigabe: FSK 16 (18)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Grave of the Vampire
USA 1972
Regie: John Hayes
Drehbuch: David Chase
Besetzung: William Smith, Michael Pataki, Lyn Peters, Diane Holden, Lieux Dressler, Ernesto Macias, Jay Adler, Carmen Argenziano, William Guhl, Margaret Fairchild, Abbi Henderson
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2019 Studio Hamburg Enterprises

 
 

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Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein – Wenn Horror-Ikonen im Trash verheizt werden

Dracula vs. Frankenstein

Von Volker Schönenberger

Horror // Auf einem Friedhof holt des Nachts eine in einen dunklen Umhang gehüllte Gestalt eine monströse Kreatur von Mensch aus ihrem Sarg. Der Friedhofswärter bemerkt den Grabschänder, das kostet ihn das Leben: Graf Dracula (Zandor Vorkov) – wir erfahren später, dass es sich um den Vampirfürsten handelt – saugt ihm das Blut aus dem Leibe.

Der im Rollstuhl sitzende Dr. Durea (J. Carrol Naish) strebt danach, ein Serum aus Menschenblut zu gewinnen, das ihn heilen kann. Dazu entführt und ermordet er mithilfe seines stummen Dieners Grotum (Lon Chaney Jr.) junge Frauen, um mit ihren Körpern herumzuexperimentieren. Ein Gruselkabinett in Kalifornien dient ihm als Köder, das Opfer anlocken soll. Wie aus dem Nichts sucht ihn Graf Dracula auf, der Dureas Geheimnis kennt: Er ist das letzte lebende Mitglied der Familie Frankenstein. Und bei der Kreatur, die Dracula aus ihrem Grab geholt hat, handelt es sich um das Monster, das der berüchtigte Dr. Frankenstein seinerzeit erschaffen hatte. Dracula hofft, dass Dr. Dureas Serum ihn gegen das Sonnenlicht unempfindlich machen wird. Gemeinsam gelingt es dem Vampir und dem Wissenschaftler tatsächlich, das Monster wieder zum Leben zu erwecken.

Derweil sucht die Tänzerin Judith Fontaine (Regina Carrol) nach ihrer verschwundenen Schwester. Weil ihr die Polizei nicht weiterhilft, zieht sie auf eigene Faust los. In einer Bar wird ihr LSD verabreicht, glücklicherweise holen sie der Hippie Strange (Greydon Clark) und dessen Freundin Samantha (Anne Morrell) heraus und bringen sie zum Althippie Mike (Anthony Eisley). Der will ihr helfen, ihre Schwester zu finden. Im Gruselkabinett treffen die beiden auf Dr. Durea.

Lon Chaney Jr. und J. Carrol Naish demontieren sich

Lon Chaney Jr.? J. Carrol Naish? In diesem Trash-Machwerk? Ernsthaft? Für Chaney („Der Wolfsmensch“) war es der vorletzte (je nach Sichtweise vielleicht sogar letzte) Film seiner Laufbahn, für den zweifach Oscar-nominierten Naish („Sahara“) der letzte. Nicht unbedingt der angemessenste Karriereausklang, den man den beiden gewünscht hätte. Speziell Chaney taumelt als stummer, gelegentlich die Axt schwingender Gehilfe mehr schlecht als recht durch die Kulissen.

Bislang galt in meinen Augen Thomas Kretschmann als Kandidat für die schlechteste Dracula-Verkörperung der Filmgeschichte – er spielte den von Bram Stoker ersonnenen Vampirfürsten 2012 in „Dario Argentos Dracula“. Den Titel knöpft ihm aber Zandor Vorkov mit Leichtigkeit ab, der Mann konnte nun wirklich überhaupt nicht schauspielern. Er tat das zum Glück für die Filmwelt auch insgesamt nur zweimal, das erste Mal ebenfalls 1971 in „Brain of Blood“ vom selben Regisseur Al Adamson. Vorkovs Dracula lässt jede Würde vermissen, die die Figur an sich auszeichnet, von Charisma ganz zu schweigen. Der tatsächliche Name des Darstellers lautet Roger Engel, dem Vernehmen nach war er Börsenmakler und für den Produzenten Samuel M. Sherman mit der Finanzierung von dessen Filmen beschäftigt. Er kam also offenbar zur Schauspielerei wie die Jungfrau zum Kinde: „Jungs, Christopher Lee hat abgesagt, da wollte ich Bela Lugosi verpflichten, habe aber erfahren, dass der schon tot ist. Wir haben also keinen Dracula! Was nun?“ „Nimm doch deinen Börsenmakler, vor dem grusle ich mich immer!“ „Tolle Idee, das mache ich, aber man kann doch Dracula nicht mit einem Schauspieler namens Roger Engel besetzen. Hat jemand einen Vorschlag für ein tolles Pseudonym?“ So ähnlich oder ganz anders mag Zandor Vorkov auf der Leinwand erschienen sein.

Nur für Trash-Fans

Als Polizist Sergeant Martin ist ein gewisser Jim Davis zu sehen, den „Dallas“-Kenner noch aufgrund seiner Rolle als Jock Ewing in Erinnerung haben mögen. Das Aufeinandertreffen von Dracula und Frankenstein birgt Potenzial, das hier selbstverständlich überhaupt nicht ausgeschöpft wird. Was Dracula auf den Gedanken bringt, Frankenstein alias Durea könne ihm helfen, im Sonnenlicht zu lustwandeln, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. Als „Mad Scientist“ wirkt Dr. Durea seinerseits eher wie eine Witzfigur, da helfen auch der renommierte Darsteller und der Rollstuhl nicht. Von „Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein“ werden sich viele Dracula- und Frankenstein-Fans mit Grausen abwenden, hartgesottene Trash-Allesgucker allerdings dürfen gern ein Auge risikieren und werden vielleicht sogar ihren Spaß an dem dilettantischen Treiben haben.

Grotum tut alles, was sein Boss ihm aufgibt

Ein anderes Label hat den Film vor einiger Zeit als DVD in Hartboxen mit zwei verschiedenen Covermotiven veröffentlicht, nun folgt eine recht schlicht aufgemachte DVD von Studio Hamburg Enterprises. Auf dem Backcover findet sich die Info: Erstmals uncut: neue Abtastung aus 2019 – die beste jemals erhältliche restaurierte Fassung. Nun ja, wenn das die beste Fassung ist, möchte ich miesere Fassungen schon mal gar nicht sehen. Aber man muss „Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein“ auch nicht auf Hochglanz poliert schauen oder gar auf eine Blu-ray packen. Im Bonusmaterial findet sich eine 108 Sekunden lange Sequenz, die als „alternatives Ende“ bezeichnet wird, jedoch nichts weiter ist als eine in Super 8 gedrehte Ansicht einer verlassenen Kirche, ohne dass irgendwelche Menschen zu sehen sind. Zwar existiert offenbar tatsächlich eine alternative Endszene, bei der auf der DVD so betitelten Sequenz handelt es sich aber wohl lediglich um Aufnahmen, die der Produzent Samuel M. Sherman zur Anschauung machte, als er besagte Kirche bei einem Spaziergang zufällig entdeckte.

Ende in Beton

Ein Blick auf die Filmografie von Regisseur Al Adamson bringt aufschlussreiche Titel zum Vorschein: „Die Sadisten des Satans“, „Des Satans heiße Katzen“, „Lash of Lust“, „The Naughty Stewardesses“, „Liebe im Raumschiff Venus“, „Flotte Teens in Amerika“ – der Gute war also dem schlüpfrigen Trash zugeneigt, ob aus Überzeugung oder mangels Talent, sei dahingestellt. Ein Film ragt heraus: „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ (1969) mit Curd Jürgens, Heinz Reincke und Heidi Kabel. Hauptregisseur war allerdings Rolf Olsen, Adamson hat vielleicht etwas beigesteuert. Der 1929 in Hollywood geborene Regisseur wurde 1995 in seinem Haus ermordet und vom Täter – einem Handwerksunternehmer – an Ort und Stelle einbetoniert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lon Chaney Jr. sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 24. Mai 2019 als DVD

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Dracula vs. Frankenstein
USA 1971
Regie: Al Adamson, Samuel M. Sherman (ohne Credits)
Drehbuch: William Pugsley, Samuel M. Sherman
Besetzung: J. Carrol Naish, Lon Chaney Jr., Zandor Vorkov, Anthony Eisley, Regina Carrol, Russ Tamblyn, Jim Davis, Angelo Rossitto, Greydon Clark, Ann Morell, Forrest J. Ackerman, John Bloom, Shelly Weiss, Maria Lease
Zusatzmaterial: alternatives Ende (Super-8-Film, 1:48), geschnittene Szenen (18:41), Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfoto: © 2019 Studio Hamburg Enterprises

 
 

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