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Vampyres – Lust auf Blut: Verführerisch und tödlich

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Vampyres

Von Andreas Eckenfels

Erotik-Horror // Anfang der 1970er-Jahre nahm die sexuelle Revolution auch im Horrorfilm ihren Lauf: Weibliche Vampire waren nicht mehr nur schmückendes Beiwerk, sondern rückten in Filmen wie „Vampyros Lesbos – Die Erbin des Dracula“ (1971), „Gruft der Vampire“ (1970) und „Blut an den Lippen“ (1971) in den Vordergrund – und das meist im Doppelpack. Denn wie ihr großes historisches Vorbild Elisabeth Báthory, genannt die Blutgräfin, sollten sie ebenfalls homoerotische Beziehungen führen. Das Bild der blutgierigen und lesbischen Vampirin prägte zudem Sheridan Le Fanu mit seiner Erzählung „Carmilla“ (1872), welche den Báthory-Mythos aufgriff – und das bereits 25 Jahre, bevor Bram Stokers „Dracula“ erschien, der davon auch maßgeblich beeinflusst gewesen sein soll.

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Leckeres Blut auf den Lippen

Neben den üblichen paar Litern (Kunst-)Blut konnte nun also auch durch eine ordentliche Prise Lesbensex die Schaulust gesteigert und das Publikum wieder in die Kinos gelockt werden. 1974 entstand dabei der in Großbritannien gedrehte „Vamypres“ des Spaniers José Ramón Larraz. Sein Landsmann Víctor Matellano versuchte sich nun an einer Neuauflage.

Gier nach Blut und Sex

In seinem zweiten Langspielfilm hat sich Matellano inhaltlich eng am Original orientiert: In den Wäldern der englischen Midlands frönen Fran (Marta Flich) und Miriam (Almudena León) einem obskuren Hobby. Das Liebespaar lauert ahnunglosen Wanderern auf. Einigen wird sofort der Hals durchgeschnitten, andere werden in ihr altes, abgelegenes Haus gelockt und nach allen Regeln der Kunst verführt – erst nach dem Sex wird ihr Blut getrunken. Nur bei Tourist Ted (Christian Stamm) macht Fran eine Ausnahme. Sie entwickelt Gefühle für ihn und hält den im Delirium dahinsiechenden Mann als Lustknaben am Leben. Bald geraten auch Harriet (Verónica Polo), John (Anthony Rotsa) und Nolan (Víctor Vidal) in das Jagdgebiet, die nach ihren verschwundenen Freunden suchen.

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Die Hotelbesitzerin warnt Ted vor den Gefahren, die im Wald lauern

Das Schmuddel-Image, welches einige Werke aus dem Subgenre des Lesbenvampirfilms einst umwehte und sie immer wieder zu gern gesehenen Gästen auf Zensurlisten machte, ist längst verflogen. Für manche Zuschauer bleibt die Mischung aus Softerotik und einigen deftigen Morden trotz häufiger inhaltlicher Leere dennoch Kult. Meist ist dies einer durchaus schaurigen Atmosphäre und einem hypnotischen Soundtrack geschuldet, bisweilen wohl einfach auch der Tatsache, dass man die Filme in einem Alter sah, in der man zuvor noch keine nackten Frauen gesehen hatte, die solch verbotene Dinge trieben.

Missglückte Modernisierung

Matellanos Versuch, die 70er-Jahre-Stimmung in die Moderne zu übertragen, bleibt erfolglos. Seine zeigefreudigen Hauptdarstellerinnen Marta Flich und Almudena León sind durchaus attraktiv, dennoch umweht sie wie dem gesamten Remake ein starker Hang zur Künstlichkeit. Die Bilder sind auf Hochglanz poliert, die Szenen ohne großen Zusammenhang wahllos aneinandergereiht, sodass eine echte Geschichte kaum auszumachen ist. Den zum Großteil spanischen Schauspielern tat man dabei auch keinen Gefallen, den Film – wohl aus Vermarktungsgründen – komplett auf Englisch zu drehen. Mit ihrer gebrochenen, akzentreichen Sprache geht bei den Vampirdamen jeglicher Rest an Leidenschaft und Sinnlichkeit verloren; Eigenschaften die der deutschen Synchronisation ebenfalls abgehen. Auch die anderen Darsteller bemühen sich redlich, ihre knappen Zeilen glaubhaft aufzusagen.

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Nolan (l.), Harriet und John suchen nach ihren Freunden

Ob es sich bei dem Liebespaar überhaupt um echte Vampire handelt, bleibt übrigens offen, was aber im Original ebenfalls der Fall war, wenn ich mich richtig erinnere. Fangzähne sind nie zu sehen, auch schlafen die Damen nicht in einem Sarg; vor der Sonne immerhin schützen sie sich mit einem dunklen Umhang. Bei den Tötungsakten, bei denen sich Fran und Miriam meist zu zweit nackt im Bett über ein Opfer hermachen, sind zwar immer Reißlaute zu hören, es ist aber nicht zu sehen, dass Stücke aus den Körpern herausgebissen werden. Blut fließt dennoch in Strömen. Von den Sexszenen indes sollte man sich nicht zu viel erwarten – da geht es auch nicht härter zu als in den „Fifty Shades of Grey“-Teilen.

Legendäres Blutbad

Auch die angeblich auf Blutgräfin Báthory zurückgehende legendäre Badeszene darf nicht fehlen. Dabei sitzt das Liebespaar in einer Badewanne, über ihnen ist eine tote Frau kopfüber aufgehängt. Der Frau wird ein Kehlenschnitt verpasst und ihr Blut sprudelt auf die Vampirdamen herab, die sich darin genüßlich waschen. Zweifellos als Einzelszene einer der sehr wenigen Höhepunkte von „Vampyres – Lust auf Blut“, dennoch hat diese bekannte Szene etwa auch Eli Roth in „Hostel 2“ (2007) schon weitaus kraftvoller inszeniert.

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Erst Sex, dann Tod

Der Gastauftritt der ehemaligen Hammer-Darstellerin und als Bond-Girl in „James Bond 007 – Der Spion der mich liebte“ (1977) zu kurzlebigem Ruhm gelangten Caroline Munro kann das Remake auch nicht retten. Sie hat als Hotelbesitzerin keine weitere Funktion, als über ihre Faszination für Post-Mortem-Fotografien zu reden und damit für etwas mysteriöse Stimmung zu sorgen.

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Fran und Miriam nehmen ein Bad

Das bereits im August 2016 erschienene Mediabook gibt es in zwei schönen, limitierten Covervarianten. Es enthält ein lesenswertes wissenschaftliches Essay über den „queeren Vampirismus“ im Film von Dr. Susanne Kappesser. Alternativ ist nun auch eine Single-Blu-ray beziehungsweise -DVD für den kleinen Geldbeutel zu haben.

Veröffentlichung: 17. Februar 2017 als Blu-ray und DVD, 29. August 2016 als 2-Disc Uncut Limited Special Edition (Mediabook mit Blu-ray & DVD) in zwei Varianten (Cover A 555 Exemplare, Cover B 777 Exemplare)

Länge: 79 Min. (Blu-ray), 76 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Vampyres
SP 2015
Regie: Víctor Matellano
Drehbuch: Víctor Matellano, José Ramón Larraz
Besetzung: Marta Flich, Almudena León, Alina Nastase, Fele Martínez, Verónica Polo, Anthony Rotsa, Víctor Vidal, Christian Stamm, Caroline Munro
Zusatzmaterial: Interview mit Caroline Munro, Making-of, Originaltrailer, deutscher Trailer, Teaser, Bildergalerie. Nur Mediabook: 24-seitiges Booklet von Dr. Susanne Kappesser
Label: donau film
Vertrieb Mediabook: Wicked-Vision Media
Vertrieb Blu-ray & DVD: Al!ve AG

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

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Fotos & Packshots: © 2016 Wicked-Vision Media / donau film

 
 

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