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Videospiel-Verfilmungen (X): Assassin’s Creed – Ein Königreich für ein Gamepad

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Assassin’s Creed

Kinostart: 27. Dezember 2016

Von Lutz R. Bierend

SF-Abenteuer // Zugegeben, der Wechsel von einem Medium zu einem anderen ist für ein Kreativ-Team keine angenehme Aufgabe. Selten verläuft so etwas ohne Enttäuschung für die alteingesessenen Fans. Selbst in Peter Jacksons Mammutwerk „Der Herr der Ringe“ finden viele Tolkienisten genügend Abweichungen vom Original, um die Verfilmung unwürdig zu finden.

Aber während man inzwischen gelernt hat, Comics ernst genug zu nehmen, um aus einem Batman so etwas Oscar-Relevantes wie „The Dark Knight“ zu machen, tut man sich bei der Verfilmung von Videospielen bislang noch schwer mit der Transformation. Dabei bieten gute Telespiele eigentlich alles, was man für eine adäquate Filmumsetzung benötigt. Oft liefern sie eine spannende Geschichte, Action und einen optischen Stil, der filmisch oft sehr prägend sein könnte. Selbst die Hauptfiguren verlassen mittlerweile immer häufiger das Stadium, in dem sie lediglich den Anlass für die Baller- und Gewaltorgie eines Ego-Shooters liefern. Doch man muss nicht nur die Werke von Uwe Boll heranziehen, um das Scheitern der bisherigen Spiele-Verfilmungen zu verdeutlichen. Auch Mark Wahlberg, der mittlerweile als Schauspieler mehrfach überzeugen konnte, scheiterte grandios beim Versuch, der stylischen Film-noir-Hommage „Max Payne“ Leinwandleben einzuhauchen.

Pünktlich zum Jahreswechsel steht nun der nächste Versuch an.

Alles was man braucht

„Assassin’s Creed“, die Serie um den seit tausend Jahren andauernden Kampf zwischen islamischen Assassinen und den christlichen Templern war bei Gamern schon lange Favorit für eine Verfilmung. Seit zehn Jahren begeistert die Reihe nun schon mit vier offiziellen Teilen und fünf Spin-offs die Spielegemeinde. Eigentlich bringt sie alles mit, um als Blockbuster-Kino zu begeistern und ein neues Franchise zu begründen. Die stimmungsvolle Gegeschichte, die zwischen Gegenwart und einer mit historischen Tatsachen spielenden Vergangenheit zu Zeiten der Kreuzzüge wechselt, hätte durch Weglassen der spieletypischen Redundanzen schon fast allein ein interessantes Drehbuch abgegeben. Hinzu kommen die auf jeden Fall leinwandtauglichen Zutaten wie die globale Verschwörungsgeschichte, stylische, Freerunner-artige Fassadenklettereien, der Sprung des Glaubens – von Kirchturmspitzen in Heuschober – und nicht zuletzt die inzwischen zum Kult gewordenen Assassinen-Moves, mit denen man im Spiel mit etwas Übung auch zahlenmäßig überlegene Kreuzritter zur Strecke bringt. Ergänzt durch eine Besetzung, die mit Michael Fassbender und Marion Cotillard in den Hauptrollen sowie Jeremy Irons, Charlotte Rampling und Brendan Gleeson bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt ist. Und nachdem Justin Kurzel als Regisseur mit Fassbender und Cotillard auch bei Shakespeares „Macbeth“ ein glückliches Händchen bei der Inszenierung von brachialen Verschwörungsgeschichten bewiesen hat, hätte eigentlich kaum etwas schief gehen können. Immerhin haben die Produzenten mit knapp 125 Millionen Dollar ein üppiges Budget zusammengetragen und für den Film eine von der Vorlage vollständig unabhängige Geschichte schreiben lassen.

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Kurz vor der Hinrichtung

Der Film erzählt die Geschichte des Kriminellen Callum Lynch (Fassbender) , der wegen Mordes hingerichtet werden soll. Nach der Giftspritze erwacht er jedoch in den Händen der Firma Abstergo Industries. Unter Kontrolle der Wissenschaftlerin Dr. Sophia Rikkin (Cotillard) soll mithilfe des Animus-Projekts sein genetisches Gedächtnis angezapft werden. Durch die Erinnerungen seines Vorfahren, des zu Zeiten der spanischen Inquisition agierenden Assassinen Aguilar de Nerha, soll ein antikes Artefakt gefunden werden: der „Apfel Edens“. In diesem ist der Legende nach der genetische Code für den freien Willen hinterlegt, den der Templerorden seit 500 Jahren sucht, um den freien Willen zu zerstören und somit alle Gewalt zu beenden.

Zurück in die Vergangenheit?

Die größte Sünde der Verfilmung ist vermutlich, dass der Animus (das Gerät zum Auslesen des genetischen Gedächtnisses) eine völlig andere Gewichtung bekommt. Das Spiel konzentriert sich fast vollkommen auf die Zeit im Animus und wirft einen wunderbar stimmungsvollen Blick in die Zeit der Kreuzzüge (Teil I), das Italien der Renaissance (Teil II) und den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (Teil III). Der Film hingegen konzentriert sich mehr auf die Gegenwart. Das Spanien von 1492 wird eher in kurzen Flashbacks abgehandelt. Selbst bei den Fassadenklettereien bemühen sich die Macher, jederzeit deutlich zu machen, dass dies gerade alles in der künstlichen Realität des Animus geschieht. Während der Animus im Spiel eher an die Scheinwelt von „Matrix“ erinnert, in der man versinkt, bis man scheitert und in die Gegenwart zurückkehrt um es anschließend aufs Neue zu versuchen, ist er im Film ein riesiger Roboterarm, an dem Callum Lynch die Bewegungen seines Vorfahren tatsächlich ausführt. Immer wieder springt die Handlung in die Gegenwart zurück, wo man sieht, wie Callum über die Projektionen seines antiken Gedächtnisses geblendet die Bewegungen seines Vorfahren ausführt. Leider raubt dieser etwas krampfhaft wirkende Versuch, sich von „Matrix“ zu unterscheiden, viel an Spannung und Dramatik der Vorlage. Wenn man im Spiel in 30 Metern Höhe am Kirchturm hängt, hat man das Gefühl, der Hauptdarsteller könne in den Tod stürzen. Durch den Blick auf die Gedächtnisprojektion bekommt das alles die Dramatik, als würde man zum Beispiel in der Freerunner-Verfolgungsjagd von „Casino Royale“ zwischendurch immer wieder Daniel Craig vor den Greenscreen schneiden, um die Illusion zu zerstören. Wie aufregend wäre es wohl, Daniel Craig in schwindelerregender Höhe auf dem Baukran zu sehen, wenn man permanent daran erinnert wird, dass das eigentlich im sicheren Studio entstanden ist?

Das ist nur eines der Probleme dieser Verfilmung. Nirgendwo kommt wirklich das Gefühl auf, dass die Vergangenheit von 1492 authentisch ist. Da hilft es wenig, dass in Spanien konsequent Spanisch gesprochen wird. Eher verdeutlicht es, wie egal diese Zeitebene den Drehbuchautoren und Machern eigentlich war: Selbst wenn ein Analphabet die Untertitel nicht lesen kann, verpasst er nicht viel Relevantes.

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Das lieben die Fans des Spiels

Auch die Zweikämpfe wirken erschreckend altbacken. Wenn man bei Schwert und Faustkämpfen das Gefühl bekommt, die Stuntmen schlagen permanent in die Luft, damit bei den Dreharbeiten niemand verletzt wird, dann wünscht man sich als Zuschauer, dass die Produzenten die Wachowski-Geschwister oder eben Martin Campbell, mit seinen ungemein physischen Zweikämpfen aus „Casino Royale“ für die Regie hätte begeistern können. Für einen Film, dessen Vorlage ihren Reiz genau aus solchen Kämpfen gezogen hat, wirkt das Gehampel eher peinlich, und spätestens, wenn die Freundin des Assassinen Aguilar de Nerha im Animus vom Endgegner getötet wird, wird deutlich, wie misslungen dieser Film ist. Da wecken heutzutage sogar die Pixelhaufen moderner Spiele mehr Mitgefühl. Selbst Michael Fassbender und Marion Cotillard können da nicht mehr viel rausreißen – und Fassbender hat „Assassin’s Creed“ sogar produziert.

Enttäuschend auf ganzer Strecke

Insofern werden Fans des Spiels vermutlich absolut enttäuscht sein. Im Spiel macht die Geschichte in der Vergangenheit 90 Prozent des Reizes aus. Im Film ist sie nur belangloses Beiwerk. Vielleicht wäre das zu verzeihen, wenn wenigstens die Rahmenhandlung punkten könnte. Leider ist diese auch nicht interessanter als im Spiel. Die Welt im Forschungskomplex von Abstergo Industries wirkt wie eine Mischung aus einem Science-Fiction-Gefängnis und einer Hommage an „THX 1138“ (1971), das Kino-Regiedebüt eines gewissen George Lucas. Den Hauptteil verbringt „Assassin’s Creed“ damit, Callum Lynch zu überreden, sich freiwillig an den Animus anstöpseln zu lassen, denn als Anpassung an das Spiel funktioniert das Gerät nur, wenn sich der Kandidat sich freiwillig dazu entscheidet. Belanglose Dialoge über die Natur der Gewalt sind kein wirklicher Ersatz für eine actionreiche und stimmungsvolle Spielwelt, welche die meistens Fans der Vorlage oder auch Zuschauer, die in eine Videospielverfilmung gehen, erwarten werden. So enttäuscht der Film leider auf ganzer Strecke.

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Man ist geneigt zu vermuten, dass die Gagen der Schauspieler das Teuerste am Film waren

Alain Corre, Europa-Chef von Ubisoft, wird auf Wikipedia mit der Aussage zitiert, dass der Film nicht dazu gedacht sei, möglichst viel Geld in die Kinokassen zu spülen, sondern eher um die Spielreihe an sich wieder attraktiver zu machen und somit den Verkauf der Spiele anzukurbeln. Ich befürchte, da hätten sich die Macher etwas mehr Mühe geben müssen, um wenigstens eine Zielgruppe zufriedenzustellen: entweder die Fans des Spiels oder unbedarfte Kinogänger. Aus der Verfilmung werden beide Gruppen ratlos rauskommen. Fans werden sich fragen, warum man für 125 Millionen Dollar nicht lieber eine ordentliche Spielfortsetzung produziert hat. Der unbedarfte Zuschauer wird sich fragen, wie es so ein Spiel auf insgesamt neun Auflagen bringen konnte, und angesichts des Kultstatus des zugrundeliegenden Spiels wird er sich in Kulturpessimismus üben.

Insofern heißt es ausharren, bis vielleicht mal jemand eine Science-Fiction-Screwball-Komödie aus dem Spieleklassiker „Day of the Tentacle“ von LucasArts erstellt – da kann man eigentlich nichts falsch machen.

Videospiel-Verfilmungen bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

It Came from the Desert (Horrorkomödie, FIN/GB/KAN 2017)
Assassin’s Creed (SF-Abenteuer, GB/F/HK/USA 2016)
Dead Rising – Endgame (Horror-Action, USA 2016)
Kingsglaive – Final Fantasy XV (Computertrick-Fantasy-Action, USA/JAP 2016)
Ratchet & Clank (Computertrick-Fantasy-Action, HK/KAN/USA 2016)
Resident Evil – The Final Chapter (Horror-Action, F/D/KAN/AUS 2016)
Warcraft – The Beginning (Fantasy-Action, USA 2016)
Dead Rising – Watchtower (Horror-Action, USA 2015)
Hitman – Agent 47 (Actionthriller, USA/D 2015)
FPS – First Person Shooter (Horror-Action, D 2014)
Heavenly Sword (Computertrick-Fantasy-Action, USA 2014)
Street Fighter – Assassin’s Fist (Action, GB 2014)
Silent Hill – Revelation (Horror, F/KAN 2012, geplant)
Prince of Persia – Der Sand der Zeit (Fantasy-Abenteuer, USA 2010, geplant)
Hitman – Jeder stirbt alleine (Actionthriller, F/USA 2007)
Silent Hill – Willkommen in der Hölle (Horror, KAN/F/JAP 2006)
Alone in the Dark (SF-Horror, KAN/D/USA 2005, geplant)
Super Mario Bros. (Fantasy-Abenteuer, USA 1993, geplant)

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Gestern Lord und Lady Macbeth, heute Weltverschwörer

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Marion Cotillard sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Michael Fassbender, Brendan Gleeson und/oder Jeremy Irons in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 116 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Assassin’s Creed
GB/F/HK/USA 2016
Regie: Justin Kurzel
Drehbuch: Michael Lesslie, Adam Cooper, Bill Collage
Besetzung: Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons, Brendan Gleeson, Charlotte Rampling, Michael Kenneth Williams, Callum Turner, Carlos Bardem, Javier Gutiérrez, Michelle H. Lin
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2016 by Lutz R. Bierend

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Twentieth Century Fox / Ubisoft Motion Pictures

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2 Kommentare

Verfasst von - 2016/12/27 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Videospiel-Verfilmungen (V): Warcraft – The Beginning: Episch soll es sein!

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Warcraft

Kinostart: 26. Mai 2016

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Lange ist es inzwischen her, das die Menschen in Scharen in die Kinos geströmt sind, um einen gewissen Hobbit dabei zu beobachten, wie er einen Ring in einen Vulkan wirft. Seitdem ist es still im Bereich der Verfilmungen sogenannter epischer Fantasy – ausladende Geschichten mit Drachen, Elfen und Zauberern – geworden, die mediokre „Hobbit“-Trilogie mal außen vor gelassen. Stattdessen häuften sich Buchverfilmungen, die an ein junges Publikum gerichtet sind, Stichwort: Young Adult. Doch nun kommt „Warcraft“ auf einem CGI-Greifen angeritten, um dem Kino wieder fantastischen Stoff zu liefern.

Menschen gegen Orks

Unruhe herrscht in Azeroth. Die friedliche Welt wird von Orks heimgesucht, die aus ihrer Welt Draenor über ein magisches Portal eindringen, um eine neue Heimat zu finden. Dabei gehen sie nicht gerade zimperlich vor und nehmen viele Menschen gefangen – sie sollen dem finsteren Gul’dan (Daniel Wu) als Energiequelle dienen, um auch den Rest der Orks nach Azeroth zu lotsen. König Llane Wrynn (Dominic Cooper) kann dies natürlich nicht mit ansehen und entsendet den Krieger Anduin Lothar (Travis Fimmel), um Medivh (Ben Foster), den mächtigsten Magier des Reiches, als Verbündeten gegen die Orks zu gewinnen. Doch der junge Zauberer Khadgar (Ben Schnetzer, „Pride“) entdeckt in einer Leiche Magie der dunkelsten Sorte, die Menschen und Orks gleichermaßen bedroht.

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Die Orks suchen eine neue Heimat

Zuerst sei gesagt, dass die Namen der Figuren wirklich merkwürdig klingen und nicht im Kopf bleiben. Beim Schreiben der Inhaltsangabe musste ich mich wirklich anstrengen, um mich an die Figuren zu erinnern. Das ist allerdings im Verlauf des Filmes nicht von Bedeutung. Bei dem Bombast, den Regisseur Duncan Jones auf die Leinwand zaubert, sind Namen eher Schall und Rauch.

Mit Gefühl für die Videogame-Vorlage

Da es sich hierbei um die Verfilmung eines Videospiels handelt, muss ein Vergleich gezogen werden. Dem Original wird glücklicherweise vor allem in den Massenschlachten gedacht. Die werden nämlich häufig aus der Vogelperspektive gezeigt, sodass sich beim Zuschauer ein wenig das Gefühl einstellt, gerade eine zeitgemäße Version der ersten drei „Warcraft“-Spiele zu sehen.

Ein häufiger Fehler bei Umsetzungen von Spielen zu Filmen ist das Drehbuch. Doch Jones und Drehbuchautor Charles Leavitt sind klug genug, um nicht in eine der typischsten Fallen zu tappen. Sie erzählen die Geschichte der Spiele nämlich nicht nach, sondern bilden eine Art Prequel. Dabei gibt es bereits einige Figuren, die im Gesamtverlauf der „Warcraft“-Historie wichtig sind – wie der angesprochene Gul’dan –, aber der Zuschauer wird nie überfordert. So können sich Neulinge zurechtfinden, aber auch Fans über bestimmte Gegebenheiten in Erwartung auf Kommendes leicht schmunzeln.

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König Wryn sorgt sich um sein Volk

Die Geschichte bietet nicht unbedingt viele Überraschungen. Für den Zuschauer wird schnell klar, von wo die wahre Bedrohung kommt. Leider gilt das nicht für die Helden. So hat der Film im Mittelteil die eine oder andere Länge, in der jedes kleinste Detail dem Zuschauer brav vorgekaut wird, damit auch jeder mitkommt. Das ist in den meisten Fällen ärgerlich, „Warcraft“ sei dies aber verziehen.

Starke Fantasy-Welt

Zum einen ist die Welt einfach wunderschön gestaltet. Das letzte Mal, dass mich ein fiktionales Universum so in seinen Bann ziehen konnte, war in Mittelerde. Jeder Wald, jedes Gebirge und jeder Fleck wirken real und organisch zusammengehörend. Dabei wird dem Zuschauer durch kurzes Einbinden anderer Rassen oder einer Weltkarte offenbart, dass dies nur eine Andeutung der Größe des „Warcraft“-Universums ist.

Dies ist gleich doppelt so hoch anzurechnen, ist „Warcraft“ doch ein wahres Fest der Computereffekte. Gerade die Interaktionen zwischen Menschen und Orks sind immer wieder erstaunlich, kommen letztgenannte doch vollständig aus dem Computer. Dabei wirken die Effekte nicht ganz so lebensnah wie zuletzt in „The Jungle Book“. Das stört womöglich den einen oder anderen, ich empfand es als angenehmen Verweis auf die Herkunft des Materials – man sieht, dass man es mit einer Videospiel-Verfilmung zu tun hat, ohne dass es plump oder gar billig wirkt.

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Khadgar ahnt Böses

Zum anderen verharmlost Jones nicht alles. Wenn reale Schauspieler zu Tode kommen, wird dies häufig nur kurz gezeigt und weggeschnitten, viel Blut ist nicht zu sehen. Bei den Orks hingegen sieht das schon anders aus. Da es sich um am Computer entstandene Wesen handelt, darf man mit ihnen wohl alles machen. Das reicht von Enthauptungen über Durchbohren bis hin zum Verstümmeln einzelner Gliedmaßen. Alles wird in voller Pracht gezeigt, sodass auch jüngere Zuschauer ein Gespür dafür bekommen, dass wir es hier mit einem wahren Krieg zu tun haben.

Die Macht des Tons

Eine weitere Erwähnung soll hier der Ton des Films finden. Neben dem wummernden Score von Ramin Djavadi, seines Zeichens Komponist des allseits bekannten „Game of Thrones“-Intros, sind es vor allem die Soundeffekte, die gelungen sind. Zauber zischen durch die Luft, der Greif kreischt, ein Ork schlägt mit einem riesigen Hammer auf ein Schild – all diese Kleinigkeiten haben eine Wucht, wie es sie lange nicht mehr zu bestaunen gab und die „Warcraft“ zusätzlich aus dem Fantasy-Mittelmaß heraus hebt.

Wenn am Ende einige unvorhergesehene Ereignisse eintreten, wird der Zuschauer mit Macht an den deutschen Titelzusatz „The Beginning“ erinnert – es soll nur ein Anfang sein. Das macht aber überhaupt nichts. Es gibt noch genügend spannende Geschichten im „Warcraft“-Universum, die ich gern auf der Leinwand sähe, zum Beispiel der Werdegang des Kriegers Arthas. Gern erneut von Duncan Jones inszeniert – der Sohn von David Bowie hat nach den bemerkenswerten SF-Dramen „Moon – Die dunkle Seite des Mondes“ (2009) und „Source Code“ (2011) nun bewiesen, dass man ihm auch einen Fantasy-Blockbuster anvertrauen kann. Wer gehofft hat, endlich mal wieder epische Fantasy auf der Kinoleinwand zu sehen, wird mit „Warcraft – The Beginning“ bestens bedient.

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Anduin attackiert gern von oben

Videospiel-Verfilmungen bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

It Came from the Desert (Horrorkomödie, FIN/GB/KAN 2017)
Assassin’s Creed (SF-Abenteuer, GB/F/HK/USA 2016)
Dead Rising – Endgame (Horror-Action, USA 2016)
Kingsglaive – Final Fantasy XV (Computertrick-Fantasy-Action, USA/JAP 2016)
Ratchet & Clank (Computertrick-Fantasy-Action, HK/KAN/USA 2016)
Resident Evil – The Final Chapter (Horror-Action, F/D/KAN/AUS 2016)
Warcraft – The Beginning (Fantasy-Action, USA 2016)
Dead Rising – Watchtower (Horror-Action, USA 2015)
Hitman – Agent 47 (Actionthriller, USA/D 2015)
FPS – First Person Shooter (Horror-Action, D 2014)
Heavenly Sword (Computertrick-Fantasy-Action, USA 2014)
Street Fighter – Assassin’s Fist (Action, GB 2014)
Silent Hill – Revelation (Horror, F/KAN 2012, geplant)
Prince of Persia – Der Sand der Zeit (Fantasy-Abenteuer, USA 2010, geplant)
Hitman – Jeder stirbt alleine (Actionthriller, F/USA 2007)
Silent Hill – Willkommen in der Hölle (Horror, KAN/F/JAP 2006)
Alone in the Dark (SF-Horror, KAN/D/USA 2005, geplant)
Super Mario Bros. (Fantasy-Abenteuer, USA 1993, geplant)

Und vielleicht auch mal der eine oder andere Film der „Resident Evil“-Reihe …

Länge: 123 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Warcraft
USA 2016
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Duncan Jones, Charles Leavitt
Besetzung: Travis Fimmel, Ben Schnetzer, Toby Kebbell, Ben Foster, Paula Patton, Dominic Cooper, Clancy Brown, Robert Kazinsky, Callum Keith Rennie, Daniel Wu, Ryan Robbins
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Universal Pictures Germany GmbH

 

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Dead Rising – Watchtower: Zombies entkommen aus Videospiel

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Dead Rising

Horror-Action // Wieso ist der Film eigentlich so verdammt lang? So viel passiert nun wirklich nicht, ein paar Attacken der Untoten hätte man gut und gern weglassen oder kürzen können. Für Kenner der Videospielreihe sei angemerkt, dass die Geschichte im Anschluss an „Dead Rising 2“ angesiedelt ist. Wen’s interessiert …

Hilft ein Serum gegen die Untoten?

Zu Beginn werden wir zügig mitten in die Zombie-Pandemie hineingeworfen: Chase (Jesse Metcalfe) muss sich einiger blutrünstiger Kreaturen erwehren. Rückblende: Wir erfahren, dass Chase Reporter für irgendeinen Internet-TV-Sender ist und mit seiner Kamerafrau Jordan (Keegan Connor Tracy) dokumentiert, wie die Regierung dem Ausbruch der Seuche mit einem Serum Herr werden will. Das gelingt mehr schlecht als recht.

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Chase kämpft um eine gute Story und ums Überleben

„Dead Rising – Watchtower“ macht vieles falsch. Das beginnt bei der Hauptfigur, die überhaupt kein Identifikationspotenzial bietet. Im Gegenteil: Chase geht recht hemmungslos vor, um an spektakuläre Bilder zu gelangen. Man möchte ihm den Biss eines Zombies gönnen. Im Nahkampf und auf der Flucht vor den Kreaturen stellt er sich auch noch eher dämlich an, manövriert sich selbst in Sackgassen oder steigt aus unerfindlichen Gründen in einen Bus ein, der von Zombies umringt und mit Zombies gefüllt ist. Klar, würde er sich einfach nur verziehen, förderte das nicht gerade die Spannung; aber etwas cleverer kann man Dramaturgie schon aufziehen.

Zombieexperte für die Quote

Eher lässlich sind die Sequenzen in einem TV-Studio, wo eine mehr und mehr von ihrem Studiogast genervte Moderatorin einen selbsternannten und selbstgefälligen Zombieexperten befragen muss, um die Zuschauer über die Untoten-Pandemie aufzuklären. Auch das zieht den Film unnötig in die Länge.

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Bekommt General Lyons die Situation in den Griff?

Die Make-up- und CGI-Effekte bewegen sich auf üblichem Niveau derartiger Zombie-Massenware – sie sind kein Ärgernis, beeindrucken aber auch niemanden. Fragwürdig erscheint, weshalb Regisseure von Videospielverfilmungen immer wieder Perspektiven aus den Spielen übernehmen, ohne sich über die Sinnhaftigkeit dessen Gedanken zu machen. Wenn in der First-Person-Perspektive eines Ego-Shooters die Waffe von vorn ins Bild ragt, mag das im Spiel fürs Handling erforderlich sein. Im Film ist das einfach dämlich, weil die subjektive Kamera den Eindruck entstehen lässt, die Figur halte sich die Waffe unmittelbar vors Gesicht. Lasst diese Einstellung doch einfach mal sein, liebe Videospielverfilmer!

Virginia Madsen!

Am traurigsten an dem Film ist die Tatsache, dass Virginia Madsen mitspielt. Tolle Schauspielerin, tolle Frau, die 1992 mit dem großartigen Horrorfilm „Candymans Fluch“ auf sich aufmerksam gemacht hat und 2004 in der wunderbaren Tragikomödie „Sideways“ an der Seite von Paul Giamatti zu sehen war. Kriegt die 1961 geborene Madsen keine anständigen Rollen mehr, weil sie aus Hollywoods Altersraster rausgefallen ist? Eine Schande! Als verzweifelte Mutter eines zombifizierten Mädchens adelt sie „Dead Rising – Watchtower“ etwas, aber im Alleingang retten kann Madsen den Film natürlich nicht. Zweiter prominenter Name in der Besetzung ist Dennis Haysbert in der Rolle eines Generals, der als Präsident David Palmer in der Serie „24“ zu Höherem berufen schien, das aber in der Folge nicht einlösen konnte. Nun spielt er in sowas hier mit.

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Maggie sieht keinen Lebenssinn mehr

Übrigens: Es kommen tatsächlich Zombies vor, nur hat der Vertrieb keine Pressefotos zur Verfügung gestellt, auf denen welche abgebildet sind. Ich bin immer auf der Suche nach guten Zombiefilmen und deshalb gern bereit, mich durch belanglosen Mist zu wühlen, um an die Perlen zu kommen. „Dead Rising – Watchtower“ gehört auf keinen Fall zu den Perlen. Vielleicht werden sich einige Zombie-Komplettisten das Steelbook ins Regal stellen, weil es nett aussieht.

Videospiel-Verfilmungen bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

It Came from the Desert (Horrorkomödie, FIN/GB/KAN 2017)
Assassin’s Creed (SF-Abenteuer, GB/F/HK/USA 2016)
Dead Rising – Endgame (Horror-Action, USA 2016)
Kingsglaive – Final Fantasy XV (Computertrick-Fantasy-Action, USA/JAP 2016)
Ratchet & Clank (Computertrick-Fantasy-Action, HK/KAN/USA 2016)
Resident Evil – The Final Chapter (Horror-Action, F/D/KAN/AUS 2016)
Warcraft – The Beginning (Fantasy-Action, USA 2016)
Dead Rising – Watchtower (Horror-Action, USA 2015)
Hitman – Agent 47 (Actionthriller, USA/D 2015)
FPS – First Person Shooter (Horror-Action, D 2014)
Heavenly Sword (Computertrick-Fantasy-Action, USA 2014)
Street Fighter – Assassin’s Fist (Action, GB 2014)
Silent Hill – Revelation (Horror, F/KAN 2012, geplant)
Prince of Persia – Der Sand der Zeit (Fantasy-Abenteuer, USA 2010, geplant)
Hitman – Jeder stirbt alleine (Actionthriller, F/USA 2007)
Silent Hill – Willkommen in der Hölle (Horror, KAN/F/JAP 2006)
Alone in the Dark (SF-Horror, KAN/D/USA 2005, geplant)
Super Mario Bros. (Fantasy-Abenteuer, USA 1993, geplant)

Und vielleicht auch mal der eine oder andere Film der „Resident Evil“-Reihe …

Veröffentlichung: 31. Juli 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 118 Min. (Blu-ray), 113 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dead Rising
USA 2015
Regie: Zach Lipovsky
Drehbuch: Tim Carter
Besetzung: Jesse Metcalfe, Meghan Ory, Virginia Madsen, Keegan Connor Tracy, Aleks Paunovic, Dennis Haysbert, Gary Jones, Carrie Genzel, Rob Riggle, Reese Alexander, Harley Morenstein, Julia Benson, Peter Benson, Patrick Sabongui
Zusatzmaterial: The Epic One’er, Making of Bonzo, Weapons of Dead Rising
Vertrieb: Polyband/WVG

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Polyband/WVG

 

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