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Freaky – Körpertausch mit Blutrausch: Der Serienkiller in der Teenagerin

Freaky

Kinostart: 24. Juni 2021

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Zwei Teenager-Pärchen sitzen an einem lauen Sommerabend am Lagerfeuer im Garten und erzählen einander Gruselgeschichten vom Serienmörder Blissfield Butcher. Das Haus enthält eine Sammlung skurriler bis morbider Artefakte, darunter den mysteriösen Dolch „La Dola“. Doch der Blissfield Butcher (Vince Vaughn) ist keine urbane Legende, wie die vier jungen Leute kurz darauf auf fatale Weise am eigenen Leib erfahren. Und der Dolch wechselt den Besitzer …

Der Mordversuch endet anders als vom Blissfield Butcher vorgesehen

Szenenwechsel: Millie Kessler (Kathryn Newton) besucht im Abschlussjahr die Blissfield Valley Highschool. Die 17-Jährige wird von den angesagten Mitschülerinnen und Mitschülern gemobbt und hat im Unterricht einen schweren Stand. Die Schreckensnachricht vom Mord an den vier Teenagern macht die Runde, hält die Schule aber nicht davon ab, das Homecoming-Footballspiel wie vereinbart stattfinden zu lassen. Millie trägt dort das Kostüm des Biber-Maskottchens. Als sie anschließend an der menschenleeren Schule darauf wartet, abgeholt zu werden, wird sie vom Blissfield Butcher attackiert. Als er ihr mit „La Dola“ einen Stich in die Schulter versetzt, geschieht etwas Unerwartetes: Millie und der Serienmörder schlüpfen in den jeweils anderen Körper. Bis Mitternacht des Folgetags muss es dem Mädchen gelingen, den Butcher mit dem „La Dola“-Dolch zu erstechen, sonst bleibt der Körpertausch von Dauer.

Millie (3. v. l.) hat sich verändert

Vorteil von Horrorfilmen: Man kann sich nach Herzenslust daran erfreuen, wenn unsympathische Zeitgenossinnen und -genossen auf blutige oder zumindest schmerzhafte Weise über den Jordan gehen. In der Realität würden wir das Mobbing-Täterinnen oder unangenehmen Lehrern dank unserer humanistischen Gesinnung nicht ernsthaft wünschen, beim Betrachten eines Films kann man sich zurücklehnen und es genießen. Erst recht, wenn es auf so erfreulich unerfreuliche Art und Weise geschieht wie hier. Beginnend mit dem Vierfachmord zu Beginn, sind die Bluttaten originell und brutal inszeniert – natürlich auf einem der FSK-Freigabe ab 16 Jahren angemessenen Gewaltlevel, denn „Freaky – Körpertausch mit Blutrausch“ soll ja im Kino reüssieren, da braucht es auch Teenager im Publikum. Andererseits – die Kreissägenszene ist nicht von schlechten Eltern …

Für Nyla (l.) und Josh (r.) hat sich Millie arg verändert

Richtig liegt zweifellos, wer annimmt, dass Kathryn Newton und Vince Vaughn Spaß an der ungewöhnlichen Aufgabe hatten, als junge Frau einen fiesen Serienkiller und als kräftiger Hüne eine zarte 17-Jährige zu verkörpern. Das kriegen die beiden auch sehr gut hin (auch wenn Vaughn ein paar Mal beim Laufen etwas zu affektiert mit den Armen herumfuchtelt), wobei ich diese Art Schauspielkunst auch nicht für sensationell halte. Profis sollten dazu in der Lage sein. Bei beiden Figuren kommt hinzu, dass sie sich selbstverständlich erst an ihre neuen Körper gewöhnen müssen. So stellt der Butcher in Millies Leib fest, dass es ihm nicht mehr so einfach fällt, einen anderen Erwachsenen zu attackieren. Millie im Leib des Butchers wiederum muss lernen, ihre Kräfte zu zügeln, wie sie feststellt, als sie auf ihre Freunde Nyla (Celeste O’Connor) und Josh (Misha Osherovich) trifft und den beiden klarmachen muss, dass sie nicht der Blissfield Butcher ist, sondern Millie. Das fällt etwas albern aus und bleibt nicht die einzige Albernheit, dem sympathischen Cast verzeiht man das aber gern. Außerdem ist es nun mal ein Hybrid aus Teenagerkomödie und Slasherfilm, da bleibt das nicht aus.

Der Serienmörder und die Schülerin

Die Handlung von „Freaky“ spielt sich an einem Freitag, dem 13., ab, was zum zwischenzeitlich vorgesehenen Titel „Freaky Friday the 13th“ passt, der somit als Crossover der Slasherfilme um Jason Voorhees und der Körpertauschkomödie „Freaky Friday – Ein voll verrückter Freitag“ (2003) konzipiert ist. Darin tauschten Jamie Lee Curtis und Lindsay Lohan als Mutter und Tochter ihre Identitäten. Wahlweise kann auch dessen Vorgänger „Ein ganz verrückter Freitag“ (1976) mit Barbara Harris und Jodie Foster als Vorbild herangezogen werden.

Ein Schlächter im Teenagerkörper

Regisseur und Drehbuchautor Christopher Landon hat für vier Filme der „Paranormal Activity“-Reihe die Skripts verfasst, den 2014er-Teil „Paranormal Activity – Die Gezeichneten“ auch selbst inszeniert. Mit „Scouts vs Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse“ (2015), „Happy Deathday“ (2017) und dessen Sequel „Happy Deathday 2U“ (2019) und nun „Freaky – Körpertausch mit Blutrausch“ hat er ein Faible für Horrorkomödien bewiesen. Dem darf er gern treu bleiben. Der humorige Grusel ist dem Mainstreamkino verhaftet, wie das bei der Produktionsfirma Blumhouse nicht anders zu erwarten ist, aber daran müssen wir uns nicht stören.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Vince Vaughn haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Freaky
USA 2020
Regie: Christopher Landon
Drehbuch: Michael Kennedy, Christopher Landon
Besetzung: Vince Vaughn, Kathryn Newton, Celeste O’Connor, Misha Osherovich, Emily Holder, Nicholas Stargel, Kelly Lamor Wilson, Mitchell Hoog, Dana Drori, Katie Finneran, Alonzo Ward, Dustin Lewis, Jennifer Pierce Mathus, Uriah Shelton, Melissa Collazo, Zack Shires, Alan Ruck, Magnus Diehl
Verleih: Universal Pictures International Germany GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2021 Universal Pictures International Germany GmbH

 

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Für das Leben eines Freundes – Was würdest du tun?

Return to Paradise

Von Philipp Ludwig

Drama // Als Jahrgang 1985 bin ich ein waschechtes Kind der 1990er-Jahre. Glücklicherweise hat mich jedoch weniger die Musik dieses durchaus kuriosen Jahrzehnts geprägt – es war in erster Linie das Medium Film, mit dessen Hilfe ich mich kulturell sozialisiert habe. Bereits als Fünfjähriger konnte ich mit „Kevin allein zu Haus“ und „Arielle, die Meerjungfrau“ meine ersten, äußerst prägenden Kinoerfahrungen sammeln. Von dort an gab es für mich quasi kein Zurück mehr auf dem Weg zum Filmnerd aus Leidenschaft. Was man filmisch konsumieren konnte – sei es zu Hause oder im Kino –, wurde verschlungen. Die örtliche Videothek wurde beim beschwerlichen Prozess des Heranwachsens mein persönlicher Wallfahrtsort und die Tätigkeit des Videothekars ein ernstgemeinter Berufswunsch (tragikomische Soundgeräusche bitte jetzt einblenden).

Ode an ein tolles Kino-Jahrzehnt

Und was waren die 1990er filmisch bitte für eine tolle Zeit? Es schien, als sei alles möglich. So gab es einerseits technisch innovative Meisterwerke wie „Jurrassic Park“, aber auch verstörende Dramen wie „Schindlers Liste“. Toll inszenierte, aber historisch hanebüchene Schlachtenepen wie „Braveheart“ im Wechsel mit irrwitzigen Actionkomödien wie „Last Action Hero“ oder gelungenen Fortsetzungen der „Lethal Weapon“- und der „Stirb Langsam“-Reihe. Eine Wiederbelebung des Horrorgenres durch moderne Schocker wie „Scream“ oder düstere Thriller wie „Sieben“, die durch den Klamauk zahlreicher Jim Carrey-Filme wieder aufgelockert wurden. Nicht zu vergessen knallbunte Sci-Fi-Orgien wie „Das Fünfte Element“ oder spektakuläre Alieninvasionen a la „Independence Day“. Zum Ende des Jahrzehnts kam für mich persönlich nicht nur der Schrecken der Pubertät in vollen Zügen angerauscht, sondern zum Glück auch ein wahrer Höhepunkt der filmischen Entwicklungen. Nicht umsonst bezeichnet der amerikanische Filmjournalist Brian Raftery in seinem Buch das Jahr 1999 als „Best. Movie. Year. Ever.“ „Matrix“, „American Beauty“, „Fight Club“ und so weiter – was für ein Jahr. Das neue Millennium stand samt befürchtetem digitalen Weltuntergang vor der Tür, mit der Neuentwicklung der DVD wurde das heimische Filmeerlebnis in ganz neue Sphären gehoben und ich machte als pickliger Teenie weiterhin das, was ich am liebsten machte: Allein (oder mit Freunden) auf die Couch und vor die Glotze. Ach, du schöne Nostalgie.

In Malaysia zum Tode verurteilt: Das Leben von Lewis steht auf dem Spiel

Auch das Drama „Für das Leben eines Freundes“ fällt in diese Zeit. Ich kann mich noch gut daran erinnern, den Film damals zwar gesehen zu haben, aber im Vergleich zu anderen Werken seiner Zeit blieb dann doch erstaunlich wenig hängen. Einzig die verstörenden Szenen eines inhaftierten jungen Mannes im malaysischen Gefängnis waren in meinem Gedächtnis noch aktiv, als ich nun das Rezensionsexemplar des kürzlich hierzulande erstmals auf Blu-ray erschienenen Werkes erhielt. Obwohl im Großen und Ganzen ansprechend inszeniert und gerade aus heutiger Sicht beeindruckend besetzt (dazu später mehr) – irgendwie blieb es der filmischen Moralstudie von Regisseur Joseph Ruben („The Stepfather“, 1987) verwehrt, in den illustren Kreis der ganz großen 1990er-Jahre-Klassiker aufgenommen zu werden. Doch woran kann dies gelegen haben?

Wird Anwältin Beth Sheriff zur Mithilfe bewegen können?

Darum geht es: Die Freunde John „Sheriff“ Volgecherev (Vince Vaughn) und Tony Croft (David Conrad) verbringen einen fünfwöchigen Urlaub in Malaysia. Dort lernen sie ihren Landsmann Lewis McBride (Joaquin Phoenix) kennen, der als Sohn reicher Eltern und idealistischer „Baumfreund“ (Zitat Sheriff) einen Zwischenstopp auf seinem Weg nach Borneo einlegt, wo er in einer Aufzuchtfarm für Orang-Utans auszuhelfen plant. Die drei jungen Männer werden zu einer unzertrennlichen Gemeinschaft und erleben vor einer fernöstlichen Traumkulisse Wochen voller Partys, Alkohol, Marihuana, Frauenbekanntschaften sowie einheimischer Gepflogenheiten. Zeitsprung, zwei Jahre später: Sheriff und Tony sind längst wieder in ihr New Yorker Alltagsleben zurückgekehrt. Sheriff in seinen Job als Fahrer einer Luxuslimousine, Tony als frisch verlobter und beruflich aufstrebender Architekt. Eines Tages steht bei den beiden Freunden, die mittlerweile den Kontakt zueinander verloren haben, die junge Anwältin Beth (Anne Heche) auf der Matte. Diese vertritt den alten Reisegefährten Lewis, der unmittelbar nach der Abreise von Sheriff und Tony vor zwei Jahren von der malaysischen Polizei festgenommen wurde. Da die Freunde ihm den gemeinsamen Haschischvorrat dagelassen hatten, droht ihm aufgrund der großen Menge in dem strengen Land nun die Todesstrafe. Letzter Ausweg: Sheriff und Tony kehren nach Malaysia zurück und bekennen sich mitschuldig. Sie müssten in dem Fall dort zwar für drei Jahre ebenfalls ins Gefängnis, aber Lewis’ Leben wäre gerettet. Doch die Zeit drängt, denn dessen geplante Hinrichtung soll bereits in einer Woche vonstattengehen. Wie weit sind die jungen Männer bereit, für das Leben ihres Freundes zu gehen?

Ein Leben vor dem Joker?

Betrachtet man den Film unter dem Eindruck gegenwärtiger Entwicklungen, so kommt man wohl nicht umhin, in erster Linie die Präsenz von Joaquin Phoenix wahrzunehmen. Seit dessen letztjähriger Jahrhundertperformance als „Joker“, samt wohlverdienter Oscarwürden, ist der so streitbare wie idealistische Charakterdarsteller zu Recht in aller Munde. Dass er nun nicht erst seit „Joker“ seine Duftmarke in der Kinowelt hinterlassen hat, dürfte den meisten Filmkennern natürlich keine besonders neue Erkenntnis sein. Bereits für beeindruckende Darstellungen wie beispielsweise die des Johnny Cash oder gar Jesus Christus, aber auch in Filmen wie „Her“ hätte er schon weit vorher mal einen Goldjungen verdient gehabt. In „Für das Leben eines Freundes“ kann man nun einen Blick auf die frühen Jahre des Schaffens eines der besten Darsteller unserer Zeit werfen. Der damals 24-jährige Phoenix war dank vorheriger Rollen schon kein Unbekannter und zeigt auch hier bereits sein beeindruckendes Talent. Der Wandel seiner Figur Lewis vom idealistischen und feinfühligen Naturfreund zum gebrochenen Häftling und aufgrund von Todesangst verstörten jungen Mann geht einem wahrlich bis ins Mark.

Beth (r.) muss sich zudem mit der Journalistin M. J. Major arrangieren

Doch abseits seiner auch damals schon herausragenden Leistung und des gegenwärtigen Trubels um seine Person – Joaquin Phoenix nimmt in „Für das Leben eines Freundes“ eher eine Nebenrolle ein. Im Vordergrund stehen dessen Kumpel Sheriff und die unermüdliche Anwältin Beth. Es zeigt sich auch hier, dass der Film bis heute dank seiner tollen Darstellerinnen und Darsteller punkten kann. Insbesondere der damals 28-jährige Vince Vaughn entpuppt sich als Volltreffer. Durch seine physisch ansprechende Erscheinung vermag er es, gepaart mit seinem darstellerischen Talent für oberflächlich emotional kühl wirkende Figuren, Sheriff zwischen einem latenten Hang zum Großmaul, sensibler Verletzlichkeit sowie vor allem Zerissenheit durch seine bestehende Loyalität zu Lewis passend und gekonnt zu verkörpern. Gerade die Widersprüchlichkeit zwischen seiner mitunter großen Klappe und dem vermeintlich fehlenden Mut vor den Konsequenzen für das eigene Handeln wirken glaubwürdig. Ebenso überzeugt Anne Heche als Anwältin Beth, die mit allen Tricks versucht, ihrem Mandanten zu helfen. Die Amerikanerin, die sich zum Jahrtausendwechsel auf ihrem Karrierehöhepunkt befand, vermag auch Beths inneres Ringen zwischen einer ungebrochenen Loyalität zu Lewis und aufkommenden Gefühlen zu Sheriff einfühlsam darzustellen.

Eine Frage der Moral

Besonders überzeugen kann der damals in erster Linie als Thriller-Experte bekannte Regisseur Ruben allerdings durch die geschickte Inszenierung eines tiefgründigen moralischen Dilemmas: Ist man tatsächlich dazu bereit, einem alten Kumpel, den man vor zwei Jahren mal für fünf Wochen kannte, aus der Patsche zu helfen und dafür ein paar Jahre des eigenen Lebens zu opfern? Und hat man überhaupt eine Wahl, wenn man bedenkt, ihn selbst mit in diese Situation gebracht zu haben? Gerade Sheriff hat daher besonders zu kämpfen mit seinen tiefen Schuldgefühlen gegenüber Lewis – war er es doch, der durch eine Unachtsamkeit für den verheerenden Polizeibesuch nach der eigenen Abreise sorgte. Auch wenn die ganze Geschichte selbstverständlich ein wenig überspitzt wirkt und wohl kaum jemand von uns in einer gleichen Lage war, begleitet einen dennoch der innere Kampf des Hauptprotagonisten sowie dessen ehemaligen Kumpels Tony und führt uns ständig mit der Frage konfrontiert: Was würde ich an ihrer Stelle tun? Denn nur allzu leicht vermag man über die beiden jungen Männer zu urteilen und deren Egoismus oder fehlenden Mut anzuprangern. Doch ist es ihnen wirklich zu verübeln? Bei der Aussicht auf drei Jahre Gefängnis in einem strengen Land mit einem wenig komfortablen Justiz- und Vollzugsystem? Und kann man der schwer einzuschätzenden Beth überhaupt trauen, dass der versprochene Deal nicht gar schlimmer ausfallen wird, als von ihr versprochen?

Jospeh Ruben bedient sich mit „Für das Leben eines Freundes“ bei der französischen Vorlage „Der Preis der Freiheit“ (1989) von Pierre Jolivet. Der Regisseur macht dabei einiges richtig. Neben der zuvor genannten, die Zuschauer moralisch fordernden Grundfragestellung und den tollen Darstellerführungen betrifft dies insbesondere seinen visuellen und narrativen Inszenierungsstil. Die malerischen malaysischen Strände (die in Wirklichkeit in Thailand liegen) wirken wahrhaft paradiesisch. Der Originaltitel passt dann auch gut: „Return to Paradise“ – doch bei der „Rückkehr ins Paradies“ Malaysia wartet mit drei Jahren Knast eben gerade alles andere als ein Paradies. Die Großstadt Pangnam (die wiederum Hongkong ist) wirkt wuselig und voller Leben. Umso verstörender wirken diese Bilder von „Gottes eigener Badewanne“ (erneutes Zitat Sheriff) später im Kontrast zum äußerst kargen Gefängnisleben von Lewis oder den kühlen und hektischen, meist bei Nacht gefilmten Szenen in New York City. Doch warum wird „Für das Leben eines Freundes“ denn nun wirklich trotz all dieser Voraussetzungen gegenwärtig nur selten in einem Atemzug mit anderen Klassikern seiner Zeit genannt?

Die Berufungsverhandlung am Tag vor der geplanten Hinrichtung ist Lewis’ letzte Chance

Dies dürfte in erster Linie daran liegen, dass dann doch einige Dinge nicht wirklich rund sind. So hätte eine längere Exposition durchaus Sinn ergeben oder zumindest weitere vereinzelte Rückblicke auf den gemeinsamen Urlaub, um die freundschaftlichen Bande zwischen den drei Männern noch etwas mehr herauszustellen und der Dramatik zusätzliche Kraft zu verleihen. Und so toll die jeweiligen Darstellerinnen und Darsteller den inneren Kampf ihrer Figuren um eine persönliche Entscheidungsfindung präsentieren – mitunter verläuft sich dieser für das Drama so zentrale Prozess ein wenig. Auf Zuschauerseite kann es somit schwerfallen, stets alle getroffenen Entscheidungen der jeweiligen Protagonisten auch wirklich nachzuvollziehen oder immer zu wissen, wer nun gerade bereit ist, nach Malaysia zurückzukehren oder eben nicht. Und vor allem, unter welchen Beweggründen. Obendrein wirkt das Ende nach dem mühevoll vollzogenen narrativen Aufbau leider ein wenig gehetzt und darüber hinaus in Teilen zu sehr auf ein Happy End für manche Beteiligte ausgelegt.

Frischer Look für einen vergessenen Filmklassiker

Es lohnt sich dennoch, sich dieses tolle Stück Filmgeschichte in neuem Glanz erneut anzuschauen. Oder zum ersten Mal eine Chance zu geben, je nachdem. Zudem ist es natürlich spannend, hier einen Blick auf das frühe Schaffen gleich mehrerer bis heute allgegenwärtiger Vertreter des Schauspielgewerbes zu werfen. Hier sei neben den bereits Genannten abschließend auch auf Jada Pinkett Smith und Vera Farmiga (in ihrer ersten Kinorolle) verwiesen, die in weiteren Nebenrollen zu sehen sind. Die technische Umsetzung von „Für das Leben eines Freundes“ als Erstveröffentlichung auf Blu-ray ist jedenfalls sehr gelungen und wertet das alte Werk visuell und auditiv in allen Belangen auf. Man sollte sich aber nicht vom Hauptmenü abschrecken lassen, denn die darin kurz gezeigten Filmausschnitte ließen aufgrund ihrer mitunter mangelhaften Qualität doch um eine arge Verschlimmbesserung fürchten. Zum Glück bestätigen sich diese Befürchtungen nicht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Joaquin Phoenix und Vince Vaughn haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Wird Sheriff (r.) seinem alten Freund helfen?

Veröffentlichung: 21. Februar 2020 als Blu-ray und DVD, 27. Juni 2013 als DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 107 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Return to Paradise
USA 1998
Regie: Joseph Ruben
Drehbuch: Wesley Strick und Bruce Robinson, nach einer Vorlage von Pierre Jolivet und Olivier Schatzky („Der Preis der Freiheit“, 1989)
Besetzung: Vince Vaughn, Anne Heche, Joaquin Phoenix, David Conrad, Jada Pinkett Smith, Vera Farmiga
Label/Vertrieb 2020: justbridge entertainment GmbH
Label/Vertrieb 2013: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2020 by Philipp Ludwig

Szenenfotos & untere Packshots: © 2020 justbridge entertainment GmbH

 

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Fighting with My Family – Frauenpower in der WWE

Fighting with My Family

Von Marco Kraus

Sportkomödie // Sinkende Zuschauerquoten bei den Wochenshows „Raw“ und „Smackdown“ sowie bei den monatlichen „Pay per View“-Zugriffszahlen, teilweise hahnebüchene Storylines, die aufkommende Konkurrenz durch „All Elite Wrestling“ (AEW) und das Schlimmste: keine prägenden Charaktere – all, all diese Dinge bereiten „World Wrestling Entertainment “(WWE)-Boss Vince MacMahon zur Zeit erhebliche Kopfschmerzen und schlaflose Nächte. Und jetzt kommt auch noch ein weiterer WWE-Film um die Ecke. „Fighting with My Family“, eine Mischung aus Biopic und Sportkomödie über den Aufstieg einer der prägendsten Figuren aus der Women’s Division der WWE, Paige. Reiht sich „Fighting with My Family“ nahtlos in den Abwärtstrend der Company ein, oder können wir uns seit langem einmal wieder auf gute Unterhaltung aus dem Hause WWE freuen?

Training mit Bruder Zodiac …

Ex-Knacki Ricky Knight (Nick Frost) lebt zusammen mit seiner Frau Julia (Lena Headey) und den beiden Kindern Zak (Thomas Whilley) und Saraya-Jade (Tori Ellen Ross) im englischen Norwich. Die gesamte Familie teilt sich ein Hobby, das Wrestling. Ricky ist Gründer der World Association of Wrestling, einer kleinen Independent-Liga, in der die gesamte Familie auftritt und mit der er regelmäßige Events in Norwich und Umgebung austrägt. Zak (etwas älter: Jack Lowden) und Saraya (etwas älter: Florence Pugh) betreuen nebenbei eine hauseigene Wrestling-Schule, in der die beiden interessierten Jugendlichen die Grundlagen des Wrestlings vermitteln. Der größte Traum von Zak und Sarya ist ein Vertrag bei der führenden Wrestling-Vereinigung der Welt: der WWE. Und so ist die Freude im Hause Knight groß, als Zak und Saraya von eben dieser WWE zu einem Probetraining in London eingeladen werden.

Ende eines Traums und Beginn einer Karriere

Eine Lebenstraum scheint sich für die Geschwister und die gesamte Familie zu erfüllen. Doch es kommt anders als gedacht: NXT-Scouter Hutch Morgan (Vince Vaughn) empfindet Saraya, die hier erstmalig unter ihrem späteren Gimmick Paige auftritt, als einzige geignete Kandidatin. Paige wird ins NXT Performance Center in Florida eingeladen, während ihr Bruder Zak enttäuscht in Norwich bleiben muss. Zak muss einsehen, dass sein Traum gestorben ist, ein WWE-Superstar zu werden. Paige hingegen muss sich eingestehen, dass die Welt des Wrestlings harte Arbeit und Teamwork erfordert – nur so gelangt man an die Spitze der WWE. Gleichzeitig kommen private Spannungen zwischen Paige und Zak auf, ihr Bruder kann es anscheinend nicht verkraften, dass seine Schwester und nicht er es ins NXT Performance Center geschafft hat.

… zahlt sich aus durch einen Sieg …

In „Fighting with My Family“ verfolgen wir die Anfänge der Karriere von Saraya-Jade Bevis, Fans besser bekannt unter dem Namen ihres Gimmicks Paige. Ihren Ringnamen entnahm sie ihrer Lieblingsserie „Charmed – Zauberhafte Hexen“. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten im „Micwork“ (Sprecheinlagen und Wortgefechte am Mikrofon) mauserte sich Paige schnell zum dem Gesicht der Women’s Devision der WWE und verhalf dem Frauenwrestling zu einem neuen Push. Grund genug für die WWE, in Zusammenarbeit mit Dwayne „The Rock“ Johnson, eine komödiantische Biografie über Paiges Start in der Company ins Rennen zu schicken. Nach vielen schlechten Filmen aus dem Hause WWE Studios und zahllosen miesen „Raw“- und „Smackdown“-Wochenshows entpuppt sich „Fighting with My Family“ zu einem überraschend positiven Filmerlebnis, fast schon zu einem echten Geheimtipp – und das nicht nur für Wrestlingfans.

Emotionen gepaart mit Humor

Der Fokus liegt nämlich nicht auf dem Wrestlingsport, sondern eher auf der Beziehung der Familie zueinander. „Fighting with My Family“ schafft es, ernste Töne mit einer guten Portion Humor zu verbinden, ohne dadurch übertrieben albern zu wirken oder gar in den Bereich der Comedy abzudriften. Auch mit emotionalen Momenten geizt der Film nicht. So erleben wir Paiges ersten Titelgewinn bei „Monday Night Raw“ im Jahr 2014 gegen die damalige Championesse AJ Lee, und wir werden Zeuge, wie Zak fast daran zerbricht, seinen Traum einer Karriere in der WWE platzen zu sehen. Auch die Darsteller sind positiv zu erwähnen. Vor allem Florence Pugh spielt ihre Rolle als Paige so intensiv, dass man fast denken kann, es mit der echten Paige zu tun zu haben. Auch „The Rock“ sorgt bei seinen Kurzauftritten immer wieder für den einen oder anderen Lacher. Nick Frost sowie Vince Vaughn als grantiger NXT-Scout und sogar die Nebendarsteller wissen durchaus zu überzeugen und sind mit Freude bei der Sache.

Gelungenes Popcornkino

Mit „Fighting with My Family“ hat die WWE einen absolut unterhaltsamen Film geliefert, den man sich, ob Wrestlingfan oder nicht, unbedingt einmal ansehen sollte, wenn man auf Gute-Laune-Popcornkino Lust hat.

… macht die Eltern stolz …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Dwayne Johnson und Vince Vaughn haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

… und weckt Träume auf den echten WWE-Gürtel

Veröffentlichung: 5. September 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Niederländisch
Originaltitel: Fighting with My Family
GB/USA 2019
Regie: Stephen Merchant
Drehbuch: Stephen Merchant
Besetzung: Dwayne Johnson, Lena Headey, Vince Vaughn, Nick Frost, Florence Pugh, Jack Lowden, Olivia Bernstone, Leah Harvey, Thomas Whilley, Tori Ellen Ross, Jack Gouldbourne, Elroy Powell
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Stephen Merchant, unveröffentlichte und erweiterte Szenen, Gag Reel, Making-of, Featurette „Die Moves lernen“
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2019 by Marco Kraus
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Universal Pictures Germany GmbH

 
 

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