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Candymans Fluch – Die Legende vom Schlitzer mit der Hakenhand

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Candyman

Von Volker Schönenberger

Horror // Man wird sagen ich habe unschuldiges Blut vergossen. Dazu ist Blut doch da – um es zu vergießen. Mit meiner Hakenhand werd‘ ich euch von oben nach unten aufschlitzen. Diese unheilvollen Worte leiten die Geschichte des Candymans ein, die die junge Helen Lyle (Virginia Madsen) untersucht – für ihre Doktorarbeit erforscht sie in Chicago urbane Legenden. Eine davon besagt, man müsse vor dem Spiegel fünf Mal den Namen Candyman aussprechen, dann komme er und bringe den Tod.

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Helen (l.) und Bernadette erforschen …

Helen wagt mit ihrer Freundin Bernadette Walsh (Kasi Lemmons) daheim den Selbstversuch. Während Bernadette vor der fünften Nennung des Namens kneift, lässt sich Helen nicht beirren. Kurz darauf führen ihre Recherchen die beiden Frauen ins heruntergekommene Viertel Cabrini-Green. Wenig später erscheint der Candyman Helen in einem Parkhaus.

Als Tony Todd noch gut war

Mit „Candymans Fluch“ und dem zwei Jahre zuvor entstandenen „Night of the Living Dead“ begründete Tony Todd Anfang der 90er-Jahre seinen Ruf als Ikone des Horrorfilms, was dazu führte, dass er sich mit Auftritten bei Horror-Conventions und übertriebenem Schauspiel in Billigproduktionen verschliss. Anspruchslose Horrorfans mögen das toll finden, aber gerade sein erster Auftritt als Candyman beweist, dass Todd zu mehr als Overacting fähig ist, auch wenn seine Stimme mit technischen Mitteln etwas ins Bedeutungsschwangere verstärkt wurde.

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… die Legende des Candymans

Fünf Mal „Candyman“ in den Spiegel rufen – auf diese etwas alberne Prämisse muss man sich natürlich einlassen können. Wer dazu in der Lage ist, bekommt einen hoch spannenden Horrorschocker vorgesetzt, dessen gezielt eingesetzter, suggestiver Score von Philipp Glass („Koyaanisqatsi“) die Zuschauer unweigerlich in die Handlung hineinzieht. Mit wohligem Grusel verfolgen wir Helens Forschungsarbeit tiefer und tiefer in den Mythos vom Candyman, der einen tödlichen Sog entwickelt. Besonders reizvoll ist der Kontrast einer alten Schaudermär, die ihren Ursprung 1890 genommen habe, mit der Tristesse und dem Verfall eines Ghetto-Bunkers im modernen Chicago.

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Die junge Frau gerät …

Besonders klug verhält sich Helen nicht unbedingt. Wer sich mit erhobenem Fleischerbeil über eine Frau gebeugt erwischen lässt, darf sich nicht beschweren, für eine mordlüsterne Wahnsinnige gehalten zu werden. Regisseur Bernard Rose („Mr. Nice“) hätte seine Protagonistin in ein paar Szenen etwas weniger plump agieren lassen können. Zum Glück reißt das Virginia Madsen („Sideways“) mit unprätentiösem Spiel wieder raus. Es ändert ohnehin nichts daran, dass „Candymans Fluch“ auf intelligente Weise mit der Funktionsweise von urbanen Legenden spielt, die meist jemand erzählt, der jemanden kennt, der einen Bekannten hat, der sie angeblich erlebt hat. Im Film wird beispielsweise auch die Legende von Krokodilen in Abwässerkanälen erwähnt. In einem Raum in Cabrini-Green entdeckt Helen obendrein Süßigkeiten, die mit Rasierklingen gespickt sind – eine sadistische Tat, die in den USA angeblich zu Halloween mehrfach begangen worden ist. Der Slasherfilm „Düstere Legenden“ („Urban Legends“) mit Jared Leto nutzte das Thema der modernen Mythen 1998 ebenfalls, wenn auch weitaus plakativer.

Nach einer Kurzgeschichte von Clive Barker

Tony Todd spielte den Candyman zwei weitere Male: 1995 folgte „Candyman 2 – Die Blutrache“ („Candyman – Farewell to the Flesh“), 1999 schließlich „Candyman 3 – Der Tag der Toten“ („Candyman – Day of the Dead“). Beide Fortsetzungen fügen der Geschichte keine neuen Facetten hinzu, folgen lediglich den Gesetzmäßigkeiten des Horrorgenres, einem Erfolgsfilm Sequels hinterherzuschicken. „Candymans Fluch“ basiert ohnehin lediglich auf einer Kurzgeschichte: „Das Verbotene“ („The Forbidden“) aus „Das fünfte Buch des Blutes“ von Clive Barker; die im ersten Film frei erweiterte Story gibt keine weiteren Aspekte mehr her, allein deshalb sind die Fortsetzungen entbehrlich.

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… in den Bann der Schreckensgestalt

Im Featurette „Sweets to the Sweet“ im Bonusmaterial erfahren wir, dass am Set echte Bienen verwendet worden sind – solche, die erst zwölf Stunden alt waren und somit nicht stechen konnten. Weil Hauptdarstellerin Virginia Madsen allergisch gegen Bienenstiche ist, musste in Szenen mit ihr und Bienen ein Krankenwagen vor Ort sein.

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Der Herr der Bienen …

Meteor Film hat „Candymans Fluch“ in ansprechender Aufmachung und sehr guter Bild- und Tonqualität als Blu-ray im Mediabook veröffentlicht. Dabei handelt es sich um die R-Rated-Fassung, die sich gegenüber einer alten deutschen VHS-Version nur bei einer Mordszene durch anderes Bildmaterial unterscheidet. Da die alte Version minimal blutiger ist, wird der eine oder andere Horrorfan womöglich die Nase rümpfen. Der Qualität der Mediabook-Veröffentlichung dieses modernen Horrorklassikers tut das keinen Abbruch.

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… kämpft mit Helen …

Tony Todd bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Candymans Fluch (1992)
Army of the Damned – Willkommen in der Hölle (2013)
Scream at the Devil (2015)
VANish (USA 2015)

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… und gerät ins Feuer

Veröffentlichung: 27. Mai 2016 als Blu-ray im Mediabook und Blu-ray

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Candyman
USA/GB 1992
Regie: Bernard Rose
Drehbuch: Bernard Rose, nach einer Kurzgeschichte von Clive Barker
Besetzung: Virginia Madsen, Tony Todd, Xander Berkeley, Kasi Lemmons, Vanessa Williams, Ted Raimi
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Cast & Crew, Featurette „Sweets to the Sweet“ (24. Min.), Featurette „Clive Barker – Raising Hell“ (11 Min.), Originaltrailer, Bernard Rose Storyboards, Booklet mit Presseheft, Kino-Aushangfotos u. a.
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Al!ve AG / Meteor Film

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Dead Rising – Watchtower: Zombies entkommen aus Videospiel

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Dead Rising

Horror-Action // Wieso ist der Film eigentlich so verdammt lang? So viel passiert nun wirklich nicht, ein paar Attacken der Untoten hätte man gut und gern weglassen oder kürzen können. Für Kenner der Videospielreihe sei angemerkt, dass die Geschichte im Anschluss an „Dead Rising 2“ angesiedelt ist. Wen’s interessiert …

Hilft ein Serum gegen die Untoten?

Zu Beginn werden wir zügig mitten in die Zombie-Pandemie hineingeworfen: Chase (Jesse Metcalfe) muss sich einiger blutrünstiger Kreaturen erwehren. Rückblende: Wir erfahren, dass Chase Reporter für irgendeinen Internet-TV-Sender ist und mit seiner Kamerafrau Jordan (Keegan Connor Tracy) dokumentiert, wie die Regierung dem Ausbruch der Seuche mit einem Serum Herr werden will. Das gelingt mehr schlecht als recht.

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Chase kämpft um eine gute Story und ums Überleben

„Dead Rising – Watchtower“ macht vieles falsch. Das beginnt bei der Hauptfigur, die überhaupt kein Identifikationspotenzial bietet. Im Gegenteil: Chase geht recht hemmungslos vor, um an spektakuläre Bilder zu gelangen. Man möchte ihm den Biss eines Zombies gönnen. Im Nahkampf und auf der Flucht vor den Kreaturen stellt er sich auch noch eher dämlich an, manövriert sich selbst in Sackgassen oder steigt aus unerfindlichen Gründen in einen Bus ein, der von Zombies umringt und mit Zombies gefüllt ist. Klar, würde er sich einfach nur verziehen, förderte das nicht gerade die Spannung; aber etwas cleverer kann man Dramaturgie schon aufziehen.

Zombieexperte für die Quote

Eher lässlich sind die Sequenzen in einem TV-Studio, wo eine mehr und mehr von ihrem Studiogast genervte Moderatorin einen selbsternannten und selbstgefälligen Zombieexperten befragen muss, um die Zuschauer über die Untoten-Pandemie aufzuklären. Auch das zieht den Film unnötig in die Länge.

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Bekommt General Lyons die Situation in den Griff?

Die Make-up- und CGI-Effekte bewegen sich auf üblichem Niveau derartiger Zombie-Massenware – sie sind kein Ärgernis, beeindrucken aber auch niemanden. Fragwürdig erscheint, weshalb Regisseure von Videospielverfilmungen immer wieder Perspektiven aus den Spielen übernehmen, ohne sich über die Sinnhaftigkeit dessen Gedanken zu machen. Wenn in der First-Person-Perspektive eines Ego-Shooters die Waffe von vorn ins Bild ragt, mag das im Spiel fürs Handling erforderlich sein. Im Film ist das einfach dämlich, weil die subjektive Kamera den Eindruck entstehen lässt, die Figur halte sich die Waffe unmittelbar vors Gesicht. Lasst diese Einstellung doch einfach mal sein, liebe Videospielverfilmer!

Virginia Madsen!

Am traurigsten an dem Film ist die Tatsache, dass Virginia Madsen mitspielt. Tolle Schauspielerin, tolle Frau, die 1992 mit dem großartigen Horrorfilm „Candymans Fluch“ auf sich aufmerksam gemacht hat und 2004 in der wunderbaren Tragikomödie „Sideways“ an der Seite von Paul Giamatti zu sehen war. Kriegt die 1961 geborene Madsen keine anständigen Rollen mehr, weil sie aus Hollywoods Altersraster rausgefallen ist? Eine Schande! Als verzweifelte Mutter eines zombifizierten Mädchens adelt sie „Dead Rising – Watchtower“ etwas, aber im Alleingang retten kann Madsen den Film natürlich nicht. Zweiter prominenter Name in der Besetzung ist Dennis Haysbert in der Rolle eines Generals, der als Präsident David Palmer in der Serie „24“ zu Höherem berufen schien, das aber in der Folge nicht einlösen konnte. Nun spielt er in sowas hier mit.

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Maggie sieht keinen Lebenssinn mehr

Übrigens: Es kommen tatsächlich Zombies vor, nur hat der Vertrieb keine Pressefotos zur Verfügung gestellt, auf denen welche abgebildet sind. Ich bin immer auf der Suche nach guten Zombiefilmen und deshalb gern bereit, mich durch belanglosen Mist zu wühlen, um an die Perlen zu kommen. „Dead Rising – Watchtower“ gehört auf keinen Fall zu den Perlen. Vielleicht werden sich einige Zombie-Komplettisten das Steelbook ins Regal stellen, weil es nett aussieht.

Videospiel-Verfilmungen bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

It Came from the Desert (Horrorkomödie, FIN/GB/KAN 2017)
Assassin’s Creed (SF-Abenteuer, GB/F/HK/USA 2016)
Dead Rising – Endgame (Horror-Action, USA 2016)
Kingsglaive – Final Fantasy XV (Computertrick-Fantasy-Action, USA/JAP 2016)
Ratchet & Clank (Computertrick-Fantasy-Action, HK/KAN/USA 2016)
Resident Evil – The Final Chapter (Horror-Action, F/D/KAN/AUS 2016)
Warcraft – The Beginning (Fantasy-Action, USA 2016)
Dead Rising – Watchtower (Horror-Action, USA 2015)
Hitman – Agent 47 (Actionthriller, USA/D 2015)
FPS – First Person Shooter (Horror-Action, D 2014)
Heavenly Sword (Computertrick-Fantasy-Action, USA 2014)
Street Fighter – Assassin’s Fist (Action, GB 2014)
Silent Hill – Revelation (Horror, F/KAN 2012, geplant)
Prince of Persia – Der Sand der Zeit (Fantasy-Abenteuer, USA 2010, geplant)
Hitman – Jeder stirbt alleine (Actionthriller, F/USA 2007)
Silent Hill – Willkommen in der Hölle (Horror, KAN/F/JAP 2006)
Alone in the Dark (SF-Horror, KAN/D/USA 2005, geplant)
Super Mario Bros. (Fantasy-Abenteuer, USA 1993, geplant)

Und vielleicht auch mal der eine oder andere Film der „Resident Evil“-Reihe …

Veröffentlichung: 31. Juli 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 118 Min. (Blu-ray), 113 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dead Rising
USA 2015
Regie: Zach Lipovsky
Drehbuch: Tim Carter
Besetzung: Jesse Metcalfe, Meghan Ory, Virginia Madsen, Keegan Connor Tracy, Aleks Paunovic, Dennis Haysbert, Gary Jones, Carrie Genzel, Rob Riggle, Reese Alexander, Harley Morenstein, Julia Benson, Peter Benson, Patrick Sabongui
Zusatzmaterial: The Epic One’er, Making of Bonzo, Weapons of Dead Rising
Vertrieb: Polyband/WVG

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Polyband/WVG

 

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