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The Cleansing – Die Säuberung: Die Hexe und der Schwarze Tod

The Cleansing

Von Volker Schönenberger

Horror // Im 14. Jahrhundert wütet der Schwarze Tod in Europa. Auch ein walisisches Dorf wird von der Pest heimgesucht. Auch die Mutter von Alice (Rebecca Acock) ist erkrankt. Zwar versucht das Teenager-Mädchen, dies vor den anderern Dörflern zu verbergen, doch vergebens: Mit Unterstützung des Geistlichen Tom (Rhys Meredith) tötet der „Läuterer“ (Simon Nehan) die Pestkranke.

Alice hat kein leichtes Schicksal

Der Priester hat ein Auge auf Alice geworfen, die kaum ein Wort spricht. Weil sie seine Avancen verschmäht, indem sie ihn anspuckt, hetzt er in Abwesenheit des Läuterers das Dorf gegen Alice auf – sie sei eine Hexe, vom Teufel besessen und schuld daran, dass die Pest über das Dorf kam. Zum Beweis ihrer Unschuld soll sie das Vaterunser aufsagen, doch weil sie dazu nicht fähig ist, wird sie gefoltert und gekreuzigt. Die mitleidige Dorfbewohnerin Mary (Abbie Hirst) schneidet sie herunter, Alice gelingt die Flucht. Tief im Wald findet sie einen Unterschlupf beim Einsiedler James (Simon Pengelly), der mit allerlei Heilkräutern hantiert. Kurz scheint sie etwas Frieden zu finden.

Der Geistliche Tom beschuldigt sie, die Pest über das Dorf gebracht zu haben

Zügig zu erkennen: Bei „The Cleansing – Die Säuberung“ stand „The Witch“ (2015) Pate, der vor einigen Jahren bei vielen Verzückung auslöste, von anderen – meines Erachtens zu Unrecht – als Hype abgekanzelt wurde. Diese Kontroverse wird der Epigone nicht auslösen, allein schon deshalb, weil die britische Independent-Produktion viel weniger Aufmerksamkeit erhalten wird. „The Witch“ wirkt obendrein auf diversen Ebenen sorgfältiger produziert, seien es Kulissen und Kostüme, sei es die Dialogregie – wobei mir lediglich die deutsche Synchronisation von „The Cleansing“ vorlag, die mir etwas lieblos gestaltet erschien. Auch die Ausleuchtung erreicht nicht das Niveau des Vorbilds. Die Waldbilder sind zwar ansprechend und atmosphärisch geraten, aber insgesamt erscheint mir die Visualisierung etwas zu glatt. Setting und Sujet hätten rauere Bilder verdient gehabt.

Der Läuterer setzt auf die Reinigungskraft des Feuers

Bei Regisseur Antony Smith bleibt in puncto Spannungsbogen Luft nach oben – es dauerte schlicht zu lang, bis sich bei mir ein Gefühl einstelle, wo die Reise hingeht. Dann immerhin wird es interessant, da Smith lange offenlässt, ob wir es lediglich mit dem Aberglauben mittelalterlicher Menschen zu tun haben oder am Ende doch Teuflisches dahintersteckt.

Kann Alice etwas Frieden finden?

So recht hat sich mir der Sinn nicht erschlossen, Alice kaum sprechen zu lassen. Das nimmt Darstellerin Rebecca Acock die Möglichkeit, ihrer Figur mehr Profil zu verleihen. Sie bleibt auf diese Weise immerhin rätselhafter, was womöglich die Absicht von Antony Smith war. Der Regisseur mag offenbar Kostümfilme, zuvor hat er „Viking – The Berserkers“ (2014) und „King Arthur – Excalibur Rising“ (2017) inszeniert. Ich habe gewisse Zweifel, dass ihm dereinst ein Studio ein großes Kino-Budget anvertrauen wird, aber wer mittelalterlichem Horror auf B-Level etwas abgewinnen kann, möge sich an „The Cleansing – Die Säuberung“ heranwagen. Immerhin bekommen wir keinen Trash geboten, sondern einen ernsthaften Schocker. Als Referenz fällt mir gerade noch „Black Death“ (2010) ein, der aber allein schon aufgrund der Besetzung mit Sean Bean, Carice van Houten und Eddie Redmayne in einer anderen Liga spielt.

Zu früh gefreut

Veröffentlichung: 4. Juni 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Cleansing
GB 2019
Regie: Antony Smith
Drehbuch: David Shillitoe
Besetzung: Rebecca Acock, Luke Bailey, Rhys Meredith, Simon Nehan, Christopher Vowles, Simon Pengelly
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2020 Tiberius Film

 

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Die Insel der besonderen Kinder – Tim Burton nimmt sich die Freiheit

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Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children

Kinostart: 6. Oktober 2016

Von Matthias Holm

Fantasy // Mit „Die Insel der besonderen Kinder“ kehrt Tim Burton zu dem Genre zurück, dass ihn groß gemacht hat. Schließlich ist die Vorlage von Ransom Riggs ein sehr düsterer Fantasy-Roman, auch wenn er an eine jüngere Zielgruppe gerichtet ist. Doch bereits beim ersten Trailer gab es einiges Stirnrunzeln – die weibliche Hauptfigur des Buches wurde gegen eine andere Figur ausgetauscht, die eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Nach der Sichtung des Films bleibt die Frage offen, warum dies getan wurde, da dieser Tausch keine erzählerischen Mehrwert bietet. Und auch ansonsten liegt mit Tim Burtons Film ein bisschen was im Argen.

Etwas Magisches lebt auf Cairnholm

Jacob (Asa Butterfield) musste mit ansehen, wie sein Großvater (Terrence Stamp) starb. Die Polizei sagt zwar, er sei von wilden Tieren angefallen worden, aber Jacob weiß, dass er in den Schatten eine merkwürdige Kreatur gesehen hat. Um dieses Trauma zu verarbeiten, rät die Psychologin Dr. Golan (Allison Janney), dass Jacob sich mit seinem Vater (Chris O’Dowd) auf den Weg zur walisischen Insel Cairnholm machen soll. Dort lebte sein Großvater während des Zweiten Weltkriegs in einem Waisenhaus, das laut den Gute-Nacht-Geschichten von Kindern mit besoneren Kräften bevölkert wurde. Und tatsächlich findet Jacob diese Kinder – um keinen Tag gealtert. Da ist ein Mädchen, das schweben kann, ein Junge schaut in die Zukunft, ein anderer kann Totes zum Leben erwecken, sei es eine Puppe oder ein Verstorbener. Sie alle stehen unter dem Schutz von Miss Peregrine (Eva Green), einer freundlichen, aber strengen Frau. Doch als in Cairnholm auf einmal Schafe gerissen werden, ist klar, dass Jacob nicht der einzige neue Besucher der Insel ist.

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Filmstunde mit den besonderen Kindern

Das größte Problem des Films ist die Geschwindigkeit der Erzählung. Anfangs halten sich Regisseur Burton und seine Drehbuchautorin Jane Goldman („Kingsman – The Secret Service“, „Kick-Ass“) nah an der Vorlage und kürzen vieles weg. Dadurch fällt zum Beispiel die tiefe Verbindung vollkommen hintenüber, die Jacob zu seinem Großvater aufgebaut hatte, hier müssen wir uns mit kurzen Rückblenden begnügen. Immerhin kann Terrence Stamp in diesen kurzen Auftritten mal wieder zeigen, dass er immer noch ein wunderbarer Schauspieler ist, sein Auftritt bleibt im Gedächtnis.

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Miss Peregrine verteidigt ihre Schützlinge

Durch das viele Kürzen entsteht ein enorm hektisches Erzähltempo. Gerade wenn Jacob die Welt erklärt wird, in die er da gerade hineingestolpert ist, wäre etwas mehr Ruhe nötig gewesen. Denn in „Die Insel der besonderen Kinder“ bekommen wir es recht schnell mit Zeitspielereien zu tun, die zwar in der Logik des Films Sinn ergeben, über die man als Zuschauer aber etwas nachdenken muss. Auch fällt die Charakterisierung der Figuren eher flach aus: Miss Peregrine als strenge, aber fürsorgliche Heimleiterin, Jacob als unsicherer Teenager, dazu weitere Kinder die ihn mögen – vielleicht sogar mehr – oder ablehnen. Doch am Ende raufen sich natürlich alle zusammen.

Düster und albern

Und hier muss man den Hut vor Burton ziehen. Im letzten Drittel trennt sich der Regisseur ganz vom Buch und erzählt seine ganz eigene Vision. Dann macht der Film auch richtig Spaß, nicht zuletzt deswegen, weil Samuel L. Jackson als wahnsinniger Antagonist immer mehr Raum einnimmt. Es ist eine delikate Balance, die Burton zwischen wirklich schaurigen Bildern – es werden einige Augäpfel konsumiert – und teils kindischen Albernheiten hält. Doch nie kippt er zu sehr in die eine oder andere Richtung, das Finale ist ein bunt-schauriger Fantasy-Spaß.

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Die Gedanken sind frei …

Kennern des Grundmaterials werden die erwähnten Punkte wohl sauer aufstoßen. Allen anderen wird mit „Die Insel der besonderen Kinder“ ein solides Fantasy-Abenteuer mit einer netten Geschichte geboten, dem man an vielen Stellen seine Herkunft als Literaturverfilmung anmerkt. Eines muss man Burton noch zugutehalten: Indem er das Finale modifiziert, hält er sich nicht die Tür zu einem Sequel offen, sondern schließt seine Version inhaltlich ab. Durchaus löblich in unserer heutigen Zeit der Franchises und Fortsetzungen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Allison Janney haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Samuel L. Jackson unter Schauspieler.

Länge: 127 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children
GB/BEL/USA 2016
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Jane Goldman, nach einem Roman von Ransom Riggs
Besetzung: Eva Green, Asa Butterfield, Chris O’Dowd, Terrence Stamp, Ella Purnell, Lauren McCrostie, Finlay MacMillan, Samuel L. Jackson, Judi Dench, Allison Janney
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Twentieth Century Fox

 
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Verfasst von - 2016/10/04 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Pride – Lesbians and Gays Support the Miners

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Pride

Kinostart: 30. Oktober 2014

Gastrezension von Matthias Holm

Komödie // Ein Film über Homosexuelle in England in den Jahren 1984 und 1985, die eine Gruppe von streikenden Minenarbeitern unterstützen. Wie einfach wäre es gewesen, aus diesem Stoff ein schwermütiges Drama zu stricken, das Toleranz predigt. Aber „Pride“ ist anders. „Pride“ ist nämlich eine wunderbare Komödie mit viel Wärme im Herzen und einem tollen Schauspieler-Ensemble.

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Mark erklärt seine Idee

Gay Pride Parade 1984. Mit seinen 20 Jahren dürfte Joe (George McKay) eigentlich noch gar nicht teilnehmen, seine Eltern ahnen auch nicht, dass er schwul ist. Und doch kommt er über Umwege an die Aktivistengruppe rund um den jungen Mark (Ben Schnetzer). Der hat eine wunderbare Idee: Zusammen mit ein paar anderen Schwulen und der sich selbst so nennenden Quotenlesbe Steph (Faye Marsay) sammeln sie unter dem Namen „LGSM“ (Lesbians and Gays Support the Miners) für die Bergarbeiter, die gegen das eiserne Regime von Margaret Thatcher protestieren. Doch nur eine Bergarbeiter-Gemeinde möchte das Geld von den „Perversen“ annehmen: eine kleine Gemeinde in Wales, angeführt von Dai (Paddy Considine). Daraufhin wird die LGSM in das verschlafene Örtchen eingeladen und muss den Bewohnern erst mal zeigen, dass sie gar nicht so verschieden sind.

Lachen und Weinen dicht beieinander

Wenn man versucht, genau zu beschreiben, was „Pride“ so schön macht, fällt es schwer, das in Worte zu fassen. Der Film hat unfassbar komische Momente, bedient sich aber nie des Holzhammer-Humors. Er bedient Klischees, gibt sie aber nicht der Lächerlichkeit preis. Es gibt natürlich tragische Szenen, die mir die eine oder andere Träne in Richtung der Augen getrieben haben, aber sie sind nie zu traurig, um den positiven Grundtenor des Films zu verfärben.

Das ideale Beispiel ist der erste Besuch der LGSM in dem kleinen Dörfchen: Nachdem der eitle Jonathan (Dominic West) hört, dass die männlichen Bewohner nie tanzen, legt er erst einmal eine heiße Sohle aufs Parkett. Nicht nur, dass wir hier eine wunderbar choreographierte Tanz-Szene bekommen, für die ich immer zu haben bin, es brodelt auch permanent im Hintergrund. Die Gesichter der Zuschauer sind verunsichert, bis zum Ende der Szene weiß man nicht, ob gleich alle vor Begeisterung jubeln oder aber die Bierkrüge tief fliegen.

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Die Presse veralbert die LGSM

So hat jede Figur ihre eigenen kleinen Szenen, in denen sie glänzen darf. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Joe, der von außen in die bunte Truppe kommt. Sein stärkster Moment ist definitiv das Lossagen von der dominanten Mutter, die nicht nur wegen ihrer Frisur an Thatcher erinnert. Während man hier am ehesten klatschen möchte, ist der Figuren-Moment von Gethin (Andrew Scott) ein zutiefst berührender, wenn er nach langer Zeit seine Mutter wiedersieht.

Feel-Good-Movie des Jahres?

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem Film, der vollgestopft ist mit denkwürdigen Szenen. Leider bedient er sich gelegentlich zu offensichtlicher Dramaturgie, wie der Verrat dieser Gemeinschaft an die Presse, allerdings kenne ich die wahren Begebenheiten nicht und verzeihe dem Film deswegen in diesem Punkt nur zu gern. Auch wenn dem Film zehn Minuten weniger gutgetan hätten, ist „Pride“ immer noch ein starker Anwärter auf den Titel des „Feel-Good-Movie des Jahres“.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Bill Nighy sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 120 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Pride
GB 2014
Regie: Matthew Warchus
Drehbuch: Stephen Beresford
Besetzung: Ben Schnetzer, George McKay, Paddy Considine, Bill Nighy, Imelda Staunton,Faye Marsay, Dominic West, Andrew Scott, Freddie Fox
Verleih: Senator Film Verleih

Copyright 2014 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Senator Film Verleih

 

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