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Mary Poppins’ Rückkehr – Magisch, zauberhaft und herrlich bunt

Mary Poppins Returns

Kinostart: 20. Dezember 2018

Von Iris Janke

Fantasy-Komödie // An „Mary Poppins“ als schwebendes Kindermädchen mit Schirm erinnert sich wohl beinahe jedes Kind. Vor allem die über 40-Jährigen dabei vermutlich eher an die fünffach Oscar-gekrönte erste Kino-Umsetzung aus dem Jahr 1964 von Robert Stevenson mit Julie Andrews in der Titelrolle. Und auch, wer den Film nicht gesehen hat, hat vermutlich eines der Kinderbücher im Regal stehen, gelesen oder vorgelesen bekommen – der erste „Mary Poppins“-Roman der Australierin Pamela Lynwood Travers war 1934 veröffentlicht worden. Einem klassischen Märchen gleich werden die Bücher immer noch von Oma und Opa, Tante und Onkel oder von guten Kindermädchen selbst dem Nachwuchs geschenkt und vorgelesen.

Mary Poppins hat ein Auge auf die drei Banks-Kinder

2014 verkörperte Emma Thompson in „Saving Mr. Banks“ die störrische Romanautorin, mit der Tom Hanks als Walt Disney seine liebe Not bei hatte, seine Vision der Vorlage zu verwirklichen. Höchste Zeit also, dem magischen Kindermädchen Mary Poppins zu einem neuen Leinwandauftritt zu verhelfen. Inhaltlich ist „Mary Poppins’ Rückkehr“ von Regisseur Rob Marshall („Chicago“, „Into the Woods“) weder eine komplette Neuverfilmung noch schließt ihre Rückkehr nahtlos an die Story des 1964er-Films an. Allerdings ist im Film weit weniger Zeit vergangen als zwischen dem ersten und zweiten Teil in der Realität.

Das Kindermädchen schwebt wieder mit dem Schirm herbei

Ist „Mary Poppins“ in der britischen Hauptstadt wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelt, spielt „Mary Poppins’ Rückkehr“ im London der 1930er-Jahre. In beiden Teilen steht die Familie Banks im Mittelpunkt. Doch während im ersten Teil die Eltern von Jane und Michael Banks selbst ein Kindermädchen suchen, schwebt in der Fortsetzung das Kindermädchen Mary Poppins (Emily Blunt, „Sicario“) unaufgefordert per Schirm herbei, um den inzwischen erwachsenen Geschwistern Jane (Emily Mortimer, „The 51st State“) und Michael Banks (Ben Whishaw) bei der Erziehung von Michaels eigenen Kindern zu helfen.

Der magische Papierdrachen hilft im Park

Michael Banks wirkt damit überfordert, nach dem Tod seiner Frau die drei Kinder Anabel (Pixie Davis), Georgie (Joel Dawson) und John (Nathanael Saleh) allein erziehen zu müssen. Die Katastrophe scheint zudem ihren Lauf zu nehmen, als das geliebte alte Haus im Kirschbaumweg 17 wegen Überschuldung an die Bank und deren bösen Boss Wilkens (Colin Firth, „Tatsächlich … Liebe“) zu fallen droht. Die Einzige, die die ausweglose Situation der Familie Banks anscheinend retten kann, ist Mary Poppins. Gemeinsam mit dem munteren Laternenanzünder Jack (Lin-Manuel Miranda) taucht sie in eine fantastische Märchenwelt ein, um dort sogar das Unmögliche möglich zu machen.

Emily Blunt verzaubert Jung und Alt

Dass Rob Marshalls neue Umsetzung überaus gelungen ist, liegt vor allem an Hauptdarstellerin Emily Blunt („Der Teufel trägt Prada“). Ganz wie ihre Vorgängerin Julie Andrews verzaubert die Britin Jung und Alt, singt, tanzt und wirbelt durch reale und bunt-animierte Kulissen. Dabei agiert sie als Kindermädchen gleichzeitig streng, wunderbar ironisch und immer bezaubernd.

In Mary Poppins’ bunter Fantasiewelt ist ein Hund der Kutscher

Regisseur Marshall gelingt dabei das Kunststück, sogar nicht dem Musical zugeneigte Filmgucker mit seiner wunderbar märchenhaften Kulisse zu faszinieren. Alles ist bunt, schnell, ein bisschen zuckerig, irgendwie unwirklich, aber immer vor Magie sprühend. Wenig verwunderlich also, dass irgendwann Meryl Streep als Mary Poppins’ magische Cousine Topsy Turvy auftaucht. Alles ist möglich …

Laternenanzünder Jack hat das richtige Gleichgewicht

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Emily Blunt und Meryl Streep sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Colin Firth in der Rubrik Schauspieler.

Mary Poppins hat viele Fans und wird auf Händen getragen

Länge: 130 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Mary Poppins Returns
USA 2018
Regie: Rob Marshall
Drehbuch: David Magee, nach den Vorlagen von P. L. Travers
Besetzung: Emily Blunt, Lin-Manuel Miranda, Ben Whishaw, Emily Mortimer, Julie Walters, Colin Firth, Meryl Streep, Dick Van Dyke, Angela Lansbury, David Warner, Pixie Davies, Joel Dawson
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2018 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 © Disney Enterprises, Inc. All rights reserved.

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Die Unglaublichen – Truly Incredible

The Incredibles

Von Paula Bierend

Computertrick-Fantasy-Abenteuer // „Die Unglaublichen“ gehört zu den Filmen, mit denen meine Generation groß geworden ist. Mittlerweile gilt das Familien-Abenteuer von Pixar als Kinderfilm-Klassiker, und das aus gutem Grund. Wer hat sich nicht schon mal Gedanken darüber gemacht, wer eigentlich die ganzen Schäden bezahlt, wenn Superhelden Superschurken zur Strecke bringen und dabei eine halbe Großstadt zerstören? Oder was passiert, wenn Superhelden im Übereifer, Gutes zu tun, mal den Falschen retten und einen Selbstmörder beim Sprung vom Hochhaus auffangen?

Superhelden werden verboten

In Brad Birds „Die Unglaublichen“ ist dies die Prämisse – eine Prämisse, die in einem Marvel-Film das Marvel Cinematic Universe und in einem DC-Film das DC Extended Universe komplett auf den Kopf stellen würde: Letztlich ist es sicherlich mehr Neid, weil sie selber nur durchschnittlich sind, aber irgendwann haben die Menschen genug von den verwüsteten Städten. Besagter Selbstmörder, von Mr. Incredible gerettet, hat sich bei der unerwünschten Rettung den Hals verrenkt und tritt daraufhin eine Prozesslawine los. Binnen kürzester Zeit zieht die Regierung die Reißleine – Superhelden werden verboten. Wie im Zeugenschutzprogrammen werden sie in normale Existenzen umgesiedelt und müssen fortan all die Jobs machen, die bereits die Leben der Normalsterblichen unerträglich machen.

Bob verzweifelt immer mehr an seinem Job

Bob Parr, der früher als Mr. Incredible für Sicherheit gesorgt hat, hat kurz vor der Verbannung der Superhelden Elastigirl alias Helen geheiratet. Nun leben die Eheleute seit fünfzehn Jahren in einem typischen amerikanischen Vorort und haben drei Kinder, von denen die älteren ebenso wie ihre Eltern besondere Fähigkeiten haben. Nur Baby Jack Jack scheint aus der Art zu schlagen mit seiner Normalität. Dash Parr ist schnell wie kein zweiter und brennt darauf, dies auch mal zur Schau zu stellen. Seine Schwester Violet Parr kann unsichtbar werden, was meist dann passiert, wenn ihr Schwarm in der Schule in ihre Richtung schaut, und sie kann Energiefelder um sich herum erzeugen, die vor ziemlich allem schützen, aber sie wünscht sich eigentlich nur ein normales Teenagerdasein.

Aus Elastigirl ist eine Hausfrau geworden

Helen hat sich mit der neuen Situation abgefunden. Sie ist zur klassischen Hausfrau und Mutter mutiert, weil sie weiß, dass ihre Superfähigkeiten in dieser schönen neuen Welt nichts mehr wert sind. Bob hingegen ist absolut frustriert von seinem Leben. Abends trifft er sich mit seinem alten Kumpel Lucius, früher als Frozone bekannt (der im Original wunderbar von Samuel L. Jackson gesprochen wird), und hört den Polizeifunk ab, um zwischendurch immer mal wieder inkognito der Polizei zu helfen. Denn für eine Helfernatur wie Bob bedeutet sein Job die totale Frustration. Als Sachbearbeiter einer Versicherung ist es seine Aufgabe, berechtigte Forderungen der Kunden abzuwimmeln. Sein Chef wundert sich, dass seine Klienten aus den „Ablehnungsgesprächen“ als Versicherungsfachleute herausgehen, die jedes Schlupfloch kennen um doch an ihr Geld zu kommen. So kommt es, wie es kommen muss: Bob wird gefeuert.

Doch dann kehrt Mr. Incredible endlich zurück

Eine unbekannte Firma bietet ihm einen neuen, besser bezahlten Job an: Im Auftrag einer streng geheimen Organisation soll er wieder Mr. Incredible werden. In der Hoffnung, die glorreichen Tage wieder aufleben zu lassen und den Rausschmiss vor Helen geheim zu halten, nimmt er das Angebot an. Bald stellt sich heraus, dass hinter diesen Aufträgen ein alter Fan von Mr. Incredible steckt: der kleine Buddy Pine, der als Incrediboy der einst Sidekick von Mr. Incredible sein wollte und seinerzeit in jugendlichem Eifer die Katastrophe ausgelöst hatte, wegen der die Superhelden verboten wurden. Nun nennt er sich „Syndrom“ und hat seinen Mangel an Superfähigkeiten mit Erfindergeist kompensiert. Und er will nur eins: Rache.

Modedesignerin E in den Fußstapfen von Q

In bester James-Bond-Manier erklärt Syndrom seinen Plan, wie er sich als neuer Superheld in der Gesellschaft etablieren will. Dafür inszeniert er einen Angriff mit einem unbesiegbaren Roboter, den nur er stoppen kann, weil er die Fernbedienung besitzt. Er überwältigt Mr. Incredible und hält ihn gefangen. Helen, die über das plötzliche Verschwinden ihres Mannes viele Theorien spinnt, besucht ihre alte Freundin und Designerin Edna „E“ Mode (der im Original Regisseur Brad Bird persönlich die Stimme geliehen hat). Diese hat als Mischung aus weiblichem Karl Lagerfeld und James Bonds Q schon die Supersuits für die ganze Familie entworfen. Wer braucht nicht einen feuer- und kugelsicheren Strampler für sein Baby? Da E in alle Anzüge Peilsender eingebaut hat, findet Helen heraus, wo sich Bob aufhält, und nach einer Motivationsrede von E, in der die Tüftlerin Helen daran erinnert, eine Superheldin zu sein, wird Helen wieder zu Elastigirl und eilt ihrem Mann zu Hilfe. Die Kinder schleichen sich gleich mit auf die Mission, Jack Jack haben sie zuvor flugs eine Babysitterin besorgt. Der Kurzfilm „Jack Jack Attack“ im Bonusmaterial der Blu-ray erzählt von ihrem Abenteuer, von dem im Hauptfilm nur die Nachrichten auf Helens Mailbox Zeugnis geben. Am Ende muss die gesamte Familie Parr mit ihren vereinten Superheldenkräften versuchen, Syndroms Plan zu stoppen. Es gibt halt Dinge, die lassen sich nur als Familie schaffen.

Edna Mode (l.) präsentiert Helen alias Elastigirl die neuen Anzüge

„The Incredibles“, so der Originaltitel, schafft spielend den Brückenschlag zwischen Kinderfilm und Superheldenhommage, bei der man sich auch als Erwachsener mitgenommen fühlt. Bei der Schuperschurken-Festung werden vermutlich eher bei den Erwachsenen nostalgische Erinnerungen geweckt, die sich gleich in die Zeiten zurückversetzt fühlen werden, als Sean Connery in „James Bond 007 – Man lebt nur zweimal“ Blohfelds Raketenbasis im Inneren eines Vulkans zerstören musste oder sich Roger Moore noch als Agent mit Lizenz zum Töten selbst nicht ganz ernst nahm. Für jede Altersgruppe gibt es die persönliche Identifikation. Sei es Bob Parr, dem früher die Welt offen stand und der jetzt in einem Leben feststeckt, in dem er seine Talente seiner Familie zuliebe verstecken muss. Sei es Helen, die sich in der Superhelden-Doku zu Beginn abfällig zur Frage nach Familie noch abfällig äußert „Settle down, are you kidding? I’m at the top of my game! I’m right up there with the big dogs!“ und 15 Jahre später doch als Hausfrau und Mutter endet. Sei es Dash, der beweisen will, was in ihm steckt, aber immer wieder zur Ordnung gerufen wird. Violet schließlich muss als ältestes Kind immer für alles die Verantwortung übernehmen. Mit Edna Mode gibt es auch noch ein Rollenvorbild für die künftige Karrierefrau – Brad Bird hat der Guten einige der schönsten One Liner des Films auf den Leib geschrieben.

Wir alle tragen Superkräfte in uns!

Obwohl alle Hauptfiguren Superhelden sind, sind sie sehr menschlich, ihre Superkräfte sind schlussendlich nur eine Metapher für etwas, dass wir alle in uns tragen. Ob wir es bewusst sehen oder ob es irgendwo in uns verborgen ist, sind wir irgendwo doch alle super! Nur die Schurken brauchen technische Gadgets oder Markenprodukte, um besonders zu sein. Das ist eigentlich eine zu schöne Metapher, als dass man sie einer großen Hollywood-Produktion unterstellen will. Die Lektion aus „Die Unglaublichen“ ist eigentlich ebenso schön wie einfach: Es ist unsere Aufgabe, im Leben herauszufinden, wie wir unsere besonderen Fähigkeiten entfalten und in den Zwängen des Lebens einsetzen – und das am besten, ohne dabei die Stadt in Schutt und Asche zu legen. Denn das Miteinander funktioniert auf Dauer nur, wenn jeder die Chance hat, seine Qualitäten auszuspielen und dafür wertgeschätzt zu werden. Wenn man sie mit Rücksicht auf alle anderen hintanstellt, wird auf Dauer keiner damit glücklich.

Die Familie kämpft gemeinsam gegen Syndrom

Man darf gespannt sein, wie Familie Parr beim in Kürze erscheinenden „Die Unglaublichen 2“, weiter zusammenwächst und vor allem, wie sich der jüngste Sprössling Jack Jack mit seinen doch noch entwickelten Fähigkeiten, für die er den feuerfesten Anzug sicher gut gebrauchen kann, in das Familien-Franchise hineinfindet. Feminismus, Gesellschaftskritik und großartige Unterhaltung „Die Unglaublichen“ hat alles und auf jeden Fall mehr als genug, um ihn regelmäßig für den gemütlichen Familienabend auszugraben – erst recht zur Vorbereitung aufs Sequel, das am 27. September in den deutschen Kinos startet.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Samuel L. Jackson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 8. Februar 2018 als 2-Disc DVD, 1. Dezember 2011 als Blu-ray im Steelbook, 28. April 2011 als Blu-ray, 1. März 2011 als 2-Disc Limited Edition DVD im Steelbook

22. September 2005 als 2-Disc Special Collection DVD

Länge: 115 Min. (Blu-ray), 110 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Incredibles
USA 2004
Regie: Brad Bird
Drehbuch: Brad Bird
Originalsprecher: Craig T. Nelson, Holly Hunter, Samuel L. Jackson, Jason Lee, Dominique Louis, Teddy Newton, Elizabeth Peña
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Walt Disney

Copyright 2018 by Paula Bierend

Szenenbilder, Packshot Blu-ray & Packshot Special Collection DVD: © Walt Disney

 

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Ant-Man and the Wasp – Das große Krabbeln kehrt zurück

Ant-Man and the Wasp

Kinostart: 26. Juli 2018

Von Lutz R. Bierend

Fantasy-Action // Zugegeben: „Ant-Man“ war nie ein Comic, dessen Verfilmung ich entgegengefiebert habe. Zwar versprachen die heutigen technischen Möglichkeiten einige authentischere Einblicke in das Leben als ameisengroßes Wesen, als dies bei einem Klassiker wie Jack Arnolds „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ 1957 realisierbar war, aber allein von Effekten kann heutzutage an sich kein Film mehr leben. Auch „Das große Krabbeln“ von Pixar musste mehr abliefern als lediglich eine Optik, die wirklich das Gefühl vermittelte, mit millimetergroßen Kameras aufgenommen worden zu sein.

Superheld mit Unterhaltspflicht

Trotzdem überraschte „Ant-Man“ 2015 auf angenehme Weise. Nicht nur vermittelte dessen erster Schrumpfgang in der heimischen Dusche vor allem in 3D wirklich das Gefühl, wie bedrohlich eine laufende Dusche in dieser Größe sein kann, auch erzählte er für einen Marvel-Film eine relativ unaufgeregte Geschichte von einem verantwortungslosen Mann, der ein verantwortungsvoller Vater sein möchte, was sich ebenfalls in der Beziehung zwischen dem von Michael Douglas gespielten Henry Pym zu seiner Tochter Hope (Evangeline Lilly) widerspiegelte. Und auch wenn man die Wandlung vom Saulus zum fürsorglichen Familienvater inzwischen aus jedem zweiten Roland-Emmerich-Film kennt, war dies im Marvel Cinematic Universe ein Novum. Welcher Superheld hatte schon ein Kind und musste sich mit Problemen wie Umgang und Unterhaltszahlungen beschäftigen?

Auf ins Quantenreich – die Frau wartet

Auch wenn im ersten Teil bei der Verhinderung der kommerziellen kriegerischen Nutzung des Schrumpfvorgangs im weiteren Sinne die Welt gerettet wurde, passierte dies auf einer sprichwörtlich kleinen Bühne. Ohne gigantische Monster, Aliens oder andere übermächtige Superschurken, die zurück ins Weltall geschossen werden mussten. Das verlieh dem ersten Teil eine gewisse Originallität. Auch war das Marvel Cinematic Universe eher eine Randerscheinung, die gerade mal ins Spiel kam, als der von Paul Rudd verkörperte Scott Lang alias Ant-Man in ein streng geheimes Avengers-Gebäude einbrechen und dabei den Falcon überwinden muss. Doch seit „The First Avenger – Civil War“ ist Ant-Man ein freier Mitarbeiter der Avengers und „Ant Man and the Wasp“ schließt an den verloren „Bürgerkrieg“ der Avengers auf dem Leipziger Flughafen an.

Hausarrest für Ant-Man

Scott Lang hat wegen seines Einsatzes für Captain America Hausarrest und darf seinen Garten nicht verlassen eine elektronische Fußfessel stellt das sicher. Zum Glück sind seine Ex-Frau und ihr neuer Mann wesentlich umgänglicher, seit Scott im ersten Teil der gemeinsamen Tochter Cassie das Leben gerettet hat. In Teil 2 braucht er nicht einmal mehr Unterhalt zu zahlen, um Umgang mit seiner Tochter zugestanden zu bekommen, aber natürlich passiert es beim Spielen an der auf dem Grundstück aufgebauten Erlebnistour schon mal, dass Scott mit dem Fuß durch den Gartenzaun bricht und einen Großeinsatz des FBI auslöst.

Sieht eigentlich ganz nett aus, versolt den Helden aber gehörig den Hintern: Ghost (Foto: Ben Rothstein)

Henry Pym musste in den Untergrund gehen, nachdem er zur Vernichtung der Yellowjackets das ganze Firmengebäude von Cross Technological Enterprises in Schutt und Asche gelegt hatte. Nachdem es Ant-Man im ersten Teil gelungen war, die Endlosschrumpfung ins Quantum Realm (Quantenreich) durch Modifikation seines Anzugs rückgängig zu machen, sind Pym und seine Tochter Hope besessen von der Idee, seine 1987 im subatomaren Quantenreich verlorene Frau wiederzufinden und ebenfalls zurückzuholen. Lilly darf als Wasp inzwischen den Prototypen ihres Anzugs tragen. Sein Laborgebäude hat Scott dank der Pym-Partikel auf Handkoffergröße geschrumpt, und er schafft es tatsächlich, einen Tunnel zur subatomaren Ebene aufzubauen – der erweist sich aber als noch nicht stabil.

Waffenhändler will Pym-Partikel stibitzen

Von hier an kann man sich eigentlich eine weitere Inhaltsangabe sparen, denn die Geschichte verläuft in der Dramaturgie eines mittelmäßigen Videospiel-Adventures. Besorge die notwendige Energiequelle! Vermeide es, dabei vom FBI erwischt zu werden! Vermeide es, vom betrügerischen illegalen Waffenhändler um deine Pym-Partikel gebracht zu werden, und vermeide die unbesiegbar erscheinende Ghost (Hannah John-Kamen), die die Energie des Quantenreiches zur Lösung ihrer persönlichen Probleme anzapfen will!

The Wasp greift ein (Foto: Ben Rothstein)

Leider fehlt dem Film alles, was den ersten „Ant-Man“ besonders gemacht hat. Langs Wunsch, seiner Tochter ein Vater zu sein, ist nur noch ein Vehikel, um Witze darüber zu machen, wie das FBI an der Nase herumgeführt wird. Die ironischen Spielereien mit dem Perspektivwechsel zwischen Ameisengröße (in welcher der Zweikampf zwischen Yellowjacket und Ant-Man auf der Spielzeug-Eisenbahn ein großes Actionsspektakel war), und der Außenperspektive (wo nur ein paar Lichter aufblitzen, während „Thomas, die kleine Eisenbahn“ gemütlich ihre Runden im Kinderzimmer dreht), fallen komplett unter den Tisch.

Wie geht es weiter?

Wenn Evangeline Lilly es in der Presse als feministische Errungenschaft feiert, dass „Ant-Man and the Wasp“ der erste Marvel-Film ist, bei dem eine weibliche Superheldin im Titel auftaucht, dann ist man geneigt, patriarchale Verschwörungstheorien zu entwickeln, weil die männlichen Macher dafür kein inspirierteres Drehbuch zur Verfügung gestellt haben. Bedauerlich, denn Lilly macht ihre Rolle als Superheldin äußerst anständig und ist als Superheldin fast überzeugender als Paul Rudd in der zweiten Titelrolle. Will man der Gerüchteküche des Internets glauben schenken, ist der Zweck des offenen Endes von „Ant-Man and the Wasp“ (Spoiler-Warnung für alle die „Avengers – Infinity War“ noch nicht gesehen haben,) eine Hintertür zu finden, damit es auch nach dem zerstörerischen Finale von „Avengers – Infinity War“ einen weiteren „Spider-Man“- oder „Doctor Strange“-Film geben kann.

Manchmal kommt es doch auf die Größe an

Das Marvel Cinematic Universe gestaltet sich langsam zu einer großen Fernsehserie, bei der jeder einzelne Marvel-Film wie eine Folge innerhalb dieser Serie behandelt wird. Leider ist „Ant-Man and the Wasp“ eine der belangloseren Folgen, die man eigentlich nur sehen muss, weil das Ende vielleicht eine Bedeutung für die nächste Folge hat und im zweiten Teil von „Avengers – Infinity War“ wichtig wird. Im Fernsehen oder bei Netflix mag man solche uninspirierten Episoden verschmerzen, aber wenn man für so eine Folge den Preis einer Kinokarte bezahlen soll, muss man es sich genau überlegen, ob man sich nicht doch auf die Zusammenfassung in der nächsten Folge beschränken sollte. Sollten die Gerüchte wahr sein, wird es diese sicherlich in „Infinity War 2“ geben und wenn sich dessen Macher auf den relvanten Inhalt von „Ant-Man and the Wasp“ beschränken, wird das keine fünf Minuten dauern. In der gesparten Zeit und mit dem gesparten Geld kann man lieber mit seinen Kindern ein Eis essen gehen. Das ist bei diesem Wetter unterhaltsamer.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Douglas und Laurence Fishburne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Ein schlagkräftiges Team

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ant-Man and the Wasp
USA 2018
Regie: Peyton Reed
Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Paul Rudd, Andrew Barrer, Gabriel Ferrari
Besetzung: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Peña, Walton Goggins, Bobby Cannavale, Judy Greer, Michelle Pfeiffer, Laurence Fishburne, Michael Douglas
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Disney / Marvel Studios (Fotos: Ben Rothstein)

 

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