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Ein stahlharter Mann – Charles Bronson boxt sich durch Walter Hills Regiedebüt

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Von Volker Schönenberger

Action // Nach „Die glorreichen Sieben“ (1960) und „Gesprengte Ketten“ (1963) markiert „Ein stahlharter Mann“ die dritte und letzte Kino-Zusammenarbeit von Charles Bronson und James Coburn. 1958 hatten die beiden für eine Folge der Westernserie „Wells Fargo“ gemeinsam vor der Kamera gestanden. Wenn sich zu Beginn die beiden Charakterköpfe Charles Bronson und James Coburn in einem Diner gegenübersitzen und einander beschnuppern, kann man sich schon auf einen launigen Buddy-Actioner freuen, wobei Bronson den eher schweigsamen und Coburn den redseligen Part übernimmt.

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Chaney trifft in New Orleans ein

Bronson spielt Chaney, der bei einem illegalen Faustkampf in den von der Großen Depression der 1930er-Jahre geplagten USA auf den Zocker Speed (Coburn) trifft. Der schlagkräftige Chaney lässt sich in New Orleans von Speed anheuern. Gemeinsam machen die beiden eine Stange Geld, auch wenn sich Speed ein paar Kredithaie vom Hals halten muss. Dann kauft der windige Boxpromoter beim Platzhirsch Gandil (Michael McGuire) für Chaney einen Kampf gegen Gandils unbesiegten Stahlschädel Jim Henry (Robert Tessier) ein.

Ruhm spielt keine Rolle, es geht um Geld

„Ich tu das doch nicht wegen irgendwas. Es geht nur um Moos.“ So lakonisch begründet Chaney sein Tun gegenüber Lucy (Bronsons Ehefrau Jill Ireland), die er in einem Café kennengelernt hat. So lakonisch steigert sich auch die Handlung des Regiedebüts von Action-Spezialist Walter Hill („The Warriors“, „Red Heat“). Was Hill an Erfahrung gefehlt hat, glich sein Kameramann Philip H. Lathrop („Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“, „Erdbeben“) bei dem on location gedrehten Boxdrama locker wieder aus. Das ist gerade in den meist in Lagerhäusern ausgetragenen Kämpfen zu bemerken, die Bronsons Chaney bestreitet, in denen Lathrop versiert zwischen Nahaufnahmen und Totalen wechselt, sodass die Zuschauer stets die Übersicht behalten – oft ein Manko in Vollkontakt-Actionfilmen.

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Dort versucht Speed, als Promoter bei illegalen Boxkämpfen über die Runden zu kommen

„Hard Times“, so der Originaltitel, darf als Vorläufer, gar Vorbild für Filme wie „Leon“ (1990) gesehen werden. Wer dem Jean-Claude-Van-Damme-Vehikel etwas abgewinnen kann, der sollte ruhig mal einen Blick riskieren, wie sich der Recke Charles Bronson schlägt, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten die 50 immerhin schon überschritten hatte. Hier wie dort ist natürlich ausreichend Schweiß und Testosteron im Spiel, wir haben es eben mit einem Männerfilm zu tun – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Trotz des Settings zur Zeit der Weltwirtschaftskrise will „Ein stahlharter Mann“ gar nicht mehr sein als ein Actionfilm um ein paar illegale Boxkämpfe. Für Sozialkritik ist kein Raum.

Mit dem Güterzug angereist

Auch die Kämpfer werden nicht ausführlicher porträtiert als notwendig. Dem oben erwähnten Jim Henry wurde häufiges Grinsen als Charakterzug auferlegt, das war es aber auch fast schon. Charles Bronson trägt seine Rolle mit der ihm eigenen stoischen Präsenz. Chaney hat eine Vergangenheit und vielleicht nicht unbedingt eine glorreiche Zukunft. Dass er wie ein Hobo im Güterzug durchs Land zieht, reicht in Verbindung mit Bronsons zurückhaltendem Spiel als Information schon aus. Auch der später ins Spiel kommende Nick Dimitri als aus dem Norden angereister Champion ist mit wenigen Federstrichen gezeichnet. Gut so. Ob Van Damme „Ein stahlharter Mann“ mal geschaut hat? Jetzt kann er es auf Blu-ray in anständiger Qualität tun.

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Der Kämpfer will etwas Geld machen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Walter Hill sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Charles Bronson in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 9. Februar 2017 als Blu-ray, 3. Juli 2000 als DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Hard Times
USA 1975
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Walter Hill, Bryan Gindoff, Bruce Henstell
Besetzung: Charles Bronson, James Coburn, Jill Ireland, Strother Martin, Margaret Blye, Michael McGuire, Bruce Glover, Robert Tessier, Nick Dimitri, Frank McRae, Naomi Stevens
Zusatzmaterial Blu-ray: US-Kinotrailer, Bildergalerie, deutsche Fernsehsynchro, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: US-Kinotrailer, Filmografien von Schauspielern und Regisseur
Vertrieb: Koch Films (Blu-ray), Sony Pictures Home Entertainment (DVD)

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot Blu-ray: © 2017 Koch Films, Packshot DVD: © 2000 Sony Pictures Home Entertainment

 

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Red Heat – Wer möchte Arnie nicht als Buddy haben?

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Red Heat

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Zwei ungleiche Typen raufen sich für eine Aufgabe zusammen. Das Subgenre der Buddy Movies erfreut sich besonders im Bereich der Thriller, Krimis und Actionfilme großer Beliebtheit. Mel Gibson und Danny Glover in der „Lethal Weapon“-Reihe, Nick Nolte und Eddie Murphy in „Nur 48 Stunden“, Michael J. Fox und James Woods in „Auf die harte Tour“, Sylvester Stallone und Kurt Russell in „Tango & Cash“, Will Smith und Martin Lawrence in „Bad Boys – Harte Jungs“, Jackie Chan und Chris Tucker in „Rush Hour“ – die Liste lässt sich beliebig verlängern. Die beiden stahlharten Profis Riggs und Murtaugh aus der „Lethal Weapon“-Reihe sind meine Favoriten, aber gleich danach kommen schon Captain Ivan Danko (Arnold Schwarzenegger) und Detective-Sergeant Art Ridzik (James Belushi).

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Böser Bube: Viktor Rosta (3. v. l.)

Arnie nackig im Schnee

Schon der Anfang verheißt großen Actionspaß: Captain Ivan Danko (Arnold Schwarzenegger) von der Moskauer Polizei marschiert nahezu nackt in eine Sauna, bekommt einen heißen Stein in die Hand gedrückt und zettelt eine zünftige Keilerei im Schnee an. Danko jagt den georgischen Drogenboss Viktor Rosta (Ed O’Ross), doch der setzt sich in die USA ab, wo er in Chicago verhaftet wird. Danko reist hinterher, um Rosta in die Sowjetunion zu überführen, doch der Verbrecher kann entkommen. Nun muss sich der linientreue sowjetische Polizist mit seinem großspurigen Chicagoer Kollegen Ridzik arrangieren. Gemeinsam begeben sich die beiden auf die Jagd nach Rosta.

Der Sowjet-Cop und der US-Bulle

Widerspruch zwecklos: „Red Heat“ ist klasse! Was Walter Hill da an pointierten Dialogen, Witz und knallharter Action zusammengerührt hat, ist ein über die volle Laufzeit höchst unterhaltsamer Culture Clash der polizeilichen Art. In Nebenrollen sind zudem Laurence Fishburne als überkorrekter Polizist und Gina Gershon als Rostas Freundin gern gesehene Gesichter.

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Danko (r.) lenkt, doch Ridzik reißt das Steuer herum

Unter Omnibus tut’s Schwarzenegger nicht

Mag sich der Actionfilm seit den 80er-Jahren auch aufgrund neuer Schnitttechniken, überbordender Spezialeffekte und übertriebener Soundtrack-Untermalung weiterentwickelt haben, einem Klassiker wie „Red Heat“ kann all das nichts anhaben, der bringt heute ebenso viel Spaß wie 1988. Wenn zum Finale die Omnibusse gegeneinander antreten, kann sich manch ein heutiger Actionfilmer warm anziehen.

Walter Hill!

Gastautor Simon Kyprianou und ich haben mittlerweile sechs Regiearbeiten Walter Hills rezensiert, er drei und ich drei (siehe unten). Wir schätzen diesen Regisseur beide sehr, weil er das Actionkino der späten 70er- und der 80er-Jahre mitgeprägt hat und Old School im allerbesten Sinne ist. Überzeugt euch selbst davon!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Walter Hill sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Laurence Fishburne und Arnold Schwarzenegger in der Rubrik Schauspieler.

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Auch ein Omnibus sollte sich nicht mit einer Lokomotive anlegen

Veröffentlichung: 6. Mai 2010 als Blu-ray, 21. November 2000 als DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: Red Heat
USA 1988
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Walter Hill, Harry Kleiner, Troy Kennedy-Martin
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, James Belushi, Peter Boyle, Ed O’Ross, Laurence Fishburne, Gina Gershon, Pruitt Taylor Vince, Brion James, Richard Bright
Zusatzmaterial Blu-ray: Arnold Schwarzenegger – Der Mann, der Hollywood auf den Arm nahm, Der politische Hintergrund von „Red Heat“, Trailer, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Originaltrailer, Making-of: „Action! “, „Schwarzenegger in Russia“, „Arnold & Jim: Buddy Piece“, „The Actor’s Perspective“
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

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Uhrentausch zum Abschied

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2000/2010 Studiocanal Home Entertainment

 
 

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Die letzten Amerikaner – Tödliche Jagd in den Sümpfen Louisianas

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Southern Comfort

Gastrezension von Simon Kyprianou

Action-Abenteuer // Walter Hills „Die letzten Amerikaner“ und Wes Cravens „Hügel der blutigen Augen“ sind fast Zwillingsfilme, entstanden auch lediglich vier Jahre auseinander und sind beide eine Aufarbeitung und eine Untersuchung des Vietnamkriegs. Beide gehen ähnlich vor, indem sie den Vietnamkonflikt in die USA tragen, ihn also „zu Hause“ wiederholen.

Bei Craven Wüste, bei Hill die Sümpfe

In einem versuchsanordnungsartigen Mikrokosmos, bei Craven eine Wüste, bei Hill eine Sumpflandschaft, lassen sie logistisch gut ausgerüstete, bewaffnete Amerikaner gegen Wüsten- bzw. Sumpfbewohner kämpfen, die ihnen mit ihren Guerilla-techniken weit überlegen sind. Bei Craven ist das etwas subtiler als bei Hill, bei beiden ist es aber vielschichtig und intelligent.

Wie bringe ich Einheimische gegen mich auf?

Wo Craven eine ganz normale amerikanische Familie mit dem Vietnamkonflikt konfrontiert, sind es bei Hill ganz unsubtil, dafür sehr wirkungsvoll, Nationalgardisten. Überfordert versuchen sie eine vermeintlich ungefährliche Übung in den Sümpfen Louisianas abzuhalten. Als sie dabei aber Kanus stehlen, um einen Fluss zu überqueren, und einer der Ihren auch noch eine Platzpatronensalve auf die am Ufer stehenden Cajuns abfeuert, beginnt ein Strudel aus tödlicher Gewalt.

Nationalgardisten als Aggressoren

Interessant ist, dass sich Walter Hill auf eine Schuldfrage einlässt. Es sind eindeutig die Amerikaner, die den ersten Schritt des Konflikts tun, wenn sie die Kanus stehlen. Lediglich zwei besonnene Soldaten, Spencer und Hardin (Keith Carradine, Powers Boothe) waren gegen den Diebstahl, sie stehen in diesem Film für die Vernunft, die angebrüllt und zum Schweigen gebracht wird. Was dann folgt ist eine unerbittliche Dekonstruktion der USA: Die Soldaten werden mehrheitlich als dümmliche, überforderte, sadistische Ungeheuer dargestellt, gefangen in einem Kampf, den sie nicht mal annähernd begreifen, geschweige denn gewollt haben.

Wenn sich zur Action der Horror gesellt

Zum Ende hin wird „Die letzten Amerikaner“ beinahe zum Survival-Horrorfilm, wenn die Nationalgardisten einer nach dem anderen umgebracht werden. Dann kommt Hills Film dem von Craven wirklich zum Greifen nah. „Die letzten Amerikaner“ ist kluge und hochspannende Selbstreflexion, von Carradine und Boothe roh und kraftvoll gespielt, von Hill kaltschnäuzig und kompromisslos inszeniert.

Walter Hill bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

The Driver (1978)
The Warriors (1979)
Long Riders (1980, geplant)
Die letzten Amerikaner (1981)
Straßen in Flammen (1984)
Red Heat (1988)
Shootout – Keine Gnade (2012)

Veröffentlichung: 5. August 2004 als DVD, 17. Januar 2008 als DVD im limitierten Metallschuber (vergriffen)

Länge: 101 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Southern Comfort
USA/CH/GB 1981
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Michael Kane, Walter Hill, David Giler
Besetzung: Keith Carradine, Powers Boothe, Fred Ward, Franklyn Seales, T.K. Carter, Lewis Smith, Les Lannom, Peter Coyote
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: EMS GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

 

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