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Haus der 1000 Leichen – Rob Zombies Debüt endlich wieder uncut

House of 1000 Corpses

Von Volker Schönenberger

Horror // Am 30. Oktober 1977 überfallen zwei Kleinkriminelle eine Provinz-Tankstelle in der Nähe von Ruggsville, die sich neben „Captain Spaulding’s Museum of Monsters and Madmen“ befindet. Das bekommt ihnen nicht gut, denn Captain Spaulding (Sid Haig) und seine Mitarbeiter Stucky (Michael J. Pollard) und Ravelli (Irwin Keyes) sind keineswegs wehrlos.

Tankwart und Museumsführer: Captain Spaulding

Bald darauf erreichen vier junge Leute den Ort des Geschehens. Jerry (Chris Hardwick), Bill (Rainn Wilson), Mary (Jennifer Jostyn), und Denise (Erin Daniels) suchen für ein Buchprojekt nach abseitigen Attraktionen. Das Museum des verschrobenen Captain Spaulding kommt ihnen da gerade recht. Der stets als Clown Gekleidete berichtet ihnen vom örtlichen Mythos des Dr. Satan, der angeblich einst an einem nahegelegenen Baum aufgehängt wurde, dessen Leiche aber am nächsten Tag verschwunden gewesen sei. Auf der Suche nach dem Baum nimmt das Quartett die Anhalterin Baby (Sheri Moon Zombie) mit. Nach einer Panne landen alle im Haus von Babys Familie. Sie ahnen nicht, dass es sich um das titelgebende Haus handelt …

Baby hat es faustdick hinter den Ohren

„House of 1000 Corpses“ kam 2003 völlig überraschend über die Horrorgemeinde. Der Metal-Musiker Rob Zombie hatte zwar bereits einige Musikvideos eigener Songs inszeniert und 2002 auch das Video zu Ozzy Osbournes „Dreamer“ gedreht, aber dass er in der Lage war, einen Horrorfilm auf professionellem Niveau zu drehen, hätten ihm wohl nur wenige zugetraut, zumal sein Langfilm-Regiedebüt von Kenntnis des Genres zeugte. Zombie bevölkerte seinen Hinterland-Schocker mit einer bizarren Familie, die glatt als Nachbarn der Leatherface-Sippschaft aus Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ (1974) durchgehen könnte. Kommt uns Captain Spaulding zu Beginn schon reichlich sonderbar vor, erscheint er uns später beinahe als normal. Babys Mutter „Mother Firefly“ (Karen Black, „Landhaus der toten Seelen“) beispielsweise entpuppt sich als lüsterne Matrone mit Hang zu aufreizender Kleidung, ihr Adoptivbruder Otis (Bill Moseley) sieht sich als Künstler, der ganz spezielle Skulpturen anfertigt. Und dann ist da noch Babys deformierter und übergroßer Bruder Tiny (Matthew McGrory), von schlichtem Gemüt, um es milde auszudrücken. Er tut, was seine Familie ihm sagt. In einer Nebenrolle als Cop ist Walton Goggins („The Hateful Eight“) zu sehen.

Formale Experimente im Regiedebüt

So sehr „Haus der 1000 Leichen“ in die Seelen diverser Vorgänger aus dem Genre eintauchte, so sehr merkt man Zombies Spielfilm-Regiedebüt auch an, dass sich der Musiker noch nicht recht traute, eigene Horrorwege zu beschreiten – das darf man einem Erstling aber auch zubilligen. Umso mehr tobte sich der Regisseur in Sachen Schnitt, Setdesign und Exzess aus, sodass Zombie in Horrorkreisen bald als große Genre-Hoffnung gefeiert wurde – Lorbeeren, die er für viele mit seinen Folgefilmen auch einlöste. Ganz unverblümt gönnt sich Zombie sogar den Einbau kompletter Szenen aus klassischen Gruselfilmen, mit wilden Schnitten und Farbwechseln schickt er Protagonisten wie Publikum auf einen manchmal etwas hektischen Ritt in die Katakomben der Familie Firefly. Wenn auch nicht inhaltlich, so zeigte sich Zombie immerhin formal experimentierfreudig.

Auch Mama Firefly ist nicht von schlechten Eltern

Die zeitgenössische Kritik nahm all das eher negativ auf, wie der niedrige Wert von 19 Prozent im Tomatometer belegt. Die Publikumswertung bei Rotten Tomatoes hingegen liegt bei guten 65 Prozent, auch die User der IMDb haben mit einer Durchschnittswertung von 6,1 positiv geurteilt (Stand der drei Werte: November 2018). Rob Zombie hat also den Fans das gegeben, wonach es sie gelüstete, wobei einzuräumen ist, dass sich die Horrorgemeinde eher konservativ gebärdet und nicht unbedingt als scharf auf Innovationen gilt.

An Entkommen ist nicht zu denken

Das blutrünstige Panoptikum von Zitaten, skurrilen Gestalten und bizarren Grausamkeiten zeigt kein Interesse an den Figuren, die wie Schlachtvieh behandelt werden. Was das Lexikon des internationalen Films zweifellos kritisch verstanden wissen wollte, werden Horrorfans als Empfehlung interpretieren. Und sie haben recht! Wer braucht in einer Backwoods-Metzelei ausgefeilte Charakterzeichnungen?

Groucho Marx lässt grüßen

Captain Spaulding? Da war doch was … Richtig: Groucho Marx verkörperte 1930 in „Animal Crackers“ eine Figur dieses Namens. Weitere Rollennamen des Films sind ebenfalls Marx-Brothers-Filmen entnommen, etwa „Die Marx Brothers im Krieg“ (1933), in welchem Groucho einen gewissen Rufus T. Firefly spielte. Rob Zombie kann also nicht nur Horrorfilme zitieren.

Otis sieht sich als Künstler in Blut

Seine Deutschlandpremiere feierte „Haus der 1000 Leichen“ im August 2003 beim Fantasy Filmfest. Auf DVD erschien der Schocker anschließend sowohl in ungeschnittener Form mit SPIO/JK-Siegel als auch mit Zensurschnitten und FSK-Freigabe. Die 2005 erfolgte Indizierung wurde im Herbst 2018 aufgehoben, sodass Studiocanal die Uncut-Fassung mit FSK-18-Freigabe ohne weitere Auflagen in den Handel bringen kann – gut so.

In netter Gesellschaft

Die etwas reifere 2005er-Fortsetzung „TDR – The Devil’s Rejects“ hatte hierzulande glücklicherweise keine Probleme mit der Zensur. Warten wir ab, wie es dem 2019 über uns kommenden zweiten Sequel „3 from Hell“ ergehen wird, das Rob Zombie bereits abgedreht hat. Captain Spaulding, Otis und Baby tauchen darin laut IMDb erneut auf, was die Frage aufwirft, ob es sich um ein Prequel handelt – was es Gemunkel zufolge nicht sein wird – oder das Trio den finalen Shoot-out aus „TDR – The Devil’s Rejects“ am Ende doch überlebt hat. Versüßt euch die Wartezeit mit „Haus der 1000 Leichen“ uncut! Es lohnt sich, auch wenn Rob Zombie an seinem Horror-Regiedebüt mittlerweile selbst einiges auszusetzen hat.

Die Fireflys führen ihre Opfer …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Rob Zombie sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

… ins Verderben

Veröffentlichung: 22. November 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: House of 1000 Corpses
USA 2003
Regie: Rob Zombie
Drehbuch: Rob Zombie
Besetzung: Sid Haig, Karen Black, Bill Moseley, Sheri Moon Zombie, William Bassett, Erin Daniels, Matthew McGrory, Chris Hardwick, Rainn Wilson, Jennifer Jostyn, Walton Goggins
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Rob Zombie, Making-of (2:34), Originaltrailer, Casting & Proben (16:12), Interviews (15:19), Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Studiocanal Home Entertainment

 
 

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Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone: Würdiges Grande Finale

Maze Runner – The Death Cure

Kinostart: 1. Februar 2018

Von Iris Janke

SF-Action // Labyrinth, Wüste – keine Frage, im Finale der „Maze Runner“-Trilogie von Regisseur Wes Ball können Thomas (Dylan O’ Brien, „American Assassin“) und seine Mitstreiter keineswegs aufatmen.

Böse: Wicked-Chefin Ava Paige

Auch in „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“, dem letzten Teil der dystopischen Trilogie, stehen Newt (Thomas Brodie-Sangster, „Tatsächlich … Liebe“) und Gally (Will Poulter, „The Revenant – Der Rückkehrer“) ihrem Freund und Leidensgenosen Thomas bei. Gleich in der ersten Szene gibt es Action und Spannung pur: Thomas und die Rebellen wollen ihre vom Bio-Konzern Wicked gefangen gehaltenen Kameraden aus dem durch die Wüste Richtung Last City rasenden Zug befreien. Sie versuchen den Waggon abzukoppeln. Doch der Coup misslingt. Thomas und die Rebellen bleiben außerhalb der Last City und müssen sich unterirdisch den Weg in die Stadt suchen.

Der unterirdische Weg in die Last City

Über der Erde befindet sich die Last City fest in der Hand von Wicked, unterirdisch jedoch formieren sich die Rebellen und die bereits vom Virus befallenen und zu Zombies mutierten Menschen. Um die Jugendlichen zu befreien, müssen sich Thomas und seine Ferunde unter der Mauer hindurch- und an den Zombies vorbeischummeln. In der Last City wird Minho (Ki Hong Lee) gefangen gehalten – in den ersten beiden „Maze Runner“-Teilen „Die Auserwählten im Labyrinth“ und „Die Auserwählten in der Brandwüste“ gehörte er zu den Hauptfiguren. Er wird von Janson (Aidan Gillen, „Game of Thrones“) und Ava Paige (Patricia Clarkson, „Herbststurm“) als menschliches Versuchskaninchen missbraucht. Beide wollen herausfinden, was Minho gegen das Virus immunisiert. Mit ihrem medizinischen Fachwissen scheint sogar Thomas’ hübsche und schlagkräftige Freundin Teresa (Kaya Scodelario, „Pirates of the Caribbean – Salazars Rache“) die Bio-Konzern-Bosse zu unterstützen.

Auserwählt, aber nicht völlig immun: Newt, Thomas und Minho (v. l.)

„Maze Runer – Die Auserwählten in der Todeszone“ versöhnt als Abschluss der Trilogie mit dem gegenüber dem ersten Teil „Die Auserwählten im Labyrinth“ schwächeren zweiten Teil „Die Auserwählten in der Bramdwüste“ – Mittelteile von Trilogien haben ja oft Probleme. Spektakulär gelingt die lange, aber keinewegs zu lange Einstiegsszene mit dem Transportzug. Optisches Highlight sind auch die gläsernen Hochhausfassaden, etwas düster hingegen: die Verfolgungsjagden durch die unterirdischen Zombie-Gewölbe. Trotzdem: Dieser dritte Teil setzt im Gegensatz zu einigen anderen letzten Teilen diverser Kinoreihen nicht darauf, die Hauptdarsteller am Ende auf eine Blumenwiese zu setzen und nach einem düsteren finalen Gemetzel in der letzten Szene alles rosarot und weich zu spülen. Nicht nur deshalb ein Muss für alle „Maze Runner“-Fans.

Unterstützt Teresa (l.) Ava Paige?

„Maze Runner“ bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste: Der offizielle Prequel-Comic
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste (2015)
The Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone (2018)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Patricia Clarkson und Kaya Scodelario sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Barry Pepper unter Schauspieler.

Gemeinsam gegen Wicked: Thomas (r.) und Newt

Länge: 142 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Maze Runner – The Death Cure
USA 2018
Regie: Wes Ball
Drehbuch: T. S. Nowlin, nach James Dashners Roman „Die Auserwählten in der Todeszone“ („The Death Cure“)
Besetzung: Dylan O’Brien, Kayla Scodelario, Thomas Brodie-Sangster, Ki Hong Lee, Rosa Salazar, Jacob Lofland, Aiden Gillen, Patricia Clarkson, Giancarlo Esposito, Walton Goggins, Katherine McNamara, Nathalie Emmanuel, Barry Pepper
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2018 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Twentieth Century Fox

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2018/01/29 in Film, Kino, Rezensionen

 

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