RSS

Schlagwort-Archive: Weltraum

Aufbruch zum Mond – Von den kleinen Schritten zum großen Sprung

First Man

Kinostart: 8. November 2018

Von Lutz R. Bierend

Weltraum-Abenteuer // Biopics berühmter Personen mögen finanziell immer ein großes Risiko für Produzenten sein, haben aber für Kritiker etwas ungemein Praktisches: Man braucht sich nicht so viele Gedanken zu machen, man könnte spoilern, denn das Ende ist meist schon bekannt, vor allem, wenn der Hauptcharakter bereits tot ist oder wie in „Aufbruch zum Mond“ der Titel schon sagt, wohin uns der Film führen wird: zum großen Sprung für die Menschheit – Neil Armstrongs Landung auf dem Mond. Soviel sei hier dann doch gespoilert: „First Man“, so der Originaltitel, verfolgt keine der zahlreichen Verschwörungstheorien, nach denen zum Beispiel Stanley Kubrick die Mondlandung in irgendeiner Wüste inszeniert hat. Der Film verfolgt Armstrongs Leben, von jener Zeit, als er mit der „X-15“ Höhen- und Geschwindigkeitsrekorde aufstellte, bis zu jenem Zeitpunkt, als er mit dem berühmtesten Versprecher aller Zeiten in die Geschichtsbücher einging. Bei seiner Landung auf der Oberfläche des Mondes.

Vom Regisseur von „La La Land“

In einer Zeit, in der ein populistischer Präsident Trump Amerika wieder groß machen will, mag dem kritischen Zuschauer ein kalter Schauer den Rücken runterlaufen, wenn Hollywood ausgerechnet jetzt den größten Propagandaerfolg des Kalten Krieges filmisch aufbereitet. Schreit diese Geschichte doch förmlich danach, amerikanischen Pioniergeist, die großartigen Ingenieurleistungen der Amerikaner und die Überlegenheit des westlichen Systems zu zelebrieren. Ähnlich praktizierte es ja schon Ron Howard bei „Apollo 13“ (1995) mit Tom Hanks, wo man selbst das Scheitern als Spielplatz zum Austoben der eigenen Brillanz nutzte. Glücklicherweise wird jeder eines Besseren belehrt, der hier Hurra-Pariotismus erwartet. Regisseur Damien Chazelle („Whiplash“) hat zuletzt mit seinem oscarprämierten „La La Land“ bewiesen, dass er selbst ein Genre wie das Musical sehr klischeebefreit und unkitschig inszenieren kann und dass er wenig auf die Erwartungshaltung des Publikums gibt. Und so ist die Atmosphäre selbst nach erfolgter Rückkehr vom Mond erstaunlich unspektakulär und eher intim. Mit Ryan Gosling als Neil Armstrong hat Chazelle auch wieder einen passenden Mitstreiter in der Hauptrolle, der genug Talent hat, um auch mit kleinen Gesten zu überzeugen, etwa wenn der Film mit so einem persönlichen Thema wie dem Tod von Armstrongs zweijähriger Tochter einsteigt.

Neils Motto: Besser hier eine Bruchlandung als auf dem Mond

Wenig interessiert sich Chazelle hingegen für die Propagandaschlacht, die das amerikanische Weltraumprojekt für die Präsidenten von Kennedy bis Nixon war. Der Wettlauf der Supermächte wird eher nebenbei erwähnt, wenn man in der ersten Hälfte des Filmes immer mal wieder hört, dass die Russen erneut schneller waren. Der erste Satellit, das erste Lebenwesen (die Hündin Leika) und der erste Mensch (Juri Gagarin) im All. In einem Nebensatz erwähnt der Film die technische Motivation, alle Prioritäten auf die Reise zum Mond zu setzen. Der Mondflug stellt die Raumfahrt vor komplett andere Herausforderungen, die nicht einfach nur mit simpler Manpower, Mut zur Lücke und Bereitschaft zum Menschenopfer zu lösen sind. Einen Mann ins All zu schießen, kurz die Kapsel verlassen und wieder landen zu lassen, ist halt etwas anderes als die Astronauten acht Tage in der lebensfeindlichsten Umgebung am Leben zu halten und eine Mondlandekapsel ab- und vor allem wieder anzukoppeln und dazwischen auf dem Mond spazieren zu gehen.

Das perfekte Mondbild – und der Verschwörungstheoretiker hat recht: Es entstand im Studio

Die großartige Leistung von Chazelle ist, dass all diese Ingenieursleistungen, die in „Apollo 13“ 90 Prozent der Dramaturgie erzeugen, kaum eine Rolle spielen. Chazelle bleibt fast immer bei jenen Menschen, die den Mut hatten, sich von über zwei Millionen Litern Treibstoff mit einer Blechbüchse in die Umlaufbahn auf die Mondreise schießen zu lassen, denn genau dieses Gefühl vermitteln die Bilder und vor allem der großartige Ton von „Aufbruch zum Mond“. Immer wieder hört man etwas hinter sich vibrieren und erwartet, dass die Kapsel jeden Moment auseinanderbricht. Vergewissern können wir uns dessen nicht, denn die Kamera bleibt bei jenen Personen, die bei einem Fehler dem Tod ins Auge sehen. Oder bei den Menschen, die meist auch nicht mehr wissen, weil sie auf der Erde mit ihnen fiebern. Selbst als die Katastrophe bei einer Routineübung bei Apollo 1 die gesamte Crew auslöscht, bleibt die Kamera fast ausschließlich bei den Astronauten, bis sie in der Feuersbrunst sterben. Das Mission Control Center spielt kaum eine Rolle. Im Zweifelsfall konnte es ohnehin nichts tun.

Das Mission Control Center und die Kontrolle

Bei der Gemini-8-Mission gerät die Raumkapsel beim ersten Weltraumdockingmanöver mit einem Satelliten so sehr ins Trudeln, dass eine Rotation an den Grenzen der Belastbarkeit von Menschen und Schiff entsteht. Da ist kaum Zeit, um auf der Erde einen Masterplan zu entwerfen. Und dass die Anzeigen signalisieren, dass die Astronauten kürz vor der Bewusstlosigkeit stehen, hilft auch niemandem weiter. Es ist die Crew in der Kapsel, die schließlich eine Lösung findet. Das Mission Control Center tut sich lediglich dadurch hervor, dass es beim Abzeichnen der Katastrophe die Mithörgelegenheit für Mrs. Armstrong „aus Gründen der nationalen Sicherheit“ kappt. Wenn Deke Slayton (Kyle Chandler) als Chef des Flugbetriebes versucht, Janet Armstrong (Claire Foy) zu beruhigen, man hätte alles unter Kontrolle, erwidert sie nicht unpassend: „Ihr seid ein Haufen Jungs, die sich Modelle aus Balsaholz basteln. Ihr habt gar nichts unter Kontrolle.“

Bis zum Mondflug wird jeder Handgriff zum Checklisten-Eintrag

Insofern verschiebt „Aufbruch zu Mond“ die Perspektive auf die Raumfahrt und unterscheidet sich hier am deutlichsten von „Apollo 13“. Wirkt die Darstellung sonst meist so, als sei technisch alles eine Routine-Leistung, die ähnlich wie eine Fahrt mit der Achterbahn gefährlicher aussieht, als sie ist, weil ja großartige Techniker für jede Eventualität vorgesorgt haben, erinnert „Aufbruch zum Mond“ daran, dass diese Sicherheit in Zeiten vor komplexen Computersimulationsmodellen doch erschreckend oft durch Try and Error erlangt wurde, und hier begleiten wir eben jene Menschen, deren Forscherdrang erst zu den Verbesserungen geführt hat, die zwischenzeitlich die Raumfahrt wie einen Spaziergang wirken ließ. Wie Neil Armstrong es schon im Trailer so schön sagt: „Wir müssen hier auf der Erde scheitern, damit wir nicht da oben scheitern.“ Jedes Scheitern auf der Erde verbessere die Chancen der folgenden Teams. Apollo 1 und auch die Beinahkatastrophe von Gemini 8 lösten diesen schmerzhaften Lernprozess aus und sorgten erst dafür, dass künftig bei jedem Flug ein komplettes Kompetenzteam im Mission Control Center bereitstehen musste, welches dann bei Apollo 13 alle Kreativität spielen lassen konnte, um die Astronauten zu retten.

Alles unter Kontrolle? Einer der Jungs mit den Balsaholzmodellen

„First Man“ sollte eng bei der von Armstrong autorisierten gleichnamigen Biografie bleiben, die eben nicht nur die technischen Aspekte und Leistungen beleuchtete, sondern auch die Leistung ihrer Familien, die permanent in der Angst lebten, ihre Männer und Väter könnten ihrem Pioniergeist zu Opfer fallen. Nach einem Vorschlag von Ryan Gosling für wurde „Aufbruch zu Mond“ auch als „Die Küche und der Mond“ gepitcht. Während diese Männer in den Geschichtsbüchern immer überlebensgroß wirken, zeichnet Regisseur Chazelle sie ganz menschlich, teilweise, als sei es eine Doku-Soap, bei der wir die Akteure zu ihrem Job genauso begleiten wie zum Barbecue oder eben an den Küchentisch. Das, was diese Männer besonders macht, wird eigentlich nie thematisiert – bis zu dem Moment, wo sie beweisen müssen, dass sie besonders sind. Der Film erschafft echte Ehrfurcht vor den Pionieren der Raumfahrt, denn in den Situationen, in denen ihr Leben auf der Kippe steht, sind sie meist auf sich selbst gestellt – und auf den Mann, der neben ihnen in der Kapsel sitzt.

Kein Gedanke ans Scheitern

Interessant ist auch die Zeichnung von Armstrongs Frau, die nicht einfach nur zur „Fußballerfrau“ degradiert wurde, die sich als nettes Beiwerk um Haus und Kinder kümmert, während sie bei Veranstaltungen nur mitgenommen wird, um ihren Ehemann/Helden anzuhimmeln. Ihre Sorge ist spürbar, und auch wenn sich in klassischer Rollenaufteilung darum kümmert, dass zu Hause alles läuft, ist sie trotzdem anders, weil sie auch immer mit dem Gedanken lebt, ihr Mann könne von der Arbeit nicht zurückkehren. Einer der großen Konflikte zwischen Neil und Janet betrifft die Frage, wer bitte den Kindern sagen soll, dass ihr Vater möglicherweise nicht vom Mondflug nach Hause kommt. Wenn sie ihren Mann fragt, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass seine Kinder ihn nie wiedersehen, fühlt man sich an den Dialog in „Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück“ (1980) erinnert, wenn C-3PO mahnt, die Chance, unbeschadet ein Asteroiden-Feld zu durchfliegen, stehe bei 3,720 zu 1, und Han Solo erwidert „Sag mir nie, wie meine Chancen stehen!“ Während die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Mann nicht zurückkommt, ihr Leben bestimmt, weil sie zurückbleiben und es mit den Kindern ertragen müsste, spürt man in Goslings Spiel, dass das genau jene Frage ist, die er sich nicht stellen will, weil er davon ausgehen will und muss, dass er es irgendwie hinbekommt. Ebenso wie bei all den anderen Tests und Probeflügen, bei denen er zwar eine Bruchlandung hingelegt hat, bei denen er aber dank seines Improvisationstalents dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Der Gedanke ans Scheitern trägt den ersten Ansatz zur Visualisierung des Scheiterns in sich. Deshalb will er sich mit diesem Gedanken auch nicht wirklich auseinandersetzen. Entsprechend ausweichend führt er dieses Gespräch dann auch mit seinen Kindern. Er weist lieber darauf hin, dass vieles genau wie vorgesehen eintreten muss, damit er auf dem Mond landet, als Berechnungen darüber anzustellen, wie wahrscheinlich es ist, dabei nicht wieder zurückzukehren. Der Stoff, aus dem die Helden sind, ist eben doch nicht aus Todesmut gewebt, sondern zu einem großen Teil aus Han Solos Ignoranz der Wahrscheinlichkeiten. Wer permanent nur daran denkt, was schief gehen kann, wird nie den notwendigen Flug durchs Asteroidenfeld wagen oder in einer wackligen Blechkiste acht Tage essen, schlafen und den Sprung zum Mond riskieren.

Helden des Alltags: Neil Armstrong nutzt die freie Zeit mit seinem Sohn

Insofern ist „Aufbruch zum Mond“ ein sehr inspirierender Film, den man sich gut mit seinen sinnsuchenden Kindern anschauen kann, denn er macht eines deutlich: Außergewöhnliche Leistungen erreicht man nur, wenn man sich außergewöhnliche Aufgaben nicht von seinen wohlmeinenden Freunden und Verwandten und der Angst vor dem Scheitern, kaputtmachen lässt. Das ist es, was solche außergewöhnlichen Menschen vermutlich alle gemein haben.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kyle Chandler, Jason Clarke und Ryan Gosling sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Ein Bild, das viel darüber aussagt, wer in der Beziehung von Neil und Janet die Hosen anhat

Länge: 141 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: First Man
USA 2018
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Josh Singer, nach einer Vorlage von James R. Hansen
Besetzung: Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke, Pablo Schreiber, Christopher Abbott, Ethan Embry, Ciarán Hinds, Kyle Chandler, Corey Stoll, Shea Whigham, Lukas Haas
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2018 Universal Pictures Germany GmbH

Werbeanzeigen
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Life – Der Tod kommt vom Mars

Life

Kinostart: 23. März 2017

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // „Life“ – welch großes Wort. Als Filmtitel eines Weltraum-Abenteuers deutet es tiefgründige Begegnungen mit außerirdischen Lebensformen an. Doch wer danach sucht, ist bei Denis Villeneuves „Arrival“ besser aufgehoben. „Life“ entpuppt sich nach kurzer Zeit als lupenreiner Survival-Horror. Das erklärt die Skepsis, die Daniel Espinosas („Safe House“) Regiearbeit entgegengebracht wird, zumal den Besuchern der Pressevorführung für Rezensionen eine Veröffentlichungsbeschränkung bis wenige Tage vor Kinostart auferlegt wurde – derlei Embargos sind oft Hinweis darauf, dass der Verleih seinem eigenen Werk nicht traut. Wer sich jedoch an der simplen Prämisse einer Menschenjagd auf der Raumstation nicht stört, bekommt einen effektiven und konsequenten Schocker geboten, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Roy Adams bereitet sich auf einen …

Die Crew der internationalen Raumstation im Erdorbit bereitet sich auf einen heiklen Einsatz vor: Eine mit Proben vom Mars zurückkehrende Sonde ist ins Trudeln geraten, mit einem Greifarm soll sie eingefangen werden, bevor sie beim unkontrollierten Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Dazu muss Astronaut Roy Adams (Ryan Reynolds) einen Weltraumausflug unternehmen. Unter den besorgten Augen von Kommandantin Katerina Golovkin (Olga Dihovichnaya), der Medizinerin Dr. Miranda North (Rebecca Ferguson), dem einen Rekord für Weltraumaufenthalte anstrebenden David Jordan (Jake Gyllenhaal) und den anderen Crewmitgliedern gelingt Adams der Zugriff.

… gefährlichen Weltraumausflug vor

Die wichtigen Proben sind gerettet, werden an Bord der Raumstation geholt – und entpuppen sich als Sensation: Wissenschaftler Hugh Derry (Ariyon Bakare) entdeckt eine einzellige Lebensform – oder, Moment: Die Zellen fügen sich zusammen, es entsteht ein ganzer Organismus, der schnell fürs menschliche Auge sichtbar wird und entfernt an einen Seestern erinnert, dessen Zacken als Tentakeln fungieren. Auf der Erde wird die Nachricht weltweit zum Tagesgespräch, die Astronauten werden in Fernsehshows zugeschaltet. An Bord der Raumstation ist besonders Derry vor Begeisterung kaum zu halten, im sorgsam abgeschirmten Labor hegt er das „Calvin“ getaufte Wesen unter den neugierigen Augen der anderen. Schnell aber stellt es – nun größer als eine Hand – im Brutkasten sein Wachstum ein und verharrt in Regungslosigkeit. Nun will Derry es mit leichten Stromstößen stimulieren …

Unter den Augen der übrigen Crew …

An dieser Stelle verlässt „Life“ sein ruhiges Terrain einer friedlichen Begegnung zwischen Menschen und Marsianer. Über die außerirdische Lebensform erfahren die Astronauten zügig mehr, als ihnen lieb ist: Sie ist sehr anpassungsfähig, schnell, hochintelligent und damit enorm lernfähig – und tödlich. Erklärungen über die Anatomie und organische Zusammensetzung des Wesens, die die nun zur Schau gestellten Fähigkeiten möglich machen, werden den Zuschauern allerdings nicht geliefert. Vielleicht besser so, lieber Lücken als Logiklöcher.

… untersucht Hugh Derry die Lebensform vom Mars

Auch wenn ein paar Mal die Raumstation verlassen wird: Als Weltraum-Abenteuer ist „Gravity“ (2013) weitaus beeindruckender, dessen visuelle Kraft erreicht „Life“ nicht. Auch Ridley Scotts „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) sei als Referenz genannt, der Klassiker bleibt natürlich auf seinem Thron. Auf der Habenseite von „Life“ aber steht eine steil ansteigende Spannungskurve von dem Moment, als die Kreatur auf die Stromstöße reagiert. Bald begreifen die Astronauten, dass mehr auf dem Spiel steht als nur ihr Leben. Das ist rasant und packend inszeniert, sehr effektiv. Sicher keine Science-Fiction-Großtat, aber als Survival-Horrorschocker sehr gut konsumierbar. Auch mal ganz angenehm, solche Plots nicht nur als B-, C- oder Direct-to-Video-Ware zu sehen zu bekommen, sondern als Hochglanz-Hollywood-Produkt mit A-Besetzung. Wer das goutieren kann, wird anständig unterhalten.

David Jordan muss eine fatale Entscheidung treffen …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jake Gyllenhaal und/oder Ryan Reynolds sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… und selbst ums Überleben kämpfen

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Life
USA 2017
Regie: Daniel Espinosa
Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick
Besetzung: Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds, Jake Gyllenhaal, Hiroyuki Sanada, Olga Dihovichnaya, Naoko Mori, Ariyon Bakare, Alexandre Nguyen, Camiel Warren-Taylor, Hiu Woong-Sin
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakate & Fotos: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Star Trek – Beyond: Hinterhalt auf der Rettungsmission

Star_Trek_Beyond-Plakat

Star Trek – Beyond

Kinostart: 21. Juli 2016

Von Volker Schönenberger

Zur Erinnerung an Anton Yelchin (1989–2016) und Leonard Nimoy (1931–2015)

SF-Action-Abenteuer // Um die Jahrtausendwende als Kind zum Film gekommen, hat Anton Yelchin 2009 mit seiner Rolle des Navigationsoffiziers Pavel Chekov in „Star Trek“ und der Verkörperung von Kyle Reese in „Terminator – Die Erlösung“ nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Mit der Titelrolle im Mysterythriller „Odd Thomas“ (2013), einer Nebenrolle in Jim Jarmuschs betörendem Vampir-Melodram „Only Lovers Left Alive“ (2013) und seinem Part als Punkmusiker im Nazi-Horrorthriller „Green Room“ (2015) bewies er ein Faible für interessante Figuren jenseits des Hollywood-Mainstreams. Einen Monat vor den weltweiten Premieren von „Star Trek – Beyond“ starb Anton Yelchin an den Folgen eines Autounfalls. Er wurde nur 27 Jahre alt.

Left to right: John Cho plays Sulu, Anton Yelchin plays Chekov, Karl Urban plays Bones, Chris Pine plays Kirk, Zachary Quinto plays Spock and Simon Pegg plays Scotty in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Kirk (vo.) und seine Crew müssen sich einmal mehr bewähren

In seiner dritten und letzten Verkörperung von Chekov hat Yelchin immerhin anständig Leinwandzeit spendiert bekommen – zu Anfang noch recht unauffällig auf der Brücke der „USS Enterprise“, später deutlich mehr. Das Raumschiff unter dem Kommando von Captain James Tiberius Kirk (Chris Pine) befindet sich auf einer fünfjährigen Forschungsmission. Nach einem Zwischenstopp auf der gigantischen Raumstation „Yorktown“ macht sich die „Enterprise“ zu einer Rettungsmission in Richtung eines entlegenen Planeten auf. Kaum in dessen Nähe angekommen, gerät sie in einen Hinterhalt und unter massive Attacken fremdartiger Waffensysteme. Die „Enterprise“ wird geentert, ihr Warp-Antrieb ausgeschaltet, ihre Flucht so verhindert. Große Teile des Raumschiffs werden zerstört und abgetrennt, bis sein Rumpf schließlich schwer in Mitleidenschaft gezogen auf dem Planeten niedergeht.

Left to right: Chris Pine plays Kirk and Idris Elba plays Crowl in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Krall (r.) hegt finstere Pläne

Bis zu dieser ersten großen Actionsequenz des Films geht es in „Star Trek – Beyond“ vergleichsweise ruhig zu, doch mit diesem Zerstörungs-Szenario legt Regisseur Justin Lin („Fast & Furious“ – Teile 3 bis 6) die Action-Messlatte erst einmal hoch. In der Folge kommt es zu weiteren der Story dienenden Erzähl-Passagen, bis es zum Finale dann eine ganze Weile ununterbrochen zur Sache geht. Das ist nicht immer übersichtlich, bisweilen fragt man sich, was da gerade zu Bruch gegangen ist. Technisch perfekt ist das natürlich inszeniert und produziert, auch wenn mich einmal mehr die dritte Dimension eher achselzuckend zurückgelassen hat. Einen Wow-Effekt habe ich zu keinem Zeitpunkt gespürt.

Left to right: Karl Urban plays Bones and Zachary Quinto plays Spock in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Pille (l.) und Spock schlagen sich durch

Die liebgewonnene Crew der „Enterprise“ ist vollzählig versammelt. Commander Spock (Zachary Quinto) wird von ungeahnten Emotionen heimgesucht. Die Nachricht vom Tod des Botschafters Spock (Leonard Nimoy, nur auf Fotos zu sehen) trifft ihn, obendrein muss er sich über seine Gefühle zu Lieutenant Nyota Uhura (Zoe Saldana) im Klaren werden. Beim erwähnten Absturz der „Enterprise“ werden Spock und Doc „Pille“ McCoy (Karl Urban) von allen anderen getrennt und müssen sich zu zweit durchschlagen. Bordingenieur Montgomery „Scotty“ Scott (Simon Pegg) ist anfangs gar völlig auf sich allein gestellt, erhält bald aber Hilfe von der Amazone Jaylah (Sofia Boutella), die seit langer Zeit allein auf dem Planeten lebt und sich in einem abgestürzten Raumschiff der Föderation ein Zuhause eingerichtet hat. Während sich auch Kirk und Chekov vorerst zu zweit vorankämpfen, sind Uhura, Lieutenant Hikaru Sulu (John Cho) und viele andere überlebende Besatzungsmitglieder Gefangene des fiesen Krall (Idris Elba) geworden, dessen Absichten ganz sicher nicht friedfertig sind.

Sofia Boutella plays Jayla in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Amazone Jaylah …

Ob Krall mit der Zeit einen Ehrenplatz in der Riege der „Star Trek“-Finsterlinge einnehmen wird, darf bezweifelt werden. Die Figur ist mit Idris Elba zwar gut besetzt – man erkennt ihn allerdings erst gegen Ende –, ihre sich spät offenbarende Hintergrundgeschichte überzeugt aber nicht, hinterlässt mit fragwürdiger Psychologisierung etwas Ratlosigkeit. Jaylah hingegen etabliert sich auf frische Weise als Sidekick von Scotty, im bereits angekündigten vierten Teil des aktuellen „Star Trek“-Reboots sehen wir sie hoffentlich wieder. Ob alle Crew-Mitglieder der „Enterprise“ in einer Fortsetzung auftauchen werden, darf hingegen bezweifelt werden. Chekov-Darsteller Yelchin soll aus Respekt nicht ersetzt werden. Spock-Darsteller Quinto hat seine vertraglichen Pflichten für drei Filme erfüllt und bereits angekündigt, sich neuen Aufgaben widmen zu wollen. Ob seine Absage an Teil 4 in Stein gemeißelt ist, mag die Zeit und seine künftige Auslastung mit interessanten Rollen zeigen. Quinto sei jeder Erfolg gegönnt, aber er ist ein großartiger Spock. Produzent J. J. Abrams hat für das Sequel kürzlich Chris „Thor“ Hemsworth in seiner Rolle als Kirks Vater George bestätigt. Der war zwar in „Star Trek“ (2009) gestorben, aber Zeitreisen sind in Gene Roddenberrys Universum kein Ding der Unmöglichkeit. Gespannt dürfen wir auch auf die neue „Star Trek“-Serie sein, die in Deutschland voraussichtlich ab Januar 2017 über Netflix verfügbar sein wird.

Left to right: Sofia Boutella plays Jaylah and Simon Pegg plays Scotty in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

… hilft Scotty

„Star Trek – Beyond“ hat jedenfalls Freude gemacht und lohnt den Kinogang, da ist Vorfreude auf eine weitere Kino-Umsetzung zulässig. Die recht einfach gestrickte Story – die Crew um Kirk gegen einen Schurken mit zerstörerischen Absichten – ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss und auch in der „Star Trek“-Welt nicht zum ersten Mal erzählt worden, aber es darf auch mal Bewährtes sein. Die Action ist bombastisch, einen gewissen Ermüdungseffekt angesichts immer neuer Blockbuster-Spektakel lasten wir nicht „Star Trek“ an. Es wird der Schauwerte langsam zu viel mit all diesen Marvel-, DC- und sonstigen Gigantismen. „Star Trek – Beyond“ wird dereinst vermutlich nicht als der große Blockbuster des Jahres 2016 vermerkt sein, wird aber vermutlich Trekkies und insbesondere Fans des 2009 gestarteten Reboots zufriedenstellen – sofern sie sich nicht daran stören, dass plötzlich hämmernde Hip-Hop-Beats von „Public Enemy“ erschallen. Und wer hätte gedacht, dass man eine gegnerische Angriffsformation mit dem Sound der „Beastie Boys“ verwirren kann?

Left to right: Simon Pegg plays Scotty, Sofia Boutella plays Jaylah and Chris Pine plays Kirk in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Jaylahs Respekt muss Kirk erst einmal erringen

Etwas Aufsehen erregte im Vorfeld die Enthüllung, dass Lieutenant Sulu als schwul dargestellt werden solle. George Takei, Darsteller des Sulu in den klassischen „Raumschiff Enterprise“-Folgen und „Star Trek“-Filmen und selbst seit seinem Coming-out im Jahr 2005 als Aktivist für die Rechte Homosexueller bekannt, war darüber gar nicht erfreut: „Star Trek“-Schöpfer Gene Roddenberry habe die Figur Sulu seinerzeit klar als heterosexuell angelegt. In „Star Trek – Beyond“ erhält Sulus sexuelle Orientierung aber nur kurz Raum – bei einem „Landgang“ auf „Yorktown“ wird der Offizier von seinem Lebensgefährten und der gemeinsamen Tochter begrüßt. Bemerkenswert, dass sogar eine Elternschaft eines schwulen Paars eingebaut worden ist. Die nonchalante Szene ist schnell vorbei, funktioniert als kurzes Statement gut – das passt. Puristische Trekkies mögen sich auf George Takeis Seite schlagen – dürfen sie. Homophobiker hingegen mögen sich gehackt legen.

Zoë Saldana plays Uhura in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Uhura in Gefahr

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Simon Pegg, Chris Pine und Anton Yelchin sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Left to right: Zachary Quinto plays Spock, Sofia Boutella plays Jaylah and Karl Urban plays Bones in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Die Rettung naht

Länge: 120 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Star Trek – Beyond
USA 2016
Regie: Justin Lin
Drehbuch: Simon Pegg, Doug Jung
Besetzung: Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Simon Pegg, Anton Yelchin, Zoe Saldana, John Cho, Sofia Boutella, Idris Elba, Greg Grunberg
Verleih: Paramount Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Left to right: Anton Yelchin plays Chekov, Chris Pine plays Kirk and John Cho plays Sulu in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Riskanter Start

Filmplakat & Fotos &amp: © 2016 Paramount Pictures Germany GmbH

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: