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Ad Astra – Zu den Sternen: Im postfaktischen Weltraum hört dich keiner schreien

Ad Astra

Kinostart: 19. September 2019

Von Florian Schneider

Weltraum-Abenteuer // Nachdem der Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) die Havarie einer orbitalen Weltraumantenne auf Grund einer mächtigen Energiewelle durch Geistesgegenwart und Nervenstärke – sein Pulsschlag erhöhte sich trotz Lebensgefahr nur unwesentlich – überlebte, wird er von seinen Vorgesetzten für eine heikle Mission ausgewählt. Es besteht der Verdacht, dass McBrides Vater Clifford (Tommy Lee Jones), der vor 20 Jahre zu einer Weltraummission aufbrach und seit einigen Jahren spurlos verschwunden ist, nicht nur noch am Leben ist, sondern vom Planeten Neptun aus der Auslöser des Energieschlags gegen die Erde war. Roy soll sich daher mit Zwischenstopp auf dem Mond bis zum Mars begeben und dort versuchen, per Funk mit seinem Vater Kontakt aufzunehmen. Auf seiner Reise wird Roy begleitet von Colonel Pruitt (Donald Sutherland), einem alten Freund seines Vaters. Dieser erzählt ihm von einem dunklen Geheimnis, das die Mission umgibt.

Der psychologische Schnellcheck gehört für Astronaut Roy McBride zur Alltagsroutine

Die Filme von Regisseur James Gray („Die versunkene Stadt Z“, 2016) sind oftmals kleine, aber unreine Diamanten. Zu nennen sind hier hauptsächlich „Little Odessa“ (1994) und „The Yards – Im Hinterhof der Macht“ (2000). Bereits bei diesen Frühwerken konnte Gray mit ordentlich Starpower aufwarten; und die Stars lieferten auch beachtliche Leistungen ab. Doch vor allem bei Zweitgenanntem verhinderte eine unterdurchschnittliche Geschichte den ganz großen Erfolg. Die Konzentration auf den Rhythmus des Filmes, auf das Zwischenmenschliche, auf die Figuren und auf das Milieu können die Drehbuchschwächen nicht völlig ausgleichen. Dennoch funktionieren die Filme hauptsächlich durch ihre klare Positionierung als dialogstarke Dramen, die Actionmomente eher spärlich aufweisen.

Ein „Space Cowboy“ (l.) will’s noch einmal wissen

Auch „Ad Astra – Zu den Sternen“ erzählt im Kern eine Vater-Sohn-Geschichte, ist mehr Beziehungsdrama als Science-Fiction-Abenteuer. Dieser Kern ist außerordentlich gelungen: Brad Pitt liefert eine grandiose Leistung als zurückgewiesener Sohn, der sich letztlich nur nach väterlicher Liebe sehnt und lernen muss, loszulassen und sich abzunabeln. Erzählt wird dieser innere Prozess in einem größtenteils meditativen Rhythmus als analoge Reise durch die Weiten des Weltalls. Wer sich nun an Joseph Conrads Erzählung „Herz der Finsternis“ und damit an Francis Ford Coppolas wahnwitziges Kriegsdrama „Apocalypse Now“ (1979) erinnert fühlt, tut gut daran. Doch wo Coppola gleichsam dem Wahnsinn Vietnams ein brutales Denkmal schafft, bleiben die Actionszenen in „Ad Astra – Zu den Sternen“ lediglich visuelle Schauwerte ohne Bindung zur Geschichte und ohne jegliche innere und äußere Logik. Und auch die schlussendliche Konfrontation zwischen Vater und Sohn vermag nicht zu überzeugen, kulminiert in küchenpsychologischem Niedrigwasser, als Roy metaphorisch die Nabelschnur zu seinem Vater (sic!) kappt.

„Wohin wird mich die Suche nach meinem Vater führen …“

Alfonso Cuarón mit „Gravity“ (2013) und Christopher Nolan mit „Interstellar“ (2014), haben vorgemacht, wie man das Weltraum-Setting durchdachter einsetzt. Auch Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (2015) hat mehr drauf.

„… und warum hat er mich verlassen?“

Mag das postmoderne Kino in seiner Fortschreibung der vergangenen 30 Jahre inzwischen im postfaktischen Zeitalter angekommen sein, so erweisen sich die inhaltlosen Zitationen kinetischer und cineastischer Sternstunden (etwa ein völlig sinnloses „Mad Max“-Verfolgungsrennen auf dem Mond) gepaart mit einer Prise „Space Cowboys“ (wäre James Garner noch Leben, hätte er sicherlich auch eine Rolle bekommen) sowie zahllosen Logiklöcher als das eigene Todesurteil. Aus dem Nichts kommender Menschenaffen-Horror sei noch erwähnt, so schnell vorbei, wie er begonnen hat, und ohne jeden Bezug zu irgendwas. Schade, denn mit seinem Retroschick und einer originellen Neuinterpretation von Conrads/Coppolas Verortung und Auslotung des modernen Subjekts hätte Gray ein großer Wurf gelingen können. Hätte, hätte, Fahrradkette …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Gray sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Tommy Lee Jones, Brad Pitt und Donald Sutherland unter Schauspieler.

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ad Astra
BRA/USA/CHN 2019
Regie: James Gray
Drehbuch: James Gray, Ethan Gross
Besetzung: Brad Pitt, Liv Tyler, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Ruth Negga, Anne McDaniels, John Ortiz, Loren Dean, Kimberly Elise, Greg Bryk, Halszka Kuza, Kimmy Shields, John Finn, LisaGay Hamilton
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Florian Schneider

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Twentieth Century Fox

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/09/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Aufbruch zum Mond – Von den kleinen Schritten zum großen Sprung

First Man

Kinostart: 8. November 2018

Von Lutz R. Bierend

Weltraum-Abenteuer // Biopics berühmter Personen mögen finanziell immer ein großes Risiko für Produzenten sein, haben aber für Kritiker etwas ungemein Praktisches: Man braucht sich nicht so viele Gedanken zu machen, man könnte spoilern, denn das Ende ist meist schon bekannt, vor allem, wenn der Hauptcharakter bereits tot ist oder wie in „Aufbruch zum Mond“ der Titel schon sagt, wohin uns der Film führen wird: zum großen Sprung für die Menschheit – Neil Armstrongs Landung auf dem Mond. Soviel sei hier dann doch gespoilert: „First Man“, so der Originaltitel, verfolgt keine der zahlreichen Verschwörungstheorien, nach denen zum Beispiel Stanley Kubrick die Mondlandung in irgendeiner Wüste inszeniert hat. Der Film verfolgt Armstrongs Leben, von jener Zeit, als er mit der „X-15“ Höhen- und Geschwindigkeitsrekorde aufstellte, bis zu jenem Zeitpunkt, als er mit dem berühmtesten Versprecher aller Zeiten in die Geschichtsbücher einging. Bei seiner Landung auf der Oberfläche des Mondes.

Vom Regisseur von „La La Land“

In einer Zeit, in der ein populistischer Präsident Trump Amerika wieder groß machen will, mag dem kritischen Zuschauer ein kalter Schauer den Rücken runterlaufen, wenn Hollywood ausgerechnet jetzt den größten Propagandaerfolg des Kalten Krieges filmisch aufbereitet. Schreit diese Geschichte doch förmlich danach, amerikanischen Pioniergeist, die großartigen Ingenieurleistungen der Amerikaner und die Überlegenheit des westlichen Systems zu zelebrieren. Ähnlich praktizierte es ja schon Ron Howard bei „Apollo 13“ (1995) mit Tom Hanks, wo man selbst das Scheitern als Spielplatz zum Austoben der eigenen Brillanz nutzte. Glücklicherweise wird jeder eines Besseren belehrt, der hier Hurra-Pariotismus erwartet. Regisseur Damien Chazelle („Whiplash“) hat zuletzt mit seinem oscarprämierten „La La Land“ bewiesen, dass er selbst ein Genre wie das Musical sehr klischeebefreit und unkitschig inszenieren kann und dass er wenig auf die Erwartungshaltung des Publikums gibt. Und so ist die Atmosphäre selbst nach erfolgter Rückkehr vom Mond erstaunlich unspektakulär und eher intim. Mit Ryan Gosling als Neil Armstrong hat Chazelle auch wieder einen passenden Mitstreiter in der Hauptrolle, der genug Talent hat, um auch mit kleinen Gesten zu überzeugen, etwa wenn der Film mit so einem persönlichen Thema wie dem Tod von Armstrongs zweijähriger Tochter einsteigt.

Neils Motto: Besser hier eine Bruchlandung als auf dem Mond

Wenig interessiert sich Chazelle hingegen für die Propagandaschlacht, die das amerikanische Weltraumprojekt für die Präsidenten von Kennedy bis Nixon war. Der Wettlauf der Supermächte wird eher nebenbei erwähnt, wenn man in der ersten Hälfte des Filmes immer mal wieder hört, dass die Russen erneut schneller waren. Der erste Satellit, das erste Lebenwesen (die Hündin Leika) und der erste Mensch (Juri Gagarin) im All. In einem Nebensatz erwähnt der Film die technische Motivation, alle Prioritäten auf die Reise zum Mond zu setzen. Der Mondflug stellt die Raumfahrt vor komplett andere Herausforderungen, die nicht einfach nur mit simpler Manpower, Mut zur Lücke und Bereitschaft zum Menschenopfer zu lösen sind. Einen Mann ins All zu schießen, kurz die Kapsel verlassen und wieder landen zu lassen, ist halt etwas anderes als die Astronauten acht Tage in der lebensfeindlichsten Umgebung am Leben zu halten und eine Mondlandekapsel ab- und vor allem wieder anzukoppeln und dazwischen auf dem Mond spazieren zu gehen.

Das perfekte Mondbild – und der Verschwörungstheoretiker hat recht: Es entstand im Studio

Die großartige Leistung von Chazelle ist, dass all diese Ingenieursleistungen, die in „Apollo 13“ 90 Prozent der Dramaturgie erzeugen, kaum eine Rolle spielen. Chazelle bleibt fast immer bei jenen Menschen, die den Mut hatten, sich von über zwei Millionen Litern Treibstoff mit einer Blechbüchse in die Umlaufbahn auf die Mondreise schießen zu lassen, denn genau dieses Gefühl vermitteln die Bilder und vor allem der großartige Ton von „Aufbruch zum Mond“. Immer wieder hört man etwas hinter sich vibrieren und erwartet, dass die Kapsel jeden Moment auseinanderbricht. Vergewissern können wir uns dessen nicht, denn die Kamera bleibt bei jenen Personen, die bei einem Fehler dem Tod ins Auge sehen. Oder bei den Menschen, die meist auch nicht mehr wissen, weil sie auf der Erde mit ihnen fiebern. Selbst als die Katastrophe bei einer Routineübung bei Apollo 1 die gesamte Crew auslöscht, bleibt die Kamera fast ausschließlich bei den Astronauten, bis sie in der Feuersbrunst sterben. Das Mission Control Center spielt kaum eine Rolle. Im Zweifelsfall konnte es ohnehin nichts tun.

Das Mission Control Center und die Kontrolle

Bei der Gemini-8-Mission gerät die Raumkapsel beim ersten Weltraumdockingmanöver mit einem Satelliten so sehr ins Trudeln, dass eine Rotation an den Grenzen der Belastbarkeit von Menschen und Schiff entsteht. Da ist kaum Zeit, um auf der Erde einen Masterplan zu entwerfen. Und dass die Anzeigen signalisieren, dass die Astronauten kürz vor der Bewusstlosigkeit stehen, hilft auch niemandem weiter. Es ist die Crew in der Kapsel, die schließlich eine Lösung findet. Das Mission Control Center tut sich lediglich dadurch hervor, dass es beim Abzeichnen der Katastrophe die Mithörgelegenheit für Mrs. Armstrong „aus Gründen der nationalen Sicherheit“ kappt. Wenn Deke Slayton (Kyle Chandler) als Chef des Flugbetriebes versucht, Janet Armstrong (Claire Foy) zu beruhigen, man hätte alles unter Kontrolle, erwidert sie nicht unpassend: „Ihr seid ein Haufen Jungs, die sich Modelle aus Balsaholz basteln. Ihr habt gar nichts unter Kontrolle.“

Bis zum Mondflug wird jeder Handgriff zum Checklisten-Eintrag

Insofern verschiebt „Aufbruch zu Mond“ die Perspektive auf die Raumfahrt und unterscheidet sich hier am deutlichsten von „Apollo 13“. Wirkt die Darstellung sonst meist so, als sei technisch alles eine Routine-Leistung, die ähnlich wie eine Fahrt mit der Achterbahn gefährlicher aussieht, als sie ist, weil ja großartige Techniker für jede Eventualität vorgesorgt haben, erinnert „Aufbruch zum Mond“ daran, dass diese Sicherheit in Zeiten vor komplexen Computersimulationsmodellen doch erschreckend oft durch Try and Error erlangt wurde, und hier begleiten wir eben jene Menschen, deren Forscherdrang erst zu den Verbesserungen geführt hat, die zwischenzeitlich die Raumfahrt wie einen Spaziergang wirken ließ. Wie Neil Armstrong es schon im Trailer so schön sagt: „Wir müssen hier auf der Erde scheitern, damit wir nicht da oben scheitern.“ Jedes Scheitern auf der Erde verbessere die Chancen der folgenden Teams. Apollo 1 und auch die Beinahkatastrophe von Gemini 8 lösten diesen schmerzhaften Lernprozess aus und sorgten erst dafür, dass künftig bei jedem Flug ein komplettes Kompetenzteam im Mission Control Center bereitstehen musste, welches dann bei Apollo 13 alle Kreativität spielen lassen konnte, um die Astronauten zu retten.

Alles unter Kontrolle? Einer der Jungs mit den Balsaholzmodellen

„First Man“ sollte eng bei der von Armstrong autorisierten gleichnamigen Biografie bleiben, die eben nicht nur die technischen Aspekte und Leistungen beleuchtete, sondern auch die Leistung ihrer Familien, die permanent in der Angst lebten, ihre Männer und Väter könnten ihrem Pioniergeist zu Opfer fallen. Nach einem Vorschlag von Ryan Gosling für wurde „Aufbruch zu Mond“ auch als „Die Küche und der Mond“ gepitcht. Während diese Männer in den Geschichtsbüchern immer überlebensgroß wirken, zeichnet Regisseur Chazelle sie ganz menschlich, teilweise, als sei es eine Doku-Soap, bei der wir die Akteure zu ihrem Job genauso begleiten wie zum Barbecue oder eben an den Küchentisch. Das, was diese Männer besonders macht, wird eigentlich nie thematisiert – bis zu dem Moment, wo sie beweisen müssen, dass sie besonders sind. Der Film erschafft echte Ehrfurcht vor den Pionieren der Raumfahrt, denn in den Situationen, in denen ihr Leben auf der Kippe steht, sind sie meist auf sich selbst gestellt – und auf den Mann, der neben ihnen in der Kapsel sitzt.

Kein Gedanke ans Scheitern

Interessant ist auch die Zeichnung von Armstrongs Frau, die nicht einfach nur zur „Fußballerfrau“ degradiert wurde, die sich als nettes Beiwerk um Haus und Kinder kümmert, während sie bei Veranstaltungen nur mitgenommen wird, um ihren Ehemann/Helden anzuhimmeln. Ihre Sorge ist spürbar, und auch wenn sich in klassischer Rollenaufteilung darum kümmert, dass zu Hause alles läuft, ist sie trotzdem anders, weil sie auch immer mit dem Gedanken lebt, ihr Mann könne von der Arbeit nicht zurückkehren. Einer der großen Konflikte zwischen Neil und Janet betrifft die Frage, wer bitte den Kindern sagen soll, dass ihr Vater möglicherweise nicht vom Mondflug nach Hause kommt. Wenn sie ihren Mann fragt, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass seine Kinder ihn nie wiedersehen, fühlt man sich an den Dialog in „Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück“ (1980) erinnert, wenn C-3PO mahnt, die Chance, unbeschadet ein Asteroiden-Feld zu durchfliegen, stehe bei 3,720 zu 1, und Han Solo erwidert „Sag mir nie, wie meine Chancen stehen!“ Während die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Mann nicht zurückkommt, ihr Leben bestimmt, weil sie zurückbleiben und es mit den Kindern ertragen müsste, spürt man in Goslings Spiel, dass das genau jene Frage ist, die er sich nicht stellen will, weil er davon ausgehen will und muss, dass er es irgendwie hinbekommt. Ebenso wie bei all den anderen Tests und Probeflügen, bei denen er zwar eine Bruchlandung hingelegt hat, bei denen er aber dank seines Improvisationstalents dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Der Gedanke ans Scheitern trägt den ersten Ansatz zur Visualisierung des Scheiterns in sich. Deshalb will er sich mit diesem Gedanken auch nicht wirklich auseinandersetzen. Entsprechend ausweichend führt er dieses Gespräch dann auch mit seinen Kindern. Er weist lieber darauf hin, dass vieles genau wie vorgesehen eintreten muss, damit er auf dem Mond landet, als Berechnungen darüber anzustellen, wie wahrscheinlich es ist, dabei nicht wieder zurückzukehren. Der Stoff, aus dem die Helden sind, ist eben doch nicht aus Todesmut gewebt, sondern zu einem großen Teil aus Han Solos Ignoranz der Wahrscheinlichkeiten. Wer permanent nur daran denkt, was schief gehen kann, wird nie den notwendigen Flug durchs Asteroidenfeld wagen oder in einer wackligen Blechkiste acht Tage essen, schlafen und den Sprung zum Mond riskieren.

Helden des Alltags: Neil Armstrong nutzt die freie Zeit mit seinem Sohn

Insofern ist „Aufbruch zum Mond“ ein sehr inspirierender Film, den man sich gut mit seinen sinnsuchenden Kindern anschauen kann, denn er macht eines deutlich: Außergewöhnliche Leistungen erreicht man nur, wenn man sich außergewöhnliche Aufgaben nicht von seinen wohlmeinenden Freunden und Verwandten und der Angst vor dem Scheitern, kaputtmachen lässt. Das ist es, was solche außergewöhnlichen Menschen vermutlich alle gemein haben.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kyle Chandler, Jason Clarke und Ryan Gosling sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Ein Bild, das viel darüber aussagt, wer in der Beziehung von Neil und Janet die Hosen anhat

Länge: 141 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: First Man
USA 2018
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Josh Singer, nach einer Vorlage von James R. Hansen
Besetzung: Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke, Pablo Schreiber, Christopher Abbott, Ethan Embry, Ciarán Hinds, Kyle Chandler, Corey Stoll, Shea Whigham, Lukas Haas
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2018 Universal Pictures Germany GmbH

 

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Life – Der Tod kommt vom Mars

Life

Kinostart: 23. März 2017

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // „Life“ – welch großes Wort. Als Filmtitel eines Weltraum-Abenteuers deutet es tiefgründige Begegnungen mit außerirdischen Lebensformen an. Doch wer danach sucht, ist bei Denis Villeneuves „Arrival“ besser aufgehoben. „Life“ entpuppt sich nach kurzer Zeit als lupenreiner Survival-Horror. Das erklärt die Skepsis, die Daniel Espinosas („Safe House“) Regiearbeit entgegengebracht wird, zumal den Besuchern der Pressevorführung für Rezensionen eine Veröffentlichungsbeschränkung bis wenige Tage vor Kinostart auferlegt wurde – derlei Embargos sind oft Hinweis darauf, dass der Verleih seinem eigenen Werk nicht traut. Wer sich jedoch an der simplen Prämisse einer Menschenjagd auf der Raumstation nicht stört, bekommt einen effektiven und konsequenten Schocker geboten, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Roy Adams bereitet sich auf einen …

Die Crew der internationalen Raumstation im Erdorbit bereitet sich auf einen heiklen Einsatz vor: Eine mit Proben vom Mars zurückkehrende Sonde ist ins Trudeln geraten, mit einem Greifarm soll sie eingefangen werden, bevor sie beim unkontrollierten Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Dazu muss Astronaut Roy Adams (Ryan Reynolds) einen Weltraumausflug unternehmen. Unter den besorgten Augen von Kommandantin Katerina Golovkin (Olga Dihovichnaya), der Medizinerin Dr. Miranda North (Rebecca Ferguson), dem einen Rekord für Weltraumaufenthalte anstrebenden David Jordan (Jake Gyllenhaal) und den anderen Crewmitgliedern gelingt Adams der Zugriff.

… gefährlichen Weltraumausflug vor

Die wichtigen Proben sind gerettet, werden an Bord der Raumstation geholt – und entpuppen sich als Sensation: Wissenschaftler Hugh Derry (Ariyon Bakare) entdeckt eine einzellige Lebensform – oder, Moment: Die Zellen fügen sich zusammen, es entsteht ein ganzer Organismus, der schnell fürs menschliche Auge sichtbar wird und entfernt an einen Seestern erinnert, dessen Zacken als Tentakeln fungieren. Auf der Erde wird die Nachricht weltweit zum Tagesgespräch, die Astronauten werden in Fernsehshows zugeschaltet. An Bord der Raumstation ist besonders Derry vor Begeisterung kaum zu halten, im sorgsam abgeschirmten Labor hegt er das „Calvin“ getaufte Wesen unter den neugierigen Augen der anderen. Schnell aber stellt es – nun größer als eine Hand – im Brutkasten sein Wachstum ein und verharrt in Regungslosigkeit. Nun will Derry es mit leichten Stromstößen stimulieren …

Unter den Augen der übrigen Crew …

An dieser Stelle verlässt „Life“ sein ruhiges Terrain einer friedlichen Begegnung zwischen Menschen und Marsianer. Über die außerirdische Lebensform erfahren die Astronauten zügig mehr, als ihnen lieb ist: Sie ist sehr anpassungsfähig, schnell, hochintelligent und damit enorm lernfähig – und tödlich. Erklärungen über die Anatomie und organische Zusammensetzung des Wesens, die die nun zur Schau gestellten Fähigkeiten möglich machen, werden den Zuschauern allerdings nicht geliefert. Vielleicht besser so, lieber Lücken als Logiklöcher.

… untersucht Hugh Derry die Lebensform vom Mars

Auch wenn ein paar Mal die Raumstation verlassen wird: Als Weltraum-Abenteuer ist „Gravity“ (2013) weitaus beeindruckender, dessen visuelle Kraft erreicht „Life“ nicht. Auch Ridley Scotts „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) sei als Referenz genannt, der Klassiker bleibt natürlich auf seinem Thron. Auf der Habenseite von „Life“ aber steht eine steil ansteigende Spannungskurve von dem Moment, als die Kreatur auf die Stromstöße reagiert. Bald begreifen die Astronauten, dass mehr auf dem Spiel steht als nur ihr Leben. Das ist rasant und packend inszeniert, sehr effektiv. Sicher keine Science-Fiction-Großtat, aber als Survival-Horrorschocker sehr gut konsumierbar. Auch mal ganz angenehm, solche Plots nicht nur als B-, C- oder Direct-to-Video-Ware zu sehen zu bekommen, sondern als Hochglanz-Hollywood-Produkt mit A-Besetzung. Wer das goutieren kann, wird anständig unterhalten.

David Jordan muss eine fatale Entscheidung treffen …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jake Gyllenhaal und/oder Ryan Reynolds sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… und selbst ums Überleben kämpfen

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Life
USA 2017
Regie: Daniel Espinosa
Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick
Besetzung: Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds, Jake Gyllenhaal, Hiroyuki Sanada, Olga Dihovichnaya, Naoko Mori, Ariyon Bakare, Alexandre Nguyen, Camiel Warren-Taylor, Hiu Woong-Sin
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakate & Fotos: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

 

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