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Horror für Halloween (VII): Romasanta – Im Schatten des Werwolfs: In Galicien geht’s lykanthropisch zu

Romasanta

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Ein Mann ruft 1851 im Städtchen Allariz in der Region Galicien im Nordwesten Spaniens per Glocke die Menschen zusammen und verkündet eine deutliche Warnung des Bürgermeisters: Angesichts jüngster Ereignisse wird dringend angeraten, die umliegenden Wälder nicht mehr ohne polizeiliche Genehmigung zu betreten. Ferner ist sicherzustellen, dass sich bei Sonnenuntergang alle in ihren Häusern befinden. Auf Wölfe und besonders trächtige Wölfinnen ist eine Belohnung ausgesetzt. Aber sind es wirklich nur Wölfe, die in der Gegend ihr Unwesen treiben? Die Legende vom Werwolf verbreitet sich. Die Leichen weisen allerdings nicht nur Bisswunden auf, sondern auch präzise Schnitte einer Klinge. Zudem fehlt den Opfern eine gehörige Portion Körperfett.

Fernab von ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern leben der Kaufmann Manuel Romasanta (Julian Sands), seine Frau María (Maru Valdivielso), die gemeinsame Tochter Teresa (Luna McGill) und Marias Schwester Bárbara (Elsa Pataky) in einer Hütte im Wald. Nach einem Wolfsangriff bleibt Bárbara allein zurück.

Erinnerungen an „Pakt der Wölfe“

Wer oder was verbirgt sich hinter den so brutalen wie rätselhaften Attacken? Geschickt schürt „Romasanta – Im Schatten des Werwolfs“ anfangs mit dieser Frage die Spannung – bis sich die Hinweise mehren und bald darauf die Antwort offen ersichtlich wird. In der Folge hält der spanische Regisseur Paco Plaza sein Publikum in seinem zweiten Langfilm nach „Pakt des Blutes“ (2002) mit weiteren Wendungen und Entwicklungen bei der Stange. Der stilvollen und sorgfältig ausgestatteten Inszenierung mangelt es phasenweise etwas an spektakulären Szenen, sodass mir der inhaltlich nicht allzu weit davon entfernte französische „Pakt der Wölfe“ (2001) von Christophe Gans deutlich besser gefällt. Plazas Beitrag gewinnt aber nicht zuletzt dank des zurückgenommenen Spiels von Julian Sands an Qualität. Die Karriere des eleganten Engländers hatte Mitte der 1980er-Jahre mit „The Killing Fields – Schreiendes Land“ (1984) und „Zimmer mit Aussicht“ (1985) Fahrt aufgenommen. Später war Sands vornehmlich in Genrefilmen wie der „Warlock“-Reihe zu sehen.

Paco Plaza startete drei Jahre nach „Romasanta – Im Schatten des Werwolfs“ mit dem Auftakt der „[Rec]“-Reihe international durch, deren ersten beiden Teile er 2007 und 2009 gemeinsam mit Jaume Balagueró inszenierte. „[Rec] 3 – Genesis“ (2012) drehte er in Alleinregie, für „[REC] 4 – Apocalypse“ (2014) überließ er Balagueró den Regiestuhl. Plazas okkulter Schocker „Verónica – Spiel mit dem Teufel“ (2017) erregte einiges Aufsehen, das lag aber eher an geschickt geschürten Erwartungen als an außergewöhnlicher Qualität, da es sich dabei um einen zwar spannenden, aber doch recht konventionellen Hexenbrett-Schocker handelt.

Nach wahren Begebenheiten

„Romasanta – Im Schatten des Werwolfs“ beruht auf wahren Begebenheiten, deren Kenntnis dem Publikum einige Überraschungen nehmen, obwohl eine Texteinblendung zu Beginn bereits verrät, dass ein 1851 gefasster Serienmörder zu seiner Verteidigung behauptet hatte, ein Werwolf zu sein. Dennoch sollten Leserinnen und Leser dieser Rezension, die den Film weitgehend unbeleckt sichten wollen, den folgenden Absatz überspringen.

Manuel Blanco Romasanta (1809–1863) gilt dem englischen Wikipedia-Eintrag zufolge als erster Serienmörder Spaniens. 1853 des Mordes an 13 Menschen angeklagt, berief er sich darauf, die Taten zwar begangen zu haben, dafür aber nicht verantwortlich zu sein, weil er unter einem Fluch gestanden habe, der ihn in einen Wolf verwandelte. Die spanische Königin persönlich setzte die über Romasanta verhängte Todesstrafe aus, damit Ärzte ihn auf klinische Lykanthropie untersuchen konnten. Er starb 1863 im Gefängnis unter nicht ganz geklärten Umständen.

Massig Bonusmaterial auf der DVD

Die deutsche DVD von 2006 beeindruckt trotz einfacher Aufmachung mit üppigem Bonusmaterial. Als Herzstück findet sich darin eine knapp einstündige Doku von Alfredo Conde über den echten Romasanta. Von Conde stammt auch die Story, die zum Drehbuch von „Romasanta – Im Schatten des Werwolfs“ führte. Klasse! Paco Plazas Regiearbeit fügt dem Werwolf-Sujet einige neue Facetten hinzu und hat mehr Aufmerksamkeit verdient, als dem Film bis dato zuteil geworden ist. Die DVD scheint im Handel vergriffen zu sein, ist auf dem Gebrauchtmarkt aber günstig zu erwerben.

Veröffentlichung: 22. Juni 2006 als DVD

Länge: 86 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Romasanta
SP/GB 2004
Regie: Paco Plaza
Drehbuch: Alfredo Conde (Story), Elena Serra, Alberto Marini
Besetzung: Julian Sands, Elsa Pataky, John Sharian, Gary Piquer, David Gant, Maru Valdivielso, Luna McGill, Carlos Reig-Plaza, Reg Wilson, Ivana Baquero, Laura Mañá
Zusatzmaterial: Featurette (5:23), Die Entstehung der Filmmusik (3:24), Das Set-Design (10:02), Die Spezialeffekte (8:53), Storyboards mit Kommentar des Regisseurs Paco Plaza (2:01), entfallene Szenen mit Kommentar von Paco Plaza (12:28), Dokumentation von Alfredo Conde: „Romasanta – La historia cierta del hombre lobo“ (über die wahre Geschichte des Werwolfs, 56:07), Pressekonferenz in Madrid (16:18), Teaser, Trailershow
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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Horror für Halloween (XIX): Ginger Snaps III – Der Anfang: Grimmige Werwölfe im kanadischen Winter

Ginger Snaps Back – The Beginning

Von Volker Schönenberger

Horror // Die „Ginger Snaps“-Reihe um die zwei dem Fluch der Lykanthropie ausgesetzten Schwestern Ginger (Katharine Isabelle) und Brigitte (Emily Perkins) genießt einen guten Ruf, scheint aber über die Jahre etwas aus dem Blickfeld der Genrefans geraten zu sein. Auf Blu-ray ist lediglich der erste Teil „Ginger Snaps“ (2000) erschienen, und das auch nur in den USA. Immerhin sind die deutschen DVDs problemlos zu bekommen, sowohl die Fortsetzung „Ginger Snaps II – Entfesselt“ als auch das Prequel „Ginger Snaps III – Der Anfang“, beide von 2004.

Brigitte allein im Wald

Für beide Teile empfiehlt es sich, nach den Special Editions des mittlerweile nicht mehr existenten Publishers E-M-S Ausschau zu halten, die mit Schuber, Bonus-DVD und Booklet wertig ausgefallen sind. Im Falle des Prequels handelt es sich um ein zum Booklet gefaltetes Filmplakat, das auf der anderen Seite ein 2004 geführtes Interview mit Emily Perkins sowie eine Auflistung von 57 Werwolf-Filmen von 1913 bis 2004 enthält.

Die beiden Schwestern haben das Fort erreicht

Das Prequel versetzt die Handlung aus dem Hier und Heute in die winterliche kanadische Wildnis des Jahrs 1815. Ein abgelegenes Handelsfort wartet seit geraumer Zeit auf Nachschub an Vorräten und wird immer wieder von Werwölfen attackiert, die die Wälder durchstreifen. Als die beiden Schwestern Ginger und Brigitte auf der Suche nach einer Zuflucht eintreffen, werden sie zwar aufgenommen, aber von den anwesenden Männern mit Misstrauen empfangen.

Für Werwölfe verboten!

Kalt und grimmig ist die Atmosphäre von „Ginger Snaps III – Der Anfang“. Der letzte Teil der Trilogie überzeugt mit düsterer Stimmung und gezielt eingesetztem Score, der auch gern außen vor bleibt. Die haarigen Biester sahen sicher anderswo schon mal besser aus, sind aber garstig genug, um Furcht einflößend zu wirken. Die blutigen Szenen sind bei uns nicht geschnitten worden, aber ohnehin nicht allzu exzessiv geraten – die FSK-16-Freigabe erscheint angemessen. Die Handlung entwickelt sich ironiefrei ohne irgendeinen Anflug von Humor – gut so! Ein würdiger Abschluss einer durchweg gelungenen Werwolf-Trilogie.

Ein Biest greift an

Veröffentlichung: 22. Juli 2010 und 28. April 2005 als DVD, 28. April 2005 als 2-Disc Uncut Special Edition DVD

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Ginger Snaps Back – The Beginning
KAN 2004
Regie: Grant Harvey
Drehbuch: Christina Ray, Stephen Massicotte
Besetzung: Katharine Isabelle, Emily Perkins, Nathaniel Arcand, JR Bourne, Hugh Dillon, Adrien Dorval, Brendan Fletcher, David La Haye, Tom McCamus, Matthew Walker
Zusatzmaterial 3L Film: Audiokommentar von Regisseur Grant Harvey (in englischer Sprache); Deutscher Originaltrailer; Trailershow
Zusatzmaterial E-M-S: Audiokommentar von Regisseur Grant Harvey (in englischer Sprache), Originaltrailer, Behind the Scenes, deleted Scenes, Grant Harveys Video-Tagebuch, Bildergalerie, Synchro-Special, Booklet, Schuber
Vertrieb: 3L Film, Special Edition: E-M-S

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Brigitte in Gefahr

Fotos: © 3L Film

 

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