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Horror für Halloween (IV): Wolf Blood – Der älteste erhaltene Werwolf-Film

Wolf Blood

Von Volker Schönenberger

Drama // Als ältester Werwolf-Film der Geschichte gilt der 1913 unter der Regie von Henry MacRae entstandene „The Werewolf“, doch der 18-Minüter ist nicht erhalten geblieben. Vermutlich sind alle Kopien 1924 bei einem Brand in den Universal-Studios vernichtet worden. Wenn nicht dereinst noch sensationell eine Kopie zum Vorschein kommt, gebührt wohl dem Stummfilm „Wolf Blood“ von 1925 die Ehre, der älteste existierende Werwolf-Film zu sein.

Deveroux (l.) führt Übles im Schilde

Regie führte zum ersten und einzigen Mal George Chesebro, der auch die Hauptrolle übernahm – er war von 1915 bis 1955 ein viel beschäftigter Schauspieler, wenn auch nicht mit Top-Hauptrollen gesegnet. Die Handlung von „Wolf Blood“ setzt in der Tiefe der kanadischen Wälder ein. In einem Camp des Holzfäller-Unternehmens Ford Logging Company hat Dick Bannister (Chesebro) gerade seine Stelle als „Field Boss“ (vermutlich Leiter der Betriebsstätte) angetreten. In etwas Entfernung ist die Consolidated Lumber Company tätig. Dessen Betriebsleiter Jules Deveroux (Roy Watson) schreckt vor kaum einer Missetat zurück, die missliebige Konkurrenz zu schädigen, schickt sogar jemanden los, Arbeiter der Ford Logging Company mit Schusswaffen zu verletzen. Bannister muss sich derweil auch mit dem Schwarzbrenner Jacques Lebeq (Milburn Morante) herumplagen, der seine Leute mit miesestem Fusel versorgt.

Verlobt: Arzt Dr. Horton und Unternehmenserbin Edith Ford

„Wolf Blood“ mangelt es etwas an Gespür für Dramaturgie, wie eine ausgiebige Partyszene nach einigen Minuten dokumentiert: Gerade hat die Handlung mit einem Anschlag auf einen Holzfäller der Ford Logging Company Fahrt aufgenommen, schon wird erst einmal in aller Ausführlichkeit Edith Ford (Marguerite Clayton) vorgestellt, ihres Zeichens Erbin des Unternehmens, für das Bannister arbeitet. Mit ihrem Verlobten Dr. Eugene Horton (Ray Hanford) reist sie an, um nach dem Rechten zu sehen – und bald entwickeln sie und Bannister Gefühle füreinander. Die angespannte Lage der beiden konkurrierenden Unternehmen eskaliert, und bei einer Schlägerei im Wald zieht Deveroux Bannister mit einem schweren Stein eins über den Kopf. Dr. Horton findet den Schwerverletzten und bettet ihn in der Hütte des Schwarzbrenners. Weil eine Arterie durchtrennt wurde und Bannister viel Blut verloren hat, benötigt er dringend eine Bluttransfusion. Als Lebeq es verweigert, sein Blut zu spenden, verabreicht ihm der Doktor den Lebenssaft einer Wölfin, die der Schnapspanscher gefangen hat. Hat er damit die Geburt eines Werwolfs heraufbeschworen?

Bannister und Edith kommen einander näher

„Wolf Blood“ zeichnet sich mehr als Abenteuer und Liebesgeschichte aus und weniger als Horrordrama, das es womöglich auch gar nicht sein sollte. Mit einer Transformationsszene von Mensch zu Werwolf sollte niemand rechnen, obendrein kommen die wölfischen oder werwölfischen Elemente erst spät zum Tragen. Die typischen Versatzstücke der Lykanthropen-Filme bildeten sich ohnehin erst dank „Der Wolfsmensch“ („The Wolf Man“, 1941) mit Lon Chaney Jr., Bela Lugosi und Claude Rains heraus. Als gruselig oder gar beängstigend erscheint „Wolf Blood“ nach heutigen Maßstäben nicht, wobei es interessant wäre, herauszufinden, wie die Werwolf-Furcht gegen Ende des Films auf das zeitgenössische Publikum gewirkt haben mag. Bannister selbst fürchtet aufgrund einiger Visionen und Albdrücke, zum Lykanthropen mutiert zu sein, und auch seinen Arbeitern ist ihr Boss nicht mehr ganz geheuer.

Ein hinterhältiger Angriff

Ungeachtet der erwähnt zu langen Partyszene zu Beginn ereignet sich im Verlauf der Handlung recht viel, um aufgeschlossene heutige Filmgucker bei der Stange zu halten. Wer Stummfilme per se als „alte Schinken“ abkanzelt, wird sich von diesem Exemplar aber keines Besseren belehren lassen. Der Wald kommt visuell gut zur Geltung, sofern man die unterdurchschnittliche Qualität und das Alter des Bildes berücksichtigt. Zum leidgeprüften Bannister bauen wir Empathie auf, nicht zuletzt auch dank seiner sich anbahnenden Romanze mit Edith.

Im dunklen Walde hilft kein Pfeifen

Als der Public Domain zugehörig kann „Wolf Blood“ gratis und völlig legal im Internet Archive heruntergeladen werden. Daher findet sich der Film auch mehrfach bei YouTube, etwa bei „TheVideoCellar“. Die einzige mir bekannte und in meinem Besitz befindliche DVD-Veröffentlichung – aus den USA, siehe unten – muss es also nicht sein, zumal deren Qualität keinen Deut besser ist als die der Online-Fassungen. Da scheint mir fast die Fassung auf dem Kanal „ClassicMoviesHQ“ am empfehlenswertesten zu sein, weil darin verschiedene Sequenzen unterschiedlich viragiert sind, was dem Bild reizvolle Farbwechsel beschert.

Wölfische Vision

So mag „Wolf Blood“ als Horrorfilm nicht funktionieren, als romantisches Abenteuer lässt sich das Stummfilmdrama aber auch heute genießen. Filmhistorisch Interessierte im Allgemeinen und solche mit Fokus auf frühe Filmmonster im Besonderen sollten „Wolf Blood“ ohnehin gesehen haben.

Veröffentlichung (USA): 2008 als DVD (als Bonusfilm auf der DVD „The Haunted Castle“ – „Schloß Vogelöd“ von F. W. Murnau)

Länge: 68 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Wolf Blood
Alternativtitel: Wolfblood – A Tale of the Forest
USA 1925
Regie: George Chesebro, Bruce Mitchell
Drehbuch: Bennett Cohen, nach einer Story von Cliff Hill
Besetzung: George Chesebro, Roy Watson, Milburn Morante, Frank Clark, Marguerite Clayton, Ray Hanford, Jack Cosgrave
Label/Vertrieb: Alpha Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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Gewinnspiel: Stephen Kings Werwolf von Tarker Mills – 1 x auf Blu-ray, 1 x auf DVD

Verlosung

Mit der Stephen-King-Verfilmung „Werwolf von Tarker Mills“ (1985) bringen wir 80er-Horrorspaß ins Heimkino: Koch Films hat uns eine Blu-ray und eine DVD zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu unserer Rubrik „Werwölfe“ und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel und auch nicht unter der Rezension des Films) bis Freitag, 29. Dezember 2017, 22:15 Uhr, im Kommentarfeld, welche Werwolf-Film-Rezensionen Ihr euch von uns noch wünscht. Ja, ja – schon klar: John Landis’ Klassiker „American Werewolf“ („An American Werewolf in London“, 1981) bildet auf jeden Fall eine zu schließende Lücke.

Fallen euch keine Filme ein, die Ihr nennen könnt, so schreibt das einfach hin – nur ein bereits von uns rezensiertes Werk solltet Ihr nicht gerade auflisten. Merkt auch an, wenn Ihr keinen Blu-ray-Player habt, sondern nur DVDs abspielen könnt. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf den Film. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Die DVD gewinnt Dirk Busch, die Blu-ray Jörg Ruland. Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rubrik „Werwölfe“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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Horror für Halloween (XXXIII): Die Vampire des Dr. Dracula – Werwolf gegen Blutsauger

La marca del hombre lobo

Von Volker Schönenberger

Horror // Kommt unter Filmfans das Gespräch auf Werwolf-Filme, so werden meist die üblichen Verdächtigen genannt, etwa John Landis’ „American Werewolf“ von 1981 mit seinen wegweisenden Make-up-Effekten und Masken, Joe Dantes „The Howling – Das Tier“ aus dem selben Jahr, „Der Wolfsmensch“ (1941) mit Lon Chaney Jr., der die Kreatur auf der Kinoleinwand etablierte, und vielleicht noch „Der Fluch von Siniestro“ (1961) aus den englischen Hammer-Studios mit Oliver Reed. Der eine oder andere jüngere Vertreter wie Neil Marshalls famoses Langfilm-Regiedebüt „Dog Soldiers“ von 2002 und die „Underworld“-Reihe mit Kate Beckinsale ist natürlich auch präsent.

Legacy of a Wolfman

Hierzulande recht selten vernimmt man den Namen Paul Naschy, dabei hat der spanische Schauspieler der haarigen Kreatur durchaus seinen Stempel aufgedrückt. Unter seinem echten Namen Jacinto Molina Álvarez war er auch als Drehbuchautor und Regisseur tätig. Die „Legacy of a Wolfman“-Edition des feinen Labels Subkultur Entertainment leistet da einen nicht zu unterschätzenden Beitrag, auch wenn die einzelnen Filme – jeweils mit Blu-ray und DVD, dickem Booklet und Schuber – allein preislich eher Nischenprodukte sind. Aber es lohnt sich! Die Booklet-Ausführungen auf 32 Seiten von David Renske lassen keine Wünsche offen und keine Fragen über Paul Naschy und seine Werwolf-Leidenschaft unbeantwortet.

Als Knirps den Werwölfen verfallen

Dem Vernehmen – und dem Booklet – nach wurde Jacinto Molina (1934–2009) bereits in den 1940er-Jahren als Knirps dazu inspiriert, seinen eigenen Werwolf zu erschaffen. Ein Kinobesuch von Curt Siodmaks „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ (1943) mit Lon Chaney Jr. habe die unbändige Fantasie des Knaben geweckt. Nachdem er als Erwachsener im spanischen Filmgeschäft der Franco-Ära Fuß gefasst hatte, nahm 1967 alles seinen Anfang: Molinas Drehbuch wurde unter dem Titel „La marca del hombre lobo“ verfilmt und erhielt in der Bundesrepublik Deutschland den Titel „Die Vampire des Dr. Dracula“. Ich will nicht zu viel verraten, aber rechnet nicht wirklich mit einem Auftritt Draculas. Die Titel-Kreativität deutscher Kinoverleihe treibt ja mitunter seltsame Blüten. Vampire hingegen treten tatsächlich in Erscheinung.

Auftritt Paul Naschy! Erstmals verwendete Molina für seine Rolle dieses Pseudonym. Er spielt den polnischen Adligen Waldemar Daninsky, den er fortan häufig verkörpern sollte. Daninsky schließt sich einer Jagdgruppe an, die glaubt, gewöhnliche Wölfe zu hetzen, die die Gegend unsicher machen. Tatsächlich handelt es sich um einen Werwolf. Dem Grafen gelingt es, die Kreatur mit einem silbernen Kreuz zu töten, doch der Werwolf verletzt Daninsky und infiziert ihn mit dem Fluch, bei Vollmond selbst zu dem so gepeinigten wie mörderischen Monster zu mutieren.

Sein Freund Rudolph Weissmann (Manuel Manzaneque) holt Dr. Janos Mikhelov (Julián Ugarte) zu Hilfe, dessen Vater seinerzeit den anderen Werwolf bekämpft hatte. Mit seiner Unterstützung soll es gelingen, den Fluch zu brechen. Doch etwas stimmt nicht mit Mikhelov und seiner Frau Wandessa (Aurora de Alba).

Auf den Spuren von Universal und Hammer

„Die Vampire des Dr. Dracula“ hat einiges von Universals „Der Wolfsmensch“ und Hammers „Der Fluch von Siniestro“, was die Stimmung und das Monster angeht, fällt dafür aber deutlich blutiger aus. Mit deutschem Geld recht aufwändig in schönem Eastmancolor gefilmt, präsentieren sich die Werwolf-Angriffe eher unbeholfen, gleichwohl tödlich, was sie allerdings mit den beiden Vorbildern gemeinsam haben. Angesichts ungleich brutalerer Metzeleien moderner Werwölfe der Filmgeschichte mag diese Kritik aber auch etwas unfair sein.

Es ist höchst bedauerlich, dass eine signifikante Zahl an Horrorfans mit diesen „alten Schinken“ heute nichts mehr anfangen kann. Dabei haben sie es allen modernen Sehgewohnheiten zum Trotz verdient, weiterhin gewürdigt zu werden – und dafür braucht es gar nicht viel: Man muss sich nur mental ein wenig auf klassischen Horror einstellen, den Ruch der Moderne abstreifen und schon nimmt einen dieser schöne Schauder gefangen, an dem es heutigen Produktionen zugunsten immer mehr Gewalt oft mangelt. Ja, das wirkt altbacken, und ja, Paul Naschy hat zu Recht nie einen Oscar erhalten. Der Grusel stellt sich dennoch ein, wenn man nur will. Die Tragik von Waldemar Daninskys Schicksal ist nicht zu leugnen, auch Romantik in Gestalt von Waldemars Liebster Janice (Dyanik Zurakowska) kommt zum Tragen. Seine innere Zerrissenheit wird jederzeit deutlich, treibt auch die Story voran.

Wie meinen – Frankenstein?

Kuriosum am Rande: Weil der US-Verleih dringend einen Frankenstein-Film brauchte, erhielt „La marca del hombre lobo“ für den amerikanischen Markt kurzerhand den hanebüchenen Titel „Frankenstein’s Bloody Terror“ verpasst, dazu eine kurze Erläuterung zu Beginn, die den ersten Werwolf als Angehörigen der Familie Frankenstein verortete. Da sag noch mal einer was über deutsche Titelschöpfungen! „Die Vampire des Dr. Dracula“ passt ganz prächtig in jedes Werwolf-Filmregal und damit auch in unsere Rubrik Werwölfe.

Veröffentlichung: 11. Februar 2015 als Teil 4 der Reihe „Legacy of a Wolfman“ (Blu-ray & DVD)

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: La marca del hombre lobo
US-Verleihtitel: Frankenstein’s Bloody Terror
SP/BRD 1968
Regie: Enrique López Eguiluz
Drehbuch: Paul Naschy (als Jacinto Molina)
Besetzung: Paul Naschy, Dyanik Zurakowska, Manuel Manzaneque, Aurora de Alba, Julián Ugarte, José Nieto, Carlos Casaravilla, Ángel Menéndez, Antonio Orengo
Zusatzmaterial: Trailer & TV-Spots, internationale Titelsequenzen, Bildergalerie, Booklet, Schuber
Vertrieb: Media Target Distribution GmbH / Subkultur Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 
 

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