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Die Schlange im Regenbogen – Die Zombies von Haiti

The Serpent and the Rainbow

Von Volker Schönenberger

Horror // In the legends of voodoo the Serpent is a symbol of Earth. The Rainbow is a symbol of Heaven. Between the two, all creatures must live and die. But because he has a soul Man can be trapped in a terrible place where death is only the beginning. In den Legenden des Voodoo symbolisiert die Schlange unsere Erde. Der Regenbogen ist ein Symbol des Himmels. Alle Lebewesen müssen zwischen diesen beiden leben und sterben. Doch weil der Mensch eine Seele hat, kann er an einen schrecklichen Ort geraten, wo der Tod nur der Anfang ist. So erfahren wir es von einer Texttafel zu Beginn des Films. Von einer Schlange „im“ Regenbogen kann also keine Rede sein, aber deutschen Titelerdenkern sind solche Details ja gern mal gleichgültig. Jedenfalls folgt dieser Erläuterung über die Symbolkraft von Schlange und Regenbogen der Hinweis, das folgende Geschehen sei inspiriert von wahren Begebenheiten. Nun ja, das hat schon mancher Horrorfilm mehr oder minder wahrheitsgemäß behauptet. In diesem Fall allerdings …

Dennis Alan erhält eine unmissverständliche Drohung

Eine Beerdigung auf Haiti im Jahr 1978. Unter den trauernden Rufen der Witwe schaufeln die Totengräber Sand auf den Sarg von Christophe Durand (Conrad Roberts). Durch eine Öffnung im Sarg fällt Licht auf den Leichnam. Wir sehen eine Träne, die ihm aus dem Auge tritt – er schlägt die Augen auf …

Zombiefizierung durch Magie oder Drogen?

Sieben Jahre später reist der Anthropologe und Ethnobotaniker Dennis Alan (Bill Pullman) im Auftrag eines US-Pharma-Unternehmens nach Haiti. Christophe Durand sei als Untoter gesichtet worden. Alans Auftraggeber vermuten eine als Anästhetikum wirkende Droge, die die Zombifizierung verursache. Der Pharma-Konzern verspricht sich von Alans Trip großen Reibach – er soll das Mittel finden, damit es pharmazeutisch vermarktet werden kann. In dem bitterarmen Land trifft der Wissenschaftler die Psychiaterin Marielle Duchamp (Cathy Tyson, „Mona Lisa“), die ihm als Kontaktperson dient. Doch er erregt auch die Aufmerksamkeit von Dargent Peytraud (Zakes Mokae), einem Bocor-Schwarzmagier, der gleichzeitig die Tonton Macoute-Miliz des Duvalier-Regimes leitet.

Kehren die Toten aus ihren Gräbern zurück?

1988 war das Zombiegenre bereits fest in der Hand der einst von George A. Romero erschaffenen Untoten, die einzig von der Gier nach Menschenfleisch getrieben werden. Umso außergewöhnlicher, dass Wes Craven („The Last House on the Left“) die Zombies zu ihrem Ursprung zurückführte – dem Voodoo-Kult, in welchem Menschen mittels Magie und spezieller Narkotika in einen Zustand des Todes oder Scheintodes versetzt werden, um nach ihrer Beerdigung wieder ins Leben zurückzukehren und fortan ein Dasein als willenlose Sklaven zu führen.

Halluzination? Albtraum?

Mit suggestivem Score und starken exotischen Bildern erschafft Craven eine berückende Atmosphäre, die schaudern lässt. Albtraumhafte Sequenzen tragen das Ihre zur Verwirrung bei. Hat Dennis Alan gerade geträumt, das Geschehen tatsächlich erlebt oder wurde es ihm als schwarzmagische Halluzination in den Kopf gepflanzt? Nicht einfach zu entschlüsseln. Geschickt vermengt der Regisseur dabei seine fantastische Geschichte mit der politischen Gemengelage Haitis in jener Zeit gegen Ende der Diktatur von Jean-Claude „Baby Doc“ Duvalier. Das suggeriert Plausibilität, gar Authentizität und steht dem Film sehr gut zu Gesicht.

War Clairvius Narcisse ein Zombie?

Als Vorlage diente den Drehbuchautoren das Buch „Schlange und Regenbogen“ („The Serpent & the Rainbow“) des Anthropologen Wade Davis, der darin unter anderem das Schicksal von Clairvius Narcisse beschreibt, einem Haitianer, der angeblich von den Toten zurückkehrte – eindeutig Vorbild für Christophe Durand. Davis selbst ist unschwer in Dennis Alan zu erkennen. Als originelles Werk hebt sich „Die Schlange im Regenbogen“ enorm von der Zombie-Dutzendware ab, die in den 70er- und 80er-Jahren und bis heute die Kino-Leinwände und Bildschirme unsicher macht. Wer die Untoten nur als bräsige Menschenfleisch-Gierschlunde kennt, wird überrascht sein, was diese Kreaturen noch hergeben können. Wes Craven hat da seine ganz eigene Perspektive auf die lebenden Leichen gefunden und das Genre mit seinem Beitrag ungemein bereichert.

Vielleicht mehr als das …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Wes Craven sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Bill Pullman unter Schauspieler.

Der Anthropologe gerät in große Gefahr

Veröffentlichung: 17. Januar 2002 als DVD

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: The Serpent and the Rainbow
USA 1988
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Richard Maxwell, Adam Rodman, nach Motiven einer Vorlage von Wade Davis
Besetzung: Bill Pullman, Cathy Tyson, Zakes Mokae, Paul Winfield, Brent Jennings, Conrad Roberts, Badja Djola, Theresa Merritt, Michael Gough, Paul Guilfoyle
Zusatzmaterial: Original-Kinotrailer
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2002 Universal Pictures Germany GmbH

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Shocker – Der Serienkiller in der Stromleitung

Shocker

Von Volker Schönenberger

Horror // Zu den großen Killer-Ikonen des Horrorgenres ist Horace Pinker (Mitch Pileggi, „Akte X“) nie aufgestiegen. Liegt’s an der Tricktechnik des im Oktober 1989 in die Kinos gekommenen „Shocker“, die schon damals wenig beeindruckte und nach heutigen Maßstäben arg billig wirkt? Bösartig genug ist der elektrifizierte Serienmörder jedenfalls – und kurios genug die Handlung. Im April 2016 reihte sich „Shocker“ nach 25 Jahren in die lange Phalanx vormals indizierter Horrorfilme ein, die nun frei verkäuflich sind. Die FSK-16-Freigabe geht völlig in Ordnung, trotz der Bösartigkeit des mit breitem Messer wedelnden Schurken haben wir es keineswegs mit einem Metzel-Festival zu tun. Zwar gibt es viel Blut zu sehen, Splatter und Gore halten sich aber in Grenzen. Zwar wurden einige drastische Szenen gedreht, sie fielen jedoch am Schneidetisch dem Wunsch nach einer niedrigen Altersfreigabe zum Opfer.

Jonathan erlebt das Grauen

In der Hauptrolle als von Pinker gejagter Teenager Jonathan: Peter Berg, der später auf den Regiestuhl umsattelte und sich zuletzt mit „Boston“ und „Deepwater Horizon“ als versierter Actionthriller-Spezialist zeigte. Jonathan ist als Waisenjunge beim Police Detective Don Parker (Michael Murphy) aufgewachsen, zeigt Talent beim American Football und hat mit Alison (Camille Cooper) eine reizende Freundin. Sein Stiefvater jagt gerade einen Serienmörder, der sein Unwesen rund um Los Angeles treibt. Eines Abends kommt der Killer zu den Parkers ins Haus und ermordet Dons Ehefrau und zwei leibliche Kinder. Jonathan scheint auf sonderbare Weise telepathisch mit dem Täter verbunden zu sein.

Pinker landet auf dem elektrischen Stuhl …

Originell wird das Ganze, nachdem der Killer endlich gefasst wurde und zügig auf den elektrischen Stuhl verfrachtet wird: Die vermeintlich tödlichen Stromstöße versetzen Pinker in einen Zustand reiner Elektrizität. Das versetzt ihn in die Lage, durch Stromleitungen und Fernseher – er ist ja TV-Monteur – in bedauernswerte Unschuldige einzudringen und sich ihrer Körper zu bemächtigen, um so weiterhin seine Mordgier ausleben zu können. Komplett überkandidelt gerät das Ganze, wenn Pinker und Jonathan zum Finale beide in Fernsehsendungen hineinhechten und bei ahnungslosen Familien durch die Röhre ins Wohnzimmer eindringen.

… und bemächtigt sich erst eines weiblichen Körpers …

Fans von 80er-Metal kommen auf ihre Kosten. Zu Beginn ertönt die Stimme von Paul Stanley (KISS), der mit den Dudes of Wrath den Titelsong intoniert. Megadeth covern Alice Coopers „No More Mr. Nice Guy“ – die Zeile ist im Film auch einmal aus Pinkers Mund zu hören – dabei war er doch nie ein Mr. Nice Guy. Sogar die deutsche Band Bonfire steuert einen Titel bei.

… und bald sogar eines Polizisten

Angesichts von Großtaten wie „The Last House on the Left“ (1972), „Nightmare – Mörderische Träume“ (1984) und der Slasher-Reflektion „Scream – Schrei!“ (1996) ist ein eher halbgarer Streifen wie „Shocker“ nicht angetan, an Wes Cravens verdientem Denkmal zu kratzen. Unterhaltsam ist er allemal, und sei es als nostalgischer Trip in die 80er. Sein originelles Potenzial des Killers im Kabel reizt er sogar gut aus, die Figurenkonstellationen reißen aber nicht vom Hocker. Ich habe keine Erinnerung daran, ob ich den Film um 1990 herum oder später überhaupt gesehen habe. Die anlässlich der Blu-ray- und DVD-Veröffentlichung von Studiocanal erfolgte Sichtung von „Shocker“ – ob Premiere oder nicht – wird wohl meine letzte bleiben.

Vision oder Realität?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Wes Craven sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. Juli 2017 als Blu-ray und DVD, 10. März 2017 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 2 Covervarianten à 500 Exemplare), 17. November 2006 als DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD), 101 Minuten (gekürzte Fassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, nur Blu-ray: Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, nur Blu-ray: Französisch
Originaltitel: Shocker
USA 1989
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Wes Craven
Besetzung: Michael Murphy, Mitch Pileggi, John Tesh, Heather Langenkamp, Richard Brooks, Sam Scarber, Ted Raimi, Virginia Morris, Emily Samuel, Bingham Ray
Zusatzmaterial: Dokumentation: The Music of Shocker, Storyboard vs. Film – Ein Vergleich, Interviews, Audiokommentar, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Studiocanal Home Entertainment

 

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Gewinnspiel: 2 x Tödlicher Segen auf DVD

Verlosung

Im 1981 entstandenen „Tödlicher Segen“ versetzt Horror-Regisseur Wes Craven („Nightmare – Mörderische Träume“) eine junge Sharon Stone am Beginn ihrer Karriere in eine von einer asketischen Sekte dominierte ländliche Gemeinde. Wir können zwei DVDs des Schockers mit Ernest Borgnine unters Volk bringen, was wir auch gern tun. Im Namen der beiden kommenden Gewinnerinnen oder Gewinner herzlichen Dank an den Publisher Koch Films für die Verlosungsexemplare.

Schon wieder eine Frage!

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort bis Sonntag, 9. Juli 2017, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im vorletzten Absatz. Sie befindet sich diesmal nicht ganz am Ende des Textes, weil ich im letzten Absatz einen Spoiler bringe, den ich Gewinnspiel-Teilnehmern, die „Tödlicher Segen“ noch nicht kennen, ersparen will.

Könnt Ihr sie mangels ausreichender Sichtung solcher Filme nicht beantworten, so schreibt einfach das. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Ingo Maaßen,
– Schachtschabel.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Meine Rezension von „The Tödlicher Segen“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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