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Zähl bis drei und bete – Von Integrität, Moral und der Gier nach Geld

3:10 to Yuma

Von Florian Schneider

Western // Nach einem Überfall auf eine Postkutsche und der Ermordung des Fahrers wird der Anführer der Räuberbande, Ben Wade (Glenn Ford), vom Marshal (Ford Rainey) der Kleinstadt Bisbee in Arizona gefangen genommen. Der Farmer Dan Evans (Van Heflin), Vater von zwei Jungen (Barry Curtis, Jerry Hartleben), steht nach einer langanhaltenden Dürre am Rande des Ruins. Um die 200 Dollar Prämie zu erhalten, die der Postkutschenunternehmer Butterfield (Robert Emhardt) jedem Mann anbietet, der bereit ist, Wade zum Weitertransport zur Bahnstation Contention City zu eskortieren, meldet er sich sofort freiwillig. Neben dem Geld treibt Evans auch sein schlechtes Gewissen an, war er doch, zusammen mit seinen Söhnen, untätiger Zeuge des Postkutschenüberfalls. Nun gilt es, den Söhnen zu beweisen, dass es dem Vater nicht an Mut mangelt. In Contention City angekommen, müssen Wade und sein unbestechlicher und sturer Aufpasser in einem Hotelzimmer warten, bis der Zug um 3:10 Uhr zum Yuma-Gefängnis eintrifft. Doch die Komplizen des Outlaws, angeführt von Charlie Prince (Richard Jaeckel), werden mit allen Mitteln versuchen, ihn zu befreien.

Ben Wade (2. v. l.) und seine Bande

So manches Mal ist es müßig, Original und Remake miteinander zu vergleichen, doch im Fall von „Zähl bis drei und bete“ (1957) und „Todeszug nach Yuma“ (2007) – beide im Originaltitel „3:10 to Yuma“ –, lohnt sich dieser Vergleich durchaus. So ist das Original von Regisseur Delmer Daves („Der gebrochene Pfeil“, 1950) trotz der damals im Western schon nicht mehr weit verbreiteten Schwarz-Weiß-Bilder ein früher Vertreter der Moderne – befindet sich zumindest durch die ambivalente Zeichnung der Protagonisten in der Schnittstelle zwischen klassischem und modernen Genrekino –, während das Remake von James Mangold („Cop Land“, 1997) ein prototypischer Vertreter der Postmoderne ist. Delmer Daves zeigt seine Innovationskraft bereits 1947, als er für das Drehbuch und die Regie von „Die schwarze Natter“ verantwortlich zeichnet. Das Besondere an diesem Film-noir-Klassiker liegt in der extensiven Verwendung der „subjektiven Kamera“, die dazu führt, dass Hauptdarsteller Humphrey Bogart die ersten 30 Minuten des Films nur als Blickquelle auf der Leinwand präsent ist.

Nach einer Erzählung von Elmore Leonard

Bei der Elmore-Leonard-Verfilmung „Zähl bis drei und bete“ weicht Daves nun das klassische Gut-Böse-Schema in Person des Bandenanführers Wade auf. Dieser zeigt sich durch die Standhaftigkeit des nur scheinbar moralfesten Farmers Evans zunehmend beeindruckt und stellt schließlich seine eigene Freiheit dem Schutz des anderen hintan. Doch auch Evans ist ein Getriebener, der sein Handeln dem eigenen Stolz unterwirft – bis hin zur potenziellen Tötung durch die Bande seines Gefangenen. Ein solches Handeln kann man durchaus als verantwortungslos bezeichnen, schließlich ist Evans Familienvater und damit existenziell notwendiger Versorger.

Ein Postkutschenüberfall …

Mangolds Version nimmt nun die Ambivalenz des Vorgängers auf, um sie, ganz in der Tradition der Postmoderne, bis ins Extrem zu verstärken. Wade, nun gespielt von Russell Crowe, ist anfänglich noch ein ganzes Stück skrupelloser und Evans (Christian Bale) leidet ein gutes Stück mehr unter seinem Kampf um den Existenzerhalt und vor allem um die Aufrechterhaltung von Stolz und Selbstwertgefühl. Damit verstärkt Mangold die Amplitude von anfänglicher Ablehnung hin zu dem wachsenden Respekt zwischen den Kontrahenten. In beiden Filmversionen besetzt der jeweils andere Protagonist eine eigene Sehnsucht und Leerstelle: die Freiheit des Outlaws und die Integrität des Familienvaters und Farmers. Welche der beiden Filmversionen man bevorzugt, ist natürlich, wie so oft, Geschmackssache. Festzuhalten gilt aber, dass „Todeszug nach Yuma“, außer der Verstärkung von Action, Gewalt und emotionalem Konflikt, dem Original nichts Neues hinzuzufügen hat. Welche Western-Remakes könnt Ihr empfehlen?

… durch Wades Bande endet fatal

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Delmer Daves haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Glenn Ford, Van Heflin und Richard Jaeckel unter Schauspieler.

Farmer Dan Evans (M.) hat eine heikle Mission übernommen

Veröffentlichung: 25. März 2021 als Blu-ray, 14. Oktober 2011 als DVD (Süddeutsche Zeitung Cinemathek), 3. Mai 2002 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: 3:10 to Yuma
USA 1957
Regie: Delmer Daves
Drehbuch: Halsted Welles, nach einer Story von Elmore Leonard
Besetzung: Glenn Ford, Van Heflin, Felicia Farr, Leora Dana, Henry Jones, Richard Jaeckel, Ford Rainey, Robert Emhardt, Sheridan Comerate, George Mitchell, Robert Ellenstein, Barry Curtis, Jerry Hartleben
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Wendecover
Label Blu-ray: explosive media
Vertrieb Blu-ray: Koch Films
Label/Vertrieb DVD 2011: Süddeutsche Zeitung GmbH
Label/Vertrieb DVD 2002: Sony Pictures Entertainment Deutschland

Copyright 2022 by Florian Schneider

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 explosive media

 

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Abrechnung in Veracruz – Die Brüder und die Vatermörder

El sabor de la venganza / I tre spietati

Von Volker Schönenberger

Western // In ihrer Kindheit müssen die drei Brüder Brad (Pablito Alonso), Chris (Enrique Hernández) und Jeff (Luis Miguel Arranz) mit ansehen, wie Banditen auf der Flucht vor dem Sheriff die Ranch der Familie heimsuchen und ihren Vater Clark Walker (José Riesgo) erschießen. Ihre Mutter Louise (Gloria Milland) beschwört sie am väterlichen Grab, die Übeltäter müssten eines Tages ihre gerechte Strafe erleiden.

Die Jahre ziehen dahin, die drei Brüder haben sich zu völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten entwickelt. Während sich Jeff (nun Richard Harrison), der Jüngste, in Bücher vertieft und als Polizeikommissar anstellen lässt, ist Chris (Robert Hundar) ein gewalttätiger Heißsporn, der keiner Schlägerei aus dem Weg geht und im Saloon auch mal einen Typen einfach über den Haufen schießt (woraufhin er die Gegend verlassen muss). Brad (Miguel Palenzuela), der Älteste, hat die heimische Ranch übernommen und steht immer ein wenig zwischen seinen beiden Brüdern. Logisch, dass speziell Jeff und Chris sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie man mit den Mördern ihres Vaters umgehen sollte. Die Spur führt nach Veracruz …

Chris statt Chet

In den italienischen und spanischen Originalsprachfassungen sowie der englischen Synchronisation heißt der mittlere Bruder nicht Chris, sondern Chet. Das kann vereinzelt zu Irritationen führen, da viele Szenen der vollständigen Fassung von „Abrechnung in Veracruz“ nicht synchronisiert, sondern in Italienisch mit deutschen Untertiteln eingefügt worden sind.

Noch vor der Italowesternwelle

„Abrechnung in Veracruz“ gelangte 1964 in die spanischen Kinos, im selben Jahr, in dem auch Sergio Leone (mit „Für eine Handvoll Dollar“) und Sergio Corbucci (mit „Keinen Cent für Ringos Kopf“ und „Minnesota Clay“) ihre ersten Western ablieferten. Beide Regisseure gehörten in der Folge zu den stilprägenden Filmemachern des Italowesterns, Leone mit seiner Dollar-Trilogie, bestehend aus „Für eine Handvoll Dollar (1964), „Für ein paar Dollar mehr“ (1965) und „Zwei glorreiche Halunken“ (1966) sowie „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) und „Todesmelodie“ (1971), Corbucci mit „Django“ (1966) und „Leichen pflastern seinen Weg“ (1968). Von diesen Einflüssen war der Spanier Joaquín Luis Romero Marchent in jenem Jahr somit noch frei. Der 1921 in Madrid geborene und 2012 dort auch gestorbene Regisseur hatte seit Mitte der 1950er-Jahre schon einige Western gedreht und blieb dem Genre bis zu seinem berüchtigten „Todesmarsch der Bestien“ (1972) treu.

Somit wirkt „Abrechnung in Veracruz“ dem klassischen Western aus Hollywood noch sehr nah, auch wenn das Werk in der andalusischen Provinz Almería gedreht wurde, das sich ab den 1960er-Jahren zur Hochburg des Euro- und Italowesterns entwickelte.

Einstmals gekürzte Szenen ohne Synchronisation

Die um knapp 20 Minuten gekürzte Kinofassung punktet mit hohem Tempo und reichlich Action. Wer sich die im Mediabook von explosive media erstmals verfügbare Langfassung zu Gemüte führt, wird merken, dass es sich bei den fehlenden Szenen nahezu ausschließlich um Dialogsequenzen handelt. Diese wurden im Übrigen nicht nachsynchronisiert, sondern im Original belassen und mit deutschen Untertiteln versehen – in der Regel die richtige Entscheidung, wohl auch hier. Die in der Kinofassung fehlenden Dialoge bringen in der Langfassung durchaus mehr charakterliche und inhaltliche Tiefe ins Geschehen ein. Das geht natürlich zu Lasten des Tempos und der Action, dennoch ist die Langfassung meines Erachtens vorzuziehen.

Soundtrack von Riz Ortolani

Die spanischen Settings bringen stimmungsvolle Bilder, musikalisch fein untermalt von Riz Ortolani, dessen Kompositionskunst dem bundesdeutschen Kinopublikum seinerzeit mit „Old Shatterhand“ (1964) zu Gehör gebracht wurde. Die Besetzung der Haupt- und Nebenrollen von „Abrechnung in Veracruz“ passt gut. Richard Harrison („Robur – Der Herr der sieben Kontinente“) hatte sich seinerzeit im italienischen Kino bereits einen Namen gemacht und gibt den prinzipientreuen Saubermann Jeff. Als Gegenspieler und Bruder Chris wurde mit dem baumlangen Robert Hundar („Maciste, der Held von Sparta“) eine beeindruckende Gestalt verpflichtet. Miguel Palenzuela als dritter und ältester Bruder hingegen steht ein wenig im Schatten der beiden anderen. Die nötige Portion Humor bringt Fernando Sancho („Eine Pistole für Ringo“) ein, einmal nicht als Schurke besetzt, wie es bei ihm häufig der Fall war.

Die schwere Last, den Tod des Vaters zu sühnen

Vergeltung für den Tod des Vaters – dieses schwere Erbe prägt die drei Brüder bis ins Erwachsenenalter. Eine große Bürde, die ihr Leben bestimmt und sie auch entzweit, so viel wird deutlich. Die Abrechnung schließlich findet allerdings nicht in Veracruz statt, wie der deutsche Titel suggeriert. Insofern passen der italienische und der spanische Originaltitel etwas besser: „I tre spietati“ bedeutet so viel wie „Die drei Erbarmungslosen“, „El sabor de la venganza“ bedeutet „Der Geschmack der Rache“. Wie sich zeigen wird, ist der Geschmack der Rache keineswegs süß, sondern bitter, insbesondere für Jeff, der noch gewahr werden wird, dass ihn mit dem Haupttäter etwas verbindet.

Mediabook mit Langfassung und Kinofassung

Das bereits erwähnte Mediabook von explosive media sieht schmuck aus. Das Label hat dem Film zwei Covermotive spendiert und orientiert sich beim Format an den Maßen der Mediabooks von Koch Films, die ja von manchen Sammlern dieser Verpackungsvariante scharf kritisiert werden. Ich habe damit überhaupt kein Problem. Der Film ist auf Blu-ray und DVD enthalten, und das endlich auch in der Langfassung. Die kurze Kinofassung hat explosive media auf beiden Scheiben im Bonusmaterial untergebracht. Löblich! Das ansprechend illustrierte Booklet enthält lesenswerte Texte von Leonhard Elias Lemke und Maximilian Scholz, deren Lektüre sich zwecks Spoilervermeidung erst nach Sichtung des Films empfiehlt.

Joaquín Luis Romero Marchent ist kein Sergio Leone und auch kein Sergio Corbucci. „Abrechnung in Veracruz“ gehört aber zu den gelungenen Beiträgen aus der Entstehungsphase des Italowesterns und belegt, dass Marchents Regiewerk die (Wieder-)Entdeckung lohnt. Dank explosive media ist der Western nun in feiner Edition verfügbar.

Veröffentlichung: 12. Mai 2022 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 2 limitierte Covermotive)

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD), 79 Min. (Blu-ray, deutsche Kinofassung), 76 Min. (DVD, deutsche Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch
Spanischer Originaltitel: El sabor de la venganza
Italienischer Originaltitel: I tre spietati
Internationale Titel: Three Ruthless Ones, Gunfight at High Noon, Sons of Vengeance
SP/IT 1964
Regie: Joaquín Luis Romero Marchent
Drehbuch: Joaquín Luis Romero Marchent (als Joaquín Hernandez Marchent), Jesús Navarro Carrión, Rafael Romero Marchent
Besetzung: Richard Harrison, Fernando Sancho, Gloria Milland, Claudio Undari (als Robert Hundar), Miguel Palenzuela, Gloria Osuna, Luis Induni, Carlos Romero Marchent, José Manuel Martín, José Truchado, Francisco Sanz, Alfonso Rojas, Aldo Sambrell, Emilio Rodríguez, Pablito Alonso, Enrique Hernández, Luis Miguel Arranz
Zusatzmaterial: Original Kinotrailer, deutsche Kinofassung, Unterschiede der spanischen Version (07:09 Min.), Western-Trailer-Reel (14:32 Min.), 40-seitiges Booklet mit Texten von Leonhard Elias Lemke und Maximilian Scholz
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Untere Packshots: © 2022 explosive media

 
 

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Fluch der Verlorenen – Aus dem Bürgerkrieg zurück nach Texas

Horizons West

Von Volker Schönenberger

Western // Im Bürgerkrieg standen Dan Hammond (Robert Ryan) und sein jüngerer Bruder Neil (Rock Hudson) auf der Verliererseite, nun kehren sie in Begleitung ihres Kameraden Tiny McGilligan (James Arness) in ihre texanische Heimat zurück – Tiny ist Vormann auf der Ranch der Familie Hammond. Austin hat sich nach vier Jahren Abwesenheit enorm verändert, es ist Geld aus dem Norden in die Stadt geflossen. Dan verguckt sich sogleich in die elegante Lorna Hardin (Julie Adams), doch die ist mit dem eiskalten Rinderbaron Cord Hardin (Raymond Burr) verheiratet. Neil freut sich mehr über das Wiedersehen mit der jungen Sally Eaton (Judith Braun), die die Hammonds schon kennen, seit sie klein war.

Die Hammond-Brüder kehren als Verlierer aus dem Bürgerkrieg heim

Mama und Papa Hammond (Frances Bavier, John McIntire) sind überglücklich über die Rückkehr ihrer Söhne und ihres Vormanns aus dem grausamen Krieg. Sie hoffen, dass der Nachwuchs alsbald die Ranch übernehmen wird. Doch nur Neil ist bereit dazu. Der vom Ausgang des Krieges desillusionierte Dan ist vielmehr auf schnelles Geld aus. Ein unglückseliger Pokerabend führt ihn auf die schiefe Bahn. Dort gibt es für Dan in der Tat viel Geld zu holen, doch schließlich droht die Konfrontation mit seinem Bruder, der diesseits des Gesetzes geblieben ist.

Hauptfigur: der Schurke

Das Duell der Brüder steht gar nicht mal so sehr im Vordergrund, wie es die Figurenkonstellation vermuten lässt. Rock Hudson („Bettgeflüster“, „Giganten“) hatte in seiner zum damaligen Zeitpunkt vierjährigen Karriere zwar schon einige Rollen übernommen, steht aber klar im Schatten des erfahrenen Robert Ryan („Das dreckige Dutzend“, „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“) als älterer Bruder auf dem Weg in den Abgrund. Auch den Vergleich der Leinwandzeit der beiden Hauptdarsteller entscheidet Ryan als Dan Hammond klar für sich. Bemerkenswert, wie sehr in einem solchen klassischen Western der Fokus auf dem Bösewicht liegt. Einem facettenreichen Bösewicht, keine Frage, aber Dan Hammond erweist sich als überaus skrupellos. Er mag zwar Freunde schonen und sich lieber bei Gegnern bereichern, aber Reue ist ihm völlig fremd. Schöne Technicolor-Bilder illustrieren Dan Hammonds unausweichlichen Niedergang, den wir Zuschauer trotz seiner bösen Taten doch bedauern. Robert Ryan vermochte es eben gut, seine Figur mit Leben zu erfüllen und zumindest einige ihrer Motive nachvollziehbar zu vermitteln.

Love Interest: Lorna Hardin

Mit 81 Minuten bleibt „Fluch der Verlorenen“ deutlich unter der Anderthalbstundenmarke. Die straffe Inszenierung kommt völlig ohne Längen aus. Temporeich geht es auch kurz mal nach Mexiko. Von den beiden Frauen ist Lorna Hardin gegenüber Sally Eaton sicherlich die interessantere Figur. Ihre Beziehung zu Dan Hammond bekommt auch deutlich mehr Gewicht als die sich eher nebenbei und unspektakulär anbahnende Liebe zwischen Neil und Sally. Die späteren Serienstars James Arness („Rauchende Colts“) und Raymond Burr („Perry Mason“, „Der Chef“) reichern die Geschichte an, wobei auch hier der von Burr verkörperte skrupellose Rinderbaron reizvoller ausfällt als der herzensgute Ranch-Vormann. Kurz thematisiert wird auch die schwierige Gemengelage in den USA nach dem Bürgerkrieg, als die Feinde von gestern lernen mussten, wieder miteinander auszukommen. Schon vor der Rückkehr der Hammondbrüder nach Austin sind bereits gut betuchte Geschäftsleute aus dem Norden dort eingetroffen. Vom Krieg immerhin haben sie alle die Nase voll.

Budd Boetticher und Randolph Scott

Regisseur Budd Boetticher war in den 1950er-Jahren gut beschäftigt, wie nicht zuletzt seine sieben Filme währende Zusammenarbeit mit Randolph Scott in der zweiten Hälfte jener Dekade belegt, die so Highlights wie „Um Kopf und Kragen“ (1957) und „Auf eigene Faust“ (1959) hervorbrachte. Dieses Septett ist heute bekannt als „Ranown-Zyklus“, benannt nach Randolph Scotts Produktionsfirma Ranown Pictures Corporation, für die die Filme entstanden.

Budd Boetticher vor dem Ranown-Zyklus

1952 kamen vier Regiearbeiten des 1916 in Chicago geborenen Filmemachers in die US-Kinos, darunter sein erster Western „Flucht vor dem Tode“ (1952) mit Audie Murphy und der in Boettichers Œuvre gern mal übersehene „Rivalen im Sattel“ (1952), der in der Rodeoszene spielt. Ein Jahr später drehte der Regisseur mit Rock Hudson den Western „Seminola“ (1953) und mit Robert Ryan das Abenteuer „Die Stadt unter dem Meer“ (1953).

Dan Hammonds Machenschaften erregen bald Aufsehen

Im Vergleich zu den Filmen des Ranown-Zyklus mit Randolph Scott scheinen Boettichers frühere Regiearbeiten etwas unter dem Radar zu laufen. Umso schöner, dass „Fluch der Verlorenen“ nach der längst vergriffenen Koch-Media DVD von 2008 endlich in Neuauflage erschienen ist. Die Explosive Media GmbH hat „Horizons West“, so der Originaltitel, im April 2022 nicht nur als DVD wiederveröffentlicht, sondern erstmals auch auf Blu-ray, die die Technicolor-Farben gut zur Geltung bringt. Budd Boetticher lohnt immer die (Wieder-)Entdeckung. Welche seiner Regiearbeiten sind eure Favoriten?

Ruchlose Handlanger …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Budd Boetticher haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Rock Hudson und Robert Ryan unter Schauspieler.

… gegen Ehrenmänner

Veröffentlichung: 14. April 2022 als Blu-ray und DVD, 9. Mai 2008 als DVD

Länge: 81 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Horizons West
USA 1952
Regie: Budd Boetticher
Drehbuch: Louis Stevens
Besetzung: Robert Ryan, Rock Hudson, Julie Adams, Judith Braun, John McIntire, Raymond Burr, James Arness, Dennis Weaver, Frances Bavier, Tom Powers, John Hubbard, Rodolfo Acosta
Zusatzmaterial: Original Kinotrailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Western-Trailer-Reel, Wendecover
Label 2022: explosive media
Label 2008: Koch Media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Blu-ray-Packshot: © 2022 explosive media

 
 

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