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The Homesman – Regisseur Tommy Lee Jones war schon mal besser

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The Homesman

Von Simon Kyprianou

Westerndrama // Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) lebt ein erfolgreiches Leben in einem kleinen Westernnest: Sie hat Geld, eine Farm, Tiere, ist belesen und gebildet, den meisten Männern haushoch überlegen. Was ihr zu ihrem Glück noch fehlt, ist ein Ehemann. Die meisten in Frage kommenden Männer empfinden Mary Bee allerdings als spröde und unfreundlich.

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Das Leben ist reich an Entbehrungen

Kneifende Kerle

Als es daran geht, drei unter den kargen Lebensbedingungen geisteskrank gewordene Frauen in eine weit entfernte Kirchengemeinde zu eskortieren, kneifen alle Männer. Mary Bee nimmt die Aufgabe an. Am Anfang ihrer Reise begegnet sie dem verdatterten alten Outlaw George Briggs (Tommy Lee Jones), dem sie aus einer Notlage hilft. Im Gegenzug nötigt sie ihn sie auf der Reise zu begleiten.

Es scheint, als hätte Tommy Lee Jones nicht recht gewusst, was er mit seiner vierten Regiearbeit anstellen soll. Löblich ist erst mal, dass er ein Thema anschneidet, das es selten in Western zu sehen gibt: das Thema der Geisteskrankheit. Dieses westernuntypische Thema verpackt er dann aber in eine ganz klassische Struktur, die Struktur der Reise, des Trecks. Die Figuren sind unnahbar, bieten kein Identifikationspotenzial, lassen keine Annäherung zu. Die Regie bleibt auf Distanz zu ihnen. Sie wirken hart und spröde, das gelingt Jones sehr gut. Hervorragend gespielt sind die Figuren ohnehin.

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Briggs muss seinen Mann stehen

Der Humor passt nicht recht

Doch „The Homesman“ verrennt sich oft im Timing, beinahe eine ganze Stunde benötigt Jones, bis der Treck endlich aufbricht – fast die Hälfte des Films. Auch im Tonfall hat der Film Probleme, will offenbar als bitteres Drama verstanden werden, aber der von Jones verkörperte Briggs hat dabei einen unangenehmen Sidekick-Charakter und mischt dem Film immer wieder Humor bei, der nicht so recht zum Rest passen will. Auch die Beziehung zwischen den ungleichen Protagonisten leidet unter den Mätzchen von Jones’ Figur.

Diese inszenatorischen Unentschlossenheiten nehmen dem Film viel, lassen ihn nicht wie aus einem Guss wirken. „The Homesman“ ist die bisher schlechteste und unausgegorenste Regiearbeit von Tommy Lee Jones – interessant allemal, gerade aufgrund seines ungewöhnlichen Themas, ein gelungener Film aber leider nicht. Zur Rezension anlässlich des Kinostarts geht’s hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Meryl Streep und Hilary Swank sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Tommy Lee Jones und John Lithgow unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 17. April 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 123 Min. (Blu-ray), 118 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Homesman
F/USA 2014
Regie: Tommy Lee Jones
Drehbuch: Tommy Lee Jones, Kieran Fitzgerald, Wesley A. Oliver, nach einem Roman von Glendon Swarthout
Besetzung: Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Grace Gummer, Miranda Otto, Sonja Richter, Meryl Streep, James Fichtner, John Lithgow, Hailee Steinfeld, James Spader
Zusatzmaterial: B-Roll, Trailer, Featurettes (Die Geschichte, Ein typischer Western, Tommy Lee Jones & Hilary Swank), Interviews mit Tommy Lee Jones und Hilary Swank, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Universum Film

 

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The Homesman – Karges Leben im Mittleren Westen

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The Homesman

Kinostart: 18. Dezember 2014

Von Volker Schönenberger

Westerndrama // Spröde und trist – diese beiden Adjektive beschreiben die Atmosphäre von Tommy Lee Jones‘ vierter Regiearbeit ganz gut.

Es ist kein freudvolles Leben, das die Siedler in Nebraska führen. Das Land ist karg, die Gemeinde klein. Sex hat nichts mit Liebe zu tun. Nach einem harten Winter voller Entbehrungen und Leid haben die jungen Frauen Arabella Sours, Theoline Belknapp und Gro Svendsen (Grace Gummer, Miranda Otto, Sonja Richter) offenbar den Verstand verloren. Pfarrer Dowd (John Lithgow) verlangt von einem der Ehemänner, die drei in eine Institution in Iowa zu bringen. Schlussendlich übernimmt aber die verhärmte und einsame Lehrerin Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) die Aufgabe. Sie versichert sich der Hilfe des Gauners George Briggs (Tommy Lee Jones), indem sie ihn vor dem Strick rettet.

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George Briggs droht der Strick

Der zurückgenommene, gleichwohl akzentuierte Score unterstreicht die freudlose Atmosphäre und die widrigen Bedingungen im Leben der Protagonisten vortrefflich. Hilary Swank und Tommy Lee Jones liefern erwartungsgemäß große Schauspielkunst ab, auch die übrige Besetzung trifft den Ton. Zum Wohlfühlen ist all das nicht, aber das war das harte Leben im Mittleren Westen der USA um 1850 herum auch nicht.

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Ohne Freude am Leben: Mary Bee Cuddy

Gewalt gibt es wenig, geschossen wird kaum – es ist kein Action-Western, den uns Tommy Lee Jones präsentiert. Seine Inszenierung ist clever – obwohl der Fokus auf Hilary Swanks Figur und ihrem depressiven Dasein liegt, ist es nie eine One-Woman-Show. Jones selbst bringt ein paar Mal einen Hauch von Comic Relief, aber die Erleichterung weicht bald der Ernüchterung. Das Ende ist konsequent. „The Homesman“ ist ein sperriges Westerndrama, das mehr Publikum verdient hätte als es vermutlich erhalten wird.

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Zweckgemeinschaft in widrigen Bedingungen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Meryl Streep und Hilary Swank sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Tommy Lee Jones und John Lithgow unter Schauspieler.

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Homesman
F/USA 2014
Regie: Tommy Lee Jones
Drehbuch: Tommy Lee Jones, Kieran Fitzgerald, Wesley A. Oliver, nach einem Roman von Glendon Swarthout
Besetzung: Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Grace Gummer, Miranda Otto, Sonja Richter, Meryl Streep, James Fichtner, John Lithgow, Hailee Steinfeld, James Spader
Verleih: Universum Film

Copyright 2014 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Universum Film

 

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Santiago der Verdammte – Der Schuft, der auch ein Retter war

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The Naked Dawn

Von Dirk Ottelübbert

Westerndrama // Im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet: Der Dieb Santiago (Arthur Kennedy) und sein Kumpel Vincente stehlen mehrere Kisten mit Uhren. Vincente kommt dabei ums Leben, Santiago sucht Unterschlupf beim ärmlich lebenden jungen Farmer-Ehepaar Maria (Betta St. John) und Manuel Lopez (Eugene Iglesias). Für ein bisschen Bares chauffiert der unbescholtene Manuel den großtuerischen Spitzbuben in die Stadt, wo Santiago die Beute verhökern will. Als Hehler Guntz (Roy Engel) ihn übers Ohr zu hauen versucht, überwältigt Santiago den Ganoven mit Manuels zögerlicher Hilfe und räumt den Tresor aus.

Lockruf des Geldes

Die Männer verzechen einen Großteil des Geldes. Nach einer Kneipenprügelei wieder auf der Farm, schenkt Santiago Manuel die restlichen Pesos – und einen Revolver. Irritiert und schließlich voll Abscheu bemerkt Maria, wie in ihrem Mann nach und nach die Gier erwacht und aus ihm einen völlig anderen Menschen macht. Sie fleht Santiago an, sie mitzunehmen – nach Vera Cruz oder sonst wohin, nur weg aus dem trostlosen Leben. Der Bandit zögert. Manuel fasst den Gedanken, Santiago umzubringen, beichtet den bösen Plan jedoch. Als Santiago mit Maria davonreiten will, taucht der geprellte Guntz mit zwei Schergen auf. Die Männer schnappen Manuel, Santiago schreitet ein – und zahlt dafür einen hohen Preis.

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Santiago steht dem sterbenden Vincente bei

Wie die meisten seiner Filme realisierte Regisseur Edgar G. Ulmer „The Naked Dawn“ (Originaltitel) mit einem Mini-Budget, die Drehzeit betrug unglaubliche zehn Tage. Herausgekommen ist gleichwohl ein emotionales Stück Kino, ruppig und klug, ein trotz etwas überpointierten Spiels wahrhaftiges Western-Melodram über die Gier und andere menschliche Niederungen. Neben dem Horrorklassiker „The Black Cat“ (1934) dürfte dies Ulmers bekanntester Film sein. Als wichtigen Einfluss für seinen Western nannte der Regisseur (1904 – 1972) das Theater des Mittelalters; ihn reizten die „morality plays“, Schwänke und Mysterienspiele: „Ich will zeigen, dass das Gute und das Böse untrennbar miteinander verbunden sind. Bei John Ford ist der Mann im schwarzen Hemd der Böse und der Mann im weißen Hemd der Gute. Bei mir vermischt sich das.“

Ganove mit Gewissen

Diese Vermischung funktioniert vor allem dank Arthur Kennedy, der seinen Santiago als mehrgesichtigen Schurken anlegt. „He was a devil – and a saint“, heißt es im Kinotrailer, der sich unter den DVD-Extras findet. Santiagos unfeine Pläne werden mehr als einmal von seinem plötzlich aufblitzenden Gewissen ausgehebelt. Dass es nicht gut für ihn ausgehen wird, dass Santiago zahlen muss, statt belohnt zu werden – ein klarer Fall. Das breite Grinsen, die ausladenden Gesten, der Stich ins Operettenhafte, den Kennedy seiner Diebesfigur mitgibt – das erinnert interessanterweise von ferne an einen zwölf Jahre später auftauchenden unvergesslichen Filmschurken: den von Eli Wallach verkörperten schlitzohrig-brutalen Tuco in Sergio Leones „Zwei glorreiche Halunken“ (1966).

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Mit Manuel (M.) überwältigt Santiago (l.) den hinterhältigen Guntz

François Truffaut, einer von vielen prominenten Verehrern Edgar Ulmers, nannte „Santiago, der Verdammte“ als Inspiration für sein Liebesdrama „Jules und Jim“ (1962). Ein weiteres Werk von Ulmer gibt es übrigens in der von Koch Media herausgegebenen Film Noir Collection zu bestaunen: den düsteren Krimi „Detour – Umleitung“ von 1945.

Die „Edition Western Legenden“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Edgar G. Ulmer sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Arthur Kennedy unter Schauspieler.

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Tequila und Tanz: Beim Barbesuch geht’s hoch her

Veröffentlichung: 6. Dezember 2013 als DVD

Länge: 78 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Naked Dawn
USA 1955
Regie: Edgar G. Ulmer
Drehbuch: Julian Zimet
Besetzung: Arthur Kennedy, Betta St. John, Eugene Iglesias, Charlita, Roy Engel, Tony Martinez, Francis McDonald
Zusatzmaterial: Bildergalerie, Originaltrailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2013 by Dirk Ottelübbert
Fotos & Packshot: © 2013 Koch Media

 

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