RSS

Schlagwort-Archive: Will Poulter

Detroit – Todesspiel im Algiers Motel

Detroit

Von Andreas Eckenfels

Thriller-Drama // Trayvon Martin, Michael Brown oder Eric Garner: Nur drei von unzähligen Namen, die auf tragische Weise in die amerikanische Geschichte eingegangen sind. Drei afroamerikanische US-Bürger, die in den vergangenen Jahren durch Polizeigewalt ums Leben kamen. Die weißen Gesetzeshüter wurden nicht für ihre Taten verurteilt, was in weiten Teilen der USA und der restlichen Welt große Empörung auslöste. Es kam zu massiven Protesten. Die Bewegung „Black Lives Matter“ erhielt Zuwachs.

Die Rassenunruhen in Detroit nehmen ihren Anfang

Diese traurigen Ereignisse nahmen die 2010 für „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ mit zwei Oscars (beste Regie, bester Film) gekrönte Kathryn Bigelow und der Drehbuchautor Mark Boal zum Anlass, um auf einen Vorfall zurückzublicken, der sich in Detroit vor knapp über 50 Jahren ereignet hat.

Ausnahmezustand in Detroit

Juli 1967: Die Rassenunruhen von Detroit sind in vollem Gange. Soziale Ungleichheiten, Arbeitslosigkeit und der alltägliche Rassismus haben zu den Ausschreitungen geführt. Sogar die Nationalgarde wurde einberufen, um die örtliche Polizei zu unterstützen. Vom Algiers Motel aus, welches hauptsächlich von schwarzen Gästen bewohnt wird, werden Schüsse auf die Polizei abgegeben. Sie stammen aus einer ungefährlichen Schreckschuss-Pistole.

Polizist Philip Krauss schießt Flüchtenden auch gern mal in den Rücken

Der Polizist Philip Krauss (Will Poulter) nimmt diesen Angriff zum Anlass, um das Motel mit einigen Kollegen und dem schwarzen Wachmann Melvin Dismukes (John Bogoya) zu durchsuchen. Er tötet einen Flüchtigen mit einem Schuss in den Rücken und schiebt ihm ein Messer unter. Schließlich soll keiner merken, dass der Tote unbewaffnet war. Da Krauss den vermeintlichen Schützen nicht ausmachen kann, hält er einige unbescholtene Gäste fest, darunter die Afroamerikaner Larry Reed (Algee Smith), Sänger der Band The Dramatics, dessen Kumpel Fred (Jacob Latimore) sowie Greene (Anthony Mackie), der mit zwei jungen, weißen Frauen (Hannah Murray, Kaitlyn Dever) in seinem Zimmer gefeiert hat. Sie müssen sich mit erhobenen Händen gegen eine Wand stellen. Die Durchsuchung verläuft erfolglos – die Waffe wird nicht gefunden. Als Krauss mit seinen wehrlosen Opfern beginnt, ein – wie er es nennt – „Todesspiel“ zu spielen, gerät die Situation zunehmend außer Kontrolle.

Der Kampf im Innern

Nachdem sich Bigelow („Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis“) in „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ (2008) und „Zero Dark Thirty“ (2012) mit den außenpolitischen Kriegsschauplätzen der USA auseinandergesetzt hat, blickt die Regisseurin nun auf den Kampf im Innern, der in den Vereinigten Staaten seit Jahrhunderten brodelt und, wie die eingangs erwähnten Todesfälle zeigen, leider noch immer hochaktuell ist. Aber nicht nur in den USA ist der tägliche Rassismus in all seinen Formen noch immer allgegenwärtig. Es ist ein weltweites Problem, welches die Menschheit spaltet. Somit wirken die Geschehnisse aus „Detroit“ universell. Geschichte wiederholt sich eben immer wieder.

Im Algiers Motel gerät die Situation bald außer Kontrolle

In der schicksalshaften Nacht kamen im Algiers Motel drei Schwarze ums Leben. Neun weitere Menschen, darunter zwei weiße Frauen, wurden von der Polizei misshandelt. Boal hat für sein Drehbuch viel recherchiert, mit Zeitzeugen gesprochen und zog das Buch „Zwischenfall im Motel“ von John Hersey zu Rate. Was wirklich alles passiert ist, ist allerdings auch heute noch immer nicht hundertprozentig klar, wie Texttafeln im Film einräumen. Die Ereignisse wurden dramatisiert; Fakten mit Fiktion verbunden. Einige Figuren gab es wirklich, den rassistischen Polizisten Philipp Krauss hingegen nicht. Sein Charakter wurde durch die Taten mehrerer Gesetzeshüter inspiriert, die im Algiers Motel dabei waren. Auch vom anschließenden Gerichtsprozess, mit dem der Film endet, sind nicht alle Einzelheiten final verbürgt.

Geschichte muss sich nicht wiederholen

Bigelow lässt ihr historisches Thrillerdrama wie einen Nachrichten-Bericht aus dem Krisengebiet Detroit beginnen und verdichtet zunehmend die Erzählung in die Form eines nervenaufreibenden Kammerspiels. Durch ihren halbdokumentarischen Stil mit Handkamera und schnellen Schnitten wird das Publikum mitten ins Geschehen hineingeworfen. Ebenso wie die gedemütigten Opfer haben auch die Zuschauer kaum eine Chance zu entkommen. Der Machtmissbrauch der Beamten macht wütend und traurig zugleich.

Sicherheitsmann Melvin kann nur hilflos zusehen

Der hauptsächlich durch Komödien wie „Wir sind die Millers“ bekannte Will Poulter macht hier eine starke Wandlung ins dramatische Fach durch. Das Mitwirken von „Star Wars“-Star John Boyega und Anthony Mackie („The First Avenger – Civil War“) ist neben der handwerklichen Perfektion des Films ein weiterer Pluspunkt. Vielleicht wird durch sie auch die junge Generation auf „Detroit“ aufmerksam, die sich sonst nicht dafür interessiert hätten. Nur durch sie kann ein Umdenken stattfinden, sodass es in 50 Jahren vielleicht endlich heißt: Geschichte muss sich nicht wiederholen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Kathryn Bigelow sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Wer überlebt die schicksalshafte Nacht?

Veröffentlichung: 5. April 2018 als 4k UHD (inkl. Blu-ray), Blu-ray und DVD

Länge: 144 Min. (4k UHD/Blu-ray), 138 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Detroit
USA 2017
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Mark Boal
Besetzung: John Boyega, Anthony Mackie, Algee Smith, Will Poulter, Ben O’Toole, Jack Reynor, Anthony Mackie, Hannah Murray, Samira Wiley, John Krasinski, Jacob Latimore, Kaitlyn Dever
Zusatzmaterial (nur Blu-ray und DVD): fünf Featurettes („Die Wahrheit von Detroit“, „Die Besetzung von Detroit“, „Die Invasion von Detroit“, „Die Hoffnung von Detroit“, „Damals und heute“), Musikvideo „Grow“ mit Algee Smith und Larry Reed, Bildergalerie, deutscher Kinotrailer, Original Kinotrailer
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2018 Concorde Home Entertainment

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

The Revenant – Der Rückkehrer: Der mit dem Bären tanzt

The_Revenant-Plakat

The Revenant

Kinostart: 6. Januar 2016

Von Andreas Eckenfels

Abenteuer // Wird Leonardo DiCaprio im sechsten Anlauf endlich zum Oscargewinner? Verdient hätte der stets jugendhaft aussehende Hollywood-Star den Goldbuben schon vor Jahren. Doch mit der Hauptrolle in „The Revenant – Der Rückkehrer“ kann Leo es endlich schaffen. Für den beinharten Überlebenskampf, den er als legendärer US-Trapper Hugh Glass durchleiden muss, aß der bekennende Vegetarier nicht nur die rohe Leber eines Bisons. Der Weg, den er beschreiten muss, ist noch wesentlich beschwerlicher als sein berühmter, drogengeschwängerter Gang von seinem Sportwagen in sein Haus in Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“.

Die Nerven liegen blank

Enorme Anstrengungen musste auch die komplette Produktion durchmachen. Neun Monate dauerte der Mammutdreh von „Birdman“-Regisseur Alejandro González Iñárritu. Die eiskalten Temperaturen in der kanadischen Wildnis zehrten an den Kräften der Filmcrew. Das Wetter machte den Aufnahmen häufig einen Strich durch die Rechnung. Weil am Ende des Drehs überraschend, da völlig untypisch für die Jahreszeit, der Schnee in Kanadas Bergen bereits geschmolzen war, wurde das Finale stattdessen in Argentinien gedreht.

The_Revenant-1

Hugh Glass ist ein erfahrener Trapper

Die steigenden Kosten brachten nicht nur Produzent Jim Skotchdopole auf die Palme, auch Crewmitglieder verließen aus Protest über die Arbeitsbedingungen das Set. Iñárritu bestand zudem darauf, den Film in chronologischer Reihenfolge und nur mit natürlichem Licht zu drehen. Was alles zusätzliches Geld, Zeit und vor allem viele Nerven verschlang.

Mann gegen Grizzly

Doch die Strapazen haben sich mehr als gelohnt: Iñárritu ist mit der wahren Geschichte von Hugh Glass, der Mitte der 1820er-Jahre die Truppe von Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) auf der Jagd nach Tierfellen durch die kanadischen Wälder und entlang des Missouri River führt, ein ungeschliffenes, wildes und packendes Survival-Drama gelungen. Ein Grizzly kommt dem erfahrenen Scout in die Quere. Seine Flinte kann Glass nicht mehr rechtzeitig zücken.

The_Revenant-2

John Fitzgerald fällt eine folgenschwere Entscheidung

Der Kampf mit dem Bären ist unglaublich hart und authentisch inszeniert. Erinnerungen an die rohen Hundekämpfe aus Iñárritus brillantem Erstling „Amores Perros“ werden wach. Brüllen, Kratzen, Beißen – alles muss Glass über sich ergehen lassen, während das Tier mit seinem vollem Körpergewicht auf ihm herumtrampelt. Und ehe es sich Glass versieht, liegt er halb zerfetzt und mit gebrochenen Knochen am Boden. Doch wie durch ein Wunder hat er den Bären erlegt.

Totgeglaubt

The_Revenant-3

Im Bärenfell kämpft sich Glass zurück in die Zivilisation

Henry beschließt, den halbtoten Glass mit dessen halbindianischem Sohn Hawk (Forrest Goodluck), sowie dem kaltblütigen John Fitzgerald (Tom Hardy) und dem jungen Jim Bridger (Will Poulter) zurückzulassen. Doch die Wildnis und die Kälte machen ihnen zu schaffen. Zudem ist bei Glass‘ Zustand keine Besserung in Sicht und Indianer sind ihnen auf den Fersen. Schließlich eskaliert die Situation: Fitzgerald bringt Hawk um und überzeugt Bridger, ohne den dahinsichenden Glass abzuhauen. Doch Glass überlebt …

The_Revenant-4

Erinnerungen an bessere Zeiten

So wechselt „The Revenant“ vom Western zum Rachedrama. Es entspinnt sich ein knallhartes Epos über Naturgewalt, Habgier und Willenskraft, in dem auch immer wieder esoterische Elemente eingestreut sind. Die Bilder von Iñárritus Lieblingskameramann Emmanuel Lubezki – Oscar-gekrönt für „Gravity“ und „Birdman“ – tun ihr Übriges dazu, um für zweieinhalb Stunden in dieser rauen, eiskalten und brutalen Welt zu versinken.

The_Revenant-5

3.000 Meilen durch die eisige Wildnis – dann Rache!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Leonardo DiCaprio und/oder Tom Hardy sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 151 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Revenant
USA 2015
Regie: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Alejandro González Iñárritu, Mark L. Smith nach dem Roman „Der Totgeglaubte: Eine wahre Geschichte“ von Michael Punke
Besetzung: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Lukas Haas, Paul Anderson, Kristoffer Juan
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Twentieth Century Fox

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: