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Winterhawk – Die Rache des Häuptlings

Winterhawk

Von Volker Schönenberger

Western // In the history of mankind, there has been no race of men who have lived with more passion, poetry and nobility than the American Indian of the 19th Century. Never have there been braver knights, more reckless horsemanship, such tragic nobility … Bound together by some strange enchantment that dismissed all misery and poverty, blending the reality of the great outdoors with fantasy, rituals, spirits and dreams, the have created a sober history that will never die; poetry made of blood, not flowers, that will touch a light to the spirit as long as America is remembered … To this magnificent race of men and women – – – the American Indian – – – this picture is respectfully dedicated.

Ein edler Häuptling – Winterhawk

Leidenschaft, Poesie und Edelmut zeichnen die Indianer Nordamerikas also mehr aus als jedes andere Volk. Nun ja. Nach dieser die Ureinwohner des Kontinens vielleicht etwas überhöhenden Widmung per Texteinblendung sehen wir Häuptling Winterhawk (Michael Dante), der seinen Sohn betrauert – der Junge ist der unter dem Stamm der Schwarzfuß-Indianer grassierenden Pocken-Epidemie zum Opfer gefallen. Sein weißer Freund Guthrie (Leif Erickson) rät ihm, zu den Weißen zu gehen, um ein Heilmittel zu erhalten. Kurz darauf erklärt uns eine Stimme aus dem Off die historische Einordnung: Im Sommer 1840 fielen mehr als die Hälfte aller Schwarzfuß-Indianer einer Pockenepidemie zum Opfer. Ich war damals ein junges Mädchen, und das Land war bekannt als Indianer-Territorium. Später kamen die langen Wagentrecks mit Siedlern, die ihr Glück im Westen suchten. Cowboys trieben riesige Rinderherden heran und verdrängten die Büffel von ihren saftigen Weiden. Und 49 Jahre später wurde aus dem Indianer-Territorium der Staat Montana. Aber in meiner Jugend gehörten der weite Himmel und das Land dem Adler, dem Elch, dem Büffel und dem Bären. Die Menschen, die hier lebten, gehörten genauso zu diesem Land wie der Wind und die Sonne. Etwas weiter nördlich begann Kanada, wo die stolzen und unnahbaren Stämme der Schwarzfuß-Indianer wie Schatten mit der Landschaft verschmolzen. Viele Generationen lang erzählte man sich an den Lagerfeuern die Legende von einem großen jungen Schwarzfuß-Häuptling und einem weißen Mädchen. Ich war dieses Mädchen, und der Schwarzfuß-Häuptling hieß Winterhawk.

Trapper lauern Indianern auf

Hm – so viele Generationen können seit den Ereignissen nicht ins Land gezogen sein, wenn ein damals beteiligtes Mädchen sie noch nacherzählen kann, aber vielleicht bin ich da kleinlich. Jedenfalls erreicht Winterhawk mit ein paar Begleitern eine Siedlung der Weißen. Als er die Krankheit erwähnt, weichen die Menschen entsetzt zurück. Ein paar Trapper bedeuten ihm, ihnen zu folgen, sie würden ihn zu einem Mann führen, der über das Heilmittel verfüge – doch sie legen einen Hinterhalt und erschießen Winterhawks Begleiter, um die Felle zu stehlen, die die Indianer zum Tauschen mitgebracht haben. Nur knapp entrinnt der Häuptling demselben Schicksal. Im Gegenzug entführt er die junge Clayanna Finley (Dawn Wells) und ihren Bruder Cotton (Chuck Pierce Jr.).

Aufbruch, um Medikamente zu besorgen

In „Grauadler“ ließ Regisseur Charles B. Pierce die Indianer 1977 eher als Staffage erscheinen. Zwei Jahre zuvor machte er das mit „Winterhawk“ besser. Beide Filme nehmen die Perspektive der nordamerikanischen Ureinwohner ein, doch nur „Winterhawk“ inszeniert sie als bedeutsame Figuren des Westens, denen übel mitgespielt wurde. Beide Western kommen jedoch merkwürdig bieder daher, auch „Winterhawk“ zeigt sich trotz ein paar böser Szenen gänzlich unbeeinflusst vom Jahre zuvor aus Europa herübergeschwappten Italowestern mit seinen zynischen Antihelden. Dafür bemüht sich der Film um eine aufrichtig sympathisierende Haltung gegenüber den Indianern, wobei ich das zwiespältig auslegbare „bemüht“ bewusst gewählt habe.

Ansprechende Landschaftsaufnahmen

Einen großen Pluspunkt bietet die Kameraarbeit von James W. Roberson, der auch bei Pierces Regiearbeiten „Der Umleger“, „Herbststürme“ (beide 1976) und „Grauadler“ fürs Bild zuständig war. In Colorado und Montana zum Teil in Indianer-Reservaten gedreht, zeigt „Winterhawk“ prächtige Landschaftspanoramen, schön anzuschauen, keine Frage. Mit Darstellern wie Leif Erickson, Woody Strode, Elisha Cook Jr., Arthur Hunnicutt und anderen wartet der Western mit einigen Genre-erfahrenen Akteuren auf, von denen es jedoch keiner zu nachhaltigem Ruhm gebracht hat – sonst wären sie womöglich nicht in einem Mittsiebziger-Werk von Charles B. Pierce aufgetaucht. Auch der Winterhawk verkörpernde Michael Dante hat die hinteren Reihen der Schauspielgilde nie verlassen, das Elvis-Presley-Vehikel „Harte Fäuste, heiße Liebe“ („Kid Galahad“, 1962) markiert den bekanntesten Titel seiner Kino-Filmografie. Trotz lebendiger Story bleibt uns keine der Figuren groß in Erinnerung. So endet „Winterhawk“ mit seiner reduzierten und immerhin nicht symbolisch überfrachteten Story als Fußnote im Westerngenre, aus historischem Interesse einmal gut anzuschauen und dabei auch unterhaltsam, insgesamt aber doch unbedeutend und zügig dem Gedächtnis entfleuchend.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Charles B. Pierce sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Indianerin in Bedrängnis

Veröffentlichung: 9. Februar 2018 als Blu-ray, 29. Mai 2015 als DVD

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Winterhawk
USA 1975
Regie: Charles B. Pierce
Drehbuch: Charles B. Pierce
Besetzung: Michael Dante, Leif Erickson, Woody Strode, Denver Pyle, L. Q. Jones, Elisha Cook Jr., Seamon Glass, Dennis Fimple, Arthur Hunnicutt, Dawn Wells, Jimmy Clem
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2018 Pidax Film

 

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Mörderspinnen – William Shatner gegen das Kleingetier

Moerderspinnen-Cover

Kingdom of the Spiders

Von Volker Schönenberger

Horror // Endlich wieder da! Wer will schon 20 Euro für eine herkömmliche DVD ausgeben? „Mörderspinnen“ hat seine Fangemeinde, die im Handel lange vergriffene DVD von 2004 ist in den einschlägigen Gebrauchtwarenkanälen einfach zu teuer gewesen. Lobenswert, dass Koch Media sie nun wiederveröffentlicht, wenn auch ohne nennenswerte Neubearbeitung. Auf eine Blu-ray hat der Vertrieb gleich ganz verzichtet, aus was für Gründen auch immer.

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Spinnen …

Das erste Opfer ist ein Kalb, das für Farmer Walter Colby (Woody Strode) einen Preis bei einer Viehschau gewinnen sollte. Tierarzt Robert „Rack“ Hansen (William Shatner) findet keine Todesursache und schickt deshalb eine Blutprobe zur Untersuchung. Bald trifft die Entomologin Diane Ashley (Tiffany Bolling) ein, denn im Blut des Tiers fand sich ein Spinnengift in hoher Dosis. Colby berichtet daraufhin von einem großen Spinnenhügel in der Nähe seiner Farm. Doch das Abbrennen des Hügels bannt das Unheil keineswegs. Bald bricht es mit voller Wucht über das ländliche Verde Valley in Arizona herein.

Macho William Shatner als Tierarzt

William Shatner darf in „Mörderspinnen“ mit Inbrunst sein Macho-Image pflegen. Das beginnt mit der Szene, in der die eintreffende Diane Ashley den Tierarzt für einen Tankwart hält und von ihm spaßeshalber in dem Glauben gelassen wird. Logisch, dass seine anfangs zurückgewiesenen Annäherungsversuche später von Erfolg gekrönt sind – wer kann Captain Kirk schon widerstehen?

Die Spinnen-Apokalypse

Diese bisweilen unfreiwillig komisch anmutenden Szenen geben dem Film in Verbindung mit der Countrymusik eine Leichtigkeit, die einen reizvollen Kontrast zu dem Grauen bildet, das den Ort heimsucht, und das zum Finale geradezu apokalyptische Ausmaße annimmt. Das letzte Bild des Films ist zwar einerseits albern, andererseits in seiner Konsequenz geradezu sensationell. Als ich den Film irgendwann in den 80ern als Jugendlicher zum ersten und bis zur jetzigen Sichtung letzten Mal schaute, war ich jedenfalls am Ende nachhaltig beeindruckt. Ganz so sehr ging es mir nun beim zweiten Mal nicht mehr, ihre Horror-Wirkung entfalten die „Mörderspinnen“ aber nach wie vor.

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… und Spinnen …

Dass der Mensch für die Spinnenattacken letztlich selbst die Verantwortung trägt, darf in einem solchen Film natürlich nicht unerwähnt bleiben: Der massenhafte Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln habe die Spinnen ihrer Nahrungsgrundlage beraubt, der Angriff auf Säugetiere und Menschen sei da nur die logische Folge – so die etwas krude These, an der wir uns im Tierhorror-Genre aber nicht stören. Das in den 70er-Jahren aufkommende Umweltbewusstsein schimmert in diesem ebenso wie in anderen Filmen der Ära schon durch.

Vorbilder „Die Vögel“ und „Der weiße Hai“

Hitchcocks „Die Vögel“ und Spielbergs „Der weiße Hai“ standen in mancherlei Hinsicht ebenso Pate wie die alten Horrofilme der 50er-Jahre, wie auch Autor Stephen Lodge im Interview im Bonusmaterial der DVD erwähnt. Die Monstren sind keine Fabelwesen, sondern in der Natur vorkommende Kreaturen.

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… und Spinnen …

Die wie aus dem Nichts kommende Bedrohung weist in der Tat Ähnlichkeiten zu „Die Vögel“ auf. Ist in der „Weiße Hai“ die Sorge um den Tourismus Auslöser der Verharmlosung der Bedrohung seitens der Stadtherren, so ist es in „Mörderspinnen“ die bevorstehende Landwirtschaftsausstellung, die den Bürgermeister veranlasst, die Gefahr herunterzuspielen. Bekannte Versatzstücke also, die aber einen schönen Mix ergeben. Auch der 50er-Jahre-Horror ist zu bemerken. In den 50ern war es die Angst vor der atomaren Eskalation des Kalten Kriegs, die manchen Gruselfilmen einen Subtext gab, in den 70ern eben das aufkommende Bewusstsein um die Schädigung der Umwelt durch uns Menschen.

Dem Tierschutz zum Trotz: Echte Spinnen in großer Zahl

Den größten Reiz gewinnt der Film aber dadurch, dass bei den Dreharbeiten massenhaft echte Spinnen eingesetzt worden sind – 5.000 bis 10.000 Exemplare, wie wir im Bonusmaterial der DVD von Spinnentrainer Jim Brockett erfahren, der für die Tiere verantwortlich war. Angesichts verschärfter Tierschutzbestimmungen ist etwas Vergleichbares heute sicher nicht mehr möglich.

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… und Spinnen

Bei ihrer schieren Vielzahl ließen sich ein paar zermatschte Spinnen nicht vermeiden, wie Brockett auch einräumt. Da sich das nicht mehr rückgängig machen lässt, freuen wir uns einfach an den tollen Spinnenszenen. Wie mögen sich die Schauspieler dabei gefühlt haben? Auch ohne Spinnenphobie dürften viele Szenen Überwindung gekostet haben. Angeblich hat Tiffany Bolling ihre Hauptrolle erhalten, weil sie die einzige Frau war, die beim Vorsprechen angesichts einiger Spinnen cool blieb. Shatner wird sich mit seinem Kerl-Image sicher keine Blöße gegeben haben. Oder war er am Ende der größte Schisser?

Spinnenphobiker, schaut lieber weg!

Spinnenphobiker sollten „Mörderspinnen“ besser meiden, einige Szenen sind doch sehr intensiv geraten. Von Konfrontationstherapie halte ich ohnehin nichts. Wer bei Spinnen lediglich ein übliches und nicht krankhaftes Schaudern verspürt, darf für wohligen Grusel mit ein paar älteren Einflüssen gern hinschauen. „Mörderspinnen“ ist eine Perle des 70er-Jahre-Horrors, selten im Fernsehen, nun endlich wieder im Handel.

Eine interessante Personalie offenbart der Blick auf die Credits beim Schnitt: Cutter Steven Zaillian machte sich später als Drehbuchautor einen Namen, für sein Skript zu Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ erhielt er 1994 Oscar und Golden Globe.

Koch Media beginnt mit der Wiederveröffentlichung von „Mörderspinnen“ eine Reihe mit dem Titel „Creature Feature“. Als Teil 2 ist Joe Dantes „Piranhas“ von 1978 vorgesehen, der am 23. Juli erscheinen soll, auch als Blu-ray. Das weckt die Vorfreude. Die Reihe „Creature Feature“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit William Shatner sind unter Schauspieler zu finden.

Veröffentlichung: 28. Mai 2015 als DVD

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Kingdom of the Spiders
USA 1977
Regie: John „Bud“ Cardos
Drehbuch: Richard Robinson, Alan Caillou, nach einer Originalgeschichte von Jeffrey M. Sneller und Stephen Lodge
Besetzung: William Shatner, Tiffany Bolling, Woody Strode, Lieux Dressler, David McLean, Natasha Ryan, Marcy Lafferty, Hoke Howell, Altovise Davis, Joe Ross
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Interview mit William Shatner, Interview mit Autor Stephen Lodge, Der Spinnen-Trainer, Behind the Scenes, deutscher Trailer, englischer Trailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

 

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