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Gewinnspiel: 2 x Blutiger Strand auf Blu-ray

Verlosung

Während des Zweiten Weltkriegs erstürmen US-Soldaten eine von Japanern gehaltene Insel. Es entbrennt ein blutiges Gemetzel. Das Label explosive media hat das herausragende Kriegsdrama „Blutiger Strand“ (1967) von und mit Cornel Wilde als Blu-ray und DVD veröffentlicht, der Vertrieb Koch Films hat uns davon zwei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Da „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress): Wer möchte, darf mir im Gewinnfalle gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Dies ist aber völlig freiwillig und keine Teilnahmevoraussetzung. Nicht freiwillig, sondern verbindlich hingegen: Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 17. Januar 2021, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf von zwei Wochen nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Christian Anger,
– Christoph.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Blutiger Strand“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

 

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Blutiger Strand – Warum kennt den keiner?

Beach Red

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Ein paar infernalische Aufnahmen von Bombeneinschlägen und -explosionen eröffnen den im Zweiten Weltkrieg angesiedelten „Blutiger Strand“. Ihnen folgt der Vorspann mit den bittersüßen Klängen des wunderschönen Titelsongs, geschrieben vom philippinischen Komponisten Antonio Buenaventura (1904–1996), gesungen von der im Film auch in Rückblenden mitwirkenden Schauspielerin Jean Wallace (1923–1990). Dieser Vorspann bietet mit der Musik und seinen teils idyllischen, gemalten Bildern eine reizvolle Einstimmung auf das Kommende. Dabei handelt es sich anscheinend um Motive aus dem US-amerikanischen und japanischen Zivilleben, die gespickt sind mit ebenfalls gemalten Ansichten von Soldaten im tödlichen Kriegsgeschehen. Eine gelungene Idee und gleichsam eine feine Antikriegsbotschaft gleich zu Beginn.

Angriff!

Das letzte Motiv schwenkt mit einem simplen und deshalb umso bemerkenswerteren Trick über zu den Bewegtbildern einer Einheit von US-Soldaten: Das letzte Bild wurde mit ein paar davor stehenden GIs abgefilmt. Diese bereiten sich an Bord eines Truppentransporters auf die Erstürmung einer von den Japanern gehaltenen philippinischen Insel vor. Die amerikanische Artillerie hat das Gebiet zuvor ausgiebig unter Beschuss genommen, dennoch ist mit heftiger Gegenwehr zu rechnen. Mit diesem Wissen besteigen die Soldaten unter der Führung von Captain McDonald (Cornel Wilde) die Landungsboote. Viele von ihnen werden die Attacke nicht überleben. Während die Kriegsschiffe weiter die Geschützrohre in Richtung Land glühen lassen, nähert sich eine Armada aus randvoll mit Soldaten bestückten Booten dem Ufer, das alsbald ein blutiger Strand werden wird.

Inspiration für Steven Spielberg

Wie mag sich ein Soldat fühlen, der im brusthohen Wasser ausgesetzt wird und von dort unter feindlichem Gewehr- und Granatfeuer ohne jede Chance auf Deckung an Land waten muss, während er links und rechts von sich reihenweise getroffene Kameraden in den Fluten versinken sieht? Man mag es sich nicht vorstellen und will auf keinen Fall je in eine solche Lage kommen. 1998 bekam das Filmpublikum davon weltweit mit der legendären Einstiegssequenz von „Der Soldat James Ryan“ einen Eindruck. Näher konnte man sich vor der Kinoleinwand dem tödlichen Geschehen an den Stränden der Normandie sicher nicht fühlen. Sonderbar, dass „Blutiger Strand“ im Zuge des Erfolgs von Steven Spielbergs Invasions-Epos keine Aufmerksamkeit bekommen hat (sofern mich meine Erinnerung nicht täuscht), hat sich Spielberg doch speziell bei erwähnter Erstürmungssequenz klar von Cornel Wildes 1967er-Regiearbeit inspirieren lassen. Für die damalige Zeit fallen die Bilder denkbar drastisch aus – ein abgetrennter Fuß treibt im Wasser, eine japanische Granate fetzt einem GI den Arm ab (der Bedauernswerte steht sogar noch auf und wankt ein paar Schritte, bevor er einem Sanitäter in die Arme fällt). Die Intensität der Bilder ist beachtlich und die Beklemmung spürbar.

Die GIs rücken vor …

Gedreht wurde „on Location“ auf den Philippinen und in Japan – natürlich die richtige Entscheidung für einen Film, der den Schmutz des Kriegsgeschehens zeigen will. Bei den Darstellern der japanischen Soldaten handelte es sich tatsächlich um Angehörige der philippinischen Armee. Der Regisseur lässt uns per Stimmen aus dem Off an den Gedanken einzelner Soldaten teilhaben. Der eine hofft, Nahkämpfen mit Bajonetten ausweichen zu können, der andere sinniert darüber, wie er sich mit einer leichten Wunde in den Heimaturlaub retten kann. Zwischendurch bekommen wir die Ängste und Träume der Soldaten auch als Fotografie/Standbild und teils auch in Bewegtbildern zu sehen, beispielsweise in der Abbildung von Captain McDonalds Ehefrau Julie (Cornel Wildes Ehefrau Jean Wallace). Wir lernen somit viel über die Ängste der GIs, über vereinzelte Soldaten auch Persönliches.

Der Kriegsgegner als Mensch

Bemerkenswert für einen US-Kriegsfilm der 1960er, dass auch der Feind zu seinem Recht kommt, als Mensch mit denselben Ängsten dargestellt zu werden. Ein japanischer Soldat streckt einen GI mit dem Bajonett nieder, erschrickt im selben Moment über das, was er da gerade getan hat, und bekommt sogleich selbst ein Messer in den Leib gerammt. Und während er seinen letzten Atemzug tut, denkt er an Frau und Kind daheim – beide bekommen wir als Fotografien zu sehen. Wen das kaltlässt, der hat kein Herz, und die Szene hat seinerzeit hoffentlich auch in den US-Kinos ihre Wirkung nicht verfehlt.

… und setzen auch Flammenwerfer ein

Natürlich bleibt Wilde vornehmlich bei den US-Soldaten. Eine nahezu gleichberechtigte Betrachtung beider Seiten wie in Clint Eastwoods 2006er-Regiedoppel „Flags of Our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“ wird nicht geboten, dafür war in den 1960er-Jahren die Zeit wohl noch nicht reif. Gleichwohl hebt sich „Blutiger Strand“ wohltuend von vielen Hollywood-Kriegsfilmen seit Ende des Zweiten Weltkriegs ab, in denen aufrechte Recken heldenhaft in den Einsatz ziehen und Krieg geradezu ein Abenteuer ist, das nur darauf wartet, von echten Kerlen bewältigt zu werden. Nichts gegen diese Art Kriegsfilm, die schaue ich auch sehr gern, aber sie fallen doch oft arg kriegsbejahend aus. Zugegebenermaßen erscheint es in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg auch nachvollziehbar, es zu bejahen, gegen Hitler-Deutschland oder das kaiserliche Japan in den Kampf zu ziehen. Umso bemerkenswerter, dass es Cornel Wilde augenscheinlich überhaupt nicht darum ging, eine ideologische Rechtfertigung zu liefern. Stattdessen bleibt der Hintergrund des Pazifikkriegs in „Blutiger Strand“ irrelevant, die weltpolitische Gemengelage unerwähnt. Wilde bricht die große Auseinandersetzung auf die Soldaten herunter, die ihr Leben lassen. Das tut er ohne Pathos, verzichtet über weite Strecken auch auf musikalische Untermalung und lässt die Bilder für sich wirken.

Antikriegsfilm?

Macht das „Blutiger Strand“ zu einem Antikriegsfilm? Eine heikle Frage, die ebenso schwer zu beantworten ist, wie bei vielen großartigen Kriegsfilmen mit kritischer Botschaft. Meines Erachtens ist Cornel Wildes pazifistische Botschaft deutlich zu erkennen (er schrieb übrigens auch am Drehbuch mit). Krieg ist ihm ein Gräuel, und er missbilligt es, dass der Krieg zuhauf gewaltsame Tode verursacht. Das Problem dabei ist der Fokus auf die Kampfhandlungen, und diese fallen nun mal – bei aller abstoßender Gewalt und Tragik – auch faszinierend aus. Vielleicht entspricht es der Quadratur des Kreises, einen Antikriegsfilm zu drehen, in welchem die Darstellung der militärischen und kämpferischen Auseinandersetzung einen gewichtigen Anteil ausmacht. Das ändert nichts an der meines Erachtens herausragenden Qualität von „Blutiger Strand“, der viel mehr Bekanntheit verdient hat.

So schnell gibt ein Japaner nicht auf

Die inneren Monologe der Soldaten erinnern an Terrence Malicks epochales Pazifik-Kriegs-Epos „Der schmale Grat“ (1998). Der Filmwissenschaftler und Publizist Prof. Dr. Marcus Stiglegger schreibt in seinem Essay „Spirituelle Reise durch eine verschwindende Welt – Der Kriegsfilm ,Der schmale Grat‘ als existenzialphilosophischer Essayfilm“ (erschienen in Stigleggers Essay-Band „Jenseits der Grenze – Im Abseits der Filmgeschichte“, 2019) über „Blutiger Strand“: … montierte er [gemeint ist Cornel Wilde] mitten in die Kampfszenen subjektive Erinnerungsbilder der Soldaten und legte ihre Off-Kommentare über die Bilder – eine Technik, die Malick für seinen Film übernahm. Es ist allerdings nicht bekannt, ob er „Blutiger Strand“ kannte. Die blutigen Kampfszenen bei der Landung auf der Pazifikinsel nahmen zudem den Anfang von Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ (1998) vorweg. Cornel Wildes Regiearbeiten sind also doch vereinzelten Filmkennern ein Begriff. Auf meine Frage, weshalb „Blutiger Strand“ so wenig präsent sei, äußerte Stiglegger mir gegenüber, er denke, Cornel Wilde werde in Deutschland sehr unterschätzt und als Exploitationregisseur missverstanden. Das mag sein, umso besser, dass sich das Label explosive media des Films angenommen und ihn in guter Bild- und Tonqualität auf Blu-ray und DVD veröffentlicht hat. Etwas mehr Bonusmaterial hätte ich mir gewünscht: Außer einem Trailer und einer Bildergalerie findet sich lediglich ein kurzes Interview mit Cornel Wilde, das obendrein keine erhellenden Informationen liefert. Wir erfahren lediglich, dass Wilde ein bodenständiger Typ ohne Jet-Set-Allüren war.

Cornel Wilde – Schauspieler, Produzent, Regisseur

Der als Sohn jüdischer Eltern in Ungarn geborene Cornel Wilde (1912–1989) war hauptsächlich Schauspieler. Seinen 69 Schauspieler-Credits in der IMDb stehen lediglich neun Regiearbeiten gegenüber. Für seine Rolle als Frédéric Chopin in King Vidors „Polonaise“ („A Song to Remember“) wurde er 1946 für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. 1960 erhielt er seinen Stern auf dem „Walk of Fame“. Mit seiner Ehefrau Jean Wallace hatte er in den 1950er-Jahren die Produktionsfirma Theodora Productions gegründet, um selbst Filme produzieren und inszenieren zu können. In seinen Regiearbeiten spielte er gern die Hauptrolle, so auch im zwei Jahre vor „Blutiger Strand“ entstandenen „Der Todesmutige“, einem außergewöhnlichen, in Afrika angesiedelten Survival-Abenteuer. Cornel Wilde – ein Schauspieler und Regisseur, den es hierzulande offenbar zu entdecken gilt. Welche weiteren Filme mit ihm auf dem Regiestuhl oder in tragender Rolle könnt Ihr empfehlen? Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Cornel Wilde haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Ein Verwundeter wird versorgt

Veröffentlichung: 8. Oktober 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Beach Red
USA 1967
Regie: Cornel Wilde
Drehbuch: Clint Johnston, Don Peters, Cornel Wilde (als Jefferson Pascal), nach einem Roman von Peter Bowman
Besetzung: Cornel Wilde, Rip Torn, Burr DeBenning, Patrick Wolfe, Jean Wallace, Jaime Sánchez, Dale Ishimoto, Genki Koyama, Gene Blakely, Michael Parsons, Norman Pak, Dewey Stringer, Fred Galang, Hiroshi Kiyama, Michio Hazama, Linda Albertano
Zusatzmaterial: Interview mit Cornel Wilde (2:35 Min.), Trailer, Bildergalerie, Wendecover
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 explosive media

 
 

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Die Kanonen von Navarone – Der Zweite Weltkrieg als Heldenreise

The Guns of Navarone

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Navarone – friedliche Insel unter der Sonne Griechenlands. Von wegen! Das Eiland existiert überhaupt nicht. Alistair MacLean (1922–1987) dachte sie sich für seinen 1957 erstveröffentlichten Roman „Die Kanonen von Navarone“ einfach aus. Vermutlich gab ihm das die Freiheit, das Gebiet, in welchem sich das Geschehen abspielt, nach seinem Gutdünken zu gestalten. Dem Vernehmen nach ließ sich MacLean von Ereignissen rund um die Schlacht um Leros während des Dodekanes-Feldzugs inspirieren. Im September und Oktober 1943 hatten dort die deutsche Wehrmacht und alliierte Streitkräfte um die Vorherrschaft in der östlichen Ägäis gekämpft. Die Inselgruppe Dodekanes blieb bis Kriegsende unter deutscher Besetzung. Zu ihr gehören unter anderem die Inseln Rhodos, Karpathos, Kos und Leros. Seinerzeit italienisches Hoheitsgebiet, wurden sie als Folge der auf der Pariser Friedenskonferenz ausgehandelten Verträge an Griechenland abgegeben.

Mission in der Ägäis

1943 sitzen 2.000 britische Soldaten auf der zwei Kilometer vor türkischem Festland gelegenen (und ebenfalls fiktiven) Insel Kheros fest. Im fernen Berlin hat das Oberkommando der Wehrmacht derweil beschlossen, in der Ägäis die Muskeln spielen zu lassen, um die Türkei zu nötigen, sich den Achsenmächten anzuschließen. Die britischen Truppen sollen in einem schnellen Schlag aufgerieben werden. Um sie zu retten, entsenden die Alliierten sechs Zerstörer, die sie aufnehmen sollen. Problem: Die Schiffe müssen den Kanal von Navarone passieren. Die Meerenge wird von zwei gewaltigen Kanonen der Wehrmacht kontrolliert, die dank Lasersteuerung höchst präzise und zielgenau funktionieren. Ein Versuch, die Geschütze mittels Luftangriffen zu zerstören, ist bereits unter hohen Verlusten gescheitert.

Captain Mallory (r.) übernimmt die Führung des Himmelfahrtskommandos

Es bleibt nur knapp eine Woche Zeit für ein Himmelfahrtskommando: Ein von Major Roy Franklin (Anthony Quayle) geführter Sabotagetrupp muss auf Navarone übersetzen, dort über schwierigste Felspassagen vorstoßen, in die von den Deutschen gehaltene Festung eindringen und die Kanonen ausschalten. Dafür braucht’s den neuseeländischen Bergsteiger Captain Keith Mallory (Gregory Peck), der Erfahrung mit verdeckten Operationen im Feindesland hat. Der hält das Unternehmen zwar für undurchführbar, erklärt gleichwohl aber seine Bereitschaft.

Erfahrene Männer auf Himmelfahrtskommando

Der Sprengstoffexeperte Corporal John Anthony Miller (David Niven) schließt sich dem Trupp an, um den explosiven Part der Mission zu übernehmen. Mit dem ebenfalls teilnehmenden griechischen Colonel Andrea Stavrou (Anthony Quinn) verbindet Mallory ein tragisches Kriegsereignis der jüngsten Vergangenheit. Der griechisch-amerikanische Spyros Pappadimos (James Darren) stammt von Navarone, sein Vater ist sogar Teil des dortigen Widerstands. Mit „Butcher“ Brown (Stanley Baker) vervollständigt schließlich ein Mann fürs Grobe das Unternehmen. Schon die Überfahrt nach Navarone verläuft alles andere als ereignislos. Auf dem Eiland eingetroffen gilt es, als Erstes ein senkrecht aufragendes Kliff zu bezwingen. Es wird nicht einfacher …

Oscar für die Spezialeffekte

Für sieben Oscars nominiert, darunter als bester Film und für die beste Regie, erhielt „The Guns of Navarone“ den Academy Award 1962 lediglich für die besten Spezialeffekte. Die Kategorie war seinerzeit noch nicht in visuelle Effekte und Toneffekte aufgeteilt, dennoch erhielten mit Bill Warrington (visuell) und Chris Greenham (Ton) zwei Effekt-Spezialisten die Trophäe. Bei den Golden Globes war der Film zuvor als bester dramatischer Film und für den besten Originalscore prämiert worden, der dort ebenfalls nominierte Regisseur J. Lee Thompson („Ein Köder für die Bestie“) ging leer aus. So nah kam er beiden Auszeichnungen nie wieder.

Helden gegen die Wehrmacht

Der Effekte-Oscar war verdient, Action-Spezialist Thompson lieferte mit dem kernigen Kriegs-Abenteuer die aufwendige Produktion einer klassischen Heldenreise ab. Kintopp alter Action-Schule, nicht auf Glaubwürdigkeit bedacht, sondern auf Spektakel. Wer das bellizistisch nennt, liegt sicher nicht falsch, aber das Kriegs-Kino im Vereinigten Königreich und in Hollywood gleichermaßen setzte seinerzeit verstärkt auf solche martialischen Töne. Und natürlich fällt es leichter, die Darstellung des Kampfes gegen die Wehrmacht und Nazi-Deutschland positiv in Szene zu setzen, als sie mit allzu vielen Antikriegs-Zwischentönen zu würzen. So entwickelte sich „Die Kanonen von Navarone“ zu einem Klassiker der Kriegs-Action und steht in einer Reihe mit Filmen, die den Einsatz einer begrenzten Schar von Helden gegen die Wehrmacht und das „Dritte Reich“ zeigen. „Das dreckige Dutzend“ (1967) und „Agenten sterben einsam“ (1968, ebenfalls eine MacLean-Verfilmung) sind da beispielhaft zu nennen, ebenso „Stoßtrupp Gold“ (1970), bei dem es den Protagonisten um Clint Eastwood allerdings eher um schnöden Mammon geht.

Die Festung von Navarone erscheint uneinnahmbar

Aus heutiger Perspektive bemerkenswert erscheint eine Szene, in der es gilt, eine Verräterin zu erschießen, weil sie als Gefangene ebenso wie als Zurückgelassene die Mission gefährden würde. Unmittelbar bevor ein Mann diese Aufgabe widerwillig übernimmt, erledigt kurzerhand eine andere Frau den schmutzigen Job. Der Protagonist sollte offenbar unbefleckt bleiben, während man es schon eher hinnehmen konnte, dass eine Frau eine andere Frau tötet.

Der ehrbare Wehrmachtssoldat, der fiese SS-Mann

Ebenso auffällig fand ich die Sicht auf die deutschen Feinde in einer Szene, in der es um das Herauspressen von Informationen geht: Während sich der Wehrmachtsoffizier als durchaus ehrenhaft zeigt und davor zurückschreckt, Gefangene zu foltern, hat ein SS-Mann derlei Skrupel natürlich nicht. Dies erinnert mich frappierend an die in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit verbreitete Sichtweise, die Wehrmacht von Kriegsverbrechen reinzuwaschen und alles auf „die Nazis“ zu schieben. Der „brave Landser“ habe nur seine Pflicht getan, für die Verbrechen an der Front seien die SS oder die Einsatzgruppen verantwortlich gewesen. Wie sehr diese Sichtweise auch das Kriegs-Kino im angelsächsischen Sprachraum durchdrungen hat, ist eine genaue Untersuchtung wert (die es schon geben mag, mir aber nicht bekannt ist).

Erste Alistair-MacLean-Verfilmung

Für den Bestseller-Autor Alistair MacLean bildete „Die Kanonen von Navarone“ den Auftakt als Vorlagengeber für mit Stars gespickte Verfilmungen. „Eisstation Zebra“ (1968) von John Sturges wartete mit Rock Hudson und Ernest Borgnine auf, der bereits erwähnte „Agenten sterben einsam“ (1968) mit Richard Burton und Clint Eastwood. Der Western „Nevada Pass“ (1975) zeigte Charles Bronson in der Hauptrolle. 1978 bekam auch die Roman-Fortsetzung von „Die Kanonen von Navarone“ eine Kino-Adaption spendiert: Auch „Der wilde Haufen von Navarone“ war mit Robert Shaw, Harrison Ford und Franco Nero prominent besetzt und hat Qualität.

Drehort Rhodos

Mit vielen Szenen „on location“ unter anderem auf Rhodos und für die damalige Zeit üppigem Budget von sechs Millionen Dollar gedreht, erwies sich „Die Kanonen von Navarone“ als Kassenknüller. Und obwohl sich das Kriegsfilmgenre seitdem deutlich weiterentwickelt hat, hat mir die erneute Sichtung anlässlich dieser Rezension wieder viel Freude bereitet. Der Klassikerstatus ist verdient.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von J. Lee Thompson haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Richard Harris, Gregory Peck und Anthony Quinn unter Schauspieler.

Die Saboteure geraten in die Gewalt des Feindes

Veröffentlichung: 27. Oktober 2011 als Blu-ray, 7. Februar 2008 als 2-Disc Award Winner Collection DVD, 7. November 2006 als 2-Disc Ultimate Edition DVD, 7. November 2000 als Collector’s Edition DVD

Länge: 156 Min. (Blu-ray), 151 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Guns of Navarone
GB 1961
Regie: J. Lee Thompson
Drehbuch: Carl Foreman, nach einem Roman von Alistair MacLean
Besetzung: Gregory Peck, Anthony Quinn, David Niven, Richard Harris, Anthony Quayle, Stanley Baker, James Darren, Irene Papas, Gia Scala, James Robertson Justice, Bryan Forbes
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Filmhistoriker Stephen J. Rubin, Audiokommentar mit Regisseur J. Lee Thompson, Das Widerstandsdossier von Navarone, Dokumentationen, Featurettes, Prolog, Botschaft von Drehbuchautor Carl Foreman
Label/Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & deutscher Packshot: © Sony Pictures Entertainment

 

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