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Justice League – And Justice for All

Justice League

Kinostart: 16. November 2017

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Die erste richtig große Hürde für das große Superheldenuniversum von DC. 2013 mit „Man of Steel“ gestartet, konnten die Recken rund um den Mann aus Stahl ihren Kino-Konkurrenten von Marvel nicht das Wasser reichen. Auch wenn „Wonder Woman“ dieses Jahr ein erstes Ausrufezeichen war, die heiß erwarteten „Batman v Superman – Dawn of Justice“ und Suicide Squad“ waren keine guten Filme – auch wenn sie einiges an Geld eingespielt haben. Nun soll das Team-up bekannter Comic-Helden dem DC Extended Universe einen weiteren Sprung nach vorn verschaffen.

Diana und Bruce sammeln Rekruten

Die Welt ist in großer Gefahr. Nach den Ereignissen aus „Batman v Superman“ sieht der finstere Steppenwolf (Ciarán Hinds) seine Zeit gekommen. Er will die Erde zu einem Abbild seines Heimatplaneten machen und so alle Lebewesen unterjochen. Gegen diesen übermächtigen Feind kommt niemand allein an. So müssen Batman / Bruce Wayne (Ben Affleck) und Wonder Woman / Diana Prince (Gal Gadot) ein Team aus Superhelden zusammenstellen. Dabei treffen sie auf den Herrscher der Meere Aquaman (Jason Momoa), den enorm schnellen Flash / Barry Allen (Ezra Miller) und einen Cyborg (Ray Fisher), der früher auf den Namen Victor Stone hörte. Doch kann diese bunt zusammengewürfelte Truppe den Außerirdischen besiegen?

Joss Whedon unterstützt Zack Snyder

„Justice League“ ist einer der besseren Filme aus dem DCEU, so viel sei zur Beruhigung gesagt. Seine bewegte Geschichte merkt man dem Film allerdings schon an. Nach einem tragischen Vorfall in der Familie zog sich Regisseur Zack Snyder zurück. Seinen Job in der Postproduktion übernahm Joss Whedon, der bereits den „Avengers“ seinen Stempel aufdrückte und auch hier einige Nachdrehs anberaumte. Diese beiden Männer haben unterschiedliche Herangehensweisen an die Superheldenstoffe, die nun beide im Film zu finden sind. Snyders Zeitlupen-Ästhetik mit pathetischen Dialogen passen allerdings besser als erwartet zu Whedons trockenem Humor, sodass Anhänger beider Lager zufrieden sein dürften.

Flash ist blitzschnell

Sein größtes Problem hat „Justice League“ bei den Figuren. Der Film muss drei Figuren etablieren, die den Nicht-Comic-Lesern höchstens aus dem Fernsehen bekannt sind. Und auch wenn Cyborg, Flash und Aquaman durchaus schöne Auftritte spendiert bekommen – ein richtiges Gespür für ihre Charaktere bekommt man nie. Hier ist Flash als überforderter Teenie noch am einfachsten zuzuordnen. Man freut sich förmlich, altbekannte Gesichter zu sehen, auch wenn sowohl Batman als auch Wonder Woman in dem Ensemble untergehen.

Ist das jetzt die Justice League?

So geht das Team-up dann auch gehörig baden. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass sich jetzt gerade die Justice League geformt hat. Gerade das Finale wirkt sehr aufgeteilt, nicht wie eine homogene Teamleistung. Das ist schade, gibt es doch bei allen gute Ansätze. Aber darüber geht der Film eben nie hinaus.

Cyborg ist zum Kampf bereit

Auch die Geschichte selbst ist absolut uninspiriert. Bösewicht will die Welt erobern, benötigt dafür besondere Objekte und so weiter und so fort. Es gibt den einen oder anderen Haken, der geschlagen wird und noch nicht aus den Trailern ersichtlich war – man hat wohl aus dem negativen Feedback zu „Batman v Superman“ und „Suicide Squad“ gelernt –, doch das reicht nicht, um von den blassen Figuren abzulenken. Gerade Steppenwolf als Antagonist ist lediglich dazu da, um Prügel auszuteilen oder einzustecken, mehr Szenen sind ihm nicht gegönnt.

Immerhin kein völliges Desaster

„Justice League“ krankt an zu vielen Dingen, um den Film wirklich als gut zu bezeichnen. Dennoch ist er kein völliges Desaster. Es gibt schöne Fan-Service-Momente, wie das Einspielen der alten Batman- oder Superman-Melodie, das CGI ist nicht ganz so schlimm wie nach den Trailern vermutet und hin und wieder darf sogar ein flotter Spruch losgelassen werden. Doch am Ende macht das den Film einfach nur egal – was vielleicht schlimmer ist, als wenn er schlecht wäre.

Aquaman, Herr der Meere

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Zack Snyder sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Amy Adams und/oder Jeremy Irons unter Schauspielerinnen bzw. Schauspieler.

Die Justice League vereint

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Justice League
USA 2017
Regie: Zack Synder
Drehbuch: Chris Terrino, Zack Snyder, Joss Whedon
Besetzung: Ben Affleck, Gal Gadot, Jason Momoa, Henry Cavill, Amy Adams, Connie Nielsen, Robin Wright, Ezra Miller, Ray Fisher, Ciarán Hinds, Diane Lane, Jeremy Irons, J. K. Simmons, Jesse Eisenberg, David Thewlis, Billy Crudup, Amber Heard, Joe Morton
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Warner Bros. Entertainment GmbH

 

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Batman v Superman – Dawn of Justice: Kommt, vertragt euch!

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Batman v Superman – Dawn of Justice

Kinostart: 24. März 2016

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Action // Lassen wir die Zerstörungsorgie von „Man of Steel“ kurz Revue passieren: Während des gnadenlosen Endkampfs zwischen Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon) gingen etliche Gebäude von Metropolis zu Bruch, darunter auch der Wayne Tower – nicht, dass ich das mitbekommen hätte –, in dem viele Menschen starben.

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Ein Superheld

Wayne Tower? Der gehört natürlich einem gewissen Bruce Wayne (Ben Affleck). Der Milliardär residiert in Gotham City und wacht dort als Batman über die Stadt. Die Haupthandlung von „Batman v Superman – Dawn of Justice“ setzt etwa anderthalb Jahre nach den Ereignissen von „Man of Steel“ ein. Bei den Pressevorführungen des Films wurde vor Beginn ein kurzer Spot eingespielt, in dem Regisseur Zack Snyder persönlich die anwesenden Filmkritiker eindringlich ermahnte, doch bitte nicht zu spoilern. Zu spät – ich habe euch bereits verraten, dass Bruce Wayne Batman ist. Und es geht weiter: Supermans geheime Identität ist die des Reporters Clark Kent! Da staunt Ihr, was?

Batman ist sauer auf Superman

Spaß beiseite, natürlich halte ich mich auch ohne Zack Snyders Ermahnung mit Spoilern zurück. Jedenfalls ist Bruce Wayne alias Batman nicht gut auf Superman zu sprechen. Der macht alles kaputt! Und überhaupt kann er mit seinen Superkräften nicht haushalten. Batmans größte Befürchtung: dass sich Superman irgendwann bewusst gegen die Menschheit richtet. Viele Bürgerinnen und Bürger teilen diese Haltung, sodass sich eine große öffentliche Debatte um den kostümierten Außerirdischen mit den übermenschlichen Kräften entwickelt.

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Noch einer

Ihr merkt schon: Bruce Waynes Motive wirken auf mich nicht ganz schlüssig, zumal er selbst bei der Verbrecherjagd nicht zimperlich vorgeht und sogar dazu übergegangen ist, Schurken das Fledermauslogo in die Haut zu brennen. Ein wenig soll da vielleicht das Nietzsche-Zitat durchschimmern, nachdem der Abgrund irgendwann zurückblicke, wenn man nur lange genug hineinblickt. Psychologisch ausgefeilt ist das nicht gerade, aber darauf kommt es bei diesen überdimensionalen Helden wohl auch nicht an.

Stelldichein der Stars

Die Besetzung ist namhaft: Aus „Man of Steel“ in die Fortsetzung geschafft haben es Amy Adams als Clark Kents Reporterkollegin Lois Lane, Laurence Fishburne als ihr Chefredakteur Perry White und Diane Lane als Clarks Adoptivmutter Martha Kent. Neu dabei: Holly Hunter als Senatorin Finch sowie Jeremy Irons als Bruce Waynes Butler Alfred Pennyworth, der seinem Chef all die schönen Fahrzeuge und Gadgets zusammenbastelt.

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Batman gegen Superman

Zwei Namen in der Besetzung sind im Vorfeld besonders kritisiert worden: zum einen Jesse Eisenberg („Zombieland“) als Supermans großer Antagonist Lex Luthor, der vielen Superman-Fans zu jung war, um einen glaubwürdigen Gegner auf Augenhöhe mit dem Kryptonier abgeben zu können. Da ist was dran, Eisenbergs jugendliches Aussehen irritiert etwas – vor allem vielleicht ältere Filmgucker wie mich, die mit dem Namen Lex Luthor in erster Linie Gene Hackman aus der 1978er-Verfilmung verbinden. An sich ist Jesse Eisenberg zwar ein guter Schauspieler, der das ausgleichen kann; leider ist seine Figur etwas zappelig angelegt, fast wirkt es wie Overacting. Über weite Strecken des Films erweckt Lex Luthor beinahe den Eindruck, lediglich als Katalysator für den unvermeidlichen Clash der titelgebenden Titanen zu fungieren. Dann jedoch … aber ich soll ja nicht spoilern.

Die Akte Affleck

Und dann ist da natürlich Ben Affleck. Der hat sich zwar mit „Gone Baby Gone“ (2007), „The Town – Stadt ohne Gnade“ (2010) und „Argo“ (2012) einen guten Namen als Regisseur gemacht, gleichzeitig scheint aber sein Renommee als Schauspieler arg gelitten zu haben. Kaum eine Personalie ist in den vergangenen Jahren so abfällig diskutiert worden wie die Entscheidung, Affleck als Batman zu verpflichten. Wie viele andere Shitstorms ist natürlich auch dieser unberechtigt. Affleck ist sicher nicht der beste Schauspieler, den man im Fledermauskostüm gesehen hat, auch der größte Charismatiker ist er nicht gerade. Dennoch gibt er einen überzeugenden Bruce Wayne, zumal wir es ja mit einem Fantasy-Actionfilm zu tun haben, bei dem Schauspielkunst zwar nicht völlig unwichtig ist, aber bei dem andere Zutaten doch einen höheren Stellenwert haben.

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Was plant Lex Luthor?

Auftritt Gal Gadot als Diana Prince alias Wonder Woman. Auch da will ich nicht zu viel verraten, also lieber gar nichts mehr. Lasst euch überraschen! Dann haben wir in Mini-Sequenzen noch den als Khal Drogo in „Game of Thrones“ bekannt gewordenen Jason Momoa als Arthur Curry alias Aquaman, Ezra Miller als Barry Allen alias The Flash sowie einen gewissen – aber lassen wir das. Und ist das da auf dem alten Foto nicht …?! Genug Futter, das die Neugier auf die kommenden Teile des DC Extended Universe wecken soll. Das klappt bedingt.

Warnung vor dem Trailer

Soeben habe ich endlich einmal die Trailer gesichtet – so viel, wie dort enthüllt wird, verrate ich nicht, Zack Snyder hat keinen Grund, mit mir zu schimpfen. Also Obacht beim Anschauen von Trailern!

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Bruce Wayne trifft die geheimnisvolle Diana Prince

Was ist von „Batman v Superman – Dawn of Justice“ zu halten? Immerhin nimmt sich der Film etwas Zeit, die Story in Fahrt zu bringen. Zeit hat er bei einer Lauflänge von zweieinhalb Stunden ohnehin mehr als genug. Es bleibt nicht ganz so arg der Eindruck einer Zerstörungsorgie hängen wie bei „Man of Steel“, gleichwohl auch in der Fortsetzung vieles zu Bruch geht. Wuchtige Bilder, untermalt vom gewohnt mächtigen und breiten Raum einnehmenden Hans-Zimmer-Soundtrack – das ist Effektkino sondergleichen, das genaue Gegenteil eines stillen Kammerspiels. Positiv zu Buche steht zudem, dass bei aller Urgewalt und der Masse an visuellen Effekten die Kämpfe nicht unübersichtlich geraten. Das hat manch anderer Blockbuster weit unerfreulicher gelöst.

Das DC Extended Universe nimmt Fahrt auf

Langeweile kommt nicht auf, unterhaltsam ist das allemal. Die vielen Fans von Comicverfilmungen werden die Kinosäle mit feuchten Höschen stürmen und mit nassen Hosen verlassen. Sie werden die Kasse klingeln lassen und auf diese Weise das DC Extended Universe in Aufbruchstimmung versetzen. So oder so nimmt es mit „Batman v Superman – Dawn of Justice“ richtig Fahrt auf. Ob die cineastische Umsetzung der DC Comics dem Marvel Cinematic Universe Paroli bieten kann, wird sich zeigen. Der DC-Antiheldenfilm „Suicide Squad“ kommt bereits im August. „Wonder Woman“ und „The Justice League Part One“ sind für 2017 angekündigt, „The Flash“ und „Aquaman“ für 2018, um nur die nächsten zu nennen. Das eine oder andere Batman-Soloabenteuer mag dazwischengrätschen, dem Vernehmen nach hat Ben Affleck bereits dafür unterschrieben. Vermutlich wird es für den Heimkinomarkt mehr als eine Langfassung geben. Zu „Batman v Superman – Dawn of Justice” hat Zack Snyder bereits eine angekündigt.

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Butler Alfred Pennyworth (r.) ist seinem Boss ein unersetzlicher Helfer

Zwei Comic-Helden-Universen bündeln auf Jahre hinaus Finanzkraft und Kreativität von Hollywood. Ob da noch viel Raum für innovatives Kino mit tollen Geschichten aus der Traumfabrik bleibt? Effektspektakel habe ich schon schlechtere gesehen. Wer inspiriertes oder inspirierendes Kino sucht, wird es unter den DC- und Marvel-Blockbustern nicht finden – aber dort vermutlich auch nicht danach suchen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Zack Snyder sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Amy Adams unter Schauspielerinnen, Filme mit Laurence Fishburne, Jeremy Irons und Michael Shannon in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 152 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Batman v Superman – Dawn of Justice
USA 2016
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Chris Terrio, David S. Goyer
Besetzung: Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Jeremy Irons, Gal Gadot, Jesse Eisenberg, Laurence Fishburne, Holly Hunter, Diane Lane, Callan Mulvey, Lauren Cohan, Jeffrey Dean Morgan, Michael Shannon
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2016 by Volker Schönenberger


Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Warner Bros. Entertainment Inc. / Ratpac-Dune Entertainment LLC and Ratpac Entertainment LLC

 

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Dawn of the Dead – So müssen Remakes sein!

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Dawn of the Dead

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Dass ihr Patient wegen einer vermeintlich leichten Bisswunde in der Hand auf die Intensivstation verlegt werden musste, lässt Krankenschwester Ana (Sarah Polley) am Ende einer überlangen Schicht nur kurz aufmerken. Beunruhigende Meldungen in Radio und Fernsehen blendet sie völlig aus. Das Grauen bricht morgens um 6.37 Uhr über sie und Ehemann Luis herein: Ein Nachbarsmädchen ist ins Haus eingedrungen und beißt Luis in den Hals. Er stirbt, kehrt unmittelbar darauf als rasender Wüterich ins Dasein zurück und attackiert Ana. Mit Müh und Not rettet sie sich aus dem Haus und fährt durch ihren bereits verwüsteten Vorort einer ungewissen Zukunft entgegen.

The Man Comes Around

Mit diesem flirrenden Prolog geht Zack Snyders Remake von George A. Romeros notorischem Klassiker „Zombie“ gleich in die Vollen. Im folgenden Vorspann erfahren wir zu den passenden Klängen von Johnny Cashs „The Man Comes Around“ mehr über die Seuche, die unmittelbar nach ihrem Ausbruch schon nicht mehr zu kontrollieren ist. Auf ihrer Flucht begegnet Ana dem Cop Kenneth (Ving Rhames). Mit ein paar anderen Überlebenden retten sich die beiden in ein – richtig – Einkaufszentrum.

Guter Tipp von Tom Savini

Achtet nach 25 Minuten auf die Fernseh-Übertragung, in der ein Sheriff namens Cahill verrät, wie die Kreaturen endgültig zu erledigen sind! Just shoot ’em in the head. Ein schönes Cameo von Splatter-Guru Tom Savini, der im Original den Machete schwingenden Rocker gab. Auch Ken Foree und Scott Reiniger aus dem Original haben Gastauftritte – Foree als Fernsehprediger, der den legendären Satz zitiert: When there is no more room in hell, the dead will walk the earth.

In meiner DVD-Hülle steckt noch die Rezension, die Gastautor Dirk Ottelübbert seinerzeit für die TV-Zeitschrift geschrieben hat, in der wir beide Redakteur waren. Pflichtfilm für Fans des harten Horrors und blutiges, rasantes und schnörkelloses Angstkino lautete damals sein Urteil – auch drastischer, entsetzlich guter Zombie-Reißer mit Hitpotenzial. In den mehr als zehn Jahren seit seiner Entstehung hat sich viel getan im Horrorgenre. Vor allem die Gewaltspirale hat sich nach oben gedreht, heute kommt Härteres ins Kino. Die atemraubenden Actionsequenzen von „Dawn of the Dead“ jedoch wirken nach wie vor auf der Höhe der Zeit.

Vision der Apokalypse

Die blutigen Details mögen angesichts späterer Exzesse wie der Torture-Porn-Reihen „Saw“ und „Hostel“ heute vergleichsweise harmlos erscheinen, tun aber ihren Dienst. Obligatorische Gruppenkonflikte unter den ums Überleben Kämpfenden treiben die Handlung voran, das ist nicht neu, aber anständig inszeniert. Das schon mit Prolog und Vorspann entworfene apokalyptische Szenario steht dem anderer Endzeit-Visionen im Horrorgenre auch heute in nichts nach.

Will man das Remake unbedingt mit dem Original vergleichen, ist zu konstatieren, dass es der Neuverfilmung zwangsläufig an Originalität mangelt – aber das ist ja ein grundsätzliches Problem von Remakes, wenn man es denn zum Problem machen will. Romeros zeitgenössischer Subtext ist natürlich vollständig weggewischt, aber auch das ließ sich ein Vierteljahrhundert später nun mal nicht vermeiden.

Snyder wollte kein politisches Statement abgeben, sondern beste Horror-Unterhaltung abliefern. Das ist ihm überaus stylish gelungen. Man muss Snyders Optik nicht mögen, seine künstliche Ästhetik missfällt vielen. Dass er Schein über Sein stellt, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber egal – wenn die untoten Horden heranrasen, sind schweißnasse Hände garantiert.

In Leichenstarre erlahmt oder als rasender Wüterich – Geschmackssache

Der augenfälligste Unterschied ist die Geschwindigkeit der Untoten: Bei Romero schlurfen die verwesenden Untoten, bei Snyder rennen sie in Raserei. Der Regisseur wollte auf diese Weise vermeiden, dass seine Kreaturen unfreiwillig komisch wirken. Ob lahm oder rasend, ist Geschmackssache. Als langjähriger Anhänger der Romero-Schule bevorzuge ich grundsätzlich zwar die langsamen Gesellen, die nur mühsam ihre Leichenstarre überwinden. Wenn die schnellen Wüteriche aber so virtuos in Szene gesetzt werden wie im Remake und auch bei Danny Boyles zwei Jahre zuvor entstandenen „28 Days Later“, soll es mir mehr als recht sein.

Speerspitze der Horror-Remakes

Für mich ist Romeros „Dawn of the Dead“-Original der ultimative Zombiefilm, was auch mit meiner Horrorfilm-Sozialisation zu tun hat (siehe hier). Snyders Neufassung aber hat als pure Horror-Action große Qualität und ist auf einer Rangliste von Horror-Remakes ganz weit vorn anzusiedeln, ebenso wie „The Crazies“ übrigens – noch so ein Romero-Remake.

Im optionalen Intro verrät Regisseur Zack Snyder über sein Spielfilm-Debüt, was ohnehin jeder weiß: Fürs Kino musste der Film etwas entschärft werden, in der „unrated“ Fassung darf mehr gesplattert werden. Auch ein paar Charakterszenen sind im Director’s Cut hinzugekommen. Insgesamt schlägt die Langfassung mit neun Minuten mehr zu Buche und ist vorzuziehen. Beschaffungsprobleme gibt es glücklicherweise nicht, die harten Szenen haben seinerzeit die FSK problemlos genommen.

Blut kaschiert nackte Brüste

Da ich gerade beim Thema Zensur bin, sei ein Kuriosum erwähnt: Zu Beginn des Director’s Cuts sieht Ana durch die Windschutzscheibe ihres Autos eine nackte Frau umherirren. In den USA ist diese Szene entschärft worden, indem man auf die Windschutzscheibe einfach mehr Blut retuschierte, um die Brüste der Frau zu bedecken. Die deutsche DVD kommt ohne diese Prüderie aus, auf der deutschen Blu-ray allerdings sind die Brüste nicht zu sehen – High Definition mal anders.

Das Zusatzmaterial bietet einiges: „Das verlorene Band: Der Horror von Andys letzten Tagen“ zeigt eine viertelstündige Aufnahme des Waffenhändlers Andy (Bruce Bohne), der sich in Found-Footage-Manier selbst gefilmt hat. Sein Waffengeschäft liegt gegenüber vom Einkaufszentrum, in dem sich die anderen Überlebenden verschanzt haben. Ein 21-minütiger „Spezial-Report“ zeigt eine TV-Reportage über die Epidemie.

Der Kopfschuss als Königsdisziplin des Zombiefilms

Einige entfernte Szenen enthalten elf Minuten lang mehr Untoten-Action. Hinzu kommt ein knapp achtminütiges Featurette über Masken und Make-up der Zombies. Die Ausstaffierung der Statisten war angesichts der großen Zahl an Zombies ein hoher logistischer Aufwand. In „Zerreißende Kopfschmerzen: Anatomie explodierender Schädel“ geht es fünf Minuten lang um die Erstellung der Kopfschuss-Sequenzen. Insgesamt ein feines Bonuspaket, das den Hauptfilm prima ergänzt.

Es gibt sie ja, die Filmfans, die ausnahmslos keine Remakes schauen. Euch entgeht mit Zack Snyders „Dawn of the Dead“ einiges – selbst Schuld.

Gastautor Simon teilt meine positive Haltung zu diesem speziellen Remake allerdings nicht, weshalb wir uns für eine Doppelbetrachtung des Films entschieden haben. Zu Simons Rezension geht’s hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Zack Snyder sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. Oktober 2010 als Blu-ray, 19. August 2004 als DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch (Blu-ray weitere)
Untertitel: Deutsch, Englisch (Blu-ray weitere)
Originaltitel: Dawn of the Dead
USA/KAN/JAP/F 2004
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: James Gunn, nach dem Original-Drehbuch von George A. Romero
Besetzung: Sarah Polley, Ving Rhames, Mekhi Phifer, Jake Weber, Ty Burrell, Michael Kelly, Kevin Zegers, Matt Frewer, Lindy Booth, Jayne Eastwood
Zusatzmaterial: Intro von Regisseur Zack Snyder, Das verlorene Band: Der Horror von Andys letzten Tagen, Spezial-Report, „Untoten-Szenen“ mit optionalem Audiokommentar des Regisseurs, Die Toten erwecken, Angriff der lebenden Toten, Zerreißende Kopfschmerzen: Anatomie explodierender Schädel, Audiokommentar von Zack Snyder und Produzent Eric Newman, Trailer „Shaun of the Dead“
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

 
 

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