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Wenn der Wind weht – Tieftrauriges 80er-Plädoyer gegen Atomwaffen

When the Wind Blows

Von Volker Schönenberger

Zeichentrick-Kriegsdrama // „The Day After – Der Tag danach“ zeigte 1983 in einer heißen Phase des Kalten Kriegs auf drastische Weise die Folgen eines atomaren Angriffs auf eine US-Großstadt. Drei Jahre später ging der japanischstämmige US-Regisseur Jimmy T. Murakami mit der englischen Produktion „When the Wind Blows“ einen ganz anderen Weg: Sein Zeichentrickfilm konzentriert sich voll auf das Rentner-Ehepaar Hilda und Jim Bloggs, der Film spielt nahezu ausschließlich in dem Provinz-Häuschen nicht weit von London, das die beiden bewohnen.

Broschüre für den atomaren Ernstfall

Jim kehrt von seinem Besuch der örtlichen Bibliothek zurück, wo er sich in den Zeitungen über die „internationalen Entwicklungen“ informiert hat. Während sich der redselige ältere Herr aufgrund des drohenden Krieges durchaus Sorgen macht, gibt sich Hilda unverdrossen: „Ach weißt du, wir haben den letzten überlebt, wir werden auch den nächsten überleben. Es braucht schon mehr als ein paar Bomben, um mich kleinzukriegen.“ Nichtsdestoweniger beginnt Jim, das Haus für den Fall eines Atomschlags herzurichten. Wie das anzustellen ist, entnimmt er einer Broschüre des nationalen Zivilverteidigungsprogramms.

Dann kommt die Meldung im Radio: „Soeben ist ein feindlicher Raketenangriff auf unser Land erfolgt. Es wird damit gerechnet, dass die Raketen in etwa drei Minuten ihr Ziel erreichen.“ Jim schnappt sich seine Gattin, die das Geschehen nicht wahrhaben will, und verbirgt sich mit ihr in dem notdürftigen Verschlag, den er aus Türen des Hauses gebaut hat. Dann kommt der Atomschlag.

Ausbruch der Strahlenkrankheit

Die Eheleute Bloggs sind liebenswert und naiv, bisweilen zwar etwas nervig, aber man muss sie einfach lieb haben, so sehr kümmern sie sich umeinander. Mehr schlecht als recht richten sich die beiden im Schutt ihres Hauses ein. „Also ich seh‘ hier nichts“, erwidert Hilda auf Jims Bemerkung, er frage sich, ob hier irgendetwas strahle. Jim ist allerdings nicht viel besser, stellt bei einem Regenguss Behälter auf, um Trinkwasser zu sammeln: „Es gibt doch nichts Reineres als Regenwasser, das weiß jeder Mensch.“ Zum Bildungsbürgertum gehört das Ehepaar zweifellos nicht. Bald zeigen sich die ersten Symptome der Strahlenkrankheit.

Comic-Vorlage als Slideshow im Bonusmaterial

Der Film ist problemlos erhältlich und scheint auf DVD verschiedenfach bei uns veröffentlicht worden zu sein. Die mir vorliegende Fassung ist mit dem Logo „Screen Power Home Entertainment“ versehen. Sehr schön: Im Bonusmaterial findet sich in voller Länge als 100-minütige Slideshow die deutsche Version des Comics von Raymond Briggs, auf dem der Film beruht, ergänzt um ein 14-minütiges Interview mit dem Autor.

Die Bildqualität ist in Ordnung, beim Ton ist die englische Original-Tonspur in puncto Klangqualität der etwas dumpf klingenden deutschen vorzuziehen. Geschmackssache ist hingegen, ob einem die deutsche Synchronisation mit Brigitte Mira und Peter Schiff besser gefällt als die Originalfassung mit Peggy Ashcroft und Oscar-Preisträger John Mills („Ryans Tochter“). Beide Versionen bringen einem die schlichten, aber liebenswürdigen Gemüter der Eheleute nahe.

Titelsong von David Bowie

Den schönen Titelsong „When the Wind Blows“ steuerte David Bowie bei, den Score komponierte Roger Waters von Pink Floyd. Über weite Strecken kommt „Wenn der Wind weht“ aber ohne musikalische Untermalung aus. 2010 verarbeiteten Iron Maiden auf dem Album „The Final Frontier“ ihre Eindrücke aus dem Film mit dem Song „When the Wild Wind Blows“.

Murakami hat seinem Zeichentrickfilm ein paar Realfilm-Schnipsel beigemengt. Angesichts der Vielzahl moderner, am Computer entstandener Animationsfilme wirkt der Zeichenstil zwangsläufig etwas altbacken, das nimmt dem Endzeitdrama aber überhaupt nichts von seiner Intensität. Dem Sterben von Hilda und Jim zuzusehen, bewegt zutiefst. Insofern ist „Wenn der Wind weht“ ein ebenso nachdrückliches Plädoyer gegen Atomwaffen, wie es „The Day After – Der Tag danach“ ist. Der letzte Einfall im Leben der Bloggs’ ist ein Gebet.

Veröffentlichung: diverse als DVD

Länge: 80 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: When the Wind Blows
GB 1986
Regie: Jimmy T. Murakami
Drehbuch: Raymond Briggs, nach seinem eigenen Comic „Strahlende Zeiten“
Originalsprecher: Peggy Ashcroft, John Mills
Deutsche Sprecher: Brigitte Mira, Peter Schiff
Zusatzmaterial: Interview mit Raymond Briggs, Making-of, Comic-Slideshow, Artwork-Gallery
Vertrieb: diverse

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

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Bob Morane – Jugendfantasien in Serie

Bob Morane

Von Matthias Holm

Zeichentrick-Abenteuerserie // Roboter! Ninjas! Dinosaurier! Was sich wie der Traum eines kleinen Jungen liest, wurde 1998 im grandiosen Intro der Zeichentrick-Serie „Bob Morane“ zusammen gebracht. Und im Cartoon selbst versammeln sich auch die wildesten Geschichten – wer schon immer mal sehen wollte, wie sich ein ehemaliger Pilot der Royal Air Force mit Zeitreisen, verrückten Wissenschaftlern und einer unsterblichen Reinkarnation von Dschingis Khan herumschlägt, ist hier genau richtig.

Bob trifft auf Geister und Mythengestalten

Pidax Film veröffentlicht die Serie nun in zwei Volumes auf DVD. Dabei ist sie erstaunlich gut gealtert. Vor allem bei den Figuren ist ein äußerst kantiger Zeichenstil angewandt worden, der erst mal befremdlich wirkt. Doch so bekommen sie Alleinstehungsmerkmale, die sowohl die Helden als auch die Schurken nachhaltig im Gedächtnis bleiben lassen. Leider sieht man in den Hintergründen, dass es sich hierbei um eine französische Produktion handelt – mit amerikanischen Pendants jener Zeit kann die Serie optisch nicht mithalten.

Nach Vorlagen von Henri Vernes

„Bob Morane“ besticht aber nicht durch seinen Stil, sondern durch seine Geschichten. Ja, die Storys könnten alle so aus einem Groschenroman stammen. Und dieser Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt – die Serie basiert auf einer Romanreihe von Charles-Henri Dewisme alias Henri Vernes, die mehr als 200 Bände umfasst. Die Zeichentrick-Umsetzung ist dabei nicht die einzige Adaption des Stoffs, es gibt diverse Comics sowie eine 1964 und 1965 entstandene Realserie mit zwei Staffeln à 13 Folgen.

Auf Abenteuer mit Bill (l.) und Bob

So herrlich bescheuert sich das alles anhört, „Bob Morane“ nimmt sich immer ernst. Es gibt den einen oder anderen flapsigen Spruch – „Deine Chancen stehen 1 zu 100 Bob.“ „Na dann stehen sie doch gut, würde ich sagen“ – doch für eine Serie, die auf einem Kindersender lief, passieren erstaunlich düstere Dinge. Es geht um Atombomben, diverse Handlanger beißen ins Gras und in der ersten Folge verliert eine Figur gleich den ganzen Arm. So entsteht ein interessantes Gegengewicht zu anderen Kinderserien, die FSK-Freigabe ab 12 geht vollkommen in Ordnung.

Mit den deutschen Stimmen von Kevin Spacey und Kevin Costner

Interessant aus heutiger Sicht ist auch der Sprechercast. Jede Folge mit Ming, dem gelben Schatten ist ein Highlight, wird er doch von Till Hagen gesprochen – dem Sychronsprecher von Kevin Spacey, Ray Liotta und Kevin Kline. Auch die Hauptfiguren haben bekannte Stimmen spendiert bekommen: Bob Morane wird vom famosen Frank Glaubrecht gesprochen, der unter anderem Pierce Brosnan, Al Pacino, Kevin Costner und Bill Nighy seine Stimme leiht. Und Anime-Fans dürften bei Bobs treuem Freund Bill Balantine aufhorchen, Jörg Hengstler spricht in der deutschen Fassung von „Detektiv Conan“ Kogoro Mori.

Ein Mammut verwundert in dieser Serie niemanden

„Bob Morane“ ist deutlich besser gealtert, als man es vermutet hätte. Der ernste Unterton ist in der Cartoon-Landschaft schon etwas Besonderes und die Geschichten sind wahr gewordene Jungs-Fantasien. Ob sich nun allerdings eine neue Generation von diesen wilden Abenteuern überzeugen lässt, ist aufgrund des offensichtlichen Alters der Zeichnungen zu bezweifeln. Wer aber die Serie damals gern geguckt hat, macht mit dem Kauf der beiden DVD-Boxen wenig falsch.

Natürlich hat der böse Wissenschaftler eine Höhle

Episodenliste Vol. 1:

01. Die Krone von Golconda (La couronne de Golconde)
02. Operation Wolf (Opération Wolf)
03. In der Eishölle (Le secret de l‘Antarctique)
04. Terror am Manicougan (Terreur à la Manicouagan)
05. Rettung aus der Zukunft (Les chasseurs de dinosaures)
06. Der Gelbe Schatten (L‘Ombre Jaune)
07. Dr. Xhatan (Le mystérieux Dr. Xhatan)
08. Feinde unter uns (Les Trois petits singes)
09. Die Mauern von Ananke (Les murailles d‘Ananké)
10. Anankes zweite Welt (Les périls d‘Ananké)
11. Die Engel von Ananke (Les anges d‘Ananké)
12. Auf der Flucht (La dernière rosace)
13. Dinosaurier in New York (La vapeur du passé)

Es verschlägt Bob auch in den Himalaya

Episodenliste Vol. 2:

01. Die Rache des Gelben Schattens (La revanche de l‘Ombre Jaune)
02. Mysteriöse Helfer (Le châtiment de l‘Ombre Jaune)
03. Gefangen in der Zeitpatrouille (Service Secret Soucoupe)
04. Projekt „Tigerzahn“ (Les dents du Tigre)
05. Atlantis sehen und sterben (Opération Atlantide)
06. Spuk auf Schloss Mauregard (L‘épée du Paladin)
07. Der Gelbe Schatten kehrt zurück (Le retour de l‘Ombre Jaune)
08. Meister des Lichts (Xhatan, maître de la lumière)
09. Im Schutz der Kristalltürme (Les tours de cristal)
10. Tödliche Ernte (Les semeurs de foudre)
11. Die vierte Dimension (Commando Épouvante)
12. Reise nach Nirgendwo (Rendez-vous à Nulle-Part)
13. Angriff der Killerpuppen (Les poupées de l‘Ombre Jaune)

Und er bekommt es mit einem Riesenskorpion zu tun

Veröffentlichung: Vol. 1 am 28. Juli 2017, Vol. 2 am 10. November 2017, jeweils als Doppel-DVD

Länge: jeweils 312 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Bob Morane
F/KAN 1998
Zusatzmaterial: Leseprobe des Comics „Der gelbe Schatten“ (Vol. 1) bzw. „Angst und Nebel“ (Vol. 2), Bildergalerie, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Matthias Holm
Szenenbilder & Packshots: © 2017 Al!ve AG / Pidax Film

 

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Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen: Vorlauter Vogel verliert Vorräte

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Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen

Von Volker Schönenberger

Zeichentrick-Abenteuer // Den von der Kinderbuchautorin Nele Moost und der Illustratorin Annet Rudolph erschaffenen kleinen Raben Socke gibt’s erst seit 1996, dafür aber schon in etlichen, meist kurzen Erzählungen – zum Beispiel als Pixi-Buch. Bevor 2012 der erste Kinofilm Premiere hatte, gab es obendrein schon eine Reihe von Kurzfilmen rund um das etwas faule Federvieh mit der rot-weißen Ringelsocke am linken Fuß. Socke hat stets eine Ausrede parat und zum Glück viele Freunde, die ihm zur Seite stehen.

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Das Unglück nimmt seinen Anfang

In „Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen“ passiert ihm einmal mehr ein Missgeschick, diesmal aber ein großes: Weil er mit seiner Seifenkiste gegen den Vorratsspeicher der Tiere gerast ist, bekommt ein Balken der Hütte einen gehörigen Knacks. Bald darauf geschieht das Unglück – der Vorratsspeicher zerbirst, die gesamten für den Winter gesammelten Vorräte verschwinden im Fluss.

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Die rettende Idee – Socke will ein Rennen gewinnen

Was tun? Die Lösung naht in Form eines Wagenrennens im Wald. Dem Sieger winken 100 Goldstücke – genug, um neue Vorräte zu kaufen. Dass Frau Dachs Socke Fahrverbot erteilt hat, muss ihn nicht scheren.

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Papagei Rinaldo und sein Vater sind Sockes schärfste Rivalen

Unter uns: Ich finde den kleinen Raben Socke eher nervig. Dass er immer nur Spaß haben will, ist noch verständlich, aber seine permanenten Ausreden lassen ihn nicht unbedingt sympathisch erscheinen. Am Ende der Geschichten fügt sich natürlich alles zum Guten, und Socke hat letztlich alles richtig gemacht – auch nicht gerade überzeugend. In den beiden Kinofilmen kommt erschwerend die nasale Stimme von Socke-Sprecher Jan Delay hinzu, die angetan ist, mich auf die Palme zu bringen.

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Am Start

Aber ich bin auch nicht Bestandteil der Zielgruppe. „Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen“ ist wie der Vorgänger kein Familienfilm, sondern richtet sich ausschließlich an Kinder. Den vier achtjährigen Mädchen, mit denen ich den Film geschaut habe, hat er jedenfalls gefallen, auch wenn sie sich nicht nachhaltig begeistert geäußert haben. In dem Alter wächst man offenbar schon etwas aus Sockes Geschichten heraus.

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Im Rennen wird mit Haken und Ösen gekämpft

Sockes größter Rivale im großen Rennen ist der aus einer ruhmreichen Familie von Rennfahrern stammende Papagei Rinaldo, dessen Vater seinen Sohn zu sportlichen Höchstleistungen antreiben will, obwohl Rinaldo viel lieber Flöte spielen würde. Der Vater-Sohn-Konflikt nimmt keinen breiten Raum ein, erhält aber zum Finale etwas mehr Gewicht und passt gut in die Geschichte. Das am Ende zu hörende Lied „Ich bin wie ich bin, und das ist gut so“ von Jan Delay fügt sich mit dazugehöriger Botschaft ebenso ein.

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Socke setzt zum Überholmanöver an

Unter den weiteren Sprecherinnen und Sprechern: Katharina Thalbach als Frau Dachs, ihre Tochter Anna Thalbach als kleiner Dachs sowie Sportreporter Gerhard Delling als Rennleiter Biber. Das Zeichentrick-Abenteuer um ein Wettrennen im Wald ist ansprechend mit klarer Linie animiert und wird vielen Kindern Freude bereiten. Wir Eltern müssen da durch.

Veröffentlichung: 26. Februar 2016 als Blu-ray 3D (inkl. 2D-Version), Blu-ray und DVD

Länge: 73 Min. (Blu-ray), 70 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen
D 2015
Regie: Sandor Jesse, Ute von Münchow-Pohl
Drehbuch: Katja Grübel, nach Vorlagen von Nele Moost
Stimmen: Jan Delay, Katharina Thalbach, Anna Thalbach, Gerhard Delling, Mia Diekow, Ulli Smandek, Maximilian Artajo, Bernd Vollbrecht, Monty Arnold
Zusatzmaterial: Interviews mit Jan Delay und Katharina Thalbach, Kinotrailer, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Szenenbilder, Packshot & Trailer: © 2016 Universum Kids

 

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