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Operation: Overlord – James Ryan im Zombieland

Overlord

Kinostart: 8. November 2018

Von Lutz R. Bierend

Horror-Action // Im Videospielbereich haben Ego-Shooter wie „Castle Wolfenstein“, in denen es um geheime Nazi-Experimente mit Supersoldaten geht, schon lange Konjunktur. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Hollywood einmal dieses Konzeptes annahm. Nachdem in „Captain America – The First Avenger“ 2011 eine jugendfreie Version dieser Idee erzählt wurde, bringt J. J. Abrams („Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“, „Star Trek – Into Darkness“) nun als Produzent mit „Operation: Overlord“ eine weniger jugendfreie Version dieses Plots in die Kinos.

Der einzige Kampferfahrene unter den Überlebenden: Corporal Ford

Eigentlich sollte die Fallschirmspringer-Einheit um den Frischling Private Boyce (Jovan Adepo) am 5. Juni 1944 in der Nacht vor dem Sturm auf die Normandie hinter den feindlichen Linien abspringen, um in einem französischen Dorf einen Störsender der Deutschen außer Gefecht zu setzen. Doch nichts läuft wie geplant: Bereits im Anflug wird die Flugzeugstaffel unter Beschuss genommen. Von dem gesamten Platoon überleben nur vier Männer. Von denen nur einer – Corporal Ford (Wyatt Russell) – wirklich Kampferfahrung hat.

Das lief ja nicht so gut. Landung im Trümmerschutt der Flugzeuge

Der Wichtigkeit ihrer Mission bewusst, versuchen die Männer trotzdem, ihre Aufgabe zu erfüllen. In einem Wald überraschen sie die Französin Chloe (Mathilde Ollivier) beim Plündern der Leichen und überreden sie, ihnen ins Dorf zu helfen. Sie erfahren von schrecklichen Experimenten, welche die Nazibesatzer in der lokalen Kirche anstellen. Chloes Eltern sind in der Sperrzone verschwunden, ihre Tante wurde schwer entstellt freigelassen und lebt seitdem bei Chloe und ihrem Bruder Paul (Gianny Taufer).

Private Boyce und Chloe suchen den Bruder der Französin

Chloe steht unter dem persöhnlichen Schutz von Doktor Wafner (Pilou Asbæk), der ausgerechnet in dieser Nacht sein Schäferstündchen einfordert. Als er versucht, Chloe zu vergewaltigen, nehmen die Amerkaner den Nazi gefangen und versuchen, Informationen über den Störsender und die Experimente in der Kirche aus ihm herauszupressen. Während Corperal Ford Wafner foltert, ziehen Boyce und seine zwei Kameraden los, um zum vereinbarten Treffpunkt zu gehen und nach weiteren Überlebenden zu suchen. Die drei werden getrennt, Boyce landet in der Sperrzone. Er entdeckt die Ausmaße der Nazi-Experimente, die mit Artefakten einer antiken okkulten Fundstelle versuchen, unbesiegbare Zombiesoldaten zu züchten. Die Sprengung des Störsenders gerät plötzlich zur Nebensache, als Doktor Wafner schwerverwundet mit dem kleinen Paul entkommt und das Zombieserum an sich selbst testet.

Ausflug mit Dame – die vier überlebenden GIs und Chloe

Julius Avery („Son of a Gun“) hat mit „Operation: Overlord“ einen unterhaltsamen Versuch unternommen, eine Nazi-Zombie-WWII-Geschichte zu erzählen. Was inzwischen wirklich bemerkenswert ist, ist wie spielerisch die Technik es heute ermöglicht, das düstere zerstörerische Chaos eines Kriegsszenarios umzusetzen. Wenn am Anfang die Fallschirmjäger angsterfüllt auf ihren Einsatz warten und noch einmal daran erinnert wird, wer alles gerade mal seine Grundausbildung absolviert hat, verbreitet sich in Nullkommanichts auf beeindruckende Weise Chaos, wenn die Flugzeuge unter Beschuss geraten und die jungen Soldaten wie die Fliegen sterben.

Deformierte Hundeleichen sind meist kein gutes Zeichen

Trotzdem bleibt die Frage, für wen der Film produziert worden ist. Freunden von „Der Soldat James Ryan“, die sich eine authentische Schilderung der Ereignisse rund um die Invasion erhoffen, werden die mangelnde Ernsthaftigkeit bemängeln. Der grausame Realismus, den Steven Spielbergs Epos in in den ersten 20 Minuten verströmt, wird nie erreicht, und die Figuren sind auch eher wie für einen Teeniefilm gezeichnet.

„Huch, eben war ich doch noch mit fünf Kugeln im Leib tot?!“

Für all jene, die eine filmische Hommage an die Castle-Wolfenstein-Reihe erwarten, ist der genretypische Horroranteil zu unterrepräsentiert. Doktor Wafner sieht zwar gegen Ende gruselig aus, aber eben auch so, als sei die Altersfreigabe ab 16 Jahren wirklich wichtig gewesen – was vermutlich auch der Fall war. Es verhält sich ein wenig wie bei „Zombieland“: Das Ganze ist ganz unterhaltsam, ohne wirklich wehzutun, und hat mit seiner Altersfreigabe wohl die richtige Zielgruppe gefunden. Als Erwachsener kann man sich phasenweise ebenfalls unterhalten fühlen, aber mehr ist nicht drin. Vor allem wenn man weiß, welche Stimmung vergleichbare Videospiele heutzutage verströmen, ist man doch etwas enttäuscht.

Tumbe Nazizombies zu erledigen, geht ans Eingemachte

Länge: 110 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Overlord
USA 2018
Regie: Julius Avery
Drehbuch: Billy Ray, Mark L. Smith
Besetzung: Wyatt Russell, Mathilde Ollivier, Pilou Asbæk, John Magaro, Iain De Caestecker, Bokeem Woodbine, Jovan Adepo, Jacob Anderson, Dominic Applewhite, Hèlène Cardona, Gianny Taufer
Verleih: Paramount Pictures Germany

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2018 Paramount Pictures Germany

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Verfasst von - 2018/11/08 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Horror für Halloween (XIX): Zombies – Die aus der Tiefe kamen: Untote SS-Einheit taucht in der Karibik auf

Shock Waves

Von Volker Schönenberger

Horror // In diesem kruden Horror- und Zombiefilm-Subgenre der Nazi-Zombies haben „Dead Snow“ (2009) und dessen Fortsetzung „Dead Snow – Red vs. Dead“ (2014) die Messlatte zuletzt sehr hoch gelegt. Können die älteren Vertreter da mithalten? „Shock Waves“ von 1977, hierzulande auch unter dem Titel „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ vermarktet, hat mit dem aus zahlreichen Hammer-Film-Produktionen wie „Dracula“ (1958) und „Frankensteins Ungeheuer“ (1964) bekannten Peter Cushing immerhin einen erfahrenen Horrorfilm-Veteranen in der Besetzung.

Unbesiegbare SS-Einheiten

Eine Stimme aus dem Off suggeriert mit einem Bericht aus dem Zweiten Weltkrieg zu Beginn von „Shock Waves“ Authentizität: Gegen Ende des Krieges tauchten in den Kampfmeldungen alliierter Truppenverbände immer häufiger Berichte über SS-Einheiten auf, die ohne Waffen, mit bloßen Fäusten, selbst Panzer angriffen und vernichteten. Sie machten keine Gefangenen. Töteten und zerstören alles, was ihnen in die Hände fiel, und verschwanden nach jedem Einsatz wieder spurlos, als ob sie sich in Nichts aufgelöst hätten. Um diese SS-Truppen rankten sich bald Legenden. Man sprach von Killerspots, Kampfrobotern, Todesschwadronen, Kamikazefightern. Sie schienen unverwundbar zu sein und übernatürliche Kräfte zu besitzen. Wo sie auftauchten, verbreiteten sie Angst und Schrecken. Den Alliierten gelang es nie, einen Angehörigen dieser Einheiten zu fangen. Und da nach Kriegsende Nachforschungen ohne Erfolg blieben, wurden die Kampfberichte der alliierten Kommandeure als aus der Hektik des Augenblicks geborene übertriebene Feindmeldungen abgetan und gerieten in Vergessenheit.

Schiffbruch vor der Insel des Grauens

Dies erfahren wir über einem in Schwarz-Weiß gehaltenen Standbild von Soldaten, was dem Ganzen einen nachrichtlichen Charakter verleiht. Im Anschluss setzt die Handlung in der Karibik der Gegenwart ein: Die junge Rose (Brooke Adams, „Dead Zone“) wird als Schiffbrüchige in einem Beiboot treibend aus der See gerettet. Sie erinnert sich mit Schrecken an die Ereignisse, die sich dem Publikum als Rückblende entfalten. Das mag nicht jedem gefallen, ahnt man so doch von vornherein, dass sie die einzige Überlebende ihrer Schar sein wird. Ich mag diese Klammerhandlungen aber ganz gern, und sie wird am Schluss konsequent und mit einer schönen Einstellung zu Ende geführt – achtet darauf, was die Gute in ihr Tagebuch schreibt! Jedenfalls gehört Rose zu einer Schar Touristen, die auf einem betagten Kutter mit einem ebenso betagten Skipper (John Carradine) eine Kreuzfahrt unternehmen. Ein sonderbares Naturphänomen verändert kurzzeitig das Sonnenlicht, es scheint ein Seebeben zu geben. Nachdem das Schiff des Nachts beinahe von einem Frachter versenkt wurde, strandet die kleine Gesellschaft auf einer einsamen Insel, wo sie ein baufälliges Hotel entdeckt – und einen alten Mann (Peter Cushing), der ihnen bedeutet, sie müssten die Insel schleunigst wieder verlassen.

In der Rückschau wirken die Sequenz mit dem erwähnten Naturphänomen und dem vermeintlichen oder tatsächlichen Seebeben fast wie ein Dimensionswechsel – der Übertritt von der realen Welt der Karibik-Kreuzfahrten in ein surreales Universum, in welchem sich Nazi-Zombies tummeln. Visuell wird dies im Verlauf aber nicht weiter umgesetzt, also mag diese Deutung ein Hirngespinst sein. Reizvoll macht sie den Film allemal.

Runter vom Index

Einstmals indiziert, ist die ungeschnittene Fassung von „Shock Waves“ mittlerweile mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren versehen. Wer statt billiger Horrorstreifen üblicherweise herkömmliche Mainstream-Filme schaut, wird sich bei unfallbedingter Sichtung von „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ womöglich am Kopf kratzen. Die Touristen irren über die Insel, und bald steigen ein paar blonde Zombies in SS-Uniformen aus dem Wasser und jagen die Unglücklichen. Viel mehr wird nicht geboten. Diesen Untoten geht es nur darum, ihre Opfer ins Jenseits zu befördern, Hunger auf Menschenfleisch plagt sie nicht. Daher geht es recht unblutig zu, denn als ans Wasser gewöhnter Zombie kann man seine Beute auch einfach ersäufen. Die Masken- und Make-up-Abteilung von „Shock Waves“ hatte entsprechend wenig zu tun, die Nazi-Zombies bekamen lediglich in Verwesung begriffene Gesichter verpasst. Dafür, dass sie jahrzehntelang unter Wasser ausharrten, sind sie erstaunlich gut erhalten, aber immerhin handelt es sich ja quasi um Übermenschen. Sie stapfen allerdings lieber durchs Wasser, statt am Ufer entlangzugehen – vermutlich dem Gewöhnungseffekt geschuldet. Würden wir Ewigkeiten im Wasser lauern, ginge es uns am Ende ähnlich.

Fünf Drehtage für Peter Cushing

Wer das für etwas trashig hält, liegt richtig. Die Billigproduktion wurde 1975 in Florida gedreht, als Wrack eines Frachtschiffs dienten Bilder der 1926 vor den Bahamas auf Grund gelaufenen „SS Sapona“, wobei das „SS“ nicht für die „Schutzstaffel“ der Nazis steht, sondern „Steam Ship“ (Dampfschiff) bedeutet. Ob sich Peter Cushing bei den Dreharbeiten fragte, in was für einen Film er da wohl hineingeraten ist? Als Stammschauspieler für Hammer Films war er immerhin etwas stilvollere Produktionen gewohnt. Seinen Part spielt er routiniert herunter, er liefert sicher keine Glanzleistung, ragt damit aber immer noch aus seinen Kolleginnen und Kollegen bei „Shock Waves“ hervor. Fünf Drehtage kostete ihn das dem Vernehmen nach, ebenso den zweiten namhaften Schauspieler im Cast: John Carradine („Früchte des Zorns“). Beide haben keine gemeinsamen Szenen.

Trotz der Mängel und der simplen Story ohne Wendungen hat mir „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ Spaß bereitet. Sind meine Sehgewohnheiten etwa schon so arg in die Niederungen der Filmgeschichte abgedriftet? Ach was, es muss nicht immer Hochkultur sein! Auch wenn es gelegentlich etwas albern wirkt, wenn die SS-Leute aus dem Wasser auftauchen (und ihre Uniformen zügig trocknen), so wartet der auf 16mm gedrehte Film doch mit Atmosphäre auf. Der Score trägt das Seine dazu bei.

Als bekannteste Arbeit von Regisseur Ken Wiederhorn dürfte „Die Rückkehr der Höllenzombies“ („Return of the Living Dead – Part II“) von 1988 durchgehen. „Shock Waves“ markiert sein Langfilm-Regiedebüt nach einem Kurzfilm. Nach insgesamt sechs langen Spielfilmen wechselte er Ende der 1980er zum Fernsehen. Seine Karriere als Filmemacher kam vor der Jahrtausendwende zum Erliegen.

Deutsche Synchronisation nimmt sich Freiheiten

Die deutsche Synchronisation geht recht frei mit den Originaldialogen um, was mir aufgefallen ist, als ich der englischsprachigen Fassung deutsche Untertitel zuschaltete. Wenn man den Dialog „Did you hear that?“ „Be Quiet!“ hört und gleichzeitig „Was ist denn das für ein komisches Geräusch?“ „Ein Seebeben.“ liest, befremdet das schon ein wenig.

X-Rated hat „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ als 25. Teil seiner „Eurocult Collection“ veröffentlicht. Die Mediabooks sind ansprechend gestaltet, der üppige Booklet-Text vom erfahrenen Christoph N. Kellerbach ergänzt das Gesehene optimal. Wir erfahren im ersten Kapitel einiges über die Anfänge des Nazi-Zombie-Subgenres, im zweiten präsentiert uns der Autor seine Interpretation und Wertung von „Shock Waves“, dies sollte erst nach erfolgter Sichtung des Films gelesen werden. Zwei weitere Kapitel widmet Kellerbach Nazi-Zombies der 80er-Jahre sowie aktuellen Filmen. Wer tiefer ins Genre einsteigen will, dem steht mit diesem Booklet-Text eine schöne Fundgrube zur Verfügung.

Jess Francos „Oase der Zombies“ als Bonus

Größtes Extra des Mediabooks: Jess Francos noch trashigerer Nazi-Zombiefilm „Oase der Zombies“ von 1982. Wenn man darüber hinwegsieht, dass wir es mit einem eher langweilig und talentlos inszenierten Machwerk zu tun haben, ist ein vollständiger Film als Bonus natürlich äußerst lobenswert. Und da der verstorbene spanische Regisseur seine Fans hat, wird es auch Filmgucker geben, die trotz meiner abfälligen Meinung Gefallen daran finden. Bei Interesse lest meine Rezension von „Oase der Zombies“!

Insgesamt stellt das Mediabook eine schöne Veröffentlichung dar, auch wenn Bild- und Ton ein klein wenig mehr Politur gut vertragen hätten. Aber vielleicht ist die Patina von vier Jahrzehnten bei einem Streifen wie „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ auch nicht verkehrt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter Cushing sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 23. November 2016 unter dem Titel „Die Schreckensmacht der Zombies“ als limitierte 2-Disc „Platinum Cult Edition“ (Blu-ray & DVD), 5. September 2016 als Blu-ray im limitierten 2-Disc Edition Mediabook (mit drei Covervarianten à 444, 666 und 333 Exemplare), 16. November 2012 unter dem Titel „Nazi Blood Storm“ als DVD, 30. Januar 2003 als DVD

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Shock Waves
Alternativtitel: Die Schreckensmacht der Zombies / Nazi Blood Storm / Shock Waves – Die aus der Tiefe kamen / Death Corps
USA 1977
Regie: Ken Wiederhorn
Drehbuch: John Kent Harrison, Ken Wiederhorn
Besetzung: Peter Cushing, John Carradine, Brooke Adams, Fred Buch, Jack Davidson, Luke Halpin, D. J. Sidney, Don Stout, Clarence Thomas
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar von Regisseur Ken Wiederhorn, Assistent und Setfotograf Fred Olen Ray, Make-up-Effektmacher Alan Ormsby (Englisch mit deutschen Untertiteln), Making-of inklusive Interviews mit Produzent Reuben Trane, Komponist Richard Einhorn und Hauptdarstellerin Brooke Adams sowie Darsteller Luke Halpin am Set (Englisch mit deutschen Untertiteln), alternative Vor- und Abspänne, Bildergalerien, 2 Radio-Spots, TV-Spot, deutscher Trailer, Originaltrailer, 16-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach, Bonus-Blu-ray mit „Oase der Zombies“
Label/Vertrieb Mediabooks: X-Rated
Label/Vertrieb Platinum Cult Edition: VZ-Handelsgesellschaft mbH (Digi-Dreams-Studios)
Label/Vertrieb DVD 2012: Savoy Film (Intergroove)
Label/Vertrieb DVD 2003: Marketing-Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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Horror für Halloween (XVIII): Beyond Re-Animator – Dr. West experimentiert im Knast

Beyond Re-Animator

Von Andreas Eckenfels

Horror // Ganze 14 Jahre nach „Bride of Re-Animator“ (1989) durfte unser Lieblings-Mad-Scientist Dr. Herbert West endlich wieder seinen Arztkittel überstreifen. Brian Yuzna übernahm 2003 erneut die Regie und auch Jeffrey Combs durfte in seiner Kultrolle natürlich nicht fehlen. Gedreht wurde in Spanien, wo Yuzna Anfang 2000 gemeinsam mit dem in Barcelona ansässigen Produktionsstudio Filmax International das Label Fantastic Factory gegründet hatte, welches sich auf kostengünstige Horror-, Fantasy- und Science-Fiction-Filme spezialisierte. Die erste Produktion war Yuznas „Faust – Love of the Damned“ (2000).

Neuer Partner für Dr. West

Dementsprechend betrug das Budget des dritten Teils der „Re-Animator“-Reihe auch nur niedrige drei Millionen US-Dollar. Eingespart wurde das Geld offensichtlich am recht karg, aber ausreichend ausgestatteten Setting, dem Gefängnis, in dem sich Dr. Herbert West 13 Jahre nach seiner Verhaftung noch immer befindet. Wer unseren Wiedererwecker kennt, weiß, dass er diesen langen Zeitraum nicht Däumchen drehend herumsitzen kann. Mit den ihm zur Verfügung stehenden bescheidenen Mitteln setzt West in seiner Zelle seine Forschungen fort. Als Versuchskaninchen nutzt er die Ratten, die in den Knastgängen zuhauf herumstreunen. Während seiner Experimente mit Nanoplasma gelingt dem Wissenschaftler ein entscheidender Fortschritt: Mit der Substanz soll es möglich sein, dass reanimierte Tote nicht zu degenerierten Zombies mutieren, sondern ihre Persönlichkeit zurückerhalten.

Du sollst doch nicht aus der Tüte trinken!

Unverhoffte Hilfe erhält Dr. West vom neuen Gefängnisarzt Dr. Howard Phillips (Jason Barry), der sich den bekannten Insassen ausdrücklich als Kollegen gewünscht hat. Dr. Phillips gesteht ihm auch gleich, dass er eine Obsession für ihn hegt. Wie wir Zuschauer uns schon denken können, ist er der Junge, dessen Schwester im Prolog vor seinen Augen von einem entlaufenen Versuchsobjekt getötet wurde. Anschließend flog Dr. West auf und wurde festgenommen. Dabei fand Dr. Phillips die Spritze mit dem grünschimmernden Serum, die er seitdem aufbewahrte und Dr. West sogleich stolz überreicht. Ein schöneres Geschenk hätte er dem genialen Wissenschaftler nicht machen können. Das neue Duo macht sich an die Arbeit und setzt damit grauenvolle Ereignisse innerhalb der Knastmauern in Gang, die in einer blutigen Gefängnisrevolte gipfeln.

Screaming Mad George demonstriert sein Können

Meine letzte Sichtung von „Beyond Re-Animator“ war etwa zu Zeiten der DVD-Veröffentlichung, also gegen 2004. Ich hatte ihn als einen relativ überflüssigen Aufguss des Kultklassikers in Erinnerung. Umso überraschter war ich nun, dass ich bei der Zweitsichtung gut unterhalten wurde. Natürlich versprüht der dritte Teil trotz des wie immer genial aufspielenden Jeffrey Combs nicht mehr den Charme des Erstlings. Yuznas Film fehlt in der Inszenierung eine klare Linie, alles wirkt schon recht trashig – wie häufig bei dem Filmemacher. Seinen Stil kann man mögen, muss man aber nicht.

Dr. West hat seine Spritze wieder

Was noch immer großartig funktioniert, sind die wunderbaren, zum Großteil handgemachten Make-up-Effekte von Screaming Mad George. Auch wenn das in der Reihe gewohnt wilde, aber im Vergleich zu den vorigen Teilen doch eher zurückgenommene Gore-Finale eher einer Nummernrevue gleicht, beweist der Japaner mit seinen verrückten Ideen hier wieder sein ganzes Können. Gleich zu Beginn gibt es einen Zombie ohne Unterkiefer zu sehen, der verzweifelt versucht, Milch zu trinken. Bei dem Junkie-Insassen, der sich mit dem grünen Serum eine Überdosis setzt und Dr. West anschließend in ziemlich deformiertem Zustand nach einem Nachschlag fragt, blitzt auch der tiefschwarze Humor wieder auf, welcher „Re-Animator“ auszeichnete. Und dann ist da noch der Running-Gag mit der Ratte und dem abgebissenen Penis, der selbst während des Abspanns weitergeht. Diese und einige Szenen mehr sorgen bei uns Horrorfreaks für denkwürdige Momente, für die es sich lohnt, den dritten Teil mal wieder in den Player zu legen.

Dr. Phillips (l.) hilft bei den Experimenten

Ein kurzer Blick auf die Schauspielerriege zeigt, dass hier besonders bei den spanischen Darstellern einige Talente in Nebenrollen dabei sein durften, die auch heute gut im Geschäft sind: Der erwähnte Junkie wurde von Santiago Segura gespielt, der in seiner Heimat besonders durch die durchgeknallte Cop-Reihe „Torrente“ bekannt ist. Enrique Arce als Rattenfreund Cabrera, der selbst als Torso nicht aufgibt zu kämpfen – einer der wenigen digitalen Effekte im Film –, ist aktuell in der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ und demnächst im „Terminator“-Reboot zu sehen. Die attraktive Journalistin Laura, die vom schmierigen Knastchef Brando angemacht wird, kann sogar Blockbuster-Erfahrung in Hollywood vorweisen: Elsa Pataky spielte in den Teilen 5 bis 8 des „Fast and Furious“-Franchises die Polizistin Elena, die sich in Vin Diesels Figur Dominic Toretto verliebt.

Kehrt Dr. West zurück?

Inzwischen sind erneut 15 Jahre vergangen, seitdem „Beyond Re-Animator“ erschienen ist. Da der letzte Eintrag in Brian Yuznas Filmografie von 2011 datiert, erscheint es doch mehr als fraglich, ob Dr. Herbert West erneut wiederkehren wird. Die Figur wäre sicher auch – wie schon einmal von Yuzna geplant – für eine TV-Serie geeignet, denn auch von H. P. Lovecrafts (1890–1937) Buchvorlage sind sechs Teile erschienen. Immerhin wurde von Ohno! Comics eine neue Comic-Reihe über den Re-Animator veröffentlicht. Wir werden sehen, ob irgendwann auch eine filmische Wiederkehr ansteht. So lange können wir uns dank capelight pictures nun die komplette Trilogie ins Regal stellen und noch einmal auf Blu-ray genießen.

Nicht alle Experimente verlaufen nach Plan

Das dritte Mediabook passt mit seinem grün-schwarzen Design optisch perfekt zu den Veröffentlichungen von „Re-Animator“ und „Bride of Re-Animator“ aus demselben Hause. In seinem lesenswerten Booklet-Text geht Christoph N. Kellerbach ausführlich auf die Produktionsgeschichte des Films ein. Unter den zahlreichen Extras ist besonders das Featurette „All in the Head – Brian Yuzna on the Re-Animator Chronicles“ interessant, die ursprünglich von der englischen Arrow-DVD stammt. Wer sich der Trilogie nostalgisch verbunden fühlt, greift zur Retro-Edition im VHS-Design, in der alle drei „Re-Animator“-Teile vereint sind. Zurückspulen muss man hier ausnahmsweise nicht.

Journalistin Laura wird erschreckt

Veröffentlichung: 26. Oktober 2018 als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook (Blu-ray und DVD), DVD und 4-Disc Limited Retro-Edition im VHS-Design (mit „Re-Animator“ (1985) und „Bride of Re-Animator“ (1989)), 13. Mai 2004 als 2 DVD-Special-Edition (e-m-s)

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Beyond Re-Animator
SP/USA 2003
Regie: Brian Yuzna
Drehbuch: José Manuel Gómez, Miguel Tejada-Flores
Besetzung: Jeffrey Combs, Tommy Dean Musset, Jason Barry, Bárbara Elorrieta, Elsa Pataky, Santiago Segura, Enrique Arce, Simón Andreu
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Brian Yuzna, Featurette „All in the Head – Brian Yuzna on the Re-Animator Chronicles“, Interviews, Making-of, Tonspur mit isolierter Filmmusik, Production Art Gallery, Musikvideo, Originaltrailer
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2018 capelight pictures

 

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