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Foxcatcher – Körperliches Kino und großes Schauspiel

03 Feb

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Foxcatcher

Kinostart: 5. Februar 2015

Von Simon Kyprianou

Sportdrama // Als wir die Schultz Brüder Mark und David Schultz (Channing Tatum, Mark Ruffalo) zum ersten Mal sehen, sind sie gute, brave Bilderbuchsportler – fest verwurzelt im Proletariat. Alkohol ist tabu, das Leben verläuft von Trainingseinheit zu Trainingseinheit. Das ändert sich, als der Waffenfabrikant und Chemieunternehmer John du Pont (Steve Carell) in ihr Leben tritt. Er ist ein Bilderbuchkapitalist, aber auch ein Patriot und Traditionalist. Sport ist für ihn ein politisches Mittel. Amerika soll geholfen werden, durch Erfolge im Ringen. Er will die beiden Brüder finanzieren.

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Mark (l.) und David – ehrgeizige Sportler

Mama liebt Pferde, Sohnemann hasst sie

John ist eine Art Norman Bates: Er lebt in einem großen Haus, wird kontrolliert von seiner Mutter (Vanessa Redgrave), die – wie auch die Mutter in „Psycho“ – das Über-Ich, die unterbewusste und allgegenwärtige Schuld verkörpert. Nicht zuletz deswegen verabscheut du Pont – ganz im Freudschen Sinne – Pferde, die große Leidenschaft seiner Mutter.

Alle in diesem Film sind süchtig nach irgendetwas: nach Sport, nach Kokain, nach Macht, vor allem aber nach Erfolg. Deswegen lassen sich die Schultz-Brüder auch kompromittieren – zuerst Mark, später auch David –, geben sie der Verlockung von du Ponts Geld nach. In diesem Moment degradieren sie sich zu politischen Schachfiguren eines kaputten Kapitalisten, der sie gern voll und ganz vereinnahmen und besitzen will, der süchtig danach ist, sein bizarres Selbstbild auch zu erfüllen. Als er erkennt, dass das nicht möglich ist, eskaliert die Situation. Mark zerbricht daran. Die Schultz Brüder sind die Füchse, die du Pont zu fangen und zu zähmen versucht. Bei Unkenntnis der Geschichte den Link vermeiden, will man sich die Spannung im Film bewahren: Die Story basiert auf einer wahren Begebenheit.

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John du Pont (r.) übt großen Druck aus

Nominiert für fünf Oscars

„Capote“-Regisseur Bennett Miller erzählt eine kluge und hintersinnige politische Parabel. Seine erstklassige, elegant langsame Regie trägt diese Geschichte. Die Sportszenen sind intensives Körperkino. Millers Kamera klebt an den brachialen Fleischmassen von Channing Tatums bulligem Körper. Steve Carell und Channing Tatum liefern sich ein faszinierendes Schauspielduell. Leider ist von beiden nur der herrlich maskenhafte Carell für einen Oscar nominiert worden – insgesamt kämpft „Foxcatcher“ um fünf Academy Awards. Auch Tatum hätte man eine Nominierung gegönnt. Sein körperliches, unberechenbares Spiel mit herrlich tumber Mimik ist wunderbar anzusehen. Ein guter Film, dessen konsequentes Ende lange nachhallt. Ganz sicher kein gewöhnliches Oscar-Kino.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Channing Tatum sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 129 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Foxcatcher
USA 2014
Regie: Bennett Miller
Drehbuch: E. Max Frye, Dan Futterman
Besetzung: Steve Carell, Channing Tatum, Mark Ruffalo, Sienna Miller, Vanessa Redgrave, Anthony Michael Hall, Guy Boyd, Brett Rice
Verleih: Studiocanal GmbH Filmverleih

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Die sportlichen Herausforderungen sind riesig

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Filmplakat & Fotos: © 2015 Studiocanal GmbH Filmverleih

 

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