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Horror für Halloween (X): The Exorcism of God – Mehr als nur ein Friedkin-Epigone

The Exorcism of God

Von Volker Schönenberger

Horror // Der junge Pater Peter Williams (Will Beinbrink) wird 2003 zu einem Haus gerufen, um einen Exorzismus auszuführen. Die junge Magali (Irán Castillo) ist offenbar von einem Dämon besessen. Peters Vorgesetzter Pater Michael Lewis (Joseph Marcell) untersagt ihm zwar die Austreibung, weil er der Aufgabe noch nicht gewachsen sei, aber Peter begibt sich dennoch ans Werk.

Der Exorzist trifft ein

18 Jahre später werden im Frauenknast „Heiliges Herz“ einem Wärter zwei Finger abgebissen, als er mit seinem Arm durch einen Schlitz in der Tür in eine Zelle hineinlangt. Pater Peter indes leistet in seiner Gemeinde viel wohltätige Arbeit für die Armen, wird dafür wie ein Heiliger verehrt. Doch er trägt schwer an der Last der Ereignisse von damals. Unter den Kindern der Gegend grassiert eine mysteriöse Seuche, die einige Todesopfer fordert. Der Geistliche entdeckt, dass der Dämon Balban in die Gefängnisinsassin Esperanza (María Gabriela de Faría) gefahren ist. Anscheinend ist er für die tödliche Kinderkrankheit in der Gegend verantwortlich. Weil er sich allein den Exorzismus nicht zutraut, ruft Peter seinen einstigen Mentor Pater Michael zu Hilfe, der inzwischen zu den angesehensten Exorzisten des Vatikans zählt und eigens aus Europa nach Mexiko fliegt. Alsbald holt Peter seine Vergangenheit ein.

Kein Zweifel: Magali ist besessen

Jeder Katholiken-Exorzistenfilm seit 1973 bezieht sich auf William Friedkins „Der Exorzist“. So auch „The Exorcism of God“ (2021), der daraus von Anfang an kein Hehl macht. Die eine oder andere Einstellung des Prologs erinnert sicher nicht zufällig frappierend an das große Vorbild – siehe beispielsweise das erste Szenenfoto in diesem Text. Mit bösem Willen kann man das als dreiste Kopie sehen, aber es wirkt doch eher wie eine respektvolle Hommage. An Friedkins Meisterwerk kommt „The Exorcism of God“ erwartungsgemäß nicht heran, aber welchem Epigonen von „Der Exorzist“ ist das schon gelungen? Eben.

Pater Peter lebt für seine Gemeinde in Mexiko

Auch unterhalb dieser denkbar hohen Messlatte bleibt reichlich Raum für fesselnden Exorzistenhorror, und „The Exorcism of God“ nutzt dies mit eigenen Ideen auch aus. In der ersten Phase der Haupthandlung sieht das noch nicht unbedingt danach aus, stören hier doch einige billige Jump-Scares die Atmosphäre, die sich obendrein als Albtraumsequenzen herausstellen. Es ergibt zwar Sinn, Pater Peter – es sind seine Albträume – als gepeinigten Geistlichen zu skizzieren, aber muss das unbedingt mit Jump-Scares sein?

Der Filmtitel ergibt Sinn

Mit dem Eintreffen von Pater Michael nimmt die Story Fahrt auf, fortan spielt sich das Geschehen hauptsächlich in dem Gefängnis ab, das die beiden Geistlichen aufsuchen, um an Esperanza den Exorzismus vorzunehmen. Farblich dominieren dem Thema entsprechend düstere Töne mit Tendenz ins Bläuliche. Unvermittelt bekommt bald sogar der Filmtitel seinen Sinn – der ist keinesfalls zufällig und gipfelt in einem wunderbaren Schlussakkord, der einen sowieso schon gelungenen Exorzistenfilm zusätzlich aufwertet.

Kinder leiden und sterben

Regisseur und Ko-Drehbuchautor Alejandro Hidalgo hatte 2013 mit dem SF-Horrorfilm „The House at the End of Time“ seinen Erstling vorgelegt, der als erster venezolanischer Horrorfilm gilt, an den dortigen Kinokassen zum erfolgreichsten Horrorfilm überhaupt avancierte, in 33 Ländern vertrieben und somit zum weitestverbreiteten venezolanischen Film wurde. Dennoch dauerte es satte acht Jahre, bis Hidalgo mit „The Exorcism of God“ seine zweite Regiearbeit ablieferte – warum auch immer.

Die Exorzisten Peter (l.) und Michael stellen sich …

Wohl mit Hinblick auf den internationalen Markt wurde in englischer Sprache gedreht (obwohl Spanisch weltweit ebenfalls eine nennenswerte Zielgruppe hergibt). Die deutsche Blu-ray und DVD enthalten die Originalsprachfassung und die solide ausgefallene deutsche Synchronisation, aber leider keine Untertitel. Als Extras gibt es entfallene Szenen und den Trailer zum Film. Alejandro Hidalgo hat mit „The House at the End of Time“ und erneut mit „The Exorcism of God“ feine Duftmarken im Genre gesetzt, hervorragende Visitenkarten, die ihn für weitere Produktionen prädestinieren. Bleibt zu hoffen, dass es nicht wieder acht Jahre dauert.

… dem Dämon Balban, der in die Strafgefangene Esperanza gefahren ist

Veröffentlichung: 20. Oktober 2022 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch/Spanisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Exorcism of God
MEX/VEN/USA 2021
Regie: Alejandro Hidalgo
Drehbuch: Santiago Fernández Calvete, Alejandro Hidalgo
Besetzung: María Gabriela de Faría, Will Beinbrink, Joseph Marcell, Irán Castillo, Raquel Rojas, Hector Kotsifakis, Christian Rummel, Johanna Winkel, Elisa Maturen, Maria Antonieta Hidalgo, Alfredo Herrera, Juan Ignacio Aranda, Nuria Gil
Zusatzmaterial: entfernte Szenen (5 Min.), Trailer, Wendecover
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2022 EuroVideo Medien GmbH

 

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Horror für Halloween (IX) / Zum 70. Geburtstag von Clive Barker: Lord of Illusions – Illusion oder Magie? Jedenfalls blutig

Lord of Illusions

Von Volker Schönenberger

Horror // I have seen the future of horror and his name is Clive Barker. – Ich habe die Zukunft des Horrors gesehen, und sein [ihr] Name ist Clive Barker. (Stephen King) Diese Empfehlung prangte auf den US-Taschenbuchausgaben der sechs „Bücher des Blutes“ („Books of Blood“, 1984–1985), der Kurzgeschichtensammlung, mit der Clive Barker als Schriftsteller debütierte. Bemerkenswerte Vorschusslorbeeren von Horror-Großmeister King, die für den am 5. Oktober 1952 im englischen Liverpool geborenen Barker auf dem Weg zum Bestsellerautor zweifellos überaus hilfreich waren. 1987 erschien mit „Spiel des Verderbens“ („The Damnation Game“) Barkers erster Roman, dem weitere folgten, etwa „Cabal“ (1988), „Das Tor zur Hölle – Hellraiser“ („The Hellbound Heart“, 1991) und „Imagica“ („The Fifth Dominion“, 1991).

Der Puritaner hat ein Mädchen entführt …

So recht hat er die Kingsche Prophezeihung als Zukunft des Horrors nicht erfüllt, gerade in der Literatur hat sich der Horror doch in eine andere Richtung bewegt (ich selbst mag andere Autoren noch lieber als Barker). Es mag auch daran liegen, dass sich Barker nicht aufs Dasein als Roman- und Kurzgeschichtenautor beschränken wollte. So hinterließ er bei Computerspielen mit „Clive Barker’s Undying“ (2001) und „Clive Barker’s Jericho“ (2007) zwei bemerkenswerte Duftmarken – bei beiden First-Person-Shootern war er an der Entwicklung der Horrorstory beteiligt, zum Teil auch an der Gestaltung der Figuren.

… und praktiziert als Herr der Finsternis die wahre Magie

Bereits zuvor hatte sich Barker erfolgreich im Filmgeschäft betätigt. Nach ersten Schritten mit den Drehbüchern zu „Underworld“ (1985) und „Rawhead Rex“ (1986) übernahm er 1987 erstmals die Regie bei einem langen Film: Für „Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ hatte er seinen Roman zum Drehbuch umgeschrieben (oder beide Schriftwerke parallel verfasst) und das geringe Budget von nur einer Million Dollar genutzt, einen verstörenden Horror-Albtraum und heutigen Klassiker zu erschaffen, was Stephen Kings Prognose dann doch gerechtfertigt erscheinen lässt. Der Spruch prangte folgerichtig auch auf einem der Kinoplakate des Films. Erwähnt sei in dem Kontext die von Clive Barker mitproduzierte Neuverfilmung „Hellraiser“, die ab dem 7. Oktober 2022 beim US-Streaminganbieter Hulu verfügbar sein wird und in welcher Pinhead erstmals von einer Schauspielerin verkörpert wird: Jamie Clayton („The Neon Demon“, „Sense8“). Bis zu einem deutschen Starttermin – etwa bei Disney+ – wird es voraussichtlich nur wenige Monate dauern.

Hat sich Philip Swann selbst ausgetrickst?

Mit den sich in „Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ tummelnden Zenobiten, angeführt vom legendären Pinhead (Doug Bradley), erschuf Barker sogar wahre Ikonen des Horrorgenres. Sie sind Mitglieder des „Order of the Gash“, des „Ordens der klaffenden Wunde“. 1990 folgte „Cabal – Die Brut der Nacht“ („Nightbreed“), ein weiterer Horror-Albtraum, von den Fans geliebt, wenn auch mit schwieriger Veröffentlichungsgeschichte und vom Verleih gegen Barkers Willen verschnitten, worüber beizeiten an anderer Stelle zu schreiben sein wird. Am 5. Oktober 2022 feiert Clive Barker seinen 70. Geburtstag.

Wahrsager Quaid – Schmerzen tun nicht weh

„Lord of Illusions“ markiert die dritte Langfilm-Regiearbeit des Engländers (1973 mit „Salome“ und 1978 mit „The Forbidden“ hatte er zwei Kurzfilme inszeniert). Zu Beginn lesen wir bedeutungsschwangere Zeilen: There are two worlds of magic. One is the glittering domain of the illusionist. The other is a secret place, where magic is a terrifying reality. Here, men have the power of demons. And Death itself is an illusion. – Es gibt zwei Welten der Magie. Die eine ist die glanzvolle Domäne der Illusionisten. Die andere ist ein geheimer Ort, an dem Magie erschreckende Realität ist. Hier haben Menschen die Macht von Dämonen. Und der Tod selbst ist eine Illusion. Ein diesen Worten folgender Prolog spielt sich im Jahr 1982 ab: Der Magier Nix (Daniel von Bargen) hat in der Mojave-Wüste ergebene Jüngerinnen und Jünger um sich geschart und die junge Dorothea (Ashley Tesoro) gekidnappt, um an ihr ein dunkles Ritual zu vollziehen. Nix lässt sich von seinen Gefolgsleuten gern „Puritaner“ nennen. Sein ehemals bester Schüler Philip Swann (Kevin J. O’Connor) dringt aufs Gelände ein, um das Mädchen zu befreien.

Harry D’Amour zieht auch am offenen Sarg blank

13 Jahre später hat sich der etwas abgehalfterte New Yorker Privatdetektiv Harry D’Amour (Scott Bakula) mit Hang zu okkulten Angelegenheiten gerade mit einem Fall von Exorzismus beschäftigt, der ihm die unerwünschte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit eingebracht hat. Ein neuer Auftrag führt ihn nach Los Angeles, wo er den Versicherungsbetrüger Tapert (Johnny Venokur) überführen soll. Der sucht des Abends den Wahrsager Quaid (Joseph Latimore) auf, seinerzeit ein Helfer Swanns bei der Befreiungsaktion in der Wüste. Doch Harry findet Quaid nur noch sterbend vor. Dafür lässt er sich anderntags von Swanns Ehefrau Dorothea (Famke Janssen) engagieren, ein Auge auf ihren Ehemann zu haben. Philip Swann ist mittlerweile einer der berühmtesten Bühnenillusionisten der Welt und führt abends bei seiner Gala-Vorstellung eine neue Nummer mit herabfallenden Schwertern vor. Die Darbietung geht auf blutige Weise schief und Harry D’Amour muss nun den Tod des Illusionisten untersuchen.

Dämonische Erscheinungen allerorten

An Scott Bakula liegt es nicht, dass der von ihm verkörperte Privatschnüffler etwas schmalbrüstig daherkommt. Der insbesondere durch die Serien „Zurück in die Vergangenheit“ (1989–1993), „Star Trek – Enterprise“ (2001–2005) und „Navy CIS – New Orleans“ (2014–2021) bekannte Darsteller müht sich redlich, aber Harry D’Amour ist vom Drehbuch offenbar zu eindimensional charakterisiert worden. Deshalb wirkt es auch nicht unbedingt glaubwürdig, wie schnell sich Dorothea Swann in ihn verliebt. Sie wiederum hat alle Voraussetzungen, als Femme fatale durchzugehen, nutzt diese allerdings gar nicht. Sie bleibt letztlich eine Frau, die sich in die Hauptfigur verliebt, wobei die gegenseitige physische und emotionale Anziehung der beiden behauptet bleibt (unbenommen davon, dass Scott Bakula und Famke Janssen attraktive Menschen sind). Dieser Schwachpunkt bei den beiden Hauptfiguren lässt den von Clive Barker durchaus gewollten Neo-noir-Thrilleranteil von „Lord of Illusions“ missglückt erscheinen.

Harry und Dorothea trotzen dem Bösen

Was nicht bedeutet, dass Barkers Regiearbeit per se missglückt ist. Die Story um die Diskrepanz zwischen Bühnenillusionist und echtem Magier fesselt und fasziniert und weist die eine oder andere Wendung auf, die zielsicher das spektakuläre Finale ansteuert. Vielleicht sind Barkers vorherige Langfilme „Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ und „Cabal – Die Brut der Nacht“ auch eine zu schwere Last fürs Drittwerk, das sich ansonsten womöglich einen höheren Status im Horrorgenre erarbeitet hätte. Die blutigen Splattereffekte fallen jedenfalls ansehnlich aus, auch wenn sie nicht grenzensprengend inszeniert sind. Aber sie stellen sich in den Dienst des Geschehens, das ist auch etwas wert.

Privatdetektiv Harry D’Amour

Als Vorlage für sein Drehbuch diente Barker seine eigene Kurzgeschichte „Die letzte Illusion“ aus „Das sechste Buch des Blutes“. Sie markierte Harry D’Amours ersten literarischen Auftritt. Der Privatdetektiv ist in weiteren Kurzgeschichten und Romanen Barkers in Erscheinung getreten. So traf er etwa im Roman „Das scharlachrote Evangelium“ („The Scarlet Gospels“, 2015), einer Fortsetzung von „Das Tor zur Hölle – Hellraiser“ auf keinen Geringeren als den Zenobiten Pinhead persönlich. Die deutsche Übersetzung ist im Festa-Verlag erschienen und als Taschenbuch vergriffen, als eBook verfügbar.

Leichte Hautreizung – Körperlotion würde helfen

Clive Barker führte danach nie wieder Regie, was mit dem Ärger zu tun haben mag, den er nach Fertigstellung des Films mit der Schnittfassung hatte. Auf Druck des US-Verleihs MGM gelangte eine um zwölfeinhalb Minuten gekürzte Fassung mit R-Rating in die US-Kinos. Bei den Kürzungen handelt es sich nicht nur um Gore- und Sexszenen, sondern auch um Handlungselemente, die in puncto Charakterisierung einiger Figuren mehr in die Tiefe gehen. Immerhin gelang es Barker, mit MGM das Recht auf einen Director’s Cut auszuhandeln, der später dann auch in den Handel kam. Zu den Unterschieden zwischen Kinofassung und Director’s Cut sei einmal mehr auf den Schnittbericht verwiesen.

In Deutschland nur als Director’s Cut

Für Deutschland gestaltet sich die Schnittfrage denkbar einfach: Hierzulande ist ohnehin lediglich der Director’s Cut erschienen, und das ganz ohne Schnittauflagen seitens der FSK mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren. Beste deutsche Veröffentlichung ist zweifellos das Mediabook von capelight pictures. Es enthält den Film auf Blu-ray und DVD und ist im hauseigenen Online-Shop des Labels weiterhin lieferbar. Das Bonusmaterial auf den Scheiben fällt solide aus (Auflistung siehe unten), im Booklet schreibt der Autor Daniel Wagner so fachkundig über die Produktion, wie wir es von capelight-Booklets kennen und schätzen. Der ganz große Wurf ist Clive Barker mit seiner letzten Regiearbeit nicht gelungen, aber angesichts seiner drei langen Werke „Hellraiser – Das Tor zur Hölle“, „Cabal – Die Brut der Nacht“ und eben auch „Lord of Illusions“ wünscht man sich, er hätte das Regieführen nicht so schnell an den Nagel gehängt. Welche literarischen oder filmischen Werke von Clive Barker – auch Filme nach seinen Drehbüchern – mögt Ihr besonders gern?

Alle als „Limited Collector’s Edition” von capelight pictures veröffentlichten Filme sowie die Filme der Reihe „Horror Cult Uncut“ von Twentieth Century Fox Home Entertainment haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Famke Janssen sind unter Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Scott Bakula in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 23. November 2018 als 2-Disc Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD, 11. Januar 2013 als DVD der Reihe „Horror Cult Uncut“, 4. Dezember 2006 und 11. Mai 2000 als DVD

Länge: 121 Min. (Blu-ray), 116 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Lord of Illusions
USA/GB 1995
Regie: Clive Barker
Drehbuch: Clive Barker, nach seiner Kurzgeschichte „Die letzte Illusion“
Besetzung: Scott Bakula, Kevin J. O’Connor, Famke Janssen, Daniel von Bargen, J. Trevor Edmond, Joseph Latimore, Sheila Tousey, Susan Traylor, Wayne Grace, Ashley Tesoro (als Ashley Lyn Cafagna), Johnny Venokur
Zusatzmaterial 2018: Audiokommentar von Clive Barker, isolierte Filmmusik, „A Gathering of Magic“ – Hinter den Kulissen (17:52 Min.), „Illusion of Reality“ – Making-of (61:53 Min.), entfallene Szenen mit Audiokommentar von Clive Barker (3:21 Min.), „Drawing Boards“ – Interview mit Storyboard-Artist Martin Mercer (11:54 Min.), englischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, Bildergalerie, Trailershow, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Zusatzmaterial 2013/2006/2000: Audiokommentar von Clive Barker, isolierte Filmmusik, entfallene Szenen (3:14 Min.), englischer Kinotrailer, Trailershow, nur 2013: Wendecover, nur 2000: 8-seitiges Booklet
Label 2018: capelight pictures
Vertrieb 2018: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2013: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Label/Vertrieb 2006 und 2000: MGM

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos und erster 3er-Packshot: © 2018 capelight pictures, unterer 3er-Packshot: © Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2022/10/05 in Uncategorized

 

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Horror für Halloween (VIII): Undead Slaughter – Das Grauen in der Kulturhauptstadt

Salvage

Von Volker Schönenberger

Horror // In einer beschaulichen Sackgasse eines beschaulichen englischen Örtchens trägt ein Junge (Kyle Ward) Zeitungen aus. In einem Haus beobachtet er den Streit eines Ehepaars. Der Mann (Shahid Ahmed) bemerkt den Zuschauer und verfolgt ihn in den Wald. Der Knirps versteckt sich hinter einem Baum, dreht sich um – und wird von einem (fürs Publikum nicht sichtbaren) Unbekannten niedergestreckt. Es ist Weihnachten.

Jäger oder Beute?

Die Teenagerin Jodie (Linzey Cocker) wird von ihrem Vater Clive (Dean Andrews) in eben dieser Straße abgesetzt, damit sie das Fest der Liebe bei ihrer Mutter Beth (Neve McIntosh) verbringt. Sie überrascht Beth, die gerade mit Kieran (Shaun Dooley) eine Nummer schiebt. Die entsetzte Jodie flüchtet zu ihrer gegenüber wohnenden Freundin Leanne (Jessica Baglow), deren Mutter Pam (Debbie Rush) sich weigert, Beth mit ihrer Tochter sprechen zu lassen.

Der Tod hält Einzug

Urplötzlich tauchen mit automatischen Gewehren bewaffnete Männer in schwarzen Uniformen auf und die Hölle bricht los. Schnell ist ein Anwohner tot (der streitende Ehemann aus der ersten Szene), und die Uniformierten beordern die Menschen, sich in ihre Häuser zu begeben und die Türen zu schließen. Im Fernsehen berichtet ein Reporter von drei Toten, die an einem nahe gelegenen Strand neben einem angeschwemmten Container aufgefunden wurden, und einem weiteren Toten zwei Meilen weiter. Dann fällt der Strom aus. Schnell sterben weitere Menschen.

Beth und …

In der Folge bleibt der Fokus auf Beth und ihrem One-Night-Stand Kieran, die sich mehr recht als schlecht drinnen verschanzen und überlegen, was zu tun ist. Einige Spannung rührt daher, dass sowohl die beiden als auch das Filmpublikum lange Zeit darüber im Unklaren sind, um was für eine Bedrohung es sich handelt, die über die Gegend hereingebrochen ist. Der Originaltitel „Salvage“ bedeutet in diesem Fall „Bergungsgut“ und meint wohl den am Strand angeschwemmten Container, was keine Rückschlüsse zulässt. Der deutsche Titelzusatz „Die Epidemie“ der deutschen Erstveröffentlichung von 2011 führt völlig in die Irre, weil der Film überhaupt nichts mit einer Epidemie zu tun hat (zu dieser Titelstümperei passt gut, dass das Wort auf dem Cover „Epedemie“ geschrieben wurde). 2014 wurde der Film hierzulande ein zweites Mal veröffentlicht, diesmal als „Undead Slaughter“. Das deutet auf Zombies oder zumindest irgendwelche Untote – doch solche Gestalten tauchen überhaupt nicht auf. Deutschland, deine Filmtitelschöpfer. Wie auch immer, an dieser Stelle erfährt selbstverständlich niemand, welcher Art die Bedrohung ist, derer sich Beth und Kieran erwehren müssen.

… Kieran kämpfen ums Überleben

Das Geschehen bleibt eine ganze Weile auf ein paar Innenräume beschränkt, was zweifellos dem Minimalbudget geschuldet ist, das Lawrence Gough für sein Langfilm-Regiedebüt zur Verfügung stand. Er drehte in Liverpool, sein Kameramann Simon Tindall verwendete eine HDV-Kamera von JVC. Bemerkenswert, dass ein solcher Low-Budget-Horrorfilm im Rahmen von Liverpools Dasein als Kulturhauptstadt Europas 2008 (gemeinsam mit dem norwegischen Stavanger) entstanden ist. Daher rührt wohl auch die Tatsache, dass die BBC als eine der Produktionsfirmen fungierte; viel Geld hat der Fernsehsender dafür allerdings nicht lockergemacht. Ein weiterer öffentlich-rechtlicher Sender, Channel 4, steuerte immerhin das Filmset bei – gedreht wurde in den Kulissen der Seifenoper „Brookside“ (1982–2003). Eine andere Produktionsfirma war die vom Stadtrat der Mersey-Metropole ins Leben gerufene Liverpool Culture Company, die mit „Salvage“, „Of Time and the City“ (2008) und „Kicks“ (2009) insgesamt drei Filme rund um Liverpools Dasein als Kulturhauptstadt Europas produzierte.

Was weiß der Soldat?

„Salvage“ wirkt nicht zu Ende gedacht, sogar unfertig. Das Verhalten der Soldaten erscheint nicht immer schlüssig, und wenn wir der Bedrohung endlich gewahr werden, erhalten wir außer ein paar Informationsfetzen keine Erklärung für ihre Existenz. Reizvoll ist das Ganze dennoch, etwa mit dem überraschenden Wechsel der Perspektive von anfangs Jodie zu bald darauf ihrer Mutter Beth. In der Folge erfahren wir mehr über Beth und auch Kieran. Die beiden sind alles andere als fehlerfrei, aber das macht sie zu Menschen aus Fleisch und Blut, mit denen wir bis zum konsequenten Finale mitfiebern. „Undead Slaughter“ ist ein kleiner Horrorfilm, der wenig Aufmerksamkeit bekommen hat und alsbald in Vergessenheit geraten ist, aber einen Blick wert ist, wenn man mit ein paar budgetbedingten Unzulänglichkeiten umgehen kann.

Beth sucht ihre Tochter

Veröffentlichung: 16. Mai 2014 als Blu-ray und DVD (unter dem Titel „Undead Slaughter“), 10. März 2011 als Blu-ray und DVD (unter dem Titel „Salvage – Die Epidemie“)

Länge: 79 Min. (Blu-ray), 75 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Salvage
Alternativtitel: Salvage – Terror Has Found a Home / Salvage – Die Epidemie
GB 2009
Regie: Lawrence Gough
Drehbuch: Colin O’Donnell
Besetzung: Neve McIntosh, Shaun Dooley, Dean Andrews, Linzey Cocker, Trevor Hancock, Shahid Ahmed, Kevin Harvey, Paul Opacic, Ray Nicholas, Ben Batt, Alan Pattison, Debbie Rush, Jessica Baglow, Paul Howell, Kyle Ward
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Lawrence Gough, Hauptdarsteller Shaun Dooley, Associate Producer Alan Pattinson und Drehbuchautor Colin O’Donnell, Making-of (10:08 Min.), Interviews (44:36 Min.), Bildergalerie, Trailer, Wendecover
Label/Vertrieb 2014: ‎Voulez Vous Film (Intergroove)
Label 2011: MIG
Vertrieb 2011: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot „Undead Slaughter“: © 2014 ‎Voulez Vous Film (Intergroove),
Packshot „Salvage – Die Epidemie“: © 2011 MIG

 

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