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Barquero – Der widerspenstige Fährmann

Barquero

Von Volker Schönenberger

Western // Der stoische Travis (Lee Van Cleef) betreibt an einem Fluss in der Nähe zu Mexiko eine kleine Fähre, die er selbst zusammengezimmert hat, und genießt sein ruhiges Leben in der Ufersiedlung. Der Frieden wird jäh gestört, als ihn der Gangster Fair (John Davis Chandler) mit zwei Kumpanen überwältigt und an die Fähre fesselt. Der Ganove bildet die Vorhut für die Bande von Jacob Remy (Warren Oates, „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“), die gerade anderswo eine Bank ausgeraubt und die Bewohner des Orts zusammengeschossen hat. Glück für Travis: Sein Kumpel Mountain Phil (Forrest Tucker) legt die beiden Spießgesellen von Fair um, setzt den Gangster fest und befreit den Fährmann. Gerade noch rechtzeitig vor dem Eintreffen von Remy und dessen Bande bringen Travis und Mountain Phil sich und die Siedlerschaft mit dem Wasserfahrzeug auf dem anderen Ufer in Sicherheit. Über den Fluss hinweg beginnt ein Psychoduell zwischen dem Fährmann und dem Gangsterboss.

Mit diesem Fährmann legt man sich besser nicht an

Bei aller nicht zu leugnender Präsenz von Charakterkopf Lee Van Cleef („Zwei glorreiche Halunken“) bietet Warren Oates’ Rolle des Oberschurken doch den etwas interessanteren Part. Dessen Jacob Remy fällt gleich zu Beginn durch absolute Gnadenlosigkeit auf, was eine liebesbedürftige Hure auf tödliche Weise zu spüren bekommt. Später stellt sich heraus, dass der Gangster mit bösen Erinnerungen zu kämpfen hat und sein Dasein mit bewusstseinserweiternden – oder wahlweise -trübenden – Rauchwaren zu erleichtern versucht. Mitgefühl kommt zwar nicht auf, dafür mangelt es ihm dann doch zu sehr an menschlichen Regungen, was auch seine Kumpane zu spüren bekommen, aber wenn er irgendwann am Ufer steht und nicht mehr weiter weiß, kann er einem fast leid tun – aber eben nur fast.

Als verschmitzter Sidekick des Fährmanns bringt Forrest Tucker („Chisum“) etwas Leichtigkeit ins Spiel. Die übrigen Figuren gehen da etwas verloren, etwa Marie Gomez als Travis’ Geliebte Nola und Mariette Hartley als Anna, auf die der Fährmann ebenfalls ein Auge geworfen hat. Dieses Dreieck hatte mehr Potenzial, auch auf die Gefahr hin, vom Hauptplot abzulenken, wobei Travis seine Fähre stets mehr am Herzen zu liegen scheint als eine der beiden Frauen.

Gezielter Schuss hätte Abhilfe gebracht

Ab und zu habe ich mich gefragt, weshalb nicht ein geübter Scharfschütze auf der einen den oder die Wortführer auf der jeweils anderen Seite mit einem gezielten Gewehrschuss zur Strecke bringt. Dass das möglich ist, wird vereinzelt demonstriert. Ein kleines, zu verschmerzendes Logikloch – ebenso wie die Frage, weshalb die Gangster erst ganz am Ende auf die Idee kommen, sich ihr Wasserfahrzeug selbst zusammenzuzimmern.

Viel Faszination zieht „Barquero“ – Spanisch für „Bootsmann“ – aus dem ungewöhnlichen Sujet der Belagerung über einen Fluss hinweg. Der US-Western zeigt sich stark vom Italowestern beeinflusst, vor allem, was das unvermittelte, geradezu lakonische Töten angeht. Die Personalie Lee Van Cleef tut ihr Übriges dazu. Ein wenig scheint „Barquero“ unter dem Radar zu laufen – der „Tomatometer“ von Rotten Tomatoes führt überhaupt keine Wertung auf, der „Audience Score“ der Seite liegt bei niedrigen 38 Prozent. Immerhin haben die User der IMDb dem Western eine Durchschnittswertung von 6,3 beschert (Stand jeweils Dezember 2018). Auf diesem Wert ist „Barquero“ auch gut aufgehoben.

Vom Regisseur des Ameisen-Horrorfilms „Formicula“

Regisseur Gordon Douglas (1907–1993) begann seine Laufbahn 1935 mit Kurzfilmen, seinen ersten Langfilm drehte er 1942. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen „Ein Sommer in Florida“ („Follow that Dream“, 1962) mit Elvis Presley, „Man soll nicht mit der Liebe spielen“ („Young at Heart“, 1954) mit Doris Day und Frank Sinatra sowie den durchaus wegweisenden SF-Horrorfilm „Formicula“ (1954), in welchem Riesenameisen ihr Unwesen treiben.

Mit diesem Gangster allerdings auch nicht

Douglas eröffnet und beschließt „Barquero“ mit gewalthaltiger Action, die furios ausfällt, wenn auch nicht ganz so blutig wie Sam Peckinpahs ein Jahr früher entstandener „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“, in welchem Warren Oates ebenfalls mitwirkte. Im Mittelteil legt der Regisseur seinen Fokus auf die Psychologie der Figuren und ihre Beziehungen zueinander. Mit Warren Oates als Sam-Peckinpah-Star und Lee Van Cleef als Sergio-Leone-Schauspieler liegt der Verdacht nahe, dass Gordon Douglas und seine Produzenten „Barquero“ etwas reißbrettartig als Mischung aus beiden Regisseurseinflüssen angelegt haben; an diesen Vorbildern gemessen scheitert der Western natürlich zwangsläufig, das tut seiner Qualität und dem Unterhaltungswert aber keinen Abbruch.

Veröffentlichung: 31. März 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 109 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Barquero
USA 1970
Regie: Gordon Douglas
Drehbuch: George Schenck, William Marks
Besetzung: Lee Van Cleef, Warren Oates, Forrest Tucker, Kerwin Mathews, Mariette Hartley, Marie Gomez, Armando Silvestre, John Davis Chandler, Craig Littler, Harry Lauter
Zusatzmaterial: Bio- und Filmografien, Bildergalerie, Wendecover
Label: Black Hill Pictures GmbH
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2017 Black Hill Pictures GmbH

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In den Kerkern von Marokko – Interessante Genre-Kreuzung

Yankee Pasha

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Der Trapper Jason Starbuck (Jeff Chandler) hat genug vom Wildwest-Leben und willigt in eine Wette mit dem Geschäftsmann Elias Derby (Tudor Owen) ein, die ihm das Geld für eine Schifffahrt in die Ferne sichern soll. Als Starbucks neue Flamme Roxana Reil (Rhonda Fleming) kurz darauf entführt und nach Marokko verschleppt wird, muss er nicht mehr lange überlegen, wohin die Reise gehen soll. Am Hofe des Sultans (Lee J. Cobb) kann der eine oder andere von einem gewieften Gewehrschützen aus dem amerikanischen Westen womöglich sogar noch etwas lernen – und in den Harems wartet nicht nur Roxana.

„In den Kerkern von Marokko“ ist ein kurzweiliger Abenteuerfilm mit guter Mischung aus Exotik und Humor, der vor allem deswegen sehenswert ist, da man die Kombination aus Western und Tausendundeine-Nacht-Film durchaus als äußerst seltenes Vergnügen bezeichnen kann – zudem verknüpft mit einem kurzen Piratenfilm-Intermezzo. Unterhaltsam und sehenswert, nicht nur aufgrund der kuriosen Idee, diverse Miss-Wahl-Gewinnerinnen als echte Hingucker im Harem zu besetzen. Hinwegsehen muss man hier lediglich über den banalen, ziemlich albernen Originaltitel „Yankee Pasha“. Der geht zwar auf die Romanvorlage von Edison Marshall aus dem Jahr 1947 zurück, jedoch muss dazu gesagt werden, dass Universal 1952 schon einen anderen Abenteuerfilm mit Jeff Chandler unter dem Titel „Yankee Buccaneer“ (deutscher Titel: „Unter falscher Flagge“) veröffentlicht hatte – und mit diesem Piratenfilm hatte Edison Marshall an sich nichts zu tun, mutmaßliche Beeinflussungen jedweder Art hin oder her. Marshalls bekannteste Kino-Partizipation dürfte die Romanvorlage zu dem unter der Regie von Richard Fleischer mit Kirk Douglas verfilmten Epos „Die Wikinger“ (1958) sein. Ein sehenswerter, auf einem Marshall-Roman basierender Film ist zudem Delmer Daves’ „Im Reiche des goldenen Condor“ (1953) – hierzulande trotz des namhaften Regisseurs aber kaum bekannt, was unter anderem darauf zurückgehen dürfte, dass die deutsche Synchronfassung vergleichsweise selten und kaum zu bekommen ist. „Im Reiche des goldenen Condor“ ist wiederum ein Remake mit abgewandelten Handlungsorten/-ländern des Tyrone-Power-Klassikers „Abenteuer in der Südsee“ (1942). Damit ist das Feld der Edison-Marshall-Adaptionen im Hollywood-Tonfilm dann auch weitestgehend umrissen. Wenige, aber durchaus denkwürdige Stoffe und Filme.

Jeff Chandler unter dem Einfluss Dritter

Die Titel „Yankee Buccaneer“ und „Yankee Pasha“ sind auch insofern recht bezeichnend, als sie ziemlich plastisch verdeutlichen, in welches Rollenbild man Jeff Chandler im Hause Universal in den 50ern hineinzupressen versuchte. Chandler machte sich zugegebenermaßen sehr gut in derartigen Filmen, aber diese Besetzungspraxis hatte zur Folge, dass er irgendwann schlicht dankbar war, auch wieder einmal eine differenziertere Rolle wie in „Kreuzverhör“ (1957), anstelle des reinen Western- oder Abenteuerhelden gehobenen Groschenheft-Niveaus, spielen zu dürfen. Rollen der Art wie in „Yankee Pasha“ ließen in ihm den Gedanken wachsen, sich langsam aus seinem langfristigen Kontrakt mit Universal zu lösen, um mehr Chancen auf andere Arten von Filmen und Figuren zu bekommen.

Im Juni 1961 starb Jeff Chandler mit nur 42 Jahren. Während der Arbeit an seinem letzten Film, „Durchbruch auf Befehl“ (1962), zog er sich beim Baseballspielen in einer Drehpause eine unglückliche Rückenverletzung zu, die operiert werden musste. Bei dem Eingriff wurde in einem Krankenhaus in Culver City, Los Angeles versehentlich eine Arterie verletzt, was zu massivem Blutverlust führte. Man versuchte, ihm in Folgeoperationen wieder Blut in großen Mengen zuzuführen, dennoch erlag Chandler den Komplikationen nach etwas mehr als einem Monat. Den von ihm anvisierten Wechsel – weg von Universal und hin zu einer abwechslungsreicheren Rollenauswahl – hatte er bis dato aber bereits erfolgreich vollzogen. Zudem war er als Sänger beliebt, war unter anderem im ganz großen Rahmen in Las Vegas aufgetreten. In Jeff Chandler steckte enormes Potenzial, das durch einen einzigen medizinischen Eingriff, irgendwo zwischen dramatischer Tragik, menschlichem Versagen und Ärztepfusch, jäh zerstört wurde. Sein Ableben wurde Gegenstand eines großen Gerichtsverfahrens.

Die Kinowelt um Joseph Pevney

Die Karrieren von Joseph Pevney und Jeff Chandler sind eng miteinander verbunden. Insgesamt sieben Filme mit Chandler in einer Hauptrolle wurden von Pevney inszeniert. Für einen weiteren – „Seine letzte Chance“ (1955) – war Chandler ursprünglich vorgesehen, wirkte dann aber nur hinter den Kulissen mit und wurde vor der Kamera vom späteren Jerry-Cotton-Darsteller George Nader ersetzt. Hinzu kommt ein Cameo von Chandler in Pevneys „Zu allem entschlossen“ (1952). Vom romantischen Drama über den Western und Abenteuerfilm bis hin zum Film noir, zum Sportdrama und zum Kriegsfilm deckten Pevney und Chandler als Gespann eine nennenswerte Bandbreite an Genres ab. Die Zusammenarbeit funktionierte so gut, dass Pevney auch „Die Plünderer“ (1960) inszenieren durfte, der bereits abseits von Universal entstand, nachdem beide dieses Studio vorher über die 50er-Jahre hinweg maßgeblich geprägt hatten. Es sollte, dem Schicksal geschuldet, Jeff Chandlers letzter Western werden. Eine weitere der Kollaborationen von Pevney und Chandler, ihren ersten gemeinsamen Film „Ausgezählt“ (1951), habe ich bereits zu einem früheren Zeitpunkt auf „Die Nacht der lebenden Texte“ besprochen. Übrigens soll es Joseph Pevney gewesen sein, der Clint Eastwood bei seinem ersten richtigen Vorsprechen für einen Hollywood-Film ablehnte – während der Vorbereitungen des Drehs von besagtem „Seine letzte Chance“.

Joseph Pevney war als Regisseur eine verdammt sichere Bank. Einer, bei dem man einfach weiß, wenn man seinen Namen im Vorspann liest, dass es absolut keinen Grund zur Sorge gibt und der zudem nicht einmal ansatzweise auf ein Genre festgelegt war. Ein absoluter Allrounder des 50er-Genrekinos aus Hollywood. Einer von dem man mindestens ein halbes Dutzend Filme gesehen haben sollte, ehe man über das damalige US-Kino und seine Genrelandschaft urteilt. Selbiges gilt etwa auf Augenhöhe unter anderem auch für Joseph M. Newman („Die Welt der Sensationen“), Lesley Selander („Pfeile in der Dämmerung“), Jerry Hopper („Pony-Express“), Frederick de Cordova („Die Piratenbraut“), Charles Marquis Warren („Die Bestie der Wildnis“), Edward Ludwig („Marihuana“) und Lewis R. Foster („Gold in Neuguinea“). Gemeint sind Vorzeige-Regisseure aus der zweiten oder dritten Reihe, die dem 50er-Genrefilm einen richtig guten Stempel aufgedrückt, aber nicht die Bekanntheit von Budd Boetticher („Gefangene des Dschungels“), Jack Arnold („Kreuzverhör“), George Sherman („Rebellen der Steppe“) oder Jacques Tourneur („The Leopard Man“) erlangt haben beziehungsweise erheblich seltener analytisch besprochen oder gewürdigt worden sind. Dann sind da noch Regisseure wie beispielsweise André De Toth, Gordon Douglas oder Phil Karlson, die trotz Anschluss an den A-Film-Sektor in etwa zwischen den beiden Lagern schweben – bei Licht betrachtet eigentlich weniger beachtet als Boetticher oder Tourneur, dennoch große Könner. Dann gibt es noch die, die handwerklich nicht unbedingt das Niveau von beispielsweise Pevney oder Foster hatten, als solide Abenteuergeschichtenerzähler für das 50er-Hollywood dennoch verlässlich und wichtig waren – nehmen wir etwa Joseph Kane bei Republic Pictures, Fred F. Sears bei Columbia oder den gebürtigen Wiener Reginald Le Borg. Es gibt in diesem Feld noch sehr viel aufzuarbeiten!

Wonach wird eigentlich entschieden?

Bis heute sind in Bahnhofsbuchhandlungen Heftchen mit Westerngeschichten sehr beliebt, die nicht viel kosten, aber gut unterhalten. Das US-Kino der 50er-Jahre hat eine Vielzahl an Filmen parat, die dazu gewissermaßen das Leinwand-Pendant bilden. Nicht nur Western, sondern auch sonstige Abenteuergeschichten. Der Fundus an netten kleinen Hollywood-Abenteuerfilmen ist, gerade aus den 30er- bis 50er-Jahren, enorm groß und filmwissenschaftlich eher wenig beleuchtet. „In den Kerkern von Marokko“ ist einer aus dieser Kategorie und nur einer von etlichen, die Jeff Chandler und Joseph Pevney zu dem Sektor beigetragen haben. Auch dieser Film hat es allerdings selbst in den USA bis heute noch nicht zu einer DVD-Veröffentlichung gebracht. Jeff Chandler wäre im Dezember dieses Jahres 100 Jahre alt geworden. So langsam wird es Zeit für einen DVD- oder Blu-ray-Start!

Seinen beiden weiblichen Co-Stars Rhonda Fleming und Mamie Van Doren könnte man damit vermutlich eine Freude machen. Sie sind mittlerweile stolze 95 und 87 Jahre alt. Neben ihnen lohnt der Film aber auch wegen Lee J. Cobb, der als orientalischer Sultan, zudem in einem Film recht trivialer Dramaturgie, ziemlich überraschend besetzt ist, aber mit dem man eigentlich nie etwas verkehrt macht. Unter den sonstigen Nebenrollen möchte ich besonders Philip Van Zandt und Tudor Owen hervorheben – zwei Charakterdarsteller mit Wiedererkennungswert, über deren vertraute Gesichter man sich immer freut und denen man den Spaß an ihrem Beruf stets anmerkt. Lediglich der in Berlin geborene Rex Reason, der damals auch als Heldendarsteller durchzustarten versuchte, hier aber den fiesen Antagonisten spielt, enttäuscht mit einer recht hölzernen Allerweltsdarbietung. In der deutschen Fassung irritiert zudem, dass Rex Reason die Stimme von Wolf Martini hat, der sich wenig später als Lee J. Cobbs Stammsprecher zu etablieren begann und dies wahrscheinlich auch geblieben wäre, wäre er nicht bereits 1959 verstorben. Zum Zeitpunkt der Synchronisation von „In den Kerkern von Marokko“ war Martini für Cobb aber noch nicht manifestiert, somit ist den Verantwortlichen hier kein Vorwurf zu machen. Eine Problematik, die sich im Synchron rückwirkend des Öfteren ergibt, sobald man ältere Filme mit Schauspielern schaut, bei denen sich erst später eine reguläre Stimme herauskristallisiert hat. Eine Problematik, die allerdings auch nicht wirklich zu verhindern ist. Ein wenig schade ist es trotzdem, da Martini verdammt gut für Cobb funktioniert – und nicht nur für den, sondern zum Beispiel auch Anthony Quinn, Ward Bond und Ted de Corsia. Aber Curt Ackermann als deutsche Stimme von Jeff Chandler ist so oder so die halbe Miete und stets eine Lehrstunde zum Thema Synchronisation.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jeff Chandler sind in der Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 84 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Yankee Pasha
USA 1954
Regie: Joseph Pevney
Drehbuch: Joseph Hoffman, nach einem Roman von Edison Marshall
Besetzung: Jeff Chandler, Rhonda Fleming, Mamie Van Doren, Lee J. Cobb, Hal March, Rex Reason, Philip Van Zandt, Benny Rubin, Tudor Owen, Harry Lauter
Verleih: Universal International Pictures

Copyright 2018 by Ansgar Skulme

 

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Death Kiss – Charles-Bronson-Klon räumt auf

Death Kiss

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // In einer namenlosen Metropole kommt ein ebenso namenloser Fremder (Robert Bronzi) aus dem Schatten eines Hinterhofs und zündet dem dort wartenden Dicken eine Zigarette an. Der Raucher vermietet eine Minderjährige an Pädophile. Der Fremde gibt sich als zahlungswilliger Freier aus, doch dann überwältigt er den Zuhälter, dringt ins Haus ein und legt mit seiner großkalibrigen Wumme den Kunden vor ihm um. Auch der Lude darf anschließend dran glauben. Vom Radiomoderator Dan Forthright (Daniel Baldwin) erfahren wir kurz darauf, dass es mit Moral, Recht und Gesetz in dieser Stadt nicht gut bestellt ist. Und die Polizei verteilt lieber Bußgelder an Verkehrssünder, als gegen die wahren Übeltäter vorzugehen.

Wenn Kriminelle zuschlagen …

Ist Charles Bronson von den Toten auferstanden? Oder haben wir es bei „Death Kiss“ mit einem verschollenen „Ein Mann sieht rot“-Epigonen aus den 70er-Jahren zu tun? Ach nein, die Leute verwenden ja Smartphones, „Death Kiss“ ist also erst jüngst entstanden. Hauptdarsteller Robert Bronzi heißt eigentlich Robert Kovacs, stammt aus Ungarn und ist Charles Bronson (1921–2003) wie aus dem Gesicht geschnitten, „Death Kiss“ versucht dann auch gar nicht erst, etwas anderes zu sein als ein Selbstjustiz-Actioner im Fahrwasser von Bronsons Klassiker, beginnend mit dem Titel, der sich unverkennbar an dem des Originals orientiert: „Death Wish“. Etwas wohlwollender lassen wir den Film als Hommage ans große Vorbild durchgehen. Sicher kein Zufall, dass „Death Kiss“ kurz nach Eli Roths Remake „Death Wish“ mit Bruce Willis entstanden ist, insofern kann man den Film mit Bronson-Klon Bronzi auch als Mockbuster bezeichnen, der von der aktuellen Aufmerksamkeit für die Neuverfilmung profitieren will.

… nimmt einer das Gesetz in die eigene Hand

Der stylishe, auf die Dauer etwas eintönige Synthie-Score treibt die sparsame Handlung voran. Den einsamen Feldzug des Fremden unterbrechen gelegentliche Monologe des erwähnten Radiomoderators, die Zuschauer, welche der Story nicht folgen können, über das Geschehen aufklären. Die Rolle diente wohl eher dazu, mit Daniel Baldwin („Vampire“) einen halbwegs prominenten Namen unterzubringen, der das Cover aufwertet, auch wenn sich später eine Beziehung zwischen Fortright und dem Selbstjustizler auftut. Die Geschichte läuft auf eine finale Konfrontation zwischen dem Fremden und dem Gangster Tyrell (Richard Tyson) hinaus, wobei das erste Aufeinandertreffen der beiden aus dem Nichts kommt. Ohnehin starten die Actionszenen – in erster Linie Schießereien – stets unvermittelt, ohne sich zuvor angedeutet zu haben, das hätte man versierter inszenieren können.

Böse: Tyrell

Auch eine gefühlige Hintergrundgeschichte bekommt der Aufräumer verpasst: Mit regelmäßigen Briefumschlägen voller Geld unterstützt er die alleinerziehende Ana (Eva Hamilton) und ihre querschnittsgelähmte Tochter Isabel (Leia Perez), die irgendwo vor den Toren der Stadt leben – er stellt sich Ana irgendwann als „K“ vor, wofür auch immer der Buchstabe stehen mag. Besonders ausgefeilt wirkt all das nicht, das eine oder andere Detail passt nicht recht. Besonders eine spezielle Aktion des Fremden gegenüber einem Opfer, das er gerade aus Tyrells Fängen befreit hat, steht zu seiner charakterlichen Einordnung im krassen Widerspruch. Welche Verbindung zwischen ihm, Ana und ihrer Tochter besteht, erfahren wir natürlich gegen Ende.

Auch dieser Herr muss lernen …

Ihre Altersfreigabe ab 18 Jahren erhielt die ungeschnittene Fassung von „Death Kiss“ erst im zweiten Anlauf. Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Cutter Rene Perez hat die bleihaltige Action in der Tat recht brutal inszeniert, Körpertreffer des Bronson-Lookalike verursachen große Einschusslöcher und Blutschwalle, die allerdings aus dem Computer kommen. Die Skepsis der FSK im ersten Durchgang rührte womöglich von der zwiespältigen Haltung des Films zur Selbstjustiz her. Letztlich dient das Thema aber lediglich als Aufhänger für einen Actionthriller. Eine politische oder moralische Haltung muss man nicht ins Geschehen hineininterpretieren, wobei es jedem Zuschauer selbst überlassen ist, das doch zu tun, denn selbstverständlich ist es legitim, das Wirken des Protagonisten als reaktionär zu kritisieren. In der deutschen Synchronisation geben sich die Monologe des Radiomoderators deutlich zahmer als im englischsprachigen Original.

… sich nicht mit ihm anzulegen

Ob Fans von Charles Bronson und „Ein Mann sieht rot“ Gefallen an „Death Kiss“ finden? Ein paar vielleicht, andere werden sich achselzuckend wieder dem Original zuwenden. Wer zügig und mit niedrigem Budget produzierte Action mag und typische Mängel solcher Filme hinzunehmen bereit ist, wird dem Thriller als kuriose Genre-Randnote etwas abgewinnen können. Jüngeres Actionpublikum ohne Kenntnis der 70er mag er sogar auf „Ein Mann sieht rot“ hinweisen, das ist dann auch etwas wert. Für Robert Bronzi markiert „Death Kiss“ die zweite Rolle nach dem ebenfalls von Rene Perez inszenierten „From Hell to the Wild West“ (2017), sein nächster Film wird „Escape from Death Block 13“ sein. Eine Nische als Charles-Bronson-Zwilling sei Bronzi gegönnt, für viel mehr wird es nicht reichen, die Ähnlichkeit zum Vorbild dürfte Fluch und Segen zugleich sein und ihm immerhin als Gast auf Filmconventions ein zusätzliches Einkommen bescheren. Welche Selbstjustiz-Thriller könnt Ihr empfehlen, ohne „Death Wish“ zu nennen?

Der Rächer bringt Ana das Schießen bei

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Death Kiss
USA 2018
Regie: Rene Perez
Drehbuch: Rene Perez
Besetzung: Robert Bronzi, Daniel Baldwin, Richard Tyson, Eva Hamilton, Stormy Maya, J. D. Angstadt, Reese Austyn, Zach Carter, Anton Clark, Malorie Glavan, Leia Perez, Timothy Sheard, Sam Story, Sean Story, Linze Zaniroli
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Rene Perez, Trailershow, Wendecover
Label: Busch Media Group
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2018 Busch Media Group

 
 

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