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Archiv der Kategorie: Rezensionen

John Carpenter (XVII): Das Dorf der Verdammten (1995) – Die Krux mit den Remakes

Village of the Damned

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // An einem ganz normalen Sommertag fallen um 10 Uhr morgens alle Menschen von Midwich in eine tiefe Bewusstlosigkeit. Mit ihnen auch die Haus- und Nutztiere des kalifornischen Küstenstädtchens. Für Frank (Michael Paré), den seine Ehefrau Jill (Linda Kozlowski) um eine Besorgung im Nachbarort gebeten hatte, endet das fatal: Weil er gerade mit dem Auto unterwegs ist, als ihn die Ohnmacht ereilt, verunglückt er tödlich, sein Fahrzeug geht in Flammen auf. Als herbeieilende Polizisten ebenfalls in Ohnmacht fallen, wird Midwich abgeriegelt. Der ebenfalls abwesende örtliche Arzt Dr. Alan Chaffee (Christopher Reeve) trifft an der Abgrenzung auf die Wissenschaftlerin Dr. Susan Vurner (Kirstie Alley). Exakt sechs Stunden nach Einsetzen der Bewusstlosigkeit erwachen alle wieder zum Leben. Fast alle: Einer der Einwohner Midwichs war auf seinen Grill gefallen und ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Einige Wochen später stellt Dr. Chaffee bei zehn Frauen eine Schwangerschaft fest, unter ihnen seine Gattin Barbara (Karen Kahn), die nunmehr verwitwete Jill und die Jungfrau Melanie Roberts (Meredith Salenger). Es stellt sich heraus, dass die Schwangerschaft wohl am Tag der kollektiven Bewusstlosigkeit einsetzte. Weil Dr. Vurner im Namen ihres staatlichen Forschungsinstituts die Übernahme aller Kosten der Schwangerschaft plus monatlich 3.000 Dollar in Aussicht stellt, beschließen die Frauen durchweg, die Kinder zu gebären. Ein Fehler …

Noch ahnt Dr. Chaffee nicht, was in Midwich vorgeht

Ein Remake eines Klassikers stellt stets ein heikles Unterfangen dar, wird es doch zwangsläufig am Original gemessen und wird in der Regel daran scheitern (wobei John Carpenter selbst 1982 mit „Das Ding aus einer anderen Welt“ eine Ausnahme dieser Regel inszeniert hat). Dieses Schicksal ereilte auch Carpenters Adaption des britischen Schockers „Das Dorf der Verdammten“ (1960) von Wolf Rilla. Sparen wir uns an dieser Stelle die Diskussion, ob es sich bei der Zweitverfilmung eines Romans – hier: John Wyndhams „The Midwich Cuckoos“ – um ein Remake handelt oder eine Neuverfilmung; die Bezeichnung Remake ist in diesem Fall meines Erachtens legitim. Jedenfalls floppte Carpenters Regiearbeit ein Jahr nach dem bemerkenswerten „Die Mächte des Wahnsinns“ (1994) an den Kinokassen, und auch die heimische Filmkritik ließ kaum ein gutes Haar daran. So Richard Harrington am 28. April 1995 in der Washington Post: Hat John Carpenter den Verstand oder lediglich sein Talent verloren? Leider mache Carpenter Hackfleisch aus dem Klassiker. Gary Kamiya wiederum stellte am selben Tag im San Francisco Examiner die gemeine, aber nicht ganz unberechtigte Frage: Weshalb wurde dieser Film gemacht?

Ein böses Erwachen

So schlecht ist der neue „Das Dorf der Verdammten“ nun auch wieder nicht, tatsächlich gar nicht so schlecht. Die Bewusstlosigkeitssequenz zu Beginn ist sogar verdammt (die Pointe gönne ich mir) stark. Ebenfalls stark ist grundsätzlich sowieso der Gedanke an Kinder, denen eine eiskalte Skrupellosigkeit bis hin zur Bösartigkeit innewohnt, die der Film konsequent zu Ende verfolgt. Die Midwich-Kuckuckskinder entwickeln mit schlohweißen Haaren große Ähnlichkeit zueinander und paranormale Fähigkeiten, die sie in furcheinflößender Weise zu ihrem Vorteil einsetzen. Das ist in Original wie Remake angetan, uns frösteln zu lassen. Die leuchtenden Augen der Kinder müssen einem nicht gefallen, sie erfüllen aber ihren Zweck.

Am Drehort von „The Fog“

So effektiv wie effektvoll setzt John Carpenter nicht nur seinen eigenen Elektro-Score ein, sondern auch die pittoreske Landschaft, für die er im Übrigen an einige Drehorte seines Klassikers „The Fog – Nebel des Grauens“ (1980) zurückkehrte. Und wer weiß? Vielleicht hätte Carpenters Verfilmung des Romans ohne die Existenz der 1960er-Umsetzung einen viel höheren Status? Vielleicht liegt es aber auch an der etwas zu glatten Besetzung, dass die Neufassung bei manchen Fans und Kritikern nicht gerade wohlgelitten ist. Kirstie Alley („Kuck’ mal, wer da spricht“) als mysteriöse Wissenschaftlerin, die zwischen skrupellosem Forschungsdrang und Sorge vor einer kosmischen Bedrohung laviert – na ja. Michael Paré hätte uns sicher Freude bereitet, aber seine Figur stirbt ja gleich zu Beginn. Auch Mark „Luke Skywalker“ Hamill als Geistlicher vermag keine Akzente zu setzen. Christopher Reeve macht als Protagonist einen sympathischen, aber auch etwas hölzernen Eindruck. Für den „Superman“-Darsteller war es eine seiner letzten Rollen kurz vor seinem Reitunfall, der eine Querschnittslähmung zur Folge hatte. Reeve starb im Oktober 2004 im Alter von 52 Jahren an den Folgen einer Infektion aufgrund einer wundgelegenen Körperstelle.

Diese Kinder führen nichts Gutes im Schilde

Koch Films hat „Das Dorf der Verdammten“ bereits 2014 als Blu-ray veröffentlicht und im November 2021 eine Neuauflage im Steelbook folgen lassen. Bild und Ton sind hervorragend, wobei ich nicht beurteilen kann, ob es sich gegenüber der älteren Version um eine aufpolierte Fassung handelt. Aber das Steelbook sieht großartig aus, ein Schmuckstück für jede Sammlung. Für John Carpenter war „Das Dorf der Verdammten“ nur eine Auftragsarbeit. Das und die Tatsache, dass es sich „nur“ um ein Remake handelt, verhinderten womöglich ein Werk mit mehr Schockerqualitäten, weshalb es zu keinem Zeitpunkt an die Glanzleistungen des Regisseurs anknüpfen kann. Aber auch darunter ist Platz für soliden Horror, und der ist Carpenter gelungen.

Das bekommt auch der Dorfpfarrer zu spüren

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Mark Hamill, Michael Paré und Christopher Reeve unter Schauspieler.

Unwiderstehlich

Veröffentlichung: 18. November 2021 als 2-Disc Limited Steelbook Edition (Blu-ray & DVD), 7. November 2014 als Blu-ray, 31. Mai 2012, 2. September 2004 und 7. November 2000 als DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch (Universal-DVD auch Französisch, Spanisch, Italienisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch (Universal-DVD auch weitere)
Originaltitel: Village of the Damned
USA 1995
Regie: John Carpenter
Drehbuch: David Himmelstein, nach John Wyndhams Roman „The Midwich Cuckoos“
Besetzung: Christopher Reeve, Kirstie Alley, Linda Kozlowski, Michael Paré, Meredith Salenger, Mark Hamill, Pippa Pearthtree, Peter Jason, Constance Forslund, Karen Kahn, Thomas Dekker, Lindsey Haun, Cody Dorkin, Trishalee Hardy Jessye Quarry
Zusatzmaterial 2021: Featurettes, Making-of, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Trailer
Zusatzmaterial 2014: Bildergalerie, Originaltrailer
Zusatzmaterial 2012/2004/2000: Production Notes, Cast and Filmmakers, Kinotrailer, Universal-Weblinks
Label/Vertrieb 2021 & 2014: Koch Films
Label/Vertrieb bis 2012: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Steelbook: © 2021 Koch Films,
Packshot DVD: © 2004 Universal Pictures Germany GmbH

 

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Vampires – Los Muertos: Livin’ on a Prayer?

Vampires – Los Muertos

Von Volker Schönenberger

Horror // Irgendwo in einem heruntergekommenen Vergnügungsviertel von Mexiko-Stadt bedroht ein Freier in einer dunklen Gasse eine Prostituierte mit einer Rasierklinge. Ein Mann (Jon Bon Jovi) eilt vermeintlich zu Hilfe und verleiht seinem Ansinnen mit einer sonderbaren Pistole Nachdruck, die offenbar Holzpflöcke verschießt. Der Freier zeigt sich beeindruckt, muss dann aber mit ansehen, wie der Unbekannte der Prostituierten einen Holzpflock durch den Mund schießt und einen weiteren durchs Herz treibt. Sie verwandelt sich im Todeskampf in den Vampir, der sie war. Derek Bliss hat wieder einen Auftrag der dem Vatikan nahe stehenden Van Helsing Group erledigt, für die er als freischaffender Vampirjäger tätig ist.

Ein renitenter Freier wird zur Räson gebracht

Der von John Carpenter gedrehte „Vampire“ (1998) steht in der Rangliste meiner liebsten Vampirfilme sehr weit vorn. Dem muss man nicht folgen, aber der im Stil eines Westerns inszenierte Film war erfolgreich genug, um zwei Fortsetzungen nach sich zu ziehen. Das mit Thaibox-Einlagen angereicherte zweite Sequel „Vampires – The Turning“ (2004) kenne ich nicht, und nach allem, was man liest, ist das auch kein Verlust. Die erste Fortsetzung „Vampires – Los Muertos“ hingegen hat ihre Momente und ist allein schon aufgrund des Mitwirkens des Bon-Jovi-Frontmanns einen Blick wert.

Golden-Globe-Preisträger Jon Bon Jovi

Jon Bon Jovi war sogar schon mal für einen Oscar nominiert und hat einen Golden Globe gewonnen, wenn auch nicht für eine darstellerische Leistung, sondern für den Song „Blaze of Glory“ aus dem Western „Blaze of Glory – Flammender Ruhm“ („Young Guns II“, 1990). Seine IMDb-Filmografie als „Actor“ ist mit 118 Nennungen überraschend hoch, die überwältigende Mehrheit erweist sich aber als Auftritte in seinen Musikvideos. Echte Schauspielrollen hat er nur ein paar übernommen und der Part als Hauptfigur in „Vampires – Los Muertos“ scheint auch der bedeutsamste zu sein.

Der Prostituierten bekommt Dereks Eingreifen aber auch nicht gut

Als Vampirjäger stellt Jon Bon Jovi in Mexiko einer Gruppe von Blutsaugern nach, die von ihrer mächtigen Meisterin Una (Arly Jover) angeführt werden. Weil die zu seiner Unterstützung vorgesehenen Priester bereits niedergemetzelt wurden, muss er sich notgedrungen mit einem deutlich kleineren Team behelfen: dem Teenager Sancho (Diego Luna), der Halbvampirin Zoey (Natasha Gregson Wagner), Pater Rodrigo (Cristián de la Fuente), der das Massaker an seinen Glaubensbrüdern als einziger Geistlicher überlebt hat, und Ray Collins (Darius McCrary) aus Memphis, immerhin ein erfahrener Vampirjäger wie Bliss.

Trotz viel Blut FSK 16

Im Gegensatz zum Vorgänger bekam „Vampires – Los Muertos“ keine Probleme mit FSK und Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die ungeschnittene Fassung erhielt problemlos die FSK-16-Freigabe. Das muss Fans blutiger Pracht nicht abschrecken – der Lebenssaft fließt in Strömen, es werden Kehlen aufgeschlitzt, Köpfe von Rümpfen getrennt und Menschen wie Vampire gleichermaßen abgeschlachtet. Die Abteilungen für Make-up und visuelle Effekte haben ganze Arbeit geleistet, das wertet den Film sichtlich auf.

Ende einer Vampirin

Die Handlung dockt lediglich lose an den Vorgänger an. In der einen oder anderen Randbemerkung werden Ereignisse daraus aufgegriffen, und ein Artefakt, das auch im ersten Teil bedeutsam war, spielt ebenfalls eine Rolle. Ursprünglich war dem Vernehmen nach geplant, die Geschichte deutlich enger mit „Vampires“ zu verzahnen. So sollte Tim Guinee als Pater Adam Guiteau seine Rolle fortsetzen. Die Produktionsfirma kürzte jedoch das Budget des Sequels, sodass die Figur Adam Guiteau auf den Namen auf einem Grabstein zusammengestrichen wurde. Eine Weile war sogar angedacht gewesen, dass sich John Carpenter auch für die Fortsetzung auf den Regiestuhl setzt. Daraus wurde dann aber nichts, und er fungierte lediglich als Berater für die Story und als Executive Producer.

Mit Sancho (r.) …

Regisseur Tommy Lee Wallace versuchte, die Western-Atmosphäre von „Vampire“ auch auf das Sequel zu übertragen, was sich aufgrund des Settings des vollständig in Mexiko gedrehten Films ohnehin anbot. Er hat das Westerngenre sicher nicht so sehr mit der Muttermilch aufgesogen wie John Carpenter, der sich stets dazu bekannt hat, Howard Hawks’ „Rio Bravo“ (1959) zu seinen Lieblingsfilmen zu zählen, aber auch „Vampires – Los Muertos“ geht eine stimmige Symbiose zwischen Horror und Western ein. Wallace debütierte als Regisseur übrigens mit dem unterschätzten „Halloween III – Die Nacht der Entscheidung“ (1982). Auch seine Regiearbeiten „Mein Nachbar, der Vampir“ (1988) und die Miniserie „Stephen Kings Es“ (1990) haben ihre Fans, Wallace hat im Horrorgenre also durchaus ein paar kleine Duftmarken gesetzt. Die nachhaltigste stellt zweifellos die ikonische Captain-Kirk-Maske von Michael Myers dar, die der langjährige Weggefährte von John Carpenter für dessen Klassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978) schuf, für den er als Produktionsdesigner am Set tätig war. Für die eine oder andere Sequenz schlüpfte Wallace sogar in die Rolle von Michael Myers.

… der Halbvampirin Zoey und …

Nach „Vampires – Los Muertos“ war seine Regisseurskarriere beendet, warum auch immer. An dem Film dürfte es nicht gelegen haben, auch wenn ihm kein berauschender Erfolg beschieden war – mit der Ausnahme von ein paar Ländern gelangte er weltweit ohne Kinoauswertung direkt in die Videoregale. An Jon Bon Jovi mag als Schauspieler kein Oscar-Preisträger verloren gegangen sein, er macht seine Arbeit aber anständig und führt ein sympathisches Team in den Kampf gegen die Vampire, mit dem man als Filmgucker gern mitfiebert. „Vampires – Los Muertos“ ist kein großer Film und reiht sich im Vampirfilmgenre sicher nicht weit vorn ein, wie das seinem Vorgänger meines Erachtens gelungen ist. Aber nach meiner tatsächlich ersten Sichtung anlässlich der Veröffentlichung im Mediabook von justbridge entertainment frage ich mich, weshalb ich den Film so lange ignoriert habe. Damit habe ich ihm Unrecht getan.

Mediabook nicht frei von Kritik

Dem Mediabook mit Blu-ray und DVD fehlt bedauerlicherweise jegliches Bonusmaterial auf den Discs. Obendrein sind sowohl die deutschen als auch die englischen Untertitel recht nachlässig erstellt worden, da sehr fehlerhaft. Am auffälligsten ist das völlige Fehlen von Apostrophen bei den englischen Untertiteln. Bild- und Tonqualität sind immerhin solide, als einziger Pluspunkt des Mediabook-Formats bleibt allerdings das Booklet haften, für das justbridge entertainment immerhin den erfahrenen Autor Christoph N. Kellerbach verpflichtet hat. Der weiß gewohnt belesen und versiert Interessantes rund um die Produktion des Films zu berichten. Leider liest sich die weiße Schrift auf schwarzem Grund für mich nicht besonders angenehm, die roten Zwischentitel noch viel weniger. Aber vielleicht werde ich auch nur alt, ächz. So oder so geht das Mediabook nur als durchschnittliche Veröffentlichung durch, das den gegenüber einer Blu-ray oder DVD im herkömmlichen Softcase deutlich höheren Preis nur bedingt rechtfertigt.

… Pater Rodrigo (l.) erhält Derek Bliss Unterstützung

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet – auch Produktionsbeteiligungen.

Doch die Obervampirin Una (r.) hat bereits Lunte gerochen

Veröffentlichung: 22. Oktober 2021 als limitiertes 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) und DVD, 19. November 2002 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Vampires – Los Muertos
USA/MEX 2002
Regie: Tommy Lee Wallace
Drehbuch: Tommy Lee Wallace
Besetzung: Jon Bon Jovi, Cristián de la Fuente, Natasha Gregson Wagner, Arly Jover, Darius McCrary, Diego Luna, Anilú Pardo, Honorato Magaloni, Javier Grajeda, Toño Muñiz, Andres Weiss, Muriel Fouilland, Jan Pablo Gamboa, Gabriel Casanova, Tommy Lee Wallace
Zusatzmaterial: 20-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach
Label Mediabook: justbridge entertainment
Vertrieb Mediabook: Rough Trade Distribution
Label/Vertrieb DVD: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 justbridge entertainment

 

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Boys from County Hell – Von denen Vampiren, den irischen

Boys from County Hell

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Im irischen Kaff Six Mile Hill ist nie viel los. Immerhin hat Bram Stoker angeblich mal dort übernachtet. Und der Schriftsteller ließ sich angeblich von der örtlichen Legende von Abhartach zu seinem weltberühmten Roman „Dracula“ inspirieren. Die Kumpels Eugene Moffat (Jack Rowan), William Bogue (Fra Fee) und SP McAuley (Michael Hough) machen sich gern einen Spaß daraus, am Grabmal von Abhartach arglose Touristen zu erschrecken. Aus Spaß wird blutiger Ernst, als Eugene und William spätabends am Grabmal eine Begegnung mit einem wildgewordenen Rindvieh haben, die William das Leben kostet. Sein Blut sickert in den Boden …

Das Grabmal von Abhartach. Liegt hier ein Vampir begraben?

Als kurz darauf auch noch ein Straßenbauprojekt von Eugenes Vater Francie (Nigel O’Neill) die Grabruhe stört, wird deutlich, dass etwas Mörderisches auferstanden ist.

Ein Problem tut sich auf

Dass Graf Dracula nicht vom walachischen Fürsten Vlad Țepeș inspiriert war, sondern von lokalen irischen Legenden, wird zumindest in Irland schon seit einiger Zeit diskutiert. Die These ist somit nicht dem Drehbuch von „Boys from County Hell“ entsprungen, vielmehr hat der Autor und Regisseur Chris Baugh („Bad Day for the Cut“) sie offenbar aufgegriffen und für sein Skript verwendet. Der Anderthalbstünder mag dabei eine Erweiterung von Baughs 2013er-Kurzfilm gleichen Titels darstellen.

Ein Bagger bringt kurzzeitig die Lösung

„Boys from County Hell“ macht Spaß! Einen Originalitätspreis wird das unbekümmerte schwarzhumorige Werk nicht verliehen bekommen, dafür aber als ausgelassenes Splatterspektakel das Genrepublikum erfreuen, und das ganz ohne Zensurkürzungen. Das hat es auch bereits bei diversen einschlägigen Festivals getan, etwa 2020 beim Sitges in Katalanien, beim Mayhem Film Festival im englischen Nottingham, 2021 bei dem Fantasy Film Festival im französischen Gerardmer, dem Neuchâtel International Fantastic Film Festival in der Schweiz und zu guter Letzt auch dem deutschen Fantasy Filmfest. Seine Weltpremiere hatte das Werk im April 2020 auf dem Tribeca Film Festival in Manhattan gefeiert.

Hilft Verbarrikadieren?

Ein paar Anspielungen lassen „Boys from County Hell“ obendrein als liebevolle Hommage an „American Werewolf“ (1981) erscheinen, auch wenn wir es nicht mit Werwölfen zu tun bekommen. Im Mittelteil tut sich kurzzeitig wenig, obwohl einige Szenen glauben machen, nun werde der Rest des Films zum infernalischen Gemetzel. Das löst der Showdown nicht ganz ein, da fehlte Regisseur Baugh vielleicht etwas das Gefühl für Tempo und Timing. Ein paar charmante Ideen machen das aber wieder wett. Ein schöner Soundtrack von Eddie Cochran bis Rory Gallagher untermalt das blutgetränkte Geschehen mit viel Augenzwinkern. Bier spielt ebenfalls eine Rolle, und so eignet sich „Boys from County Hell“ dann auch trefflich für einen bierseligen Filmabend im Kreise der Kumpels.

Kein freundlicher Zeitgenosse: Abhartach

Veröffentlichung: 28. Januar 2022 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Boys from County Hell
IRL/GB 2020
Regie: Chris Baugh
Drehbuch: Chris Baugh
Besetzung: Jack Rowan, Nigel O’Neill, Louisa Harland, Michael Hough, John Lynch, Fra Fee, Morgan C. Jones, Andrea Irvine, Robert Strange (als Robert Nairne), Marty Maguire, Kathy Monahan, Emma Paetz, Stella McCusker, Lalor Roddy, Conor Grimes, Ellie McKay
Zusatzmaterial: keins
Label: splendid film
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot: © 2022 splendid film

 

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