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Archiv für den Monat September 2015

Sicario – Staubig-schwüle Gewaltorgie von Denis Villeneuve

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Sicario

Kinostart: 1. Oktober 2015

Gastrezension von Iris Janke

Actionthriller // Sicario ist das spanische bzw. italienische Wort für Auftragskiller. Normalerweise ein „Fachausdruck“ – in diesem Fall der Filmtitel von Denis Villeneuves („Prisoners“) Actionthriller. Emily Blunt, Benicio Del Toro und Josh Brolin kämpfen gemeinsam gegen Intrigen, Korruption und Chaos in Mexikos Drogenmafia.

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Kate Macer führt ihre FBI-Kollegen an

Fest steht: Der Film um den florierenden Drogenhandel an der Grenze Mexikos zu den USA ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Das Blut spritzt, die Maschinengewehrsalven dröhnen, dass man sich fast die Ohren zuhalten möchte. Aber eben nur fast. Täte man es, würde man wohl die besten Dialoge zwischen FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt), dem mexikanischen Söldner und Ex-Staatsanwalt Alejandro (Benicio Del Toro) und Agent Matt Graver (Josh Brolin) verpassen: Alejandro: Nichts wird für euch Amerikaner Sinn ergeben, und Ihr werdet allem misstrauen, was wir tun. Am Ende werdet Ihr sagen: „Diese Typen hatten recht.“

Ein Drogenthriller mit Nachwirkung

„Sicario“ ist ein Film, der im Gedächtnis bleibt – und das liegt nicht nur an seinen brutalen Szenen und grandios agierenden Darstellern. Benicio Del Toro, im Jahr 2000 für seine Nebenrolle in Steven Soderberghs Drogenthriller „Traffic – Die Macht des Kartells“ Oscar-prämiert, spielt den ehemaligen Staatsanwalt Alejandro. Lange bleibt unklar, ob er Verbündeter oder Attentäter ist. Mal ist er Beschützer, mal selbst ein Killer. Der Schmerz über den Verlust seiner Familie spiegelt sich in beinahe jeder Minute in Alejandros Gesicht wider.

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Undurchsichtig: Welche Rolle spielt Alejandro (l.)?

Emily Blunt spielt die FBI-Agentin Kate. Kate wird von einer Spezialeinheit rekrutiert – zunächst, wie sie glaubt, um Drogenbarone zu jagen und der Gerechtigkeit zu dienen. Schließich gerät sie zwischen alle Fronten. Welche genau das sind, ahnt sie erst spät … Blunt wurde bereits fünfmal für einen Golden Globe nominiert. Beim ersten Mal erhielt sie den Preis der Hollywood-Auslandspresse auch gleich: 2007 für ihre Nebenrolle im TV-Drama „Gideon’s Daughter“. In jenem Jahr war sie für „Der Teufel trägt Prada“, 2006) ebenfalls als Nebendarstellerin für den Globe nominiert. Die knallharte FBI-Agentin verkörpert die grazile Emily Blunt in „Sicario“ ungemein überzeugend.

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Harter FBI-Hund: Matt Graver (M.)

Josh Brolin (Oscar-Nominierung 2009 für seine Nebenrolle in „Milk“) fügt sich mit seiner schauspielerischen Leistung nahtlos in die Reihe seiner famosen Kollegen ein. Brolin spielt den FBI-Agenten Matt Graver, der ganz nach der Devise lebt, das zu tun, was eben getan werden muss – egal ob schmutzig oder blutig. Er schafft es, seiner Figur eine professionelle Ernsthaftigkeit zu verleihen, gleichzeitig aber etwas Aalglattes, Unnahbares – als trage sein Charakter ein dunkles Geheimnis mit sich herum.

Die flirrende Luft von Mexiko

Auch optisch ist „Sicario“ ein Genuss: Ganz in Gelb-Orange getauchte, leuchtende, förmlich glühende Bilder erzeugen eine erschreckend realistische Optik. Die Luft scheint von der staubigen Hitze Mexikos zu flirren. Man sieht und spürt die bedrückende Enge der Slums, riecht förmlich den Schmutz, ahnt das nahe Verbrechen in Mexikos Grenzstadt Juárez. Weil die Stadt immer noch als eine der gefährlichsten der Welt gilt, wurde übrigens hauptsächlich in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexiko, im texanischen El Paso sowie in der mexikanischen Küstenstadt El Paso gedreht.

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Besonders treffsicher: FBI-Agentin Kate

„Sicario“ ist unbedingt sehenswert, überaus spannend inszeniert, durchgehend toll gespielt und besticht zudem durch seine realistisch wirkenden, farblich beinahe rauschhaften Bilder.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Denis Villeneuve sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Sicario
USA 2015
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Taylor Sheridan
Besetzung: Emily Blunt, Josh Brolin, Benicio Del Toro, Jon Bernthal, Victor Garber, Alan D. Purwin, Jeffrey Donovan, Sarah Minnich, Lora Martinez-Cunningham, Raoul Trujillo
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2015 by Iris Janke

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2015 Studiocanal Filmverleih

 

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Alles steht Kopf – Mitreißende Reise durch den Kopf

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Inside Out

Kinostart: 1. Oktober 2015

Gastrezension von Matthias Holm

Computertrick-Abenteuer // Ein Einspielergebnis von 91,1 Millionen US-Dollar am Startwochenende – damit hatte „Alles steht Kopf“ den besten Start eines originalen Filmstoffs überhaupt (kein Sequel und keine Verfilmung einer Vorlage wie etwa eines Romans). Und das ist berechtigt, denn „Inside Out“, so der Originaltitel, ist der wohl beste Pixar-Film seit „Toy Story 3“ und damit auch der beste Animations-Film seit langer Zeit.

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So sieht es in Rileys Kopf aus

Jeder Mensch hat sie: Emotionen. Das erste Gefühl, das Riley hat, ist Freude. Doch schon bald teilt sie sich die Kommandozentrale in Rileys Kopf mit anderen Emotionen: Da sind Wut, Ekel, Angst und Kummer. Gerade mit Kummer tut sich Freude etwas schwer – schließlich ist Riley immer traurig, wenn Kummer die Steuerkonsole übernimmt. Als Riley elf Jahre alt wird, steht ihr eine große Veränderung vor – sie zieht mit ihren Eltern (im Original gesprochen von Diane Lane und Kyle MacLachlan) aus dem beschaulichen Minnesota nach San Francisco. Ausgerechnet jetzt gibt es einen Eklat in Rileys Kopf und nach einem Handgemenge werden Freude und Kummer aus der Kommandozentrale abgezogen – die beiden landen im Bereich gespeicherter Erinnerungen. Doch wie soll sich Riley in ihrer neuen Umgebung nur mit Wut, Angst und Ekel zurechtfinden?

Gehen Pixar die Ideen aus? Von wegen!

Der letzte Originalfilm von Pixar, „Merida – Legende der Highlands“ von 2012, war zwar ein schöner Familienfilm, jedoch vermisste man die für Pixar typische Kreativität und überbordende Fantasie. Danach kam dann auch noch das konventionelle Prequel „Die Monster-Uni“ und schon wurden die ersten Stimmen laut, Pixar hätte keine Ideen mehr. Das kann das Computertrick-Studio natürlich nicht auf sich sitzen lassen, deshalb schießt Pixar mit „Alles steht Kopf“ aus allen Rohren.

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Kummer fliegt davon

Schon die Grundidee ist so simpel wie genial: Die Menschen werden von fünf zentralen Emotionen direkt gesteuert. Und wenn Kummer und Freude ihren Weg zurück in die Kommandozentrale suchen, gibt es für die Vorstellungskraft der Macher kein Halten mehr. Sei es das Vergessen, abstraktes Denken oder Wünsche – alles wird auf unglaubliche Weise visualisiert.

Bing Bong in der Seifenkiste

So ist die Traumfabrik natürlich eine Institution à la Hollywood, eklige oder beängstigende Gedanken werden einfach tief ins Unterbewusstsein gesperrt. Begleitet werden Freude und Kummer auf ihrer Reise von Rileys altem imaginären Freund: Bing Bong (Richard Kind) ist eine rosa Mischung aus Elefant und Delfin, der in einer Seifenkiste mit Raketen zum Mond fliegt.

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Freude ist nicht mehr allein im Kopf

Dieser Teil der Geschichte ist für Groß und Klein ein absolutes Vergnügen – doch er steht auch im engen Verhältnis zu Rileys Erlebnissen in der neuen Stadt. Sämtliche Handlungen des Mädchens finden ihren Ursprung in den Bildern, die der Zuschauer zu sehen bekommt. Und auch wenn Riley sich sehr klischeehaft verhält, kann der Zuschauer ihre Reaktionen doch durch diese Erzählweise stets nachvollziehen. Hier kommt endlich wieder der Funken Anspruch, der Pixar-Filme auch für Erwachsene interessant werden lässt.

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Die ganze emotionale Bandbreite

Zum Glück sitzt ein Pete Doctor auf dem Regie-Stuhl. Der Mann, der in „Oben“ innerhalb von zehn Minuten eine absolut herzzerreißende Liebesgeschichte ohne Worte inszeniert hat, hat ein wunderbares Gespür dafür, wann er das Tempo erhöht und wann er ruhige Momente einstreut. So wird der Film niemals hektisch oder gar anstrengend, trotz der Fülle an Ideen. Außerdem weiß Doctor ganz genau, an welchen Reglern er drehen muss, um auch bei den Zuschauern Emotionen auszulösen.

Ein Irrsinnsfinale

Am Ende gibt es eine zwar nicht wirklich kreative, aber doch konsequente Moral. Und danach darf sich Doctor mit seinem Team noch einmal so richtig austoben: Hat man vorher schon geschmunzelt und die eine oder andere Träne verdrückt, sind die letzten Minuten des Films so irrsinnig geworden, dass man einfach weinen muss – und zwar vor Lachen.

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Wenn Wut das Steuer übernimmt …

„Alles steht Kopf“ ist ein großer Wurf. Witzig, klug, mit dem Herz am rechten Fleck und – „Avengers – Age of Ultron“ und „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ zum Trotz – vielleicht mein Film des Jahres. Natürlich ist auch der Kurzfilm „Lava“ vorher ganz wunderbar – eine Geschichte über einen Vulkan, der sich so gern verlieben möchte, komplett gesungen und mit Ukulele unterlegt. Mit einem Kinoticket kann man also absolut nichts falsch machen.

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… wird es feurig

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Inside Out
USA 2015
Regie: Pete Docter, Ronnie Del Carmen
Drehbuch: Meg LeFauve, Josh Cooley, Pete Doctor
Originalstimmen: Amy Poehler, Phyllis Smith, Bill Hader, Lewis Black, Mindy Kaling, Kaitlyn Dias, Richard Kind, Diane Lane, Kyle MacLachlan
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2015 by Matthias Holm

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2015 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

 
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Verfasst von - 2015/09/30 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Das Königreich der Katzen – Charmantes Kindermärchen

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Neko no ongaeshi

Gastrezension von Matthias Holm

Anime-Fantasy // Die junge Haru ist ein wenig überfordert mit ihrem Leben: Ständig kommt sie zu spät zur Schule. Außerdem geht ihr Schwarm mit einer anderen. Komplizierter wird alles, als Haru eine Katze davor rettet, überfahren zu werden. Es ist nämlich nicht irgendein Tier, sondern der Prinz des Königreichs der Katzen. Aus Dankbarkeit überschüttet der König Haru mit Geschenken und verspricht ihr, sie mit dem Prinzen zu vermählen. Nicht unbedingt bedacht darauf, eine Katze zu heiraten, wendet sich Haru an das sogenannte Katzenbüro und deren Leiter, Baron Humbert von Gikkingen.

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Haru trifft auf den Baron

Der Baron mag einem bekannt vorkommen – seine Figur hatte bereits 1995 einen Auftritt im Ghibli-Film „Stimme des Herzens“, internationaler Titel: „Whisper of the Heart“. Dort schrieb die Protagonistin einen Roman über die Figur des Barons. Dieser Roman wurde dann auch tatsächlich von Aoi Hiiragi als Manga umgesetzt, der dann als „Das Königreich der Katzen“ verfilmt wurde.

Ein fantastisches Märchen

Komplizierte Vorgeschichte – komplexer als die Handlung des Films. Denn hierbei handelt es sich um ein äußerst charmantes Märchen ohne Schnörkel. Während Filme wie „Prinzessin Mononoke“ und „Chihiros Reise ins Zauberland“ mit anspruchsvollen Themen auch Erwachsene abholen, herrscht im Katzenreich die kindische Begeisterung für das Fantastische.

Das ist aber nicht negativ zu verstehen. Harus Reise ist durchgängig unterhaltsam gestaltet und hat mit 75 Minuten eine perfekte Laufzeit. Alle aufgeworfenen Fragen erklärt der Film charmant, ohne sich in die Länge zu ziehen. Dabei gibt es für die Älteren wunderbare kleine Details, etwa die Bodyguard-Katzen und das Logo auf der Golftasche des Katzenkönigs.

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Im Katzenkönigreich …

Die Blu-ray aus der Studio Ghibli Collection bietet ein gewohnt schönes Bild und guten Sound. Allerdings merkt man dem Film seine 13 Jahre bereits an – die Zeichnungen sehen vor allem in den Hintergründen nicht mehr ganz taufrisch aus. Das macht aber nichts, schließlich geht es um die Figuren und die sind bis ins Detail liebevoll gestaltet, wie wir das an Ghibli schätzen.

Als Einstieg in die Welt der Animes geeignet

Selbst die Mitguckerin, die eher wenig bis gar nichts mit Animes anfangen kann, war am Ende doch ganz angetan von dem Film. Vielleicht eignet sich also „Das Königreich der Katzen“ sogar für Einsteiger in die japanische Animationskunst. Ein schöner Film ist’s allemal.

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… verhalten sich die Tiere etwas anders

Veröffentlichung: 25. September 2015 als Blu-ray (Studio Ghibli Blu-ray Collection), 10. April 2007 als DVD, 12. März 2007 als Doppel-DVD (Studio Ghibli DVD Collection)

Länge: 75 Min. (Blu-ray), 72 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Neko no ongaeshi
JAP 2002
Regie: Hiroyuki Morita
Drehbuch: Reiko Yoshida, nach Aoi Hiiragis Manga „Neko no Danshaku, Baron“
Zusatzmaterial Blu-ray: 3 Postkarten (nur in Erstauflage), Hinter den Kulissen: Making-of, japanische Originaltrailer & TV-Spots, Storyboards zum kompletten Film, Studio Ghibli Trailershow, 4-seitiges Coverpack, Schuber
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2015 by Matthias Holm
Szenenbilder & Packshots: © 2015 Universum Film

 

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