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Archiv für den Monat Januar 2019

Gewinnspiel: 2 x Death Kiss auf Blu-ray

Verlosung

Potztausend! Ist Charles Bronson von den Toten auferstanden, um wieder Selbstjustizfilme zu drehen? Keineswegs, aber die Ähnlichkeit von Robert Bronzi zu dem Actionstar ist verblüffend, und auch „Death Kiss“ bewegt sich sehr nah an Bronsons „Ein Mann sieht rot“. Die Busch Media Group hat den Actionthriller fürs Heimkino veröffentlicht und uns zwei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,45 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 27. Januar 2019, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Ich benötige obendrein die Zusage, dass die Sendung nicht von Minderjährigen entgegengenommen werden kann. Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Die Rezension von „Death Kiss“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

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To Hell and Back – Die Kane Hodder Story: Der Mann hinter der Maske

To Hell and Back – The Kane Hodder Story

Von Andreas Eckenfels

Horror-Doku // Ich denke immer noch, dass es richtig ist zu behaupten, dass ich mehr Menschen im Film ermordet habe als jeder andere Schauspieler in der Geschichte. Es sei denn, jemand kann das bestreiten. Aber das bezweifle ich, und wenn doch, werde ich dich verdammt nochmal töten!

Kane Hodder in seiner Paraderolle als Jason Vorhees

Fragt man einen Horrorfan nach dem Namen eines Jason-Vorhees-Darstellers, wird man wohl nur eine Antwort erhalten: Kane Hodder. Obwohl der 1955 im kalifornischen Auburn geborene Stuntman erst im siebten Teil der Reihe zum „Freitag, der 13.“-Franchise stieß, hinterließ er bleibenden Eindruck bei der Fangemeinde. In drei weiteren Teilen gab Hodder den stummen Killer mit der Hockeymaske bis er aus nie ganz geklärten Gründen bei „Freddy vs. Jason“ (2003) ausgebootet wurde, was ihn persönlich extrem verletzte. Moment! Ein kantiges Kraftpaket wie Hodder, der in Filmen ständig gnadenlos Teenager abmurkst, Sprüche wie den einleitenden raushaut und „Kill!“ auf der Innenseite seiner Unterlippe tätowiert hat, hat Gefühle? Ja, hat er, wie uns der junge Filmschulabsolvent Derek Dennis Herbert in seiner Dokumentation über die Horrorikone klarmacht. Die Lebensgeschichte des Manns hinter der Maske erweist sich dabei als weitaus brutaler als so mancher blutiger Slasher.

Bewegtes Leben

Derek Dennis Herbert kam auf die Idee für die Dokumentation, nachdem er die Hodder-Biografie „Unmasked – The True Story of the World’s Most Prolific Cinematic Killer“ von Michael Aloisi gelesen hatte. Herbert konnte Hodder davon überzeugen, dass er seine Geschichte noch einmal vor der Kamera in einer Interview-Situation in eigenen Worten wiedergibt. Egal, ob man seine prägenden Momente bereits kennt oder nicht: Selbst die härtesten Horrorfans dürften einen Kloß im Hals bekommen, wenn man diesem Typen dabei in die Augen sieht, wenn er von seinem bewegten Leben erzählt. Ich wusste noch nicht viel über ihn und will deshalb auch nicht zu viel darüber verraten.

Mit viel Make-up in „Prison – Rückkehr aus der Hölle“ (1987)

Nur so viel: Was man sich heute nicht mehr vorstellen kann ist, dass dieser 1,92 Meter große Hüne als Jugendlicher ein Prügelknabe war. Er wurde gehänselt und regelmäßig verprügelt. Als er 22 Jahre alt war, kostete ihn ein fehlgeschlagener Feuerstunt fast das Leben. Es war der Beginn einer monatelangen Leidenszeit. Die Narben trägt Hodder noch heute mit sich herum. Lange versuchte er, sie zu verstecken. In Aloisis Biografie erzählte er erstmals die Wahrheit darüber, weshalb er etwa auf Horror-Conventions stets Handschuhe trägt, wenn er Autogramme schreibt oder seinen Fans für Fotos mit seinen Pranken liebevoll den Hals zudrückt.

Kane Hodder in Flammen in „Freitag, der 13. VII – Jason im Blutrausch“ (1987)

Die Doku zeigt, wie es Hodder gelang, all diesen Schmerz zu kanalisieren und in etwas Positives umzuwandeln. Trotz vieler Rückschläge ließ er sich nicht unterkriegen. Ihm gelang eine große Karriere als Stuntman und Schauspieler im Genrekino. Seine Geschichte kann somit für alle inspirierend wirken, die eine ähnliche Leidenszeit hinter sich haben.

Alte Weggefährten

Doch keine Sorge: Natürlich gibt es in „To Hell and Back – Die Kane Hodder Story“ nicht nur die eine oder andere Träne zu verdrücken. Hodder gibt auch zahlreiche Anekdoten vom Dreh seiner Filme zum Besten. Sei es aus „Prison – Rückkehr aus der Hölle“, den „Freitag, der 13.“-Filmen bis hin zu seiner Minirolle im Oscar-gekrönten „Monster“ mit Charlize Theron. Auch seine Lieblingskills in den Rollen als Jason Vorhees oder Victor Crowley dürfen nicht fehlen. Ebenso kommen auch viele seiner Weggefährten zu Wort. Darunter Robert Englund („Nightmare – Mörderische Träume“), Bruce Campbell („Tanz der Teufel“), Danielle Harris („Hatchet“) und Adam Green, der Kane Hodder nach seinem „Freddy vs. Jason“-Tiefschlag mit der „Hatchet“-Reihe einen zweiten Frühling bescherte, durch den der zweifache Familienvater auch viele junge Fans hinzugewann.

Für die Fans

In der sehr persönlichen Doku fällt kein schlechtes Wort über Kane Hodder. Sie macht auch den Eindruck, dass es an dem Mann hinter der Maske nichts Negatives auszusetzen gibt. Ein sympathischer Kerl, der seinen Weg gegangen ist und dem es gelang, aus seinem Namen eine echte Marke zu machen. Kane Hodder weiß, dass er sich für seinen Erfolg vor allen bei seinen zahlreichen Fans bedanken muss, die er regelmäßig auf Conventions trifft. Die Fans sind natürlich auch die Hauptzielgruppe der Dokumentation von Derek Dennis Herbert, die eine perfekte Ergänzung zu „Crystal Lake Memories – Die ganze Geschichte von Freitag der 13.“ (2013) darstellt.

Kane Hodder ohne Maske in „Ed Gein – The Butcher of Plainfield” (2007)

Veröffentlichung: 24. Januar 2019 als Digital Download

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch (Voice-Over), Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: To Hell and Back – The Kane Hodder Story
USA 2017
Regie: Derek Dennis Herbert
Besetzung: Kane Hodder, Robert Englund, Adam Green, Bruce Campbell, Danielle Harris, Jack Coleman, Michael Feifer
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Zweiter Frühling als Victor Crowley

Szenenfotos & Plakat: © 2019 Tiberius Film

 

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Fahrenheit 11/9 – Wie konnte es nur so weit kommen?

Fahrenheit 11/9

Kinostart: 17. Januar 2019

Von Philipp Ludwig

Polit-Doku // „The American Dream is dead!“ Diese Feststellung vom angeblichen Ende des viel gerühmten amerikanischen Traumes ausgerechnet aus dem mittlerweile nur allzu bekannten, hassverzerrten Gesichts eines Donald J. Trumps zu vernehmen, kann ich mir passender kaum vorstellen. Der 2003 für „Bowling for Columbine“ mit dem Oscar prämierte US-Dokumentarfilmer Michael Moore wohl auch nicht, zeigt er diesen Ausschnitt doch extra im Superzoom – undefinierbare Krümel-/Spuckereste im Gesicht des „Trumpeltiers“ inklusive. Moore stellt sich und seinen Zuschauerinnen und Zuschauern die unbequeme Frage, wie zur Hölle es eigentlich so weit kommen konnte, dass ausgerechnet dieser unberechenbare Narzisst zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten werden konnte?

Realität oder doch SF-Dystopie? Donald Trump wird 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

Im Grunde genommen war es nur eine Frage der Zeit, bis sich der so populäre wie umstrittene Filmemacher Moore – nach amerikanischer Autoindustrie, George W. Bush und den dummen weißen Männern allgemein, der Waffenlobby und dem amerikanischen Gesundheitssystem – nach „Michael Moore in TrumpLand“ (2016) erneut einer filmischen Abrechnung dieses neuen, menschgewordenen amerikanischen Albtraums annimmt. Angelehnt an einen seiner Erfolgsfilme, „Fahrenheit 9/11“ (2004), ist für ihn nun der 9. November nach den Anschlägen auf das World Trade Center ein beinahe ebenso signifikantes Datum in der Geschichte der stolzen amerikanischen Nation – der Wahlabend von 2016 mit dem uns allen nur zu bewusstem Ausgang. In seinem neuesten Werk geht der kontroverse Filmemacher der Frage nach, ob der amerikanische Traum wirklich so tot ist, wie von Trump beschworen – oder ob das bloß eine weitere Lüge in seinem aus Lügen konstruierten Weltbild darstellt. Und vor allem, ob Trump, mit all dem ihm innewohnenden Schrecken nicht vielleicht doch einfach nur das nötige Übel ist, aus dem künftig Besseres erwachsen kann?

Vorfreude ist die schönste Freude

Doch bevor Moore es wagt, Hoffnungen auf positive Auswirkungen dieser immer noch surreal anmutenden Präsidentschaft des ehemaligen Reality-TV-Stars Trump zu äußern, lässt er uns noch einmal in aller schmerzhaften Ausführlichkeit an dem Drama des Wahlabends teilnehmen. Insbesondere Hillary Clinton und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer bekommen hier ordentlich ihr Fett weg. Ist deren Siegesfeier doch trotz noch offenen Ausgangs der Wahl bereits in vollem Gange – von der am Ende der Wahlnacht nur noch bitter weinende Menschen übrig bleiben werden. Gegenüber dem breiten, stets siegessicheren Grinsen einer Hillary Clinton, dass Moore besonders häufig zu zeigen genießt, erscheint die „Siegesfeier“ des Donald Trump beinahe schon bescheiden und demütig. Er hatte wohl nicht mal eine Rede vorbereitet.

Kaum jemand traute Trump zu, die Wahl zu gewinnen – nicht mal er selbst?

Moore lässt kein gutes Haar an den Demokraten und dem blinden Glauben deren Partei-Establishments an einer seiner Meinung nach ungeeigneten Kandidatin. Denn wenn der Dokumentarfilmer eines noch nie unterdrücken konnte, dann seine eigene Sichtweise auf die Welt. Und die läuft nach klaren Grundsätzen. Das mag man gut oder schlecht finden – so oder so sollte dem Publikum stets bewusst sein, dass man es bei Moore kaum mit einer objektiven Betrachtung des Weltgeschehens zu tun bekommt. So lässt er etwa Bernie Sanders als den Heiland aufleben, der uns den Trump-Albtraum eventuell hätte ersparen können. Belegen kann er dies selbstverständlich nicht, aber die Art und Weise, wie die „Elite“ der Demokraten Sanders mit offensichtlich unlauteren Mitteln aus dem Kandidatenrennen drängte, lässt er nochmals in großem Umfang Revue passieren.

“Donald & Me“

Doch lässt Moore auch angenehm selbstkritische Töne anklingen, in Bezug auf seine persönliche Vergangenheit mit Trumps Gefolgsleuten. Neben Kuscheleien etwa mit der Regierungsandroidin Kellyanne Conway oder Stelldicheins mit Jared Kushner, war er in den 1990er-Jahren bereits einmal mit dem besagtem Präsidentschaftsdarsteller als Gast in der Talkshow von Roseanne Barr – in der er sich von deren Produzenten breitschlagen ließ, den armen Herrn Trump doch bitte nicht allzu sehr ranzunehmen. Es sei ja schließlich ein Nachmittagsprogramm, da könne man hitzige Diskussionen mit Hang zur Fäkalsprache nicht gebrauchen. Moore wisse doch, wie sein Co-Gast so sei. Interessanterweise ist das, was für amerikanische Nachmittagstalks als ungeeignet gesehen wurde, dank Trump mittlerweile zum „guten Stil“ der politischen Auseinandersetzung geworden. Ebendieser lässt, zur Verwunderung Moores, in besagter Talkshow durchklingen, er sei ein großer Fan dessen ersten großen Erfolges „Roger & Me“ (1989) gewesen – verbunden mit dem Hinweis, er hoffe, Moore würde bloß niemals einen Film über ihn machen. Tja Donald, das war wohl nix.

Trump auf allen Kanälen

Es stellt sich die Frage: Will man eigentlich zwingend noch mehr sehen von Donald J. Trump? Reicht es nicht bereits, jeden Tag erneut an seine Existenz erinnert zu werden und mit der steten Mischung aus Verwunderung und Belustigung auf der einen sowie Schrecken und Abscheu auf der anderen Seite den neuesten Wahnsinn aus dem Weißen Haus zu verfolgen? Und kann Moore eigentlich noch großartig neue Erkenntnisse liefern über einen Mann, über den wir seit nunmehr über zwei Jahren viel mehr hören und sehen müssen, als uns allen lieb sein kann?

Michael Moore, wie man ihn kennt – stets mit latentem Hang zu übertriebenen Aktionismus

Allerdings kommt Trump in „Fahrenheit 11/9“ überraschend wenig vor. Eher schwebt er als ewig drohendes Unheil damoklesschwertmäßig über den vielen behandelten Themen. Denn es geht neben der Frage „Wie konnte es so weit kommen?“ vor allem um die Frage: „Wie sieht das Leben in von Trumps Hass tief gespaltenem Amerika nach den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit aus?“ Themenmäßig orientiert sich Moore zum Teil an seinen früheren Filmen. So behandelt er etwa in einem großen Block die vom republikanischen Gouverneur Michigans, Rick Synder, verantwortete Trinkwasservergiftung in Moores Heimatstadt Flint – bleiverseuchte Kinder und Todesfälle inklusive. Wie in einer Art Verknüpfung seines Buchs „Stupid White Men“ mit seinem Film „Sicko“ (2007) geht er hier erneut nicht gerade zimperlich mit den Problemen um, die Erkrankungen für finanziell schwache Menschen in den USA bedeuten und vor allem mit den gierigen republikanischen Hintermännern, die dies zu verantworten haben. Aber auch das Denkmal des viel zu oft zum Heilligen erklärten Barack Obamas bekommt in diesem Zusammenhang von Moore ein paar bemerkenswerte Kratzer verpasst.

Wasser marsch!

In Zusammenhang mit diesem zwar bestürzenden, aber an sich ein wenig zu langen Teil der Trinkwasservergiftung bekommen wir es zudem noch einmal mit dem „guten alten“ Moore zu tun – der seine Wut gern auch mal in etwas plump anmutenden, aktionistischen Aktionen auslebt. Die bringen zwar wenig, funktionieren aber immerhin für die Kamera. In „Fahrenheit 11/9“ sieht das so aus, dass er dem viel gescholtenen Gouverneur Snyder nicht nur eine Wagenladung des giftigen Trinkwassers in den hauseigenen Garten spritzt – er stampft auch in seiner stets etwas ungelenken Art in dessen zentrales Regierungsgebäude, wo er diesen „im Namen des Volkes“ festnehmen will. Was natürlich nicht funktioniert.

Trump = Hitler?

Verrennen tut Moore sich meiner Meinung nach vor allem in seiner Hitler-Analogie. Auch wenn gewisse Parallelen zu Trump, insbesondere im aufgeheizten und von Hass geprägten politischen Diskurs zu erkennen sind, die Moore auch durch wissenschaftliche Experten zu begründen ersucht – ein wenig drüber ist dieser Vergleich schon. Mag das Zusammenfügen einer Rede Adolf Hitlers mit den Worten Trumps sogar für einen Moment eine gewisse Komik innehaben, so zeugt Moores Nacherzählung von Hitlers Trump anscheinend nicht ganz unähnlichem Aufstieg zur Macht doch von einer Reihe an historischen Fehlern, die bei einem hoffentlich gut informierten deutschen Publikum natürlich umso mehr ins Gewicht fallen werden. Damit entzieht Moore seiner These von den Gemeinsamkeiten zwischen dem „GröFaZ“ und dem „POTUS“ ziemlich rasch selbst den argumentativen Boden.

Moore mit Aktivisten und Aktivistinnen der Parkland Highschool

Es scheint, als hätte sich die Methode Moore über die Jahrzehnte ein wenig abgenutzt. Zumindest bei mir ist dies der Fall. Früher, in jungen Jahren (lang, lang ist es her) noch ein wahrer Fan seiner Filme und Bücher, so ist die Beziehung mittlerweile doch stark abgekühlt. So unterhaltsam seine Werke auch sein mögen, mir ist dies schlussendlich zu tendenziös – auch wenn ich grundlegende Sichtweisen Moores natürlich weiterhin teile. Auch ist mir sein Weltbild für meinen heutigen Geschmack zu sehr in Schwarz-Weiß-Mustern gefangen. Gepaart mit seinem Hang zu polemischen Aktionismus und Übertreibungen nicht die beste Kombination.

Übergabe des Stabs an die nächste Generation? Moore mit David Hogg aus Parkhurst

Seine besten Momente hat „Fahrenheit 11/9“, wenn es um den von Moore gepriesenen Nachwuchs geht, der politisch Hoffnung machen darf. Angelehnt an seinen größten Erfolg „Bowling for Columbine“ (2002) weiß dieser vor allem mit dem Aufgreifen des ewigen amerikanischen Leidthemas „Amokläufe und die NRA“ zu überzeugen. Dies liegt insbesondere an den bewundernswerten Schülern der Parkland Highschool, die nach dem tragischen Amoklauf an ihrer Schule vom 14. Februar 2018 eine massive, weltweit beachtete Protestbewegung gegen den amerikanischen Waffenwahn auslösten. Moores Besuch im Hauptquartier dieser jungen Bewegung gehört definitiv zu den Highlights seines Dokumentarfilms. Wie auch der Besuch von Vertretern der Bewegung bei Kongressabgeordneten, die sie um Unterstützung im Kampf gegen die NRA bitten und dabei von Moore begleitet werden. Ebenso hinterlässt die junge Emma González auch hier einen bleibenden Eindruck in dieser insgesamt so tollen Bewegung bemerkenswerter junger Menschen. Auch wenn sie selbst in „Fahrenheit 11/9“ nicht direkt in Verbindung mit Moore, sondern nur durch Ausschnitte ihrer bekannten öffentlichen Auftritte in Erscheinung tritt. Man kann nur hoffen, dass die jungen Leute hartnäckig bleiben und der Waffenwahn in den USA eines Tages endgültig zu einem Ende finden wird.

Emma González – ihre berühmte Rede berührt jedes Mal aufs Neue

Neben den aufmüpfigen Schülern, die sich nicht länger widerstandslos der Gefahr hingeben wollen, von schießwütigen Irren zu menschlichen Zielscheiben umfunktioniert zu werden, spendet Moore auch dem Nachwuchs der Demokraten eine Menge Zeit. Nach seiner Anklage gegenüber dem Partei-Establishment und deren Umgang mit Bernie Sanders begleitet er eine Reihe ebenfalls bemerkenswerter, aufstrebender Männer und Frauen aus der Basis. Darunter unter Anderem Rashida Tlaib, die nach den Midterm-Wahlen seit dem 3. Januar 2019 als erste Muslima (gemeinsam mit Ilhan Omar) im Repräsentantenhaus der USA sitzt. Ebenso Alexandria Ocasio-Cortez, die seit besagter Wahl als bislang jüngste Frau ebenfalls im amerikanischen Kongress sitzt. Bessere „Anti-Trumps“ konnte Moore natürlich kaum finden. Gerade Ocasio-Cortez als schöne und junge, hochintelligente, beliebte Frau mit hispanischen Wurzeln und ultralinken Positionen verkörpert all das, was ein Trump nie sein kann. Vor allem Rashida Tlaib bekommt besonders viel Filmzeit zugestanden – sie stört gern auch mal medienwirksam Trump-Auftritte und lässt sich zufrieden von der Security heraustragen. Klar, dass einem Michael Moore so etwas gut gefällt.

Trump – ein notwendiges Übel?

Der Dokumentarfilmer vertritt anhand der Darstellungen dieser jungen Hoffnungsträger seine Hoffnung, durch eine Katastrophe wie Trump werde die große Mehrheit der Vernünftigen, wie er es nennt, künftig endlich wieder das Ruder übernehmen. Moore wäre aber nicht Moore, wenn er nicht trotzdem einen in den USA kürzlich erfolgten atomaren Fehlalarm als mögliches Alternativszenario einzubringen versucht. Bei seinem Abgesang auf die alten Eliten von rechts wie von links kann man aber auch nicht umhin, ihn selbst da irgendwie mit einzuschließen. Wirkt es doch, als würde er das Zepter nun langsam weiterreichen an Menschen wie González und Ocasio-Cortez. Moore jedenfalls wirkt nicht nur wütend, sondern im Vergleich mit seinen früheren Werken auch ein Stück weit müde.

Ein typischer Moore eben

„Fahrenheit 11/9“ wirkt daher wie ein Rundumschlag eines wütenden, aber auch merklich alt gewordenen Provokateurs und Anklägers. Durchaus unterhaltsam gemacht, werden daher insbesondere seine Fans auf ihre Kosten kommen. Alle anderen dürfte Moores typischer Hang zum Tendenziösen und sein starres Schwarz-Weiß-Denken auf Dauer nerven. Auch, dass der Film mitunter einen roten Faden vermissen lässt und wirkt, als wüsste Moore selbst nicht recht, was er am Ende eigentlich will. Einen Film über Trump? Über korrupte und verbrecherische Republikaner (allerdings weit vor der Trump-Ära)? Das Versagen der Demokraten? Waffengesetze? Gesundheitssystem? Die Sprunghaftigkeit bekommt der Doku nicht immer gut. Und gerade wenn es um Trump geht, gibt es mittlerweile eine Reihe an Medienschaffenden, die diesen deutlich pointierter, gewitzter und auch ansprechender als das entlarven, was er ist. Zu empfehlen sei hier etwa Seth Myers, der Trump in seiner Late Night Show insbesondere im thematischen Block „A Closer Look“ mitunter gleich mehrfach pro Woche auf höchst ansprechende und unterhaltsame Weise ordentlich einheizt – alles ist legal auf YouTube abrufbar. Schaut rein, es lohnt sich!

Rashida Tlaib – eine Politikerin, ganz nach Moores Geschmack

Ansonsten bleibt zu hoffen, dass Trump schon bald dort ist, wo er hingehört – in den Archiven der Weltgeschichte. Sei es durch Sonderermittler Mueller, dem Lauf der Natur oder spätestens 2020 dank des amerikanischen Volkes. Und wir eines Tages voller Unglaube zurückblicken können auf eine Präsidentschaft, die irrsinniger kaum sein kann. Allerdings macht die momentane Entwicklung, inklusive „Government Shutdown“ und stetig drohender Notfallgesetze, die Lage nicht gerade hoffnungsvoller. Wobei die USA in Sachen politischen Irrsinn derzeit wiederum leider keinesfalls allein sind. Die Welt ist doch irgendwie bekloppt, oder?

Hoffentlich bald Geschichte: Donald J. Trump

Länge: 128 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Fahrenheit 11/9
USA 2018
Regie: Michael Moore
Drehbuch: Michael Moore
Mitwirkende: Michael Moore, Hillary Clinton, Barack Obama, Bernie Sanders, Emma González, David Hogg, Rashida Tlaib, Alexandria Ocasio-Cortez, Rick Snyder, Jared Kushner, Stephen Bannon, Kellyanne Conway, George W. Bush, Bill Clinton, Ivanka Trump, Ted Cruz, u. v. m. … und Donald Trump
Verleih: Weltkino Filmverleih

Copyright 2019 by Philipp Ludwig

Filmplakat & Trailer: © 2018 Weltkino Filmverleih,
Szenenfotos: © 2018 Midwestern Films LLC. All rights reserved.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/01/15 in Film, Kino, Rezensionen

 

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