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Archiv für den Monat Mai 2017

Captain Kronos – Vampirjäger: Der Bastian bei Hammer Films

Captain Kronos – Vampire Hunter

Von Volker Schönenberger

Horror // Grausame Todesfälle suchen Anfang des 19. Jahrhunderts die Gegend um eine englische Ortschaft heim. Hübsche junge Frauen altern urplötzlich zu Greisinnen, bevor sie ihren letzten Atemzug tun. Der Landarzt Dr. Marcus (John Carson) steht vor einem Rätsel. Er ruft Captain Kronos (Horst Janson) zu Hilfe, einen alten Weggefährten aus Kriegstagen. Der bringt Professor Hieronymus Grost (John Cater) mit. Der Gelehrte vertritt schnell die Auffassung, man habe es mit einer besonderen Form des Vampirismus zu tun.

Strahlender Held: Captain Kronos reitet ein

„Captain Kronos – Vampirjäger“ sollte Auftakt einer Filmreihe oder zumindest TV-Serie mit Abenteuern des Titelhelden werden. Im Booklet der Blu-ray ist zu lesen, dass Regisseur Brian Clemens ein zeitreisender Vampirjäger vorschwebte, der ähnlich wie „Doctor Who“ verschiedene Menschheitsepochen anzusteuern in der Lage ist. Der finale Abgang der beiden Vampirjäger Kronos und Grost deutet auch an, dass die beiden zu neuen Abenteuern aufbrechen, der finanzielle Misserfolg des Films erstickte dieses Vorhaben jedoch im Keim und beschleunigte den Niedergang der Produktionsfirma Hammer Films. Bedauerlich, liefert die Titelfigur mit Mantel-und-Degen-Elementen doch einen originellen Beitrag zum Vampirgenre. Auch das gar nicht so häufige, aber zum Vampirmythos trefflich passende Motiv des Aussaugens der Jugend trägt dazu bei, dass „Captain Kronos – Vampirjäger“ heute als eigenständiger Genrebeitrag gewürdigt wird.

Begegnung auf dem Friedhof

„Landarzt Dr. Brock“, „Salto Mortale“ und vor allem „Der Bastian“ – ab Mitte der 1960er-Jahre wurde Horst Janson hierzulande als TV-Serienstar überaus populär. Seine Rolle in Helmut Käutners Komödie „Das Glas Wasser“ an der Seite von Gustav Gründgens und Liselotte Pulver hatte ihm 1960 erstmals breite Aufmerksamkeit verschafft. Nicht ganz so bekannt ist in Deutschland, dass er ab 1970 in einigen internationalen Produktionen mitwirkte, beginnend mit der Actionkomödie „Zwei Kerle aus Granit“ (1970) mit Charles Bronson und Tony Curtis sowie den Kriegsdramen „Ausbruch der 28“ (1970) und „Das Wiegenlied der Verdammten“ (1971) mit Peter O’Toole. Bemerkenswert sind auch seine Auftritte in Ducio Tessaris Italo-Western „Zwei Galgenvögel geben Zunder“ (1971) mit Franco Nero und Eli Wallach sowie im Kriegs-Actioner „Steiner – Das Eiserne Kreuz II“ (1979) mit Richard Burton, Rod Steiger, Robert Mitchum, Helmut Griem und Curd Jürgens.

Horst Janson spricht sich selbst

Jansons Titelrolle in „Captain Kronos – Vampirjäger“ ist vielleicht der schillerndste Part in seiner Filmografie. Obwohl mit anständigen Englischkenntnissen ausgestattet, ließen die Produzenten seine Rolle in der englischen Sprachfassung synchronisieren. Erst für die 2004 anlässlich der hiesigen DVD-Veröffentlichung erstellte deutsche Synchronisation durfte Janson sich selbst vertonen. Sein Captain Kronos hat etwas von einem einsamen Revolverschwinger im Western, was besonders deutlich in einer Szene in einer Taverne zum Ausdruck kommt, in der er sich gegen drei Schurken zur Wehr setzen muss. Die Auseinandersetzung wird nur eben nicht mit Revolvern ausgetragen, sondern mit Degen und Säbeln. Ein weiterer Fechtkampf auf einem Friedhof erinnert kurz sogar an das Friedhofsduell in „Django“ (1966). Kronos selbst trägt übrigens ein Katana, ein geschwungenes japanisches Langschwert.

Vampire kann man mit einem Holzpflock durchs Herz töten – oder etwa nicht?

Für Regisseur Brian Clemens (1931–2015) blieb „Captain Kronos – Vampirjäger“ die einzige Kino-Regiearbeit neben einer Folge der TV-Serie „Shooting Gallery“, die er 1995 inszenierte. Bekanntheit erlangte Clemens als Schöpfer von „Mit Schirm, Charme und Melone“ („The Avengers“, 1961–1969, 1976–1977). Auch für „Die Profis“ (1977–1983) zeichnet Clemens verantwortlich. Sein „Captain Kronos – Vampirjäger“ konnte trotz einiger typischer Hammer-Films-Qualitäten bezüglich Ausstattung, Kulissen und Horror-Atmosphäre den Niedergang der Produktionsfirma nicht aufhalten. Auch die Landschaftsaufnahmen überzeugen, besonders einige Sequenzen im Wald atmen herrlichen Grusel. Und die Story bleibt über die gesamten anderthalb Stunden mysteriös genug, um die Spannung aufrechtzuerhalten.

Hilft das Kreuz am Schwert?

Die 15. Hammer-Films-Blu-ray von Anolis Entertainment hält das übliche Niveau der Reihe: Zur Wahl stehen das Mediabook in zwei Covervarianten und die Softcase-Version. Allein die vier (!) Audiokommentare bieten Informationen satt, unter anderem befindet sich ein neuer, exklusiv für diese Edition produzierter Audikommentar darunter, für den das Label Horst Janson persönlich gewinnen konnte – die Moderation übernahm Anolis-Stammexperte Uwe Sommerlad. Ein mehr als einstündiges Interview, das Sommerlad 2003 mit Janson geführt hat, ergänzt den Audiokommentar formidabel. Hinzu kommen ältere Boni und beim Mediabook ein üppig bebildertes 28-seitiges Booklet mit lesenswerten Texten von Sommerlad Dr. Rolf Giesen. Da auch Bild- und Tonqualität den gewohnt hohen Anolis-Standard halten, wird der geneigte Hammer-Films-Sammler nicht umhinkommen, die Blu-ray von „Captain Kronos – Vampirjäger“ zu erwerben. Auch wer sich auch nur entfernt dafür interessiert, wie sich die letzten Ausläufer des klassischen britischen Horrorkinos in den 70ern geschlagen haben, wird an der Veröffentlichung seine Freude haben. Und Horst-Janson-Fans sowieso.

Uwe Sommerlad (l.) und Horst Janson haben für die Blu-ray einen neuen Audiokommentar eingesprochen

Veröffentlichung: 2. Juni 2017 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 1. April 2004 als DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Captain Kronos – Vampire Hunter
GB 1974
Regie: Brian Clemens
Drehbuch: Brian Clemens
Besetzung: Horst Janson, John Carson, Shane Briant, Caroline Munro, John Cater, Ian Hendry, Wanda Ventham, Robert James, William Hobbs, Brian Tully, Lois Daine
Zusatzmaterial: Audiokommentare: 1) Shane Briant, John Carson, Caroline Murno, Brian Clemens, Marcus Hearn; 2) Brian Clemens, Ian Wilson, Marcus Hearn; 3) Horst Janson, Uwe Sommerlad; 4) Dr. Rolf Giesen, Volker Kronz, Interview mit Horst Janson (2003), Captain Kronos Reunion, britischer Kinotrailer, Comic, britischer Werberatschlag, US-Presseheft, Filmprogramm, Bildergalerien, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, nur Softcase-Version: Wendecover
Vertrieb Blu-ray: Anolis Entertainment
Vertrieb DVD: E-M-S

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2017 Anolis Entertainment

 

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Gewinnspiel: 3 x The Void auf Blu-ray

Verlosung

Okkulter und blutiger Horror im Krankenhaus mit ein paar Lovecraft-Einflüssen – das ist „The Void“. Von Ascot Elite Home Entertainment haben wir drei Blu-rays zum Verlosen erhalten. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Für das Monster in den Lostopf

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort bis Dienstag, 6. Juni 2017, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Könnt Ihr sie mangels ausreichender Sichtung solcher Filme nicht beantworten, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Aufgrund von Erfahrungen mit vorherigen Gewinnspielen gilt: Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Meine Rezension von „The Void“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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Albion – Der verzauberte Hengst: Mit dem magischen Pferd in die Fantasy-Welt

Albion – The Enchanted Stallion

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Abenteuer // Mit ihren zwölf Jahren muss Evie (Avery Arendes) bereits Erwachsenen-Verantwortung übernehmen: Sie lebt allein mit ihrem Vater Connor (Stephen Dorff), einem versehrten und depressiven Kriegsveteran, und muss sogar an Weihnachten ihren Job im Pferdestall ausüben. Doch just an dem Tag begegnet dem Mädchen in freier Wildbahn ein majestätischer schwarzer Hengst – ein magisches Pferd, wie sich schnell herausstellt. Das Tier führt Evie schnurstracks in die fantastische Welt von Albion, wo gerade der ewige Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen auf einen neuen Höhepunkt zusteuert.

General Eeder isst gern

Bekannte Produktionen hat die junge Filmemacherin Castille Landon in ihrer 2007 begonnenen Laufbahn noch nicht vorzuweisen. Dennoch hat sie Gelegenheit bekommen, nach einem 2014 entstandenen Kurzfilm 2016 mit „Albion – Der verzauberte Hengst“ ihren ersten Langfilm zu inszenieren – wenig später schon gefolgt von „Apple of My Eye“. In beiden spielt sie auch mit, in erstgenanntem die junge Eriu, die mit wallender Mähne für das Gute kämpft.

Sein Handlanger Erémon geht auf die Jagd

Meinen neunjährigen Töchtern – die eine liebt Pferde, die andere mag Fantasy – hat „Albion – Der verzauberte Hengst“ gefallen, das ist schon mal einiges wert. Ob sie ihn so toll fanden, dass sie ihn wiederholt schauen wollen, muss die Zeit zeigen.

Disput zwischen Gut und Böse

Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Zwar wartet „Albion – Der verzauberte Hengst“ mit einigen gern gesehenen Fantasy-Elementen auf, wie magischen Wesen, einer schönen Königin (Debra Messing) und fiesen Finsterlingen; das Fantasy-Universum von Albion wirkt aber unausgegoren und simpel, eher am Reißbrett entstanden. Ein Wow-Effekt angesichts einer völlig neuen Welt stellt sich nicht ein. Das wäre vielleicht auch des Guten zu viel gewesen, zielt der Film doch eher auf eine kindliche Zielgruppe, die die Produzenten womöglich nicht mit einem komplexen Universum überfordern wollten. Etwas mehr Fleisch hätte Albion aber vertragen.

Die wilde Eriu …

Gefreut hatte ich mich auf Monty Pythons John Cleese, doch der entpuppte sich als Oberschurke General Eeder mit unappetitlichem Hautausschlag, Schwabbelkörper und miesen Essmanieren als schlechte Karikatur von Baron Vladimir Harkonnen aus David Lynchs „Der Wüstenplanet“ („Dune“, 1984). Was mag ihn bewogen haben, die Rolle anzunehmen? Eine üppige Gage wird es nicht gewesen sein. Stephen Dorff („Blade“) sehe ich an sich gern – und viel zu selten –, aber seine Rolle gibt nichts her. Evies Vater taucht zu Anfang und am Ende auf, dient schon irgendwie als Bindeglied, hat jedoch nicht viel zu melden. Auch die übrigen Rollen sind mit durchaus namhaften Serienstars besetzt: Jennifer Morrison kennen wir aus „Once upon a Time“ und „Dr. House“, Liam McIntyre aus „Spartacus“, Debra Messing aus „Will and Grace“ und Daniel Sharman aus „Fear the Walking Dead“ und „The Originals“. Bleibt die junge Hauptfigur. Avery Arendes müht sich redlich, ihre Evie hat auch Profil, aber der Funke will nicht recht überspringen. So bleibt „Albion – Der verzauberte Hengst“ ein Fantasy-Abenteuer, das man als Erwachsener mit seinen Kindern durchaus mal schauen kann, das später aber voraussichtlich kaum wieder aus dem Regal gezogen werden wird.

… findet in Evie eine Bundgenossin

Veröffentlichung: 26. Mai 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Albion – The Enchanted Stallion
USA/BUL 2016
Regie: Castille Landon
Drehbuch: Castille Landon, Ryan O’Nan, Sarah Scougal
Besetzung: Avery Arendes, Jennifer Morrison, Daniel Sharman, Debra Messing, Stephen Dorff, John Cleese, Liam McIntyre, Richard Kind, Johnny Sequoyah,Castille Landon, Ryan O’Nan
Zusatzmaterial: Trailer
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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