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Archiv der Kategorie: Musik

Ritchie Blackmore’s Rainbow: Memories in Rock – Live in Germany: Pure Nostalgie

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Ritchie Blackmore’s Rainbow: Memories in Rock – Live in Germany

Von Florian Schneider

Konzert // Als sich Ritchie Blackmore 1997 mit Blackmore’s Night der Renaissance-Folk-Musik verschrieb und damit Abschied nahm von einer außergewöhnlichen Karriere als Gründer und Gitarrist von Deep Purple und Rainbow, war dies dem Anschein nach ein Abschied vom Rock ’n’ Roll von radikaler Endgültigkeit. Selbst der Tod des einstigen Wegbegleiters Jon Lord in 2012 brachte ihn angesichts eines großen Abschiedskonzertes in der Royal Albert Hall nicht zurück auf die Rock-Bühne. Als aber 2016 die Aufnahme von Deep Purple in die Rock and Roll Hall of Fame vollzogen wurde, erschien der Meister zwar nicht, hatte aber bereits angekündigt im Sommer unter dem Label „Monsters of Rock“ drei Rockkonzerte mit einer neuformierten Rainbow-Band zu spielen.

Open-Air auf der Loreley

Am 17. Juni des Jahres war es soweit: Mit David Keith am Schlagzeug, Bob Nouveau am Bass (beide von Blackmore’s Night), Jens Johansson am Keyboard (Stratovarius und Yngwie Malmsteen) und dem fast gänzlich unbekannten Sänger Ronnie Romero enterte Richie Blackmore’s Rainbow als Headliner die Bühne der Loreley, um am 18. Juni einen weiteren Auftritt auf der Open-Air-Bühne am Viadukt in Bietigheim-Bissingen folgen zu lassen. Während im Vorprogramm Thin Lizzy unter anderem mit Phil-Lynott-Ersatz Ricky Warwick (Gesang) und Tom Hamilton (Bass, Aerosmith) sowie Scott Travis (Schlagzeug, Judas Priest) und dem einzigen Originalmitglied, Gitarrist Scott Gorham, zu überzeugen wussten, gerieten die Improvisationen bei der nachfolgenden Manfred Mann’s Earth Band etwas zu ausufernd.

Nun aber zum sehnsüchtig erwarteten Auftritt des Meisters: Stilecht, mit dem erhabenen und überdimensionalen Regenbogen als zentralem Bühnenelement, beginnt die Band nach dem obligatorischen Intro „Over The Rainbow“ mit dem ersten Song – und dieser weist gleich den Weg für das Folgende: Mit „Highway Star“, einem der großen Deep-Purple-Klassiker, ist gleich klar, dass die Setlist beiden Bands, Rainbow und Deep Purple, gerecht werden soll. Und tatsächlich wechseln sich in der Folge Rainbow-Klassiker wie „Man On The Silver Mountain“, „Since You Been Gone“, „Catch The Rainbow“ und „Stargazer“ mit Deep-Purple-Großtaten wie „Perfect Strangers“, „Black Night“ und (natürlich und unvermeidlich) „Smoke On The Water“ ab.

Feuerprobe für Sänger Ronnie Romero

Gesanglich ist das Set eine echte Feuerprobe für den optisch an Freddy Mercury erinnernden chilenischen Sänger Ronnie Romero. Muss er doch nicht nur in die Fußstapfen der unvergleichlichen Jahrhundertsänger Ronnie James Dio und Ian Gillan treten, sondern darf sich auch gleich noch an einer Herkulesaufgabe wie „Child in Time“ abarbeiten. Aber was soll ich sagen: Romero erweist sich ebenfalls als außergewöhnliches Gesangstalent, dem es vielleicht noch etwas an Charme fehlt, der stimmlich aber eine echte Granate ist. Von ihm wird in Zukunft mit Sicherheit noch einiges zu hören sein.

RAINBOW Ritchie Blackmore Lorelei, Deutchland 17 Juin 2016 Photo: Fabrice DEMESSENCE.

Gitarrengott Ritchie Blackmore

Dass Blackmore selbst, mit seinen 70 Jahren auf dem Buckel, nicht mehr die Wildheit und Geschwindigkeit seiner jungen Jahre hat, ist nachvollziehbar. Auch dass die Band in ihrer Gesamtheit den früheren Versionen der Originalbands nicht das Wasser reichen kann, ist angesichts der Gesangsleistung und Blackmores Spiellaune leicht zu verschmerzen – zumindest wenn man live dabei gewesen ist. Damit wird die Veröffentlichung (in der Blu-ray mit ausgezeichnetem HD-Bild und DTS-HD-Ton, allerdings ohne weiteres Bonusmaterial) des Konzertmitschnitts als Kombination der beiden Deutschland-Konzerte zu einem dankbar angenommenen Erinnerungsstück, wenn auch nicht zu einem echten Highlight in der Live-Diskografie beider Originalbands – da gibt es Besseres.

Band:

Ritchie Blackmore (Gitarre)
Ronnie Romero (Gesang)
David Keith (Schlagzeug)
Bob Nouveau (Bass)
Jens Johansson (Keyboards)
Candice Night (Backing Vocals)
Lady Lynn (Backing Vocals)

Setlist:

01. Highway Star
02. Spotlight Kid
03. Mistreated
04. 16th Century Greensleeves
05. Since You Been Gone
06. Man on the Silver Mountain
07. Catch the Rainbow
08. Difficult to Cure (Beethoven’s Ninth)
09. Perfect Strangers
10. Stargazer
11. Long Live Rock ’n’ Roll
12. Child in Time / Woman from Tokyo
13. Black Night
14. Smoke on the Water

Veröffentlichung: 18. November 2016 als Deluxe Edition (BR + DVD + 2-CD), Blu-ray, DVD, 2-CD und 3-LP

Länge: 139 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Ton: Englisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (DD Stereo), Englisch (DTS HD), Englisch (DTS Surround), Englisch (PCM Stereo)
Untertitel: Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch, Englisch
Originaltitel: Ritchie Blackmore’s Rainbow: Memories in Rock – Live in Germany
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: Eagle Vision / Edel

Copyright 2017 by Florian Schneider
Packshot: © 2016 Eagle Vision / Edel, Foto: © 2016 Fabrice Demessence

 

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The Rolling Stones – Totally Stripped: Die Entstehung einer späten Live-Perle

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Totally Stripped

Von Volker Schönenberger

Musik-Doku // Die „Voodoo Lounge“-Welttournee hatte die Rolling Stones 1994 und 1995 auf sechs Kontinente und vor mehr als sechs Millionen Fans geführt und einen dreistelligen Millionenbetrag in ihre Kassen gespült. Im November 1995 veröffentlichte die Band ihr Live-Album „Stripped“, auf dem sie zehn eigene Stücke und vier Coversongs zum Besten gaben, entstanden bei zwei Auftritten im „The Paradiso Club“ von Amsterdam und dem „The Olympia Theatre“ in Paris sowie Studiosessions in Lissabon und Tokio. Die Songs sind deutlich reduzierter arrangiert als in den bombastischen Stadionkonzerten, nicht akustisch – „unplugged“ war damals sehr beliebt –, aber nah dran; „stripped“ eben. Ein weiteres dieser Konzerte hatte im „Brixton Academy“ in London stattgefunden.

The Rolling Stones at Brixton Academy July 1995

Mick Jagger

Die Entstehung des Albums dokumentiert der Film „Totally Stripped“, der nun in diversen Editionen auf Blu-ray und DVD erschienen ist. Probe-Sessions, Interviews, Straßensituationen und Konzertausschnitte ergeben ein rundes und interessantes Bild, ohne neue Erkenntnisse über die Stones zu vermitteln. Dass selbst verwöhnte Millionäre mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung immer noch einfach Spaß am Musizieren haben können, ist ja keine Sensation.

Neue CD mit alternativer Zusammenstellung

Die beiliegende CD enthält wie die ursprüngliche „Stripped“-CD 14 Songs mit einigen Titelüberschneidungen, dabei aber nur einen Titel, der schon auf der alten CD enthalten war – manche Songs auf der neuen CD entstammen einem anderen Konzert. Auf der früheren CD nicht enthalten ist beispielsweise „Honky Tonk Women“ – immer wieder toll. Für beinharte Fans am interessantesten sind sicher die Deluxe-Editionen von „Totally Stripped“, die nicht nur die Doku und die CD enthalten, sondern auch alle drei Konzerte auf Blu-ray bzw. DVD.

Die Rolling Stones in intimer Atmosphäre

Braucht man all das? Mangels Sichtung der Konzerte kann ich über die Qualität der Aufnahmen nichts anführen. Die Ausschnitte im Film „Totally Stripped“ zeigen die Band und ihre Begleitmusiker spielfreudig und gut gelaunt. Da man die Rolling Stones seit vielen Jahren gemeinhin in erster Linie in Stadien und großen Hallen zu sehen bekam, ist allein die ungleich intimere Atmosphäre der drei Clubs vermutlich die Sichtung wert. Auch die Doku bringt eine Nähe zur Band, die man angesichts ihres Status als Rockgiganten selten spürt.

The Rolling Stones at Brixton Academy July 1995

Keith Richards

Mir reichen meine alte „Stripped“-CD und das einmalige Schauen der Doku. Aber es ist ein klasse Album mit dem Bob-Dylan-Cover „Like a Rolling Stone“ als – für mich – Herzstück, daher ist die Aufwertung mit „Totally Stripped“ und den Konzerten für viele Rockfans auf jeden Fall interessant.

Tracklist CD:

01. Not Fade Away (Amsterdam, 26. Mai 1995)
02. Honky Tonk Women (Paris, 3. Juli 1995)
03. Dead Flowers (Amsterdam)
04. Faraway Eyes (London, 19. Juli 1995)
05. Shine A Light (Amsterdam)
06. I Go Wild (Paris)
07. Miss You (Paris)
08. Like a Rolling Stone (Amsterdam)
09. Brown Sugar (Paris)
10. Midnight Rambler (London)
11. Jumpin’ Jack Flash (Paris)
12. Gimme Shelter (Amsterdam)
13. Rip this Joint (Amsterdam)
14. Street Fighting Man (Amsterdam)

Veröffentlichung: 3. Juli 2016 als SD-Blu-ray, DVD, DVD+CD-Set, DVD+2LP-Set, Deluxe 4SD-Blu-ray+CD-Set, Deluxe 4DVD+CD-Set

The Rolling Stones at Brixton Academy July 1995

The Rolling Stones

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch
Originaltitel: Totally Stripped
GB 1995
Regie: Jim Gimble
Vertrieb: Edel Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2016 Eagle Vision / Edel Germany GmbH, © Fotos: Ilpo Musto

 

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The Rolling Stones – Sympathy for the Devil: Wie entsteht ein Song für die Ewigkeit?

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Sympathy for the Devil

Von Volker Schönenberger

Musik-Doku // Ein großer Song der Rolling Stones, ein großer Song der Musikgeschichte: „Sympathy for the Devil“, 1968 auf dem genialen Album „Beggars Banquet“ veröffentlicht, seither permanent in den Live-Setlists der Band zu finden und unzählige Male gecovert. Sänger Mick Jagger verkörpert als Ich-Erzähler den Leibhaftigen, der sich erst einmal höflich vorstellt und in der Folge sein Mitwirken an einigen bedeutsamen historischen Ereignissen Revue passieren lässt. Abschließend bittet Luzifer um Höflichkeit (courtesy) und Mitgefühl (sympathy), andernfalls werde er die Seele seines Gegenübers dem Verfall anheimgeben (or I’ll lay your soul to waste).

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Mick Jagger gibt den Ton an

Den glücklichen Umstand, dass Jean-Luc Godard ausgerechnet der Entstehung dieses bedeutsamen Songs beiwohnen durfte, hat sich der Nouvelle-Vague-Filmemacher wohl kaum erträumt, als er im Frühjahr 1968 in London eintraf, um die Stones bei ihren Aufnahmen zu filmen. Er erwischt die Band bei lockeren Sessions, die nicht ahnen lassen, was da gerade im Werden ist. Mick Jagger ist Herr im Hause, so viel ist klar. Brian Jones wirkt etwas desorientiert, es mögen bewusstseinserweiternde, wahlweise -trübende Substanzen im Spiel sein. Ein gutes Jahr später wird er gefeuert und kurz darauf tot sein.

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Bill Wyman sorgt für Rhythmus

Godard dreht aber keineswegs eine reine Plattenaufnahmen-Doku, er fängt auch den Zeitgeist ein. Wir sehen Mitglieder der militanten Black-Panther-Revolutionäre auf einem Schrottplatz herumlungern, Schusswaffen schwingen und radikale Reden führen. Eine aparte junge Frau, die Schauspielerin und Schriftstellerin Anne Wiazemsky, schreitet als Verkörperung der Demokratie durch ein Waldstück und lässt sich von einem Filmteam bedeutungsschwangere Fragen zu politischen Gedankengängen stellen, die sie mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet. Gegenkultur nennt sich das wohl. So waren sie eben, die späten 60er. Oder so stellen wir sie uns vor, weil wir solche Bilder kennen. Man weiß es nicht. Ein obskurer Buchladen, von Nazis frequentiert, gerät für eine ganze Weile auch ins Bild.

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Keith Richards hängt lässig ab

Der Film „Sympathy for the Devil“, früher auch als „One Plus One“ und bei uns als „Eins plus eins“ verliehen und vertrieben, ist Kunstfilm und Dekonstruktion. Kann jeder einen solchen Song schreiben? Sicher nicht, auch wenn das recht profane Agieren der Band bei den Aufnahmen den Gedanken nicht ausschließt. 2008 erstmals bei uns auf DVD veröffentlicht, ist der Film kürzlich in DVD-Neuauflage und erstmals auf Blu-ray erschienen. Bild- und Tonqualität sind vorzüglich, wer dieses schöne Zeitdokument der Popkultur der späten 60er-Jahre bislang noch nicht gesehen hat, kann die Gelegenheit nun in HD-Qualität nutzen.

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“Please allow me to introduce myself”

Veröffentlichung: 12. November 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 123 Min. (Blu-ray), 118 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Sympathy for the Devil
GB 1968
Regie: Jean-Luc Godard
Drehbuch: Jean-Luc Godard
Zusatzmaterial: Trailer, alternative Schnittfassung „One Plus One“, Dokumentation „Voices“, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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