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Bastille Day – Unterhaltung in Zeiten des Terrors

04 Nov

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Bastille Day

Von Andreas Eckenfels

Actionthriller // Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 gilt als Geburtsstunde der Französischen Revolution. Aus diesem Anlass wird jährlich an diesem Datum in Frankreich der Nationalfeiertag zelebriert. Für den Verleih Studiocanal erschien der 13. Juli 2016 also durchaus passend, um den in Paris spielenden Actionthriller „Bastille Day“ in die französischen Kinos zu bringen. Doch nur einen Tag nach dem Start wurde das Land ein weiteres Mal von einem schrecklichen Terroranschlag erschüttert: In Nizza fuhr ein 31-jähriger Tunesier mit einem Lkw auf einer Promenade in eine feiernde Menge und tötete 86 Menschen. Der IS bekannte sich zu der Tat. Traurige Erinnerungen an den 13. November 2015 wurden wach.

Michael Mason (Richard Madden, l.) verdient seinen Lebensunterhalt als Taschendieb.

Michael ist ein geübter Langfinger

Schon damals entschied der Verleih, dass der Kinostart wegen des Terroranschlags in Paris unter anderem in Großbritannien und Deutschland ein paar Monate nach hinten verlegt werden sollte. Nach dem Nizza-Attentat ließ Studiocanal alle Werbemaßnahmen für „Bastille Day“ in Frankreich entfernen. Nur innerhalb der Kinos waren noch Plakate zu finden. Der Verleih stellte den Lichtspielhäusern zunächst frei, ob sie den Film aus dem Programm nehmen wollten. Doch bereits ein paar Tage später wurde beschlossen, dass der Actionthriller doch komplett aus den französischen Kinos zurückgezogen wird.

Kein schlechtes Gewissen

Darf man sich vor diesem tragischen Hintergrund dennoch ohne schlechtes Gewissen von „Bastille Day“ unterhalten fühlen? Ja, darf man. Denn die Handlung unterscheidet sich maßgeblich von realen Ereignissen. Es gibt keine IS-Terroristen und die Bombe sollte ursprünglich in einem leeren Gebäude hochgehen – also niemanden töten, nur als Warnung dienen. Der Actionthriller mit Golden-Globe-Gewinner Idris Elba („Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“) und „Game of Thrones“-Star Richard Madden hätte auch problemlos in einer anderen Metropole angesiedelt werden können. Aber dann hätte der Titel wahrscheinlich geändert werden müssen. „Independence Day“ war aber schon vergeben …

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Als vermeintlicher Attentäter ist Michael auf der Flucht

Michael Mason (Richard Madden) hält sich in Paris als Trickdieb über Wasser. Im Nu leert der Amerikaner unbemerkt die Taschen ahnungsloser Touristen. Doch an einem Abend hat er sich das falsche Opfer ausgesucht. Einer frustriert wirkenden und hektisch am Smartphone kommunizierenden Frau (Charlotte Le Bon) entwendet Michael fix die Tragetasche. Doch viel Wertvolles ist darin nicht zu finden. Der Langfinger macht sich noch einen Spaß daraus, an das klingelnde Handy aus der Tasche zu gehen. Aber dem wütenden Franzosen, der davon ausgeht, eine Zoe an der Leitung zu haben, antwortet er nicht. Also lässt er seine Beute in einer Ecke wieder fallen – und wenige Sekunden später macht es Bumm. Vier Menschen werden durch die Bombe getötet, die sich in der Tasche befand. Auf einmal ist Michael als vermeintlicher Attentäter der meistgesuchte Mann von ganz Paris.

Sean Briar (Idris Elba, l.) verhört Michael Mason (Richard Madden, r.)

CIA-Agent Briar (l.) glaubt bald an Michaels Unschuld

Der auf den Fall angesetzte CIA-Agent Sean Briar (Idris Elba) kann den Trickdieb schließlich fassen. Nach anfänglicher Skepsis glaubt er Michaels Unschuldsbeteuerungen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Zoe. Doch auch die eigentlichen Drahtzieher des verpatzten Bombenattentats wollen die gutgläubige Aktivistin finden.

Über den Dächern von Paris

Sein fieses Regiedebüt „Eden Lake“ (2008) ging durch Mark und Bein, in „Die Frau in Schwarz“ (2012) sorgte James Watkins für wohligen Grusel. Für sein drittes Werk drückte der Brite ordentlich aufs Tempo: Besonders in der ersten Hälfte geht es in „Bastille Day“ äußerst rasant zur Sache. Früher Höhepunkt ist eine Verfolgungsjagd über den Dächern von Paris, die auch bestens in einen weiteren „Bourne“-Teil gepasst hätte – inklusive Wackelkamera. Elba und Madden hatten sich für diese Szenen einem Extra-Stunttraining unterzogen. Dadurch wirkt das Ganze umso realistischer.

Zoe (Charlotte Le Bon) und Sean Briar (Idris Elba)

Kennt Zoe die wahren Drahtzieher hinter der Bombenexplosion?

Kurze Momente zum Luftholen gibt es immer dann, wenn Michael seine Künste als Langfinger demonstriert: Wie der Dieb dem verwunderten CIA-Agenten Briar kurzerhand den Inhalt seiner Geldbörse entwendet oder später in einer Bar eine Schlägerei initiiert, um an eine wichtige Information zu kommen, ist äußerst gewitzt inszeniert und wird von Madden charmant präsentiert. Gemeinsam mit dem kantigen Elba, der in den Actionszenen mit kompromissloser Härte vorgehen darf, bilden die beiden ein gut aufgelegtes Duo.

Falsche Fährten

„Bastille Day“ geht in der zweiten Häfte ein wenig die Puste aus und schlägt dann bis zum Finale bekannte Genrepfade ein. Dennoch muss man es den Autoren zugute halten, dass es ihnen gelingt, das Vorhaben der Bösewichte lange im Unklaren zu lassen. Dafür streuen die Täter zum Beispiel gezielt falsche Informationen in sozialen Netzwerken, um ihre Ziele zu erreichen. Durchaus clever und beängstigend zugleich.

In Großbritannien wurde „Bastille Day“ für die Heimkinoauswertung in „The Take“ umbenannt. Klar, dass man bei diesem Titel sofort an „96 Hours – Taken“ denken muss. An den Liam-Neeson-Kracher kommt Watkins Werk zwar nicht ganz heran, aber „Bastille Day“ kann sich dennoch mühelos ins obere Drittel der Actionthriller einreihen, die eine bestimmte Stadt als Schauplatz haben.

BDay_D15_298.CR2 Bastille Day directed by james Watkins with Idris Elba, Richard Madden, Charlotte Le Bon, Kelly Riley, Jose Garcia...

Briar kennt keine Kompromisse

Veröffentlichung: 27. Oktober 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Bastille Day
Alternativtitel: The Take
F/GB/USA 2016
Regie: James Watkins
Drehbuch: Andrew Baldwin, John Hodge
Besetzung: Idris Elba, Richard Madden, Charlotte Le Bon, Kelly Reilly, José Garcia, Anatol Yusef, Jorge Leon Martinez
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Trailer & Packshot: © 2016 Studiocanal Home Entertainment

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