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Einer nach dem anderen – Für eine Handvoll Schnee

28 Apr

Einer_nach_dem_anderen-Cover

Kraftidioten

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Thriller-Groteske // Schnee. Viel Schnee. Unmengen Schnee säumen den hohen Norden Norwegens. Hier verrichtet der schwedische Einwanderer Nils (Stellan Skarsgård) irgendwo im Nirgendwo zuverlässig seine Arbeit. Seinen tonnenschweren Schneepflug beherrscht er so gut, dass er gerade zum „Bürger des Jahres“ gewählt worden ist. Nils verliert bei der Ehrung nicht viele Worte; er fühle sich ein wenig wie ein Pfadfinder, meint er, und schließe die Leute eben wieder an die Zivilisation an. Es ist nun mal sein Job.

Vater auf Rachetrip

Kurze Zeit später ist Nils nicht mehr zum Feiern zumute. Sein Sohn wird tot auf einer Parkbank aufgefunden. Angeblich eine Überdosis. Sein Junge habe niemals Drogen angerührt, davon ist er überzeugt. Seine Frau reagiert völlig apathisch und auch Nils ist von der Trauer so übermannt, dass er seinem Leben ein Ende setzen will.

In diesem Moment trifft er auf den schwer ramponierten Freund seines Sohnes, der ihm die Wahrheit erzählt. Er sei es gewesen, der dem großen Gangsterboss „Der Graf“ (Pål Sverre Valheim Hagen) eine kleine Menge Koks geklaut hätte, für dessen Diebstahl Nils’ Sohn irrtümlich büßen musste.

Einer nach dem anderen wird abgemurkst

Nils beschließt, den Mord an seinem Sohn zu rächen und hinterlässt im „10 kleine Negerlein“-Prinzip zahlreiche Leichen, bis er endlich den großen Boss ausfindig macht. „Der Graf“ vermutet allerdings keinen Einzeltäter, der seine Handlanger beseitigt, sondern die serbische Konkurrenz unter der Führung von „Papa“ (Bruno Ganz), der ihm sein Territorium streitig machen will.

Wer „Ein Mann von Welt“, die erste Zusammenarbeit von Stellan Skarsgård und Regisseur Hans Peter Moland, gesehen hat, weiß in etwa, was ihn bei „Einer nach dem anderen“ erwartet: jede Menge staubtrockener Humor mit schrägen Gesellen und einigen Gewaltspitzen.

Jeder nur ein Kreuz

Skarsgård brilliert als stoischer Racheengel, der nichts mehr zu verlieren hat. Der scheinbar harmlose Bürger nutzt Schneepflug und Flinte, um seine Opfer zur Strecke zu bringen. Ein Running Gag zieht sich dabei durch den ganzen Film: Nach jedem Ableben werden ein Kreuz und der Spitzname sowie der echte Name des Verstorbenen eingeblendet, wobei es zu einigen urkomischen Kombinationen kommt.

Ein Mann zwischen zwei Gangsterlagern – wie bei „Für eine Handvoll Dollar“

Regisseur Moland inszeniert den Rachefeldzug wie einen Western: Lange Einstellungen über die raue, schneebedeckte Natur, Gesichter in Nahaufnahme, der Soundtrack mit Mundharmonika-Einsprengseln. Wie Nils die zwei verschiedenen Verbrecher-Lager gegeneinander ausspielt, erinnert dabei an „Für eine Handvoll Dollar“. Nur hat Nils im Gegensatz zu Clint Eastwoods namenlosem Helden keine Ahnung, dass er mit den Serben eine zweite Partei mit in den Krieg zieht.

Viele filmische Zitate

Auch sonst nutzt Moland zahlreiche filmische Zitate. Wenn Nils mit seinem riesigen Schneepflug die Gangster verfolgt, fühlt man sich in Steven Spielbergs „Duell“ versetzt. Und bei blutigen Morden im Schnee muss der geneigte Filmfan natürlich sofort an „Fargo“ denken.

Globalisierung auch beim organisierten Verbrechen

Mit dem Oscar-gekrönten Werk der Coen-Brüder kann es „Einer nach dem anderen“ nicht ganz aufnehmen. Die Figuren und Dialoge könnten aber auch aus den Federn der Coens stammen. „Der Graf“ ist Veganer, trägt Pferdeschwanz, ist stets adrett gekleidet und verfügt über eine Vorliebe für extravagante Accessoires. Er muss sich damit auseinandersetzen, dass es die Globalisierung auch schon bis in die kriminellen Ecken Norwegens geschafft hat. Sein Revier muss er zwangsweise mit den Serben teilen. Die Osteuropäer hingegen schwärmen von den norwegischen Gefängnissen: Es ist warm, es gibt gutes Essen, keine Vergewaltigungen, nette Wärter und kostenlosen Zahnersatz. Ein echtes Paradies!

Doch so verschieden der moderne Gangster „Der Graf“, der traditionsbewusste „Papa“ oder der wortkarge Nils auch sein mögen, in einem Punkt sind sie alle gleich: Wenn ihren Söhnen irgendetwas angetan wird, kennen sie kein Erbarmen. Dann gibt es viel blutigen Schnee und jede Menge Kreuze …

Veröffentlichung: 1. Mai 2015 als Blu-ray, 24. April 2015 als DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ab 16
Sprachfassungen: Deutsch, Norwegisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Kraftidioten
NOR 2014
Regie: Hans Peter Moland
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson
Besetzung: Stellan Skarsgård, Pål Sverre Valheim Hagen, Bruno Ganz, Kristofer Hivju, Peter Andersson, Birgitte Hjort Sørensen, Jakob Oftebro
Zusatzmaterial: Trailer
Vertrieb: good!movies / Neue Visionen Medien

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Packshot & Trailer: © 2015 Neue Visionen Medien

 
 

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Eine Antwort zu “Einer nach dem anderen – Für eine Handvoll Schnee

  1. Barbara

    2015/04/28 at 09:13

    Hoffentlich verkauft der nur reines Kokain, je nachdem, mit was es ansonsten gestreckt ist, ist es möglicherweise nicht vegan :O

     

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