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Houdini – Die komplette Serie: Flucht in Ketten

29 Apr

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Houdini

Von Andreas Eckenfels

Miniserie // Es ist ein erstaunliches Phänomen in Hollywood: Nach dem großen Triumph des Oscargewinns geht es mit den Rollenangeboten steil bergab. Existiert dieser Oscarfluch wirklich? So geschehen bei Nicolas Cage („Leaving Las Vegas“), der sich jetzt mit Massenware wie zuletzt „Outcast – Die letzten Tempelritter“ über Wasser hält und bei Halle Berry („Monster’s Ball“), die bis auf die „X-Men“-Filme auch keine Kassenerfolge mehr vorweisen kann. Trifft es jetzt auch Adrien Brody? Nach seiner Oscarrolle in „Der Pianist“ scheint nur noch Wes Anderson („Grand Budapest Hotel“) auf ihn zu setzen. Schade – und unverständlich, denn ähnlich wie Nicolas Cage verfügt Adrien Brody über eine einzigartige Ausstrahlung, der man sich nicht entziehen kann.

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Houdini in Ketten gelegt

Muskelmann Houdini

Allein schon durch seine Physiognomie ist Brody perfekt für die Rolle des legendären Entfesslungskünstlers Harry Houdini (1874–1926) geeignet. Mit seinem gestählten Körper wirkt es, als könne er allein durch seine Muskelkraft die ihm angelegten Ketten zum Bersten bringen. Brodys Darstellung ist es auch zu verdanken, dass man sich von der zweiteiligen Miniserie über Houdinis Leben an einem Sonntagnachmittag verzaubern lassen kann.

Alle wollen Houdini sehen

Arme und Beine liegen in Ketten, dann geht es kopfüber in den Wassertank: Als furchtloser und skandalträchtiger Magier begeistert Harry Houdini (Adrien Brody) Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit die Massen. Immer an seiner Seite: Ehefrau und Bühnenassisstentin Bess Houdini (Kristen Connolly) sowie Tüftler Jim Collins (Evan Jones), der für den Zauberer neue spektakuläre Tricks entwickelt. Durch seine Berühmtheit macht er Bekanntschaft mit Persönlichkeiten wie Kaiser Wilhelm II. (Gyula Mesterházy), den Romanovs oder Grigori Rasputin (Iván Kamarás).

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Team Houdini: Bess hilft auf der Bühne, Jim erfindet neue Zaubereien

Vor Beginn des Ersten Weltkriegs wird Houdini vom britischen Geheimdienst beauftragt, während einer Europa-Tournee zu spionieren. Am Ende seiner Karriere versucht er, die in Mode gekommenen spirituellen Geisterbeschwörer zu enttarnen – und legt sich dabei sogar mit „Sherlock Holmes“-Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle (David Calder) an.

Vater und Sohn

Der deutsche Regisseur Uli Edel („Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) inszenierte für den amerikanischen History Channel. Dabei gelang ihm die meistgesehene Miniserie im US-Kabel-TV 2014. Das Drehbuch schrieb „Star Trek“-Regisseur Nicholas Meyer. Es basiert auf der 1976 erschienen Biografie „Houdini – A Mind in Chains“, die wiederum von seinem Vater Bernhard C. Meyer stammt.

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Kopfüber in der Zwangsjacke

Trotz dieser geballten Fachkompetenz gelingt es „Houdini“ nicht ganz, hinter die Fassade des berühmten Zauberers zu blicken. Was trieb diesen Mann an, sich ohne Rücksicht auf seine eigene Gesundheit immer wieder aus ausweglosen Situationen zu befreien? Ein Vaterkomplex wird zu Beginn angedeutet, seine Mutter liebt er hingegen abgöttisch. Das Skript vernachlässigt ansonsten diese psychologische Ebene des Helden. Dafür stimmen die Schauwerte: Besonders die Ausstattung der komplett in Houdinis Geburtsort Budapest gedrehten Miniserie überzeugt.

Wie bei „CSI“

Bei der Erklärung einiger Zaubertricks, ist Edel sichtlich um Modernität bemüht. Ähnlich wie bei der Krimi-Serie „CSI“ lässt er uns mit Computer-Effekten in Houdinis Körper „schauen“, wie er etwa einen verschluckten Dietrich hochwürgt, um sich dann aus den Fesseln zu befreien oder wie seine Bauchdecke bebt, wenn Houdini einen Schlag in den muskulösen Magen erhält. Auch der Soundtrack wirkt häufig unpassend und reißt aus dem sonst sehr gelungenem Zeitporträt.

Magische Momente

Doch wenn der starke Brody als Houdini seine Tricks dem erstaunten Publikum vorführt, steigt die Spannungskurve auch vor dem TV immer wieder aufs Neue: Die Uhr tickt und tickt. Kommt der Zauberer wirklich lebend aus dem verschlossenen Safe raus, bevor ihm die Luft ausgeht? Kann er sich aus den Ketten rechtzeitig befreien? In diesen Momenten ist die Illusion von Houdinis zeitlosen Entertainer-Qualitäten perfekt und verständlich, warum er auch 90 Jahre nach seinem Tod immer wieder in der Popkultur auftaucht.

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Ist Houdini schneller als die Kanonenkugel?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Adrien Brody sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 16. April 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 174 Min. (Blu-ray), 166 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Houdini
USA/KAN 2014
Regie: Uli Edel
Drehbuch: Nicholas Meyer, Bernard C. Meyer
Besetzung: Adrien Brody, Kristen Connolly, Evan Jones, Tim Pigott-Smith, Tom Benedict Knight, Shaun Williamson, David Calder, Gyula Mesterházy, Iván Kamarás
Zusatzmaterial: Featurettes, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshots & Trailer: © 2015 Studiocanal Home Entertainment

 

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