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Die Katze – Dominik Graf und das deutsche Genre-Kino

13 Jun

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Gastrezension von Simon Kyprianou

Thriller // Der Film spielt in Düsseldorf, doch viel davon ist nicht zu sehen – meist nur die Silhouette im Hintergrund, ein paar Turmspitzen und ein paar Dächer. Die Stadt scheint endlos weit entfernt vom Schauplatz der Handlung, wird fast zu einer Art verzweifelter Sehnsuchtsvorstellung. Die Figuren nämlich sind gefangen in einem gläsernen und stählernen, kalt-bläulichen Mikrokosmos, bestehend aus einem Hotel und einer Bank.

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Düsseldorf in Schutt und Asche

Den ganzen Film über versuchen sie auszubrechen aus dem selbst geschaffenen urbanen Gefängnis und dem brutalen Banküberfall-Szenario, doch beinahe alle Figuren scheitern – und das nicht nur, weil sie sich alle gegenseitig betrügen und zerfleischen wollen. Hauptsächlich scheitern die Protagonisten an sich selbst, an ihren inneren Dämonen.

Es geht um den Verbrecher Probek (Götz George), der sich bei einem Banküberfall zweier Bauernopfer bedient: den Verbrechern Junghein und Pritz (Ralf Richter, Heinz Hoenig). Er spielt die beiden gegen die Polizei (unter anderem: Joachim Kemmer) aus, um am Ende mit der Frau des Bankdirektors (Gudrun Landgrebe) und der Beute fliehen zu können.

Dabei gelingt es Dominik Graf, große menschliche Dramen heraufzubeschwören – etwa wenn die Figuren so verzweifelt sind, dass sie nur noch bloße Gewalt als Ausweg aus ihrem verkommenen Leben sehen. Dann wieder versuchen sie sich angewidert von sich selbst an dem letzten bisschen ihrer verkrüppelten Moralität festzuhalten, doch es sind nur kurze Momente der Selbstreflexion innerhalb der Dauerkonfrontation.

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George und Landgrebe – zwei damalige deutschen Superstars

Dominik Graf inszeniert diesen städtischen Albtraum in hitzigen Bildern unterlegt mit einer hyperaktiv-verstörenden Soundkulisse und schafft so einen schnellen und konzentrierten, nie stillstehenden Thriller.

„Die Katze“ ist vorzügliches, visuell meisterliches Genrekino aus Deutschland, heutezutage anscheinend leider nicht mehr möglich.

Dominik Graf bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die Katze (1988)
Polizeiruf 110 – Der scharlachrote Engel (2005)
Polizeiruf 110 – Er sollte tot (2006, geplant)
Polizeiruf 110 – Cassandras Warnung (2011)
Polizeiruf 110 – Smoke on the Water (2014)
Die geliebten Schwestern (2014)
Zielfahnder – Flucht in die Karpaten (2016)

Veröffentlichung: 4. Dezember 2008 als DVD

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
BRD 1988
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Christoph Fromm, nach dem Roman von Uwe Erichsen
Besetzung: Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Ralf Richter, Joachim Kemmer, Ulrich Gebauer, Heinrich Schafmeister
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: EuroVideo

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2008 EuroVideo

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Eine Antwort zu “Die Katze – Dominik Graf und das deutsche Genre-Kino

  1. belmonte

    2014/06/13 at 06:48

    Toller Film. Damals im Kino gesehen. War wohl Georges Einstieg in die großen Bösewichter-Rollen Haarmann und Mengele.

     

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