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Schlagwort-Archive: Thriller

Shiri – Wuchtiger Startschuss für die Renaissance des südkoreanischen Kinos

Swiri

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // „Shiri“ startete am 13. Februar 1999 in den südkoreanischen Kinos und avancierte dort zum bis dato größten Erfolg, ließ mit 6,5 Millionen Zuschauern den mit 4,3 Millionen bisherigen Rekordhalter „Titanic“ (1997) deutlich hinter sich. Damit leitete der Actionthriller die Renaissance des südkoreanischen Films ein. Das Werk bedeutete auch für mich eine der ersten Berührungen mit dem Filmland Südkorea, wenn nicht die erste. Die Special Edition in der Tin Box kaufte ich 2004 oder 2005 eher beiläufig.

Im Trainingscamp für Killer

Immer wieder thematisiert das südkoreanische Kino die schmerzhafte Teilung Koreas nach dem Zweiten Weltkrieg, die mit dem Koreakrieg (1950–1953) zementiert wurde. So auch „Shiri“: Die Handlung setzt 1992 in einem nordkoreanischen Ausbildungslager ein, wo Soldatinnen und Soldaten unter der Leitung von Park Mu-young (Choi Min-sik) ein brutales Training durchlaufen. Jegliches Mitgefühl wird ihnen ausgemerzt, Gefangene dienen als Kanonenfutter, die zu Übungszwecken getötet werden. Eine junge Frau zeigt besonderes Talent in Gnadenlosigkeit und Beherrschung der Waffen. Lee Bang-hee, so ihr Name, wird der achten Spezialeinheit als Scharfschützin zugeteilt. Im Verlauf der folgenden Jahre sterben in Südkorea diverse wichtige Persönlichkeiten, die Taten werden Lee Bang-hee zugeschrieben.

Jagd auf die Mörderin

Im September 1998 sind die beiden südkoreanischen Agenten Yu Jong-won (Han Suk-kyu) und Lee Jang-gil (Song Kang-ho) mit der Jagd auf Lee Bang-hee betraut worden. Die Killerin hatte ein Jahr lang ihr tödliches Tun eingestellt, tritt nun aber mit dem Mord an einem Waffenhändler wieder auf den Plan. Der wollte den von der südkoreanischen Regierung entwickelten Sprengstoff CTX kaufen, eine hochentzündliche, farb-, geruch- und geschmacklose Flüssigkeit, deren Detonation schon in kleinen Mengen gewaltige Zerstörungen auslöst. Yu Jong-won ist mit Lee Myung-hyun (Yunjin Kim) verlobt, einer trockenen Alkoholikerin, die ein Geschäft für Zierfische führt. Über seine gefährliche Tätigkeit muss er ihr gegenüber schweigen. Als ein Wissenschaftler des Labors ermordet wird, in welchem CTX entwickelt wurde, kommt Lee Jang-gil der Gedanke, dass es einen Maulwurf in der Abteilung gibt, der Informationen an die Killerin weitergibt.

Nicht kleckern, sondern klotzen. „Shiri“ haut an Action einiges raus und muss sich vor vergleichbaren Hollywood-Produktionen nicht verstecken. Die Story kommt wenig subtil daher, im Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden des Landes ist viel Schwarz-Weiß-Malerei angesagt, und eine zentrale Enthüllung ist unschwer zu erahnen. Vielleicht verständlich angesichts des nordkoreanischen Regimes. Immerhin gilt es im Verlauf auch innere Konflikte zu überwinden, hier zeigt „Shiri“ durchaus einige Facetten und Emotionen. Große Gefühle, möchte ich anfügen.

Trotz viel Gewalt nur FSK 16

Gestorben wird von Beginn an so blutig, dass mich die Altersfreigabe ab 16 Jahren etwas überrascht hat. Über FSK 18 hätte sich niemand beschweren können. Das südkoreanische Kino im Allgemeinen und Regisseur Kang Je-kyu („Brotherhood“, „Prisoners of War“) haben seit 1999 viel dazugelernt. „Shiri“ liegt heute im Actionsegment des Landes nicht mehr ganz vorn, das ändert aber nichts daran, dass der Actionthriller mit seinen Armlehnenkraller-Qualitäten bis zum so bleihaltigen wie explosiven Herzschlagfinale nach wie vor zu fesseln vermag.

„Shiri“ versammelt eine namhafte Besetzung, darunter Choi Min-sik („Oldboy“, „I Saw the Devil“) und Song Kang-ho, der gern für Regiearbeiten von Bong Joon-hoo gebucht wird, darunter auch dessen Oscar-Film „Parasite“ (2019). Hauptdarstellerin Yunjin Kim wurde einige Jahre später für eine permanente Rolle in der US-Erfolgsserie „Lost“ (2004–2010) engagiert. Der Filmtitel „Shiri“ verweist laut deutscher Tonspur auf eine in koreanischen Gewässern heimische Fischart – den https://en.wikipedia.org/wiki/Coreoleuciscus_splendidus, auch als Swiri bekannt.

Kinofassung länger als Director’s Cut

Vom Film existieren zwei Schnittfassungen, wobei in diesem Fall ausnahmsweise die Kinofassung länger ist als der für die koreanische DVD angefertigte Director’s Cut – um 53 Sekunden (siehe Schnittbericht). Tatsächlich machen die beiden entfernten Szenen den Film runder, da sie in der Kinofassung ein paar Handlungslücken offenbaren, die nicht erklärt werden. Es wirkt, als sei hier ein kleiner Nebenstrang um einen zuvor angeschossenen hochrangigen Polizeibeamten entfernt worden, wobei die beiden Szenen versehentlich im Film verblieben sind. Ob sich das nach all den Jahren noch klären lässt, darf bezweifelt werden.

DVD auch in Tin Box noch günstig zu finden

Die DVDs von 2004 und 2005 sind im Handel vergriffen, auf den einschlägigen Marktplätzen aber überraschenderweise zu günstigem Kurs problemlos zu finden. Die Bildqualität ist solide, lässt aber Luft nach oben. 15 Jahre nach der letzten deutschen Veröffentlichung wird es höchste Zeit, „Shiri“ auch HD-Ehren angedeihen zu lassen. Es überrascht, dass es noch keine Blu-ray gibt. Womöglich scheuen deutsche Publisher aufgrund der vielen billig auf dem Gebrauchtmarkt angebotenen DVDs das unternehmerische Risiko oder sie schließen daraus auf eine zu geringe Nachfrage. Vielleicht ist im Zuge der Insolvenz des Publishers E-M-S seinerzeit auch die Lizenz für den deutschen Markt in einer hinteren Schublade gelandet. So oder so – bedauerlich, denn „Shiri“ hat auch heute noch Aufmerksamkeit verdient.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Kang Je-kyu haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Song Kang-ho unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 5. Januar 2006 als DVD, 30. Juli 2004 als als 2-Disc Special Edition DVD, 15. Juli 2004 als 2-Disc Special Edition DVD in Tin-Box

Länge: 126 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Swiri
KOR 1999
Regie: Kang Je-kyu
Drehbuch: Kang Je-kyu
Besetzung: Han Suk-kyu, Choi Min-sik, Yunjin Kim, Song Kang-ho, Johnny Kim, Jang Hyo-seon, Jang Hyun-sung, Hwang, Jung-min, Kim Soo-ro, Lee Seung-shin, Park Young-woo
Zusatzmaterial: Trailershow, nur Special Edition: Making-of Shiri (31 Min.), Die Stunts & Spezialeffekte (9 Min.), Beschwörung guter Geister (35 Sek.), Hinter den Kulissen (41 Min.), Musikvideo „When I Dream“ (5 Min.), Original-Trailer, Original-TV-Spot, japanischer TV-Spot, Slideshow mit internationalem Artwork (2 Min.), nur Tin-Box: Poster
Label/Vertrieb: E-M-S

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

 

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Foxtrot Six – Indonesien dreht wieder auf

Foxtrot Six

Von Volker Schönenberger

SF-Actionthriller // Die globale Erwärmung als Aufhänger eines kernigen Actionfilms – warum nicht? In dem indonesischen Kracher „Foxtrot Six“ hat als Executive Producer (ausführender Produzent) sogar Mario Kassar seine Finger im Spiel, der diese Funktion immerhin auch bei den ersten drei „Rambo“-Filmen, dem zweiten bis vierten Teil der „Terminator“-Reihe, „Red Heat“, „Total Recall – Die totale Erinnerung“ „Universal Soldier“, „Stargate“ und anderen modernen Klassikern des Genres ausübte. Ein wenig Vorfreude ist somit berechtigt, zumal Actionfans bei der Nennung von Indonesien seit „The Raid“, „The Raid 2“ und „Headshot“ ohnehin hellhörig werden.

Große Liebe: Sari

Der Drehbuchautor und Regisseur Randy Korompis ist ungleich unerfahrener als Mario Kassar: „Foxtrot Six“ stellt sein Debüt dar. Nach einem Prolog im Hier und Heute springt die Handlung ins Jahr 2031. Die Auswirkungen des Klimawandels haben auf fatale Weise um sich gegriffen. Dürren und Naturkatastrophen haben die Lebensmittelpreise explodieren lassen. Fruchtbare Böden sind weltweit zur Mangelware geworden. Indonesien ist davon nicht betroffen, weshalb der Staat zur Supermacht aufgestiegen ist. Damit einher geht ein Höchstmaß an Korruption: Schamlos bereichern sich die Mächtigen der Regierungspartei „Piranas“ auf Kosten der hungernden Bevölkerung.

Attacke gegen die Rebellen

Der ehemalige Elitesoldat Angga (Oka Antara, „The Raid 2“) hat sich seinerzeit an der Revolution von „Piranas“ beteiligt, die Präsident Indra (Miller Khan) stürzte und den korrupten Präsidenten Barona (Willem Bevers) installierte. Angga hat es bis zum Abgeordneten gebracht. Seine große Liebe Sari Nirmala (Julie Estelle) war einst spurlos verschwunden, er glaubt sie tot. Auf einer konspirativen Sitzung schlägt Angga Präsident Barona und den Piranas-Vorständen einen Schlag gegen die Rebellenbewegung „Reform“ vor. Er erhält die Zusage, den Special-Ops-Einsatz selbst zu führen. Doch dann kommt alles ganz anders. Ehe Angga es sich versieht, ist er Teil der Rebellion geworden und trommelt seine alten Kampfgefährten Oggi (Verdi Solaiman), Bara (Rio Dewanto), Spec (Chicco Jerikho), Tino (Arifin Putra) und Ethan (Mike Lewis) zusammen. Können Barona und Piranas gestürzt werden?

Angga (M.) will das Piranas-Regime stürzen

Das politisch-gesellschaftliche Szenario ist als Hintergrund zügig etabliert, im Anschluss braucht es ein wenig, bis es mit einer furiosen Szene eines mit Speer bewehrten Kämpfers im ihn nahezu unsichtbar machenden Tarnmantel in die Vollen geht. Eine ungemein beeindruckende Sequenz, in deren Folge es erst einmal wieder etwas ruhiger vorangeht. Die Tempowechsel sind nicht immer stimmig geraten, nehmen dem Film Fahrt. Das lässt „Foxtrot Six“ aber im Gegenzug von einem reinen Actioner zum Actionthriller werden. Bemerkenswert, dass ein Actionfilm aus einem Land mit einer noch längst nicht vollständig aufgearbeiteten jüngeren Vergangenheit wie Indonesien solche gesellschaftlichen Themen aufgreift – das erfordert sicher mehr Mut als hierzulande. Wer sich dafür interessiert, sei auf die Dokus „The Act of Killing“ (2012) und „The Look of Silence“ (2014) verwiesen.

Futuristische Action

Aufgrund des Szenarios in der nahen Zukunft und einiger futuristischer Elemente wie dem erwähnten Tarnmantel und Kampfeinheiten im Mecha-Anzug kommt auch die Science-Fiction zu ihrem Recht. Die Action besteht aus einer Mischung aus Schusswechseln, Martial Arts und dem Einsatz von Hieb- und Stichwaffen. Das schmerzt einige Male beim Zuschauen doch sehr. Die titelgebenden „Foxtrot Six“ können und müssen jedenfalls einiges einstecken. Gestorben wird viel auf beiden Seiten.

Auf in den Kampf

Der Verschwörungs- und Gegenverschwörungs-Plot wirkt nicht unbedingt logisch und durchdacht, aber damit konnte ich gut leben. Der Seitenwechsel von Angga erfolgt recht unvermittelt, obgleich erwartbar, da er als zwar korrumpiert, aber doch im Kern nicht schlecht charakterisiert wird. Als Antagonist Wisnu macht Edward Akbar eine gute Figur. Einen großen Wermutstropfen bildet aber die Tatsache, dass Julie Estelle als Sari völlig verschenkt wird. Sie dient letztlich nur dem Zweck, Angga mit etwas (okay: reichlich) Melodram zu bestücken. Wer Estelle als „Hammer Girl“ in „The Raid 2“ gesehen hat, weiß, wozu die Gute fähig ist.

Auch unterhalb von „The Raid“ ist Raum

„The Raid“ und „The Raid 2“ bleiben auf dem Actionthron, an diese beiden Großtaten reicht „Foxtrot Six“ nicht heran. Aber darunter ist ja reichlich Platz für packende Produktionen, und zu denen gehört das Werk ohne Zweifel. Eine Midcredit-Szene deutet die Möglichkeit einer Fortsetzung an. Ich würde sie schauen.

Es geht erbittert zu

Veröffentlichung: 18. November 2021 als Video on Demand, 26. November 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 110 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Foxtrot Six
INDO/USA 2019
Regie: Randy Korompis
Drehbuch: Randy Korompis
Besetzung: Oka Antara, Verdi Solaiman, Chicco Jerikho, Rio Dewanto, Arifin Putra, Mike Lewis, Miller Khan, Edward Akbar, Julie Estelle, Norman R. Akyuwen, Cok Simbara, Godfred Orindeod, Willem Bevers, Aurélie Moeremans, Ario Prabowo
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, Wendecover
Label: SquareOne Entertainment
Vertrieb: Leonine

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 SquareOne Entertainment

 

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Gunpowder Milkshake – Frauenpower im kernigen Killerkostüm

Gunpowder Milkshake

Kinostart: 2. Dezember 2021

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Um ihre halbwüchsige Tochter Sam (Freya Allan, „The Witcher“) zu schützen und aus der Schusslinie zu nehmen, ließ die Profikillerin Scarlet (Lena Headey, „Game of Thrones“) sie 15 Jahre zuvor mir nichts, dir nichts in einem Diner sitzen, in welchem sich die beiden sonst gern mit zwei Strohhalmen einen Milchshake teilten. Ihr Auftraggeber Nathan (Paul Giamatti, „Das Morgan Projekt“) nahm die Teenagerin unter seine Fittiche und bildete sie ebenfalls zur Auftragsmörderin aus. Nathan gehört dem mysteriösen Syndikat an, das nur als „Firm“ bekannt und gefürchtet ist.

Abschied

Mittlerweile hat sich Sam (nun Karen Gillan, Nebula eine der „Guardians of the Galaxy“) in ihrem tödlichen Gewerbe zur Besten der Besten entwickelt. Doch als ein Auftrag aus dem Ruder läuft, findet sie sich plötzlich selbst als Gejagte wieder und muss obendrein die achtjährige Emily (Chloe Coleman) beschützen. Gut, dass wie aus dem Nichts Sams Mutter Scarlet auftaucht.

Nathan hat Sam zur Auftragsmörderin ausgebildet

Liebe Herren der Schöpfung, Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Diese Damen zeigen uns Kerlen nicht zu knapp, wo der Hammer hängt. Da müssen reihenweise gestandene Mannsbilder Federn oder gar ihr Leben lassen. Die Frauenpower beschränkt sich dabei nicht nur auf das formidable Mutter-Tochter-Gespann, die Handlanger der Firm sowie einer konkurrierenden Organisation bekommen es auch noch mit den drei nicht minder schlagkräftigen Bibliothekarinnen Florence (Michelle Yeoh, „Fearless“), Anna May (Angela Bassett, „Black Panther“) und Madeleine (Carla Gugino, „Elizabeth Harvest“) zu tun. Die von dem Trio geführte Bibliothek erweist sich als ganz besondere Stätte der Bildung, lasst euch überraschen!

Die junge Killerin will die kleine Emily beschützen

Vielleicht begebe ich mich auf dünnes Eis, aber visuell fühlte ich mich bisweilen an die Filme von Wes Anderson erinnert, speziell „Moonrise Kingdom“ (2012) und „Grand Budapest Hotel“ (2014). Das gilt für die Farbgebung mit ihrem Mut zu kräftigen Tönen ebenso wie für die sehr durchdacht wirkende, geradezu geometrische Linienführung. Achtet mal darauf, wie oft Fluchtpunktperspektiven zu bemerken sind! Der seit Anfang der 1960er-Jahre aktive Kameramann Michael Seresin hat viele namhafte Produktionen in seiner Filmografie, zuletzt beispielsweise „Planet der Affen – Survival“ (2017) und „Planet der Affen – Revolution“ (2014). 2004 fungierte er bei „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ als Director of Photography, obendrein war er Stamm-Kameramann von Alan Parker, etwa bei „Angel Heart“ (1987) und „Fame – Der Weg zum Ruhm“ (1980). Ein echter Könner seines Fachs, und das bringt er in „Gunpowder Milkshake“ ein.

In dieser Bibliothek möchte man kein Buch verspätet zurückgeben

Der Actionthriller suhlt sich nicht nur in seiner visuellen Kraft, sondern auch in exzessiver Gewalt. Es geht blutig zu! Die FSK-18-Freigabe fürs Kino kommt nicht von ungefähr. Hier wird geballert und gestochen, getreten und geschlagen, dass es kracht! Das ist zwar augenzwinkernd und mit schwarzem Humor inszeniert, aber eben auch drastisch und comichaft überzeichnet. Dem Ideenreichtum sind dabei keine Grenzen gesetzt, wenn ich etwa an die Frage denke, wie man wohl mit gelähmten Armen an einer Schießerei und Messerstecherei teilnimmt.

Mutter und Tochter wieder vereint

So eignete sich „Gunpowder Milkshake“ vorzüglich als Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfests 2021, bevor er in Deutschland auch einen flächendeckenden Kinostart zugestanden bekommt. Gut so! Die Story wird angesichts des unbedingten Willens zum Style und zu überbordender Action dabei gelegentlich zur Nebensache, ausgesprochen komplex fällt sie ohnehin nicht aus. Das muss ja kein Nachteil sein und ist es hier auch überhaupt nicht. Für eine ausgesprochen feministische Botschaft reicht das natürlich nicht aus, aber das muss es ja gar nicht. Frauen haben das Heft in der Hand, und starke Schauspielerinnen haben wirklich starke Haupt- und Nebenrollen in einem Actionfilm erhalten, das ist positiv.

Mit diesen …

Die Handlung spielt sich übrigens in einer nicht näher benannten Metropole ab, für die als Drehort Berlin herhielt. Auch im Studio Babelsberg in Potsdam entstanden etliche Aufnahmen. In diversen Ländern kam „Gunpowder Milkshake“ gar nicht erst ins Kino. So hatte sich Netflix die Exklusivrechte für Kanada, die USA, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland gesichert, wobei es in den Vereinigten Staaten immerhin eine limitierte Kinoauswertung gab.

… Frauen ist …

Der israelische Regisseur und Ko-Drehbuchautor Navot Papushado machte erstmals 2010 mit dem Horrorfilm „Rabies – Big Slasher Massacre“ auf sich aufmerksam. Drei Jahre später lieferte er mit „Big Bad Wolves“ einen „grotesken Folter-Bastard“ ab (um meine damalige Überschrift über meiner Rezension zu zitieren). Beide liefen seinerzeit beim Fantasy Filmfest, so schließt sich mit „Gunpowder Milkshake“ als Eröffnungsfilm 2021 der Kreis. Nach einem fünfminütigen Segment im Anthologie-Horrorfilm „The ABCs of Death 2“ (2014) legte Papushado als Filmemacher aus mir nicht bekannten Gründen eine siebenjährige Schaffenspause ein, um nun mit seiner dritten vollwertigen Regiearbeit „Gunpowder Milkshake“ fulminant zurückzukehren. Für die internationale Produktion standen ihm erstmals ein größeres Budget und eine überaus namhafte Besetzung zur Verfügung.

… nicht gut …

Der Actionthriller bereitet viel Freude und hat die große Leinwand verdient. Eine Fortsetzung ist bereits bestätigt. Sie ergibt auch Sinn, weil das Universum von „Gunpowder Milkshake“ und die ominöse Firm das hergeben. Tatsächlich endet der Film rund und ohne Cliffhanger, aber offen genug, um diverse Möglichkeiten für ein Sequel zu eröffnen. Auch ein Prequel ist denkbar. Über das Personal des zweiten Teils vor und hinter der Kamera gibt es noch keine Informationen. Erfreuen wir uns einstweilen an „Gunpowder Milkshake“. Platzhirsch Keanu Reeves mit seiner „John Wick“-Reihe wird als der charmante Gentleman, der er ist, kein Problem mit dieser starken weiblichen Konkurrenz haben.

… Kirschen …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Angela Bassett, Karen Gillan, Carla Gugino, Lena Headey und Michelle Yeoh haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Paul Giamatti unter Schauspieler.

… essen

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: Gunpowder Milkshake
F/D/USA 2021
Regie: Navot Papushado
Drehbuch: Ehud Lavski, Navot Papushado
Besetzung: Karen Gillan, Lena Headey, Michelle Yeoh, Angela Bassett, Carla Gugino, Paul Giamatti, Chloe Coleman, Joanna Bobin, Freya Allan, Ed Birch, Ralph Inseon, Adam Nagaitis, David Zimmerschied, Samuel Anderson, Mai Duong Kieu, Michael Smiley
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2021 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Plakate: © 2020 Studiocanal SAS. All rights reserved.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2021/11/17 in Film, Kino, Rezensionen

 

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